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Full text of "Des Augsburger Patriciers Philipp Hainhofer Reisen nach Innsbruck und Dresden"

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WELLESLEY COLLEGE 




PURCHASED FROM 



LIBRARY FUNDS 



QUELLENSCHRIFTEN 



FÜR 



KÜNSTGESCHICHTE mu KUNSTTECHNIR 



DES 



MITTELALTERS UND DER NEUZEIT 



MIT UNTERSTÜTZUNG DES 
ÖSTERREICHISCHEN K. K. MINISTERIUMS FÜR CULTUS UND UNTERRICHT 

IM VEREINE MIT FACHGENOSSEN 

BEGRÜNDET VON 

RUDOLF EITELBERGER von EDELBERG. 

NACH DEM TODE DR ALBERT ILGS 

FORTGESETZT VON 

D^- CAMILLO LIST. 



NEUE FOLGE. X. BAND. 



DES 



AUGSBURGER PATRICIERS 

PHILIPP HAINHOFER REISEN 



NACH 



INNSBRUCK UND DRESDEN. 



VON 



DR- OSCAR DOERING. 



WIEN 

VERLAG VON CARL GRAESER & C^- 

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DES 



AUGSBURGER FATRICIERS 



PHILIPP HAIXHOFER REISEN 



NACH 



INNSBRUCK UND DRESDEN. 



VON 



D^ OSCAR DOERING. 



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VERLAG VON CARL GRAESER & C^- 

WIEN 1901. 



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K. und k. Hofbuchdr ucker Fr. Wiaiker & Schickardt, Brunn. 



Einleitung. 

Zehn Jahre jenes großen Krieges sind dahingegangen, dessen 
Xarrie die Erinnerung wachruft an dreißigjähriges namenloses 
Elend, unter welchem das deutsche Volk geseufzt, an Greuel- 
thaten ohnegleichen, an willkürliches Walten fremder Macht- 
haber auf deutschem Boden, an all das Furchtbare, worin die 
fehlerhafte Politik der deutschen Vorzeit an nachgeborenen 
Geschlechtern bestraft wurde. Zehn Jahre dieser Revolution 
— denn es war eine solche — sind vorüber. Wir wissen 
heute, dass der Krieg damals • — vor Ostern 1628 — seine 
zweite Periode, die mit der Zurückschiebung des Dänenkönigs 
Christian lY. beendigt wurde, bald hinter sich hatte. Wir 
finden Wallenstein auf der Höhe seiner flacht. Um sich der 
wichtis^en Küsten im Norden zu versichern, hat er Schleswi«- 
und Jütland erobert, pommer'sche Städte besetzt, hat sich ^leck- 
lenburgs bemächtigt und trachtet nach Niederwerfung der noch 
Widersetzlichen, vor allem Stralsunds. Alles dies in dem. Streben, 
der von ihm erträumten einheitlichen Kaisermacht die Herrschaft 
über die Ostsee zu verschaffen und dem gefürchteten Vordringen 
Schwedens bei rechter Zeit entgegenzuwirken. Aber schon meldet 
sich das Misstrauen der Kurfürsten gegen den strengen }>Icnar- 
chisten, noch ohne sichtlichen Erfolg und doch langsam, und 
rastlos seine scheinbar unerschütterliche Macht untergrabend, 
mit Verlangen dem Tage entgegensehend, wo man den Bedroh- 
lichen zu Fall bringen kann. So in Deutschland. — Zugleich 
zieht in Italien die Gefahr des zwischen den Häusern Nevers 
und Guastalla drohenden Erbfolgestreites herauf, der bald in 
blutigen Kampf übergeht. In Frankreich schreitet Richelieu mit 
der Belagerung von La Rochelle dazu, die politische Macht der 
Hugenotten zu brechen. So steht Europa in Waffen ; Blutver- 
gießen überall, überall Brand, Plünderung, Pest und Hunger. 

OueUenschr. X. Bd. 1 



— 2 — 

Auf der Straße, die von ^Augsburg über Partenkirchen zum 
Innthale führt, holpert ein leichtes Reisegefährt in mühseliger 
Eile den Alpen entgegen. Ist noch frühe Zeit im Jahre, man 
schreibt erst den 12. April. Aufgeweicht vom halbgethauten 
Schnee und schwer fahrbar ist der Weg. Dort reist unter dem 
Schutze des Erzherzogs Leopold von Tirol Philipp Hainhofer 
gen Innsbruck; einen kostbaren Kunstschrank soll er daselbst 
abliefern, der, in Augsburg angefertigt, von dem jetzt gleichfalls 
mitreisenden Meister Ulrich Baumgartner zum Geschenke des 
Erzherzogs an den Großherzog Ferdinand II. von Toscana be- 
stimmt ist. Das wertvolle Stück selbst ist schon am Tage vorher, 
wohl verpackt und stark bewacht, nach Innsbruck abgegangen. 
Dort soll sein künftiger Besitzer es als bleibendes Zeichen der 
am Tiroler Hofe gefundenen ehrenden Aufnahme in Empfang 
nehmen. Es ist das erstemal, dass man Don Fernando dort als 
Fürsten begrüßen kann. Erst unlängst der Vormundschaft ent- 
wachsen, hat er sich jetzt beeilt, zur Befestigung seiner Stellung 
erst in Rom, dann auf deutschem Boden Besuche zu machen. 
So wenig Freude er auch am ersteren Orte gefunden hat, so 
reichlich findet er sich entschädigt durch die Erfolge in Innsbruck, 
wie auch später in München und zuletzt in Wien, bei seinem 
kaiserlichen Oheim. Die mantuanische Erbfrage freilich, auf deren 
friedliche Beilegung man gehofft hat, bleibt unerledigt. 

Mit dem von Hainhofer gelieferten Kunstschranke hat der 
Erzherzog gebührenden Dank, die Erfinder und Anfertiger des 
Werkes berechtigte Bewunderung geerntet. Dass eine solche 
Arbeit geraume Zeit zur Fertigstellung gebraucht hatte, ist natür- 
lich, und wird besonders durch das Beispiel des pommer'schen 
Kunstschrankes bewiesen, den Hainhofer IGIT nach Stettin lie- 
ferte'). Auch die Entstehung des Planes für den Innsbrucker 
Kunstschrank können wir einige Jahre zurückverfolgen. Denn es 
ist sehr wahrscheinlich, dass der Erzherzog Leopold ein solches 
Stück bestellte, als er l()2.o, den 31. Juli, mit großem Gefolge 
zumi erstenmale bei Hainhofer erschien, um dessen Kunstkammer 
zu besichtigen. Und die damals angeknüpften Fäden sind fester 



') ^U^- Julius I>e.s.sing in den Jahrbüchern der königlich preußischen 
Kunstanstalten IV. (1883), p. 1. ff., V. (1884), p. 42. ff. 






angezogen worden, als der Erzherzog am 15. November 1626 ^) 
■abermals, diesmal in Begleitung seiner Gemahlin Claudia, aus 
dem Hause Medici, bei ihm erschien. — In Innsbruck benutzte 
Hainhofer die Gelegenheit des ihm vergönnten längeren Aufent- 
haltes am erzherzoglichen Hofe, um alles Erlebte und Gesehene, 
ganz besonders den Inhalt der Kunstsammlungen, mit der größten 
erreichbaren Sorgfalt aufzuzeichnen. Nach einer Reihe genuss- 
reicher Tage, aus deren Schilderung man von der Unruhe der 
damaligen Zeitläufte kaum etwas vernimmt, wurde Hainhofer 
huldreich entlassen und trat am 3. Mai die Heimreise an. Schon 
diese kurze Zeit hatte genügt, um schlimme Veränderungen 
herbeizuführen. Während die Hinreise ohne Gefahren verlaufen 
war, trieben sich jetzt zwischen Augsburg und dem Nordsaume 
der i\lDen Soldatenabtheilungen umher, die noch aus dem 1626 
aufgelösten Heere des Grafen Ernst von i\Iansfeld stammten. Um 
einem Schicksal ähnlich jenem zu entgehen, welches Callot in 
seinen Miseres de la guerre die Insassen eines Reisewagens 
erleben lässt, war Hainhofer genöthigt, streckenweise seinen Weg 
zu Wasser zurückzulegen. So gelangte er zuletzt glücklich nach 
Hause. 

Die Weltereignisse aber nahmen ihren weiteren bekannten 
Verlauf, der in dem Erlasse des Restitutionsedictes 1629 zum 
völligen Bruche zwischen dem Kaiser und den Evangelischen 
führte, welchem Wallenstein vorsichtig auszuweichen gestrebt 
hatte, weil er sah, wie der protestantische Theil Deutschlands 
dadurch in die Arme Schwedens getrieben werden musste. Der 
Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen, früher des Kaisers Bei- 
stand in Schlesien und der Lausitz, war es, der wiederholt bei 
Ferdinand wegen Aufhebung des Edictes vorstellig wurde. Sein 
Erfolg war dem von ihm gewünschten entgegengesetzt. Die 
Gegenreformation begann allenthalben, noch verschärft durch die 
Willkür durchmarschierender und einquartierter Soldaten. Ver- 
schieden in ihren bald sanften, bald gewaltsamen Mitteln, blieb 
sich die Gegenreformation gleich, was ihr unverrückt verfolgtes 
Ziel betraf. Augsburg war eine der ersten Städte, die von ihr 
betroften wurden. Der nach Wiedererlangung der geistlichen 



^) Beide Daten überliefert uns H.'s Selbstbiofjraphie. Baltische Studien 
IL, 1834. 



4 

Jurisdiction strebende Bischof veranlasste, dass ein kaiserlicher 
Commissär nach Augsburg kam, der am 8. August 1629 eine 
Rathssitzung daselbst abhielt, worin er mit Energie für die An- 
sprüche des Bischofs eintrat. Die katholischen Stadtpfleger waren 
leicht bestimmt, zur Vermeidung weiterer Gefährdung sich zu 
fügen. Das evangelische Bekenntnis in der Stadt wurde aufge- 
hoben, alle evangelischen Prediger und Kirchenpfleger ihres 
Amtes entsetzt und diejenigen, welche das Bürgerrecht nicht 
besaßen, alsbald ausgewiesen. Die Bürgerschaft der volkreichen 
Stadt (Augsburg zählte damals gegen 100.000 Einwohner) wurde 
nur durch die schwersten Bedrohungen am Aufruhr verhindert, 
fügte sich aber bald, da sie das Auskunftsmittel erfand, sich zur 
Vornahme evangelisch-kirchlicher Amtshandlungen nach benach- 
barten Städten und Herrschaften zu wenden. Erst als auch dies 
verboten, als der dem Glauben Getreue vor die Nothwendigkeit 
gestellt wurde, mit Hinterlassung seiner Habe die Heimat zu 
meiden, als eine erneute Intervention des Kurfürsten von Sachsen 
(ddo. 22. August) wiederum ohne Erfolg blieb, gerieth man in 
Angst und Bestürzung. Vergebens war die Klage der Bürger bei 
den katholischen Stadtpflegern, und so beschlossen sie, nochmals 
ihre Zuversicht auf den damals einzigen Fürsprecher ihrer Sache^ 
den Kurfürsten Johann Georg, zu setzen. Um ihn bereitwilliger 
zur Vertretung ihrer Sache zu stimmen, versuchte m.an durch 
persönliche Zuspräche auf ihn und, was richtig überlegt war, 
auch auf seine Gemahlin zu wirken. Ein paar kostbare Kleinig- 
keiten, die sich während der gefahrvollen Reise leicht verbergen 
ließen, wurden zur Unterstützung des Bittgesuchs ausgewählt, 
und eine Gesandtschaft ausgerüstet, die aus vier der angesehensten 
evangelischen Bürger bestand. Es waren dies der Scholarch 
Johann Ulrich Oesterreicher, der Rechtsgelehrte Johann Ulrich 
Rehlinger, der Rathsherr (und bekannte Kupferstecher) Lukas 
Kilian, und an der Spitze der Gesandtschaft der an allen Höfen 
wohlbekannte gewandte Diplomat Philipp Hainhofer. Am 30. Au- 
gust machten sie sich auf den Weg, am 10. September trafen 
sie in Dresden ein, welches sie wegen einer vom Kurfürsten ver- 
schuldeten Verzögerung erst am 16. October wieder verließen. 
Den Rückweg mussten die Gesandten aus Furcht vor den um- 
herstreifenden Soldaten großentheils durch Wälder und einsame 
Gegenden nehmen. Am 26. October kamen sie wieder in Augs- 



bürg an, froh über ihre glückliche Heimkunft, froh in der Hoff- 
nung, dass ihr vom Kurfürsten und der Kurfürstin gnädig auf- 
genommenes Gesuch den erhofften Erfolg haben würde. Sie 
wussten noch nicht, was sie sich gleichwohl hätten vorhersagen 
können, dass die Interventionsschrift, die der Kurfürst . seiner 
Zusao-e e^emäß noch einmal — es war das letztemal — an den 
Kaiser sandte, auch nicht das Geringste helfen, ihre schlimme 
Lage vielmehr noch verschlimmern würde. Vorderhand aber 
hatten sie noch etwas zu hoffen, und froh zehrten sie von der 
Erinnerung an die in der kurfürstlichen Hauptstadt geschauten 
Herrlichkeiten und genossenen Ehren. Hainhofer aber sorgte 
dafür, dass jene Eindrücke nicht verloren giengen. Seiner Gewohn- 
heit gemäß arbeitete er nach den unterwegs gesammelten reich- 
lichen Notizen einen langen Bericht der Gesandtschaftsreise aus, 
Avobei freilich das Politische sehr kurz fortkam; warum, vverden 
wir unten näher erörtern. Dagegen tritt das Religiöse in diesem 
Berichte, auch gegen sonstige Gewohnheit, naturgemäß mehr 
hervor. Hainhofer hätte aber nicht er selber sein müssen, wenn 
er nicht das künstlerische Element, sein Lieblingsfeld, wie immer 
in seinen Berichten ganz in den Vordergrund gestellt hätte. Ob 
dies im vorliegenden Falle logisch das Richtige war, ist für uns 
gleichgiitig, da wir vielmehr Ursache haben, gerade seiner beson- 
dern Vorliebe für die Kunst, zumal die seiner Zeit, dankbar zu 
sein. Ist sie doch die Veranlassung, dass wir über die interes- 
santesten Dinge, über Leben von Künstlern (darunter vieler, 
deren Namen sonst verloren wären), über Kunstsammlungen der 
damaligen Zeit und vieles andere eingehende Nachricht erhalten 
haben. Und da seine hochinteressante und wichtige schriftstelle- 
rische Hinterlassenschaft, wenn auch umfangreich, so doch immer- 
hin stark lückenhaft auf uns gekommen ist und die Hoffnung, 
einzelnes noch hier oder dort wiederzufinden, nicht aufzugeben 
ist, so verlohnt es sich, hauptsächlich in Anlehnung an seine 
Selbstbiographie, zusammenzustellen, welche Berichte von seinen 
vielfachen Reisen er verfasst hat, eine Aufgabe, deren Lösung 
auch V. Oechelhäuser 1891 in den »Neuen Heidelberger Jahr- 
büchern (Heft 2) unternommen hat. A'orweg sei bemerkt, dass 
zur Hainhofer'schen Hinterlassenschaft auch die Copierbücher 
seiner vieljährigen weitverzweigten Correspondenz gehören. Von 
ihnen (sie gehören der Wolfenbüttler Bibliothek) ist hier nicht 



— 6 — 

die Rede; man vergleiche dafür vielmehr das in der Einleitung- 
zu Quellenschriften Neue Folge VI. Gesagte. 

Folgende Reiseberichte hat Hainhofer überhaupt verfasst 
(t bedeutet, dass der Verbleib der betreffenden Schrift gegen- 
wärtig nicht nachweisbar ist) : 

1. Reise nach Italien zu Studienzwecken, denen er beson- 
ders in Padua oblag; angetreten am 2. Mai 1594, ausgedehnt 
bis Neapel. Ende November 1598 reist Hainhofer nach Köln. 
Fortsetzung seiner Studien daselbst. Wegen Ausbruchs der Pest 
geht er im August 1597 nach Elberfeld; von da gleichfalls durch 
die Pest vertrieben, tritt er eine Reise durch ganz Holland an 
und besucht 1598 auf der Rückkehr Stade, Hamburg, Magdeburg, 
Leipzig, Nürnberg und andere Orte. Der diese Dinge enthaltende 
Octavband ist von mir in Wolfenbüttel entdeckt (60. 21. August 
oct., 280 bezifferte Folien). Der Inhalt ist, was besonders Hlolland 
betrifft, mehr cultur- als kunstgeschichtlich interessant. (Italienische 
Reise Fol. 1 — 49 v., niederländische bis 110 v.) Die italienische 
Reise in viel ausführlicherer, lateinisch geschriebener Fassung fand 
ich eben daselbst in der Handschrift 61. 21. Aug. oct. 

2. Der vorher erwähnte Band 60. 21. x\ug. oct. enthält noch 
eine Reihe von kleineren Reisebeschreibungen, die mehr für die 
Hainhofer'sche Biographie wichtig sind, näm.lich : 

a) Nach Yßnen. JuH 1599 (110 v.— 112 v.) ; 

b) nach Lindau, August 1599 (113 v. — 116 v.); 

c) nach Ulm, Juni 1603 (122 v.— 127 v.) ; 

d) nach München, Juli 1603 (126 v.— 147 v.) ; 

e) nach Regensburg, October 1G03 (150 v. — 162 v.): 
Beschreibung der Stadt (157 v. — 161 v.); 

f) nach Frankfurt a. M. ») August 1605 (175 v.— 182 v.. 
Besuch in Heidelberg 175 v. — 177 v.): 

g) nach Ulm und Frankfurt, September 1606 (189 v. 
—197 V., Stuttgart 189 v.— 192 v.); 

h) nach Nürnberg, Mai 1608 (die Stadt, das Pellerhaus 
224 V. —227 V.); 

i) nach Ebenhausen, Badecur daselbst, 1608 (236 v. 
—254 V.). 

(Außerdem enthält das Buch eine Reihe anderer blographi- 

' ) Hainhofer reiste, wie dasselbe Buch ausweist, auCerdem alljühilich zur 
Messe nach Frankfurt. 



scher Aufzeichnungen, die bis 1625 in abnehmender Genauigkeit 
fortgesetzt sind.) 

3. Reise nach Eichstädt, 16. — 27. Mai 1611, im Auftrage 
Herzog Wilhelms V. von Baiern ; und 

4. zur mündlichen Berichterstattung von da nach M ü n c.h e n. 
Achttägiger Aufenthalt daselbst. Diese beiden Berichte gehören 
zu den wenigen, welche im Original erhalten sind (Wolfenbüttler 
Correspondenzbände 17. 24. Aug. fol. von Seite 86 an). Alle, von 
denen v. Oechelhäuser (a. a. O. pag. 258 f.) annimmt, dass sie 
Original sein könnten, sind lediglich gleichzeitige, unter Hain- 
hofers Aufsicht gemachte Abschriften. — Copien dieser Relation : 
Universitätsbibliothek zu Innsbruck, Msc. Nr. 582; — Reichs- 
archiv zu München ; — Herzogliche Bibliothek zu Wolfenbüttel 
(drei Exemplare: Die Eichstädter Reise a) 11. 22. Aug. fol., 
pag. 1 — 22 V., wo aber der Schluss fehlt; b) 23. 3. x\ug. fol.^ 
pag. 1—86; c) Extr. 77. Die Münchner Reise a) 11. 22. Aug. fol., pag. 
59—102; b) 23. 3. Aug. fol. pag. 111—233; c) Extr. 77.) Herausge- 
geben sind beide Relationen von Häutle, Zeitschr. des Vereins f. d. 
Gesch. V. Schwaben u. Xeuburg lJ-^81, 15 — 54, bezw. 55 — 148. 

5. Reise nach Nürnberg 1612, zur Überbringung eines 
Glückwunschschreibens des Herzogs Philipp II. von Pommern- 
Stettin an den neuen Kaiser Matthias, sowie von »Compliment- 
schreiben« an den Kurfürsten Ferdinand von Köln, Erzherzog 
Leopold von Österreich, an die Markgrafen Christian und Joachim 
Ernst von Brandenburg, an Gottfried Bischof von Bamberg und 
den Markgrafen Karl von Burgau. Hainhofer erwirbt durch \'or- 
zeigung seiner Stammbücher großen Beifall, sogar beim Kaiser, 
der sie zw^ei Tage lang in seiner W^ohnung durchsieht. Copie 
der bisher unbekannten Schrift in der Bibliothek zu WolfenbütteL 
(23. 3. Aug. fol., pag. 257—295 v.) 

6. Reise nach München, 21. September bis 4. October 
1612, im Auftrage des Kurfürsten von Köln. Abschrift: Reichs- 
archiv zu München in den sog. Jülich'schen Successionsacten. 
Herausgeg. von Häutle a. a. O. pag. 149 — 171. 

7. Reise nach Neuburg, Januar 1613, im Auftrage des 
Herzogs Philipp von Pommern zur Anknüpfung freundschaftlicher 
Beziehungen mit dem kurpfälzischen Hause. Copie der bisher 
unbekannten Schrift in der Bibl. zu Wolfenbüttel. (23. 3. Aug. 
fol., pag. 351 — 374 v.) 



— 8 — 

8. Reise nach Regensburg, 11. August bis 30. Octo- 
ber Ißlo, im Auftrage des Herzogs von Pommern mit einem 
Schreiben an den Kaiser und die versammelten Fürsten. Abschriften : 
UniversitätsbibHothek zu Innsbruck, Bibhothek zu Wolfenbüttel 
(2 Exemplare : 6. 6. Aug. fol., pag. 1 — 47. Außerdem ein eigen- 
händiges vielfach corrigiertes Concept Hainhofers 11. 22. Aug. 
fol. pag. 130 — 148.) Herausgegeben von Häutle a. a. O. pag. 
1 72—204. 

9. Reise nach München, 8. bis 12. (?) November 1613, im 
Gefolge des Kurfürsten von Köln bei der Hochzeit des Pfalzgra.fen 
Wolfgang W'ilhelm mit der Prinzessin Magdalene von Baiern. 
Abschriften : Universitätsbibliothek zu Innsbruck (Cod. 582), 
Bibliothek zu Wolfenbüttel. (2 Exemplare: 11. 22. Aug. fol., 
pag. 105 — 127 V. und 6. 6. Aug. fol., pag. 65 — 123 v.) Heraus- 
gegeben von Häutle a. a. O. pag. 209 — 249. 

10. Reise nach Neuburg, 4. bis 7. November 1614, im 
Auftrage des Herzogs von Pommern zur Condolenz wegen des 
Todes des alten Pfalzgrafen. Abschriften: Universitätsbibliothek 
zu Innsbruck (Cod. 582), Bibliothek zu Wolfenbüttel (6. 6. Aug. 
fol., pag. 147- — 167). Herausgegeben von Häutle a. a. O., pag. 
250—267. 

11. t Reise nach dem Wildbade, Juli 1615, vor allem zur 
Herstellung der eigenen Gesundheit ') und zugleich unter Erledi- 
gung diplomatischer Aufträge des Herzogs von Pommern. In 
Hainhofer'schen Schriften geschieht dieser Reise oft Erwähnung, 
so dass ich versuchen kann, den Inhalt wenigstens in den wei- 
testen Umrissen wieder herzustellen. Vielleicht gibt diese Inhalts- 
angabe einen Fingerzeig zur \Mederaufhndung des Berichtes: 
sollte dieselbe nicht gelingen, so erweckt das, was sich wieder- 
herstellen lässt, umso lebliafteres Bedauern, dass das interessante, 
vielleicht besonders für die Geschichte des Heidelberger Schlosses 
wichtige Werk, verloren ist ^') : 

') Hainhofer litt häufig an Schwindelanfällen, die er durch den Aufenthalt 
im AVild])ade zu beseitigen hoffte ; doch täuschte er sich hierin. 

■^j Die wichtigsten Quellen für die folgende Inhaltsangabe sind die Relation 
von Ißlß (^Nr. 12j, Oechelhäuser a. a. O. p. 271)— 280, ferner der Brief des 
Herzogs von Pommern vom 22. Juli IGl;") (Quellenschriften. Neue Folge. VI. 
p. 2(57 ff. aus dem Codex 9G. 4. Aug. fol. in AVolfcnbüttel). Der Herzog bezieht 
sich darin auf eine »lange Relation« H's. vom ß. Juli, welche am 14. desselben 
Monats in seinen Händen war. Leider ist diese nicht erhalten, weil H. während 



Abreise von Augsburg. rVnkunft in Günzburg. Audienz da- 
selbst beim ^^larkgrafen Karl von Burgau '). Hier wie an allen übrigen 
Höfen, die er besucht, überreicht Hainhofer das >Credenzschreiben<!: 
des Herzogs von Pommern, erledigt auch überall die damals für 
denselben wichtigste Angelegenheit, nämlich die Bitte um einen 
Beitrag für das herzogliche Stammbuch. Der Markgraf führt ihn 
in seinen neuerbauten Saal, zeigt ihm die Bildnisse von 16 Mark- 
grafen von Burgau und bittet Hainhofer, er solle untersuchen, 
welche Wahlsprüche die einzelnen gehabt haben, damit die Por- 
träts mit denselben geschmückt werden können. (Innsbrucker 
Reise, fol. 291 v.) Weiterreise nach Geislingen. Hainhofer be- 
sucht unvermuthet seinen alten Freund, den 65 Jahre alten Hans 
Ulrich Krafft (1550 — 1621), einen Patricier aus Ulm, der damals 
in Geislingen als Administrator des ehemals Helfenstein'schen 
Gebietes lebt. Das Gespräch kommt auf die Bernsteingegenstände, 
welche Herzog Philipp dem Krafft geschickt hat. Zu ihrer wür- 
digen \'erwendung war ein Schreibtisch angefertigt, welchen 
Krafft dem Hainhofer zeigt. Krafft bittet Hainhofer um \'ermiitt- 
lung beim Herzoge wegen bernsteinerner ^lesser und Gabeln -). 
Weiterreise nach Heidelberg, wo Hainhofer gerade noch recht- 
zeitig ankommt^). /\udienz zur Erledigung der herzoglichen Auf- 
träge beim Kurfürsten Friedrich von der Pfalz und bei dessen 
Gemahlin Elisabeth, auf deren Verlangen er seine Sache in fran- 
zösischer Sprache vortragen muss, da sie am liebsten, wenn nicht 
enghsch, diese Sprache spricht. Kurfürst und Kurfürstin fragen, 



seiner Reise nichts in seine Copierbücher eintrug. Dort brachte er freilich für 
gewöhnlich nur seine Briefe unter (eine Ausnahme siehe oben unter Nr. 2 und 3), 
aber auch hier handelt es sich offenbar nur um einen langen Brief und der 
Ausdruck »Relation«, dessen sich der Herzog bedient, erscheint nicht richtig 
gewählt. Von einer solchen könnte nur die Rede sein, wenn ein abgeschlossener 
Bericht abgefasst worden wäre. H. aber vsar nach des Herzogs Yermuthung noch 
am 22. Juli im Wildbade, hat also offenbar nur über den ersten Theil seiner 
Reise berichten können, der freilich der wichtigste gewesen sein wird, da er 
seine diplomatischen Sendungen alle schon auf dem Hinwege erledigt zu haben 
scheint. Leider sind die Nachforschungen, die ich in umfassendster "Weise aul 
den deutschen Bibliotheken und Archiven nach dem interessanten Manuscripte 
angestellt habe, erfolglos geblieben, was merkwürdig genug ist, da H. von allen 
seinen wichtigeren Schriften stets mehrere Abschriften anfertigen ließ. 

') Einem Sohn der Philippine Welser und Erzherzogs Ferdinand von Tirol. 

'^) Die dieser später gern zusagte. 

^) So sagt, ohne Angabe des Grundes, der obenerwähnte Brief des Herzogs. 



— 10 — 

ob dem Herzoge von Pommern ihre Porträts lieb sein möchten ; 
dari-iber aber, was sie in sein Stammbuch stiften wollten, können 
sie sich nicht sogleich entschließen \). Besichtigung des Heidel- 
berger Schlosses, u. a. auch der Rüstkammer-), die gleichzeitig 
als Depot für Sättel, Kutschen- und Schlittenausrüstung dient. 
Eine schöne Kutsche erregt Hainhofers besondere x\ufmerksam- 
keit. Besuch der Bibliothek. Der Schlossthurm mit dem großen 
Fasse. Besuch der zum Schlosse gehörigen Gärten mit ihren 
Laubengängen, Portalen und anderen Anlagen. In Heidelberg 
wahrscheinlich die Bekanntschaft mit dem berühmten Ingenieur 
Salomon de Caus ^), der Hainhofer sein Buch de institutione har- 
moniaca et machinaria geschenkt zu haben scheint. Weiterreise 
nach Speyer. Audienz beim Bischof daselbst. Der Plan, auch 
Worms zu besuchen, wird wegen zu weiter Entfernung aufge- 
geben, und Hainhofer übersendet dem Bischof Wilhelm das pom- 
mer'sche Schreiben, statt es persönlich zu überliefern. Weiterreise 
nach Durlach zum Markgrafen Georg Friedrich von Baden. 
Audienz bei ihm. Erledigung der pommer'schen vSache. Besichti- 
gung des Schlosses. Darin ein Gemach, in welchem sich die 
Bildnisse aller derer befinden, welche des Markgrafen Orden be- 
saßen. Der pommer'sche Herzog fehlt jedoch unter ihnen. Besuch 
der Rüstkammer, die ebenso eingerichtet ist, wie die zu Heidel- 
berg. Eine schöne Sänfte gefällt Hainhofer besonders. Besichti- 
gung des Lusthauses und Gartens zu Durlach. Von beiden sieht 
Hainhofer Zeichnungen, die ihm sehr gefallen. Das Lusthaus ist 
von Hecken eingefasst, welche »in architektonischer Art« be- 
schnitten sind. W^eiterreise nach dem Wildbade. Es findet sich 
»gute Occasion«, auch dem Herzoge von Württemberg die pom- 
mer'schen Angelegenheiten vorzutragen. Dieser scheint also auch 
im Wildbade gewesen zu sein, ebenso wie sicher Herzog Achilles 
Friedrich von Württemberg. Mit letzterem und dem Grafen Eber- 
hard von Rappoltstein spricht Hainhofer. Beide versprechen 
Beiträge für das herzogliche Stammbuch. Sie erbieten sich auch, 
mit dem Herzoge Münzen ihrer Sammlung auszutauschen und 
versprechen Übersendung ihrer Kataloge. Hainhofer lobt beide 



') Der Bescheid stand sogar 1(!17 noch aus und wahrscheinlich bekam der 
Herzog überhaupt nichts. 

2) Vgl. Quellenschriften. N. F. VI. }). 275. 
•■') Über ihn ibidem p. 2G8, Anm. 14. 



— 11 — 

Fürsten wegen ihrer vortrefflichen Eigenschaften. Unter der 
Badegesellschaft knüpft Hainhofer nähere Bekanntschaft an mit : 
Heinz Ernst von Ramsingen, Nicolas von Saazkirch und Pültzen, 
württembergischem Junkerschaft Hofmeister, Christoph von Haug- 
witz, württembergischem Obervogt zu Neuenburg, Heinrich Schenk 
zu Schweinbruck, Ewald Blücher zu Plate und Daberkow, eq. 
pomeran., Wolfgang Gabelchower, Arzt aus Calw '). \\'eiterreise 
über Stuttgart^). Audienz beim Herzoge, der sich entschuldigt, 
noch nicht für das herzogliche Stammbuch gesorgt zu haben. 
Besichtigung der Sehenswürdigkeiten von Stuttgart : Der Garten 
(jedoch darin nicht das Reihergestell und die »pergole« und 
Gänge aus Hecken, welche Hainhofer erst 1616 zu sehen bekam); 
die »schöne neue Bahn«, die neue Stallung, die schöne Grotte, 
das Lusthaus. »Unter« letzterem eine große Zahl Bildnisse von 
Kaisern, Königen und Fürsten, zumeist in ganzer Figur. Concert, 
bei welchem ein englischer Musikus (Johannes Preus) auf der 
Gamba spielt und zugleich auf einer englischen Pfeife bläst. 
Heim nach Augsburg. 

12. Reise nach Stuttgart, 4. bis 27. März 1616, auf Ein- 
ladung des Herzogs Johann Friedrich von Württemberg zur Tauf- 
feierlichkeit. Abschriften : Universitätsbibliothek zu Heidelberg 
(Cod. Palat. Germ. 842), Bibliothek zu Wolfenbüttel (6. 6. Aug. 
fol. pag. 184 — 228 v.). Herausgegeben von v. Oechelhäuser a. a. 0., 
pag. 277—312. 

13. Reise nach Stettin, 3. August bis 2. November 1617, 
auf Einladung des Herzogs Philipp II. von Pommern-Stettin zur Ab- 
lieferung des heute sogenannten pommer'schen Kunstschrankes '^) 

') Die Bekanntschaft mit allen diesen ist nachweisbar aus dem in "Wolfen- 
biittel befindlichen Stammbuch, in welchem ihre Beiträge, sämmtlich aus dem 
AVildbade, Juli 1615, datirt, sich befinden; auch fol. 96 (vgl. fol. 279), 60, 84, 
120, 122, 273. 

■^j Es ist nicht hinreichend klar, ob dieser Besuch in Stuttgart nicht vielleicht 
schon auf der Hinreise stattfand. Stuttgart war vollkommen günstig dazu gelegen. 
Ich folge indes der in der Hainhofer'schen Biographie (Balt. Stud. II. 2. 1834 
ad a 1615) festgehaltenen Reihenfolge. Da nun der Herzog Philipp aber auf den 
im Wildbade am 6. Juli geschriebenen Brief Hainhofers hin von einem Zusammen- 
treffen Hainhofers mit dem Herzoge von Württemberg redet, wozu er »gute 
occasion« gehabt habe und hierbei doch nicht an ein beabsichtigtes, sondern 
imbeabsichtigtes Zusammentreffen gedacht werden möchte, so habe ich eine zwei- 
malige Unterredung beider Männer annehmen zu müssen geglaubt. 

^) Bekanntlich im königlichen Kunstgewerbe-Museum zu Berlin. Vgl. Julius 



— 12 — 

und eines künstlichen Meierhofes ^). Abschriften: Königliches 
Staatsarchiv zu Stettin, königliche Bibliothek zu Kopenhagen, 
Bibliothek zu Wolfenbüttel. (2 Exemplare: 11. 22. x\ug. fol., 
pag. 149 — 250 v. und 23. 2. Aug. fol., pag. 1—441 mit vielen 
Kunst- und anderen Beilagen.) Herausgegeben von Medem in 
den Baltischen Studien II. 2. 1834. (Anmerkungen von Ledebur.) 

14. t Kleine Reise nach Oberndorf, 1618. 

15. t Kleine Reise nach Wehringen, 1620. 

16. t Reise nach Stuttgart, 1621, Abschrift nach Medems 
Behauptung (a. a. O. p. XVIII.) in der Bibl. zu Wolfenbüttel, 
dort indeß nicht bekannt. 

17. Reise nach Innsbruck, 12. April bis 6. Mai 1628, auf 
Einladung des Erzherzogs Leopold von Österreich zur Ablieferung 
eines für den Großherzog von Toscana bestimmten Kunstschrankes. 
Abschriften : Bibliothek des Museum Ferdinandeum zu Innsbruck, 
Bibliothek zu Wolfenbüttel (2 Exemplare: 6. 6. Aug. foL, pag. 
230 — 239 und Extr. 100) 2 ausführliche (deutsch und lateinisch), 
3 summarische (deutsch, lateinisch, italienisch) Beschreibungen 
des in Innsbruck abgelieferten Kunstschrankes, ferner 2 Inventare 
seines Inhalts (deutsch und italienisch) im Wolfenbüttler Manu- 
script 6. 6. Aug. fol., pag. 351 — 544. Abdruck im Folgenden. 

18. t Reise nach München, vom 26. Juni 1629 an, im 
Auftrage der Herzoge von Mecklenburg, um den Herzog Maxi- 
milian zur Intervention beim Kaiser und dem Kurfürsten- 
collegium im Interesse der beiden Geächteten zu bewegen. 

19. Reise nach Dresden, 30. August bis 26. October 1629, 
im Auftrage der Evangelischen zu Augsburg, um als Mitglied 
einer aus vier Personen : Hainhofer, Hans Ulrich Österreicher, 
Hans Ulrich Rehlinger, Lukas Kilian bestehenden Gesandtschaft 
den Kurfürsten von Sachsen um Intervention beim Kaiser zu 
bitten, damit die Freiheit der evangelischen Religionsübung in 
Augsburg gewährleistet werde. Abschriften : Fragment bis wenig 



Lessiug, Jahrb. der königlich preußischen Kunstanstalten 1883. 1884. Die dem 
Schrank beigegebene Erklärung Quellenschriften. N. F. VI. 289 — 347. Beschreibung, 
die mit der dort abgedruckten übereinstimmt, in Wolfenbüttler Manuskripten noch 
11. 22. Aug. fol., p. 254—287 v. 

') Zugrunde gegangen. Vgl. über ihn meine Studie in der Zeitschrift des 
historischen Vereines für Schwaben und Neuburg 181)1. In AVolfenbüttler Manu- 
scripten ist die Meierhofbeschreibung zu finden: 11. 22, Aug. fol., p. 288-^2lt7 v. 



— 13 — 

nach der Ankunft in Dresden reichend im Augsburger Stadt- 
archive, vollständige Exemplare in der Hofbibliothek zu Wien, 
Cod. 8830, Bibliothek zu Wolfenbüttel. (3 Exemplare: 11. 22. Aug. 
fol., pag. 299 — 527. Abschrift mit eigenhändigen Hainhofer'schen 
Correcturen. Dass wir nicht [wie v. Heinemann annimmt, Hand- 
schriftenkatalog IL, 2. pag. 50] mit dem Concepte zu thun haben, 
zeigt die Einheftung eines Porträts in Kupferstich. Schöne Co- 
pien ferner 37. 32. Aug. fol., 38. 2. Aug. fol.) Abdruck im 
Folgenden. 

20. t Reise nach Regensburg, vom 1. August 1630 an, 
im Auftrage des Herzogs August d. J. von Braunschweig-Lüne- 
burg zum Kurfürstentage, gleichfalls im Interesse der evangeli- 
schen Glaubensgenossen. 

21. t Reise nach München, 12. — 16. August 1631, Pri- 
vatbesuch bei dem mit Hainhofer befreundeten französischen 
Gesandten de Leon. Ich setze diese Reise hierher, wiewohl die 
Biographie nichts von einem über sie verfassten Berichte meldet. 
Häutle (a. a. O. pag. 204) erwähnt ihn als in Wolfenbüttel 
befindlich, führt aber das Signum des Manuscriptes nicht an. 
Jch habe nach diesem, angeblich mit Bildern, Zeichnungen u. s. w. 
geschmückten Codex in Wolfenbüttel vergebliche Nachfrage 
gehalten. Unrichtig ist, was Häutle (pag. 205) von einem ver- 
muthlichen Zusammenhange dieser Handschrift mit dem Hainhofer'- 
schen Stammbuche redet. 

22. Reise nach München, 17. bis 20. Juni 1636, im Auf- 
trage des Herzogs /\ugust d. J. von Braunschweig-Lüneburg, um 
den Herzog Maximilian zum Braunschweiger Herzoge zu Gevatter 
zu bitten. Abschrift: Bibliothek zu Wolfenbüttel (2 Exemplare: 
11. 12. Aug. fol., pag. 528 — 567. Aus denselben Gründen nicht 
Concept wie bei Nr. 19. Extr. 106). Herausgegeben von Häutle 
a. a. O. pag. 268—314. 

Wenn wir diese überraschend große Anzahl von Reise- 
berichten überblicken, und den reichen Inhalt und erfreu- 
lichen äußeren Eindruck derjenigen wahrnehmen, welche bis jetzt 
gedruckt vorliegen, so müssen wir Interesse für die Frage gewinnen, 
• welche bisher nicht erörtert ist : Welchen Wert beanspruchen 
Hainhofers Relationen ? Wie weit geht ihre Selbständigkeit 
und Zuverlässigkeit ? Hierbei ergibt sich sogleich für die Zwecke 
der vorliegenden Veröffentlichung, dass es sich hier nicht um 



— 14 — 

ihren \\^ert als Quellen politischer Geschichte handelt. Für diese 
dürften sie bei näherer Untersuchung, die dem Specialforscher 
empfohlen sein möge, sich als nicht so ergiebig herausstellen 
wie die Hainhofer'schen Correspondenzen '), immerhin aber inter- 
essant genug sein. \Me viel Wert die Schriften für die Geschichte 
der Cultur und ganz besonders der Kunst der zweiten Hälfte des 
IG. und der ersten vier Jahrzehnte des 17. Jahrhunderts haben, 
gilt es festzustellen. Was vor dieser Zeitgrenze liegt, kommt 
weniger, und was noch hinter Dürer zurückreicht, gar nicht in 
Betracht, weil Hainhofer für entlegenere Kunstepochen durchaus 
kein Verständnis hatte. Er unterschied sich hierin übrigens 
nicht von seinen Zeitgenossen, welche außerdem gleich ihm zu 
wenig stilkritisches Gefühl besaßen, dergestalt, dass sie in ver- 
wegenster W^eise dem Michelangelo, Dürer, Lionardo und andern 
alle erdenklichen Werke, oft sehr mäßiger Beschaffenheit, zu- 
schrieben, mit welchen jene nicht das mindeste zu schaffen haben. 
— Was die Quellen betrifft, welche Hainhofer benutzte, so 
sind dies zunächst gedruckte. Oft versichert er, dass er solche 
benutze, um seiner Berichterstattung möglichste Genauigkeit zu 
verleihen, selten aber führt er sie mit Namen an. So z. B. bei 
der Relation über die Stettiner Reise (Balt. Stud. 1832, IL, 
pag. 80) Dr. Dan. Cramers Kirchenchroniken und Paul Fride- 
borns \\'erk: bei der über die Innsbrucker Reise den Hercules 
Prodicius des Stephanus Pighius, bei der über die Dresdener 
Reise Pekkensteins Theatrum Saxonicum. Er pflegte solche \\'erke 
auf der Reise mit sich zu führen und sie unterwegs als Präpara- 
tions- oder Repetitionslectüre zu benutzen. So ist es erklärlich, 
wenn hin und wieder in den Schriften sich Anklänge an das 
Gelesene finden, directer Entlehnungen indes enthält sich Hain- 
hofer fast immer, und in den sehr seltenen Fällen, wo doch der- 
gleichen vorkommt, gibt er es gewissenhaft an. Anders ist sein 



') Der historische Hintergrund der Hainhofer'schen Privaterlebnisse ist im 
ganzen nur wenig erkennbar. Bei den im Folgenden abgedruckten Relationen 
Avürde man erwarten müssen, von den Schrecken des damals in seiner zweiten 
Periode befindlichen dreißigjährigen Krieges Nachricht zu finden. Die Innsbrucker 
Relation spricht aber nur sehr wenig, die Dresdener unbedeutend mehr davon, 
keine so viel, um einen genügenden Begriff von den Ereignissen zu geben. Nur 
die Vorgänge in Augsburg, die zur Absendung der Gesandtschaft führten, treten 
deutlicher hervor. 



— 15 — 

\'erhalten gegenüber handschriftlichen Quellen, die er fast nie 
besonders nennt, dagegen mit ^'orliebe ausschreibt. Predigten, 
Gebete, Personenverzeichnisse, Furierzettel, Actenstücke verschie- 
dener Art gehören hieher. Bisweilen ist es nicht eben leicht, 
diese Bestandtheile als fremdes Eigenthum zu erkennen, bisweilen 
fallen sie als solches ohne weiteres auf, etwa w^enn sie in fremder 
Sprache verfasst sind, und er sich nicht die Mühe gibt, sie zu 
übersetzen (so Innsbr. Relat. fol. 2(31 v.) oder wenn sie sich durch 
Inhalt und Form deutlich aus dem Übrigen herausheben. In letz- 
terer Beziehung zeichnet sich u. a. die im Abdruck der Dres- 
dener Relation ausgelassene, aus einer großen }klenge von i\rtikeln 
bestehende v. Pflug'sche Familienordnung aus. Für uns besonders 
wichtig ist, dass Hainhofer, um die in den verschiedenen Kunst- 
sammlungen vorhandenen Gegenstände zu merken, sich ohne 
Zweifel die vorhandenen Inventare hat vorlegen lassen, so in 
Am.bras und auch in Dresden. Er schreibt jedoch aus diesen 
Papieren erstens nichts wörtlich ab, zweitens benutzt er sie nicht 
vollständig, sondern lässt beliebig weg, sicher nicht aus Mangel 
an Interesse, sondern an Zeit. Die Stunden, welche ihm zwischen 
seinen eigentlichen Geschäften und den Zerstreuungen, die gele- 
gentlich direct seinetwegen veranstaltet wurden, übrigblieben, um 
sich der ihm aus fürstlicher Gunst erlaubten Beschauung der 
sonst selten jemandem zugänglichen Kostbarkeiten, oder dem 
Besuche von Kirchen, Klöstern u. s. w. hinzugeben, waren knapp 
genug bemessen. Besonderes Glück, wenn ihm gestattet wurde, mehr 
als einmal in eine Sammlung zu gehen I Da galt es schnell bei der 
Hand zu sein, den Führer auszufragen^) und Notizen zu machen, 
und wir müssen bewundern, wie Hainhofer hierbei die Zeit ausgenutzt 
hat. Auf genauere Beschreibung der Gegenstände musste er zu- 
nächst verzichten, erst bei der nachträglichen Verarbeitung des 
gesammelten ^laterials konnte er mit Hilfe fremder Aufzeich- 
nungen und seines vortrefflichen Gedächtnisses eine größere 
Genauigkeit herbeiführen. Diese aber ist daher stets eine ziemlich 
zweifelhafte. Er weiß das selbst sehr genau. Seinen Katalog der 
Ambraser Rüstkammer beschließt er mit einem »etc.«, von der 



') Hainhofer beschwerte sich 1G3G bitter, dass in der Frauenkirche zu 
München der Messner als halber Idiot ihm keine Erläuterung des Denkmals 
Kaiser Ludwigs habe geben können, die er seinem Berichte beilegen könnte. 
Zeitschrift des historischen Vereines für Schwaben und Neuburg 1881, p. 291. 



— 16 — 

Dresdener Kimstkammer erklärt Hainhofer in der Überschrift, 
dass es sich hier nur um einen »Extract« handle. In Dresden 
vergisst er u, a. den herrlichen Jamnitzer'schen Schmuckkasten 
(jetzt im grünen Gewölbe, Silberzimmer, Xr. 115) und den nicht 
minder kostbaren Toilettespiegel (daselbst, Pretiosensaal, Nr. 171) 
zu erwähnen, beides Gegenstände, die zu jener Zeit in der kur- 
fürstlichen Sammlung waren. Es macht für die Beurtheilung des 
Wertes Hainhofer'scher Schriften wenig Unterschied, ob er diese 
Stücke damals übersehen, oder nur in der Eile nicht mit notiert 
hat. Auch dafür gibt es Beweise, dass er seine Notizen nicht 
allemal sofort gemacht hat, doch handelt es sich in solchen 
Fällen stets um weniger Wichtiges. So, wenn er eine lange 
Reihe von Scherzen wiederholt, die er in fröhlicher Runde hat 
erzählen hören, und hinzusetzt, es seien ihrer noch mehr gewesen, 
die er nicht alle habe behalten können (Balt. Stud. 1832, pag". 82). 
Schlimmer als in solch bedeutungslosem Falle wird die Sache, 
wenn er seine Notizen über erhebliche Dinge nachlässig macht, 
etwa eine Inschrift fehlerhaft abschreibt (Zeitschr. f. vSchwab. u. 
Neub. 1881, pag. 80), oder uns durch die ungenaue x\ufzählung 
der neben dem Maximiliansgrabmale zu Innsbruck stehenden 
Statuen zur Correctur seiner Nachrichten nöthigt. — Hainhofers 
Art, seinen Stoff daheim zu verarbeiten, musste unter solchen 
Umständen eine ziemlich ungleiche sein. W^ährend er das Maxi- 
miliansgrab in Innsbruck sehr eingehend, sogar mit Angabe sämmt- 
licher Inschriften, beschreibt, hat er für das Grabmal des Kur- 
fürsten Moritz (in Freiberg), welches doch in vielen Punkten 
zum Vergleiche mit jenem auffordert, kaum ein paar Zeilen übrig. 
Für die goldene Pforte des Freiberger Domes findet er überhaupt 
keine Silbe, obgleich er sie kennen musste. Von andern Auslas- 
sungen wichtiger Dinge war schon die Rede. Von den durchreisten 
Landschaften spricht er nur ganz ausnahmsweise, obgleich es ihm an 
Empfindung für die Schönheiten der Natur nicht gänzlich fehlt. Auch 
in dieser Beziehung unterscheidet er sich nicht von den meisten 
der Zeitgenossen^). Wie er die welthistorischen Dinge behan- 



'j Die Dichtungen des Martin Opitz (f 1639) kennzeichnen in ihren nüchternen 
und unentwickelten Naturschilderungen durchaus den Standpunkt, den wir auch 
bei Hainhofer annehmen dürfen. Letzterer versichert bei dem Ritte nach Hall 
(Innsbr. Relat.), es sei »in dem Thaal zwischen den bergen sehr lustig vnd wol 
gesagt mag werden lauda il monte et tienti al piano«, erzählt, dass er sich an 



— 17 — 

delt, ist oben angedeutet. »Der historischen Wahrheit ist nirgend 
absichthch etwas vergeben,« sagt v. Medem über Hainhofers 
Berichterstattung (Balt. Stud. 1832, pag. XVI.). Aber die histo- 
rische Wahrheit erleidet Einbuße durch \^erschweigungen und 
Verschleierungen, Dinge, deren sich Hainhofer allerdings und 
auch absichtlich schuldig gemacht hat. Dies hängt zusammen 
mit dem Zweck seiner Schriften. Eine erfreulicherweise in der 
Dresdener Relation (fol. 360 v.) vorhandene Aufklärung durch 
Hainhofer selbst gibt die Bestätigung dessen, was schon v. 
Medem, Häutle und v. Oechelhäuser vermuthet haben, nämlich, 
dass alle diese »vertraulichen« (wie sie in vielen Manuscripten 
genannt sind) Relationen nicht für die Öffentlichkeit bestimmt 
waren, »sondern ainig vnd allain meinen heben khündern, be- 
fraindten vnd posteris zum gedechtnuß vnd zur nachvolg in der 
Gottesforcht vnd tugenten«. Diese Versicherung, welche für die 
meisten Ungenauigkeiten der Hainhofer'schen Schriften eine aus- 
reichende Erklärung enthält, bietet aber doch nur, wohl ohne 
dass Hainhofer dies selbst bedachte, eine halbe \\'ahrheit. In der 
Reihe derjenigen, für welche er nach obigem Satze seine Schriften 
bestimmt hatte, fehlt eine sehr wichtige Menschenclasse, die hinzuge- 
fügt werden muss, damit man alles verstehe : die Fürsten und hohen 
Personen, mit welchen er in Beziehungen stand. Und es scheint, 
dass man in Hainhofers Sinne handelt, wenn man diese allen 
andern voranstellt^). Denn von den guten Beziehungen zu ihnen 



jedem Morgen am Anblicke der Gärten und Berge erfrischt habe, die er von 
seinem Bette aus sehen konnte und gedenkt mit Behagen des grünen Grasteppichs 
und des Gesanges der Vögel (an einer unten ausgelassenen Stelle der Dresdener 
Relat.). Auch für einen schönen, weiten »prospectus« hat er Augen. So preist 
er den Blick über die Umgegend von Stettin (Balt. Stud. 1832., p. 61) und 
wünscht Paul Bril und Jan Brueghel herbei, damit sie diese Gegend malen 
könnten. Aber das alles hat etwas Kleinliches; Bewunderung wirklich großartiger 
Xaturschönheiten ist ihm und seiner Zeit fremd. Weder auf der Reise nach 
Innsbruck, noch bei seinem Aufenthalte am Starnberger See 1636 (Häutle, pag. 278) 
findet er ein Wort für die Alpen. Die Beschreibung seines Weges durch Ober- 
baiern und Tirol zeigt so recht den Unterschied der Naturanschauungen damals 
und heute. Im Abdruck mussten diese Stellen, dem Zwecke dieses Buches ent- 
sprechend, ausfallen. 

^) Hainhofers Familiensinn scheint im ganzen nicht sehr entwickelt oder 

das Verhältnis der Familienmitglieder zu einander nicht sehr gut gewesen zu sein. 

Nur von seinem kleinsten Sohne Philipp (f 1617) spricht er öfters, von allen 

übrigen Kindern und von seiner Frau niemals Genaueres. Dass er zum Gedächtnis 

Ouellenschr. X. Bd. 9 



— 18 — 

lebte er. Nicht an alle band ihn das Gefühl wirklicher, aus Dank- 
barkeit entsprungener Zuneigung, wie an den Herzog Philipp IL 
von Pommern, mit welchem er fast in eine Art von Freund- 
schaftsverhältnis getreten war M. Den meisten seiner fürstlichen 
Auftraggeber gegenüber ist es einfach das geschäftliche Interesse, 
Avelches ihn nöthigt, Wort und Schrift nach ihrem Gefallen zu 
gestalten. Wenn dieselbe Schrift seinen katholischen wie seinen 
protestantischen Gönnern zusagen sollte-), so mussten die poli- 
tischen Verhältnisse so wenig wie möglich, die religiösen nur 
mit größter \'orsicht behandelt, \\'orte berechtigter Klage unter- 
drückt werden. 

Hainhofer kam bei dem allen die Schmiegsamkeit seines 
Wesens zustatten. Zumal in geringfügigen Dingen gab er ohne 
weiteres nach. Als er sieht, dass der Erzherzog Leopold den 
gelieferten Kunstschrank lieber in seinem »säälin« stehen haben 
will, räth er auch alsbald dazu, obgleich er fühlt, dass der 
Schrank in einer langen, hellen Gallerie sich besser ausnehmen 
würde (Innsbr. Relation). Und so haben ihm seine gewandten 
Umgangsformen und sein diplomatisches Geschick einen großen 
Theil seiner Erfolge verschafft; sie haben ihm an den Fürsten- 
höfen jene angesehene Stellung bewahrt, die ihn oft genug auch 
zum erfolgreichen Fürsprecher für in Ungnade behndliche Per- 
sonen werden ließ. Es war ihm eben gegeben, auch über große 
Schwierigkeiten leicht hinwegzukommen. So bei dem verfäng- 
lichen Religionsgespräche, welches der Großherzog von Toscana 
mit ihm führte (Innsbr. Relat., im Abdruck fortgelassen), und bei 
dem Hainhofer seinen christlichen Standpunkt als einen versöhn- 
lichen, keineswegs extrem antikatholischen zu erkennen gab. 
Würde man hieraus gegen ihn den \'orwurf der Gesinnungslosig- 
keit erheben, so thäte man ihm Unrecht. Bald nach dem Besuche 
in Innsbruck kam die Zeit, wo er wegen derselben religiösen 
Anschauungen aller seiner Ämter enthoben wurde ^) und in bittere 

aller Familienangehörigen ein prächtiges (noch in Augsburg vorhandenes) Geschlechts- 
buch anlegte, that er vor allem, um mit den vielen AVappcn prunken zu können. 

'j Auch in der Dresdener Relation gedenkt er seiner. Fol. 411) v. 

'^) Dass er sie ihnen zusandte, zeigen u. a. auch die heutigen Aufenthalts- 
orte der einzelnen Manuscripte. 

^) Hainhofer war lf)28 Zechpfleger bei St. Anna und 1(529 Assessor beim 
Stadtgerichte zu Augsburg. So sagt seine Lebensbeschreibung, auf die im übrigen 
hier näher einzugehen unnöthig ist, da alle bisherigen Herausgeber Hainhofer'scher 



- 19 — 

\'erlegenheiten gerieth. \'or solchen hätte er sich durch den 
Übertritt zum KathoHcismus größtentheils schützen können, einen 
Schritt, den er überhaupt nicht in Erwägung zog. 

Überbhcken wir nach dem Gesagten die Ungenauigkeiten 
der Hainhofer'schen Relationen noch einmal, so finden wir für 
jene als Erklärung und gleichzeitig als Entschuldigung, dass 
Hainhofer als nothgedrungen übereilter Reisender, als lehrhaftes 
Familienoberhaupt und als vorsichtiger Hofmann schrieb. Wenn 
wir aber auch nach dem Grundsatze handeln wollen : \'erstehen 
heißt verzeihen — so sind wir doch berechtigt zu untersuchen, 
ob Hainhofers Berichte nun überhaupt überflüssig seien. Wer 
nur nach der svmpathischen Art ihrer äußeren Beschaffenheit 
urtheilt, wird diese Frage ohne weiteres verneinen ^ ). Sehen wir 
zu, welche inneren \'orzüge sie besitzen. ^Da Hainhofer,« sagt 
von Medem (^Balt. Stud. 1832, pag. XX), »weder als mühsamer 
Compilator, noch überhaupt als Schriftsteller schrieb, sondern 
unbekümmert um alle jenen Autoreninteressen aus frischer An- 
schauung gab, was die bunte, ihn umlebende Außenwelt, in welche 
er mitten hineingestellt war, ihm zuführte, musste er Wahrge- 
nommenes und Durchlebtes so lebendig und treu darstellen und 
dem späteren Historiker eine so ergiebige Quelle öftnen.« Frei- 
lich nur dem sorgfältig kritisierenden Historiker, müssen wir 
hinzusetzen. Dass aber die Hainhofer'schen Schriften trotz aller 
Mängel eine ergiebige Quelle sind, wird jeder bemerken, der es 
unternimmt, sie als solche zu benutzen. Ich freue mich, dass 
speciell die vorliegende Veröffentlichung eine Menge von bisher nicht 
oder nicht genügend bekannten Einzelnheiten bietet-). Sie gibt 

Schriften sie bearbeitet haben. Sie steht im Augsburger Stammbuche Hainhofers, 
wo sie bis 1625 sicher, bis 1645 höchst wahrscheinlich von ihm selbst verfasst 
worden ist. Der in einem ^Volfenbüttler Manuscript betindliche Schluss ist, 
da er Hainhofers Tod fl647j erzählt, späterer Zusatz. Infolge der eigenen 
Autorschaft Hainhofers ist denn auch ganz zuverlässig, was er betreffs der oben 
zusammengestellten Relationen sagt. 

') Auch die Innsbrucker und Dresdener Relationen weisen den Vorzug 
der »warmherzigen und gemüthlichen, häutig humoristischen Darstellungsweise« 
auf, die schon v. Medem (p. XV) rühmt. 

■^) Ganz besonders für Dresden. Hainhofer hatte die Stadt und ihre Schätze 
schon 1617 kennen gelernt, als er von Stettin nach Hause zurückkehrte. "Was 
er damals geschrieben, ist aus v. Medems Abdruck in den Balt. Studien 1832 
bekannt. Diesmal ergänzt und corrigiert Hainhofer seinen ehemaligen Bericht aufs 



reichste. Man vergleiche die beiden Berichte ! 



9* 



— 20 — 

eine willkommene Ergänzung der Ambraser und Dresdener 
Inventare, liefert wertvolle Beiträge zur Geschichte der in 
Innsbruck und Dresden befindlichen Bauten, wie nicht minder 
zur Geschichte vieler damals lebender Künstler,* gibt die Beschrei- 
bung des dem Großherzog von Florenz geschenkten Kunst- 
schrankes, schildert die Feierlichkeit der Fußwaschung, das Leben 
an beiden Höfen und dergleichen mehr. Auf die genauere Inhalts- 
angabe verzichte ich aus Grundsatz. Hinweisen aber muss ich 
auf die Sorgfalt, mit welcher der oft so Unsorgfältige arbeitet. 
Sie zeigt sich in den Correcturen, welche er in der Dresdener 
Relation und in andern seiner Schriften selbst vorgenommen hat. 
Wo eine Angabe nicht an ihrem rechten Platze ist, streicht er 
sie aus und rückt dieselbe Sache an die Stelle, wo seine Augen 
sie wahrnahmen. Diese Ängstlichkeit, welche angesichts der meist 
principlosen x\nordnung der damaligen Kunst- und Naturalien- 
cabinette fast wunderlich ist, verleiht den Hainhofer'schen Schriften 
einen beträchtlichen Theil des Wertes zurück. Überhaupt muss 
man diesen der sachlichen Fehler und Lücken halber nicht so 
sehr anzweifeln, da deren Zahl gar nicht so groß ist, und wir 
ihm um jede Nachricht, welche er uns zum erstenmale bringt, 
einen Fehler verzeihen müssen. Und so glaube ich, mit der 
Herausgabe der Innsbrucker und Dresdener Relation der kunst- 
geschichtlichen Quellenliteratur keinen unwillkommenen, vielmehr 
aus vielen Gründen interessanten Beitrag zuzuführen. 

Die Literatur über die Innsbrucker Geschichte ist an sich 
spärlich genug. Das hauptsächlichste Werk ist immer noch das 
von Franz K. Zoller (Geschichte der Stadt I., 1816, 2 Bde.), 
welches aber durchaus veraltet ist. Eine Geschichte der Inns- 
brucker Hofburg mit ihren Kunstschätzen existiert überhaupt nicht. 
Es wäre sehr erfreulich, wenn meine Veröffentlichung Anregung 
zu einer kritischen Bearbeitung dieses interessanten Themas gäbe. 
Für Schloss Ambras kommt das Buch von Ilg und Böheim in 
Betracht. Andere Werke habe ich in den Anmerkungen hin und 
wieder zu eitleren Gelegenheit gehabt. Da die auf Schloss 
Ambras ehemals befindlichen Sammlungen größtentheils nach 
Wien gekommen sind, so ist ferner die genaue Untersuchung 
der im dortigen k. k. Hofmuseum befindlichen Gegenstände, 
ganz besonders der Rüstungen, für die Bearbeitung der Hain- 
hofer'schen Relation unentbehrlich gewesen, und sie hat vorzüg- 



— 21 — 

liehe Unterstützung gefunden durch die Kataloge sowohl der 
Abtheilung der kunstindustriellen Objecte'), als auch der Waffen - 
Sammlung-). Was die beigefügte Schrankbeschreibung und das 
Inventar betrifft, so ist nothwendig, über beides etwas Näheres 
zu sagen. Es ist nämlich weder in ihrer Überschrift noch sonst 
irgendwo bündig ausgesprochen, dass diese Schriften sich auf 
den in Innsbruck abgelieferten Kunstschrank beziehen. Dennoch 
unterliegt dies keinem Zweifel. Zunächst ist es geboten, zum 
Zwecke des Beweises die einschlägigen Stellen aus der Hain- 
hofer"schen Correspondenz (enthaltend im Wolfenbütteler Manuscr. 
17. 27. Aug. 4.) zu untersuchen. Xun ist diese aber gerade über 
diesen Punkt sehr spärlich, wenigstens soweit, als Erzherzog 
Leopold als Adressat in Betracht kommt ^). Aber doch findet sich 
der Hinweis auf eine deutsche und eine lateinische Beschreibung 
in einem Briefe vom 18. Juni 1627, wo es fol. 124 v. so heißt: 
>Vnd weiln meines schönen Schreibtisches deutsche beschreybung, 
Ich, horis successivis, auch lateinisch vertieren lassen, vnd die 
Versionen nun fertig bekommen, so veberschickhe E : hochfrl. 
Drl. Ich solche hiemit auch vmb zu dem deutschen exemplar 
zulegen, vnd bitte E. hochfrl. Drl. ganz gehorsambst, das sie Ihr 
gst. gefallen lassen wollen disen Königlichen tisch mir auch gst. 
abzukauffen^), vmb Ihne in Ihre Frl. Zimmer zustellen, oder 

1) Von Ilg. Wien 1891. 

*) Von Böheim. AVien 1889. 

3) Freilich gibt es in den Jahren 162G und 1G27 eine ganze Anzahl von 
Briefen an die verschiedensten Personen, denen Hainhofer den Ankauf des Kunst- 
schrankes empfiehlt. Derselbe stand zwecklos bei ihm und Hainhofer gebrauchte 
in jenen Zeiten der allgemeinen Noth Geld dringende: als je. Er schrieb u. a. 
deshalb an Fortunat von Wolkenstein (23. November 1626 und 22. Juni 1627), 
an den Grafen Khevenhüller (6. Juni 1627j, an den Markgrafen von Baden, damit 
dieser die Vermittlung beim Kaiser oder andern Fürsten übernähme (11. Juni 1(527) 
u. a. m. Auch der weiterhin im Auszuge wiedergegebene Brief an die Groß- 
herzogin von Toscana gehört dazu. Dieser letztere ist am ausführlichsten ; von 
einer Wiedergabe der andern, die nur in Kürze dasselbe enthalten, konnte daher 
abgesehen werden. 

^} Der Verkauf an den Erzherzog kam endlich im März 1628 glücklich 
zustande. Am 2, September 1628 erfolgte die erste Ratenzahlung seitens des Erz- 
herzogs, worüber Hainhofer folgende Quittung ausstellte (Wolfenb. Msc. 17. 27. 
Aug. 4,, fol. 222 V.; : «Ich Philippus Hainhofer, Burger in Augsspurg, bekenne, das 
von des Durchleichtigsten Herren Leopoldus Ertzherzogen zur Österreichs hochfrl. 
Drl. Cammerrath vnd hof-pfennigmaistern Herrn Paul Römeren auß handen Herrn 
Hansen Küenings, auch höchst ermelter Ihrer Frl. Drl. Cammer Raths, Ich in 



— 22 — 

irgends einem andern hohen potentaten mit gelegenhait zuverehren, 
vnd wolte auf allergste gratification mit E. hochfrl. Drl. Ich mich 
also gehorsambst abfinden, das sie meine beharrhche vnder- 
thönigste devotion gst. wol solten zu verspiren haben ; auch auf 
gst. begeren selbs in E. hochfrl. Hofläger khomen, vnderthonigst 
aufwarten vnd [Fol. 1 24 v.] dero gsten befelch vnd willen gehor- 
sambst vernemmen.« Wegen des mannigfachen Interesses dieser 
Stelle habe ich sie in etwas weiterem umfange aufgenommen. 
Für den Identitätsnachweis der Kunstschrankbeschreibung ist 
ferner besonders wichtig ein Brief an die Großherzogin von 
Toscana, ddo. 19. März 1627 (ibidem, fol. 107 v.— 108 v.), wo 
es nach der Anredeformel heißt: »Zu berichten kann ich nit 
vmbgehen, wie das ich ohngefahr bey einem jähr einen schönen 
Schreibtisch fertig bekommen, an welchem die fürnembste Meister 
alhie in die 6 jähr gearbeitet haben, dessen teutsche beschreibung 
ich dem Gordian wolffen hinein geschickht, vnd solche seider auch 
in lateinischer sprach vertieren lassen, die euer hochfürstliche Durch- 
leicht er gleichfals vnderthenigst zuestellen wirdt, wann dann diser 
Schreibtisch ein recht Königlich st(ück) vnd dergleichen kostlicher, 
inuentierlicher, zue aller band gaistlichen vnd weltlichen diensten 
nuzlicher vnd kurzweiliger tisch (Fol. 108 v.) nie gemacht worden, 
vilh weniger bey einigem Potentaten zue funden ist, vnd allein 
in circa auf 6000 vngarisch ducaten zuegestehen komt, welches 
einem Potentaten respectu der großen, kostlichen vnd vilen arbeit, 
so darbey, ein gar geringes gelt ist, als habe E : hochfrstl. 
Dhrtl. ich solchen tisch \nderthenigst proponieren, vnd sy gehor- 
sambst bitten wollen, das sy ihr gnedigst wolte belieben lassen, 
solichen gnedigst zuerkauffen, vmb ihne selbsten zuebehalten, oder 
irgent etwan zue verehren, da dann ewre hochfurstliche Durch- 



Abschlag der sechstausent Reichsthaler, welche höchst gedachte Frl. Drl. : mir 
wegen aines aberkauften kunstlichen tisches zu bezahlen schuldig vnd solche 
Vergnügung in den nechsten vier jähren, oder IG. Potzner märckhten, jedesmal 
dreyhundert finflf vnd sibenzig Rthl. zubezahlen gst anweisen lassen, als für die 
andere frist benantlich. 87.5. Reichsthaler eingenommen vnd empfangen habe. 
Des zue wahrem Vhrkundt, quit vnd ledig Zahlung, hab Ich dise quittung mit 
aigner hand geschriben vnd vnderschriben vnd mein angeboren Bettschafft hiefür 
getruckht, Actum Bozen Adi 2 September 1()2S.« Solche, fast gleichlautende 
Quittungen finden sich von da vierteljährlich in dem Hainhofer'schen Copierbuche ; 
freilich giengen die Zahlungen nicht immer in der ursprünglich festgesetzten 
Höhe ein. 



— 23 — 

leicht nit allein ain nuzliches vnd darneben kurzweiligs vnd 
anmuetigs kunstst(ück) bekhommen wurden, sondern ich wolte dise 
hochfurstliche gnad in aller vnderthenigkeit gehorsambst vnd 
äußerstes fleißes vnd vermugens verdienen, vnd hab ich zwar laut 
hiermitgehender Sumarischer Verzeichnuß allerhandt 
schöne kunstliche vnd natu r liehe Sachen \'ndrari- 
teten hinein gelegt, die sonsten nit hinein kehren^), angesehen 
der tisch dahin vermeint ist, das ein Potentat schöne clinodia, 
statliche Reliquias oder archica vnd schrifften darein legen solle ; 
wann jedoch E. hochforstliche Dhrt. wirdt den durchleichtigen 
großherzog auch zue disen curiositeten vnd rariteten gnedigsten 
lust heten-), das sy im Schreibtisch bliben, vnd das also diser 
Schreibtisch zuegleich auch eine kleine kunstkamer abgebe 
[Fol. 108 V.] vnnd sich darein zuer Admiration darin recreieren 
wurde, so wolte E. hochforstlichen Dht. ich alles mit einander 
nur vmb 15000 zechini folgen lassen vnd wurden sy wol schöne 
Sachen, an welchen veber die 20 jähr gecoligiert worden, darunter 
hnden,« etc. Auch in diesem Briefe ist also wieder von einer 
deutschen und einer lateinischen Beschreibung die Rede, und es 
ist sehr zu beachten, dass weiterhin Worte vorkommen (oben in 
gesperrtem Druck!), welche in den Überschriften der beiden 
Schriftstücke sich genau wiederholen ! Die im Wolfenbütteler 
Manuscr. 6. 6. Aug. fol. enthaltenen beiden ausführlichen Schrank- 
beschreibungen sind eine deutsch, eine lateinisch, während bei 
den »Summarischen« Verzeichnissen, wie auch beim Inhaltsinventar 
sich hierzu noch eine italienische Fassung gesellt^). Der Grund 
für diese mehrsprachige Gestaltung ist einfach darin zu suchen, 
dass Hainhofer in seinem Verlangen, den Schrank je eher, je 
lieber zu Gelde zu machen, einem jeden, bei dem er Kauflust 
vermuthete, eine Beschreibung in der jenem geläufigsten Sprache 
zusendete. Außer der obigen Wiederholung der Überschriftsworte 
finden sich noch ein paar andere Beweisgründe. Vor allem, dass 
Hainhofer am Anfange seiner Innsbrucker Relation berichtet, dass 
die zum Schranke gehörige Orgel und das Uhrwerk beim Trans- 



') gehören. 

■^) Hier scheinen Worte zu fehlen. 

3) Ein lateinisches Inventar existiert, wenigstens in Wolfenbüttel, nicht, 
es ist aber in den Briefen auch nicht von einem solchen, sondern nur von den 
Schrankbeschreibungen die Rede. 



— 24 — 

porte nach dem Bestimmungsorte besonders sorgfältig behandelt 
wurden. Beide Stücke aber gehörten, wie ein Blick auf unsere 
Abbildungen lehrt, zum besonderen Schmucke des Schrankes. 
Ferner zeigt das Bild des geöffneten Schrankes, und die Beschrei- 
bung erläutert es im einzelnen, wie stark in demselben die reli- 
giösen Darstellungen zur Geltung gekommen waren. Und hieraus 
möchte sich wohl das Interesse der erzherzoglichen Beichtväter 
und anderer Geistlichen erklären, denen Hainhofer in Innsbruck 
die Einrichtung des Schrankes auf deutsch, lateinisch und italie- 
nisch (den Sprachen der summarischen Schrankbeschreibungen !) 
verdeutlichen musste. (Vgl. Innsbr. Rel. Anmerkung 43 d.) 
Auf die im Inventar und der Beschreibung erwähnten Naturalien 
und die Apothekeneinrichtung weist die Wissbegier des erzher- 
zoglichen Leibarztes, der > trefflichen \'erstand von allen sachen« 
besaß. Endlich möchte noch hinzu zu rechnen sein, dass die 
sämmtlichen Beschreibungen und Inventare des Schrankes sich 
im Wolfenbüttler Manuscript (). 6. Aug. fol. befinden, der 
zweifellos aus Hainhofer'schem Besitze stammt und in den, 
ebenso zweifellos auf seine \'eranlassung, diese Papiere un- 
mittelbar hinter der Relation der Innsbrucker Reise eingeheftet 
worden sind. Daselbst ist auch die vielfarbig getuschte Feder- 
zeichnung des Schrankes, dessen Identität nach allem diesen 
nicht zu bezweifeln sein dürfte, eingefügt. Das Blatt hat das 
Format 55,7 : 27,5 cm, und ist daher, um nicht aus dem Bande 
herauszuragen, mehrfach zusammengefaltet. An drei Stellen lässt 
die Zeichnung sich auseinanderklappen und zeigt dann etwas 
von der inneren Einrichtung des Kunstwerkes. Ich habe beide 
Ansichten, die des geschlossenen und die des geöffneten Schrankes, 
für interessant genug gehalten, um sie hier wiederzugeben ^). 

Für die Relation über die Dresdener Reise kam von älteren 
Werken das von Anton Weck (der churfürstlich sächsischen 
weitberuffenen Residentz- und Haupt A'estung Dr. Beschreibun 



er 
ö 



') Dass ich nur die »Summarische« und nicht die ausführliche Beschrei- 
bung zum Abdruck bringe, wird man hoffentlich dem Umstände zugute rech- 
nen, dass die letztere genau dasselbe enthält wie jene, dagegen alles in brei- 
tester Art erzählt, die biblischen Worte abschreibt, wo jene nur Capitel und 
Vers angibt u. s. w., und dass sie auf diese Art unnöthigerweise mehrere Bogen 
angefüllt haben würde. 



— 25 — 

und \'orstellung, Nürnberg 1680) darum als besonders wichtig 
in Betracht, weil es mit vielen Abbildungen der noch von Hain- 
hofer gesehenen Bauten geschmückt und ferner zu einer Zeit 
geschrieben ist, als der Brand von 1701 das kurfürstliche Schloss 
noch nicht vielen bedeutenden Änderungen preisgegeben hatte ^). 
Die Prüfung des Verbleibes der beschriebenen, künstlerischen und 
sonstigen beweglichen Gegenstände war darum umständlicher 
als bei der Innsbrucker Relation, weil die kurfürstlichen Samm- 
lungen seitdem in nicht weniger als acht Institute vertheilt worden 
sind, nämlich in die Gemäldegallerie, die Sculpturensammlung, das 
historische Museum, die Gewehrgallerie, das grüne Gewölbe-), die 
königliche Bibliothek, die Hofsilberkammer und den mathematisch- 
ph3^sikalischen Salon, sämmtlich in Dresden. Auch bei diesen 
Untersuchungen war neben der directen Anschauung die Benutzung 
der durchweg vortrefflichen Kataloge'') von größtem Nutzen. — 
Von der handschriftlichen Überlieferung der Hainhofer'schen 
Relationen ist oben die Rede gewesen. Wir haben gesehen, dass 
die Innsbrucker Relation in drei Abschriften^) existiert: 1. im 
Museum zu Innsbruck (unten citiert I.), 2. Wolfenbüttel, Msc. 
6. 6. Aug. fol. (citiert W^i) Papierhds. in fol. mit Pergament- 
deckel und ebensolchem Rücken, mit ursprünglich selbständiger 
Seitenzählung, innerhalb eines Sammelbandes, der offenbar aus 
Hainhofer'schem Besitze stammt. 3. Daselbst, Msc. Extr. 100 
(citiert W\,). Papierhds. in fol., Pergamentdeckel, 64 Blätter. — 
Keins von diesen Exemplaren ist Original. I. und W^, entbehren 



') Auch bei der Innsbrucker Relation dürfen wir als besonderes Glück 
betrachten, dass sie geschrieben -wurde, ehe ein im Frühling 163G in der Pulver- 
mühle entstandenes Feuer in der Hofburg so großen Schaden anrichtete. 

'^) Zum erstenmale erwähnt Hainhofer diesen Namen, den man sonst nicht 
vor l(Jo8 nachzuweisen vermochte. 

3) Gemäldegallerie von K. AVoermann ; grünes Gew. von Jul. und Alb. 
Erbstein ; math.-phys. Salon von A. Drechsler ; Sculpt.-Samml. anonym ; Hand- 
schriftenkatalog der kgl. Bibl, von Schnorr v. Carolsfeld; die neue Katalogisierung 
der Gewehrgal. steht noch aus; Beschreibung der Hofsilberkammer anonym 
(Ofiicin von Baensch, Dresd, 1880) ; das hist. Museum soeben neu katalogisiert 
von M. von Ehrenthal, soweit die Waffensammlung in Betracht kommt, nach dem 
Muster des Katäloges der Wiener Waffen-Sammlung, 

■*) Hainhofer hatte, wie seine Manuscripte beweisen, verschiedene Schreiber 
in seinen Diensten, die theils nach Dictat schrieben, theils als Copisten arbeiteten. 
AVer sie gewesen, lässt sich nicht sagen, ebensowenig wie sich ihre Handschriften 
in andern zeitgenössischen Manuscripten sicher nachweisen lassen. 



— 26 — 

alles Bilderschmuckes, während Wj denselben ziemlich reichlich 
aufweist. Dem Abdruck zugrunde gelegt ist W^. Die Folien- 
bezeichnungen sind nicht von Hainhofer, sondern von der Wolfen- 
büttler Bibliotheksverwaltung, welche durch den ganzen (noch 
mancherlei andere Papiere enthaltenden) Codex eine fortlaufende 
Seitennumerierung vorgenommen hat, die sich auch auf die 
eingeschalteten Bilder^) etc. erstreckt. — Die Handschrift L, deren 
für das k. k. Hofmuseum zu Wien angefertigte Copie mir in 
liebenswürdigster Weise zur Verfügung gestellt wurde (das Ori- 
ginal darf statutenmäßig nicht aus den Räumen des Ferdinandeums 
zu Innsbruck entfernt werden), habe ich in der Weise mit benutzt, 
dass ich ihre sinnverändernden Abweichungen und ihre ziemlich 
häufigen Auslassungen vermerkt habe. Wo der Sinn keine Modi- 
hcation erlitt, sind dagegen die kleinen Abweichungen des Wort- 
lautes unberücksichtigt geblieben, desgl. durchweg die Orthographie. 
Die Dresdener Relation existiert vollständig in vier Ab- 
schriften, in einer fünften fragmentarisch. Diese letztere befindet 
sich im Stadtarchive zu Augsburg (Cod. Lo) (im Abdruck citiert 
A.), reicht nur bis zur Ankunft in Dresden und bricht mitten 
im Satze ab. Die Schrift ist nachlässig und durch mancherlei 
Fehler entstellt. Papierhandschrift, 48 Blätter in fol., mit 
Papierdeckel. Bilder fehlen. Auf der Innenseite des letzten Blattes 
befindet sich Hainhofers Horoskop. — Von den vollständigen 
Exemplaren befindet sich eines in der Wiener Hofbibliothek 
fCod. 8830). Ich habe es nicht einsehen können, w^eil es, wie 
mir die Verwaltung mittheilte, wegen der vielen eingeschalteten 
seltenen Bilder und Flugblätter von der Versendung ausgeschlossen 
ist. Die andern drei Manuscripte sind in Wolfenbüttel. Das erste 
(Nr. 14 in 11. 22. Aug. fol.) ist bereits eine Reinschrift, aber von 
Hainhofers Hand vielfach corrigiert und vervollständigt. Es ist 
auch von den bis jetzt nachweislichen Exemplaren das älteste, 
weil alle andern die in jenem angebrachten Correcturen über- 
nommen haben. Ich nenne es Wj und habe es dem Abdruck zu- 
grunde gelegt. Von der Foliennumerierung gilt dasselbe wie 
bei Innsbr. Relat. Wj. Die Änderungen, welche Hainhofer in 



*) Diese in Hainhofers Manuskripten sehr beliebte Ausstattung mit Portraits 
Karten, Flugblättern und Drucken verleiht ihnen besonderes Interesse. Allerdings 
kommt es, wenn auch ausnahmsweise, vor, dass die eingeschalteten Stücke nicht 
zum Text passen, sondern bloße Luxusbeigaben sind. 



— 27 — 

diesem Manuscript vorgenommen hat, sind theils stilistischer, 
theils sachlicher Natur. Die ersteren, soweit sie ganz unerheblich 
waren (etwa »der« statt »welcher«, u. dgL) habe ich unberück- 
sichtigt gelassen, die wichtigeren aber und ferner alle sachlichen 
Correcturen deutlich angegeben. Die von Hainhofer ausgestrichenen 
Worte habe ich mit dem vorgesetzten Zeichen %S unter dem Texte 
angemerkt, die von ihm hineincorrigierten in kleineren Lettern 
in den Text eingeschaltet. — Die beiden andern Wolfenbüttler 
Handschriften 37. 32. Aug. fol. (citiert W^) und 38. 2. Aug. fol. 
(citiert W3) sind schöne spätere Copien. Sie erfreuen sich reicher 
Ausstattung mit Bildern und Flugschriften (besonders \V\;), während 
Wx nur ein Porträt (das des Georg Pflug) enthält. Wi ist Papier- 
handschrift in fol., Sammelband, der Pergamentdeckel mit einem 
Stück einer liturgischen Handschrift des 14. Jahrh. überzogen. 
Wo und Wo, elegante Pergamentbände in fol. ; Deckel und Rücken 
mit aufgedruckten Goldverzierungen ; grüne und gelbe seidene 
Bindebänder. W^o und Wo geben fälschlich für die Reise die Jahres- 
zahl 1630. Wegen des in \y._> eingehefteten Bildes des A. Oxen- 
stierna von 1633 ist dieser Codex nicht vor diesem Jahre ein- 
gebunden worden. x\hnlich dürfte es sich mit W3 verhalten. — 

Die Schrift, welche in den Handschriften deutsch und vielfach 
mit lateinischen Buchstaben durchsetzt ist, habe ich durchweg 
lateinisch wiedergegeben ; meine eigenen Zuthaten, soweit sie im 
Texte untergebracht sind, sind cursiv gesetzt. Denn wegen der 
Weitschweifigkeit der Hainhofer' sehen Schreibart war es für 
mich nöthig, selbst an vielen Stellen das Wort zu ergreifen, um 
das Gleichgiltige nur andeutungsweise wiederzugeben. Hierher 
gehören Personalverzeichnisse und Fourierzettel ; Anekdoten ; Verse 
ohne kunst- und culturgeschichtliches Interesse, Predigten, Lieder, 
Gebete u. dgl. Dies ganz fortzulassen, hinderte mich meist die 
Erwägung, dass dadurch der Zusammenhang zu sehr gestört und 
der Charakter der beiden Schriften zu sehr verwischt würde. 
Nur wo ganz Unwesentliches vorkommt und der Inhalt des bisher 
Erzählten sich in breiter, interesseloser Art fortsetzt, fehlen er- 
gänzende Angaben, und Punkte bezeichnen solche Stellen. Fort- 
gelassen sind außerdem sämmtliche Randbemerkungen, weil diese 
lediglich Inhaltsangaben sind. 

Was die ziemlich reichlich beigefügten Anmerkungen betrifft, 
so enthalten diese erstens Nachweise über die im Texte genannten 



— 28 — 

Personen. Doch sind hierbei diejenigen nicht berücksichtigt, 
welche ganz interesselos, und die, welche allbekannt sind. Über 
Künstler wie Bassano, Palma \^ecchio, die Brueghels, Michel- 
angelo, Rafael, Dürer und ähnliche habe ich mir Notizen er- 
sparen zu dürfen geglaubt. Des weiteren kam es mir darauf an, 
die von Hainhofer genannten Kunstgegenstände in ihrem heutigen 
\'erbleibe nachzuweisen. Es ist dabei in der Innsbrucker Relation 
vorwiegend von den Wiener, in der Dresdener besonders von 
den in Dresden befindHchen Sammlungen die Rede. Seitenblicke 
auf andere als die direct in Betracht kommenden Museen u. s. w. 
sind unterlassen, weil sich dabei eine Grenze wohl kaum finden 
würde. 

Es bleibt mir zum Schlüsse noch übrig, denjenigen, welche 
durch liebenswürdiges Entgegenkommen und bereitwilligst ertheilte 
Auskunft meine Arbeit gefördert haben, meinen verbindlichsten 
Dank auszusprechen ^). 

Es sind dies die Verwaltungen der Bibliotheken zu Augs- 
burg, Dresden, Innsbruck, Kopenhagen, Wernigerode, Wien und 
Wolfenbüttel, des Archives zu Augsburg, ferner die Herren Hof- 
rath Dr. Erbstein zu Dresden, Director des grünen Gewölbes 
daselbst, Museumscustos Fischnaler zu Innsbruck, Pastor Flechsig 
zu Öderan, Bürgermeister Hoppe zu Ölsnitz, Lic. D. Kano zu 
Chemnitz, Dr. Camillo List, Custosadjunct am k. k. Hofmuseum 
zu Wien, Superintendent Meyer zu Zwickau, Dr. Siegl zu Eger, 
W. Viermetz zu Ölsnitz. 

Magdeburg, zu Pfingsten 1 9()0. 

Oscar Doering". 



') Bei fjleichera Anlasse, betreffend meine Hainhofer-l'ublication in den 
Quellenschriften. N. F. VI, habe ich Herrn Geheimrath Prof. Dr. Julius Lessiug 
zu Berlin meinen Dank gesagt und füge hiermit hinzu, dass dieser Herr es Avar, 
der mir damals gütigst gestattete, die seinerzeit für das Berliner Gewerbemuseum, 
theils von mir, theils von andern aus "Wolfenbüttler Pa])ieren gemachten Hain- 
hofer-Excerpte zu benutzen. Er hat mir dadurch zum großen Theile erspart, die 
Auszüge für meinen Gebrauch nochmals auf eigene Kosten anfertigen zu lassen. 



IXXSBRICKER REISE. 



yFol 235 r.y) Als den 7. Martzij. 1G28. der Durchleüch- 
tigste Fürst vnnd Herr Herr Leopoldus, Ertzhertzog zu Öster- 
reich, Hertzog- zu Burgund, Graf zu Tyrol vnd Görtz, Landgraf 
im Elsaß p. Mein gnädigster Fürst vnd Herr, nur mit wenig 
personen zu abents auß der Margrafschafft Burgow incognito 
alher kommen, vnd folgenden tag ainen künstlichen, schönen, 
[vnd wol eingerüsteten]-) Schreibtisch erhandlet, denselben dem 
Serenissirno Gran Duca^), (wann er herauß kompt.) zu verehren, 
so haben Ihre hochfürstl. Drlt. Sich gnädigst gegen mir vernemen 
lassen, wann Sie deß Herren Großhertzogen heraußkunfft vergwiset, 
das Sie mich zum vnder- [Fol. 235 z'.] thänigsten auffwartten : 
vnd den schönen tisch selbsten zu liferen, gnädigst wolten be- 
schreiben, massen dann solches den 29. Martij, in ainem schreiben 
an Herrn Doctor Johann^) Holtzapffel, Ihrer Hochfürstl. Drlt. 
vnd der herren grafen Fuggern p. Rath erfolget-^) [ist, als vol- 
gende copia außweyset: 



') Vor Beginn des Textes sind in Wj folgende Bilder eingeheftet : 

a) Ein wilder Mann einen Baum ausreißend, dabei ein Löwe und ein Anker, 
im Hintergrunde rechts das Meer mit Schiffen. Das Ganze enthält symbolische 
Anspielungen auf Hainhofers Namen und Familie. Kupferstich in 8. Wolf gang 
Kilian fecit, 

b) Brustbild des Erzherzogs Leopold mit Krone und Scepter. A. S. fe. 
Kpf. in 8. fehlt im Porträt-Katalog von Drugulin. 

c) Brustbild des Erzherzogs Leopold. Auf Atlas. A'on Lucas Kilian 1G29. 
Kpf. in 4. Drugulin, Nr, 11807. 

d) Brustbild der Erzherzogin Claudia. Auf Atlas, Gegenstück zum vorigen. 
Drugulin Nr. 3629. 

e) Allegorie auf den Tiroler Bergbau. Unten kleine Karte von Tirol, 
sowie lateinische Verse. Anonymer Kpf. in 4. 

2j Fehlt in J. 

3) Der Großherzog von Florenz (Ferdinand IL von Medici, 1610 — 1670) 



ist gememt. 



■*j Johann Jacob. J. 

^) Der folgende Brief fehlt in J. 



— 32 — 

Leopoldus von Gottes gnaden, Ertzhertzog zu Österreich^ 
hertzog zu Burgund, graf zu Tyrol vnd Görtz, Landgraf in Elsaß. 

Ersam, gelehrter, lieber getrewer. Demnach wir nunmehr 
versicheret, das deß Großhertzoes zu Florentz Liebden die rayse 
nach disen Landen continuiren werden, vnd dahero des Hain- 
hofers Schreibtisch ohnfehlbar anzunemen gemaint. erjnneren wir 
dich dessen hiemit, das du bev ihme Hainhofer die verfüesruns: 
thust, damit er den- \^FoL 2S(i r.] selben zu erlegen, vnd zu der 
fortbringung außthailen, vnnß auch mit nechstem, ob er auf Som ^) : 
oder tragen, am bequemlichsten fortzubringen, wqe nicht weniger, 
w^ann er aigentlich ferttig sein möge, berichten wolle. Dann weil 
wir denselben gnädigst gern auff die letste wochen in der fasten 
alhie haben wolten, gedencken wir ain paar Esel also zeitlich 
nach Augspurg zuuerschaffen, damit sie ihne aufnemen, vnd 
ohnfelbahr auf erneute Zeit alhie einbringen mögen. 

Vnnd demnach \^nns auch vnentfallen, daß Er Hainhofer 
Selbsten mit herein zu raysen sich noch für disen erkläret, sein 
wir dessen also, wie Ihme auch den rayßkosten wider gut zu- 
machen content, allain vnnß versehen, er werde die rayß mit 
weniger spesa müglich anstellen, auch vnnß mit vil Dienern nicht 
beschweren, so du ihme ebensfals an- \^FoL 236 v.] fliegen, vnnd 
vnnß alßdann aines vnd anders zu vnnserer nachricht, ehist hie- 
nach bey aigner Staffeta wider zu berichten wissen würdest. 
Vnnd hast vnns damit in gnaden, wie bißhero, wol vnd beständig 
gewogen. Datum in Vnserer Statt Ynßprugg, den 29. Martzij 
Anno 1()28. 

Dem Ehrsamen, gelehrten, vnserem Rath vnd lieben ge- 
trewen, Johann Jacob Holtzapffel, der Rechten Doctor p.] 

Welches] dann hernacher sub datis 3. vnd 6. /\prilis, in 
zwey anderen Schreiben vnd aim Paßbriefe, bey aigener Staffetta, 
an mich selbst continuirt worden, [7üie in folgenden On'ginalcfi 
zu erseheji ist'-) .... 

\^Fol. 287 a] Leopold von Gottes gnaden Ertzherzog zue 
Osterreich, Herzog zue Burgundt, Grave in Tyrol vnd Görtz, 
Landtgraue in Elsaß p, 

') (\. h. Saumthieren. 

'^) Von den folgenden drei Schreiben an Hainhofer, deren Inhalt sich von 
dem des oben abgedruckten in nichts Wesentlichem unterscheidet, habe ich nur 
das erste übernehmen zu müssen geglaubt. Alles dies fehlt in J. 



— 33 — 

Lieber Besonderer. Wir haben dein Jüngstes vom 1. diß 
empfangen vnd Innhalts eingenommen, darauff dir souil kurz- 
lich nit verhalten, daß wir die Verordnung zuethuen gemeinth, 
daß in der wochen Judica, daß ist negst vor dem Palmtag, vnfehl- 
bar nit allein ein par Esseil vnd senfftenstangen, sonder auch 
ein fuehr sambt nothwendigen Patenten vff dich vnd die Sachen 
zue Augspurg ankhommen, vnd den tisch sambt seiner Zuege- 
hörung vbernemmen vnd anhero einbringen sollen, vnd haben 
Wir also gleich hiemit auch Philips Scheiterberger Fuggerischen 
Diener die nachricht ertheilt, daß Er mit der fuehr noch etlich 
andere vnnß zuegehörige Sachen vfgeben vnd anher veberfertigen 
wolle, So dir zue deiner nachricht hiemit nit verhalten vnd ver- 
pleiben wir dir zuemahlen in gn : wie bißher wol vnd bestendig 
beygethan. Datum in vnserer Statt Insprugg den 3. April A 11328. 

Leopoldt Ad mandatum Ser"^^ Dnj 

Archiducis proprium. 
Joh. Balth. Schlegell IFoL 337 v.] 
1628 /^""^x Ynsprug 



Adi 6. April empf 
Adi 7. dto verantt 



Sigillum ^l 3^ (^tO 



Vnserm Lieben Besondern Philipp Heimb- 
hoffer Handelsman zun Augspurg •/. 
Augspurg •/.] 

[Fol. 242 vJ\ Den 9. Aprilis sein 2. welsche mulatieri mit 
2. schönen muli vnd 2. gutscher mit dem silberwagen vnd 6. pfer- 
den, auch ain leib laggay, namens Dominicus Passin, alß der 
anderen inspector vnd pagator alhero kommen vnd den 10. diß 
frue sich bey mir angemelt, sänfftin, gesteil zur orgel vnd vhr- 
werckh vnd den wagen zu dem Schreibtisch gebracht, vnd alles 
geladen. 

Adi 11. Aprill, sein sie mit meinem zuegegebenen tagwerk- 
her Hanns Lincken^) im namen Gottes fortgerayset, .... 

Diese Briefe sind Originale und noch mit den zugehörigen Siegeln 
versehen. Es geht hieraus hervor, dass AVj für Hainhofers Privatgebrauch bestimmt 
blieb. Demgemäß ließ er das Manuscript auch in einen seiner Sammelbände ein- 
heften. — Fol. 241 v. ist leer. 

^) Dieser Hans Linck begleitete Hainhofer schon 1617 auf der Reise 
nach Stettin. 

Quellenschr. Bd. X. 3 



— 34 — 

Adi 12. Aprilis, bin Ich mit maister Virich Paumgartneren, 
küstlern ^), so disen schönen tisch gemacht hat vnd mit Hannß 
Jacob Laßman, dieneren, vnd mit Jörg Reittern, gutscheren, im 
glait Gottes den gütteren gefolget, [ Weiterreise über Landsberg,^) 
Issing, Stoff'e?i, Lechfeld, Udenhause7i, Wessobrun?i nacJi] 
[J^ol. 243 z'.] Weilhaim. 1. meil, ist ain schönes wolerbawtes stättlin, 
vnd wäre dato ain grosser Jahrmarckht, sonderlich von Viehe, 
\_Fol. 244 r.] alda gewesen, auf welchen die metzger von vihlen 
orthen kommen, die Müncher metzger den vorkauff, darnach die 
Landsperger, welche auch für die Augspurger einkauffen, alßdann 
die Nördlinger vnd andere metzger zu kauffen haben. [Klage 
über den scJilechten Weg.] Alhie zu Weilhaim gibt es feine 
bildhawer, welche hüpsche Altar machen, auch die Altar [im 
Chor]-^) bey St. Virich ^) zu Augspurg gemacht haben, vnd zu 
München der Hannß Krumper ^), Ihrer Churfl: Drlt trefflicher 
architector, [auch bürtig ist von hier] ^). [Weiterreise über Huglfing, 
Spatzenhausen, das vor 7 Jahren abgebraymte Miirnau, von wo aus 
die Reise zu Pferde fortgesetzt wird^ Murnau, Hechendorf, 
Eschenlohe, Oberau, Fahrchant, Partenkirchen ^ Kaltenbrunn, 
Klais nach~\ [Fol. 245 v.] Mittenwald . . . mit aim schönen 
guten würtshauß, gleich bey der kirchen, in deren Chor 3. feine 
Epitaphia sein hin zu der Yser. [ Weiterreise über Scharnitz, 
Seefeld nach Zirlen, Schlossberg im Wald.] 

[Fol. 245 V.] Martinswand, ist ain sehr hoher gerader Felsen, 
in dessen schrofen oben ain Crucifix, darunder vnser L. fraw, 
vnd S^- Johannes, lebensgroße stehen '), vnd herunden an der 



^) über Ulrich Baumgartner vgl. Paul v. vStetten, Kunst-, Gewerb- und 
Handwerksgeschichte der Reichsstadt Augsburg, pag, 114 f. Dass er die Reise 
mitmachte, war nöthig, weil er allein mit der subtilen Einrichtung des Kunst- 
schrankes Bescheid wusste und sie erläutern konnte. — Küstler s. v. a, Schreiner. 

'^) Die dort belegene Jesuitenkirche erbaut vom Grafen von Helfenstein, 
mit dem Grabmal von dessen Gemahlin (vgl. Zeiller, Itin. pag. 360.) bleibt bei 
Hainhofer unerwähnt. 

3) Fehlt in J. 

*j Die drei prunkvollen Altäre im Chor der katholischen St. Ulrichskirche 
■waren damals unlängst aufgestellt worden. 

^) Über Hans Krumper, den bekannten Münchener Maler und Bildhauer, 
Hainhofers Zeitgenossen, vgl. Nagler, K.-L. VIT., 188 ff. 

«) Fehlt in J. 

^) Leider sind diese Bildwerke nicht mehr vorhanden. Abbildung der 



— 35 — 

Strassen im thaal so klain scheinen, das mans kaum sehen kan, 
vnd hat man mir erzehlet, ain Jäger so Martin gehaissen, habe 
sich vor Jahren hie verstigen, sey in diser bergsklufften hungers 
gestorben, vnd habe man zum. gedächtnus dises Crucilix hinzu 
gesetzt. Andere aber, et quod verjsimiHus est, erzehlen : Der 
Kayser MaximiHanus. 1. habe sich alhie verstigen, so das man 
Ihme müssen zu hülf kommen, vnd seyn Ihrer May"- zum ge- 
dächtnus das Crucifix hingesetzt worden. {^Anekdote voji Kaiser 
Maxi7nilian I. — Weiterreise über~\ Cronwit ^) ist nur ain hauß 
darbey der thier- \^Fol. 246 z'.] garten [anfangt]-), durch wel- 
chen Ich auch kommen. 

Ynßprugg, 1. meil, ist die fürstHche residenz statt, Hgt im 
Inthall, hat vor den Häusern porticos, darunder man gehet, alß 
wie zu Padua vnd Bologna, gar schöne vorstätt, welche schöner, 
frischer vnd lebendiger sein, alß die Innere statt. 

Alß der gütterwagen vnd die sänfftin vmb den mittag : 
vnd Ich mit den meinen nachmittag ankommen, haben Ihre 
hochfürstl. Drlt. durch den laggayen mich gnädigst empfangen 
vnd anzaigen lassen. Ich soll mich disen abent im würthshauß 
gedulden, vnd wollen Sie auff folgenden tag schon die gnädigste 
anstellung machen, wie Sie es mit mir wollen gehalten haben. 

[Der Kcumnerfurier bri7igt abe?ids die Einladii7ig zum 
folgenden TageJ] 

[Fol. 247 r.'] \Gemei7tsavie MaMzeit im Gasthaus zum 
goldenen Löwen. Bemerkiutgen über den Tyroler Wei^i.'] 

Adi 16. April, am Palmtag, sein wir am morgens gen hof 
gangen, den ersten hof voll volcks gefunden, weil man eben die 
palmzweig im hof geweyhet hat, welche man an. 4. orthen zu 
weyhen pfleget, alß erstlich bey Hof. 2*^. in der Pfarkirchen. 3". vor 
der Kirchen. 4^. auf dem platz. 

In der Ritterstuben im Ruhelust habe Ihrer Drlt. bey den 
Cavalieren Ich aufgewarttet, biß Sie zur meß gangen, vnd weil 
Sie wegen leibes Indisposition aine Chur gebraucht, aber vmb 



Martinswand mit der Kreuzigungsgrotte bei Merian, Topographia Provinciarura 
Austriacarum etc., Tafel neben pag. 155. Vgl. auch Zoller, Geschichte der Stadt 
Innsbruck. I., 185. 327. 

') d. i. Kranewitten, noch heute ein Wirtshaus an der Oberinnthaler 
Straße. 

2) Fehlt in J. 

3* 



— 36 — 

deß Herren Großhertzogen willen derselben abgebrochen, vnd das 
erstemal auß Ihren Zimmeren kommen, vnd aber noch sehr frisch 
vnd wintterig weiter wäre, so haben Ihre Drlt. Sich in ainem 
schönen grüen- \Fol. 248 /-.] nen sametinen [bedeckhten] ^) sessel[auß 
dem ruhelust über die gäng]-) in die alte Burg vnd in die Kirchen 
tragen lassen^), vnd sein vmb hochgedachtes Großhertzogen 
willen gar auß dem ruhelust gezogen, vnd mit dero hertzliebsten 
fraw gemahlin ^) Ihre gewohnliche Zimmer in der Altenburg 
wider eingenommen. 

Inn ruhelust geht man durch. 3. hoffe, alß durch den äussern 
grossen hof, [durch die Rennbahn vnd durch ain klainen 
hof,]^) vnd wird Ruhelust darumb genennet, weil alle Zimmer 
zu baiden seitten in die Würtz : vnd Lustgärtten, deren 6. bey 
hof sind, gehen, vnd niemand daselbst hin fähret oder 
reuttet, weder ^) die förstenpersonen vnd das frawen Zimmer, 
Vnd wann der Ertzhertzog vnd die Ertzhertzogin kranckh sein, 
oder Sy in der kindelbett ligt, so pflegen Ihre Ddrlten alhie Ihre 
ruhe vnd lust zu suchen, vnd hat diser ruhelust [in] ') die 50. 
schöne hohe vnd weite Zimmer, thails mit tapezereyen behengt, 
die thillen oder deckhinen gemahlt. Im ersten gaden, wann man die 
stiegen hinauf kompt, w^ohnen Ihre Drlt. der Ertzhertzog, im 
übern gaden die Ertzhertzogin vnd das frawen Zimmer. 

[Fol. 248 v.~] An disem Ruhelust hat es nach der seitten 
hero den \'nderen Ruhelust, welcher gantz hültzin vnd mauerfarb 
geweisset vnd angestrichen ist; disen hat Ertzhertzog Maximilia- 



1) Fehlt in J. 

2) Fehlt in J. 

') Wie Erzherzog Leopold und die Erzherzogin Claudia sich in die alte 
Residenz und die Barfüßer Kirche tragen ließen, dessen denkt Hainhofer noch 
in der Relation seiner Reise nach München 1636. Häutle in der Zeitschr. d. h. 
V. f. Schwaben und Neuburg, 1881, pag. 280. 

*) Die Gemahlin des Erzherzogs Leopold war Claudia von Medici, mit 
welcher er seit dem 19. April 1626 vermählt war (geb. 4. Juni 1604 zu Florenz, 
Witwe des 1623 verstorbenen Fürsten Federico Ubaldi von Urbino, f 25. Dec. 1648 
zu Innsbruck.) 

Über die Festlichkeiten bei der Vermahlung Leopolds und Claudias, vgl. 
Zoller, Geschichte der Stadt Innsbruck, L, 314 fl. 

*) Fehlt in J. 

«) d. h. als. 

') über. J. 



— 37 — 

nus höchstseel: gedächtnus vmb des Erdbidems willen bawen 
lassen, darein auch Ihre Drlt. mit allem hofgesindlen sich be- 
geben, wann Sie Erdböben merckhen, der hoffnung, sicherer dar- 
inen zu sein weder in staininen gebewen. Diser vndere Ruhelust 
hat 30. Zimmer so wol alß der obere Ruhelust, seine Capellen, 
vnd ist an Jetzo der Principe Don Lorenzo di Medices ^) hier- 
innen losiert, . . . vnd von Ser°^°- Gran Duca vorher geschickht 
ist worden, die complimentj die salutatione zu machen, vnd seine 
hinkunfft zu verständigen.] 

\_Er'iüähnung einiger Zijnvier, so jener, in 7velchen der 
Erzherzog speist ; der Anticamera, der Ritter stube, ferner der Kam- 
tiierherren Tafelstube, der Silberkammer U7id schließlich der 
Capelle^ Dise {Fol. 249 v.'\ Zimmer sein in der Alten Burg, 
gleich wann man die erste stiegen hinauf kompt; ob der anderen 
stiegen sein die fürsten Zimmer 

{Der oberste Kämmerer, Fortunatus von Wolkenstei?!^) 
und der oberste Silberkämmerer Jacob Kurtz nehmen sich 
Hainhofers an. Wie diese? bei der Tafel geehrt wurde: 
Folgeii die Namen der Kammerherren, sowie der zum Hof 
dienst befohlene?! Herren und Cavaliere, der Abgesandten, anderer 
vornehmer Officiere M?id Räthe, sowie der erzherzoglichen 
Ka 7n merdieneri] 

{Fol. 253 v.]^). Den maister Virich Paumgarttner hat man 
an der künstler tafel [in Ihrem Zimmer] : ^) . . . gespeiset. 

{Hainhof er wird ztnn Erzherzog beordert u?id] in ain schönes 
gewölbtes perspectivisch gemahlt säälin, (so hart an Ihrer Drlt. schreib- 
stüblin ist vnd auff bayden seitten fenster hat) geführet vnd gefragt, 
ob Ich vermaine, das der schöne kästen, den Ihre Drlt. kaufft 
haben, wol da stehen werde ? vnd solle Ich gleichwol auch andere 
Zimmer besehen, ob er Irgends anderstwa besser parierte? wie 



^) Damals gibt es bloß Franz de' M., geb. 1614, f 1634, und Leopold, geb . 
1617, t 1675. 

2) Über die Familie der Wolkenslein vgl. AVurzbach, biograph. Lexikon 
des Kaiserthums Österreich, LYIIL, 52 ff. 

3) Hier eingeheftet (Fol. 252 v.) das nicht auf den Text bezügliche Porträt 
Wallensteins. Wolfgang Kilian excud. Kpf. in 8. Drugulin, Porträt-Katalog 
Nr. 22332. — Fol. 252 v. leer. 

•ij Fehlt in J. 



— 38 — 

dann der Cammerdiener Caspar Griesauer^) mich in etliche 
\^Fol. 253 V.'] Zimmer, vnd sonderhch in ain schöne lange 
Galeriam geführet, so zu bayden seitten durchab fenster hat, 
hoch vnd gar Hecht ist, vnd der Schreibtisch nit vebel hierin 
gestanden were, sintemalen Ich aber vermerckht, das Ihre Hochfrl 
Drlt. ihne lieber bey sich in Ihrem säälin betten, so hab Ich auch 
dahin gerathen. Dahin dann, alß Ich wider zu Ihrer Drl. komen, 
der Schluß gangen. Die erwehnte Galeria ist durchauß schön 
gemahlt, das pflaster mit glasierten brenten stainen gewürflet, 
vnd gepflastert, alß auch das säälin bey Ihrer Drlt. stüblin vnd 
etliche andere Zimmer auf dise art, mit weissen, gelben vnd 
blawen quaderstainen gepflastert sein^). Zwischen den fensteren 
sind 36. schöner frawen Conterfette, biß auf die knye, lebens- 
grösse, allezeit zwey beysamen, in vnderschiedlicher nationen 
trachten vnd klaidungen (bey welchen sonderlich auch die Augs- 
purger alte frawen tracht ist) mit öhlfarben geconterfettet vnder 
etlichen seind auf der mauren noch schrifften zu lesen, etliche 
aber sind gantz außgangen •^'), die Jenigen, so man noch lesen 
kan, haissen wie folget: \^Fol. 254 r.] 

i Leonora, Fridericj III. Rom : Imperatoris uxor, Doardi Portu- 
galliae regis filia. 
Maria, Maximilianj I. Rom : Imperatoris uxor, Caroli Burgundiae 
ducis filia ^). 

I Isabella, Caroli. V. Austriaci Rom : Imp"^ : uxor, Emanuelis 
I Portugalliae regis filia. 

Johanna, Caroli. V. Austriaci Rom : Imp"^ : filia, Johannis 

Portugalliae regis uxor. 
Lucretia, Fridericj Gonzagae Marchionis de Gazuolo uxor, 

marchionis d'Incisa filia. 
Paula Martinenga, Horatij Gonzagae, marchionis de Sulferin, 
uxor. 



^) Er war Schatz- und Hausmeister in Schloss Ambras. 

2) Also in fast derselben Art, wie der sogenannte spanische Saal zu 
Ambras. Vgl. unten. 

3j Demnach scheinen es nur die Inschriften gewesen zu sein, die zu zwei 
Dritteln damals bereits zugrunde gegangen waren. Die Bilder selbst hat Hain- 
hofer wohl noch alle unbeschädigt vorgefunden, 

*) Dieses Paar befindet sich jetzt im Schlosse Ambras, zweites Stockwerk, 
zweiter Saal Nr. 13. Vgl. Ilg und Böheira, das k. k. Schloss Ambras, pag. 90. 



— 39 — 

Antonia Baucia, Principissa d'Incisa, Joannis Franciscj Gonzagae, 

et primi comitis Rotingi uxor. 
Francisca Lisca, Ludovicj Gonzagae et Rotingi comitis uxor, 

Joannis Aloijsij, Bavariae comitis, filia. 
Sara, Olivarij comitis de Arco iilia, Horatij comitis de Arco 

uxor. 
Isabella, Commitissa Bissariensis, Pompeij, Comitis ab aureo 

vellere vxor. 
Marianna ä Wallenstain, Andreae Teufel, baronis in Gunderstorf, 

vxor. 
Susanna ä Regensperg. N. Nusdorferi vxor. 

Obenhero in diser gemahlten galeria sein ein- {^Fol. 254 z'.] 
gefaßte compartimentj, in dieselben von öhlfarben gemahlet, 
75. ^^j emblemata, des menschen complexion vnd Inclination zu 
allerhand Sachen, von Jugent et ä cunabulis an biß in sein alter 
vnd biß ins grab. 

Vnnd ist dises wol aine schöne, lustige, lange galeria, in 
welcher steht aine hültzine lange tafel von gesottenem holtz mit 
figuren vnd allerlaj spilen eingelegt, alß bretspill, offne kartenspil, 
Schach, höll, oder vngetreuer nachbar ; offen würffelspil, Creutzspil t 
gansspil ^), vnd ist dise tafel gerichtet, das man wasser darauß 
springen kan machen, oder feurwerckh vnd rageten darauß 
schiessen. 

Dise Alte Burg ist ain sehr weitleuffes gebew von villem 
vnderkommen, aber gar melancholisch vnd altfränckhisch erbawet, 
dahero Ihre Drlt. Vorhabens sein, mitlerweil die gantze Burg 
abzutragen vnd alla moderna fürstlich erbav/en zu lassen -) . . . 

{Fol. 255 r.] Adj 17. Aprilis, bin Ich zu der fraw Stree- 
mayrin, (so in der vorstatt gegen der spittal kirchen veber 
wohnet) gangen, meinen namen an der haußthür, vnd des furirs 



^) Es sei hier an die beiden kostbaren Spielbretter erinnert, welche unter 
Hainhofers Augen angefertigt wurden, das eine, um im pommer'schen Kunstschranke 
untergebracht zu werden (vgl. Quellenschr. N. F. VI., 316 ff.), das andere zum 
Gebrauche des schachkundigen Herzogs August von Braunschweig, das noch 
heute, allerdings in restauriertem Zustande, im dortigen Museum aufgestellt ist 
(Führer pag. 30 und 251). 

*) Diese Absicht des Erzherzogs und Hainhofers Bemerkungen über die 
alte Burg sind charakteristisch für den damals herrschenden Mangel an histo- 
rischem Sinn. 



— 40 — 

Zaichen darunder angeschriben gefunden . . . Die [erblindete] fraw, 
hat mir Ihr obers hauß, alß aine schöne stuben vnd 2. kämmern mit 
guten betten, auch die schlüßel zum hauß vnd gemächen geben, 
darmit Ich auß vnd ein könde, wann Ich wolle, vnd hab Ich in 
meiner kammer im beth in die gärten vnd an die berg hinan 
gesehen, vnnd die äugen morgens früe, bey aufgang der Sonnen, 
erfrischet. [2 Hexanieter^^ 

[Fol. 255 ?y.] Dato [17. April] hat man den Schreibtisch 
außgepackhet, in das schöne sääHn durch Ihrer Drlt. Zimmer 
getragen, vnd hat der maister Baumgartner folgende tag solchen 
auf: vnd zugerichtet, welcher sowol alß das orgel : vnd vhrwerckh, 
vil krumbs vnd secreta in sich hat, vnd w^ol ainen maister 
brauchet, der darmit vmbzugehen wisse. Ihre Drlt. sein Immer 
darbey ab- vnd zue gangen, vnd den kästen oder tisch sehen 
inainander richten. 

Adj 18. Aprilis, Nach dem mittag essen haben Ihre Drlt 

mich vnd den Paumgartner in Ihre Drächßlerey oder werckhstatt ge- 
führet, so in der höhe auf ainer althanen oder gärtlin ist, vnd vns 
gezaigt ainen schönen grossen tabernaculum von helffenbain mit 
Silber ziert, dessen cornicj [Fol. 256 r.~] vnd gesümbs alle gedrehet 
sein, wie mans sonsten pflegt zu hohlen, vnd dise kunst ain 
newes inventum ist, die der maister Virich in seinen köpf nit 
kan bringen, das die gedrehte gesümbs, vergehrungen vnd 
krüpfungen so fleissig sollen aufainander sagen, vnd wollen Ihre 
Drlt. disen tabernaculum mit reliquijs darinnen in aine kirchen 
verehren ^). Ihre Drlt. haben mir auch ain [helffenbainins] -) 
12 passent trinckgeschürr. Item aine helffenbainine büchß in forma 
ainer gwürtzbüchs mit ainem boden darauff, darinen etliche 
dreyfache geschrauffte baisam büchßlen steckhen, gezaiget, so 
Ihre Drlt. alle selbs gedrehet haben, wie Sie Sich dann an werckh- 
tägen fast täglich nach dem mittag eßsen aine stund lang animi 
gratia im drehen exercieren vnd grossen lust darzue haben, sowol 
alß der ältere Polnische Printz Vladislaus Sigismundus ^) noch 
hat, vnd vor disem Kayser Augustus, vnd der Churfürst Augustus 



'j Dabei von anderer Hand: »Auf die waldtrast ist dieser Tabernacl ver- 
ehrt worden.« 

2j Fehlt in J. 

3j Geb. 1595, Großfürst in Moskau bis 1613, König von Polen 1633, 
t 1648. 



— 41 — 

von Sachsen auch gehabt, vnd hin vnd wider seine arbait zum 
gedächtnuß verehret hat ^) ; hergegen hat Ihrer hochfürstl. Drlt. 
geHebtester Herr bruder, Ertzh : Carolus hochseel. gedechtnus, 
lust zur küstlers \^Fol. 256 v.] arbait gehabt vnnd selbs wol 
arbaiten vnd alle höbel vnd instrumenta nennen vnd auß ainander 
kennen könden, das der maister Baumgartner, alß Ihre Drlt. in 
seiner werckstatt gewesen, vnd Ihme ainen tisch abgekaufft, sich 
darüber verwunderen müssen. 

König Sigismundus in Polen -) solle ain guter goldarbaiter : 
vnd mit Constantino magno ain guter mahler sein, (von dessen 
May": aigener band, A° 1612. zu München bey Hertzog Wilhalms 
höchstseel. gedachtnus, fürstl. Drlt. Ich aine grosse tafel mit 
fürstlichen Bayrischen Conterfetten gesehen) vnd der Jetzige 
Churfürst in Bayrn, wie vorhin KaVser Rudolphus, ain guter 
Joilier sein, vnd sich trefflich wol auff die edle stain verstehen 
solle . . . 

Weiter haben wir in der höhe an disem Altanen gärtlin 
gesehen, ain säälin, darinen ain eingefastes stüblin ist [mit 
credenzen vnd bänckhen] ^), voller schöner Christallininer gläser 
[J^ol. 258 z'.], so Ihrer Drlt. mundgläser sein. Das säälin lainet 
vnd hangt voller mahlerey, alß vnder den brüst Conterfetten sein : 

Papa Paulus V. Cardinalis Borgesius. Carolus magnus. 
Jacobus Rex Angliae, cum coniuge Regina^). 

Dreyzehen Regiments Christen, die mit Ihrer Drlt von 
Gülch nach Praag gezogen waren. 

Ihre Drlt. vnd Ihre hertzliebste fraw gemahlin lebens- 
grösse. 

Ihre Drlt. nochma4en in brustbild, vom Elia Naricio ^). 



^) ^gl- unten in der Dresdener Relation, wo von seinen Drechslerarbeiten 
und seinen Handwerkszeugen wiederholt die Rede ist. 

Derartige Elfenbeinschnitzereien, von fürstlichen Personen angefertigt, 
befinden sich in ziemlicher Anzahl im Wiener Hofmuseum, Saal XXH, Vitrine II. 

■^) Hierneben auf Fol. 257 v. das Bildnis dieses Fürsten. Luc. Kilian sculp. 
et excud. Kpf. in gr. 8. Fehlt bei Drugulin. — Fol. 257 v. leer. 

^) und in demselben vil Schöner Credentz. J. 

*) Zusatz von späterer Hand : Anna Danica. J. 

•^) Ist auch bei Xagler K. L. 10, 133 nur mit Beziehung auf obige, im 
Tiroler Künstlerlexikon angeführte Stelle erwähnt. 



— 42 — 

Ain Zwerg Michael Buster, so letzt 22. Jar alt, bey hof 
vmbgehet, 4. spannen hoch ist. 

Aine Zwergin, so des Busters Schwester, auch 4. spannen 
hoch, im 28.'^" Jahrs Ihrs alters, A-^ 1627. gemahlt. 

Ferner sein abconterfettet in disem säälin mancherlaj 
geschoßne und gefangne seltzame Vögel, grosse GeVer, (deren 
etliche lebendig im äusseren schloßhoff sein), schwartze Wolf, 
in der herrschaft Geroltseck gefangen, seltzame hunde, darunder 
ainer, so des Kaysers Rudolphi gewesen, deme man, wann er ge- 
\^FoL 258 v.'\ sessen, seine hindern füesse gantz nicht ge- 
sehen hat. 

Drey täfelen, an welchen Conterfettet, wie Ihre Drlt. Anno 
1622. das Engadin eingenomen hat^). 

Ain gar grosser Orphaeus, auf leinwath, mit allerlaj lebens- 
grösse geconterfetten vöglen vnd thieren in guter anzahl von 
Elia Naricio gemahlet. 

Vnderschiedliche Landschafften vnd taflen, vom Brigel, 
Passano, Rueland Saverej, Palma. 

Die zwölf monat, gar schön. 

Aine gar grosse Altar tafel. 

Etliche grosse taflen von bilderen. 

Die belägerung Germersen -), auf papir deliniert. 

Ain Vngarischer kriegszug wider den türgken, auf aine 
grosse pergamenthaut mit der feder gerissen. 

Ain auf Regalpapir von der band gemahltes thierbuch. 

Conterfett, wie Hertzog Ludwig Friderich von Würtenberg ^), 
am Dorf Legenhaimb auf der 111 auß dem schiff veber 200. schritt 
weit den 4. Septemb : 1626. ainen Raiger durch den kopff vnd 
lincken flügel geschossen. 

Ain schönes hültzines, auf sondere manier geformiertes, 
geschnitenes Crucifix. 

[Fol. 2!)9 r.] Ain Vhrw^rckh, welches ain Elephant ist, der 
ain thurn trägt, auß welchem durch außlösung des vhrwerkchs 
an 4. orthen geschütz loßgehet. In disem säälin stehet auch ain 
staininer tisch, auf welchem 32 wind in die runde gemahlet sein, 



^) über die Kämpfe im Engadin, vgl. Theatrum Europaeum I., 799 flF. 
2) Richtig Germersheim. Die Stadt wurde 1022 vom Erzherzog Leopold 
belagert und erobert. Theatr. Europ. I. 773. 
»j 158G— 1631. 



— 43 — 

mitten im tisch aine 4. eckete saul ist, an deren ain schöner 
metalHner engei lainet. Oben auf dem Dach (durch welches die 
saul gehet) ist ain fähnlin angemacht, das treibt der wind mit 
der saul vmb, vnd weiset der engel lauf dem tisch an die saul 
angemacht, so mit der saul vmbgehet, vnd durchs fähnlin vom 
wind getriben wird) mit dem stab auf den Jenigen windt, der 
draussen wehet, so das man im versperten gemach wissen kan, 
was für ain wind wehet, und dises aine curiosische invention ist. 

Alle dise Sachen, so hie mit hauffen veberainander ligen 
[vnd lainen] ^), könden wol etliche Zimmer zieren. 

Adj 19. Aprilis nach essens hat die Ertzhertzogin mich in 
Ihre kunstkamer geführet, vnd ihr tresoriere vnd guarda robba, 
il sig. Mario Galeottj, vnd aine alte fraw aufgewarttet. Ihr Herr 
{^Fol. 259 V.] gemahel der Ertzhertzog ist bey vnns ab vnd 
zuegangen, vnd haben mich Ihre Drlt. (welche wie Ich verstehe, 
wol latein reden solle) vnder anderem gezaiget : 

x\ine grosse Christalline, di basso rilievo geschnittene, vnd 
in gold gefaßte flaschen. 

Ainen schönen mit den flügelen ausgespanten : vnd in gold 
gefaßten Vogel, darauß zu trinckhen, von Christall. 

1 flache Christalline schaalen. 

1 muschel in gold gefasst. 

1 Christalline tazza in gold gefaßt. 

2 Christalline blumenkrüege, in gold gefaßt. 

1 fruttiere oder große Christalline schüssel, in gold gefasset, 
mit großen perlen vnd rubinen gezieret, vnder den Christallen 
mit Conterfettischen blumen vnderlegt, die hüpsch dardurch 
herauß scheinen. 

Vnderschiedliche andere Cristalline schüßelen, auch leüchter, 
alles in fueteralen, vnd haben Ihre Drlt. selber helffen alles auß 
den futteren thun, vnd auf den tisch herumb setzen. 

1 grossen gantz silberen Schreibzeug mit Schubladen. 

1 silberin berglin, mit silbernen bäumen vnd blumen. 

1 getrib- [J^ol. 260 r.] nen silberen altar, in der mitte 
die Aufferstehung, vmbhero das leben Christi. 

1 ebano Schreibtisch, mit aim silbernen Crucifix, vnd zwölf 



1) Fehlt in J. 



— 44 — 

Aposteln ; ist Ihrer Drlt. vom Rath zu Straßburg diß Jahr verehrt 
worden. 

Das Jesus kindlin vnd S^ Johannes, wie Sie ainander 
abbraccieren, vnd Engelen festonj di fiorj et fruttj veber Sie 
halten, alles rund vnd artig, von holtz geschnitten. 

Etliche andere holtzschnitt. 

Aine gantz silberne truhen. 

Aine eingerüstete silbertruhen, oder servitio di tauola. 

Etliche silberne durchgebrochene guantierj. 

Ain gantz guldines getribenes täfelin. 

Vn rosario gar schön vnd künstlich, von ainem Vrbinischen 
maister von miniatur gemahlet, vnd haben Ihre Drlt. disem maister 
auch was schönes in mein stambuch angefrümbt, so täglich herauß 
kommen solle. 

An den wandten herumb vnd an den spalierj hangets voller 
grosser vnd klainer gemahlter täfelen, von miniatur vnd von 
öhlfarben, auf kupffer, auf stain, alß Lapis Lazolj, agate, Jaspide, 
vnd sonderlich florentiner \Fol. 260 v.'\ stainen, mit selbs gewachsenen 
Landschafften vnd gebäwen, vnd wissen Ihre Drlt. die maister, wer 
ainen oder den anderen quadretto gemahlet hat, sonderlich den Bron- 
zino ^), Civolj -), Ligotio ^), vnd dergleichen, gar wacker zu nennen vnd 
zu discerniren, auß welchem Ich leicht colligiren kan, das Ihre 
Drlt. von Jugent auff in der kunst vnd tugentschuel zu Florentz 
seyen erzogen vnd dannenhero Ihr die liebe zur kunst auch einge- 
pflantzet worden. Es sein auch etliche schöne Conterfett vorhanden. 

Mehr etliche küstlen voll geglißmater ^) : . 

auß e^efarbten haarn e^emachter : . . . ... 

, ,rc , • ■ 11 '• blumen, 

heiiienbammer gedrehter: ...... 

gestickhter: ........ 



') Angelo Bronzino, der berühmte Florentiner Maler 1501(?) — 1570(?). Vgl. 
Nagler, K.-L. 2, 149 f. 

■2) Gemeint ist Cigoli, mit eigentlichem Namen Lodovico Cardi, geb. zu 
Cigoli bei Florenz 1559, f zu Rom 1613, Schüler des Aless. Allori, Buontalenti 
und Santi di Tito. Eine Pietä von ihm im Wiener Hofmuseum, Nr. 600. 

3) Jacomo Ligotio (Ligozzi^, 1543 — nach 1632, lebte in Florenz. Er war 
Hofmaler Kaiser Ferdinand II. Vgl. Bernasconi, Studi. pag. 354. 

*) heißt vielleicht: »aus Glas geformte Blumen.« Der Ausdruck findet sich 
im bayr. Wörterb. von Schmeller-Frommann nicht. 



— 45 — 

die Ihre Frstl. Drlt. in das haar zu stecken pflegen, massen 
Ich Sie vnd Ihr frawen Zimer auch sehen nattürliche blumen 
darinen tragen. 

Mehr allerhand färben federen. 

Aine gantze truhen voll, künstlich gebeglete kräßkrägen ^), 
schnuptücher oder fatzelen, handtätzlen, vmbschläg vmb die händ 
vnd halß, haartücher, hembeter vnd andere leinwath, so wie Ihre 
{Fol. 261 r,] Drlt. mir gdst. gesagt, alles die Nonnen zu 
Florentz machen, wie auch die obgedachte glismate blumen, Item 
die schöne auffsätz vnd kräntze veber das haar, die Ihre Drlt. 
auß ainem sonderbaren küstlin mir gar schön gewisen. 

Aine gute anzahl Porcellanine, [allabasterne] ^), terra sigilla- 
tine, lacktrühlen vnd geschürrlen. 

Zwey zu Florentz gemachte, mit edlen stainen auf differente 
weiß zierlich eingelegte schöne tischbletter. 

Ain gantz guldiner servitio d'infantata, so compendios 
in ainander gefüegt, das er anders nichts, alß aine Credenz 
scheinet, vnd kostet dise credenza di donne di parto in die 
6000. Reichstaler, vnd sein volgende stuckh in ainander, nämlich : 
In cima e una miscerobba. 
sotto nel piede vna peperuela. 
Vna scudella per minestra. 
Vn trepiede. 
buggia, per far lume, con la colla, o moletta da mocicare 

il lume. 
Vna pannatura, da mettere il pane fettato. 
Scudelline, per acetj et capre. 
6. piattj grandj, per vivande. 
{Fol. 261 v.'\ 6 piattj piü picciolj, per tallierj. 
Saliere. 

Tazza da bere. 
scudella grande per minestra. 
la Zuccariera, e il piede della scudella. 
la fruttiera. 

bascino per lauare le manj. 
Ihre Drlt. brauchen dise credenz in der kindelbeth. 



ij Kräßkrägen = Halskrausen ? 
2) Fehlt in J. 



— 46 — 

Ain silbernes handbeckhin mit der kanden, vnd ist die kanden 
geformieret wie ain kürbes, vnden am boden voller löchlen, wann 
mans in ain Wasser setzt, so zeüchts das Wasser an sich, vnd 
so man oben am halß das lochiin mit dem finger zuhebt, so 
helts das wasser, das es nit durchlaufft, so man aber den finger 
vom loch thut, vnd der hals lufft bekompt, so laufft das wasser 
durch, wie durch ainen garttensprentzer ^), alß wann es regnete, 
vnd hat der Abt von Salmsweiler-), Ihrer Drlt. dise frucht 
geschenckht, mit dem handbeckhin. Dise schätz : vnd kunst- 
kammer, ist gleichsam in 3 thail gethailet, vnd köndte zu so 
vilen köstlichen vnd schönen Zeugs wol vil weiter sein. 

\^Fol. 262 z'.] Bey diser guarda robba, kunst: oder Schatz- 
kammer, (neben welcher auch Ihrer Drlt. schlafkammer) ist ain 
säälin, mit gelb : vnd blawen atlesen spalierj behengt, in welchem 
etliche lebensgrösse gemachte Conterfette hangen : alß 

Rudolphus, I. vnd 11.^"^ imperatores. 
Maximilianus, II. Imperator. 
ErnestUS, filius Maximiliani Ildi. 
Matthias, Rom: imp: 
Albertus, cum conjuge. 

Donna Infanta Isabella Clara Eugenia^). 

Wenceslaus, filius Maximiliani Ildi Imperatoris. 

Leopoldus, et. 

La ser?^ donna Claudia, in Ihrem hochzeit habit, vnd auch 
in habito die S :^^ Dorothea. 

La ser"?^ donna Anna Imperatrice, vnd Ihrer May" fraw 
Schwester donna Maria Leonora, welche zu Ynßprugg im frawen 

Closter ist, und dermalen Anna Chatarina haist. 

Donna Anna, Rudolphi. \. gemahlin. 

Donna Anna Catharina di Gonzaga"*), Ertzhertzogen Ferdi- 
nand] gemahlin. 

Regina N. N. Philippi IL Reg. Hisp.''""^ gemahlin. ^) 



') -d. i. Gartenspritze. 

2) Über die Abtei Salmansweiler, vgl. Zedier, Univ.-Lex., XXXIII., 992 fF. 

3) Gemahlin des Erzherzogs Albrecht von Österreich, des Statthalters der 
Niederlande, 1566—1633. 

4) Tochter Wilhelms, Herzogs zu Mantua, f 3. August 1620. 

*) Philipp II. war viermal vermählt, zuletzt mit Anna, der Tochter Kaiser 
Maximilians IL, die im Jahre 1580 starb. 



— 47 — 

Fridericus IV. mit seiner gemahlin Leonorae. 

Donna Elisabetha, sancta Austriae. 

\^FoL 262 7'.] Ob der thür stehen zwey brustbilder zusamen 
gemahlet, nemhch Fridericus mit der leeren taschen, vnd seine 
tochter ^). 

Gleich bey disem saal ist der Jungen princessin Donnae 
Mariae Eleonorae Zimmer, stuben vnd kammer. 

An disem ist Ihrer Drlt. des Ertzhertzogen Laboratorium 
vnd distillatorium. 

Von hinnen hat man mich geführet in 2. Ainsidlereyen oder 
Eremitoria, welche Ertzhertzog Maximilianus -) hochseel. ge- 
dächtnus, von duftstainen machen lassen, vnd offt, sonderlich die 
gantze fasten, sich darinen auffgehalten, so gar, das man ver- 
maint gehabt, Ihre Drlt. wurden sich endlich gar in Franciscaner 
orden begeben [haben den Ritter S. Jeorgen, vnd S.^^"^ Elisa- 
betham pro patronis et intercessoribus gehabt, mir auch solche 
in mein stambuch machen lassen, vnd sonsten schöne Christliche 
gedancken gehabt.] . . .^) 

[Fol. 264 r ] Vorgemeltes Rumitorium hat ain 

stüblin, kämmerlin, küchelin, Capellin vnd vorzimmerlin, bettstatt, 
tisch, stüel, bänckh, Altarbücher, kuchengeschürr, alles auffs 
schlechteste^). 

Das ander Rumitorium (so aussenhero beym eingang, wie 
ain öhlberg mit bilderen gemachet) ist nit weit von Ihrer Drlt. 
laboratorio. Das obgemelte Rumitorium aber ist bey der Capuciner 
kirchen, vnd kan man auß disem in die kirchen hinunder zum 
hohen Altar sehen vnd gehen, ist auch etwas liechters •^) vnd 
ringers, alß das aine. 



') Friedrich IV. (1382 — 1439) hatte drei Töchter, die alle jung starben, 
darunter eine, Elisabeth, aus erster Ehe. 

■2) Gemeint ist der Deutschmeister und erwählte König von Polen, der 
1620 im Alter von 62 Jahren starb. Sein Grabmal von Caspar Gras in der Pfarr- 
kirche zu Innsbruck. 

3) Fehlt in J. Hierneben ist Fol. 263 v. leer. Auf Fol. 263 v. befindet 
sich das Bildnis des (in dem übergangenen Texte erwähnten) Rathes uud Hoch- 
meisters des deutschen Ordens Eustachius Westernach von Peter Isselburg 
1622. Kpf. in 8. Dnigulin Nr. 22821. Über ihn Zedier, Univ.-Lex., IV, 1869 ff. 

*) d. h. aufs einfachste. 

*) leichters. J. 



— 48 — 

Adj. 20. x\prilis, am grünen Donerstag, nach der kirchen 
haben Ihre Drlt. die gedächtnus deß Fueßwaschens Christ] cele- 
briert, folgender gestalt : 

Auf dem grossen saal (der 50. schrit lang, vnd vita Herculis 
darauf gemahlet ist, hat man 2 taflen zusamen gestossen vnd 
ain tischtuch darauf gedecket, 13. gar alte arme männer alla 
sfilata daran gesetzt, auf ainem neben- 

S^Fol. 264 7'.] tisch, alß auf ainem buffet, ist ain silberin 
handbeckhin vnd gueßkanten, bey der tafel ain hohes pult mit 
ainem buch darob gestanden. Auf ainer seitten haben die Carbiner 
mit den Partisanen, auf der anderen seitten die trabanten mit 
helleparden aufgewarttet, vnd der saal voller leüth gewesen. Wie 
Ihre Drlt. mit Ihren caualieren vnd officieren kommen vnd für 
die tafel gestanden, hat Ihrer Drlt. der obrist Cämmerer ainen 
Zetul geben, auf welchem der alten männer namen vnd alter 
geschriben ; sein die ersten 2. männer ieder 96. Jahr, vnd alle 13. 
zusamen veber 1000. Jahr alt. Hernach ist die Ertzhertzogin mit 
Ihrem frawen Zimmer kommen, hat sich zu endt deß saals in der 
höhe auf ain stieglin gesetzt, vnd das frawenzimer zu beden 
seitten bey Ihr herab gestanden. Vnnd haben Ihre Drlt. befohlen 
aufzutragen ; da dann die truchsessen kommen, ieder ain brett mit 
4. speisen darob getragen, die Ihre Drlt. ab dem brett genommen, 
vnd Jedem alten Mann fürgesetzt, vorher aber Ihnen geben. Jedem 
ain teller, messer, löffel, 2. broth, ain grossen [Fol. 265 r.] zi- 
ninen becher voll wein, vnd ain Irdines krüglin voll wein, vnd 
sein an die becher, krüglen, Irdine schüsselen vnd züberlen Ihrer 
baider DDrlten wappen gemahlet gewesen. 

Weihen dise männer essen, so stehen Ihre Drlt. vor der 
tafel, wartten Ihnen auf, vnd der pater praedicator seren.""^ liset 
gar langsam auß ainem buch, auß dem alten testament die 
stifftung des Osterlämblins, vnd auß dem newen testament, wie 
Christus der herr solches mit seinen Jüngeren celebriert hat, vnd 
sprechen vnder deß Ihre Drlt. den gasten bißweillen zue. 

Wann sie von den 4 richten ain wenig geessen, so ziehen 
Ihre Drlt. vnder der tafel das oberste züberlin herfür, (deren 13. 
sein, vnd vnder der tafel stehen) der Obriste Cämmerer vnd die 
andere herren ^) ziehen die andere züberlen herfür, nemen die 



') Cammerherrn J. 



— 49 — 

4 speisen, setzens in die züberlen, Schiebens alßdann wider 
hinunder, vnd kommen die truchsessen wider mit 4. anderen 
speisen, welche Ihre Drlt. auch Jedem man fürsetzet, vnd wann 
sie daruon geessen haben, setzt mans, wie die ersten, in die 
züberlen, vnd tragen die truchsessen \^Fol. 265 v.'] zum dritten- 
mal auff, auch 4 speisen, vnd also für Jeden alten mann 12 speisen, 
alß da sein : Erbiß, reiß, saurkraut mit häring, gesotten : gebraten : 
vnd gebachene fisch, fischbasteten, dorten, vnd gebachens, vnd 
singet die choral music gar lieblich den lobgesang. 

Alßdann setzen Ihre Drlt. vnd die Cammerherrn dise letzste 
4. speisen, sampt den brothen, deller, becher vnd krüeglen, auch 
in die züberlen, vnd sein der alten männer weiber, kinder vnd 
fraind alda, die Jedem sein züberlin haimtragen, vnd kommen die 
hofdiener, die das tischtuch vnd die tallen hinweg räumen, die 
13. männer bleiben sitzen, dennen thut man aine lange handzweel 
oder vmblauf für, vnder welchem sie den rechten stumpft) vnd 
den rechten schuch abziehen, Ihre Drlt. thun den mantel von 
sich, vmbgürten mit hülf des obristen Cammerers ainen schönen 
weissen schurtz, knieglen vor dem ersten vnd forts auf der rayen 
vor iedem auf ain knie nider, der herr obriste Cämmerer helt 
auch knyent das silberin beckhin, geust mit der kanten auf, Ihre 
Drlt. waschen den [Fol. 266 r.] fueß, trücknen ihn mit Ihrem 
schurtz vnd küssen Ihn, vnd liset der hofprediger Immer die wort 
vom fueßwaschen, mit kurtzen erjnnerungen darbey. 

Wann nun alle 13. männer gewaschen sein, legt Jeder 
vnder der handzweel stumpff^) vnd schuch wdder an, der oberst 
Cämmerer gibt Ihrer Drlt. noch ain ander sauber handtuch zum 
händtrücknen, nimbt den schurtz von Ihrer Drlt., gibt Ihr den 
mantel vmb, vnd nemmen die diener auch von den männeren die 
lange handzweel. 

Alßdann bringt der oberst Cämmerer 13 gefärbte gespicklete 
säckhel, mit Ihrer DDrlten. färben, in iedem ainen Leopoldinschen 
taller, der hofschneider vnd seine gesellen bringen 13 stickhlen 
zusamen gerollets tuch, vnd in iedem ain stücklin lainwath, da 
nemen Ihre Drlt. den seckhel, henckhen Jedem alten mann ainen 
an den halß, vnd nemen die stückhlen tuch, vnd geben Jedem 



') sie. 
■^) sie. 
Ouellenschr. X. Bd. 



— 50 — 

alten mann ains an arm, die männer bieten Ihrer Drlt. die händ, 
dancken, vnd versprechen, Gott für Ihrer Drlt. gesundes langes 
leben zu bitten, ^Fol. 266 z'.] welches Ihrer Drlt. angenemer 
vnd lieber von Ihnen ist, alß von ainem anderen etlich tausent 
taller .... 

Disen actum humilitatis nun, vnd dise imitatam et celebratam 
memoriam lotionis pedum habe Ich mit lust gesehen ^). [2 latei- 
7iische M7id 2 deutsche J^erse.] . . . 

[Fol. 267 ;-.] Dannenhero [er] ^) auch beygemahlten storcken ^), 
die ainander speis im schnabel zuetragen, zu seinem ordinario 
symbolo führet: 

PIETAS AD OMMA VTILIS. 

[Lob des Hauses Habsburg. Beschreibung der von der 
Erzherzogin m ihrem Zinmier mit den alten Fraue?i abgehal- 
tejien Fuß7üaschung.~\ 

[Folio 267 v.] Gleich darauf sein Ihre DDrlten. mit Ihren 
zween beichtvätteren vnd noch 3 anderen patribus in das säälin 
zum Schreibtisch kommen, vmb 3 [Fol. 268 r.] vhren Ihre DDrlten. 
in die predig vnd vesper gangen, vnd vnns andere biß vmb 
5. vhren allain glassen, vnd hat vns mit disen patribus vnd 
sonderlich mit den 2. beichtvätteren, (deren der aine di casa 
Piccolominj ist) vber die invention, veber die historias vnd figuren, 
allerhand gespräch, in lateinischer, deutscher vnd Italianischer 
sprach abgeben *). 

Den 21. Aprilis, hab Ich gleich am Herculis saal (dessen 
deckhin mit historijs von Ferdinando I. gemahlet ist) die Zimmer 
dem ser.™° Gran Duca vnd seinem herren bruderen destinirt, 



^) Die Ceremonie der Fußwaschung ist bekanntlich noch jetzt in der römischen 
und griechischen Kirche, sowie bei verschiedenen weltlichen Fürsten im Gebrauch, 
In letzterer Beziehung dürfte die Feierlichkeit am österreichischen Hofe am 
bekanntesten sein. 

■^) Erzherzog Leopold. — Portraits gestochen von L. Kilian, Crispin de 
Passe, Pieter de Jode u. a. Drugulin, Portr.-Katal. Nr. 11802—11810. 

') Die Zeichnung fehlt in den Manuscripten. 

^) In denselben drei Sprachen sind die Schrankbeschreibungen im "Wolfen- 
büttler Codex, 6. 0. Aug. fol. verfaßt. Vgl, Einleitung. Dass das Gespräch über 
die »Invention« und die »historias« gerade mit den Clerikern stattfindet, deutet 
an, dass jene Historien etc. vorwiegend biblischer Natur waren, ein starkes Beweis- 
raoment für die Identität dieses Kunstschrankes mit jenem, dessen Beschreibung 
unten abgedruckt ist. 



— 51 — 

besehen, deren 6 aneinander die Paradeyszimmer genennet 
werden, mit rother, gelber vnd weisser guldiner teletta behengt 
sein, die tischteppich thails von guldiner teletta, thails von rothem 
samet, thails Türckisch ; die bettstatt vergult; das holtzwerckh mit 
von gold verbremten rothem samet veberzogen, also auch die 
vmbhänge. Die bettdeckhin ist ain schönes guldines Türckisches 
gewürckh : auf der erden vmb die bethstatt andere tapetzereyen. 
Auf ainem tisch in der schlafkammer stehet ain schön vergultes 
{^Fol. 268 v.l hochgetribenes handbeckhin vnd 6. silberne 
leüchter darbey. Bey dem beth hanget aine tafel, so die Creutzi- 
gung Christj von helffenbain, mit runden bilderen geschnitten, in 
Silber gefasset vnd mit stainen geziert, so Ihrer Drlt. zu Rom 
verehret worden. Vor diser tafel stehet ain mit sammet bedeckhter 
bettstuel zum knven. 

In der Ritterstuben, i^in welcher in der höhe rings herumb 
Ertzhertzogliche Conterfette, lebensgrösse hangen) ist ain ver- 
schlossen erckerlin, wie ain stüblin, darinen hat man ainen Altar, 
mit ainer silberen Auferstehung, vmbhero mit passions stücklen 
zu gerichtet. x\in schön gantz guldines, mit schönen perlen, 
grossen Saphiren vnd rubinen geziertes Creutz, daran ain \'es- 
perbild ist, gar schön gemacht. 

Item etliche reliquias von S^- Vrsulae gsellschafft. 

2 schöne auf stain gemahlte taflen. 

Christalline geschnittene täfelen. 

Jaspine leüchter vnd andere Zier darauf gesetzt. Vnd haben 
Ihre Ddrlten selbs helffen disen altar auß Ihrer guarda robba 
klaiden vnd zieren. 

\^FoL 269 r^\ Deß ser^'^- Principe Don Gio : Carlo Zimmer 
ist behengt mit gewürckten tapetzereyen von der parabola des 
iilij prodigi, die deckhinen mit gemahlten vöglen. 

Die tapetzereyen in der stuben sein Ovidianische poesiae. 

Die Deckhin repraesentirt die 7. planeten. 

Item 4. angesichter von blumen vnd fruchten, quatuor annj 
tempora denotantes ^). 

Des Principe di Venosa -) Zimern, sein mit anderen tapetze- 
reyen behengt. 

^) Ganz ähnliche "Werke fand Hainhofer im folgenden Jahre in Dresden. 
Vgl. unten Dresd. Rel. Fol. 378 v. 

2) Dieser hieß mit eigentlichem Namen Don Carlo Gesualdo, einer der 

4* 



— 52 — 

Das gehürn partiment hat den namen, das vor disem allerlay 
schöne gehürn in der höhe gehangen, (alß die signa et vestigia, 
also zu melden, noch in den wänden sein. Es kan alhie auch 
ain Fürst losieren. V^nd weil der Ertzhertzog in Zimmer auff 
dises partiment zue: vnd das frawenzimmer hie auf: vnd abgehet, 
so ist hie so wol, alß auf des Herculis saal vor des Ertzhertzogen 
Zimmer tag vnd nacht die wache. 

An diser gehürn stuben ist ain grosser saal, in welchem 
die Ertzhertzogin mit Ihrem Herren bißweilen pflegt tafel zu 
halten, vnd das frawen Zimmer alda aufzuwartten. 

\^Fol. 269 V.] Deß Kuchenmaisters wohnung ist gleich vor 
der gehürn stuben veber die gassen, vnd könden auch 2 fürsten 
daselbst losieret werden, deren iedem man gibt: 1 fürsten stuben, 
Schlafkammer, retirata kammer, antecamera vnnd Ritterstuben. 
Desselben fürsten obristen Cämmerer gibt man aine stuben vnd 
kammer, dem Cammerdiener aine Cammer, vnnd werden auch 
gesandte hie losieret . . . Vnnd wann vil frembder herrschafft 
vorhanden, muß der kuchinmaister bißweilen sich etwas engers 
einziehen vnd platz machen. In den hinderen Zimmeren behelt 
man auch die beth vnd tapetzereyen. 

Vnder der Cammerherren tafelstuben ist die kuchin, mit 
12 maister kochen, 20 anderen kochen vnd kuchenbuben. 

Wann Ihre Drlt. im Ruhelust wohnen, so haben Sie auf 
Ihre tafel aine andere kuchin bey der Renn- [Fol. 270 r.] bahn, 
damit man die speisen nit so weit tragen dörffe. 

Die Putellerey : vnd Fischbehalter sein, wie man binden 
durch auff die rennbahn gehet, nit weit von der ruhelustskuchen. 

Die officier stuben, oder wie sie anderstwa genennet wird, 
die Türnitz, ist auch dahinden ... Im Altenburg ist auch die 
hof Cantzley, vil zimmer obainander, gar altfränckisch ; bey deß 
kuchenmaisters wohnung das Vogelhauß. Hinder Altenburg ist 
das Ballhauß, ballonenhauß, der gemain klepperstall, liechtkammer 
vnd grosse garten. 

Der Haupt: vnd Tomelhafften pferd stallung ist in ainem 



ausgezeichnetsten Musiker in der Zeit des Überganges von der älteren zur neueren 
Musik. Seine sechs Bücher Madrigale erschienen im Druck 1613. Vgl. Winter- 
feld, Joh. Gabrieli und seine Zeit. Berlin, 1834. 



— 53 — 

engen gäßlin, wie man der schönen vorstatt zugeht, daselbst 
auch die edle knaben Ihre Wohnungen haben. 

\FoL 270 z'.] Item der Pfenning: vnd Füetermaister gleich 
darbev wohnen. Der gutschen pferd vnd maul Esel stall ist 
weit vom hof, fürs frawen Closter hinauß, vnd wird bey so 
vil pferden vil haber verzehrt vnd aufgefretzet. An der prateria 
ist das faßhaanen hauß, vnd wie man mir gesagt, sein bey 3000. 
faßhaanen darinen. Darbey ist das böhmische hauß, welches ain 
lusthauß, gleich am Yhn, da man die feurwerckh wirfft. 

Alß Ich heüt vnd vorige tag in der statt gangen, vnd das 
wasser durch alle gassen fliessend gefunden, so hab Ich Immer 
ain weil hie, ain weil da waschen sehen, vnd auch gar vil holtz- 
hacker antroffen, vnd ist mir ain sprichwortt erzehlet worden, 
das wer gen Ynßprugg kompt, vnd nicht hört glockenläuten ; 
nicht sihet waschen vnd holtzhacken, kan wol von grossem 
wunder sagen. Das holtz ist hie schand wolfail, vnd kostet aine 
gantze klaffter veber 1 fl. nitt . . . [Sprichwort hierüber.^ [Fol. 
271 r.'] Man macht auch alhie schöne vnd zarte Händschuh mit 
sauberen näthen, die weit vnd brait verführet werden ; alß wie 
die gestrickte Schwaatzer heublen, die auch weit kommen vnd 
schön sein. 

Nachdem Ihre Drlten disen Charfreytag, souil Sie ruhe gehabt, 
der kirchen abgewarttet, sein Sie nach Vesper Zeit mit den Cammer- 
herren vnd Truchsessen, dem Ser™°- Gran Duca auff aim klepper 
schimmelin entgegen geritten ; neben Ihr die trabanten zu fueß mit 
bloßem haupt, hinder Ihr die Carabiner zu pferd gehabt ; vnd alß die 
Ertzhertzogin vernommen, das man hinder dem graben herumb bald 
kommen werde (wie dann Immer beladen mulj mit den bethen-, 
Silber- vnd klaidertruhen, die Furier, die sänfftinen vnd etliche 
officierj nach vnd nach ankommen) so ist Sy, die Ertzhertzogin, 
mit dem frawenzimer vnd des herren obersten Cammerers vnd 
herren obristen stallmaisters gemahlinen hinunder gangen, vnd 
haben an der stiegen der fürsten ankunfft erwarttet, da dann 

[Fol. 271 7'.] vor dem schloß draussen die Cavalierj vnd 
herren : die fürsten aber, im hof abgestigen, vnd der Ser"^°- Gran 
Duca vnd sein herr bruder il seren"^°- Principe Don Gio : Carlo, 
Ihrer fraw baasen, der Durchlauchtigsten Ertzhertzogin, die händ 
geküsset : Ihre Drlt der Ertzhertzog mit dem Principe don Giovan 
Carlo vorher gangen, der Gran Duca die Ertzhertzogin hinauf 



— 54 — 

beglaittet vnd Ihr den lingken arm geraicht, auff welchen Sie 
Ihre rechte hand gelegt. Dise nacht [wie auch die gantze Char- 
w^ochen] ^), vnd sonsten offt in der Vasten hat der Ertzhertzog 
gefastet, vnd allain die Ertzhertzogin wegen schwangeren leibes -) 
warme speisen geessen. An meiner tafel, wie auch durchgehends 
bey hof, hat man dise Carwochen durch zu nachts auch nur 
Collatzet. [2 lateinische Hexameter?^ 

Den Gran Duca^) vnd seinen herren bruderen, alß frembde 
und raysende, hat man disen abent in Ihren Zimmeren mit warmen 
\^Fol. 273 r.] speisen gespeiset. Zu nachts hab Ich in meinem 
losament die procession auß dem spital sehen herauß gehen, auf 
derselben seitten die Vorstatt hinunder, auf meiner seitten wider 
herauf, vnd sein zwar vil verkapte mitgangen, aber kainer hat 
sich gaißlet, wol aber etliche die Creütz getragen, vnd sollen 
Ihre Drlt. vmb Ihrer fraw gemahlin willen, weihen Sie so grosses 
leibs, dises vnd auch andere mahl beuohlen haben, das öffent- 
liche gaißlen einzustellen, damit Ihre Drlt., wann Sie der pro- 
cession solten zusehen, nicht etwan erschrocken vnd ainen 
vnlust haben. 

Adj 22. Aprilis hat man meß gehöret, vnd in der Ertz- 
hertzogin antecamera erst vmb 1. vhr tafel gehalten, vmb 3. vhren 
die neun gräber^) besucht, alß 1." in der Pfarrkirchen. 

2." In der spitalkirchen. 3.^ bey den serviten. 

4.*^ beym wilden risen ^). 5.'^ Zu S. Sebastian. 

6.^ zu den Capucinern. 7.*^ im frawen Closter. 

8.*^ bey den Jesuiteren. 9.^ im baw. 

Vnd sein die 4. fürsten personen vnd der Principe de Venosa 
in ainer gutschen gefahren . . . 

[J^ol, 273 v.~] Zu nachts vmb 9 vhren haben Ihre Drlt. laßen 
die mettin halten, wie man sie sonsten vmb mitternacht zu halten 
plieget, vnd sein Ihre Ddrlten vnd alle, die bey hof aufwartten, in die 
hofkirchen zum grab, (so in der höhe aufgemacht, vnd der limbus 



'j. Fehlt in J. 

2) Die Erzherzogin gebar am 17. Mai desselben Jahres einen Sohn, Ferdinand 
Carl (t 1662). Vgl. Zoller, I., 335. 

') Daneben auf Fol. 272 r, das Bildnis des Großherzogs Ferdinand II. von 
Lucas Kilian, 1628. Kpf. in 4. Drugulin Nr. 13663. — Fol. 272 v. leer. 

^) d. h. heilige Gräber. 

^) d. h. in der Abtei Wilten. 



— 55 — 

patrum et infantulorum an ainer vmblauffenden wellen oder rollen 
gesehen würdt) mit den gaistlichen, Christum auß dem grab zu hellen, 
gangen, da dann alle brennende wachskertzen getragen, Ihre Drlt 
Selbsten vor dem H. Sacrament mit ainer kertzen in der band her- 
gangen. Die Ertzhertzogin, welche herr obrister Cammerer geführt, 
mit Ihrem frawenzimmer hinach gefolget, biß zu dem hohen Altar 
im Chor, auf welchen man die hostiam^ id est : den auferstandenen 
Christum gesetzt hat, bey welchem sich aine stattliche music, vnd 
trometer hören lassen, vnd alß man auf dem thuren mit ainer 
^Fol. 274 v.~] fackhel ain Zaichen geben, das die hostia auf 
den altar gesetzt worden, hat man in den bergen 30 stuckh 
geschütz loßgebrent, die Choral music vnd trometer haben alter- 
niert, echones gemacht vnd sehr lieblich zusamen musiciert. 
welche mettin, gebett vnd music, biß vmb 11 vhren gewehret. 
Wie nun Ihre Ddrlten auß der mettin gangen, vnd mich gefragt, 
ob Ich waidlich gebettet, vnd wie mir dise music gefalle ? vnd 
Ich solche, wie billich, vnd sie wol werth war, hoch gelobet^ 
sagten Sie : Ich solte morgen zum xA.mpt kommen, da werde Ich 
die heerpauggen in die music gehen hören vnd halten Ihre Drlt 
in die 40 musicanten, die thails noch bey der alten fraw Mar- 
gräfin ^) gedienet haben . . . -) 

Adj 23. Aprilis, am H. Ostertag sein die fürsten personen 
alle, vnd die gantze hofstatt vmb 8 vhren in die kirchen gangen, 
in welcher man das hohe Ampt gesungen, wider- [Fol. 274 v.'] 
umb aine sehr liebliche vnd herrliche music gehalten, mit aller- 
hand instrumenten, trometen vnd heerpauggen, so biß nach 10 
vhren gewehret, vnd bey der elevation wider in den bergen 30 
stuckh geschütz loßgeschossen worden. In der kirchen, hat 
man in aller früe zu schaffen gehabt, die OsterÜaden, Ayr, lämblen, 
vnd andere speisen zu weyhen. 

Wie man auß der kirchen gienge, sagten Ihre Drlt zu mir, 
Ich solte mich nach dem essen finden lassen, Sie wolten dem 
Ser™°- Granduca den tisch weisen; vnd gienge man von der 
kirchen gleich zur tafel, so in des Großhertzogen Ritterstuben 



') Sibylle, Tochter Herzog Wilhelms von Jülich, seit IGOl Gemahlin des 
Markgrafen Karl von Burgau. Sie starb am 6. Dec. 1627. 

2) Über die Vortrefflichkeit der damaligen Musikpflege zu Innsbruck spricht 
auch Sacken die k. k. Ambraser Sammlung. II., 150. Vgl. Zoller, Geschichte der 
Stadt Innsbruck. I., 321, 373. 



— 56 — 

gehalten worden, der Principe di Venosa auch daran gesessen, 
man die 30 stuckh geschütz nochmalen loßgeschossen, bey der 
tafel aine herrliche music gehalten, ain musicant alda gewest, so 
nur allain mit 3 stimmen gesungen, alß wann Ihrer 3. ainander 
antwortteten. 

Nach der mahlzeit vmb 1 vhren sein Ihre Drlt. mit Ihrer 
fraw gemahlin, dem herrn Großhertzogen vnd dessen herrn 
brudern \^Fol. 276 v.y) kommen, den schönen kästen oder Schreib- 
tisch mit lust anfangen sehen, vnd hat die Ertzhertzogin Ihrem 
herren Vettern selbs auch Immer ain ding, wie Sie es zuuor von 
mir gehört hatte, außgeleget, dann Ihre Drlt gar capax, aine 
verständige vnd grosse liebhaberin der künsten -) erzogen sein, so wol 
ggj-mo. Qi-an Duca, vnd der Ser™°- Principe Don Gio : Carlo ^), 
alß der die kunst vnd mahlerey wol verstehen, vnd etliche Sachen, die 
im kästen vnd Schubladen ligen, gekennet vnd gewust haben, 
woher man sie bringet. Cosimus I. Ihrer Ddten proavus, solle 
auch also ain liebhaber der künsten gewesen sein."^) 

Nach 2 Vhren hat man Ihrer Drlt. angesagt, das es predig 
Zeit seye, da dann Ihre Drlt. der Ertzhertzog nur allain in die 
predig gegangen, vnd haben Sie die 3. fürsten personen bey mir 
gelassen, den tisch zu besehen. [^Uber die Frömmigkeit des Erz- 
herzogs, 2 lateinische und 2 deutsche Verse. Religiöse Duld- 
samkeit Kaiser Maximilians II.'] 

Ihre Drlt. haben hin vnd wider bey hof vnnd im land 
schöne lust in gebewen, künsten vnd rariteten, aber Sie halten 
die Kirchen vnd Gottesdienst, für den grösten lust. [2 deutsche 
Verse.] 

Nach 3 vhren ist der herr obriste Cammerer kommen, hat 
die Ertzhertzogin vnd die zween Großhertzogen in die Vesper 
abgehollet, in welcher es wider aine herrliche music abgegeben. 
Nach der \'esper haben Ihre Drlt mir gdst befolchen, widerumb 
zum Schreibtisch zu gehen, vnd sein alle 4 fürsten personen mir 
gefolget, vnd den tisch, id est: continens et contenta, vollends 



') Hierneben ist Fol. 27.5 r. leer. Auf 275 v. das Bildnis des Cosmus I. 
de'Medici. DC (Dominicus Custos). Kpf. in 8. Drugulin Nr. 13657. 
*) rariteten vnd von Jugent auf in den künsten J. 
3) Geb. 1611, t 23. Jan. 1663. 
♦j Fehlt in J. 



— 57 — 

besehen, so auch ain von Ihrer Drlt erkaufftes, schön mit stainen 
eingelegtes tischtäfelin, in welchem allerhand spil, vnd etliche 
klaine servitij di tavola, di pettineria, scri- \^FoL 277 v.'\ uaneria 
et apotegaria, gar artig verborgen sein, vnd haben Ihre Ddrlten 
ain weil mitainander auf disem tischlin mit kügelen geschossen 
vnd gespillet. Man hat auch die klaine princessin ^) dem herrn 
Großhertzogen gebracht . . . 

Alß man das fräwlin wider hinweg getragen, haben Ihre 
Drlt. die 2 Großhertzogen vnd Ihre fraw gemahlin in Ihr cabinet 
oder schreibstüblin geführet, mich haissen mitkommen, vnd Ihren 
Ddrlten mein fürsten Stammbuch gezaiget, welches die 2 Groß- 
hertzoge mit lust gesehen, weil sie baide die mahlerey trefflich 
wol verstehn vnd selbs auch mahlen könden ; vnd alß Ihren 
Ddrlten Ich nur ainmal gesagt, das dises vnd Jenes stuckh von 
dessen vnd Jenes maisters band se)e, so wann von ainsen oder 
des anderen m.aisters band wider [Fol. 278 v.'] ain stücklin 
kommen, haben Ihre Ddrlten gleich selbs wissen die maister 
der stücklen zu nennen, auch wann Sie ainig bildlein spropor- 
tionirt -) designiert befunden, mir die Fehler gezaigt, veber deren, 
alß noch Junger herren Juditio Ich mich nicht wenig verwun- 
deren müssen. Ihre Drlt. der Großhertzog haben mir in Ihrem 
brevier zwey saubere klaine bildlen, auch von miniatur, von 
ainem mönch zu Florentz gemahlt, gezaiget, von dessen band 
Sie mir auch was schönes in mein fürstenbuch mahlen lassen: 
Printz Johann Caroli Drlt. aber mir mit aigener band darein 
reissen wollen. 

Alß wir nun so viller Potentaten vnd fürsten wappen vnd 
handschrifften betrachteten, und Immer zu red wurden, was 
Religion ieder fürst seye ? fragten mich deß herren Großhertzogen 
Drlt., was die Lutherische oder Euangelische für ainen glauben 
haben, vnd ob wir so weit von den Catholischen, alß auch von 
den Caluinisten discrepieren ? \_Folgt Hainhofcrs Auseinander- 
setzung hierüber^ 

\_FoL 278 V.'] Darauff Ihre Drlt. ferner fragten, ob wir auch 
gelehrte leüthe vnder vnnß haben ? Rs : [Fol. 279 v.'] Ja, man 
finde vnder hoch : vnd niderstands personen sehr gelehrte leüthe, 



*) Marie Eleonore, geb. 12. Febr. 1627, Das Kind starb bereits am 6. Aug. 1629. 
2) Soll heißen disproportioniert. 



— 58 — 

wir haben sehr vortreffliche Academias vnd Universiteten, auch 
seVn vnder anderen Hertzog Augustus der Jünger von Lünen- 
burg ^) (dessen schön JoyHerte bildnuß Ihre Drlt. damalß an 
meiner kettin gesehen vnd zweymal in die band genomen) so ain 
hochgelehrter vnd in sprachen erfahrner herr, das Ihre fürstl. 
gn. manchen Doctor an geschicklikait vebertreffen. {^Anekdote, 
Luther betreffend. Abendmahl der Fürsten im Erzherzogin- 
zivimer?^ 

\Fol. 280 v.] Im eck dises zimmers, lasset sich aine lieb- 
liche tafel m.usic, vnd sonderlich ain Frantzösischer geiger, (der auff 
ainer geigen 3 stimmen macht,) hören. Die zween Narren -), welche 
sich Immer verklaiden, der aine Jeronymus : der ander Elias haisset, 
(vnd diser ain freyherr sein will) müeßen auch vor der tafel aufwartten. 
Deß herren Großhertzogen leüth werden in vnderschiedlichen Zim- 
mern, so wol alß Jedermann bey hof, auch gar stattlich tractieret, 
[Anekdote vom Geize eines griechischen Bischofs'] [Fol. 281 t'.] 
vnd alles auß silber gespeiset. \^nd sein Ihrer hochfürstl. Drlt. 
vornembeste cavaglieri vnd officieri volgende : [Folge?i 25 ^) Namen 
und Titel in italienischer Sprache?^ Anderer gemainer officierer 
vnd Diener namen wais Ich nit. [Folgen die Namen von fünf 
italienischen Fdelleuten, die besondere Empfehlungen an Hain- 
hof er hatten'] [Fol. 282 7'.] das, wann Sie mit Ihrer hochfrl. Drlt. 
nach Augspurg kommen. Ich Ihnen allen guten willen erweisen, 
vnd gegen ainer ricevuta von gelt solte folgen lassen, was Sie 
bedörffen. 

Adj 24. i\prilis, nachdem man morgens auß der Kirchen 
kommen, sein Ihre Ddrlten, der Principe di Venosa, der Conte 
Oso, der Marchese Coloreto, vnd der obriste Cammerherr von 
Wolckenstain), veber die gang zu den Jesuiteren in Ihr Collegium ^) 
gangen . . . [Fol. 282 v.] . . . darauf samentlich ins refectorium 
hinunder gangen, Ihrer Drlt. beicht vatter mich auch mit hinein 



'j Hainhofers großer Gönner, der Stifter der Bibliothek zu Wolfenbüttel, 
1579—1666. 

2) Über die an österreichischen Höfen gehaltenen Narren, vgl. Flögel, 
Gesch. der Hofnarren, pag. 251 ff. 

») In J. 29. 

'*) Da das ohnehin schlecht gebaute Jesuitencollegium durch ein Erdbeben 
1671 stark beschädigt wurde, so begann man 1672 mit einem Neubau. Vgl. 
Zoller, IT., 10. 



— 59 — 

genommen, in welchem 4 lange taflen auf den 4 seilten des 
gemachs gedeckht waren . . . \^FoL 2SS v\\ in welchem an den 
wänden rings herumb gemahlte emblemata mit darunder ge- 
schribenen carminibus hangen. Vnder wehrenden mahlzeit kamen 
etliche schuelknaben, auf comoediantisch beklaidet, ziehen . die 
victoriam auf ainem triumph Karren, die knaben tragen die 
spolia, alß fahnen, hämisch, schildt, helmlin p. fauni gehen 
hindennach, ziehen zweymal vmb die saul, (so mitten in der 
Stuben ist) herumb, vnd salutiren die herren Großhertzogen 
lateinisch, agieren aine weil, die fauni machen intermedia, hengen 
vnd steckhen die spolia an der saul auf, ziehen wider ab, vnd werden 
im hof draussen dreymal 30 klaine karrenbüchßlen loßgeschossen, die 
trometer vnd heerpaucker sein auch im hof, so auch die music 
gleich vor den fensteren. 

Dises Jesuiter collegium ist sehr schlecht vnd dem Augs- 
purgischen, vil weniger dem Müncher CoUegio nicht zu ver- 
gleichen. Vor zway Jahren, alß man veber ainer contra Danum 
erhaltener Victoria (^bey Lauther) ^) [Fol. 283 z'.] das grosse ge- 
schütz loßgebrent, hat sich vom rebombo die erden so erschüttet, 
das Ihre kirchen eingefallen, welche man letzt weiter ruckhet, 
vnd ain bessers fundament leget, vnd wird auch das collegium 
schöner erbawet werden. 

Das Gymnasium ist auch nit weit daruon, [vnd haben mir 
die patres kupfferstucke verehret, von etlichen martyris Ihres 
ordinis] ^). 

Nach der mahlzeit haben Ihre Drlt. auf die Rennbahn Ihre 
hauptpferde führen '^) lassen . . . Darnach ist man in das 
thierhauß gangen, ainen grossen beeren, aine löwin, vnd ain 
schön Tigerthier, iedes absonderlich heraußgelassen, zu ainem 
weissen : rothen : vnd schwartzen stier, (so man alle drey von 
München bracht.) . . . [Fol. 284 v.~\ Im äusseren bürg: oder 
schloßhof, gleich zur lincken seitten, wann man hinein gehet, 
ist ain Leopard vnd 2. beeren an kettinen, mit denen die bueben 



') Hainhofer meint die am 27. August 1626 gelieferte Schlacht bei Lutter 
am Barenberge, wo Tilly Christian IV. von Dänemark schlug. 

Der Einsturz der Kirche ist auch erwähnt bei Zoller, Geschichte der Stadt 
Innsbr. I., 331 f. 

«) Fehlt in J. 

3) für führen. J. 



— 60 — 

bißweilen vmbschinden, dann sie zam sein, wann mans nit 
erzürnet. 

Es sein auch im hof grosse geyer. Item Indianische raben, 
oder rothe Papigay, mit rothen schwaifen. Hund in grosser anzahl 
sind verbanden. Darunder ain gar grosser Enghscher hund, wel- 
cher höher, alß ain tisch ist. Ain dupffeter hund, so dem herren 
obristen Cammerer zuesteht, deßsen vnders maul lenger ist, alß 
sein oberes. \^FoL 284 v.'] Die Ertzhertzogin hat ain gar schönes 
[weisses] ^) klaines Löwlin, vnd ain rothgefleckhtes [klaines] ^) 
Bologneser hündlin, trefflich schön, die gehen bey Ihrer Drlt. 
wol gar auf dem tisch vmb. 

Nicht weit vom löwenhauß ist das Possierhauß, in welchem 
die werckhstätte ans wasser gerichtet sein, für goldschmid, 
possierer, müntzer vnd truckhwerckh. Vnd sein hierinnen zu 
sehen 6 grosse metalline bilder, alß drey meergötter vnd 3 meer- 
göttinen, 6 meerkindlen, die alle auf ainen röhrkasten-) kommen. 



1) Fehlt in J. 

*) Über die Geschichte dieses »Röhrkastens«, d. h. des neuerdings in 
Innsbruck wieder aufgestellten Leopoldsbrunnens hat Conrad Fischnaler, 
Custos des Ferdinandeums in Innsbruck, 1894 im »Tiroler Boten« eine 
sorgfältige Studie veröffentlicht. Die Absicht zur Herstellung eines Brunnens, 
der zuletzt für das Schloss Eisenburg bestimmt war, hatte der Erzherzog 
schon im August 1621. Die Ausführung des von dem Architekten Chr. Gumpp 
entworfenen Werkes wurde 1622 angefangen, dem weiterhin erwähnten Caspar 
Gras die Bossierung der Figuren anvertraut, während der Kammerrath Blasius 
Greiner und der Jesuit P. Karl Fontana die Aufsicht über die fortschreitende 
Arbeit führten. Schon 1623 konnte mit dem Gusse begonnen werden, der so 
rasch fortschritt, dass am 11. November 1624, einem Bericht des P. Fontana zu- 
folge, nur noch das Reiterbild des Erzherzogs und zwei sitzende Figuren zu 
gießen waren. Den Guss besorgte der Meister Heinrich Reinhart. In den folgenden 
Jahren schritt die Arbeit langsamer vor, doch hatte Ende 1627 Gras alles fertig 
mit Ausnahme des Reiters. Wenn nun auch Gras zu dieser Arbeit Geld nöthig 
hatte und dieses ihm erst am 7. Februar 1629 bewilligt wurde, so ist doch nach 
den "Worten Hainhofers, des Erzherzogs Bildnis sei »wolgetroffen«, klar, dass 
Hainhofer dies entweder gezeichnet oder, was wahrscheinlicher ist, schon ganz 
oder beinahe fertig in der Werkstatt vorfand. Sicher stand im April 1628 nur 
noch der Guss der Reiterfigur (das Ross war 1627 vollendet) aus. Nach Heinrich 
Reinharts Tode (9. Sept. 1629) wurde sein Vetter Friedrich R. beauftragt, das 
Werk zu vollenden, womit dieser 1631 zustande kam. Die obige Hainhofer'sche 
Beschreibung ist, da die alten Zeichnungen verloren zu sein scheinen, das einzige 
genauere Zeugnis über das einstige Aussehen des Kunstwerkes. Jedoch wird man 
Fischnaler f'a. a. O.) zugeben dürfen, dass Hainhofer sich geirrt habe, als er von 



— 61 — 

vnd die kindlen die obere concham halten werden, auß welcher 
[in den vnderen trog] ^) das Wasser herab fleust, auf der Augs- 
Purgischen röhrkästen art-). Oben auf der saul wird ain pferd 
gestellet, darauff der Ertzhertzog Leopoldus, wolgetroffen, lebens- 
grösse, in küriß sitzet^), vnd haist der maister, der dise bilder 
possieret [vnd verschneidet] "*) : Caspar Graß ^). 



6 »meerkindlen« schrieb, da die alten Rechnungen die Xachricht über eine 1742 
noch vorhandene Zeichnung und allenfalls auch die heute vorhandenen Reste des 
ehemaligen "Werkes übereinstimmend nur die Zahl von 4 Putten bekunden. Die 
Ornamentik scheint nicht besonders reich gewesen zu sein. 

Die sechs großen Figuren, welche nicht zum AVasserspritzen eingerichtet 
waren, sind: Neptun, Amphitrite, Oceanus, Diana, Triton und eine »Moosgöttin«. 
Die urkundlichen Nachweise für alle diese Nachrichten vgl. bei Fischnaler 
a. a. O. 

Das Reiterbild ist identisch mit jenem, welches schon früher am Rennplatze auf 
einem hohen Sockel aufgestellt war. — Die Klarheit der Hainhofer'schen Schilderung 
ist nicht sehr groß. Es ist nicht recht zu verstehen, wie 4 Knaben eine Muschel 
getragen haben sollen, ohne dass dadurch die Symmetrie des Obertheiles bedenklich 
gefährdet worden wäre. Der Annahme einer Mehrzahl von Muscheln am Leopolds- 
brunnen widerspricht aber der "Wortlaut einer von Fischnaler (a. a. O. pag. 19) 
angeführten Nachricht des Barons Dipauli, dass »diese "Wasserschale« verkauft 
worden sei. Gar nicht aber geht aus der Hainhofer'schen Beschreibung hervor, 
woher das aus der Muschel von oben herabfließende W^asser kam. Aufklärung 
darüber könnte der Herkiüesbrunnen zu Augsburg geben, bei welchem von unten 
emporsteigende Wasserstrahlen die 3 oben betindlichen Muscheln füllen und zum 
Überlaufen bringen. Dazu würde dann nöthig sein anzunehmen, dass diese Strahlen 
entweder aus den neben den 6 Hauptfiguren befindlichen Spritzvorrichlungen 
schräg in die Höhe sprangen oder dass zur Füllung der Muschel andere Figuren 
mehr ornamentaler Art i Delphine oder dgl.) vorhanden waren, die freilich nicht 
erhalten und hier auch nicht erwähnt sind. Sie könnten über oder auch unter 
der Muschel angebracht gewesen sein. 

1) Fehlt in J. 

2) Hainhofer meint den berühmten Augustus-, Merkurs- und Herkules- 
brunnen, alle drei bekanntlich damals noch ziemlich neu. Über diese vgl. auch 
P. von Stetten, Kunst-, Gewerb- und Handwerksgeschichte von Augsburg, 
I., pag. 444 ff., n., 278. 

3) Die Statue des Erzherzogs wurde sammt den im Hofgarten befindlichen 
Sculpturen 1703 nach München geschleppt, die aber im Februar 1705 nebst den 
aus Schloss Ambras entführten Kunstgegenständen wieder zurückgebracht wurden. 
Vgl. Zoller IT., 40, 58. 

^) Fehlt in J. 

5) Über ihn vgl. Fischnaler a. a. O. Müller-Sieger (Allg. Künstl.-Lex. 3, 82) 
gibt an. er sei 1590 zu Mergentheim geboren und mit dem Deutschmeister, Erz- 
herzog Maximilian, von da nach Innsbruck gekommen, wo er nachmals auch dessen 



— 62 — 

Von dem Löwen vnd possier hauß sein Ihre Drlt. gangen 
auff die prateriam (in welchem der faßhaanen garten) vnd sein 
Ihrer zween \^FoL 285 r.] wett geloffen, denen der Ertzhertzog 
12 taller aufgeworffen hat. 

Darnach sein die Fürsten personen in der Ertzhertzogin 
gemach gangen, darein Ihre Drlt. mich auch gehen haissen. vnd 
haben wir mein anders stammenbuch ^), (in welchem vnder anderem 
die historia Danielis, vnnd das gantze leben Christi von miniatur, 
vnd von vnderschiedlichen maisteren gemahlet ist) besehen, vnd 
Ihre Drlt. auch etliche schöne alte tafien, sonderlich von Martin 
Schön 2) vnd Luca Cronachers ^) hand, auf holtz gemahlet, brin- 
gen, sodan aine daruon dem Großhertzogen verehrt^), vnd auf 
sein Zimmer tragen lassen, vnd haben wir noch aine gute w-eil 
be^' den liechteren dises stambuch besehen, dann wie obgemelt, 
ba}de Großhertzogen grosse verständige liebhaber der mahlerey 
sein, vnd zu hauß sich Immer ain stund nach essens mit Ihren 
anderen herren brüderen im reissen vnd mahlen exercieren sollen. 

Die nachtmalzeit hat man w^ider in der Ertzhertzogin Zimmer 
ainem gehalten, das frawenzimmer gedienet, die Cammer music 
gehabt, ain spag- [J^o/. 285 v.] nuolo, genannt Navarra, zu 
Mantoua wohnhafft, in die guitarren veber tisch gesungen, vnd 
andere narren intratenimentj gemacht. 

Den 25. Aprilis, sein die Fürsten personen in ainem sehr 
köstlichen newen Cammerwagen, (auffs schönest von bildhaw^er 
arbait gemacht vnd geschnitten vnd zierlich vergult, welcher 
wagen etlich tausent gülden kostet, von schönen gespiegleten 



Grabmal gearbeitet habe. Er starb (nach Nagler, K.-L. IV., 336) 1674. Vgl, 
auch Zoller, Gesch. d. Stadt Innsbr. I., 301. 

') Über Hainhofers Stammbücher, deren eines schon oben Fol. 278 v. erwähnt 
ist, vgl. meine demnächst erscheinende Studie in der Zeitschr. d. h. Ver. f. Schwaben 
und Neuburg. Jenes erste war für Beiträge fürstlicher Personen, das hier ange- 
führte für diejenigen anderer bestimmt. 

2) Schongauer'sche Gemälde in Innsbruck sind mir nicht bekannt. Die Zu- 
schreibung dürfte den in der Einleitung bezeichneten AVert haben. 

^) Wahrscheinlich ist unter ihnen die berühmte in ganz Tirol in unzähligen 
Nachbildungen verehrte Madonna gewesen, welche der Erzherzog LeÄpold von 
dem Kurfürsten Johann Georg von Sachsen geschenkt bekommen hatte und 
welche heute die Pfarrkircke zu Innsbruck ziert. 

*) Welches .Schongauer'sche oder Cranach'sche Bild der Erzherzog damals 
nach Florenz geschenkt hat, lässt sich nicht feststellen. 



— 63 — 

Friesischen schimmlen gezogen, die hertzog Albrecht in Ba),'ren^) 
der Ertzhertzogin verehrt hat) in das frawen Closter, (darinen 
Ertzhertzogen Ferdinand] fräwHn tochter, vnd der Ka}^' serin Annae 
fräwlin Schwester ist) gefahren, in der Kirchen mesß gehöret vnd 
im Closter geessen, vnd haben Ihre Drlt. -) die Ertzhertzogin 
vom Bapst erlaubnus, mit Ihrem herren in die manß Clöster 
zu gehen, vnd hat man in diser kirchen iwelche nit gar groß 
ist, oben ain schönen altar hat) auch aine hebliche music be^'m 
Ampt gehalten. 

Nach der mahlzeit sein die Fürsten personen in Thier- 
\^Fol. 287 a] ^) gartten, (in welchem ain hauß, darinen ain 
so grosse bettstatt sein solle, das 40 personen daran ligen könden) 
auffs baissen^) geritten [vnd gefahren]^), vnd habe Ich dem 
111.™° sig. Marchese Xicolinj, des herren Großhertzogen leib 
medico, so gar ain wackerer gelehrter mann, auch dem sig.^ Adel- 
gais. Ihrer Drlt. guarda robba, den Schreibtisch gezaigt ; der 
medicus hat trefflichen verstand von allen Sachen, welcher alles 
genaw besichtiget, vnd Ihme vnd herrn Nicolinj sehr wolgefallen 
hat. . . . 

Adj 26. Aprilis, hat der 111.™° sig. Conte Orso im namen seines 
gdstn. herren des ser.™' Gran duca, mir aine guldine kettin mit an- 
hangender Ihrer Drlt. bildnuß verehrt, vnd [wie den abent zuuor Ihre 
[^Fol. 287 V.'] hochfrstl. Drlt. selbsten, mir]'') alle gnad ange- 
botten. Vnd hat man in der Ritterstuben, vor dem oben be- 
schribenen zuegerichtetem Altar, ainen langen oratorj stuel, mit 
rothem samet bedeckht, gesteh, auf welchen die Fürsten personen 
geknyet vnd mesß gehört. 

Nach vollendter mesß vmb. 8 vhren haben die herren Groß- 
hertzogen der Ertzhertzogin Adio gesagt, mit dem Frtzhertzogen 



') Daneben auf Fol. 286 v. das Bildnis von Albertus VI., Guliel. F., Alberti 
nepos, utriusque Bavariae dux. Wolfg. Kilian scalpsit et ex. Kpf. in 4. Drugulin 
Nr. 125. — Fol. 286 v. leer. 

2j der Ertzhertzog vom Bapst erlaubtnus mit Seiner Gemahlin in diß Frawen- 
closter, als "wie. F. 

3) Folgt auf Fol. 286 r. das Bildnis Alberts VI.. Herzogs von Baiern. 
Wolfg. Kilian sculpsit et ex. Kpf. in 8. Drugulin Nr. 125. 

4) d. i. Reiherbeize. 

5) Fehlt in J. 
•») Fehlt in J. 



— 64 — 

auf der Rennbahn zu pferd gesessen, vnd daruon geritten, vnd 
gefahren . . . Von hof auf die Yhnbruggen hinauiS ist die burger- 
schafft in der rüstung gestandten, vnd haben Ihre Drlt. vnder- 
wegs auf zierlen ^) zu ain gembsen Jacht gehalten, Ihre Ddrlten 
selbs auß klainen stücklen nach den gembsen geschossen -), vnd 
ainen getroffen, das er in stuckhen herunder yFol. 288 r.] 
gefallen. Bey der Martinswand haben 4 auß dem Lechthaal 
hieher beschribene Steiger ainen blechinen gemahlten fahnen, 
halb weil3, halb roth, aufgesteckhet, vorher, ehe das sie hinauff 
gestigen, im Capellin bey der Martinswandt gebeichtet vnd 
communiciert. Auf Ihrer Drlt. beylager haben dise männer 
ainen Zeüginen fahnen aufgesteckht, der ist vom wetter vnd winden 
zerrissen worden, darumb sie ietzt in beysein der Großhertzogen 
ain blechinen fahnen, der nit so bald verderben kan, hinauff 
gestecket haben ^). [Ham/w/er besucht Bekannte in Innsbruck.^ 

[Fot. 288 7'.] Vmb 12. vhren mittags sein Ihre hochfrstl. 
Drlt. wider haim kommen, vnd der Großhertzog mit den seinen 
das mittagmahl eingenomen [im Closter]^) zue Seefeld. 

Vmb 3. vhren, haben herr Martinus Greiß vnd herr Walther 
Scheffen mich vnd die meinen zu der Wilthen '') geführet, wel- 
ches ain Closter zu end der Vorstatt, Praemonstratenser Ordens 
Sanctj Norwertj ist, daselbs wir besehen, des Risen Ha}mon 
begräbnuß, so 15. schuch lang^) gewesen sein solle, in seinem 
wxissen wappenschilt ainen grüenen strich, vnd auff dem heim 
ob ainem rothen küssin ainen Leopard geführet, vnd dise kirch 
oder Closter erbawet; Auch alß ain drach in diser gegent das 
gebew Immer verhindert, vnd was den tag gebauet worden, zue 
nachts wider verwüestet vnd eingewuelet, denselben endlich 
erwürget, vnd Ihme die Zungen außgeschnitten [darnach A° 878. 



1) Zirl. Vgl. oben Fol. 245 v. 

2) Diese seltsame Art, Gemsen zu jagen, findet sich dargestellt auf dem 
Bilde der Martinswand bei Merian, Topographia Prov, Austr. neben pag. 155. 

3) Die Fahne fehlt auf der eben genannten Abbildung. 
*) Fehlt in J. 

*) Die Präraonstratenser-Abtei Wilten bei Innsbruck an der Brennerstraße 
gelegen, der Sage nach aus Reue gegründet von dem Riesen Haimon, der einen 
andern Riesen Thyrsus erschlagen hatte. 

Abbildung des Klosters bei Merian, Topogr. Prov. Austr. neben pag. 142 
unterhalb einer Darstellung des Riesen Haimon. 

^) Der wiß aber an Ihme selbs 12Y.2 schuch lang. J. 



— 65 — 

in diesem Closter seinen gaist aufgeben] ^) hat. Der herr Praelat 
vnd der subprior, haben vnß des drachen Zungen gewisen welche 
372 spannen \^FoI. 289 r.] lang. \_Folgen Wiindergeschichten von 
dieser Zunge.'] 

^lan hat vnns weiter gezaigt ainen großen eingefaßten stockh- 
zahn, so Sanctus Christophorus im kinbacken solle gehabt haben ; 
des Risen Haymons Zähnen, wanns verbanden weren, solte Er 
an der grosse wol auch nicht vngleich sein. 

Mehr ain Christallin Creütz, darinnen ain stücklin holtz 
vom Creütz Christj. 

Noch ainen schönen silbernen flachgemahlten calicem vnd 
patenam, voller historien ex veterj et novo Testamento, so daselbs 
in ainem acker soll sein gefunden worden vnd ain sehr schöne 
alte arbait ist. 

Es solle auß diser Kirchen nach Hall in das Fürstliche 
Closter auch ain stuckh von 2 P'ischen, mit welchen Christus 
der herr in der wüesten [^Fol. 289 7'.] 5000 mann gespeiset hat, 
genommen sein worden, so Ich wol bette sehen mögen. 

Der herr Praelat hat vnns hinauf in ainen schönen saal, 
(so auf allen 4 seitten fenster hat, vnd die Praelaten nachainander 
herumb abgeconterfettet sein) geführet, rothen vnd weissen wein 
zu trinken geben, gute conversation, auch de Religione, mit vns 
gehabt . . .-) 

Adj. 27. Aprilis, bin Ich vormittag in den gärtten ^) herumb 
spatzieret, da dann sonderlich in ainem ain pergola ist, an 
dessen deckhin die tugenten vnd laster compartiment weiß ge- 
mahlet sein, vnd Ihre Drlt. Sommers zeiten offt sollen darinnen 
zu nacht essen, so wol alß auf dem Lufftthurn, welcher, strackhs 



1) Fehlt in J. 

'^] Zeiller, Reissbucli pag. 347 sagt: »Vor dem Closter stehet ein Saul, 
daran ein alte Schrifft, die Pighius setzet, zulesen, wie nämblich vorzeiten hie- 
durch der Weg auß Italia nach Augspurg gangen, der vnter dem Kayser Septimio 
Severo auf 11(X)00 schrit wider außgebessert, vnd gemacht worden.« Bei Merian 
pag. 142 ist jedoch hinzugesetzt, die Säule habe nur bis 1587 an der Landstraße 
gestanden, sei dann aber vom Erzherzog Ferdinand nach Schloss Ambras geschafft 
worden nebst noch vier Säulen, die man in derselben Gegend gefunden und welche 
angeblich ehemals bestimmt waren, die für die Überfahrt über den Inn geeigneten 
Stellen anzuzeigen. 

^) Die Gärten sind angedeutet auf der Abbildung bei Merian, Topogr. Prov. 
Austr. neben pag. 141. 

Ouellenschr. X. Bd. . 5 



— 66 — 

ob Ihrer Drlt. Zimmer, von Jachten vnd fischereyen gemahlet 
ist, ainen schönen prospectum in die berg vnd thäler vnd über 
{Fol. 290 r.] die gantze Statt hat. [In den gärten gibt es hüpsches 
blumenwerckh] ^). 

Nachmittag haben Ihre Drlt. mich mit meinen leüthen 
hinauß gen Ombras-), aine klaine halbe meil von Ynßprugg, 
geschickht, daselbsten der hauß- vnd schatzmaister, herr Caspar 
Griessauer, vns gezaigt : Im hof an den mauren etliche Roma- 
nische marcktstain •^). — In ainem säälin, etliche Fürstl. Conter- 
fette, lebensgroße"*), als: 



1) Fehlt in J. 

2) Schloss Ambras im damaligen Zustande ist abgebildet bei Merian a. a. 
O, neben pag, 143. Über das Schloss vgl. auch die Beschreibung bei Zoller, 
Geschichte der Stadt Innsbruck, II., 129 fF., welcher sich ebenso wie Sacken 
auf den Bericht des Stephanus Pighius (Hercules prodicius) stützt. 

Über die Entstehung der Ambraser Samml. vgl. Zoller, I., 284. Inventare 
der Ambraser Sammlung wurden in der Zeit vor Hainhofer aufgestellt in den 
Jahren 1583, 1596, 1613 und 1621. Dazu kommt ein Katalog der Rüstungen 
von 1593 (abgedruckt in den Wiener Jahrbüchern der Literatur LXXIV., 
Anz. Bl. pag. 15 ff.), sowie ein Werk des Jakob Schrenk von Notzingen, 
betitelt Armamentarium heroicum Serenissimi Principis Ferdinandi Archiducis, ins 
Deutsche übertragen von Engelbert Moses van Lampenhouten, mit vielen Bild- 
nissen und Rüstungsabbildungen, gestochen von Dominicus Gustos, herausgegeben 
1601 zu Innsbruck. Vgl. Sacken, die k. k. Ambraser Sammlung pag. 38 ff. — 
Aus der Rüstkammer zu Ambras hat bekanntlich Napoleon zehn Rüstungen 
(vor allem diejenige Franz I.) entführt. 1806 wurde die Sammlung der Waffen 
und andere Kostbarkeiten nach Wien gebracht, wo sie nach verschiedenen 
Zwischenfällen seit 1814 im Belvedere und seit 1888 im k. k. Hofmuseum Auf- 
stellung gefunden hat. 

Literatur über die in A^'ien befindliche Arabraser Sammlung : Ed. v. Sacken, 
die k. k. Arabraser Sammlung, Wien 1855; erwähnt auch die darüber angelegten 
älteren Kataloge. Ferner die Einleitung zum Führer durch die Waffensammlung 
im k. k. Hofmuseum zu Wien. Wien 1889. Über die jetzt zu A. befindliche 
Sammlung: Ilg und Böheim, das k. k. Schloss A. in Tirol. Beschreibung des 
Gebäudes und der Sammlungen. Wien 1882. Über einzelne Stücke der in Wien • 
befindlichen Sammlung vgl. Demmin, die Kriegswaffen, Leipzig 1893. 

3) d. h. Marksteine; dieselben sind noch heute an Ort und Stelle. — 
Abdruck der Inschriften dieser acht Meilensteine bei Mommsen, Corp. inscript. 
lat. III., 2. Vgl. auch Ilg und Böheim a. a. O. pag. 4 ff. 

**) Die Identität der im Folgenden aufgeführten Bildnisse mit den jetzt auf 
Schloss Ambras befindlichen ist zum Theile zweifelhaft, zum Theile ausgeschlossen. 
Ebenso raisslich ist es, sie mit den bei Sacken a. a. O. genannten identificieren 
zu wollen. Indes kann man mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen, dass wenigstens 



— 67 — 

Maximilianj I. 

Mariae Burgundiae. 

Ertzhertzogen Ferdinandi ^). 

Ertzhertz. Carolj -). 

Philippi IL Regis Hispaniarum ^). 

Magdalenae ^). 



I 



Ertzhertzoginen. 



Marguarithae ^). 

Barbarae. 

Leonorae. 

Annae*^). ) 

Hertzog Albertj in Bayrn : Annae Seiner Drlt. gemahlin. 

Wilhelmj '). ] 

^ -OS I Alle Hertzoeen Albrechts in BaVrn 

Ernestj^. I K* d 

Mariae Maximilianae^*^). i 

Mariae ^^). j 

In 3 Zimmern an disem säälin hangen in der [Fol. 290 v.] 
höhe allerhand Dendel vnd rehe gewicht ^-) vnd sein die Zimmer 
mit gelbem vnd blawem atlas behengt. Bey dem ofen ist abge- 
mahlet Ertzhertzogen Ferdinandi tischrath, so Christen gehaissen, 
der mit leusen gevexieret vnd geplagt worden. [Folgt Ayiekdote 
von ihvi?^ 

In ainem anderen säälin sein in der nidern, vnderhalb der 



die von mir mit Anmerkungen versehenen Bilder mit solchen in Ambras identisch 
seien, nämlich wie folgt : 

1) 2. Saal Nr. 25 (Ilg und Böheim pag. 91). 

2) daselbst Xr. 23 (I.-B. pag. 91), 

3) daselbst Nr. 15 (I.-B. pag. 90). 
■») 4. Saal Nr. 50 (I.-B. pag. 95). 

5) 2. Saal Nr. 28 (I.-B. pag. 92j, oder 4. Saal Nr. 56 (I.-B. pag. 96). 

^) 3. Saal Nr. 32 (I.-B. pag. 92); freilich ist dies sehr unsicher, da die 
dort Dargestellte die damals erst 12jährige Tochter des Großherzogs von 
Toscana wäre. 

^) 6. Saal Nr. 85 (I.-B. pag. 100). 

8) daselbst Nr. 81 (I.-B. pag. 99). 

9) daselbst Nr. 91 (I.-B. pag. 101). 
>0j daselbst Nr. 88 (I.-B. pag. lOlj. 

'•) daselbst Nr. 86 (I.-B, pag. 100). Die nicht mit Anmerkungen versehenen 
Portraits sind nicht nachweisbar. 
^2j d. h. Geweihe. 

5* 



— 68 — 

fenster raamen herumb, 20 Conterfette von Ertzhertzogs Ferdi- 
nandi narren vnd närrinen. 

Auf ainem anderen saal, hat es ain waßerwerckh, vnd hangen 
auch FürstHche Conterfette, lebensgrösse, herumb ^), alß 

Isabella ^). 

Papa Gregorius XIII. 

Henricus ^) ) 

Carolus ( '^S^^ Franciae. 

Kajser Rupertus, Pfaltzgral. 

Elisabetha, regina Poloniae^). 

[/^ol. 291 r.] Hertzogin N. von Savoia. 

Königin Elisabetha in Vngarn. 

Barbara ducissa Ferrariae. 

Zween Junge herrn von Mantova. 

Hertzog Christoff auß Ba^rn. 

Hertzog Christoff von Würtenberg ■^). 

Ludovicus*') Marchio Brandenburgius et Lusatijs, Rom: 
Imp : supremus Cammerarius, Comes Palatinus Rhenj, utriusque 
Bavariae et Carinthiae Dux, comes Tyrolis et Gortiae, advocatus 
eclesiarum Aquilens : Gien : Tridentinens, ac Brixensis. 

Venerich, hertzog zu Venetia*). 

Ducq D'Alenzon ^). 

An disem saal sein zimmer, da das frawenzimmer Ihre 



') A^on diesen Portraits gilt im allgemeinen das oben Gesagte. Der Versuch 
einer Identificierung lässt sich aber mit den durch Anmerkungen bezeichneten 
Bildern machen, wie folgt : 

■^) Vielleicht (aber, weil nur Brustbild, sehr unsicher !) 2. Saal Nr. 21 (Ilg 
und Böheim pag. 91). 

^) 8. Saal Nr. 139 (I.-B. pag. 108). Vielleicht ist aber nicht Heinrich II., 
sondern Heinrich III. gemeint, dessen Bildnis sich ebendaselbst unter Nr. 141 
findet. 

4) 4. Saal Nr. 55 (I.-B. pag. 96). 

5) 7. Saal Nr. 103 (I.-B. pag. 104). 

<*) Von ihm befinden sich zwei Bildnisse (Halbfiguren) im ß. Saal unter 
Nr. 90 und 94 (I.-B. pag. 101, 102). Dass aber hier ein anderes gemeint ist, 
ergibt sich, wie mir scheint, aus der ausnahmsweise genauen Titelangabe, welche 
auf jenen Bildern fehlt und den Eindruck macht, als sei sie direct vom Bilde 
abgeschrieben worden. 

ij 7. Saal Nr. 112 (I.-B. pag. 105). 

^) Es scheint Fran9ois d'Alen9on gemeint zu sein (f 1584j. 8. Saal Nr. 
137 (I.-B. pag. 108). 



— 69 — 

klaiderkästen haben, vnd ist das dach so flach gemacht, das man 
darauf vmbgehen kan. Grosser Saal ^), ist auch voller Conterfette 
von fürstenpersonen des hauses Österreich, lebensgrösse-), vnd 
voller emblematum, bey welchem Ich mich erinnert, das herr 
Margraf Carl von Burgow zu Güntzburg mich auch selbsten. in 
seinen newerbawten saal geführet, der sechzehen herrn Margrafen 
von Burgow Conterfette sehen lassen, vnd mich gnädig ersucht, 
{^FoL 291 V.'] etliche emblemata vnd symbola aufzusuchen, die 
etliche Herren Margrafen gebraucht haben ^), vmb solche den 
conterfetten zu adjungieren^). Fridericus III. Imp: pflegte pro 
symbolo zu führen : 

Rerum irrecuperabilium felix oblivio. 

f Aquila electa iuste omnia vincit. 

A P T O V ■! 

I Austria extendetur in orbem Universum^). 

Maximilianus. I. hat pro symbolo gehabt: 

Tene mensuram et respice finem. Allezeit mit. Carolus V. 

PLVS VLTRA. 
Quaerenti hostilem cur nollet perdere terram, 
retulit : vt victis parcere saepe queam. 
Alß Rex Franciscus Galliarum in dem gemach, darinnen er 
in custodia wäre, an der wand das S}mbolum PLVS VLTRA. 
angemahlt sähe, schribe er darunder : 



') Hainhofer meint den sogenannten spanischen Saal. Vgl. über ihn die 
eingehende Auseinandersetzung bei Ilg und Böheim pag. 62 ff. 

2) Es sind (nach Ilg-Böheim pag. 67) folgende : Albertus I., Meinhardus 
sen., Gebhardus, Meinhard jun., Otho, Ludovicus I., Henricus, Leopoldus I., 
Johannes, Ludovicus IL, Meinhardus III , Rudolphus IV., Margarita Maultasch, 
Albertus III., Leopoldus IIL, Wilhelmus IL, Leopoldus jun., Ambitiosus, 
Ernestus L, Albertus Caesar IL, Fridericus V., Fridericus Caesar IV., Sigismund 
Opul., Max L, Karl V., Ferdinand L, Ferdinand von Tirol. Der Maler soll Pietro 
Rosa von Brescia, Tizians Schüler, gewesen sein. 

3) Dass dieses Erlebnis wahrscheinlich in der verschollenen Wildbadrelatiou 
von 1615 erwähnt war, ist in der Einleitung dargethan. 

■*) Zusatz von fremder Hand in J. : die meistens aus dem Reusnero heraus- 
genommen worden. 

5j Die Devise A. E. L O. V. ist auf nicht weniger als vierzig verschiedene 
Arten ausgelegt. Auf einem silbernen Becher des "Wiener Hofmuseums (Saal XVII, 
Vitrine IL Nr. 17) findet sich in Email die Auslegung: Aquila eins juste omnia 
vincet. Kaiser Friedrich IIL gab selbst die Auslegungen: Austriae Est Imperare 
Orbi L'niverso, ferner Alles Erdreich Ist Österreich Unterthan. Vgl. Sacken a. 
a. O. IL, pag. 173. 



— 70 — 

Hodie mihi, Cras tibi, 
welches, alß es der Kayser Carl etliche tag hernach gewar wurde, 
setzte er dise wort darbey, ex Terentio : 

Homo sum, humani nihil a me alienum puto. 
Kayser Ferdinandi symbolum wäre : 

Fiat Justitia aut pereat mundus. 
"iFoL 292 /-.] A. I. P. Q. N. S. I. A. id est: 

Accidit in puncto, quod non speratur in anno. 
Idem solitus est dicere : 

Boni viri et boni vini originem 
non esse curiose inquirendam. 
Kayser Maximilianus. II. sagte : Dominus Providebit. 
Kayser Rudolphus II. : Omnia ex voluntate DEL 

ADSIT. De quo varij varie, id est: 

Auxilium Domini sit iniquis terror. 
Austria Domus secura Jovis telorum. 
Auxilio Domini superat Imperator Turcam. 
Auxilio Domini sum Justis Tutor. 
Kayser Matthias : Coelesti lumine major. 

Amat victoria curam. 
Kayser Ferdinandi II. symbolum : 



Legitime ^^^m' certantibus. 

Ferdinandus Archid: Aust: Nihil arduum fatis. 

Maximilianus Archid : Aust : Militemus. 

Leopoldus Archidux Aust: PIETAS ad omnia vtilis. 

Die aine seitten oder wand dises saals, welcher 140 schuch 
lang, ist auß ainem lauteren harten felsen gehawen, vnd darüber 
getüncht, vnd danenhero dise wand etwas feucht, so das {^Fol. 292 vJ] 
das gemähl wil abgehen •). Oben gar in der höhe hangen 38 
gewicht vnd hörn, von Aurochsen, Reinier, Elend, Hirschen, 
Stainböckh. Das pflaster dises saals ist klain gewürflet, weis, roth vnd 
blaw, kostet ieder stain Ein Reichstaler, zu Störtzingen ^) gehawen. 

1) Vgl. die Bestätigung dieser Angabe bei Ilg und Böheim pag. 63. 

^) Sterzing, in dessen Gegend noch heute Marmor gebrochen wird. — 
Die Steine stammen: die weißen von Obernberg am Brenner, die rothen von 
Brixlegg, die schwarzen aus dem Kerschbachthale bei Innsbruck (Ilg-Böheim 
pag. 66j. Hainhofers Schilderung des spanischen Saales scheint lückenhaft zu sein. 
So erwähnt er nicht die laut Inventar von 159ß an der Decke hängenden großen 
messingenen Leuchter »mit doppelten Zinggen« (Ilg-Böheim pag. G9). 



— 71 — 

Vnder disem saal ist der bauren Rüsthauß. Darbey das 
Ballhauß. 

Jetzt sein wir kommen in die Fürsten rüstkämmeren ^), 
darinnen gesehen ain Ritterspil zum deutschen gestäch -), vom 
Churfürsten Augusto zu Sachsen dem Hertzogen Alberto in Bayrn 
angeboten. 

Rüstungen Zum fueß Thurnier. 

Rüstungen auf mann vnd pferd zum scharpffrennen : zum 
ballien rennen, frey rennen, bey Jeder rüstung der Sattel. 

Aine rüstung vom Duca di Parma, mit türckesen versetzt^). 



1) Heute existiert dieser Bau nicht mehr. Auf Bodenehrs Abbildung (bei 
Merian) Xr. 9. 

Demmin, die Kriegswaffen, auf welches Werk unten mehrfach zu verweisen 
sein wird, führt hauptsächlich einzelne Bewaffnungstheile an, welche sich in der 
Ambraser Sammlung befinden ; über die vielen vollständigen Rüstungen spricht 
er wenig. Vgl. übrigens seine Einleitung pag. 10. Zu tadeln ist, dass Hainhofer 
keine Beschreibung von diesem Räume und dessen Ausschmückung gibt. 

Die folgende Aufzählung von Rüstungen ist im großen und ganzen nach 
der Würde der angeblichen Eigenthümer geordnet, wobei freilich manche Nach- 
lässigkeit vorkommt. Von erheblicher Wichtigkeit dagegen ist der Umstand, dass 
Hainhofer von dem Bestände der Rüstkammer, welche schon unter Erzherzog 
Ferdinand, abgesehen von einzelnen Rüstungstheilen, gegen 500 vollständige 
Rüstungen enthielt (Demmin a. a. O. pag. 10), nur etwa den vierten Theil anführt. 
Vgl. was in der Einleitung über Hainhofers Zuverlässigkeit gesagt ist. Von den 
Rüstungen, die in den vor 1628 angelegten Inventaren aufgezählt sind, hat Hain- 
hofer folgende nicht genannt: Andreas von Österreich (Wiener Waffensammlung 
Nr. 752.753, Sacken pag. 135). 

Franz Dudo, Procurator von St. Marcus (daselbst Nr. 567, Sacken pag. 236). 

Johann Jakob Fugger (daselbst Nr. 480, Sacken pag. 161). 

Jablonski (daselbst Nr. 321, Sacken pag. 152). 

Karl v. Burgau (daselbst Nr. 754,755. Zugehörigkeit zweifelhaft, Sacken 
pag. 136). 

Karl Schürf, Freiherr zu Schönwert (daselbst Nr. 986.988, Sacken pag. 204). 

Montezuma (Streitbeile daselbst Saal XXXV, Nr, 153, Sacken pag. 215). 

Philipp der Streitbare, Pfalzgraf am Rhein (daselbst Nr. 140, Sacken 
pag. 163). 

Christoph Freiherr von Teufenbach (daselbst Nr. 671, Sacken pag. 201). 

Latino Ursini (daselbst Nr. 515, Sacken pag. 249j. 

Wilhelm, Herzog zu Jülich, Cleve, Berg (daselbst Nr. 519, Sacken pag. 174). 

'^) Eine von den acht Arten des Turniers, welche in dem Wappenmeister- 
buche von Hans Schwenkel (1514) aufgezählt werden. 

"*) Es ist nicht Alessandro Farneses prachtvoller Harnisch Waffensamm- 
lung des Wiener Hofmuseums Saal XXX, Nr. 635, gemeint, angefertigt von 
Lucio Piccinino, ca. 1570, da der Edelsteinschmuck fehlt. 



— 72 — 

Carolj IX. regis Galliae, leibrüstung ^). 

Francisci von Valois, regis Galliae, pferd von gips gössen, 
ist ain rapp, auf welchem er im thiergarten bey Pavia gefangen 
worden, das pferd hat noch seine vnd des Königs rechte rüstung 
vnd seine hosen ob, vnd seine 4 huefe^sen an füeßen. -) 

{^Fol. 298 r.] Aine Romanische ^) bantzer rüstung zu pferd. 
Hertzogen Sigmund von Österreichs Pferdt, mit dem edlen knaben 
von Sternberg in seiner rechten klaidung darob ^), welches pferd 
vnden im feld mit dem knaben ainen sprung gethan, 21 schrit 
weit, so das das pferd vnd der knab tod bliben, vnd zum 
gedächtnus 2 marckhtstain gesetzt worden. 

Aines trabanten, tempore Ertzhertzogen Ferdinandi, Conterfett, 
in seiner klaidung, welcher 11 schuch lang gewesen^'). Neben 
Ihm stehet der Thomas, ain Zwerglin, 3 spannen lang, auch in 
seiner klaidung, dabey auch dises eisine rüstung stehet '''). 

Philippi Hisp. reg. rüstung, weil er noch klain wäre'). 

Rueprecht, Pfaltzgrafen bey Rhein, Rom: Kaisers, gantze 
rüstung für sich vnd sein pferd*). 



'j Wurde aus der Ambraser Sammlung von Napoleon 1806 nach Paris 
entführt und befindet sich im Musee d'artillerie unter Xr. G. 120. Abb. bei 
Schrenck fol. XIV. 

■^) Die Rüstung, ein Werk des Jörg Seusenhofer (1542), wurde von Napoleon 
1806 nach Paris entführt und befindet sich im Musee d'artillerie unter Nr. G. 117. 
Die nicht mitgeraubten Doppelstücke, zur Turnierrüstung gehörig, sind noch vor- 
handen. Waffensammlung des Wiener Hofmuseums, Saal XXXVI, Wand III, 
Nr. 998. Vgl. Sacken I., pag. 147. D.D. Schönherr, der Harnisch König Franz I. 
von Frankreich, Archiv f. Gesch. Tirols, L, 84. Abbild, bei Schrenck, fol. X. 

') Heißt wohl »römische«. Nicht nachweisbar. 

'^) Nicht nachweisbar. 

•^) Giovanni Bona, »der große Bauer von Trient.« Sein Harnisch in der 
Wiener Waffensamml., Saal XXVIII, Wand II, Nr. 403. Das ehemals dazu 
gerechnete sogen. Riesenschwert, Saal XXV, Wand I. Vgl. Key sslers Reisen, 
pag. 27. Vgl. Sacken a. a. O. L, 188. 

Bonas, sowie des Hofzwerges Thomerle Portraits befinden sich im Hoch- 
schlosse zu Ambras auf der rückwärtigen Stiege. Ilg und Böheim, pag. 77. 

**) Nicht nachweisbar. 

') Knabenharnisch Philipps I. des Schönen, Königs von Castilien. Wiener 
Waffensamml., Saal XXV, Wand I, Nr. 9. Vielleicht auch daselbst, Wand III, 
Nr. 66. Vgl. Sacken I., 115 ff. 

^) Dieser, Ruprecht v. der Pfalz, Maximilians I. Gegner, nicht etwa dem 
1410 gestorbenen Könige, gehörige Harnisch Wiener Waffensamml., Saal XXVII, 
Wand I, Nr. 198. Sacken, I., 157. 



— 73 — 

Imp : Maximiliani [I.] ^) gantze rüstung, mit spitzigen 
schuhen ^). 

Carolj V. Imp. gantze rüstung^). 

Ferdinandi I. Hung: et Bohem : reg: gantze rüstung"*). 

Maximihani IL Imp. Hung. et Boh. reg. gantze rüstung •^). 

Ferdinandi von Arragonia, Königs in CastiHen vnd Hispan : 
gantze rüstung^). 

Phihp- YFol. 293 v.] pi II. Reg. Hisp. et Port.^'^ gantze 
rüstung '). 

Friderici 2. reg. Daniae rüstung^). 

Stephani Bathori reg. Poloniae gantze rüstung^). 

Joannis von Österreich gantze rüstung ^^). 

[Carolj V. gantze rüstung ^^)]. 

Henry Ducqs de Guise gantze rüstung ^-). 

N. Ducqs de Maine, gantze rüstung ^^). 

Hertzogen Nicolaj Radzivil gantze rüstung ^^). 

Ertzhertzogen Sigißmundj von Österreich gantze rüstung, 



1) Fehlt in J. 

■2) Wiener Waffensammlung, Saal XXV, Wand II, Nr. 43. Dass es nicht 
die Rüstung sein kann, welche Demmin pag. 418 abbildet, geht schon aus der 
Erwähnung der spitzen Schuhe hervor, auch daraus, dass des zugehörigen Pferdes 
nicht gedacht wird. 

3) Nicht zu bestimmen. 

*) Desgleichen. 

">) Wiener Waffensamml., Saal XXVII, Wand IV, Nr. 334. Sacken, I., 134. 
Schrenck fol. VIII. 

«) Daselbst, Saal XXV, Wand I, Nr. 5. Sacken I., 141. Schrenck fol. IX. 

^j Daselbst, Saal XXVII, Wand IV, Nr. 395. Dazu gehörige Theile in der 
Armeria Real zu Madrid. Sacken I., 120. Schrenck fol. XIII. 

^) Daselbst, Saal XXX, Wand IV, Nr. 656. Abbild, bei Schrenck fol. XIII. 
Genaue Beschreibung bei Sacken I., pag. 144. 

9) Daselbst, Saal XXVIII, Wand I, Nr. 396. Abbild. Schrenck fol. XV. 
Sacken I., 142. 

^^) Don Juan d'Austria ist gemeint. Vgl. Wiener Waffensamml. Saal XXX, 
Wand I, Nr. 572. Sehr genaue Beschreibung bei Sacken a. a. O. pag. 122 ff. 
Abbild, bei Schrenck fol. LIV. 

>') Fehlt in J. 

'■^) Befindet sich im Musee d'artillerie zu Paris Nr. G. 80. 

'3j Befindet sich im Musee d'artillerie zu Paris Nr. G. 82. 

14) Wiener Waffensammlung Saal XXXII, Wand IV, Nr. 748. Abbild. 
Schrenck fol. LXVII. Vgl. Sacken I., 192. 



74 



mit spitzigen schuhen, noch lenger alß in holland die schritt- 
schuch sein ^). 

Matthaej Langen, Ertzbisch : zu Saltzb.-). 

PhiHbertj hertzogen von Savoia^). 

Alphonsi 2. hertzogen zu Ferrara^). 

Francisci hertzogen zu Montmoranzi ^). 

Vespasiani Gonzagae Ducis Sabionedae '^). 

Ferdinandi Gonzagae Ducis Arrianj '). 

Paulj Jordanj Vrsini, ducis Braccianj *'). 

Sebastian] Venerij, Ducis Venetorum ^). 

Ferdinandi senioris, Archiduc. Aust : ^^). 

Mauritij, electoris Saxoniae^^). 

Ferdinandi, Ducis Bavariae ^-). 

Cosimj, magni Ducis Hetruriae ^^). 



gantze 
rüstungen. 



1) Daselbst, Saal XXV, Wand II, Nr. 41 oder 45. Sacken, I., 109 ff. 
Abbild. Schrenck fol. XXIV. — Schrittschuch s. v. a. Schlittschuhe. 

«) Daselbst, Saal XXVI, Wand I, Xr. 146. Sacken I., 177. Schrenck 
fol. XXVI. 

3) Filiberto Emanuele, gen. der Eisenkopf. Daselbst, Saal XXVIII, Wand 
III, Nr. 421. Sacken I., 239. Schrenck fol. L. 

4) Daselbst, Saal XXVIII, Wand IV, Nr. 443. Sacken I., 242. Schrenck 
fol. XL VI. 

5) Befindet sich im Musee d'artillerie zu Paris Nr. G. 81. 

6) Wiener Waffensammlung, Saal XXX, Wand IV, Nr. 655. Sacken I., 
234 f. Schrenck fol. LVI. 

■) Daselbst, Saal XXVII, Wand IV, Nr. 333. Sacken I., 233. Schrenck 
fol. XLII. 

^} Ursini, päpstlicher Feldherr, f 1584, daselbst, Saal XXVIII, Wand III, 
Nr. 414. Sacken I., 249. 

») Daselbst, Saal XXIX, Wand IV, Nr. 526. (Sein Korazin Saal XXVIII, 
Wand III, Nr. 420.; Sacken I., 236. Schrenck fol. LIII. 

lOj Vgl. Demmin pag. 443. Übrigens ist bei der Menge der von diesem 
P'ürsten erhaltenen Rüstungen die hier gemeinte nicht zu identificieren. 

H) Wiener Waffensammlung, Saal XXVII, Wand I, Nr. 202. 1585 vom 
Kurfürsten August I. von Sachsen dem Erzherzog Ferdinand von Tirol geschenkt. 
Medaille bei Luckius, Sylloge numism. elegant, pag. 147. Sacken I., 166. Schrenck 
fol. XLIV. Wegen des Harnischs des Kurfürsten Moritz zu Freiberg vgl. unten, 
Anm. zur Relation über Hainhofers Dresdener Reise. 

1*; Daselbst, Saal XXXII, Wand III, Nr. 709. Sacken I., 164. Schrenck 
fol. LXIII. 

13) Daselbst, Saal XXVII, Wand II, Nr. 239. Sacken I., 241. Schrenck 
fol. XLVII. 



75 



gantze 
rüstungen. 



Fridericj, Marchionis Mantuae.^) 

\^Fol. 294 /-.] Joachim], Electoris Branden- 
burgicj 2). 

Philipp! Landgravij Hassiae ^). 

Ottonis Hainricj, com. Pal. Rhenj ^). 

Christophorj Ducis Wirtenbergicj ^). 

Albrechts, Margrafen zu Brandenburg, Churfürsten, der 
deutsche Achilles genant, gantze rüstung ''). 

Annae, hertzogin zu Montmorancj '). 

Andreae Doriae, hertzogen zu Melfi ^). 

N. Marschal de Biron en France ^). 

Carolj Gonzagae, Conte di Gazuolo ^^). 

Hainrichen, hertzogen 7.\x Braunschweig ^^). 

Vlrichen, hertzogen zu Würtenberg^-). 

Hannsen Friderich, Churfr. zu Sachsen ^^). 

Carls, Ertzhertzogen zu Österreich ^^) 



gantze 
riastungen. 



J) Daselbst, Saal XXV, Wand III, Nr. 68. Der Harnisch ist dort aus 
mehreren nicht zusammengehörigen Theilen gebildet. Sacken I., 231. Schrenck 
fol. CXX. 

2j Daselbst, Saal XXVI, Wand IV, Xr. 177. Sacken I., 172. 

3) Daselbst, Saal XXVII, Wand I, Xr. 197. Sacken I., 173. Schrenck 
fol. XXXII. 

4) Daselbst, Saal XXV [, Wand I, Nr. 141. Sacken I., 145. 

5) Daselbst, Saal XXVI, Wand I, Nr. 139, Sacken I., 168 f. Schrenck 
fol. XXXIX. 

«) Daselbst, Saal XXV, Wand II, Nr. 61. Sacken I., 170 f. Abbild, bei 
Hefner, d. Trachten d. christl. M.-A. III, Taf. 41, 48. — Schrenck fol. XIX. 
— Zugehörigkeit zweifelhaft. Vgl. Leber, Wiens kaiserl. Zeughaus pag. 225. 

') Befindet sich im Musee d'artillerie zu T aris. Xr. G. 61. 

8) Wiener Waffensammlung, Saal XXIX, Wand I, Nr. 482. Sacken I., 
244. Schrenck fol. XXXIV. 

9j Nicht nachweisbar. 

10) Wiener Waffensammlung, Saal XXVIII. Wand II, Nr. 401. Sacken 
I., 234. Schrenck fol. XCIV. 

11) Heinrich d. Jüngere v. Braunschweig, daselbst, Saal XXVII, Wand II, 
Nr. 229. Sacken I., 167 f. 

12) Daselbst, Saal XXVII, Wand II, Nr. 231. Sacken I., 169. Schrenck 
fol. XXV. Abbild, auf einer Medaille vgl. Luckius, pag. 43. 

13) Daselbst, Saal XXVII, Wand I, Nr. 196. Sacken I., 165. Schrenck 
fol. XXXVII. 

^*) Erzherzog Karl von Steiermark, daselbst, Saal XXIX, Wand II, 
Nr. 491. Sacken I., 136. Schrenck fol. LT. 



gantze 
rüstungen. 



— 76 — 

Johann Casimirj, Pfaltzgr: bey Rhein. ^) 

Octavianj Farnesij, Ducis Parmae^). 

Christoph : Radzivil, aines Polnischen Fürsten^). 

Hainrichen, grafen zu Monteponson ^). 

Fran9ois, Conte de Vauldemont •^). 

Carls, hertzogen zu Lottringen ^). 

Francisci, Margrafen zu Mantua^). 

Franciscj, hertzogen zu Vrbin •^). 

Joannis Fregosij, Ducis Genoae-^). 

Hermannj, Ducis Sveviae ^'^). 

Henry de Anvilla, Ducq de Momerancj ^^). 

"iFol. 294 V.] Carl, hertzogen von Borbon, helmlin vnd ain 

rondeP-)- 

Georgen Ziskan schwiert ^^). 
Durj Georgen 2. Schwerter ^^). 

') Daselbst, Saal XXX, Wand IV, Nr. 659. Sacken L, 146. Schrenck 
fol. LVII. 

•2) Daselbst, Saal XXX, Wand II, Nr. 606. Sacken I., 239. Schrenck 
fol. XLIX. 

3) Niclas Christof v. Radzivil, Herzog von Plika ("j- 1616;, daselbst, Saal 
XXXII, Wand III, Nr. 716. Sacken, I., 193. Schrenck fol. LXX. — Vom 
Besitzer selbst nach Ambras geschenkt vor 1582 (?). 

4) Gemeint ist Montpensier. Harnisch nach Paris gebracht, woselbst aber 
heute nicht mehr nachweisbar. 

5) Wiener Waffensammlung, Saal XXXIV, Wand I, Nr. 768. Sacken 
L, 175. 

6) Karl II. ist gemeint. Daselbst, Saal XXXIV, Wand III, Nr. 849. Sacken 
I. 174. Schrenck fol. LV. 

') Daselbst, Saal XXV, Wand IV, Nr. 124. Sacken I., 233. Schrenck 
fol. XXVIII. 

^) Francesco Maria von Rovere-Montefeltre, Herzog von Urbino (f 1538j. 
Daselbst, Saal XXVII, Wand IIT, Nr. 330. Sacken I, 247. Schrenck fol. XXVII. 

9) Gennaro Maria Fregoso (f 1537). Daselbst, Saal XXV, Wand I, Nr. 11. 
Sacken L, 243. Schrenck fol. XXI. 

^^) Nicht nachweisbar. 

") Theile befinden sich im Musee d'artillerie zu Paris. 

1-^) Wiener Waffensammlung, Saal XXVI, Wand IV, Nr 178. Von der 
Rüstung des Karl von Bourbon weiß Schrenck noch einen Kürass und ein Armzeug 
abzubilden, dessen jedoch in den Quellen sonst keine Erwähnung geschieht. — 
Sacken I., 1.53. Schrenck fol. XXIX. 

'^) Nicht nachweisbar. 

*^) Georg von Thury, Befehlshaber in Ungarn {■\ 1571). Daselbst, jedoch 
nur ein Schwert, Saal XXIX, Kasten H, Nr. 534. Sacken I., 152. 



— 77 — 

Niclaus grafen zu Serin helmlin, säbel vnnd wappenrockh '). 

Friderich, hertzogen zu Vrbin helmlin -). 

Bartolomaej Colleo brustharnisch ^). 

Johann Jacoben grafen zu Trybultz, helmlin, schwert, vnd 
Regimentstab ^). 

Caesar von Neapolis Sturmhauben ■^). 

Johann di Medices, hertzogen zu Florentz, Sturmhauben vnd 
Pusican ''). 

Mehemet Bassa Sturmhauben^). 

Cassan Beegs Stecher -). 

Königs zu Cuba in India etliche stuckh, vorder, vnd hinder- 
thail ^). 

Ludsvigs, Königs zu Hungarn vnd Böh : Achselschinen ^"). 

Georgen Scanderbeegs helmlin vnd 2. Schwerter ^^). 



') Niclas Graf Zrinyi ist gemeint. Seine Zischägge, sein Säbel und Hermelin- 
pelz daselbst, Saal XXVII, Wand II, (im Kasten) Nr. 289. Sacken, I., 150. 
Schrenck fol. CVIII. 

2) Frederigo von Montefeltre (f 1482). Daselbst, Saal XXVI, Wand I, 
ohne Nummer. Zugehörigkeit zweifelhaft. Sacken I., 258. Schrenck fol. XXII. 

3) B. Coleoni ist gemeint. Daselbst, Saal XXV, Wand IV, Nr. 122. 
Sacken L, 149. Schrenck fol. LXII. 

•*) Gian Giacomo Trivulzi, Marschall von Frankreich (f 1418). Daselbst, 
Saal XXV, Wand III, Nr. 109. Sacken I., 152. Schrenck fol. LXXIX. Helm 
und Schwert jedoch nicht nachweisbar. 

5) Cesare di Napoli, venetianischer, später kaiserlicher Feldherr (f 1568). 
Daselbst, Saal XXIX, Wand IV, Nr. 533. Sacken L, 151- 

6) Gian Giacomo de Medici (f 1555). Daselbst, Saal XXVII, Kasten II, 
Nr. 246. Helm nicht nachweisbar. Sacken I., 240 f. Schrenck fol. XLIII. 

'^) Mehemet Sokolowitsch (f 1579); kostbare Zischägge. Daselbst, Saal XXXV, 
Kasten IV, Nr. 132. Sacken I , 209 ff. Schrenck fol. LXXXI. 

^) Kaschan Beg (Mihalbeg) f 1532. Daselbst, wie in voriger Anm. Nr. 124. 
Sacken I., 213. 

^j Angeblich dem Torghud Reis, König von Kairewan, gehörig gewesen 
Daselbst, wie in voriger Anmerkung Wandkasten II, Nr. 58. Sacken I. 205 ff. 
Das Ambraser Inventar von 1596 sagt : »N. Künig zu Cuba in India. Etliche 
stuckh A^order- vnnd hintertail über vnd über vergult vnnd mit Arabischen Buech- 
staben geetzt.« Diese Worte zeigen im Vergleiche mit obigen Hainhoferschen, 
dass Hainhofer die alten Inventare benutzt, jedoch sie auszugsweise wiedergibt. 
Vgl. Einleitung. 

1«) Daselbst, Saal XXV, Wand III, Nr. 107. Sacken, I., 148. Schrenck 
fol. XI (der die ganze Rüstung abbildet. Vgl. ebendaselbst, Nr. 69). 

^'j Der Helm des Georg Castriota, des terror Turcarum, Fürsten von Albanien, 
daselbst, Saal XXV, Kasten II, Nr. 71. (Vgl. übrigens Quellenschriften, N. F. VI., 



— 78 



Solimannj, Türckischen Kaysers armzeüg ^). 

Alexandri Vitellij -). 

Casparen von Freündspergs ^). 

Anthoni de Leva^). 

Niclaus, grafen zu Salm ^). 

Cornelij Bentivoglij : ^) 

yFoL 295 /-.] Andreae grafen zu Sonnenburg '). 

Eytel Friderich, grafen zu Zollern '"). 

Astoris Baglionj ^). 

Wilhelm von Rogendorffs ^^). 

Robertj Sanseverinj ^^). 

Georgen von Freündspergs ^-). 

Sforza Pallavicinj ^^). 

Friderich, grafen zu Fürstenberg ^^). 



gantze 
rüstungen. 



gantze 
rüstungen. 



pag. 118.) Die beiden Schwerter, daselbst, Nr. 92 und Saal XXVII, Kasten V, 
Nr. 345. Sacken I., 211 f. nennt nur ein Schwert, wie auch Schrenck fol. XVI 
nur eins abbildet. 

1) Daselbst, Saal XXXV, Kasten I, Nr. 39. Sacken I., 212. 

2) Daselbst, Saal XXVII, Wand I, Nr. 199. Sacken I., 251. 

3; Daselbst, Saal XXVII, Wand I, Nr. 227. Sacken L, 187. Schrenck 
fol. XC. 

4) A. de Leiva (f 1536), daselbst, Saal XXVII, Wand III, Nr. 332. 
Sacken, I., 257. Schrenck fol. LXXXIV. Medaille bei Luckius a. a. O., pag. 53. 

5) Niclas III., Graf zu Salm-Neuburg (f 1550;; daselbst, Saal XXVII, 
Wand III, Nr. 299. Sacken I., 178. 

6) Daselbst, Saal XXVII, Wand IV, Nr. 341. Sacken I., 246. Schrenck 
fol. XCVII (der den Harnisch dem Guido Beut, zuschreibt). 

^) A. Gr. V. Sonnenberg (f 1511); daselbst, Saal XXVI, Wand IV, 
Nr. 175. Sacken I., 198. Schrenck fol. LXXV. 

«) Daselbst, Saal XXVI, Wand I, Nr. 142. Sacken I., 179. Schrenck 
fol. LXXIV. 

S) Daselbst, Saal XXX, Wand III, Nr. 643. Sacken I., 255. Schrenck 
fol. CXIX. 

10) Daselbst, Saal XXVII, Wand I, Nr. 206. Sacken I. 182 f. Schrenck 
fol. LXXX. 

1') Daselbst, Saal XXV, Wand I, Nr. 3. Saken I., 252. Schrenck fol. LXXIII. 

12) Daselbst, Saal XXVII, Wand I, Nr. 207. Sacken I., 188. Schrenck 
fol. LXXVII. Auf Medaille vgl. Bergmann, Med. I., Taf. VI, 24. 

13) Daselbst, Saal XXX, Wand III, Nr. 640. Sacken I., 227. Schrenck 
fol. CXIT. 

1**) Friedrich III. Graf von Fürstenberg undWerdenbecg. Daselbst, Saal XXVII, 
Wand I, Nr. 2(K). Sacken I., 181. Schrenck fol. LXXVI. 



— 79 — 

Galeaz Fregosi, grafen zu Mureto ^). 

Gabrielis Serbellonij -). 

[Andrean Teufels ^)]. 

[Guido Bentivoglj "^)]. 

Marij Sforzae, grafen von S^. Flor ^). 

Georgen von Buchhaimbs ^). 

Camillj Vrsinj '). 

Carls von Scherotin ^). 

Jobst Joseph, grafen von Thurn ^). 

Ferdinand], grafen zu StageroP*^). 

Jacob Hannibal, grafen zu Embs^^). 

Johann Jacobi, grafen zu Marignon ^-), 

Jean Manrique de Lara ^^). 

Jacoben von Embs ^^). 



gantze 
rüstungen. 



1) Daselbst, Saal XXXII, Wand I, Nr. 666. Sacken I., 244. Schrenck 

foi. cm. 

2) Daselbst, Saal XXIX, Wand IV, Nr. 528. Sacken I., 230. Schrenck 
fol. CX. 

3) Andr. Teufel, Freiherr von Guntersdorf, kaiserlicher Feldhauptmann 
(t 1592). Daselbst, Saal XXIX, Wand IV, Xr. 525. Sacken I., 202. Schrenck 
fol. CIX. Fehlt in J. 

"*) Daselbst, Saal XXX, Wand III, Nr. 646. Sacken I., 245. Schrenck 
fol. XCVI (schreibt sie dem Cornelius Bent. zu. Vgl. oben Anm. 5.) Fehlt in J. 

5) Hainhofer meint wohl den Ascanio Sforza, Grafen von Santafiora ("|" 1575); 
daselbst, Saal XXIX, Wand IV, Nr. 522. Sacken I., 229. Schrenck fol. XCVIII, 

^) Georg VI., Freiherr von Puechheim (f 1531); daselbst, Saal XXV, 
Wand III, Nr. 64. Sacken I., 202 f. 

\) Daselbst, Saal XXXII, Wand IV, Nr. 746. Sacken I., 248. Schrenck 
fol. LXXXIII. 

^) Zierotin, daselbst, Saal XXVII, Wand III, Nr. 290. Sacken I., 203. 
Schrenck fol. CV. 

«) Daselbst, Saal XXX, Wand III, Nr. 642. Sacken I., 182. Schrenck 
fol. CXVIII. 

'0) Ferdinando, Graf von Nogarola (f 1590/ ; daselbst, Saal XXXII, Wand III, 
Nr. 709. Sacken I., 230 f. Schrenck fol. CXX. 

'1) Daselbst, Saal XXXII, Wand I, Nr. 665. Sacken I., 190. Schrenck 
fol. CXV. 

'■^) Gian Giacomo de'Medici (f 1555) ; daselbst, Saal XXVII, Wand II, 
Nr. 237. Sacken I., 240. Schrenck fol. XLIII. 

'») Daselbst, Saal XXVIII, Wand I, Nr. 400. Sacken I., 260. Schrenck: — 

»■») Daselbst, Saal XXV, Wand IV, Nr. 130. Sacken L, 189. Schrenck 
fol. LXXXVI. 



— 80 



Augustin Barbarigo '). 

Conrad von Bemmelbergs -). 

{^FoL 295 z'.] Sebastian Schertlins^). 

Hanns Fernbergers *). 

Marx Sittichen von Embs ^). 

[N. von Castelalts ^)]. 

[Dietrichen von Embs ')]. 

Melchior Michelj ^). 

Joan Jacob Soranzi ^). 

Asconj della Cornia^*^). 

Latzarus von Schwenda ^^). 

Johann Baptista von Taxis ^^). 

Hannß Ruebers ^^). 

Censij Capizuccij ^^). 



gantze 
rüstungen. 



gantze 
rüstungen. 



1) Daselbst, Saal XXVIII, Wand II, Xr. 405. Sacken I., 237. Schrenck 
fol. XCI. 

2j Daselbst, Saal XXVII, Wand I, Nr. 226. Sacken I., 199. Schrenck 
fol. LXXXV. 

3) Daselbst, Saal XXVII, Wand III, Nr. 300. Sacken I., 201. Schrenck 
fol. LXXXVil. 

*) Johann Fernberger von Auer ("j- 1584); daselbst, Saal XXVIII, Wand III, 
Nr. 410. Sacken I,, 166. Schrenck fol. CVI. 

5) Daselbst, Saal XXVI, Wand I, Nr 149. Sacken L, 191. Schrenck 
fol. LXXXII. 

ßj Francesco von Castelalto (f 155(J; ; daselbst, Saal XXVII, Wand I, 
Nr. 201. Sacken I., 229. Schrenck fol. LXXXVIII. Fehlt in J. 

') Wolf Dietrich von Embs (f 1536;; daselbst, Saal XXVI, Wand IV, 
Nr. 193. Sacken I., 189. Schrenck fol. CI. Fehlt in J. 

8) Melchiorre Michieli (f 1570) ; daselbst, Saal XXVIII, Wand III, Nr. 418. 
Sacken I., 235. Schrenck fol. LXXXIX. 

9) Daselbst, Saal XXX, Wand I, Nr. 569. Sacken I., 238. Schrenck fol. XC V. 
i"j Ascanio della Cornea (f ca. 1572); daselbst, Saal XXX, Wand IV, 

Nr. 649. Sacken I., 253. Schrenck fol. C. 

") Feldhauptmann Lazarus Schwendi, Freiherr von Hohenlandsberg (f 1584) ; 
daselbst, Saal XXVII, Wand III, Nr. 331. Sacken I., 196 ff. Schrenck fol. CIV. 
Auf Medaille vgl. Luckius a. a. O. pag. 217. 

12) Daselbst, Saal XXX, Wand III, Nr. 639. Sacken I., 199. Schrenck 
fol. CXXIII. 

'•^) Johann Rueber, Freiherr von Püchsendorf und Grafenwert ("j" 1580); 
daselbst, Saal XXX, Wand IV, Nr. 657. Sacken I., 204. Schrenck fol. CXVI^ 

^*) Cincio Capisucchi, Marschall d. römischen Kirche (f 1575); daselbst 
Saal XXIX, Wand III, Nr. 520. Sacken I., 247. Schrenck fol. XCIX. 



gantze 
rüstungen. 



— 81 — 

N. Verdugo ^). 

N. Mondragons -). 

Jacoben Malatesta ^). 

Daniel Ranzon "^). 

Hainrichen Ranzau ^). 

Peter Sforzae rondel ^). 

Sigmund Pantolfen Malatestae etliche stuckh vnd schwert '). 

Königfelders rüstung, welcher mit dem risen zur Wilthen 
gekempfet hat ^). 

Claudi de Quadre, aines Burgundischen Herren rüstung, so 
zu wormbs auf dem Reichs- {^Fol. 296 r.] tag, mit Kayser Maxi- 
miliano I. gekempffet hat'^). Vnd hangt fast bei ieder rüstung 
desselben Herren Conterfett vnd namen, vnd stehet iede rüstung 
gleichsam in ainem kästen eingefasset mit vmbhengen vor, damit 
sie vor dem staub verwahret seyen; Alßo auch veber die gehar- 
nischte reüter, lasset man deckhinen herunder, die man aufzeucht, 
wann mans zaiget vnd ist alles gar ordenlich vnd w^ol fürsehen. 



') Francesco von Verdugo, Feldherr aus Neu-Castilien (f 1595); daselbst, 
Saal XXXII, Wand III, Nr. 715. Sacken I., 256. 

'^) Cristobal Tviondragone, Feldmarschall Philipps II. (f 1596) ; daselbst, 
Saal XXXII, ^Vand I\, Nr. 743. Sacken I., 256. Schrenck fol. CXXII. 

^) Nicht nachweisbar. 

*) Daniel von Rantzau, dänischer Feldherr [f 1569) ; daselbst Saal XXIX, 
Wand III, Nr. 518. Sacken I., 195. Schrenck fol. CXI. 

^) Heinrich von Rantzau, Feldoberst und Gelehrter (f 1599) ; daselbst, 
Saal XXVII, Wand II, Nr. 233. Sacken I., 195. Schrenck fol. CXIV. J. setzt 
Hans von Rantzau noch besonders hinzu. 

'') Wurde von den Franzosen für denjenigen Karls von Bourbon gehalten 
und nach Paris entführt. 

') Wiener AVaffensammlung, Saal XXV, Wand II, Nr. 59. Sacken l„ 154. 
Schrenck fol. LXXVIII. 

^) Die sogenannte »Königsfeldersche« Rüstung führt diesen Namen, wie 
allgemein angenommen wird, erst seit dem Inventare von 1663. Obige Stelle 
beweist, dass die Benennung schon lange vorher durch mündliche Tradition fest- 
gestellt war. Die Rüstung befindet sich in der AViener WafFensammlung, Saal 
XXXVI, Nr. 948. Sacken I., 185. 

9j Claude de Vaudrey, von Kaiser Maximilian I. 1495 zu Worms im Fuß- 
kampfe besiegt (vgl. Cuspinianus, de Caesaribus etc. Basel 1540 pag. 729, c. 32. 
Fugger, Ehrenspiegel pag. 1376. Joh. Joach. Müller, Reichstags-Theatrum I, pag. 670. 
Abbildung des Kampfes in Freidals Turnierbuch. Sammlung des k. k. Hofmuseums 
zu Wien, Saal XXIII, Vitrine I, Nr. 40;; daselbst, Saal XXXVI, Nr. 917. 
Sacken I., 175 ff. 

Ouellenschr. X. Bd. 6 



— 82 — 

Weiter hat man vnns gezaigt: 

Des Riesen Haymons schwert ^). 

Liderne Romanische rüstungen, vnd etHche hderne heim, 
welche vornen die visier von starcken eisinen getteren haben. 

In der reüter kammer hat ieder reüter seinen Stecher, 
dolchen, pistollen, lantzen, iedes pferd seine deckhin. 

Die rüstung des Hertzogs von Mayland ist so schön vnd 
künstlich von eisen getriben, alß mans von gold machen köndte -). 

Türkische rüstungen, alles von silber. 

Aine piquen auß Wacholter, zu Sultz gewachsen, die noch 
28. schuch lang, vnd dannoch 1. ein \^Fol. 296 v.] daruon ge- 
schnitten worden. 

Ain hauffen Favor, vom Frawenzimmer den Fürsten vnd 
Cavalieren gegeben ^), Die hangen under deckinen in der höhe 
vnd lesst mans auch herunder, wann manns sehen will, vnd sein 
etliche under disen Favoren gut altfränkisch vnd seltzamer 
manieren. 

Dartschen auß grossen schiltkrotten^). 

Kaysers Sigißmundj Reütwehr^). 

Aine Cammer von Türck : Tartar : vnd Vngarischen rüstungen^). 

Aine Türckische rüstung mit edlen stainen versetzt. 

Aine andere silberne rüstung. 

Ain Persianischer Dolchen, dessen schaid von grüenem 
Jaspis, mit gold eingeschlagen vnd mit granaten versetzt. 

Aine gute anzahl säbel, thails mit stainen versetzt. 



') Vielleicht das sogenannte Riesenschwert. Vgl. oben. 

2) Da weder die Rüstung des Ascanio Sforza noch die des Sforza 
Pallavicini solches Lob verdienen, beide Männer auch nicht Herzoge waren, so 
wird Hainhofer hier wohl die sogenannte mailändische Rüstung des Erzherzogs 
Ferdinand meinen. Wiener Waflfensamml., Saal XXVIII, Wand IV, Nr. 475. 
Sacken I., 129 ff. Schrenck, Titelblatt. Franc. Tertius, Imagines vivor. illustr. 
Herrgott, Pinacotek, Tab. 83. 

') Diese sogenannten Faveurs finden sich daselbst, Saal XXXVI, Kasten II, 
Nr. 9.53—958. 

*) Daselbst, 8aal XXV, Kasten III, Nr. 105 (mit Darstellung des Manlius 
Torquatus). 

*) Nicht nachweisbar. 

*) Diese, wie die folgenden Stücke, erfüllen den Saal XXXV der Wiener 
Wafifensammlung. 



— 83 — 

Des Don Gio : d'Austria fahnen, den er bey der Meerschlacht 
geführet ^). 

Türckische bögen vnd köcher. [etc.] -) 

Vnd sein dise Ihrer Drlt. Leopoldj rüst Cämmeren, (welche 
voll der Römischen Kayser, Inn- vnd außländischer Königen, 
Chur: vnd Fürsten, ^Fol. 297 /-.] grafen, herren, vnd vom adel 
leibharnischen, rüstungen, waffen vnd wehren hangen) ain so 
Königlicher, rarer thesaurus vnd memoria heroum, alß, in tanta 
copia, Irgends bey ainem Potentaten zu finden sein mag. 

Von diser rüstkammer sein wir veber den gang in die kunst- 
kammer ^) gangen, sogar ain langes gemach, auf baiden seitten 
fenster hat, vnd in der mitten, durchab, 20 kästen, von der 
Erden an biß an die Dillen, vmb die man herumbgehen kan, 
vnd gegen den fensteren [oder liechteren]^) eröffnet werden. Diser 
lange gemach hanget voller gemähl, darunder König Franciscus 
de Valois, ad vivum Conterfettet ^), Aines grossen bauren, hannß 
Krawe, auß dem Dorf Rosenhan bürtig, Conterfette, welcher 
A°- 1553. geboren, 9V2 werckhschuch lang, vnd im 48*^" Jahr 
seines alters vom Pfaltzgraff Friderichen bey Rhein, vmbs Wunders 
willen verschickht worden '^). Conterfette von etlichen schönen 
grossen roßsen, grossen Schweinen, beeren, die alle in solcher 
\_FoL 297 7'.] extraordinarj grosse sein gefangen worden'). 
In den 4 ecken stehen 4 schöne künstliche eingelegte, stainine 
tische, kainer wie der ander, vnder welchen ainer mit silber 
beschlagen, von schwartzen stainen, mit eyßaderen ^) oder schricken 
darinn, alß wann er gefroren were ^). 

Aine gembsen haut, auf deren rucken ain hörnlin gewachsen. 

') Es lässt sich nicht bestimmen, welche der Fahnen der "Wiener Waifen- 
sammlung hier gemeint sei. 

2) Fehlt in J. 

^) Über diese (sie ist auf Bodenehrs Stich mit Xr. 8 bezeichnet) vgl. oben. 

4) Fehlt in J. 

'">) Vielleicht das bei Sacken II., 20, Xr. 127 genannte Bild. 

^) Sein Bildnis befindet sich auf der rückwärtigen Stiege des Hochschlosses. 
Ilg und Böheim, pag. 77, 

■') Diese Thierbilder sind vielleicht identisch mit jenen im Aufgange zum 
zweiten Stockweirke des Hochschlosses. Ilg und Böheim, pag. 78. 

®) d. h. Adern von Eis. 

9) Dieser kostbare Tisch aus Schillerspath befindet sich im Wiener Hof- 
museum, Saal XIX, wo er unter den freistehenden Gegenständen mit C bezeichnet 
ist. Der Fuß (italienische Arbeit des 16. Jahrhunderts) gehört nicht dazu. 

6* 



„ 84 — 

Ain truncus von ainem x\ichbaum, durch welchen ain hirsch- 
geweih gewachsen, vnd helt man darfür, das aine schneelehne 
den hirsch zerschlagen vnd so starckh in die erden getrucket 
habe, das wurtzel vnd holtz darüber zusamengewachsen sein ^). 

Zu den kästen nachainander sein Summarisch zu sehen: Im- 

1. Allerhand sachen von Alabaster, gedrehet, geschnitten, 
gehawen, alß bilder, trühlen, schüsselen, becher, kanten, salier, 
leffel, leüchter, krüeg, vnd anders. 

2. Der ander kästen ist voller gläser klain vnd groß, 
geschnitten, und vngeschnitten. 

3. Der dritte kästen ist voller Corallen, Crucifix, \^Fol. 298 r.] 
berg mit bilder vnd thieren, wehren, schaalen, Zincken, vnd 
branchj meerschaalen, weiß : roth : gelb : blaich : schwartz Corall, 
Stern Corall, vnzeitig Corall, fungi maritimj pietrificatj, vnd 
dergleichen Meergewächs. 

4. Im Vierten kästen seind allerhand antichische bilder, 
vnd vasa di brunzo, auch moderne -) Conterfettische abgüß ^) in 
gold vnd silber. 

5. Im fünfften kästen Irdische geschürr von Porcellana, 
terra sigillata, rothem bolo Armenico, vnd von anderen frembden 
erden, künstliche vnd hafnerische arbait, auch Geißlinger Dufftstain. 

6. In dem vSechsten kästen sein schreibtischlen, darunder 
ain gantz silbernes mit Schubladen, voller geschnittener camoyn 
vnd edler gestain, geschürr vnd bilder auß ambra negra. 

Ain marmelstaininer thurn mit Schubladen, auf 6 seitten 
voller edler stain. 

Ain hültziner mit Drechselwerckh gezierter Schreibtisch, so 
auf 4. seitten aufgehet, vnd voll guldiner vnd silberner, grosser 
vnd klainer pfenning ligt. 

Ain küstlin mit haydnischen guldinen pfenningen in großer 
anzahl. 

[Fo/. 298 v.] Acht kästlen wie bücher geformieret, voller 
silbernen pfenning. . . . (Italienisches Sprichwort.) 

7. Im siebenden kästen sind vil vhralter waffen. Drey 



1) Noch in Ambras befindlich : Hochschloss, Saal 13, Nr. 224. Über die 
Entstehung dieses Naturspiels vgl. Ilg und Boheim a. a. O. pag. 132. 

2) vnd von anderen frembden. J. 
^) vnd dergleichen. J. 



— 85 — 

Schwerter, vnd zween hüete, so die Bäpst dem Kayser Ferdinando ^) 
verehret haben. 

Zween schuch vnd 1 schwert, durch die der straal geschlagen, 
vnd lebt der gutscher zu Ynßprugg noch, dem bey ainer mühlin 
der straal die schuch getroffen hat. 

Ain alter armbrost, voller bögen. 

Pistollen mit trinckhgeschürr. 

8. Im Achten kästen ist ain gewachsener trauben, mit ainem 
langen barth, S^/o schuch lang. Etliche Indianische klaider, 
lainwath, schuch, gewürckh auß gras vnd wurtzen, geschürr auß 
hörn, auch andere gefäße. 

Strooine hauben. Strooine kettin. 

Etliche thierlen. 

Ain hertzlin, so ainem roß auf der nasen gewachsen -). 
\Fol. 302 r.] Aine seidine Japonische hauben. 

Von seiden genehete stücklen. 

Gummj Indaicum. 

Ain roth atlesines bareth, auf dessen boden genehet aine 
rechentafel, auf dem stülp vnderschiedliche Dienste zum schreiben, 
rechnen, zu rechenpfenningen kreyden, schwäm vnnd zu anderen 
Diensten, welches baret hertzog Albrecht in Bayrn, dem Ertz- 
hertzogen Ferdinando zu Österreich, zu ainer abgewonnenen 
kramet oder kirchmeß zugesant hat. 

Ain grosser schlangenbalg^). 

9. Im Neündten kästen sind hültzine sachen. ain schellidon. 
1. hierschlauf mit 5 klawen. 

1. großgeschürr von buchsbaum. 
1. hültzine gürtel. 
1. zimmetrohr. 



1) vnd Ertzliertzogen Ferdinando. J. 

2) Es folgen drei Blätter mit Abbildungen : 

a) Fol. 299 v. Die eben erwähnte Traube, gefunden 1615. Beschreibung 
auf die Platte gestochen. J. ab Heyden sculpsit. Kpf. in gr. 8. — Fol. 299 v. leer. 

b) Fol. 300 V. Abbildung einer »AVunderlichen Khorn-äheren«, gefunden 
den 11. October 1622. Beschreibung auf der Platte. P. Isselburg. Kpf. in 4. — 
Fol. 300 V, leer. 

c) Fol. 301 V. Drei Ähren (Gerste und "Weizen), gesehen 1627. Mit 
untergedruckter Beschreibung und deutschen Versen. Anon. Kpf. in 4. Fol. 301 v. leer. 

') Man beachte hier und bei andern Gelegenheiten den völligen Mangel 
an logischer Anordnung der Sammlungsgegenstände. 



— 86 — 

stainin holtz, oder hültzin stain. 

10. In disem zehenden kästen sein : 
Pommerantzen von S.^' Dominicj bäum. 

Judas strickh, den der Schertlin von Rom bracht hat. 

Indianische IdoH. 

yFol. 302 v.'] Kupfferne messer, mit welchenn die Juden 
Ihre Kinder beschnitten, sampt den stainen darzue, 1 hirschgewicht, 
so in der Carvvochen in aines Judenhauß bluet geschwitzt hat. 

holtz vnd keyeP) zu stain worden, alß es am feyrtag gehackht 
worden. 

geschürr mit brunnen. 

11. Im ailfften kästen sind Sachen auß federen gemacht; 
Des Königs in Cuba klaid von federn. Ain perspectiv von glaß. 

12. VnderschiedHche alte bücher sein in diesem 12^^" kästen. 
Papir auß corticibus cum grypho darauff geschriben. Sonst 
hültzin papir. 

Schrifften, welche Thomas Schweigger von Schwäbischen 
hall vnd andere, auß mangl arm vnd händ, mit den füessen 
geschriben. 

13. Im dreyzehenden kästen ist eisenwerckh. Etliche maister- 
stuckh, rügel, Schlösser, schlüßel. Ain eisiner sessel, darin sich 
ainer selber fangt vnd verschleust. 

14. Im vierzehenden kästen ist stainwerckh, geschürr von 
Jaspide, marmel, Alabaster. Etliche geschürr in Forma der thier 
geschnitten. Stain vmb ainen nagel gewachsen. 

[^Fol. 303 r?\ Stainin pfifferling. 
Sternstain, bluetstain. 
Krotten, schlangen von stain. 

15. Der Funffzehende kästen helt in sich allerhand vhren, 
gang : vnd schlagwercklen : geschützlen ; Castell mit Vhrwerckh. 

Mathematische Instrumenta. Sonnen Vhren. Zilender. grosse 
CammerVhr. 

16. Im Sechzehenden kästen stehen vnd hangen musicalische 
Sachen. Ain Instrument von glas. 

Ain Orgel mit lerchengesang. 

Ain Spannische theorben -), vnd sonsten seltzame Instru- 
menta. 



') Letzterer offenbar ein prähistorischer Fund, ersteres eine Versteinerung. 
*) Bass-Laute. 



— 87 — 

17. Im Sibenzehenden kästen ligen : 

schöne handstain : stueffen : bergwercklen. Diamant gewechs. 

gar vil gemachte bildlen auß bergErtz. Grosse klumpen 
gedigen gold vnd silber. Roth gülden ertz. Edenberg vnd ertz, 
veber eck verendert. Malechit. Holtz in ertz gewachsen, so man 
ain ablaßsen nennet, dann wann die ertzknapen auf guten wahn 
in ödem gebürg arbaiten \Fol. 303 v.\ vnd dergleichen stueff 
antreffen, alßdann habensie das loß, das darhinder gut ertz ver- 
banden ist. Aber da sie dergleichen in den ertzarbaiten finden, 
ist zu merckhen, das folgends kain ertz mehr darhinder ist, 
sondern dieselbe arbait eingestehet werden muß. 

18. Im Achtzehenden kästen sein miscellanea, alß : Greifen 
klawen^). 

Coco di India, oder Indianische grosse nusß. 

Künstlicher brennofen. 

Globj. Bretspile. Mayenkrüege. 

Mancherlay schöne silberne trinckhgeschürr. 

19. Der Neünzehende kästen begreifft in sich: treffliche 
schöne Cristalline geschürr, auf mancherlay art. Darunder wie 
Vögel, mit außgespanten flüglen, alle in gold gefasset, thails mit 
edlen stainen vnd perlen geziert. 

Marcus Curtius auß Vnicornu geschnitten, in gold gefasset. 

Ain geschnitten subtil helffenbainin Crucifix, in gold gefast, 
am finger zu tragen. 

Ertzhertzogen Ferdinand] zu Österreich Sigill in Schmaragd. 

[Fol. 304 r.] Ain guldin Creutz. 

Ain guldiner nast, mit daran hangenden 14. Christallinen 
kösselen, so Ertzhertzogen Ferdinand] hochsee : gedächtnus Will- 
kumb für frembde vorneme gast gewesen ist. Ain guldiner 
Schreibzeug. 

Schöne Agatine : vnd Jaspine geschürr, in gold gefasset. 

Ain beer von Ambra negra. 

20. Im zwaintzig'isten kästen ist alles von helffenbain, 
nemlich : 

allerlay schöne gedrehte geschürr [vnd andere sachen] ^). 
Trühlen von bain. 



V) Vgl. Anm. zur Dresdener Relation. Fol. 364 v, 
^) in gold gefast. J. 



— 88 — 

Ventulin ^) vnd vmbrel -) von bain. 

Fischbainer. 

Thier küfer. 

Vnnd ist in disen zwaintzig kästen souil schönen, kostlichen 
vnd verwunderlichen Zeugs, das ainer vil monat zu schaffen hette, 
alles recht zu besichtigen vnd zu contemplieren. 

Auß der kunstkammer sein wir gangen in die bibliothecam^), 
in welcher aine mächtige an- \FoL 304 7a] zahl büecher, in 
allerhand Faculteten vnd sprachen, die wir auß mangl Zeit 
nur von aussen angesehen haben, vnd, Claudianj sag nach, mit 
der rüstkammer vnd bibliothec, (so nahe beysamen sein) 
haisset : 

Quod gaudeat virtus, testes sibi jüngere musas. 

In diser bibliotheca sein auch gemähl, vnder anderen hi- 
storia Ahasverj, von allerlay nationen, gar groß gerepraesentieret, 
hin vnd wider sehr vil antichische stainerne brustbilder in 
löchern. 

Ain deutsches brevier. 

Ain nagl vom tempel Mariae rotundae zu Rom. 

Alß wir nun die rüst Cämimern, waifen Cämmeren, kunst 
Cämmer vnd bibliothecam, (in deren ain thür, so auf baiden 
seitten aufgehet, alß wie Ich zu Neuburg ins Kaysers gemach 
bey Hof auch aine dergleichen gesehen)^), besichtiget, vnd wider 
fort reuten wollen, so hat vnnß herr haußmaister in seine Woh- 
nung geführet, seine haußfraw vnd vier kinder gezaigt, zu tisch 
gesetzt, gesottens, gebratens vnd gebachens auf- [Fol. 305 r.\ 
getragen, fraindlich zuegesprochen, vnd vnß wider gar spatt 
gehn Ynßprugg geschickht, vnd wolte Ich disekunstkammer lieber 
noch besser besichtigen, alß die besste mahlzeit einnemmen ■'). 



1) Fächer. 

'^) Sonnenschirm. 

•'') Auf Bodenehrs Stich mit Xr. 6 bezeichnet. 

*) Eine solche Thür befindet sich noch heute in dem bekannten Freden- 
hagen'schen Zimmer zu Lübeck. 

Die über Hainhofers Reise nach Neuburg von ihm verfasste Relation, 
welche, bisher ganz unbekannt, von mir in der Wolfenbüttler Bibliothek gefunden 
wurde, veröffentliche ich in nächster Zeit in der Zeitschr. d. Ver. für Schwaben 
und Neuburg. 

^) Man bemerke Hainhofers Schweigsamkeit über die Gemälde der Ambraser 
Sammlung. 



— 89 — 

Adj 28. Aprilis, hab Ich im Newen Ruhelust ain schönen 
saal besehen, in welchem etlicher Kayser : vnd vornemmer kriegs- 
Oberster Conterfette, vnder denselben auch : 

Christophorus Columbus. 

loann d'Austria. 

Andrea Doria. 

Venerius. 

Conrad von Bemmelberg vnd andere beiden, alle lebensgrösse. 

Vber disen Conterfetten, in der höhe, ist Ertzhertzogen 
Ferdinand] aufzügen ainer gemahlet, vnd sein mit Ihrer Drlt. wir 
von dannen, durch des herrn von Bemmelberg, Statthalters, 
3 Zimer (in welchen allen schöne mahlerey hanget, vnd diser 
herr sehr hoch verständig vnd weltweiß ist) in Ihrer Drlt. Zimmer 
gangen. 

\Fol. 305 V.] Nach dem essen, habe, auß gdsten befelch 
Ihrer Drlt. dem 111. "'^ et Rev.°^° sig. Vescouo die Cordoua, (so bey 
den Capucineren losiert) vnd mit dem Ser."^° Gran Duca herauß 
komen wäre. Ich den Schreibtisch gezaigt, [desgleichen dem 
Secretär Johann Balthasar Schlegel. Würdigung von dessen 
Fähigkeiten^ 

[Fol. 307 V.'] Adj 29. Aprilis, haben Ihre Drlt. den Eliam 
Racholdinger, mit vnl3 nach Hall reuten laßsen, da es dann in 
dem thaal Zwischen den bergen sehr lustig, vnd wol gesagt mag 
werden : 

lauda il monte, et tientj al piano : 
lauda la guerra, et tientj alla pace; 
lauda il mare, et tientj alla terra. 

Vnder wegenn haben wir den newen weeg (den Ihre Drlt. 
von Ynßprugg auß, gerad auf Hall zue, für sich vnd fürsten per- 
sonen hawen vnd bahnen lassen wollen) auch das klaine kirchlin 
Loreto (dahin Ihre Drlten dato gewahlfahrtet sein) besehen. 

[Fol. 308 r.\ Zu Hall aber erstlich beschawet, die Saltz 
Pfannen ^), deren 4 sein, vnd seüdet man alle wochen in zwo 
pfannen, in ieder 1598 fueder saltz, wöchentlich 2 pfannen, die 



1) Die Saline von Hall ist bekanntlich auch heute noch von großer 
Bedeutung. 

Modelle des Haller Salzbergwerkes und der zugehörigen Gebäude, dem 
17. Jahrhundert entstammend, befinden sich im ersten Stockwerke des Hoch- 
schlosses zu Ambras, Saal 8, Nr. 10 — 19. Vgl. Ilg und Böheim pag. 118. 



— 90 — 

Jenige so man aine wochen gebrauchet hat, lasset man die andere 
Wochen ruhen. 

Der Saltzberg ist auff ain meil wegs von der pfannen, in 
welchem dreyhundert personen : bey der pfannen aber 180 per- 
sonen, (vnder denen 24 schmide sein) täglich arbaiten. 

Zur probation des sauren vnd süessen wassers, hat man 
aine waag, die sihet gleich wie ain metalliner Zapffen, den wirfft 
man in das wasser, so es säur ist, so schwimt die waag veber 
sich, so das wasser aber sües ist, so feit es gen boden. [ Weitere 
Beschreibung des Betriebes. [Fol. 309 r.'] . . . 

Von der Pfannen sein wir gangen in die müntz ^), so gar 
ain weitleuffes gebew, vnd alle werckh an die wasser gerichtet 
sei, hat vnderschiedliche stantias alß : 

Aine gieß Cammer. 

Aine glüe Cammer. 

Aine weisse Cammer, in welcher man [Fol. 309 v.] die Zän 
vnd ruten waiß seudt. 

Cammeren, darinen das streckh : vnd breegwerckh ist. 

Aine durchschneid stuben, auf zehen kreitzerer vnd ander 
klain gelt. 

Aine thaler durchschneid stuben. 

Aine breegstuben, auf Ducaten, groschen vnd klaine müntz. 

Aine Cammer, [darinen das Drehwerckh] -) zum wellen 
abdrehen. 

Aine schmittin. 

Aine Schlosser werckhstatt. 

Aine Probierstuben, mit eingefasten stüblin, darinen der 
contrerolleur sitzet vnd dargegen probieret. 

Aine eisen vnd Stahlschneider stuben. 

Nach der Müntz haben wir gesehen das Stättlin Hall, wel- 
ches ain wenig an ainem berg ligt, vnd bergächtig, schön vnd 
wol erbawet ist, ^) 



'j Hainhofer hatte im nächsten Jahre Gelegenheit, diese Münze mit der 
zu Dresden zu vergleichen, was nicht völlig zu Gunsten der letzteren ausfiel. Vgl. 
unten Dresdener Relation. Fol. 397 v, 

2) Fehlt in J. 

^) Es ist bedauerlich, dass Hainhofer keine Beschreibung der damals im 
Betriebe befindlichen Glashütte von Hall gibt, welche ihn als Augsburger besonders 
hätte interessieren müssen, da sie von seinem Landsmanne Vitl gegründet war. 



— 91 — 

\Fol. BIO r.] Am haimreüten habe Ich mich bey vorge- 
dachtem newen weeg, den Ihre Drlt. nach Hall wollen machen 
lassen, \a7i mancherlei Geschichten von schlechten U7id guten 
Wegen erinnert. Letztere lernte Hainhofer besonders 1617 in 
Pommern kenne^i^ dannenhero vil durchraisens auf derselben 
Strassen zu Stettin giebt, so wol alß zu Ynßprugg auch vil 
durchraisens nach Italia, vnd herauß ins Deutschland ist, . . . 

\Fol. 310 vi\ Vmb 2 vhren sein wir wider gen Ynßprugg 
kommen, Ihre Drlt. in die ^^esper beglaitet. Vnder wehrender 
Vesper, hat mich Ihrer Drlt. Cammermahler, il sig^ Martino 
Theophilo ^) (ain geborner Polack) in seine werckhstatt geführet, 
vnd erschiedliche quadri von Niderländischen maisteren, auch 
Landschäfftlen vom Ludovico di Treviso -), Item des Ertzhertzogs 
vnd der Ertzhertzogin Conterfette, lebensgrösse, mit der Jungen 
princessin, (so Ihre Drlt. an der band führen, vnd nach Florentz 
solle geschicket werden) auch hochgedachtes fräwlin in ainem 
sesselin sitzent; sonderlich aber ainen gar grossen altar, daran 
er mahlet, gezaigt ; mir ainen trunckh vnd Confect angepresen- 
tirt, vnd mich gebetten, Ihne mit vnserem Luca Kiliano^), jetzt 
im Reich, (seider Aegidius Sattler zu Praag tod) dem vor- 
nembsten kupferstechere vnd Conterfettere, bekant zu machen 
vnd ist diser Martinus gar ain gut ^ländlin. 

[Fol. 311 r.] Alß auß der Vesper Ihre Drlt. wir wider ab- 
holleten, fragten mich Ihre Drlt. : wie mir Hall gefallen ? was 
Ich alda gesehen hab ? Deren Ich vnder thänigste gute relation 
gethan. 



Zeiller berichtet darüber: «Nahe bei dieser Stadt hat es auch ein Glaß- 
hütten, in dern man mancherley schönes Glaßwerck, insonderheit aber viel Fenster- 
scheiben machet. Das groß Fürstliche palatium allhie hat Keyser Ferdinandus I. 
erbaut, damit seine Kinder darinn möchten erzogen werden. Daran ein sehr 
schöne Kirch ist. sampt dem Frawen Closter, so auch allerhöchstgedachter 
Friedliebende Keyser herrlich hat erbauen lassen : darinn ein köstlicher Schatz, 
auch andere schöne von den Ertzhertzoginnen gemachte Sachen zu sehen sein.« 
Einige Erklärung zu Hainhofers und Zeillers Berichten gibt die Abbildung von 
Hall bei Merian, Top. prov. Austr. neben pag. 139, welche indes Abweichungen 
aufweist. So liegt z. B. die Münze dort keineswegs am AVasser. 

') Sonst nicht bekannt. 

^) Sonst nicht bekannter Künstler. 

3) Der bekannte Kupferstecher zu Augsburg, Freund Hainhofers. A'gl. 
über ihn Xagler, K.-L. VII, 9 ff., sowie P. v. Stetten, Kunst-, Gewerb- und 
Handwerksgesch. v, Augsb. I, pag. 379, 432. II, 276. 



— 92 — 

Adj 30. Aprilis, hat man nach essens den herrn Schrencken, 
Regiments Rath, zur Erden bestattet, [Verse und Betrachtungen 
über den Tod- m lateinischer, französischer, holländischer und 
italienischer Sprache?^ 

[Fol. Sil V.] Alhier zu Ynßprugg, hat man mir aines 
Achzehen Jahr lang kranckh gelegenen Küstlers hauß gezaiget, 
dem Ich offt von Augspurg Allmuesen hinein geschükht habe . . . 

[Fol. 312 r.] . . . Disen tag 0, alß an Philippi tag, hat 
mich meiner haußfrawen tochter, Junckfraw Maria Streemayrin, 
mit ainem schönen krantz angebunden. Bey hof hat man, (zu 
freuden dem külen May, das er bring ein gutes geschrey) auf 
allen tischen Mayen milch vnd butter gespeiset. Welcher ge- 
brauch vom Hertzogen Sigißmund von Österreich herraichet, der 
zu hof, auff die Regierung vnd Cammer gestifftet hat, das im 
monat Mayo allewegen ain Tag vmb den andern [vormittag 
nach vollendtem Rath]-) so wol den Räthen, alß auch in den 
Cantzeleyen Mayenmilch mit butter vnd 2 semlen broth für Jede 
person durch den gantzen monat May geraichet werden solle; 
vnd setzet der Tyrolische Cantzler, herr Melchior Geyer ^), nit auß 
Obligo, sonderen ex cortesia, von dem seinen allezeit 2 grosse 
becher mit special wein darzue auf, die tumpel milch mit hinunder 
zu liehen. 

[Fol. 312 v.'] Veber der mahlzeit hat der furier den Cammer- 
herren vnd cavalieren auf 2 Vhren in die Vesper : Darnach zum 
schiessen angesagt, vnd Ihre Drlt. [wie Sie am morgens auß der 
Kirchen gangen]^), mir gdst. befohlen, nach eßsens auffzuwartten, 
dann Sie gern mit mir conversieren wolten. Welches Ich fleissig 
gethan, das prandium desto kürtzer gemacht, vnd alß Ich er- 
schinen, sagten Ihre Drlt., Sie musten mich auch was schönes 
sehen lassen, rufften Ihrer herzliebsten fraw gemahlin, vnd gehen 
wir dreye auß dem ruhelust veber die gänge in die Alte bürg 
zum Schatz gwölb. Daselbs der Schatz Cammerer Caspar Griessa- 
wer aufgewarttet ; vnd ist dises gewölb rundsherumb voller 
Kästen, mit fürgezogenen vmbhängen, vnd vnder anderen dingen 
darin zu sehen : Vn bei Crucifisso di brunzo, della man di Gio : 



') Am 1. Mai. 

2j Fehlt in J. 

'j Über dessen Familie vgl. Zedier, Univ.-Lex. X, 1403. 

4) Fehlt in J. 



— 93 — 

Bologna, welches von Silber nachgemacht worden, das Original 
vnd die copia beysamen lainen. [1 ital. P^ers.] An den Wänden 
herumb hangen allerhand [/t?/. 313 r.] gemähl vnd täfelen von 
vnderschiedlichen maisteren von öhlfarben vnd von miniatur auf 
Florentiner stain, auf agaten, alabastro Romano, lapislazolj ge- 
mahlet, vnd auch von stainen eingelegt. Der Königin in Franck- 
reich, vnd Zwayer Frantzösischen Princessinen Conterfette. In 
einer guldinen büchsen, der Ertz vnnd Großhertzogin Mariae 
Magdalenae ^) vnd der Groß : vnd Ertzhertzogin Claudiae Conter- 
fete, bey Jener mit dem motto : 

Sempre rara beltä punge e ferisce. 

bey diser mit dem motto : 

di silentio et di fede son amico. 

Ferners von miniatur von Huperto Goltzio -) gemahlet, die 
Epiphania. 

2 Indianische gaistliche täfelen, auß federn gemacht, alß 
wanns gemahlet weren ^). 

Vnderschiedliche gantz guldine geschürr, handbeckhiner, 
gießkanden, perline schnüren vnd grosse perlen in guter anzahl. 

Aine getribne gantz silberne rüstung, so Ihre hochfrl. Drlt. 
im x\ufzug bey Ihrem beylager am leib geführet haben. 

[Fol. 313 V.] Aine Christalline in gold gefaßte Galleren. 

Ainen in gold gefassten schönen Vogl von Cristal. 

Ain grosser guldiner Juden ^) meelring, so auffgehet ^). 

Etliche kostliche hutschnüeren, thails von Demanten, thails 
rubinen. 

Aine gantze wanth voll kleinother vnd ring, von Demanten 
[rubinen] *')? schmaragden, saphiren, darunder ain grosser Demant, 



^) Geb. 1589, Gemahlin Cosmos II. von Medici, ■\ 1631. 

2) 1526(?)— 1583. Vgl. Nagier, K.-L. V, 271 f. 

3) Derartige Bilder aus Federn, vielleicht sogar dieselben beiden, von denen 
Hainhofer hier spricht, befinden sich im Wiener Hofmuseum, Saal XXIII, Vitrine IV 
Nr. 24. 25. Ein in gleicher Weise ausgestattetes liturgisches Gewand (spanisch- 
mexikanische Arbeit), daselbst unter Nr. 48. Vgl. auch Quellenschr. N. F. VI, 
pag. 199. 

*) türkischer. J. 

5) Meelring oder Mähelling ist der Brautring. Westenrieders Beitr. IX, 
294. Schmeller-Fromm. 2. Aufl. I, 1580. 
<^) Fehlt in J. 



94 — 



so ^— taller werth sein solle. Darbey Ich deß schönen Ravs:er- 
kopffs gedachte, von grossen Demanten gemacht, den der Churfürst 
in Ba3."ren hat. 

Ain stainin holtz. 

Ain schlangen Cron. 

Ain gar grossen Persischen pezoar. 

Ain schön Jägerhorn, auß 1 stuckh ainghürn in gold 
gefasset. 

Ain gantz guldines Crucifix. 

Grosse sternstein. 

Jaspine : | 

Agatine : \ geschürr. 

Amatistine, J 

12^) silberne vergulte Confett schaalen, in forma [Fol. 314 r.] 
naviculae, mit durchgebrochenen rösten oder gätteren, damit nit 
zuuil Confect drein gehe. 12 andere vergulte Confectschaalen, 
mit wurtzelstammen vnd nästen, -) da allezeit 3 muschlen, wie 
trifolium auf ainem stamen beysamen, vnd auf disen 12 stammen 
36 schaalen seind. 

Aine gute anzahl pater noster oder Rosenkranz von Carniol, 
corall, ambra, Augstain, Jaspis, Agat, Hiacint, türckes vnd 
dergleichen. 

Indianische vnd Türckische geschürr in ain kästen. Ain 
kästen voll Porcellaniner geschürr. 

Spannische rauchkertzlen. 

Bologneser bisamsaiffen in schächtelen. 

Ain Rinozero hörn, wie ers auf der nasen hat. 

Ain geschürr auß Rinozero hörn. 

Ain Schachtel voll gedigen silberertz, welches im bergwerckh 
zu Marienkirch ^), im Elsaß gelegen, gebrochen wird, vnd haben 
Ihre Drlt. mir auch 1 stücklin dessen, 7 loth schwer, gdst. in 
mein kunstkamer verehret. 

Ain kästen voll helffenbainine künstlich gedrehte Sachen, 
darunder auch, was Ihre Drlt. gedreht haben. Ain künstlich 



'j 18. J. 

2) d h. Ästen. 

^) Marienkirch im Elsass existirt heutzutage nicht. Es ist wohl Marienthal, 
der berühmte Wallfahrtsort bei Hagenau gemeint, dessen 1789 säcularisiertes 
Kloster 1257 gegründet worden war. 



— 95 — 

helffenbai- \Fol. 314 v.\ nin Crucifix, so Ihrer Drlt. zu Rom ver- 
ehrt worden. 

Aine Persianische rüstung, mit Türckes vnd rubinen versetzt. 

Ain großer Schreibtisch, darinen aine Schubladen voller 
guldiner buglen auff klaider. 

Ain Schubladen voll Cristalliner knöpff, nestl, halß vnd 
keelbänder, mit gold darzwischen. 

Aine Schubladen voll guldiner rosen auf klaider, mit demanten 
vnd rubinen versetzt. 

Aine Schubladen mit schönen aufsetznadeln. 

Huetschnüren von Demant. 

Aine alte Kay.^ ^) silberine gürtel. 

Ain Chimisches Christallin Creütz, mit drachenbluet äderlen 
darinnen. 

Ain silberiner baur, von Gio : Bologna gemacht, Zu ainem 
nachtliecht vnd vhr Zu gebrauchen. 



ö' 



Ain guldinen \ 

Ain Silbernen \ Schreibzeug. 

Ain Agatinen j 

Silberne durchbrochne fruttiere vnd guantiere. 

Ain gemahltes silbernes mändlin, dessen brustharnisch von 
perlenmueter ist. 

[Fol. 315 r.] Aine eisine damaschenische truhen, mit edlen 
stainen versetzt. 

Ain guldinen pfenning von gold, so groß, wie ain teller, 
ist x\lbertj Ducis Bavariae-) vnd Annae Archiducissae Austriae^) 
Conterfette, mit A° 1558. darob. 

Ain trinckhgeschürr von Eselklawen. 

Ain gantz guldines Cruciiix, dessen oben auf dem Altar in 
der Ritterstuben gedacht worden. 

Etliche kunstliche getribene silberne vergulte handbeckhiner. 

Ain kästen voll schöner vhren vnd Mathematischer Instru- 
menten. 

Ain kästen voll waidhoren, daschen, lueder zur Falckhnerey, 

falckenhauben, Schnecken, so waidhorn zum anblasen geben. 



') d. h. Kaiserliche. 

2) Herzog Albrecht von Baiern (Albr. Y. ?) 1528—1579. 

3) Erzherzogin Anna von Österreich 1549 — 1580. Gemahlin Philipps II. 
von Spanien? 



— 96 — 

Ain löffel fueter von Jaspis. 

Ain klainoth mit buchstaben. C. S. mit dem Österreichischen 
Wappen vnd hertzogs hüethn, von demant vnd rubinen. 

Vnser L. frawen bild, bey Jühch in ainem bäum gefunden. 

Ain Crucifix von Corall. 

Vnd ist in diesem gewölb ain grosser schätz \Fol. 815 v.\ 
vnd köstHchait von gemmis, pretiosis lapidibus, auro, argento, von 
picturis artificiosiss : et naturahbus rebus, die Ihre Drlt. mir alle 
Selbsten gewisen, die Ertzhertzogin beym tisch gesessen vnd vns 
zugesehen. 

Vnd weil der herr obriste Cammerer, Ihre hochfürstl. DDrlten. 
in die Vesper abgehollet, haben Sie dem Caspar Schatzmaister 
beuohlen, Er soll mich noch weiter im gewölb vmb sehen lassen, 
vnd dann weiter führen, dann Ihr, sagten Sie subridendo, doch 
ohne das nit gerne in die kirchen gehet. 

Wie Ich auß dem gewölb komme, warttet der Ertzhertzogen 
guarda robba, il sig \ Mario auf mich, führet mich in das Frawen- 
zimmer vnd in der Ertzhertzogin gemach, er bleibt heraussen, 
vnd wie Ich allein hinein gehe, so sitzen zwo Italianische Frawen, 

Jede auf ainer seitten beym tisch, wie Ich zum tisch hinan 

komme, vnd dise 2 frawen salutiere, so weisen sie mir 
[^FoL SIC r.] Ihrer gdsten frawen, der durchleuchtigsten Ertz- 
hertzogin Clinodia, mit denen der tisch gantz veberlegt war, vnd 
trefflich alles vnder ainander schimmerte vnd funcklete, vnd lagen 
daselbst : 

Drey schöne perline kettinen. 

Ain gar künstliche artige kettin von türckesen, tiach in 
gold getruckht auf damaschenische Art. 

Ain seckhel oder beütel mit demanten gestickht. 

Aine demant schnür vmb den huet. 

Aine feder von demant vmb den huet. 

Etliche vnderschiedliche schöne demantklainoter, wie rosen, 
nestel, vnd dergleichen. 

Haarnadlen von demanten. 

Ain halßband von rubinen. 

Ain halßband von demanten. 

[Aine kettin von rubinen. 

Schöne ohrenbeheng von demanten] ^). 

«) Fehlt in J. 



— 97 — 

Schöne demantring. 

Ain Vehrlin in guldinem geheuß ^), mit demant ziert. 

Ain Keelbändlin von perlen vnd demanten. 

Ain buch mit guldinem deckhel, mit flachen türckesen vnd 
rubinen, rondeschen weis gezieret, alß wie opera mosaica, vnd 
ist dises Persi- {Fol. 316 t'.] anische arbeit, alß wie gedachte 
türckes kettin. 

Ain geschriben bettbüchlin in guldinem deckhel, voller demant. 

Guldine knöpff auf ain wammes, voller demant blumen auf 
klaider, voller demantlen. 

L'offitio della madonna, in guldiner coperta. 

Ain grüen geschmeltzte schreibtafel, vnd 

Ain grüen geschmeltztes seckelin, mit demantlen ziert, ist 
frantzösische arbait. 

Haarbänder vnd aufsätz von demanten. 

Ain Ventulin mit demanten ziert. 

Ain guldines trühlin mit perlen versetzt. 

Ain Frantzösisches guldines bstecklin oder schaidlin, mit 
scheerlen vnd messerlen, voller demantlen. Vnd dergleichen ding 
mehr von grosser köstlichait, da Ihre Drlt. Immer mit dem nutz 
vnd der zier abwechslen könden. \Hainhofer erhält eineji schönen 
silbernen Handsfein geschenkt?^ 

{Fol. 317 /-.]... Alß Ich auß disem zimmer kommen, hat 
herr Caspar auf mich gewarttet, vnd auß Ihrer Drlt. beuelch mich in 
Ihre bibliothec geführet, darinnen Sie mehrerthails nur Ihre bett- 
bücher, brevier, vnd die Jenige büecher haben, in welchen Sie etwan 
zu lesen pflegen, auch die Jenige bücher, die etwan frisch gekaufft, 
oder dediciert werden, auch etliche mappas. Vnder disen bücheren hat 
mir am bessten gefallen der Deürdanckh in folio, auf pergamen 
schön geschriben vnd gemahlt, vnd ist diser Deürdanckh in duplo 
verbanden, da Ich dann, den zehen gebotten ohne schaden, das 
aine exemplar (ad imitationem S^/ Martinj, der seinen mantel 
entzway geschniten) mir in meine bibliothec, vnd Ihrer Drlt. ain 
ander schön buch an die statt wunschete. Der Nassawische 
lorberkrantz oder Triumphwagen ist auch da. Item der Greuel 
der verwüestung -), den der Doctor Hippolitus Guarinonius 

ij creutz, J. 

■2) Der vollständige Titel lautet: Greuel der Verwüstung menschlichen 
Geschlechts in sieben Büchern, Ingolstadt 1610, fol. Vgl. Sincerus, neue Nachr. 
Ouelleuschr. X. Bd. 7 



— 98 — 

\^Fol. 317 V.'] der hochgelobten Junckfrawen Mariae vnder fol- 
gendem titulo gedediciert: 

Der Allerhailigsten, großmächtigsten vnd vnüberwündlichsteh 
Fürstin vnd Frawen, frawen, Junckfrawen Mariae, gekrönten 
Kayserin des himmlischen Reichs, großherscherin der 9 Eng- 
lischen heerscharen, gebornen Königin zu Israel, Churfürstin des 
gelobten H. Landes, Fürstin auß Juda, triumphierenden zer- 
knirscherin der alten schlangen, Sigreichen verwuesterin der 
ketzeren. All ermächtigsten frawen der gantzen weit, Junckfräw- 
lichen gespons vnd mueter des allerhöchsten etc. meiner, nach 
Gott, allergnädigsten Kayserin vnd frawen. 

Die vnderschrifft diser dedication ist, wie volgt : 

Deiner Junckfräwlichen Kay: May" Vnder aller vnderthä- 
nigstes, allerdemüetigstes, aller verworffnestes Knechtlin. 

Hyppolitus Guarinonius. 

An diser bibliothec ist aine Altanen, so vor der zeit ain 
gartten war. 

Von hinen sein wir gangen in Ihrer Drlt. Rüst- \_Fol. 318 r.'] 
Cammer, In welcher hangen: 

Schöne Stähel vnd büchsen. 

1 schöner künstlicher maaßstab. 

1 muscheten gabel mit ainer wehrklingen darin, Stachelstäbe 
in das Gebürge. 

1 Indianischer rohrstab, mit ainer fischrueten, steckhen 
3 röhr in ainander, die sich immer zuespitzen, 17 schuch lang, 
also gewachsen, vnd so ring, samb ^) ainer nichts in der band habe. 
Indianische Dolchen, mit Idolj auf den hefften. 

Zigeuner messer. 

schöne säbel. 

König Matthiae in Vngarn wehr, die Er gebraucht, alß die 
Böham vor wien gelegen sein. 

Ain Schweytzer Degen, mit Calender drauf. 

Ain henckersschwert, mit welchem der Obrist Rame ist 
gericht worden. 

1 silbernes Creutz an Spanischer klingen. 

Graf Ernst Manß felders wehr. 



von raren Büchern pag. 126. Guarinonius war Physicus des Stifts Hall im 
Innthal und der Stadt Steyer. Jöcher, Gelehrten-Lexikon II, 1646. 
') d. i. gleich als ob. 



— 99 — 

klaine feldstückhlen. 

Vil schöner pistollen, vnder anderen 2 pistolen, deren schafft 
mit silber zierlich eingelegt, künstlich gestochen ^) vnd gear- 
baitet sein. 

S^Fol. 318 V.'] 2 andere schöne pistollen sehr fleissig gear- 
baitet, von M. Christoff Fuchsen-), kosten 100 Reichstaler. 

Vnd ist von dises maisters band, auch Ihrer Drlt. Insigels- 
stöckhlin gemacht worden. 

Etliche schöne mußketen : zillrohr: zogne röhr: schröttrohr: 
schöne terzera, gar künstlich mit silber eingelegt, die schloß vnd 
röhr so sauber von eysen gemacht, das sie kain goldschmid 
sauberer machen kan. 

Ain schönes schloß, so sich ohne Ainen spanner spannet. 

2 künstliche schloß auff ain andere manier, die sich selber 
spannen, vnd wie ain spiegl gläntzen ; treffliche schöne vnd 
künstliche spanner. 

In disem zimmer stecken auch der furier fähnlen, so sie 
Ihrer Drlt. zum newen Ihar geben ; Ihrer Drlt. Ertzhertzogen 
Leopoldj Coraz rüstung, die Sie haben vor Wienn, in der 
Böhemischen belägerung, geführet, welche beschaffen, wann man 
die gürtel aufthut, vnd vornen den herabhangenden Quasten an 
sich zeucht, so fällt die gantze rüstung vom leib, vnd ist dahin 
bequem, wann mit ainem geharnischten mann ain pferd zu fallen 
[Fol. 319 a] kompt, oder vnder Ihme erschossen würdt, 
vnd das er sich zue fueß wehren muß, das er der rüstung 
geschwind loß vnd zum kampff desto ringferttiger werden kan. 

In ainem anderen zimmer sein fueßeysen in das gebürg zu 
steigen. 

Schneeraiff, die man im wintter braucht. Ain hultziner fueß, 
das perspectiv röhr vnd tubum Galilaeanum darauf zu legen 
zum ab : vnd in die weite zu sehen. 

In der Jäger Cammer, ist ain gestrickhter seidiner zeug, 
darinnen Ihre Drlt. (wann Sie den gembsen hoch nachsteigen 
wollen) sitzen, vnd von 6 bauren, tanquam per suffulcrum 
& adminiculum) auf Jeder seitten von 3 bauren vnd steigeren 
hinauff gezogen werden, darmit Ihre Drlt. mit an den rucken 



^) vnd die schloß auch nach dem schönsten gestochen. J. 
2) Sonst (auch bei Demmin) nicht bekannt. 

7* 



— 100 — 

schlagen, vnd gehen Ihre Drlt. gleichwol ob Ihren fueßeisen fort, 
mit sambt dem stachelstab. 

In ainem anderen zimmer ist der garn zeug, von vnder- 
schiedhchen gefärbten seidinen, den Jahrszeiten nach gerichtet, 
alß weiß in den schnee, gelb vnd grüen in das graß, auf die 
rebhüner vnd wachtlen. Klee- {^Fol. 319 v.^ garn für die fisch. 

Alß wir nun dises alles besichtiget, sein wir zum schiessen 
gangen auf die prateriam, welches schiessen Ihre Drlt. gehalten, 
ainen silbernen \'ergulten becher aufgeworffen, Sie selbst, sowol 
alß Ihre Fr : gemahlin, mit geschossen, vnd wie das schiessen 
vollendet, Selbsten die gewinneter außgethailt, vnd hat Jedermann 
bey hof mit schiessen mögen. [^Gespräche. Aufrichtung eines 
Aiaibaums^ 

Adj 2. May, hab Ich in der hof: oder barfüßer kirchen, 
die 28 schöne, gar grosse, vnd künstliche bilder di brunzo 
besehen, welche 28 Fürsten \Fol. 320 r.] vnd Fürstinen vom 
hauß Österreich repraesentieren, vnd in disem metall vil gold 
stecken mag ^). Alß : 



') d. h. es mag wohl sehr theuer gewesen sein. 

Die von Hainhofer gegebene Aufzählung der 28 Statuen am Max-Grab 
ist geeignet, seinen Berichten gegenüber zur Kritik zu mahnen. Erstens nennt er 
die Figuren wirr durcheinander, zweitens begeht er eine ganze Reihe mehr oder 
weniger grober Fehler : 

1. Maximilian I. kann natürlich, dem Zwecke der Figurenreihe entsprechend, 
nicht als Leidtragender neben seinem eigenen Grabmal stehen. 

2. Friedrich IV. ist nicht der Kaiser, sondern der »mit der leeren Tasche«, 
Graf von Tirol. 

3. Sigismundus ist nicht Kaiser, sondern Erzherzog. 

4. Karl V. kann als Nachkomme Maximilians in dieser Reihe überhaupt 
nicht vorkommen. 

5. Rudolf von Böhmen, König Chlotar, König Sigebert kommen ebenso- 
wenig vor. 

Hainhofer benennt also 2 Personen halb, 5 ganz falsch und diese letzteren 
verwechselt er mit den nicht von ihm genannten : dem Ostgothenkönig Theodorich, 
Herzog Theodebert von Burgund, König Arthur von England, Graf Rudolf von 
Habsburg und Markgraf Leopold dem Heiligen. Hainhofer begeht ferner die 
Ungeschicklichkeit, zwei Figuren (Wladislav und Erzherzog Ferdinand) hineinzu- 
mengen, von denen er selbst weiß, dass sie nicht hieher gehören. Endlich ist 
ihm ein Vorwurf daraus zu machen, dass er nichts über die Verfertiger dieser 
Bilder, besonders Peter Yischer, sagt. Alle diese Nachlässigkeiten lassen sich 
nur so erklären, dass Hainhofer nicht immer an Ort und Stelle seine Notizen 
machte, sondern dass Fälle vorkamen, wo er sich auf sein Gedächtnis verließ, 



— 101 — 

Fridericus III. Pulcher. Imperator. 

Maximilianus. I. Imp. 

Fridericus. IUI. Imp. 

Albertus. IL Imp. 

Ernestus ferreus Archidux. 

Philippus. I. Hisp : Rex. 

Leopoldus probus Archidux. 

Albertus sapiens Archidux. 

Albertus. I. triumphator Imp : 

Rudolphus. I. Imperator. 

Clodoveus. I. Gallorum Rex. 

Ferdinandus. ^^ Arrag : Hisp : Neapel : Rex. 

Carolus Dux Burgundiae. 

Sigismundus Imperator. 

Carolus. ^^ Imperator. 

Godefridus Billioneus Hierosoljmit : Rex. 

Philippus Dux Burgundiae. 

Rudolphus Rex Bohemiae. 

Clotarius. I. Francorum Rex. 

Sigibertus. I. Metensis Rex. 

Vladislaus Hunga : Bohemiae Rex. Diser stehet im zeüghauß. 

Ferdi- \_Fol. 320 v.'] nandus Archidux Austriae. Diser ist 
oben in der schönen Cappelen. 

Johanna, Philippi Hisp. Archid : Austriae Vxor. 

Elisabetha, Regis Hisp : Ferdinandj vxor. 

Maria, Maximilian]. I. vxor prior. 

Bianca Maria, Maximilian]. I. vxor altera. 

Margaritha, Johan : Arag : et Philib : Sabaud : vxor. 

Kunigundis, Alberti Briorum Ducis, vxor. 

Leonora, Fridericj. IUI. vxor. 

Cymburgis, Ernestj Archid: Aust:^^ vxor. 

Elisabetha Albertj. I. vxor.J 

Mitten zwischen disen bilderen stehet Kayser Maximyiliani. I. 
monumentum, vom Alexandro Collin sculptore^), künstlich in 



welches ihm nicht immer in gewünschter Weise treu blieb. — Das gesammte 
Namensverzeichnis fehlt in J. 

^) Alexander Colins, geb. zu Mecheln 1526, kam 1563 nach Innsbruck, 
t 17. August 1612. Xagler, K.-L. III, 42 ff. 



— 102 — 

Alabaster gehawen, mit seiner Kay: May." rebus gestis, vnder 
welchen Jeder mit guldinen buchstaben auf schwartzen stain 
stehet, wie folgt ^) : 

Imp : Caesari Maximiliane, pio, felicj, Avo principi, tum pacis, 
tum bellj artibus omnium setatis suae Regum longe clarissimo, sub 
cujus felicj Imperio inclyta Germania dulcissimae pacis patriae, 
tum armis, tum literarijs studijs, plusquam ante hac florere, 
caputque super alias nationes extollere ccepit. Cujus in- 
\Fol. 322 r.] ^) signia facta tabellis inferioribus, quamvis sub 
compendio, expressa conspiciuntur. Imp. Caes : Ferdinandus, pius, 
felix, Augustus, Avo paterno perquäm colendo, ac bene merito, 
pietatis atque gratitudinis ergo. P. natus est XXV. Martij Anno 
Dominj M.CCCC.LVIIII: obijt, Anno M. D. decimo nono, mensis 
Januarij. 

I. 

Matrimonio cum Maria, Potentissimj Burgundiorü Ducis 
Carolj lilia, contracto, oppulentissimae Belgarum Sequanorumque 
dictiones Austriacae Domuj adjectae. 

IL 

Fuso ad Guynegatam, vicum Gallorum, qui ex triginta 
millibus hominum constabat, exercitu, magna pars Hannoniae 
vna cum Imperialj urbe Cameraco recepta. 

III. 

Atrebatum Arthesiae Metropolis, quae antea Gallorum 
armis cesserat, egregio stratagemate per nocturnas insidias, 
deceptis hostium custodijs, in potestatem redacta. 



') Hainhofer zeigt sich mangelhaft unterrichtet, insofern als er nicht weiß, 
dass 4 der Reliefs von Gregor und Peter Abel aus Köln stammen (Xr, 21 — 24). 
Über sie, die zuerst die Aufgabe hatten, sämmtliche Reliefs des Max-Grabes 
anzufertigen, vgl, Müller-Singer, Allg. K.-L. I, 2. Über Colins vgl. Nagler, 
K.-L. III, 42 ff. Müller-Singer I, 271. Über die gesammte, vom Erzherzog Fer- 
dinand beschäftigte Schar von wissenschaftlich und künstlerisch hervorragenden 
Männern : Sacken, die k. k. Ambraser Sammlung pag. 24. [Über die Geschichte 
des Max-Grabes vgl. den Aufsatz von Dr. v. Schönherr im Jahrb. der kunsthist. 
Samml. d. A. H. Kaiserhauses. Bd. XI, 140 ff. 

2) Daneben auf Fol. 321 r. Brustb. des Alexander Colinius Belg. Sereniss. 
Ferdinandi Archid. Aust. P. M. Statuarius. Aetat. Suae Nr. LXXIV. — Joan 
Petrus de Pomis de vimi delineavit. — Lucas Kilianus Augustanus Sculpsit. 
Kpf. in 8. Fehlt bei Drugulin. Fol. 321 v. leer. 



— 103 — 

IV. 

Vivente adhuc patre Friderico. IUI. Imp : a sacris Rom : 
Imperij electorib. in regem Rom : vnanimiter electus, ac paulo 
post Aquisgranj, adhibitis rite ceremonijs, coronatus. 

V. 

\FoL 322 v.\ Junctis cum patruele Sigismundo armis, 
Roueretum oppidum expugnatum, ac Venetorum copiae vna cum 
Duce Roberto Sanseverino ad vicum Callianum delatae. 

VI. 

Vniversa inferioris xVustrise provincia, quae vna cum Metro- 
polj Vienna in potestatem Matthise coron : inclytj Hungariae regis 
devenerat, intra trium mensium spacium recuperata. 

VII. 

Alba Regalis vrbs nobilissima, in qua reges Hungariae et 
inaugurarj et sepelirj solent, valido exercitu vincta et expugnata, 
ingensque illi regno terror illatus. 

VIII. 

Facto cum Carole. VIII. Rege Gallorum pace, Margarita 
filia vna cum oppulentissimis Burgundiae ac Arthesiae comitatibus, 
ante tempus ä Lud : XI. occupatis, recepta. 

IX. 

Turcarum ingens multitudo, quae in Croatia et Slavonia 
cuncta ferro et igni vastaverat, solius ipsius auspicijs, ac aliorum 
ope nequicquam implorata, inde ejecta. 

a 

X. 

Foedus cum Alexan : VI. Pont : Max : senatü Veneto, ac Lud : 
Sfortia initum, quo mediante Carolus VIII. Gallorum Rex Regnum 
Neapolitanum, [Fol. 323 r.] a se subjugatum deserere ac domum 
redire coactus. 

XL 

Ducta in Matrimonium Bianca Maria, Principis Mediolanj 
filia, recepto'que ä Ludovico Sfortia fidei juramento, Ducatus 
Mediolanj ad Imperij obedientiam sine sanguine reductus. 



— 104 — 

XII. 

Conciliatis inter filium suum Philippum, ac inclytorum regum 
Ferdinandj & Elisabethae filiam Joannam nuptijs, ad amplissimorum 
Hispaniae regnorum successionem aditus, posteris ipsius aptus. 

XIII. 

Bohemj, qui sororium ipsius Albertum Bavariae Ducem, 
mercede conductj, oppugnatum advenerunt, memorabilj praelio 
prope vrbem Ratisponam, plurimis illorum interfectis, superatj. 

XIV. 

Kufstainio ac Gerolzecko munitissimis arcibus expugnatis, 
-Septem insignies prsefecturae dictionj Austriacae partim adjectse, 
partim quasi post liminio quodam restitutae. 

XV. 

Arnhemio, quod primarium Geldrise oppidum, et capto Carolo 
duce Geldriae, qui Gallorum partes se- \Fol. 323 v.\ cutus rebus 
in inferior] Germania novandis semper studuerant, pax supplicj 
data. 

XVI. 

Percusso cum Julio IL Pont. Max. ac Hispaniarum et 
Galliae regibus foedere, Veneti tota propemodum continenti, quae 
in Italia possidebant, depulsi, et ad summam rerum desperatio- 
nem adactj. 

XVII. ^ 

Insignes Venetorum Vrbes, Patavium, Verona, Vicentia, vna 
cum magna Forj Julij parte, in potestatem redactae: Brixia verö 
auxiliaribus Gallorum armis expugnata. 

XVIII. 

Societate cum Julio Pont, et pagis Helvetiorum contracta, 
Gallj penitus Italia ejectj, Maximilianus que Sfortia tot jam annis 
exul, paterno insubrie principatuj restitutus. 

XIX. 

Junctis cum Henrico. VIII. Anglorum rege viribus, iterum 
ad vicum Guynegata locum, antiqua caesaris victoria fatalem, 
insigni praelio profligatus Gallorum exercitus. 



— 105 — 

XX. 

Terrouana Morinorum excisa, Tornacum verö \Fol. 324 r.] 
prisca bellicosi ac fortissimj Xervorum populj gloria insignis 
civitas, post levem oppugnationcm in fidem acceptata. 

XXI. 

Bartholomaeus Livianus, excelsi nominis Dvx, cum ingentj 
Venetorum copiarum apparatu a parva caesarianorum militum 
Germanorum ac Hispannorum manu prope Vincentiam fusus et 
fugatus. 

XXII. 

Muranum oppidum astu captum, obsidentibusque id paulö 
post Venetis eruptione inde facta, cum Paulo Manfrano & Bal- 
thasare Scipione, acerimis hostium Ducibus, feliciter pugnatum. 

XXIII. 

Conventu cum Hungariae ac Poloniae regibus \'iennae habito, 
contractisque hinc inde Matrimonijs, nepotibus ipsius via, aquiren- 
dis amplissimis Hungariae Bohemiae regnis, strata. 

XXIIII. 

Vrbs Verona, opera M. Anthonij Columnae, submissis'que 
per Guilhelmum Rogendorsiumi comeatu et subsidijs adversus 
immensam vim oppugnantium Gallorum et Venetorum strenue 
defensa. 

\Fol. 324 v.] Diser löbliche Kayser Maximilianus solle 
5 Jahr vor seinem tod, alß das schloß zu Ynßprugg gebawet 
ward^) vnd die werckhmaister in etwas ainen fehler begangen, 
zu seinem diener Matthaeo gesagt haben : Sie machen nichts, das 
mir gefällt, Ich will mir w^ol ain beßsers hauß bawen lassen. 

Liesse Ihme auch also bald selbigen tag Seine todenladen 
machen, welche Er die vebrige 5 Jahr allenthalben mit sich 



') Der Bau eines Schlosses zu Innsbruck wurde unternommen, als Friedrich IV. 
(»mit der leeren Tasche«) dort seinen Wohnsitz nahm. Zoller a. a. O. I, 126. 

Das Schloss Ruhelust war 1582 aus Holz erbaut und mit vielen Gemälden 
geschmückt. Vgl. Sacken, die k. k. Ambraser Sammlung pag. 24. Zoller, I, 346 
berichtet über seinen 1636 erfolgten Untergang. Erst 1675 wurde an seiner Stelle 
ein neues Gebäude auf dem Rennplatze erbaut (Zoller II, 10), das 1728 ebenfalls 
verbrannte. 

Über die Ruhelust und ihre muthmaßliche Lage vgl. Zoller, II, 110, Anm. 



— 106 — 

herumb geführet, zu dem end, alß Er sagte, darmit er durch 
dieselbe stets mit PhiHppo rege Macedonise 'sih.zzz, jxvr^aO-Y^Ti 
av{)-fAo-oc tov, seiner sterblichait erinneret wurde. 

Wie Er dann auch beuohlen, wann Er sterbe, das man 
seinen toden leichnam JedermenigHch zaigen solle, damit Jeder- 
mann an seinem exempel lehrne, wie wir alle, was Stands wir 
auch seyen, so vnmächtige sterbliche menschen weren, die kain 
Reich noch reichthumb vor dem tod beschützen könde. [S latei- 
nische Hexameter?^ 

\FoI. 325 r.l Es solle diser Kayser ^) noch vnbegraben ligen, 
vnd wegen grossens vncostens bißhero nicht sein nach Ynßprugg 
in sein ruhebettlin gelegt worden^). Oben auff dem tumulo knyet 
diser Kayser in Kay i^'" habit di brunzo, mit dem angesicht gegen 
dem hohen altar ^), vnd ist vmb dises grab ain gätter herumb, 
auch die eingehawene historiae mit breteren zuedeckt, welche 
deß Alexandrj Collinj Sohn, (so auch ain sculptor, vnd deß 
stephanj Cammerdieners socer ist, vnd den schlüßel zu disem 
grab hat) mir gewisen. [2 lateinische Hexameter?^ 

Von hinen hat mich diser Collin geführet in die obere 
Capell, vor welcher heraussen, vnder ainem bogen, in weissen 
stain gehawen, in der klaidung, mit ainem schlair fechlin auf 
dem haupt, begraben ligt Philippina, aine geborne Welserin^) 
von Augspurg, so gar schön vnd tugentreich solle gewesen sein, 
mit diser grabschrifft : 

FERDINANDVS. D. G. Archidux Au- [Fol. 325 tj.] strice, 
Dux Burgundi«, COMES Tyrolensis, PHILIPPINAE conjugi 
charissimse, fieri curavit, obijt 28. ^) mense Aprilis Anno salutis 
M. D. LXXX. Wann man durch das gätter in die Capell hinein 
kompt, so ist darinnen ain silberner altar mit vnser L. frawen, 
vmbhero die mysteria ex Apocalipsi auf Sie gerichtet. 



') in vngarn. J. 

2) Maximilian T., der am 12. Januar 1519 in Wels starb, ist in der St. Georgs- 
kapelle der kaiserlichen Burg zu Wiener-Neustadt beigesetzt worden. 

*) Auch hier unterlässt Hainhofer die Angabe, wer das Kunstwerk geschaffen 
habe. Es war dies L. del Duca (vgl. Nagler, K.-L. III, 495). 

■*) Nicht 24, wie im J. gesagt ist. 

•^) Philippine Welser, Nichte des reichen Bartholomäus Welser, geb. 1530, 
später zur Markgräfin von Burgau erhoben, "j" zu Ambras 28. April 1580. Ihr, 
sowie das weiterhin genannte Marmorbildnis ihres Gemahls, des Erzherzogs 
Ferdinand, sind Werke von AI, Colins. 



— 107 — 

Zur rechten seilten des altars in der höhe stehet Ertzhertzogen 
Ferdinandi leibrüstung, vnden darunder in ainem bogen ist seine 
begräbnus. Er in weissen marmelstain gehawen Hgt auff ainem 
schwartzen marmore, In welchen vmbhero von färben, auch auß 
harten natürlichen stainen eingelegt sein die wappenschilt von 
Ihrer Drlt. Länder. In der maur des bogens sein in stain ge- 
hawen fünff historiae^), vnd Ihrer Drlt. patroni, alß Christus der 
Herr, S. Anthonius, S. Georgius, S. Thomas, S. Leopoldus. 

Vnden an der Capellen, ehe man die stieg hinauff kompt, 
ligt der Ertzhertzogin Philippinse hofmaisterin, die fraw Luxin-) 
begraben. [5 französische, 1 deutscher Vers.] 

Darnach sein Ihre Drlt. mit Ihrer hl. ^) frawen gemahlin 
vnd dem frawenzimmer vnd etlichen wenig Cammerherren in das 
äussere Zeüghauß gefahren, (veber welches, wie auch veber das 
Innere Zeüghauß, so gegen dem Yhn ligt, herr Gaudenz di Corrat, 
ain wackerer alter hecht, obrister Zeügmaister ist) vnd hab Ich 
alhie gesehen : 

2 grosse schlangen, Jede^) 16 schuch lang, mehr veber 
[J^ol. 326 v.] 50 stuckh vnderschiedlicher grosse, darunder 
ains mit 7 röhren vnd 7 Zündlöcheren, alle neben ainander 
[obenhero] •'). 

30 klaine stücklen, vnd werden dise geschütz alle gar 
sauber gehalten. 

In der höhe ligen vnd hangen schauflen*^) vnd schantz 
zeug. 

In den nebengemachen sein schrott kuglen, in guter 
anzahl. 

Sturmhefen, vnder das \"olckh zu werffen. Es lainen auch 
veberainander ^ muschketen, so erst von') Süll ankomen. 



') über Philippine Welsers Tod und ihr Grabmal vgl. Sacken, die k. k. 
Ambraser Sammlung, pag. 21. Hainhofer meint wohl die am Grabmal ange- 
brachten Reliefs von Colin, deren aber nur 4 sind : die Gefangennahme des 
Kurfürsten von Sachsen bei Mühlberg, Ferdinand als Statthalter von Böhmen, 
Belagerung von Sigeth und der Zug Maximilians II. gegen die Türken. 

2) Der richtige Name heißt Philippine von Loxan. 

3; d. h. herzliebsten. 

*) »am Rohr«. J. 

5) Fehlt in J. 

*) bickel, hawen. J. 

') Es ist die Stadt Suhl in Thüringen gemeint, deren noch heute blühende 



— 108 — 

2 heerwägen. 

In den 2 oberen gäden, deren ieder 130 schuch lang ist, 
sein rüstungen fürs fueßvolckh, muschketen, Schlachtschwerter ^), 
Corazze für reüter mit den bandelier, röhren vnd Pistollen, vnd 
solle man hie vnd im Inneren Zeughauß, (welches Innere 4 gaden 
hat mit waffen obainander, aber kaine grosse stuckh) ~ mann ins 
feld außrüsten könden. 

Herunden bey den heerwägen, hangt aine grosse waag. 
\^A?igabe des Körpergewichtes verschiedener Perso7ien ; daru7iter 
das des Erzherzogs 147 tt, H.s 111 tt.] 

\^Fol. 327 r.'\ Darnach sein Ihre Drlt. in die werckhstatt zu 
den werckhleüthen gangen, vnd an dem fewrwerckh (so man auf 
den ser."^° Gran Duca, vnd auf die ser.'"'' Infantin, welche gegen 
den herbst herauß kommen solle, praepariert, vnd ein Castell zu 
stürmen sein wird) arbaiten sehen 

Adj. 3. May, habe Ihren hochfrl. DDrlten, ehe Sie zur meß 
gangen, nochmahlen Ich auch vnder- ^Fol. 327 v.] thänigst die 
bände geküsset, vmb alle mir erwisene gnaden vnd guetthaten, 
gehorsamst gedancket, vom herrn Schlegel einen Paßzetul : vom 
herrn Pfenningmaister die Raißvncosten, vom herrn Füeter- 
maister ainen Vetturin mit 3 pferden, so mich vnd die mainen 
nach hauß führen solle, bekommen : {^Mittagsmahl bei der 
Frau Streemayrin, Hainhofers Wirtin. Notizen über die Stree- 
mayfsclfie Familie?^ 

{Fol. 330 r.Y) Nach dem essen, bin Ich im namen Gottes 
von Ynnßprugg hinweggeritten, wnder durch den thiergartten, 
vmb welche man aine mauren bawet, vnd ain falscher müntzer 
zur straff -^ fl. (wie man sagt) zu diser maur Zahlen muß ^). 



"Waffenfabrikation vom Ende des 15. Jahrhunderts herrührt; 1563 wurde die 

Innung der Gewehrfabrikanten gegründet. Vgl. Werther, Sieben Bücher der 

Chronik der Stadt Suhl, Suhl 1846—1847, 2 Bde. 
') piquen. J. 

*) Als Fol. 328 V. folgt das besiegelte Original des eben erwähnten Passes. 
Fol. .328 V.— 329 v. sind leer. 

^) Hier möge der Vollständigkeit halber dasjenige über die Stadt Innsbruck 
angeführt sein, dessen Hainhofer keine Erwähnung gethan hat. Ich bediene mich 
dabei der Worte Zeillcrs. (Innsbruck) ist ein schöne wolerbaute vnd mit feinen 
Häusern gezierte Statt, welche gegen dem Schloß Ambras, wie auch gegen Hall 
im Inthal keine Mauren : vnd ob sie schon gegen andern orthen drey Thor hat, 
so ist sie doch für ein offne Statt zuhalten . . . (Erzherzog Maximilian, Sohn 



— 109 — 

Nit weit daruon am berg, ist aine Capell, genant Craventer 
vnd in der höhe ain würtshauß darbey, so bißweilen zum dürren 
nast mag genent werden, weil diser würth nit allezeit proviantirt 
ist. Von hinen kompt man zu der schon obgedachten Martins- 
wandt. Seittenhalb zur lincken band, ligt das schloß Sonnenberg. 
{^Rilckreise über Zirl und Reith nach'] [Fol. 330 v.] . . . . 
Seefeld, ist ain Augustiner Closter, ^) [^Beschreibung eines dor- 
tigen Absteigequartiers des Erzherzogs. Erzählung der Wun- 
dergeschichte, als Os7üald Alilser, Pfleger auf Seefeld, anno 
1384 eine große Hostie genießen wollte ?\ 

[Fol. 333 '/-.] Folgt ein langes ReligioiisgespräcJi zzvischen 
H. nnd einem P. Genasius. Die letzten Worte lauten .•] 

Oui CHARISTVM discit, satis est, si caetera nescit, 

Qui CHARISTUM nescit, nihil est, si caetera discit. 

Welches mit des hochlöblichen Churfürsten Hannß Georgen 



Kaiser Maximilians II. liegt) allhie zu Inspruck in der Pfarrkirchen begraben, 
dessen Durchleucht ansehenliches monuraentum ich daselbsten gesehen . . . Nahe 
bei (der Jesuitenkirche) ist ein Einsidlerey, welche Ertzhertzog Maximilian von 
DuflFtsteinen machen lassen, hat ein Stüblein, Cämmerlein, Küchelein, Capellin 
vnd Vorzimmerlein, Bettstatt, Tisch, Stuel, Bänck, Altar, Bücher, Kuchengeschirr 
aber alles auffs schlechtist. Der Statthalter, ein Herr von Bemmelberg [seiner 
geschieht übrigens Fol. 304 v. Erwähnung] wohnet gleich an dieser Fürstlichen 
Burg in einem schönen palatio. Die Regierung hat ein besonders palatium vnd 
an der Cammer in der Statt stehet ein Ercker [das berühmte sogenannte goldene 
Dachl] mit einem in fewer vergulten Tach, welches Ertzhertzog Friderich von 
Osterreich, Fridle mit der lären Taschen genant, zur anzaig, daß er noch mehr 
Gelt in seiner Taschen habe, auffrichten lassen . . . Gegen vber ist das Rathhauß. 
Stephanus Pighius hat insonderheit des Ertzhertzogs Ferdinandi Meyrhoff ausser 
der Statt, wie auch den Weinkeller [er war in den Felsen gehauen, weitläufig 
und finster, eine Treppe von vielen Stufen führte in die Tiefe ; er beherbergte 
eine Menge sehr großer Fässer]. Vnd schreibet gemelter Grasserus, daß in dem 
Blumengarten am Schloß etliche wunderliche Thaten, die Ertzhertzog Ferdinandus, 
durch seine grosse stärcke hat außgericht, abgemahlet seyen. Item so stehen in 
des Ertzhertzogen Garten am "Wasser ein schön Schiff mit Kupffer bedeckt, darinn 
feine Stuben vnd Cammern. Nit weit vom Löwenhauß ist das Possierhauß, in 
welchem die Werckstätt für die Goldschmiede, Possierer, Müntzer vnd Truckwerck 
ans Wasser gerichtet sein. Der Thiergarten ist sehr groß vnd gewaltig versehen, 
vnd solle ein so grosse Bettstatt in dem Hause daselbsten sein, daß 40. Personen 
darin ligen können. 

') Die Kirche von vSeefeld, aus dem 14 Jahrh. stammend, existiert noch 
heute. 



~ 110 — 

von Saxen symbolo, so Ihi-e Churfliche Drlt. Anno IßlT. mir in 
mein raißbüchlin ^) geschriben, veberainstimmet, so da haisset : 

scopus vitae meae CHRISTVS. 

Nachdem wir nun inter coenandum allerhand fraindlich 
gespräch mit ainander gehabt, ... so haben wir laßsen rainen 
tisch machen, vnd meinem versprechen nach, sie auch was 
schönes sehen lassen, \J^o/. 336 r.\ nemlich mein hüpsches 
Stambuch, mit welchem wir die Zeit biß vmb 12 vhren in die nacht 
zuegebracht, vnd sie so viler Potentaten aigene handschrifften, 
vnd schöne mahlerey Ihr lebtag nie in ainem buech beysamen 
gesehen haben, Sie auch nit gereuet hatte, das Sie zu mir 
kommen sein, obgleich der Pater Prior gefastet, vnd nur der 
pater praedicator flaisch geessen hat. Vnd haben wir so gute 
kuntschafft mit ainander gemachet, das Sie mir versprochen, 
wann sie gen Augspurg kommen solten, das Sie mir zuesprechen 
wölten. [A/71. 4. Mai Weiterreise über den Schlossberg bei See- 
feld, Scharnitz, Mitteriwald, Partenkirchen, Farcha?it, Ober au, 
Unterkienberg, Kloster Ettal nach] [Fol. 336 v.] Oberam- 
meringen, oder Amberg -) ^/g meil, hie coenavimus vnd schnitzlen 
alhie 20 bauren in federkhüel, in nusß, in buchßlen, p. allerhand 
klaine sachen, ob wol nit von grosser Kunst, dannach zur 
bauren arbait subtil genueg. [Erzählunge?i des Gastwirtes 
daselbst.] 

Zwischen Ammeren vnd Etal steckht in der höhe ain 
Crucifix, so Stephan Krüegl hinauf gesetzt, zum gedechtnus aines 
newen weegs, den er vor 50 Jahren machen lassen. 

\ Bauerngebräuche in Ober-Avi77tergau. Am 5. Mai Weiter- 
reise iiber Untera77imergatt, Bayersoyefi, Kloster Rottenbiich'^), 
Peiting, 7iach [Fol. 337 r.\ Schongaw. ^2- nieil, ein hüpsches, wol 
erbawtes stättlin [in der höhinj ^) [Fortsetzung der Reise am 



') Dieses der AVolfenbüttler Bibliothek gehörige Reisebüchlein ist ein 
kleiner Band in Duodez, den ich vor einigen Jahren daselbst gesehen habe. 
Die Blätter sind oben mit kleinen Bildchen und Sprüchen oder Versen bedruckt, 
im übrigen zum Eintragen handschriftlicher Notizen frei. 

'^) d. i. Oberammergau, Das berühmte Passionsspiel war damals noch 
unbekannt; es wurde erst 1634 gestiftet. Vgl. Ed. Devrient, das Passionsspiel 
zu Oberammergau, Berlin 1851. 

^) Vom dort befindlichen Kloster erzählt Hainhofer nichts, obgleich er es 
in dem hier ausgelassenen Texte erwähnt. 

■*) Fehlt in J. — Hainhofer berichtet nichts davon, dass damals in Schon- 



— 111 — 

6. Mai zvegen der ditrch die MansfeW sehen Soldaten dro- 
hende7i Gefahr auf ei^iem Floß. Der Kutscher wird heim- 
gesandt. Unterwegs Erzählung vo7i allerlei Schnurre?i.\ 

[Fol. 338 r.] Vnd mahnet mich diser floß etlicher massen 
an die Padouanische barchen ^), in denen es auf der fahrt nach 
Venedig auch allerla}' leüth vnd discurs abgibt. 

Zum Raamenkessel, ist 2. meil. 

Landsperg, 2. meil, stättlin ; hie hats aine würen^), vnd 
steigt man ab, last den floß hindurch wischen. [ Weiterreise über 
Stadel, Hörn, Haustette7i nach Augsburg.] Nachmittag vmb 
2 vhren, sein wir, Gott sey ewiges lob vnd danckh, widerumb 
glückhlich vnd wol bey den vnseren zu Augspurg ankommen, 
vnd erfrewdich gehört, das die pestis alhie, Gott lob, fast nach- 
lasset, vnd der pasß gegen Bayren, täglich solle eröffnet werden. 

[Zu7n Schluss Segenswiinsche für Deutschla^id, den Erz- 
herzog und Hainhofer selbst.] 



gau eine lebhafte Fabrication mit Musikinstrumenten, besonders Lauten, betrieben 
wurde. Noch heute ist der Instrumentenbau dort in Blüthe. 

') Hainhofer hatte diese Barken kennen gelernt, als er in seiner Jugend 
in Padua studierte. Vgl, seine Lebensbeschreibung im Nachtrag der Allgemeinen 
Deutschen Biographie. 

2) Würen, der AVüer = der zum Ableiten des Wassers erbaute Damm. 
Schmeller-Frommann, bair. Wörterbuch. 2. Aufl., II, 980. Im niederösterreichi- 
schen Dialect die Wehr. 



BESCHREIBUNG DES KUXSTSCHRAXKES. 



Quellenschr. X. Bd. 8 



\^FoL 476 r.] Summarische Beschreibung aines Costhchen 
Vnd Künsthchen Wercks Oder Schreibtisches '). 

Diser Schreibtisch ist gantz von gutem Ebano aussen vnd 
innen gemachet, die kästlein vnd Schubladen groß vnd klain, von 
vnderschidlichem Holtz, alß Von Ebano, Gelbem vnd Rothem 
Sandel, Sandali citrini, Cypresß, Ligno sancto-), Öhlbaum, Wech- 
holter, Rosenholtz, Grüessholtz, Zwayerlay mehrrohr, Grüen holtz, 
Zweckholtz, " Nusß vnd Pflaumen bäum, Fladerholtz, Leberholtz, 
Indianisch sternholtz, Dupfftholtz. Vnd was man für schön vnd 
frembd holtz bekommen könden, deren Jedes die färb von Natur 
hat, vnd nit gefärbt oder gesotten ist, so sein die Schubladen 
nit geforniert, sonderen iede von gantzem holtz gedachter Sorten 
zusamen geschlossen ; Grosse vnd klaine auch vil verborgner 
Schubladen, welche noch darzu verborgne vnderschidliche griff 
haben, [J^ol. 476 z'.] wie mans wolle aufthun, vnd ist alles 
ohne Schlossers nur von kistlers arbait, so vil die verborgne 
griff anlanget. 

Sonst sein die hauptthüren von Schlossers arbait, so wol 
auch grosse vnd klaine Schubladen, im außzug, im Vrieß, im 
Corpus, in den hoolkälen, in den Stäben, vnd im fueß, auch im 
vnderen werckh, das den Schreibtisch trägt, zierlich vnd ver- 
guldt beschlagen ; der gantze Schreibtisch gehet oben vnd vnden^ 
binden vnd vornen auf, vnd hat aller orther seine dienste. Es 
lasset sich auch der gantze Schreibtisch auf 8 kuglen von Metall, 
(ob er gleich in die 9 ctr. wigt,) gar ring vnd leicht, herumb 
vnd hinumb wenden, das ain herr so da.rvor sitzet, nit von 



') Die folgende Beschreibung des in Innsbruck abgelieferten Schraukes ist 
aus dem Wolfejibüttler Codex 6. 6. Aug. Fol., Fol. 475—490, und 510 r. — 
525 V. Die Folien 475 r. und 519 r. sind nur mit den Titeln der betreffenden 
Stücke bedeckt und in Abdruck übergangen, weil an der Spitze des folgenden 
Foliums sich derselbe Titel wiederholt findet. 

■2) Wohl Holz von Libanoncedern, 

8* 



- 116 _ 

Seim orth weichen, sonder nur bey der truckhfeder auflösen, vnd 
das orth oder theil des tisches herumbwenden kan, so Ers 
haben will. 

Der gantze tisch ist außwendig im außzug, im Vrieß, vnd 
im Corpus (Nota. Ich gebrauche die kistlerische ^^i terminos & 
Phrases) vornen vnd binden, vnd auf bayden haupten, so auch 
\^Fol. 477 r.] inwendig an den thüren kästen, kästlen vnd 
Schubladen, mit edlen stainen eingelegt, als da sein : rothe, gelbe, 
grüne vnd besprengte Jaspides, Carniol, vnderschidliche Agaten, 
heliotropi, prasmj, Calcedon, Lapislazuli, schöne gar grosse stuckh, 
alß nit bald so groß gefunden werden. 

Auf dise stain sein im außzug gemahlt, ex sacris 82 histo- 
riae, die alle von der music tractieren, alß : 
( Lucae. 2. ver. 8. ad. 20. | r Apoc. 4. ver. 1. vsque.9. j Hig^pj-iae 
< 2. Sam : 6. ver. 3. in. 6. > < 1. Cron. 14. ver. ß. in. 8. ibeimOrgei- 
{ Judith. .15. 3. vsque. 15. J ( Judic. 16. ver. 1. et. 2. j 

Im Außzug herumb, auf dem ersten gang. 
Apocalip. 1. ver. 10. in. 11. Mathaej. 24. ver. 30. 31. 
Exodi. 15. ver. 1. 20. 21. 1. Apocal : 4. ver. 1. vsque. 11. 

Apocal. 8. ver. 2. et. 3. Apocal. 8. vers. 7. 

Apocal. 8. ver. 8. in. 9. Apocal. 8. vers. 10. 11. 

Apocal. 8. ver. 12. Apocal. 9. vers. 1. vsque. 12. 

Apoc. 9. ver. 13. vsque. 19. Apocal. 14. vers. 2. 3. 
Apoc. 11. et. U.V. 15. vsque. 18. 1. Sam. IG. v. 22. in. 23. 
Apoc. 15. vers. 2. et. 3. 1. Sam. 10. v. 13. in. 18. 

1. Sam. 18. vers. 6. et. 7. Psalm. 117. 

2. Cronicon. 15. vers. 13. in. 15. 

[Fo/. 477 7k] 

2. Cron. 29. vers. 25. in. 29. 2. Cron. 5. ver. 12. in. 14. 

1. Cron. 16. vers. 28. in. 29. 1. Cron. 16. v. 16. vsque. 24. 

Nehem. 12. ver. 27. vsque. 37. 1. Sam. 10. ver. 5. et. l). 

Auf dem anderen gang herumb, des Außzugs, sein auf die 
stain gemahlt. 

Gen. 4. ver. 19. vsque. 22. 1. Cron. 14. ver. 7. 8. 

1. Regum 10. ver. 12. Esaiae. 30. ver. 31. 32. 

Psalm. 81. ver. 2. 3. Psalm. 92. ver. 2. in 4. 

Psalm. 96. ver. 1. in. 4. Psalm. 98. et. 100 .totum. 



') D. h. die beim Kistler (Tischler) gebräuchlichen. 



117 



So auch Psalmen Davids, wie hernach volgt : 104. 105. 
107. 108. 113. 134. 146. 147. 148. 149. 150. 

Lucae. 16. ver. 19. wolleben des reichen schlemmers. 



Arnos. 3. ver. 6. 7. 
Esaiae. 27. ver. 13. 
Jerem. 31. v. 4. 5. 
Isai. 23. ver. 15. 16. 
Esa. 24. ver. 6. in. 9. 
Esa. 14. ver. 10. in. 12. 
1. Mach. 4. v. 12. in 14. 
Syrac: 40. v. 17. in. 20. 
Jacob. 5. ver. 12. 13. 
Luc. 15. V. 13. 14. et. 30. 



Jud. 3. ver. 26. in. 28. 
Josuae. 6. ver. das gantz cap. 
Hiob. 30. ver. 30. 31. 
Zephan. 1. ver. 14. in. 17. 
Heseck. 26. ver. 13. 14. 
2. Mach. 1. ver. 21. in. 23. 
Sapien. 17. ver. 18. 19. 
Esa. 42. vers. 10. 
Jud. 6. ver. 33. in. 40. 
Joel. 2. vers. 1. vsque. 4. 



\^FoL 478 r.] Im driten gang sein Volgende historien. 
Jerem. 4. ver. 19. in. 21. Jud. 7. ver. 19. 20. 

1. Mach. 9. ver. 39. 40. 
1. Mach. 16. vers. 8. 
Jerem. 51. vers. 27. 
1. Mach. 4. ver. 54. 55. 
Jud. 5. ver. 12. 
Hiob. 21. ver. 11. in. 13. 
1. Corinth. 15. ver. 52. 53. 
1. Regum. 1. ver. 39. 40. 
Daniel. 3. ver. 15. 
Jud. 3. ver. 7. in. 12. 
Esa. 30. ver. 29. in. 31. 



Zach : 9. ver. 14. 
Num. 10. ver. 1. in. 10. 
Daniel. 3. ver. 7. 
2. Cron. 20. v. 21. in. 29. 
Num. 21. ver. 16. 17. 
Exod. 19. ver. 16. in. 19. 
Syrac. 40. ver. 19. in. 21. 
2. Reg. 9. V. 12. in. 13. 
Esra. 3. v. 10. 11. 
Math: 9. ver. 23. in. 25. 
1. Mach. 3. ver. 45. 



Jetzt erzehlte historiae sein gar erkantlich vnd subtil von 
öhlfarben auf die stain gemahlt, so das ars vnd natura mit ain 
ander spilen, wie auch auf folgenden stainen, da dann im Vrieß he- 
rumb gemahlt sein. Zwaintzig miracula Christi, alß : 

Die hochzeit zu Cana in Galilaea. Joh. 2. v. 1. et. 11. 

Des hauptmans zu Capernaum knecht wird gesund. Math. 8. 
vers. 5. in. 13. 

Der Vittib zu Naim Sohn. Luc. 8. ver. 11. vsque. 17. 

Christus schlafft im schiff. Math. 8. v. 23. in 27. 
[Fol. 478 z'.] Zehen aussätzige werden rain. Luc. 17. v. 11. 19. 

Aufferweckung Lazari. Johan. 11. v. 1. vsque. 4. 6. 

38 Jährige kranckhe beym Teich Betesdae. Joh. 5. 

Reiche fischfang Petrj. LuC 5. ver. 1. vsque. 11. 



— 118 — 

Teufel außtriben zu Gergaso. Math. 8. v. 28. 34. 

Aufferweckung Jairi Döchterlein. Mat. 9. v. 20. 

Schaar der Hohenpriester fallen zueruckh. Johan: 18. vers. 1. 
vsque. 8. 

Vnderschidliche wunder bey Chrj Creutzigung. Math. 17. 
vers. 45. in. 53. 

Junger gen Emaus. Luc. 24. ver. 13. in. 32. 

Christus zur verschloßnen thür. Job. 20. v. 19. 29. 

Petrus durch ain engel auß dem gfäncknus geführt. Actor. 

12. ver. 3. in. 17. 

Pauli Schiffbruch. Act. 28. ver. 1. in. 6. 

Blinder Barthimaeus wird sehent. Marc. 10. v. 46. 

Fünff gersten brot, 2 fisch in der wüesten, Math. 14. ver. 

13. vsque. 21. 

Christus wandlet aufm meer. Math. 14. v. 22. 23. 

Cananaeisch weih, mit der angefochtnen dochter. Math. 15. 
vers. 21. in. 28. 

Wie nun die musicalische historiae auf frewd vnd kurtz- 
weil gerichtet sein : also sein dise \_Fol. 479 ;-.] miraculosische 
historiae zum trost auf alle stände gerichtet, arm vnd reich, 
hoch vnd nider, Jung vnd alt, Gaistlich vnd weltlich, Regenten 
vnd kriegsleüth, auch band- werckhsleuth. 

Voigt auf den grossen stainen, am Corpore herumb auß- 
wendig, vnd an 6 thüren inwendig VITA CHRISTI. Alß Anti- 
typus in der mitte, mit 2 typis oben vnd vnden, auff Jeden actum 
et passum vitae. 

Annunciatio Sarae per. 3. Angelos. Gen. 18. 

Salutatid Angelica virginis Mariae Luc. 1. 
Promissio facta per angelum vxori Manoae. Jud. 13. 

Rubus ardens. Exod. 3. 

Maria virgo pariens. Luc. 2. 
Vellus Gedeonis. Jud. G. 

Isaacj. Genes. 17. 

Circumcisio Christj. Luc. 2. 
David vincens in circumcisum Philistrum. .1. Samuel. 17. 

\Fol. 479 7'.] Samuelis mit leinin leibrocklin. 1. Sam. 1. 
Praesentatio Christi. Luc. 2. 



— 119 — 

Davidis inauguratio ^). 

Pharao last die kinder ersaüffen. Exod. 2. 

Herodes innocentes infantulos. Math. 2. 
Abimelech seine brüder 70 auf ainem stain erwürgt. Judic. 9. 

Jacob [ßiehf] vor seinem bruder Esau. Gen. 27. 

Joseph, Maria [f^iehe^i] mit dem kindlin Chrj. Math. 2. 
David Rex \Jiiehf\ vor Absolon, 2. Samuel. 15. 

Israelitae transeuntes per mare rubrum. Ex. 14. 

Christus baptizatur ä Johanne. Math. 3. 
Israelitae per Jordanum. Jos. 3. 

Jacob segnet seine Söhne. Gen. 37. 

Epiphania. Math. 2. 
Absolon vnderm thor. 2. Sam. 15. 

Mosis angesicht leuchtet. Exo. 34. ver. 30. ad finem. 

Clarificatio Chrj in monte Thabor. Math. 17. 
Currus Ezechielis. Cap. 1. 1. Reg. 19. v. 11. in. 13. 

\FoL 480 r.\ Victoria Davidis. Esa. 11. 

Dies Palmarum, Christus insidens asino. Mat. 21. 
Bileamis Esel. Mum. 22. 

Joab. 2. Samuel. 3. & 20. 

[Verrath des\ Judas. Math. 26. 
Doeg. 1. Samuel. 21. 

Joseph venditur Aegyptijs. Gen. 37. ver. 28. 

Christus vinctus deducitur ad Hannam, Caipham, Pila- 

tum, Herodem. Math. 26. & 27. 
Samson traditur Philistris. Judic. 16. ver. 21. 
Serpens aeneus. Num. 21. 

Christus crucifixus. Math. 27. 
Isaac immolatur. Gen : 22. 

Jonas. Jon. 1. Math: 12. 

Christus [7inrd bestattet], ^lath. 28. 
Daniel immittitur in foveam leonum. Dan. 6. 

Jonas vom walltisch außgeworffen. Jon. 2. v. 11. 



') 1. Sam. 16. 



— 120 — 

Christus resurrexit. Math. 28. 
Samson mit dem statthor zu Gaza. Jud. 16. 

IFol. 480 V.] Scala Jacobj. Gen. 28. 
Christus ascendens. Act. 1. 
Enoch, sive Hehas. 2. Reg. 2. ver. 11. 

Columba Nohae cum palma. Gen. 8. 
x^lissio Spiritus sancti. Actor. 2. 
Tabula Mosis, sive Decalogus, in monte Synai. Exodj. 20. 

An den 6 thüren inwendig au ff schöne Carniol 
vnd Agaten sein gemahlet 

PARABOLAE CHRISTI. 

Vnd sein dise stain in schönen geschnitnen Colum- 
nis. Alß : 

Parabola seminantis. Math. 13. ver. 18. biß. 31. 

Operarios in vineam conducentis. Mat. 20. v. 17. 

Mercatoris margaritas ementis. Mat. 13. v. 45. 

Segene bonas et malas pisces claudentis. ibid. v. 47. 

Regis conferentis rationem cum servis. Mat. 18. tot: 

Regis celebrantis nuptias cum filio. Mat. 22. v. 1. 15. 

Decem virginum. Mat. 25. vers. 1. in. 14. 

Samaritani. Luc. 10. ver. 3. biß 36. 

Filij prodigi. Luc. 15. ver. 11. vsque ad finem. 

Lazari et Locupletis. Luc. 16. v. 19. ad finem. 
[Fol. 481 r.] Purum per tectum in ovile inrupentium. loa. 
10. V. 16. 

Bovis e puteo extracti. Luc. 14. vers. 5. 

Pastoris separantis oves ab hircis. Mat. 25. v. 32. 

Vbi cadaver, ibi aquilae. Math. 24. v. 28. 

Divitis rusticj. Luc. 12. ver. 17. vsque. 22. 

Vinitorum ingratorum. Luc. 20. ver. 9. vsque. 17. 

Mulieris denarium quaerentis. Luc. 15. ver. 8. 

Pastor amissam ovem quaerens. ibidem, v. 4. 8. 

Pharisaej et publicani praecationes in templo. Luc. 18. 

Avium et fiorum, lilium sub coelo et in campo. Mathaej. 6. 
versic. 26. vsque ad finem. 

Vornenhero au ff schonen Agaten, So zu bayden 
seitten in klainen schubladlen sein, find man gemahlet : 



— 121 — 

Sechzehen Passions Engelen, die die 16 m^'steria passio- 
nis et Instrumenta tragen. 

Hinden beym grossen Spiegel sein gemahlet: 
Die Zehen alther auff schöne grosse Jaspides, weil alle alther 
sich in den werckhen Gottes spieglen sollen. 

Oben vnd vnderhalb des Spigels sein: 
Sechs hübsche sinnreiche emblemata de morte et nihilitate, 
fugacitate vitae humanae gemahlet. \Fol. 481 vi] Der Vorder 
Spiegel ist gar ain schöns groß glaß, in statlicher geflambter 
Raam. Wann man ihn herauß nimbt vnd vmbkhert vnd wider 
hinein setzt, so ist ein geschnitner acht ecketer spiegel,#so vil 
angesichter gibet vnd alles multiplicieret. 

Dar under : 

Ist ain gröserer Spiegel mit Facetti geschniten, sehr mathe- 
matisch, welcher gespalten angesichter vnd nasen abgibet, steht 
auch in ainer schönen raam, vnd vmbhero di basso rilievo ge- 
schnitten, was für Instrumenta vnd stuckh zur hochfahrt auf 
mutzen vnd kämmen gehöret. 

Wan man dise Spiegel wider herauß nimbt, so ist darhinder 
an der wand Christi ruhe mit S.^"" Veronica vnd ain engel, von 
des Christoff Schwartzen^) band gemahlet, vnd kan man also 
dise facciata in vn batter d'occhio 3 mahl verkehren. 

Auff der rechten haupten, wann die thür aufge- 
schlossen ist, so sein auff die Schubladen, in welche gar schöne 
grosse Jaspides, vnd in \_FoL 482 /-.] die vier eckhe Lapislazuli ver- 
setzt sein, gemahlet, Septem opera misericordiae cum praemio. Alß : 

Esurientes pascere. Proverb. 3. v. 27. 27. 28. cap. 22. 
V. 2. et. 16. 22. lucae. 24. 

Vmbher in die 4 eckhe : 

Der wittfrawen zu Zarpat meel vnd öhlkrüeglin. 1. Regum. 
17. vers. 10. in. 16. 

Elia speiset mit 20 gersten brott 100 männer, 2 Regum. 
4. vers. 42. in. 44. 



') Er stammte aus der Gegend vou Ingolstadt, wo er etwa 1550 geboren 
war. Er war Schüler des Melchior Bocksperger, studierte in Venedig und lebte 
nachher als bairischer Hofmaler in München. Gest. daselbst 1597. Sandrart, 
Teutsche Academ. II, 3. p. 254. Janitschek, Gesch. d. deutschen Malerei p. 539 f. 
Quellenschr. N. F. VI, an verschiedenen Stellen. 



— 122 -- 

Obadia versteckhet 100 Propheten, gibt ihnen brott vnd 
Avasser. 1. Regum. 18. ver. 4. 

Abimelech gibt dem David. 5. schawbrot. 1. Sam. 21. 

Potum dare sitientibus. Math. 10. ver. 42. Mar. 9. 

Umbher in den 4 ecken : 

Rebecca tränckhet Eleasarum vnd die Cameel. Genes. 24. 
vers. 46. 

Der Engel weiset der Hagar wasser. Gen. 21. 

Wasser springt auß felsen. Ex. 17. ver. 4. 6. 

Samson trinckht auß ainer esels kinbacken. Judic. 15. 
vers. 18. 19. 

\^Fol. 482 ^.] Operire nudos. Esai. 58. ver. 7. Luc. 3. 
ver. 11. 

In den 4 eckhen : 
Adam vnd Eva röckh von feilen. Gen. 3. v. 21. 
Joseph gab seinen brüderen feirklaider. Gen. 45. 
Jonathan klaidet David. 1. Sam. 18. ver. 3. 4. 
Tobias klaidet die nackenden. Tob. 1. ver. 19. 20. 

Redimere captivos. Proverb. 24. vers. 11. 

In den 4 eckhen : 
Abraham erlöset sein bruder Loth. Gen. 14. v. 14. 16. 
David erlöst seine weiber vnd fraind. 1. Sam. 30. v. 19. 
Jeremias wirdt auß der gruben gezogen. Jer. 38. v. 10. 
Daniel wirdt auß der löwen grueben gezogen. Dan. 6. vers. 
16. in. 23. 

Aegrotos invisere. Jes. Syrac. 7. ver. 39. 40. 

In den 4 eckhen : 
Joseph besucht sein krancken vatter. Gen. 48. v. 2. 
Der König Joas besucht Elisa. 2. Reg. 13. ver. 15. 
Drey fraind besuchen Hiob. Job. 2. vers. 11. 
Esaias besucht Hiskiam. 2. reg. 20. v. 1. vsq. 11. 

Hospicio peregrinos excipere. Esa. 58. v. 3. Item 
ad Hebre : 13. vers. 2. 
\^FoI. 483 r.\ In den 4 eckhen : 

Abraham beherberget 3 männer. Gen. 18. ver. 1. 5. 

Loth beherberget 2 männer. Gen. 19. ver. 1. in. 3. 

Die reich fraw zu Sunem beherbergt Eliam. 2. Reg. 4. 



— 123 — 

Rachab beherberget 2 kundschaffter. Jos. 2. v. 1. in. 7. 

Mortuos sepelire. Syrac. 38. vers: 16. 

In den 4 eckhen : 
Abraham vnd Sara werden begraben. Gen. 50. 
Sie haben des Propheten leichnam begraben. 1. Cr. 13. 
Saul vnd seine Söhne werden begraben. 1. Sam. 31. 
Tobias hat todten begraben. Tobiae. 2. 

Commendatio et Compensatio operum. Math. 25. 
V. 34. 

In den 4 eckhen : 

\^om Propheten vnd gerechten lohn. Alat. 10. v. 40. 
Hauptman CorneHj gebett vnd allmusen erhöret, actorum. 10. 
vers. 3. in. 5. 

Wittwe zu Zarpat guethat wirdt vergolten. 1. regum. 
17. vers. 10. gantz hinauß. 

Tabeae guethat würdt gerüembt vnd belohnt, actorum. 9. 
ver. 39. vs. 93. 42. 

Auff das pultbrett, welches man vornen beym Schreibtisch 
herauß zeucht, vnd so wol zu ainem altar darauff zu opfferen 
vnd zuege- \FoL 483 v.] brauchen, zum betten, studieren, vnd zum 
schreiben, sein gemahlt 7 historiae vom gebett, auff schöne gar 
grosse grüne Jaspides. 

Wie Moses auf dem berg bettet, weil die Israeliten mit den 
Amalechiteren streiten. Ex. 17. 

Wie Judith 3 nacht hinder Holoferni läger gebettet vnd 
sich gewaschen hat. Judit. 12. v. 5. in .9. 

Wie Tobias vnd Sara vor Ihrem beth gebettet. Tob. 8. vers. 
4. in. 20. 

Wie die Prophetin Hanna gebettet. Luc. 2. v. 37. 

Wie der Pharisaeer vnd Zöllner bettet. Luc. 18. v, 10. 

Wie der engel des hauptmans Cornelij gebett rühmet, 
actor. 10. vers. 4. 

Wie Christus am Öhlberg bettet. Math. 26. v. 39. 44. 

\n6. seind dise historiae des gebets, vnd der 
anderen dienste dises pults, auch auf alle stand gerichtet. 

4 Historiae vom Opffer: 
Wie Cain vnd Abel opfferen. gen : 4. ver. 3. 5. 
W^ie Abraham den Isaac opfern will. gen. 22. v. 1. 14. 



— 124 — 

Wie Salomon den tempel einweihet. 1. reg. 8. v. 22. 
Wie Eliae Opfer das fewr verzehret. 1. reg. 18. v. 30. 

\Fol. 484 r.\ Historiae vom Studieren: 

Wie Christus im tempel vnder den lehreren sitzet. Luc. 2. 
vers. 46. 47. 

Wie Sant Paulus bey den füessen Gamalielis sitzet. Luc. 4. 
vers. 16. in. 22. 

Wie Maria den besten thail erwöhlt hat. Lucae. 10. ver- 
sione 41. 42. 

Wie Nicodemus zue Christo kommet. Job: 3. v. 1. in. 21. 

6 Historiae von der Schreiber ey: 

Wie Gott auf die stainerne taflen geschriben. Deutrono. 
4. ver. 1. gantz hinauß. 

Wie man das Gsätz für die kinder auff die veberthür 
geschriben. Deutro. 6. v. 4. in .9. 

Wie Ahasverus Seinen beampten brif geschriben, das die 
weiber den männeren sollen vnderthan sein. Esther 1. vers. 22. 

Wie Christus auf die erden geschriben. Jo. 8. v. 7. 

Wie die band bey König Balzasars mahlzeit an die wand 
geschriben. Dan. 5. vers. 5. 

Wie Pilatus die veberschrifft geschriben. Jo. 19. v. 19. 

Vornen vnd binden an den flachen säulen, ob 
den thüren, auff Jaspides sein gemahlt: Acht schöne 
emblemata vom Creutz Christi. 

\Fol. 484 7'.] Alle Jetz erzehlte edle stain, sein in schöne 
geflambte keel stoß eingefasset vnd circundiert, auf mancherlay 
gantz newe art, von ghabten keelstössen. 

Nit weniger sein auch 8 runde grosse säulen, von dem 
piedestell biß auf die Captel geflambt vnd gewunden sehr ver- 
wunderlich vnd kunstlich, vnd kan sich so gar kain maister drein 
richten, wie es zugehet. 

Vmb die geflambte keelstöß auff die spatia, zwi- 
schen den grossen stainen, in den thüren, sein kunstlich vnd 
erhöcht geschnitten vnderschidliche emblematische Figuren, alß : 

Vornen hero. 
Der Raab, so Eliae brott gebracht hat M. 

^) 1. Kön. 17. 



— 125 — 

Der felsen Mosis, daraus wasser gesprungen ^). 

Habacucs brey, den er dem Daniel in die Löwen grueben 
gebracht hat-). 

Simsons künbackhen, darauß wasser springt^), Darmit an- 
zudeütten, wie Chrs der Herr vebernatürhch speisen, vnd 
trenckhen kan. 

\Fol. 485 r.\ }»Iehr seind geschnitten: 

Adams vnd Evae sünden falH). 

Esav geschleckh, wie er seine erste geburth dem Jacob vmb 
ain Hnsenmueß verkaufft ^''). 

Darneben ist Tribulatio, so auß der sünd herkommen. 

Darauif volgt consolatio, wie solche in bilderen, in thieren, 
vnd im Creutz Christi wird figurieret, sonderlich mit den storckhen, 
mit Pelicano, der glugghennen, mit dem Lämblin Gottes, das sein 
bluet vergeüsst, vnd der hirsch darauß trinckhet, in Psal : 42. 

Mit x\eneae, der sein vatter auß der brunst tragen thuet. 

xslit der Romanerin, die ihren \'atter mit ihren brüsten, in 
der gefengknus speiset. 

Abraham opffert sein Sohn^). Die esel, das ist die vernunfft 
stehen vnden am berg. 

Vnd dises alles ist vornenhero au ff 2 thüren, 
von aussen sehr kunstlich di basso rilievo ge- 
schnitten, in ebano holtz. 

Inwendig au ff disen 2 thüren vmb die Stain hero 
sein : 

Acht engel, so die Instrumenta et mysteria passionis tragen, 
vnd flügel beym altar sein, den man 4 mahl verkheren kan: 

\Fol. 485 7^] erstlich ist ain Schreibtisch, die Schubladen 
vnd kästlen aller von schönem gelbem Sandel, aussen von schönen 
landschafften vnd bildern, von edlen stainen zuesamen gesetzet, 
vnd nichts darauf gemahlet, sonderen von natürlichen, orientischen 
stainen künstlich zuesamen gefügt: 

Wie fischer bey ainer mühl anglen. 



1) 2. Mos. 17. 

2) Dan. 6.- 

3) Richter 15. 
•») 1. Mos. 3. 
5) 1. Mos. 27. 
e) 1. Mos. 22. 



— 126 — 

Wie hirten die schaff hüeten. 

Wie mann vnd weib die butten auf dem ruggen tragen 
vnd in weinberg gehen. 

Wie 2 Capuziner in die kirchen gehen. 

Auch schöne natürhche, vögel, bäum, häuser, vnd dergleichen. 

Vnd kan man vor disem Schreibtisch das pult zum studieren 
vnd schreiben heraußziehen. 

Wann man dise seitten verkhert, so kombt in ainer schönen 
grosen rahm so geflambt vnd kunstlich gemacht, die Abnemmung 
Christi, von weissem wachs auf schwartzem schiferstain, vom 
berüembten maister bansen de Vos ^) gemacht, auf die Schubladen 
darunder sein geschnitten der tod vnd teufel, wie sie Christus 
angebunden, schaw getragen, vnd die höll zerstöret hat. 

\_FoL 480 r.] W^ann man dise altartafel verenderen will, so 
kommen Christus der herr vnd die zwölf Apostel sehr schön 
von weissem vnd gelbem Alabaster, die stehen in silberen ver- 
gulten muschlen, oben hero S^- Joannes, der vorläuffer Christ] : 
neben hero schöne gedrehete gewundene säulen, vnd schimmeret 
diser altar, alß wann er lautter gold were, dann der Augstain 
aller durchschainig vnd pellucide gar rain ist. 

Oben darob ist ain Schubladen, mit augstaininen vehrlin in 
gold gefasset, leffel, messer, piron, Seecompas, pfeiffen, toden- 
kopff, gwürtz vnd balsambüchßlen, würfel etc. alles von schönem 
Augstain, auch paternoster mit insectis darinnen. Item schwartz 
Augstainin-) paternoster von Jerusalem, etc. 

Wann man disen altar auch verdrehet, so kombt der 4*5 
altar, welcher ist ain schön hoch Augstainines Crucifix mit Christo,. 
von weissem vnd gelbem Augstain, vnd vnder dem Creutz die 
muetter Gottes vndS*- Johannes sehr schön. Darunder auch silberne 
vergulte plech. Vnd oben vnd vnden [FoL 48(1 7>.] geschnittene 
Schubladen, vnd dise altär kan man augenblickhlich verkheren, 
das ainer der es nit waiß, wie es zuegehet, gar nicht warnimbt, 
vnd Sich verwunderet, wa der aine her vnd der ander hinkommen. 



') Geborener Niederländer. War gegen IGIO als Kammergoldschmied 
Rudolfs IL thätig. Stetten, Kunst- etc. Gesch v. Augsb. p. 466. Hg in 
Meyers K.-L. Vgl. dazu Drexler-List, Goldschmiedearbeiten in dem reg. Chor- 
herrnstifte Klosterneuburg Taf. 12. 

2) Jedenfalls schwarzes Bergpech, welches auch weiterhin in obiger Art 
bezeichnet wird. 



— 127 — 

Hinden am Schreibtisch au ff die zwo thüren sein 
geschnitten, aufwendig, Sehr kunstlich: 

Die wachtlen, darmit Gott sein volckh in der wüesten ge- 
speiset hat ^). 

Das Manna, das von himmel geregnet hat-). 

2 Fisch, 5 gersten broth. darmit Chr. in der wüstin ge- 
speist hat ^). 

\'mb die grosse stain herum b sein Vir tute s, alß: 

Ratio. Justitia. 

DiHgentia. Vigilantia. 

Providentia. Constantia. 

Virtus. Concordia. 

Jedes bild hat seine emblematische signa vnd caracteres, 
wie mans an antichischen bilderen vnd auf allen müntzen findet, 
vnd seine bedeütnussen vnd außlegungen hat. 

\Fol. 487 r.] Inwendig sein geschnitten au ff 2 thüren 

beim Spiegel: 

Vita hominis, mit des menschen arbait, vnd kindlen, die 
Wasserblasen oder bullas machen. Oben der Vogel Phoenix, 

Mehr der tod, mit allerlay funeralibus, vnd wie der mutz 
vnd hoffart vor dem spiegel fürgehet, als wie dem pfawen, wann 
er seine füeß bespieglet^ vnd sein hierbc} auch schöne bedeütnussen. 

Au ff der thür zur rechten haupten auß wendig, ist 

geschnitten: 
PAX, mit allerhand Fridens- | 
BELLVM mit kriegs- | instrumenten. 

auch schöne bluemen. 
Item : Arithmetica. Geometria. 

Perspectiva. Architectura. 

Inwendig au ff der thür sein geschnitten: 
Inn schönen gropettj die werckh der barmherzigkait, mit 
broth, Haschen, klaider, kettin vnd band, mit zimmer vnd liech- 
tern, distellier Öfen vnd büchsen, schauflen vnd hawen vnd der- 
gleichen pendenti, in forma der festoni, vnd [Fol. 487 vJ] re- 
spondiert dise thür auch auf die gemahlte opera misericordiae. 

1) 2. Mos. IG. 

2) Daselbst. 
^) Marc. 6. 



— 128 — 

Au ff der anderen haupten auß wendig sein ge- 
schnitten: 

Jonas, wie Ihn der wallfisch außwürfft ^). 

Der Triumph Christj, der die sünd, teuffei vnd tod vber- 
windt. 

ain schiff das auff dem meer fehrt, in hoffnung in port zu 
kommen hat. 

Drey blüemlein, als ie lenger ie lieber, vergisß nit mein, 
tag vnd nacht. 

Fiducia. Libertas. 

Beneficentia. Recognitio. 

Liberalitas. Gratitudo. 

^'nd hat iedes bild seine signa, icones vnd zaichen von 
thieren vnd anderem bey sich, durch welche iede tugent auch 
praefiguriert wirdt. 

Inwendig auffder thür, welche ain schön grosses 
kästlin verschleust, sein geschnitten: 

Die 4 tags zeitten, sehr artig vnd schön mit manicherlay 
Sachen, die zue Jedertzeit, als {Fol. 488 r.] zue aurorae, meridie, 
vespero vnd nocte gehören. 

Item, tempora anni, wie sie die alten gemacht haben. 

Im Aufzug oben sein geschnitten: 
Die Musae, vnd allerhand musicalische instrumenta in groppi. 

Am Fueß sein geschnitten: 
Quatuor partes der weldt. 
Die 4 Elementa. Die 4 Jahrszeitten. 
Vnderschidliche plarrköpff vnd rondeschen. 

Voigt der Auszug: 
Im außzug ist ain Orgelwerckh von 90 pfeiffen, das spilet 
von Sich selbs ain praeludium oder praeambulum. 

Darnach: 

Allain nach dir Herr Jesu Christe verlanget mich etc. welches 
auch den Italianischen text hat: 

Se pur ti guardo, dolce anima mia. ain veberauß schön 
vhralt musicalisch stuckh. 

») Jonas 2. 



- 129 — 

Darnach aine fantasiam mit schönen läuflen, vom \_Fol. 488 v.] 
lürnemmen Organisten Christian Erpach ^) außgesezt; vnd com- 
poniert. 

Forts kan man darauf schlagen was man will, dann es hat 
ain principal vnd ain copel, seine register vnd geht so hell, das 
mans in ainer gantzen kirchen oder großsen saal höret, vnd kan 
man das gantz oberwerckh mit ainander herab heben, (welches 
auf 8 kuglen steht, vnd verborgner weis in den Vrieß hinein 
gehet) vnd in ainen saal oder Capell tragen, wahin man will ; 
hat 2 windfang : seine Zug ; wie sich die plasbälg von selbs 
auffziehen; vnd kan man vberal zum werckh sehen, dann es auf 
allen 4 seitten thürlen hat. 

Vhr: 

Auf dem Orgelwerckh steht aine grosse schöne vergulte 
Vhr, die schlegt gar hell vnd laut die viertel vnd die stunden, 
vnd löset das pfeiffenwerckh auß, auf was stund man es haben 
will, an statt aines Weckhers. Auff der Vhr stehet Christus der 
Herr von silber auf dem teuffei vnd tod \_Fol. 489 r.] auch von 
silber, die Er mit füessen dritt, vnd mit Seinem Creutz in sie 
sticht, vnd der teuffei pariert, vnd sich wehren will. So vil stund 
es schlegt, so vil stich thut Christus, zu des todes äugen gehn 
die schlangen auß vnd ein, vnd ist dasselbe die vnruhe an der 
vhr, Christus der Herr hat ainen schönen gewürckten fliegenden 
mantel vmb sich. 

Alles mit ainander am gantzen Schreibtisch ist gerichtet, das 
sich der staub nirgend kan hinein legen, sondern das man dasselb 
mit zarten bürstlen geschwind kan abkeren, wie dann schöne pursten 
dartzue verordnet sein, mit helfenbainin hefften. 

Vnd ist dises alles aine newe invention, vnd für ainen 
Potentaten herrlicher vnd schöner, allS wann er aussen mit silber 
ziert were, w'elches anlaufft, dupfet, schwartz vnd blaw wird, vnd 
man immer selbiges herab nemmen, vnd wider auß sieden mueß. 

Der vnder fueß oder tischlin, darauf der Schreibtisch stehet, 
vnd auff 8 gloggenspeisin kuglen in ainem zapften, darob hin 
vnd wider getri- \I^o/. 489 v.\ triben wirdt) ist von schönem 



') Wurde etwa 1560 zu Algesheim i. d. Pfalz geboren, seit 1600 Organist, 
in der Folge auch Rathsherr zu Augsburg. Bedeutender Componist, besonders 
kirchlicher Musikstücke. 

Ouellenschr. X. Bd. 9 



— 130 — 

gedupfftem Indianischen leber holtz auch kunstHch, hat auf 4 seil- 
ten kästlen, vil dings darein zuebehalten. 

Im vnderen kästen steht ain antritt von nußbaumen holtz,. 
den man dreymahl höher machen kan, nachdem ain kurtz oder 
langes mensch ihn brauchen will, vmb auff der Orgel zueschlagen^ 
vnd das vhrwerckh aufzuziehen, vnd hat diser antritt auch ainen 
verschlossnen kästen, etwas drein zuebehalten, als kissiner oder 
anders, oder wann man darauff vor dem altar knien \vill. 

Diser tisch hat 90 grosse vnd klaine Schubladen. 

Sechs kästlen. 

vSechs ainfache thüren. 

Vierziehen dopplete thüren. 

Vnd wer disen Schreibtisch mit verstand vnd zue seiner 
recreation recht sehen will, der braucht ain 8 tag darzu, vnd 
wird dennoch noch immertzue was finden, das er vebersehen hat. 

\Fol. 490 r.\ Diser Schreibtisch ist 9 schuch vnd 9 zoll 
hoch, von der erden an biß zum bild. 

Hat auch ain statliches doppelt gefüetertes Fueteral, Acht- 
ecket, wie dann auch der tisch aller Achtecket ist, vnd kan man 
diß fueteral, weliches alles in gwünden geht, in ain küsten so 
gschmaidig veber ainander legen, das es ainem buech gleich sihet, 
das die küsten nit veber ain halben schuch hoch wirt. 

Das fueteral ist von Öhlfarben gar zierlich vnd frisch 
gemahlet, mit rondeßken werckh, in dieselbe in landschafften die 
12 Monat vnd 4 Jahrszeiten, vmbhero allerlay fruchten vnd 
\ierfüessige thieren, auch 49 allerlay vogel, alle nach dem leben 
abcontrafettet ; in den 12 Monaten ist zusehen, was man ieden 
monat für arbait verrichtet. 

Dises werckh alles mit ainander Costet zehen tausent Reichs- 
thaler, vnd welcher Potentat es kauffet, dem solle aine außführ- 
liche beschreibung ^) veber das Vhr: vnd Orgelwerckh, veber die 
bildhawer : küstlers vnd mahler arbait, auch veber die sichtbare 
[jFoI. 490 V.] vnd verborgne dienst gemacht werden, auf das 
ain herr oder ain fraw alles Selbs zu ainer recreation vnd nutzen 
richten vnd finden könde. 

Zwen Hauptschlüssel schliessen alle thüren vnd Schubladen, 
auch das fueteral. 

Vnd wie oben drauff der Triumphierende Christus das thema 

') über diese ausführlichen Beschreibungen vgl. Einleitung. 



131 - 



vnd gleichsam der text ist, alß ist hernach am gantzen Schreib- 
tisch herumb innen vnd außen Christi leben, leiden vnd sterben. 
Seine wunderwerckh, Allmacht, Seine gleichnussen. Sein gnad, 
vnd barmhertzigkeit, die auff Christum praefigurierte emblemata, 
vnd alles mit seinen hüpschen bedeutnussen auff Christum den 
herrn gerichtet ist, so das ain herr neben dem nutzen vnd dienst, 
schöne meditationes vnd contemplationes an disem Schreibtisch 
haben können. 

{Fol 520 r.] 

IXVEXTARIUM 

Wunderbahrlicher kunst- 
licher vnd natürlicher Sachen vnd 

RARITETEX, so in dem Costlichen 

vnd königlichen Schreibtisch 

ligen. 

NATURALIA. 

Vnderschidlicher fationen, schöne perlenmueterne schneggen, 
von mancherlay Formen. 

Ain anzahl schneggen, mittelmessiger grosse^ von mancherlay 
arten. 

Ain guete anzahl vnderschidlicher klainer schnegglen vnd 
muschlen, alle auß vnderschidlichen meeren vnd orthen zuesamen 
getragen. 

Cöstlicher Aegj-ptischer 

Indianischer orientalischer 

Indianischer occidentalischer 

gar lieblicher rosen- 

Negelen- 

Zimmet- 

Ziteronen- 

[FoL 520 V.] Roßmarin- 

Mayeron- 

Eniß- ') 

ain grosse Levantinische 

zwayerlay schöne Ponentische 

Vnderschidliche färben Corallenzincken. 

Sterncorall. 



baisam. 



1 



volle vesice di muschio. 



'j Anis. 



9* 



— 132 — 

Schöne sternstain, das männlin vnd weiblin. 

ain schöns stuckh grießstain, auf die pulß zue binden. 

Zwa^erlay stainin holtz. 

Metallin holtz, oder metall in holtz gewachsen. 

Marchesitine pfersich, krebs halß, schneggen, vnd dergleichen, 
sihet auß wie mössing, ist voller schweffei. 

1 nagel vnd 1 stücklin holtz, von des Draconis schiff in 
Engelland, in welchem er die gantze weit vmbfahren hat. 

1 gebrentes eilends hörn, contra venenum. 

1 stuckh Ainhorn^) oder vnicornu, contra venenum. 

1 Türckische schaalen auß terra sigillata. 

1 Indianisches trinckhgeschürr mit ainer schnauppen^), auß 
Indianischer terra sigillata. 

1 schöns türckisches schäälin auß gaiandra oder schildkrotten. 
\Fo_l. 521 r.\ 1 Indianisches geflochtnes schäälin, auß graß 
oder Stroh. 

1 schönes schäälin auß Indianischem Lacq. 

1 schäälin auß Serpentin stain. 

1 Indianisches schäälin ex cornu Rinozerontis. 

1 schön stuckh lignum aloes, voller Zincken, wie aine 
krön gewachsen, ist ain trefflichs cordiale, vnd schmültzt auff der 
gluett wie wachs. 

X schön stuckh carniol, fürs bluten auf die puls zuebinden. 

Das hüren von der balena, guet contra vertiginem. 

Englisch gewachsen Zin, ist ain schwartzer schwerer hand- 
stain. 

Vnderschidliche Malechit. 

Indianische boonen, mit kunstlichen silbernen schrauffen, 
zue tabacquen oder anderem pulver dienlich. 

Vnderschidliche schöne gefärbte Indianische saamen, thails 
an schnüeren. 

\'nderschidliches gar altes körn. 

Selbs gewachsnes körn. A° 1617 in der theurung bey 
Wittenberg in vmbgfallnen aichbaumen deren 2 gewesen 
gefunden. 

Schöne grosse Indianische guldine käfer oder cantarides. 



') Narwal. 

■'^) Ausgussansatz. 



__ 133 — 

\FoL 521 V.] 2 köpff vom Vogel Ducan ^), dem der schnabel 
veber den köpff hinauff wächst. 

1 Cranich staain. 

etliche Adler stain. 

Schwartzer stain von D"". Münderer, contra contagiem. 

Indianischer Crantz vmb das haupt, von des Vogel ducans 
klawen zuesamen geflochten, so die Indianer aufsetzen, wann sie 
rauften vnd balgen wollen. 

1 schnuer von schönen Agatinen bollen. 

1 kettin von lauter schönen zähnlen von bisam katzen. 

Aine kettin von glaichen auß kirschen stainen. 

aine schöne kettin aut3 roßhaaren. 

1 kettin auß bisam bollen, zu China gemacht. 

1 kirschen stain mit 175 todenköpffen, ainem gantzen tod 
mit der vhr in der band, vnd mit Pabst- Kaiser- Königs- vnd 
Hertzogshütlein drauf geschnitten-). 

1 schwartz Augstaininer paternoster, von compostel ^). 

1 gelb Augstaininer paternoster, mit insecten muggen vnd 
spinnen. 

Augstainene gar schöne messer, piron vnd löffel. 

Christall mit graß darein gewachsen, gar schön. 
[jFo/. 522 r.] treflich schöner Chimischer Cristall, wie bluet. 

Viperen balg. 

trocisci Zeltlen auß viperen flaisch. 

1 sehr schöner Indianischer schlangenbalg. 

Schöne seltzame fisch vnderschidlicher Sorten. 

Granciporj. 

ain kerbeselin von squinanto, am geruch vnd schärpfe wie 
angelica tempore pestis guet. 

Schöne x\metist gewächs. 

Mancherlay andere seltzame gewächß. 

Meer rößlen. 

Schöner Stinco marino. 



') Tukan (Ramphastus toco). 

2) Über ein ähnliches Stück, welches H. 1629 in Dresden sah, und das 
noch heute im dortigen grünen Gewölbe sich befindet, vgl. unten. 

^) Auch hier wieder ist schwarzes Bergpech gemeint. Pilgrirafiguren aus 
diesem Material, von S. Jago di Compostella stammend, im "Wiener Hofmus., 
Saal XVII, Vitrine V. 



— 134 — 

Meer tauben. 

Jericho rosen, die sich in der Cristnacht aufthuen. 

Früchten vom Cederbaum, aufm berg Libano. 

Haasen kührnlin. 

Straussen ayr. 

Stroohiner becher. 

Das H.grab von Jerusalem, von der hl. erden. 

Die länge vom grab Christj. 

Vnderschidliche reliquiae von Jerusalem in Türckhischer 
Schachtel. 

Vnderschidliche reliquiae sanctorum. 

Ain schön geschmeltztes Crucifix. 
[Fol. 522 v.\ Ain geschnittne Indianische muscatnusß, die vn- 
zeittig am bäum verstanden. 

1 becherlin auß pfefferkörnlein, mit klainen becherlen 
darinnen. 

Ain paar Liffländische schuch auß hast geflochten. 

Ain paar Spannische pantofel auß wollen. 

ain paar dopplet vexier händschuch auß hirschhaut. 

1 Indianischer gwürckter seckel auß wurtzlen. 

La Gratia di S.^" Paulo, vom Maltheser Orden. 

Natternzünglen von Malta, guet für den durst, groß vnd klain. 

Schwalben stainlen in erden gewachsen. 

Staine, wie recht natürlich gebachen brotte. 

Stainine natürlich gewachßne Zuckher. 

Stainine Ostrien; vnd capi tondi. 

Ain Fungus, So von dem Dunst des Wetterstraals wachset 
vnd gut zum bluetstellen ist. 

Schöne krause Indianische büffelhorn. 

Ain gar schönes schwartzes Ind. krummes hörn. 

Ain türckisches gwundens hörn von Gazella. 

Ain gefärbtes Indianisches röckhlin auß Camelhaar, schön, 
vnd gar kunstlich. 

Ain Indianische hültzine Leinwath. 

Ain antichisch buch auß corticibus, cum grypho, in \_FoL 
523 r.] Arabischer Sprach darauff geschriben. 

Indianische Dinten. 

Indianisches Rothes vnd weisses papir, g^ar schöne grosse 
bögen. 



^ 135 — 

ain schöner sporn auß püffel hörn. 

Indianische Vögelen vnd schürtzlen auß vögelen federn. 

1 Meer roß Zahn, dens Hypopothamj. 

1 Risen Zahn. 

1 schöne haut von ainem meerschwein. 

1 türckischer mit gold eingeschlagner ring auß hörn, wie 
sie die handbogen damit schiessen. 

Hadrianus Consul P. P. sehr kunstlich di basso rilievo 
in ain türckes geschnitten, vnd ist der stain ain rechte anticq 
vnd hüpsche raritet. 

Ain kramring von vnderschidlichen metallen. 

Ain guldiner compas ring, den Kayser Carl selb an der 
hand getragen, vnd soll ihn der alte Schüßler^) gemacht haben. 

Pastigli di spagna. 

Ain schön groß stuckh benzoie. 

Storax calamita. 

1 Wunderbariich 6 ecket groß stuckh Cristall di rocca, 
voller löcher durchschloffen, also von natur gewachsen, vnd 
sein subtile draat in \_FoL 523 v.] Italia dardurch gezogen 
worden, das man sehe, wie die löcher durchgehen. 

ain lew in Cristall geschnitten. 

2 schöne gleiche Englische Ochsenhorn gantz weisß, biß 
an die spitzen die seind schwartz. 

ain ^'ierfaches widerhorn auß der Lüttaw. 

ain Chamäleon. 

ain Schwerdtfisch. 

ain außbalgter sciurus, wie ain Drach. 

ain Rinozero hörn. 
{Fol. 524 r.] ARTIFICIALIA. 

Ain köstlicher Persianischer Dolchen in gantz guldiner 
schaiden vnd hefft, voller schöner, thails zug weiß, flach ge- 
schnittner türckes vnd rubinen, mit damaschenierter Clingen^ 
sehr kunstlich. 

ain Indianischer Dolchen in silberner schaiden mit aim 
grossen hefft, von orientischem Agat. 



') Augsburgischer Mechaniker. Sonnenuhr von ihm, von 15G4 im Wiener 
Hofmus., Saal XVIII, Vitrine 1. P. v. Stetten, K.-G. u. H. -Gesch. v. Augsb. 
p. 161—190. Quellenschr. N. F. VI, 57. 



— 136 — 

1 schön türckhisch damaschenisch messer mit schönem 
hefft, vnd silberner schaiden. 

1 türckhische flaschen mit silbernen rinckhen. 

1 zininer streithammer, so ain trinckh Haschen ist. 

1 paar messer, in deren schaalen ain haußrath ist. 

1 tischtuch vnd 18 serviet, alles anainander ohne nath 
gewürckt. 

1 hemmet, ohne nath gewürckht. 

ain künstlicher compass oder Wegweiser, den man an fueß 
bindet, die schritt darmit abzuzehlen, vnd in grund zu legen, 
vnd solle Churfurst Augustus zu Sachsen höchstseel : gedächt 
dem Johann Schwegler ^) ~ fl. vmb ainen geben haben -). 

Vnderschidliche schöne Zirckhel vnd mathematische instru- 
menta. 

1 paar baininer würffei, in welchen Schreibtischlen sein. 
[J^ol. 524 V,] Die Virtus in form aines ligenden weiblins, in 
buchsbaum geschnitten mit den instrumentis vmbhero, die Siben 
freyen Künste bedeuttend, sehr artig. 

1 Vexier spiegel, welcher lange vnd braite angesichter 
gibet. 

1 Perspectiv rohrlin, oder tubus, in die weitte zuesehen, 

Christus der Herr vnd vnser L. fraw, vom x\lessandra 
Abondio ^) sehr schön in wachs possiert. 

Die Venus, wie sie dem cupedilin abhawet^), von gedachtem 
federriß, schön, groß vnd mühesam. 

Vom Passan Vecchio auf kupffer gemahlt die Epiphania. 

Vom Hanß König"*) auf kupffer gemahlt, in aurora, der 
Hercules wie er nach ainem Centauro scheust, so ihm sein weib 
entführet. 



') Arbeitete auch am pommer' sehen Kunstschranke mit Nagler, K.-L. XVI, 
129. Quellenschr. N. F. VI, an vielen Stellen. 

■•^j Ein solcher Schrittzähler von 1580 aus dem Besitze des Kurfürsten ist 
in Dresden im kj^l. mathematisch-ph^'sikalischen Salon, Abth. A, Nr. 477. Daselbst 
noch mehrere ähnliche. 

"') Geb. zu Florenz, lebte in AVien und München. Gest. in letzterer Stadt 
1675 Trautmann, Kunst u. K. Gewerbe p. 2G0, 388. Ilg in den Mitth. d. 
Centralcommission zu Wien 187G, p. 71. 

*) Die bekannte Darstellung der Züchtigung Amors. 

^) Schüler Elsheimers, Augsburger. Nagler K.-L. VII, 117. Janitschek 
a. a. O. p. 551. Quellenschr. N. F. VI, sehr häutig. 



— 137 — 

Etliche schöne miniatur stücklen auf helffenbain. 

Ain guldiner kettin ring. 

2 ring von gold, so sich vmb ainander heriimbwinden 
vnd kainer den anderen anrühret. 

1 künstlich in helffenbain geschnittnes Crucifix mit vnser 
L : fraw, vnd S^- Johanne darunder, mit dem sündenfall x\dams vnd 
\Fol. 525 r.] Evae, vnd mit der Jahrzahl, alles in ainem 
stroohalm steckhent. 

Ain veberauß künstliches vogelhäußlin mit dem vögelin 
darinn, an ainer gelaichneten kettin hangent, alles gar subtil, 
vnd kunstlich auß ainem holtz stuckhlin. 

Ain hültzins Reüterlin in aim federkihl. 

20 Von Subtiler arbait vnd gefärbtem holtz eingelegte 
schächtelen, so alle in ainander steckhen. 

1 Sehr schöne liebliche Singkugel oder Cymbalo, mit 24 
passen vnd kunstlich darauf gstochen. 

1 Gauggelmandlin ^). 

Schöne nach dem leben gemachte Niderländische bluehmen, 
von seydenem Zeug vnd kammerlein wath. 

In Silber gosßne bluemen, vom Mynderer-). 

Von gedachtem Gottfrid Münderer aine grosse nach dem 
leben schön in bley gegoßne Schlangen. 

Von gedachtem, aine gegosßne Edex. 

Indianische vnd türckhische leffel. 

Ain bluemenbuch, alle bluehmen von freyer band, nach dem 
leben gemahlet. 

[^Fol. 525 V.'] Ain Vögel, Fisch : vnd thierbuech, auch alles 
nach dem leben gemahlet, vnd darunder etliche prodigiosische 
thier, vnd sein dises 2 statliche bücher. 

2 antichische Lucernen di brunzo, darunder aine voller 
bildlen, darinnen die hayden das ewig Hecht gehabt. 

1 Vrnula, darinnen sie die aschen der verstorbnen behalten. 

1 antichischer Hercules di brunzo. 

Schöne erhebte landschäfflen, vom Achille langenbucher ^). 



') Kleine Gauklerfigur. 

^) Durch Quellenschr. N. F. VI (p. 57, G9 und öfter) zuerst in der 
Literatur bekannt geworden. 

^) Vgl. über ihn Stetten, K.-G. u. H. -Gesch. v. Augsb. I, 190. Ferner 



— 138 — 

Marcus Curtius auf vergultem blech punzioniert, von dem 
Stroohmayr ^). 

Model von seltzamen geschützen. 

Sich bewegende Drachen. 

1 Indianischer zerbrochner Idolo. 

1 schöner gestochner sechspasseter silberner Drehewürffel, 
mit Pomambra vnd baisam büchßlen darinn. 

1 floh büchslin. 

1 gar klain silberin schächtelin, mit silbernen würfeln 
darinnen. 

1 getriben silberin blechlin. 

1 Damaschenisch geschürr, mit gold vnd silber, zugweiß 
eingeschlagen. 

Porcellanische schaalen. 



die häufigen Erwähnungen seiner Person und Kunst in Quellenschr. N. F. VI 
(besonders p. 69, Note 192). 

'j Maler und Radierer des Kaisers Rudolf II. in Prag. Vgl. Quellenschr. 
N. F. VI, 29 und 57, wo er beidemale wie hier als Metallbildner auftritt. 



DRESDENER REISE. 



Relatio 

Philippi Hainlio- 

fers Rayss in der betrangten Evangelischen burgerschaftt geschafften nacher 

Dressden A? 1629. 

^) \FoL 2 — 3 7'.] [Z7vei lateinische Huldigu?igs- U7id Gliick- 
lüunsch gedickte auf Hainhofers bevorstehende Reise -). \Fol. 4 r.] 
Ei7tleitiing. \Fol, 4 v. — G 7'.] Klage über die Unterdrilckung 
des evangelische?i Beke7intnisses, besonders inAiigsbnrg. [Fol. 6 v.'\ 
Beschluss der Evangelische7i daselbst, sich an den Herzog Johann 
Georg L v. Sachsen zu li^enden, damit dieser beim Kaiser betreffs 
Zuriick?iahme der harte^i Maßregeln 'vermitteln möge. \Fol.7r. — 7v.\ 
Als Gesandte werden hierzu ausgewählt', der Scholarch Johann 
Ulrich Österreicher, Joh. Ulr. Rehlifiger, U. J-D., der Kupfer Stecher 
und Rathsherr Lucas Kilian ^), sowie Philipp Hainhof er, wegen 
seiner weit aus gedehnten Beziehufigen zu den verschiedensten 
Höfen Deutschlaiids, von dejien er besonders den baierischen, 
povimerischen tcnd mecklenbtirgischen nennt. Nach anfänglichen 
Eilt schuldigungen niviuit Hainhofer die Wahl an. \Fol. 8 r.] 
Abreise am 30. August nachmittags. Die Gesellschaft ist begleitet 
von drei berittenen Dienernj einem Kutscher U7id einem ,, Wagen- 
heber'. Abschied. Reise über Friedberg^, Dasing^), Aichach''), 



') Vor Beginn des Textes sind folgende Stücke in W.2 eingeheftet: 

a) Bildnis des Axel Oxenstierna. Seb. Furck fec. 1(333. Kpf. im Fol, 
Drugulin, Portr.-Katal. Nr. 15470. 

b) Der Hainhofer'sche wilde Mann; vgl. Innsbr. Rel, 

*) In Wj und W^: Kpf. in Fol., darstellend 23 Reiserouten von Augsb. 
aus. Verlag von J. U. Schönigk. Augsb. 1630. 

') In "W^: Brustbild des Lac. Kilian. Raph. Custodis scu. Unten 4 lat. 
Verse. Kpf. in 4. Drugulin Xr. 10574. 

•*) Hds. Dasingen. 

^) Hds. Aichen. 



— 142 — 

Witteisbach ^), Kühebach -), Peute?ihausen, Schrobenhausen, Ftlrt- 
dorf^), Rensbach ■^), Coxenbach ^), Dierhairnb ^) nach] 

[Fol. 304 r.] Bürenbach '), 2 meil, ist ain dorff dem Herren 
Hans Friderich von Liechtenau gehörig, mit ainem schönen schlos 
darbey vnd haben wir alhier zu mittag gessen. 

Langenbrugg, pagus, 1 meil, dises dorf hat mich gemahnet 
an Herren Nicolaum von Langenbrugg, ^) welcher A° 1610 von 
Kayser Rudolphi höchstseeligster gedechtnus May*^^ zu mir ge- 
schickt wurde, mein Stammbuch, vnnd Carolum Audacem Ducem 
Burgundiae vnd dessen Gemahlin, vom Alberto Durero hüpsch 
in holtz geschnitten : sampt [Fol. 304 zk] ainem Augstainernen ring, 
(darein ain Baumfalterlin gev/achsen, welcher auch ain menschen 
angesicht, wann man ihn vmbgewandt, repraesentirte, vnd von 
Conrado Gesnero^) sowol in titulo, als auch in ipso tractatu, de 
gemmis & lapidibus delineirt worden) abzufordern : dene ich die 2 
Contrafet vnd den ring in aller vnderthenigster, ob wol vergebener 
hoffnung vertrösteter Kayserlicher recompens habe folgen lassen. 
Das Stammbuch aber von mir zu schicken, w^eil man so schwerlich 
für Ihre Kay: May selbs kommen hat können vnd nur der ministrorum 
gnaden geleben müssen, ist m.ir von Herrn Marx Welsern Statt- 
pflegern seelig vnd andern, gar starckh widerrathen worden 



') Stammsitz der bairischen Königsfamilie. Die Burg liegt schon seit 1209 
in Trümmern. 

2) Hds. Küebach. 

3) Nicht mehr nachweisbar. 

4) Desgl. 

5) Desgl. 

6) Desgl. 

"') Heute Pörnbach. 

•*) Über diese Geschichte vgl. Hainhofers Brief an den Herzog von 
Pommern, 1611, 9./19. Januar, Quellenschr. N. F. VI, 94. 

9) Die Abbildung des Bernsteinringes bei Conrad Gessner zeigt, dass das 
»Baumfalterlin« eigentlich ein Käfer ähnlich der Gattung Ptinus (Bohrkäfer) war. 
Hainhofer erwarb die Objecte nach einem Briefe an Herzog Wilhelm von Baiern 
vom 23. November 1607 aus der Hinterlassenschaft einer vornehmen Persönlich- 
keit zu Danzig. Laut eines Schreibens Hainhofers an den kaiserlichen Antiquar 
Daniel Fröschlin ddo. 13. Mai 1609 gehörten sie ursprünglich dem Cardinal 
Granvella. Die Büstchen jetzt im Britisch Museum. The Wadderdon Bequest 
Nr. 261. 



— 143 — 

I Weiterreise über Geisen/eld^), Schwaig-), Neustadt'^) ; ain 

1. Septeyjiber liber Guggingen^), Sandharlanden'^), Holtzeland^), 
Thaldorf, Saal, Obbach') bis Regensburg^). Eiiikehr iii dem 
einer lVil7ve gehörigen Gasthause zum golde?ie?i Kreuz^). 
Zusammentreffen daselbst mit vielejz evangelischen Flüchtigen, 
besonders aus Steiermark, Kärnten und Kr ain. Catalogus 
Exulum, im ganzen 714 Personen, Ein Gebet in Versen, 
Rathsdecret, Regensb. 1, Sept. 1629, mit Mahnung zur Ruhe. 

2. Sept. Besuch des evangelischen Gottesdienstes. Kirchenlied-. 
..O Gott Vater im Himmelreich.-' GebetY^). 

\Fol. 320 r.\ Von hinnen haben wir die vor 2 Jahren 
angefangne, ietzt schon vnder das Dach gebrachte, auf des Raths 
vnd nicht auf der gaystHchen grund vnd boden, mit KayserHchem 
consens vnd privilegio, newerbaute kirche besehen, welche wann 
sie gar fertig, vnd die Dominicaner Münch dem Rath "^ ii. zu- 
stellen, die Evangelische ihren Gottesdienst hierinnen verrichten, 
vnd hergegen die Dominicanerkirchen gantz quitieren müssen. 
\_Besuche bei Freu?iden. Weiterreise wegen Unzvetter aufgeschoben, 
Gottesdienst in der St. Oszualds kirche. Besuch der Dominica7ier- 
kirche, 7vo, 7iur durch eiyie Holzivand getre?int. Evangelische 
und Katholische zugleich Gottesdienst halten. Zusammentreffen 
mit Georg Forstenhauser aus Nürnberg. Ei7iladung dorthin. 

') Hds. Geiseldorf. 

2) Nicht mehr nachweisbar. 

3) Hds. Xeustättlin. 

4) Nicht nachweisbar. 
5; Hds. Harrland. 

ö) Nicht nachweisbar. 

") Hds. Abach. 

^) In Regensburg war H. schon 1613 gewesen. Vgl. die Einleitung, wo 
seine Relation darüber verzeichnet ist. Über die Vorgänge in Regensburg vgl. 
Gemeiner, Chronik d. Stadt und d. Hochstifts R., Regensb. 1819. 

^) Noch heute ein wohlbekanntes Gasthaus (am Haidpiatz gelegen), in 
welchem schon Karl V, 1532, 1541 und 1546 gewohnt hat. Fälschlich ist die 
Annahme, dass hier auch Don Juan d'Austria geboren sei. 

'^) Im ganzen nimmt H. von Regensburg nur wenig Notiz. Es erklärt 
sich dies aus der Eile der Reise, worin er erst einige Tage später nachließ, als 
er in Gegenden kam, die ihm bisher unbekannt waren^ ferner aus der Stimmung, 
die sich H.'s beim Anblicke der vielen des Glaubens halber Flüchtigen bemäch- 
tigte. Das Religiöse trat bei H. in Regensburg ganz in den Vordergrund, und 
so finden wir hier nur die dem evangelischen Gottesdienst geweihten Kirchen 
berücksichtigt. 



- 144 — 

Traurige Befrachfinigen über die Lage der Evangelischen ^). 
Am S. Sept. Weiterreise über Heideidorf-), Roge^tstau/^), 
Taublitz^), Kozdorf^ Schwa7idorf, ScJnvarze^ifeld, Nabburg, 
Pfreimd] ^). 

[Fol. 322 v.^ Alhier hat Herr Landgraf Maximilian Adatn von 
Leichtenberg ^) in ainem fainen schlos seine Fürstlichen residenz, 
Vor der Statt ainen hüpschen garten mit aim lusthaus : [ Weiter- 
reise a7n 4. Sept. über Schindenhiitten ''), Luhn ^), Weiden, 
Neustadt'-^), Falkenberg; avi 5. Sept. über Alitterteich^^^), Wald- 
sassen^^) nac/i] \Fol. 323 v.] Eger 1 meil. Ist aine feine wol erbaute 
nährliche Reichsstatt gewesen, aber dem König Johannj in Böhem 
vmb -^ marck silber verkaufft worden. [Über Reformation und 
Gege7ireformatio7i daselbst ?^ 

[Fol. 324 r.] In S. Nicolauskirchen, welche voller alten 
altär vnd epitaphien, ist sonderlich zu mercken das epitaphium 
aines beckenknechts, namens Sigmund Wann, so seinem hand- 
werckh gen ^'enedig nachgezogen, daselbs aine wittib gefreyet, 
die ihn hat lernen gold vnd silber schaiden, aus altem eisen, 
gold, vnd aus altem Zin silber machen, .... [Fol. 324 v.] 
Diser Wann hat hier zu Eger ein bruderhaus, zue vnderhaltung 



') In "VV.j und W^ eingeschaltet: 

a) Bildnis des Superintendenden Seb. Hemminger. L. Kilian Schalb. 
ao. 1630. Unten deutsche gedruckte Verse. Kpf. in 8. Fehlt bei Drugulin. 

b) Druck: »Kurtzer Summarischer Bericht über den Bau der neuen Kirche 
zu Regensburg.« 27 Seiten in 8. 

c) Kpf. in Fol.: Grundsteinlegung zur neuen Kirche. M. Merian fecit. 

d) »Abbildung der Pfenning vnd der grundstein.« M. Merian fec. Kpf. in 4. 

e) Bildnis des Predigers Joh. Mülberger. Lucas Kilian sculpsit. Unten 
deutsche gedruckte Verse. Kpf. in 8. Drugulin Nr. 14625. 

^) Nicht nachweisbar. 

3) Hds. Ringstauf. 

4) Hds. Deibiz. 

5) Hds. Pfrümbt. 

") Geb. 1607. Gesandter am Reichstag zu Regensburg im Jahre 1640. 
Nach seinem Tode (4. Nov. 1646) fiel sein Besitz an Baiern. Zedier, Universal- 
Lexic. XVII, .5.54. 

') Nicht mehr nachweisbar. 

*•) Hds. Lau. 

^) Hds. Neustättlin. 

1".) Hds. Mitterdeuch. 

") Hds. Waldsachsen. 



— 145 — 

12 armer männer, zum WohnsideP) im Markgraffthumb auch 
ain bruderhaus vnd das Hospital auf seinen Kosten gebauet. 
Be'y seinem grab in diser St. Nicolaikirchen ainen altar 
aufgerichtet, an welchem oben auf der Herr Christus am creutz 
mit darunderstehender mutter Gottes vnd S.^'^ Johanne von runden 
bildern : Vnden an der tafel gemahlt sein S. Petrus, S. Jacobus, 
S. Paulus, S. Christophorus, vnder disen Sanctis kniet er selbsten. 
Auf dem grabstain stehet A° 1462 hab er dises epitaphium gemacht 
vnd A° 1468. seye er gestorben-). 

[J^o/. 325 r.] Als man \später ivi Wirtshanse\ des gold- 
vnd silber schaidens des Wannes gedachte, fragte man, wievil 
Ducaten, item wievil thaler ain Zentner wägen ? Antwort, wann 
69 Ducaten ain marck gold, vnd 8 Reichsthaler 1 marckh silber 
machen, so betragen 13800 Ducaten ainen centner gold, vnd 1600 
\FoL 325 v.\ Reichsthaler. 1 centner silber^). [Weiterreise 
zum Sauerhru7i7ien bei Schiada ^) ; über Wildsfein und Fleißen ; 
a?}i 6. Sept. über Landzvilst'^) und Adorf ^) nacJi] . . . Elßniz'), 
aine statt 1^- meil, hie pransi sumus. Vnd hat es Alhier aine 
schöne kirchen ^), mit alten alabasternen altären, [Fol. 327 r.] 
schönen epitaphijs, an den borkirchen vmbhero biblische Historien 
gemahlet, also auch schön gestül, alles gar in feiner Ordnung. 

') D. i, AVunsiedel. 

■^; Das Epitaph des S. "W. existiert heute nicht mehr, ebensowenig 
der oben beschriebene Altar. Er mag wie so viele andere Altäre der Nicolai- 
kirche bei den Renovirungen mit zugrunde gegangen sein. Bei der letzten 
Renovation 1893 fand sich, als der sog. Kreuzaltar abgetragen wurde, hinter 
dem Kreuzesstamm und der Canontafel ein Holzbild, ein altes Männchen (Sigm. 
'V^^ann?) in weißem Unter- und schwarzem Oberkleide darstellend; jetzt im Mus. 
2U Eger, Das Bruderhaus daselbst ist nicht von "W, gestiftet, dagegen 1456 das 
zu Wunsiedel. Daselbst war (wenigstens vor einigen Jahren noch) rechts vom 
Eingange sein und seiner Gattin Bild. Vgl. das vortreffliche, leider selten 
gewordene Werk von Grueber, »die Kaiserburg u. d. St. Niclaskirche zu Eger.« 
Familienurk. der "Wann im Archive zu Eger. Nach gütigen Mittheilungen des 
Herrn Dr. Siegl daselbst. 

') Auf Fol. 326 r. ein französischer Brief; 326 v. deutsche theologische 
Betrachtung. 

"*) Hds. Schiaden. 

•^) Hds. Landwiz. 

<;) Hds. Atorf. 

^) Oelsnitz. 

'^) Über die Jacobikirche vgl. Bau- u. Kunstdenkm. d. Kgr. Sachs. Heft 9. 
pag. 12 flf. 

Quellenschr. X. Bd. 10 



— 146 -- 

Bey 240 Häuser. Ainen schönen marckt, Ain feines neues 
Rathhaus^) .... \Inschriffen an der Rathsstube.'] 

Vor der Statt heraussen ligt in der höhe Voitsberg-), das 
hat ainen thurn, so vor Christj geburt gebawet worden. [ Weiter- 
reise iiber Theiuna^), Thoßfall^), Raiclienbach.\ 

[Fol. 328 v.^^ Adi den 7. Sept. sein wir aufj Schönenfels ■^) 
zukommen, 1 meil, ist ain klain dorf, mit 2 schlossern : welche 
auf 7 iahr lang Herr Graf von Küfenhil vmb 9000 fl bestanden 
hat. Zwickaw 1 meil. Dises ist aine vnder den 14 Chur Stätten, 
gar feine statt, hat . . . ain hüpsches Rathaus*'), darbey das 
kauff- vnd waaghaus '). Aine schöne grosse geweihte kirchen, 
zur H. Dreyfaltigkeit genannt '''), in dero choro zu sehen ist ain 
alter grosser Altar, dreyfach vebereinander bletterweis, das man 
ihn dreymal verkehren kan, zweymal mit gemahlen'*), das dritte- 
mal mit geschnittnen runden bildern, als la madre di gratia mit 



') Leider ist das Rathhaus, welches erst in den Jahren 1616 — 18 erbaut 
worden war, schon 1632 bei der Zerstörung der Stadt in Flammen aufgegangen, 

2) Vgl. Jahn, Oelsnitzer Chronik, Oelsn. 1841. 

^) Voigtsberg, Dorf mit Schloss nordöstl. von Oelsnitz. Das alte Schloss 
wurde 1632 und 33 verbrannt. Ansicht desselben von 1628 iu Beilage II von 
Heft 10 der »Bau- u. Kunstdenkmäler des Kgr. Sachsen«. Daselbst auch 
Besprechung des von H. erwähnten Thurmes, der nichts anderes ist, als der 
Berchfrit der ehemals dort belegenen Burg. 

*) Hds. Deyma. 

5) Hds. Dossfäll. 

^) Heute Schönfels geheißen, ein Schloss auf einer bewaldeten Anhöhe. 

') Das Rathhaus zu Zwickau wurde 1581 erbaut; noch vorhanden. 

^) r)asselbe stammt von 1522 — 24; gleichfalls noch vorhanden. 

*) H. meint die Marienkirche. Ihr Bau begann 1453, das Chor wurde 1536 
hinzugefügt; spätgothische dreischiffige Hallenkirche. Vgl. über sie Dohme,. 
Gesch. d. deutschen Baukunst pp. 188, 235, 278. 

"^) Die Bilder wurden 1479 durch Michael "VVohlgemuth gemalt, freilich 
z. Th. mit Hilfe seiner Schüler. Janitschek erklärt in seiner Gesch. d. deutscherL 
Malerei (p. 289) die heilige Sippe als das beste von diesen Gemälden. Abbild. 
der Verkündigung bei Reber und Bayersdorfer, Klass. Bildersch. Xr. 1016. 
Vgl. Höpfner, die Heiligen in der christl. Kunst, pag. 11. 

Bemerkenswert ist das ziemlich kühle Urtheil Kuglers (Gesch. d. Mal. 11, 
453), welcher für die Bilder an den Außenseiten auf eine Kreuzigung in tler 
Münchener Pinakothek (Nr. 233 des Katalogs von 18111) hinweist. Vgl. auch 
V. Quandt, die Gemälde des Michel "Wohlg. in d. Frauenkirche zu Zw., wo 
diese Gemälde in acht Lithographien nachgebildet sind. 

Die genaue Beschreibung des Altars findet sich in der Festschrift zur 
Einweihung der erneuerten Marienkirche zu Zwickau. Zw. 1891, pag. 79 ff. 



— 147 - 

8 Jungfrauen, vnd im fus Christus der Herr mit den 12 Jüngern. 
\Bcfrachfunge}i über die Jiuig/raii Maria.] 

In der Sacriste}' hat man vns gezaigt die alte Messgewand, 
vnd die altär Zierde. Ain höltzines geschnittnes Hailig grab ^). Ain 
grosses Cristallines Crucifix mit granaten geziert -j. Ain grosses 
silberins creutz, in welches creutzweis gefasset ist ain zimliches 
grosses stückHn holtz vom creutz Christi, auf ainer seiten mit 
geschnittnen Griechischen characteribus vnd bildern di basso 
rilievo geziert, welches Martin Römer \Fol. 330 r.\ anfangs vmb 
-^ fl vnd dann noch darzu 4 schöne saphir, in das crucifix 
zu versetzen gekaufft, vnd in dise kirchen verehret hat ^). 

[///;/ hat Gott\ im Schneebergwerckh in St. Georgen gruben 
(daselbs A*^ 1472. Herzog Albrecht auf ainem gantzen silbernen 
tisch Ihme essen vnd trincken auftragen lassen, auf ainem kux, 
ohngefährlich bis in die ^ li zur ausbeut gefallen vnd auf ainmal 
100 marck silbers vnd 600 fl Reinisch auf 1 kux ausgethailt 
wurden) also gesegnet, das er so reich worden ist, . . . auch gar 
vil in die kirchen, vnd vnder anderm gedachtes stücklin holtz 
vom creutz Christj, so Er mit Ihme aus Türekey gebracht, A° 1536 
hiehero verehrt^), so vor disem in ainem mit doppeltem getter 
verschlossnen, vnd in aine stainerne saul gehaw^enen kästen in 
der kirchen verwahret, vnd der \FoL 330 v.\ Römer begräbnus 
vnd Capellen ■') hinzu ist gemacht worden, letzt aber in der 
sacristey aufbehalten vnd verrigelet würdt, warzu die verord- 
nete Kirchen Propst, so vns solches gewisen, die Schlüssel haben. 
\Folgt in sehr schlechtem Latein eine Art UrJ^unde mit dem 



') Es ist noch vorhanden; angeblich von Veit Stoss, Künstlerzeichen aber 
M. R. ; Entstehungsjahr 1507 ; gestiftet von M. H. Vgl. Festschrift pag, 64, 84. 

2) Das Crucitix ist noch nach gütiger Mittheilung des Herrn Superinten- 
denten Mever zu Zwickau vorhanden. 

3) Das Crucitix mit der Kreuzpartikel ist der Marienkirche durch AVallen- 
stein bald nach H.'s Besuch, 1632, entführt worden. Es war 1486 von einem 
Goldschmiede aus Plauen angefertigt worden, nachdem Martin Römer bereits 
1478 die Reliquie u. s. w. dazu gestiftet hatte. Nur das vergitterte Behältnis des 
kostbaren Stückes existiert noch. Vgl. Festschrift p. 82. 

*) Die Jahreszahl ist falsch. Der um die Marienkirche hochverdiente Amts- 
hauptmanu Martin Römer starb schon 1483. 

^) Die Kapelle ist noch vorhanden und beherbergt u. a. an der östlichen 
"Wand die sehr einfache messingene Grabplatte des Martin Römer. Vgl. Fest- 
schrift p. 82. 

10- 



— US — 

Versuche des Nachweises, dass die oben genannte nnd zvie oben 
beschriebene Kreuzpartikel von der h. Heloia erzvorbe?i sei ; ver- 
fasst von dem Arzte Lad ist aus Zäct^t, 14(i(j, Budapest.] 

Dise kirch hat auch ainen schönen grosen thurn ^). St. Catha- 
rinae kirchen -) ist etwas klainer, hat im Chor ainen vom Luca 
Kronacher sauber gemahUen altar von dem füswaschen Christj ^) : 
an den altarflüglen ist Herzog Johann Friderich^) vnd seiner 
Churfl. Gn. frau gemahhn gecontrafettet. | UberscJiweniviu)! g 1573.] 

In diser St : Catharinae kirchen hat es obenauf boorkirchen 
für die Chur vnd Fürsten personen, vmb wann Sie vom Jagen 
in die Statt kommen, die predig anzuhören, wie es dann hier auch 
ain schönes Churfürsthches schlos ^) vnd lusthaus hat''), das 
Parade)^ s genannt. 

Das schöne eckhaus vor dem Rathhaus hinüber hat 
[J^ot. 331 7/.] Martin Römer zu seiner wohnung gebawet, 
vnd hat es hier veber die 800, darunder ethche schöne grosse 
häuser, hüpsche lange vnd gleiche gassen, ainen gar grossen 
marckplatz. S^Fotgt Mahlzeit mit Freunden. Weiterreise iiber 
Lichtenstei?t. Erzählu?ig eines daselbst stattgehabten Duells 
zwischen zwei Vettern von Schönberg. Am 8. September weiter 
über Berndorp), Langenlumpen ^), Mittelbach und Reichen- 



1) Er ist 72 m hoch. 

*'^) Die Katharinenkirche stammt in ihren ältesten Theilen aus dem 14. 
n. 15. Jahrh. Thoraas Münzer war hier 1520 — 22 als Prediger thätig. 

3) Kurfürst Friedrich der Weise stiftete dieses "Werk 1518, eigentlich für 
den Kunigundenaltar der Marienkirche. Vgl. Festschrift p. 66. Es ist noch jetzt 
vorhanden, stammt aber von Hans v. Kulmbach. Vgl. Kugler, Gesch. d. Malerei II, 
502. Über Zwickau im allgemeinen vgl. Schmidt, Zwickauer Chronik, Zw. 1(556. 
Herzog, Chronik d. Kreisstadt Zw., 1839 — 45, 2 Bde. Merian, Topogr. Superioris 
Saxon. p. 193 ff. mit Abbildung. 

4) Jedenfalls Kurf. Joh. Fr. II., 1529—1595. War zweimal vermählt 
1. mit Agnes von Hessen, Witwe des Kurf. Moritz, f 1555, 2. mit Elisabeth 
V. d. Pfalz, t 1594. 

•^) Das jetzt zur Strafanstalt umgewandelte Schloss Osterstein, welches 
1590 vollendet wurde. 

'') »und stehen darbey auch längst c^m Wasser Mulda schöne Linden- 
bäume ordentlich in der Reihe nacheinander gepflantzet, so schön und lieblich, 
daß es auch von den frembden Durchreisenden vor ein jrrdisches Paradeyß 
geachtet worden.« Merian. 

') Hds. Bernstorf. 

'') Nicht mehr nachweisbar. 



— 149 — 

brajid^) nacJi\\Fol.SSSv^ Chemnitz-) 1 meil. Dises ist aine schöne 
wolerbaute Statt vnd aine vnder den 14 Sächsischen Churstätten,. 
hat vebcr 800 häuser, aine grosse kirche zu St. Jacob, darinnen 
ain schöner groser altar, dreyfach veberainander, vmb solchen 
an" den hohen festen zuverändern ; die 2 äussere sein gemahlt, 
der dritte vnd hinderste ist von runden vergulten Bildern, als : 
la madre di gratia, S. Jacobus, S. Wolfgangus, S. Christophorus, 
S. Erasmus, S. Dorothea, S. Hanna ^). Hat aine schöne Cantzel, 
ainen hüpschen geschnittnen grosen tauftstain, welcher inwendig 
mit Zin gefüttert ist. In diser kirchen sein 2 orglen, oben auf 
ain alt H. grab ^), vnd etliche alte bilder. 

In der höhe hangt aine tafel, an welcher von Luca Kro- 
nachern auf ainer Seiten gemahlt 1 Jüngling vnd 1 Jungfrau, 
in Teutscher klaidung : auf der andern selten 2 tod, fugacitatem 
& inconstantiam huius vitae darmit fürzubilden ■'^). [Verse.] 

\FoL 334 r.\ Vnd predigen in diser kirchen 3 prediger. 
In der vorstatt für die leuth, so draussen wohnen, ist St. Johannis 
kirchen, mit 2 predigern, vnd gar vor der statt ist St. Nicolaj 
kirchen, mit 1 prediger für die bauren. 

Es hat hier vnd in andern Sächsischen Stätten schönes aber 
zimlich hoffertiges frauen volckh . . . Vnd suchen sie sonderliche 
Zierde in halß : vnd armbändern, in grossen kresen vnd weissen 
ärmlen. [Fol. 334 /'.\ Vnderwegs ist auf der selten in der höhe ain 
schöns grosses schlos, Augustusburg genannt : weils Churfürst 
Augustus erbauet''), vor dem schlos stehet ain Lindenbaum 



') Desgl. ATielleicht das Dorf Wüstenbrand. 

Hier in T\".i und AV3 eingeschaltet : Hexenküche, im Hintergrund Ritt auf 
den Blocksberg und Hexentanz. Unten 32 deutsche Verse. Schlechter deutscher 
anon. Kpf. sec. XVII. in kl. Fol. 

'^) Über das damalige Chemnitz vgl. Merian, Topographia Superioris 
Saxoniae, p. 37 f. Daselbst auch eine Abbildung der Stadt. 

') Dieser Mitteltheil ist leider verloren. Dagegen werden zwei Flügel des 
Altars noch in der Alterthurassammlung zu Chemnitz aufbewahrt. Sie zeigen 
einerseits St. Frauciscus und Bartholomäus, andererseits St. Ulrich und Petrus. 
Die Bilder gehören augenscheinlich der Wohlgemuth'schen Schule an. 

■^j Ebendaselbst. Stammt von ca. 1480, ist noch ziemlich gut erhalten und 
zeigt verschiedene Aposteltiguren, darunter besonders charakteristisch eine mit 
einer Tasche f Judas Ischariot r). 

^) Leider nicht mehr vorhanden. Vgl. über die Chemnitzer Kunstübcr- 
bleibsel : Bau- u. K.-Denkm. d. Kgr. Sachseu. Amtshauptmaunschaft Chemnitz. 

ö) In den Jahren 15<}8— 72. 



— 150 ~ 

vnder welchem 70 tisch stehen können. \I^o/. 334 v.] In dem 
grossen schlosthurn zu HaVdelberg, in welchem das grosse weinfas 
ligt, können auch aine grosse anzahl tisch stehen, wie meine 
wildbäder relation de A°- 1()15 außweyset^). Edern-) V2 ^'^^'^^ 
wegs, dises ist ain amptstättlin von 500 häusern hat aine veber- 
aus artige (von schönen durch vnd durch mit biblischen Historien 
gemahlten vnd geschnizelten altären, 2 orglen, 2 Cantzlen, 
] tauffstain, boorkirchen vnd gestülen) gezierte kirchen, \FoL 335 /'. | 
Alhie hat es aine feine apotecken, gleich bey der kirchen, .... 

Fre^berg^), civitas Hüc appulimus circa horam octavam, 
so das wir noch den Superintendenten herrn M. Abraham Gensern 
in der thumkirchen "*) predigen hören, 

Noch hat es alhier S. Peter kirchen^) \I^o/. 336 7'.\ St. Ni- 
cola] ''), die Nonnen '), vnd vor dem thor *) St. Johannis Spittal ^) 
kirchen, in welchen man täglich alternatim prediget. 



') ^^g^' ^^^ wiederhergestellten Inhalt dieser Relation in der Einleitung. 

2) Die Kirche zu Öderan (Liebfrauenkirche geheißen) stammt wahrschein- 
lich aus dem 13. Jahrh. ; 1892 ist sie renoviert, und bei dieser Gelegenheit 
wurde festgestellt, dass der mit Malerei (Auferstehungj und Schnitzwerk ver- 
sehene Altar allzu wurmstichig und daher nicht reparaturfähig war. Das in der 
Kapelle zum Kreuz aufbewahrte Altarbild hat keinen Kunstwert. (Nach gütiger 
Mittheilung des Herrn Pastor Flechsig zu Öderan.) 

Vgl. die Bau- u. K.-Denkm. d. Kgr. Sachs., sowie die »Denkschrift zur 
Jubelfeier der vor 100 Jahren vollzogenen Einweihung der Kirche und Orgel zu 
Öderan, verfasset von Joh. Ludw. Reiling, Diaconus daselbst und Chr. Fürchteg. 
Lieber, Organisten daselbst, Freiberg, 1827.« Die sog. Staber'sche Chronik ist 
unzuverlässig. 

3) ^: 1 marckt. 

*) Über den Dom vgl. unten. 

5) Die Petrikirche ist durch den Umbau von 1728 — 34 fast ganz verändert. 

') Über diese wie die vorige Kirche vgl. die beschreibende Darstellung 
c".cr älteren Bau- u. Kunstdenkm. des Königr. Sachsen. 3. Heft. Amtshaupt- 
minnschaft Freiberg, bearb. von Dr. R. Steche, pg. 67 ff. 

■*) Hainhofer meint vielleicht die Jacobikirche, welche mit dem jetzt ver- 
schwundenen Jungfrauenkloster vom Orden der h. Maria Magdalena von der 
Buße zusammenhieng. Vgl. Steche a. a. O. p. G4 ff. 

^) Unklar. Vielleicht ist die Kirche St. Donati gemeint, die auf dem 
Donatsfriedhof lag, aber schon im IG. Jahrh. verfallen sein soll. Vgl. Steche 
a a. O. p. 7L 

'■>) Vgl. Steche a. a. O. p. 71. Die von Hainhofer gesehene (?) Kirche ist 
übrigens bei der schwedischen Belagerung 1643 ganz zugrunde gegangen und 
165y — 61 durch einen Neubau ersetzt worden. 



— 151 — 

In der thumkirchen ^) ist im verschlosnen Chor die Chur- 

fürstliche begräbnUS laut von Melchior hofman bibliopola zu Freyberg ver- 
legter vnd von Christoph Vogel inventierter vnd gestochner delineation 

in gar groser patenti, vnd getruckter beschreibung in quarta 

forma, welche erstlich M. Michael Hempel der schuel zu Frej'berg gewester 
rector, Ao- 1605. vnd 1606. hernach M, David Schirmer SS. theol : Studiosus 
verbessert, in Verlegung gedachtes hofmans, Ao- 1619. zu Freyberg in trukh 
ausgehn lassen *) \_Fol. 336. r.] vnd Ich zu besserer nachrichtung, was in discr 
lateinischen vnd deutschen monumentorura beschreibung fürnemlich begriffen vnd 
zu fünden ist, deß M. David Schirmers ganze an den günstigen leser gestehe 

Vorrede verbotenus hiehero sezen wollen. \Folgt diese Vorrede:^) Bt- 

schreibung von Begräb7iisgebräuchen und Begräbnisstäffen bei den 
^üerschiedeyisten J^ö'lkern. Fürstliche Stanimbegräbjiisse, luiter 
^tvelcJien besonders zu rüJwien das chtirsächsische^ so inn der 
löblichen freyen hauptbergkstatt Fre^berg in Meissen zu sehen, 
vil vnd grose vncosten gewendet, dasselbe mit herrlichen vnd 
kunstlichen bildern, schönen gemälden [/W. 62 v.^) aufs herr- 
lichste vnd prachtigste \y erziert gleich den berühmtesten Gebäuden 
der Vorzeit. Zu seinem e^vigen Ruhme ist diese Schrift verfasst 
und mit K^ipfersttchen ausgestattet ivordeii. Melchior Hoff- 

})iaun hat\ aber dise beschreibung in fünff \^Fol. 63 i".] vnderschidene Capitel 
abgethailt. Im ersten wirdt kurtzlich beschriben die Domkirche ^'j alhier, alß 
durch welche man in das begräbnus gehen mues. Im andern folget die beschrei- 
bung der Churfrl. capell"), wie sie an sich selbst, ohne die epitaphien "*; zusehen. 

'j Die Literatur gibt Steche p. 96 der Hauptsache nach an. 

'^) Der vollständige Titel lautet : Conditorium Saxonicum de novo Tabulis 
Aeneis incisum et Ruculcenta descriptione Latina et Germanica illustratum. Das 
ist : Kurtze Beschreibung der in Kupfer gestochenen vberaus herrlichen vnd 
kunstreichen Begräbniß Capelle der durchlauchtigsten Chur vnd Fürsten zu 
Sachsen, so in der Domkirche der Churf. alten freyen Haupt Bergstadt Freybergk 
zn sehen etc. Vor dessen von Michaele Hempeln der Schulen zu Freyberg 
gewesen Rectore in Druck gegeben, Jetzo aber von newen vbersehen etc. von 
M. David Schirmern S. S. Theol. stud. Freybergk. In Vorlegung Melchior Hoff- 
manns. 1619, 4°. 

Hierzu ein viertheihger großer Kupferstich^ der heute sehr selten ist. — 
Nach Steche a. a. O. p. 96. 

3) Sie fehlt in "W^., findet sich aber in den andern Hds. 

*) Die Folienbezeichnung stammt aus Wj. Vgl. die vorige Aum. 

^) Vgl. ihre genaue Beschreibung bei Steche p. 14 — 39. 

") Sie war das Hauptwerk des Baumeisters und Bildhauers Nosseni aus 
Lugano (1544 — 1632). Über sein Epitaph vgl. unten, außerdem die Einleitung. 
Steche p. 39 — 54. 

* ) Steche p. 54 ff. Es sind im ganzen 28. 



— 152 — 

Im dritten, das herrliche und erhabene grab Churfürsten Moritzens ') Im vierdten^ 
die messinge bildtnusse, der verstorbenen Chur: vnd fürstl. personen*), so zu 
baiden Seiten der maur stehen. Vnd solches alles mit wenigen vnd kurtzen 
wortten : sintemahl hierinnen vil mehr auf das werckh an sich selbst, alß auf 

grose vnd braide wort gesehen wirdt. \Schluss der Vorrede. Hainhofer 
findet die Gruft zu einfach^ ^) \Fol. 335 v.^ ^) als wie man der- 
gleichen auch von dem glorwürdigsten Ka}'ser Carolo V. in ainem 
epitaphio, in monasterio S. Maximinj, geschriben findet: 

CaroLVs est IntVs recVbans hoC noMIne QVIntVs 
Ex rebVs gestls reLIqVa haVt nescire potestls. 
Ligvisti exuvias gelido sub marmore, sed non 
Quantus eras Caesar, marmor & urna capit. 
Pro tumulo ponas Orbem pro tegmine coelum 
Pro facibus Stellas, pro imperio empyreum. 
In [diser Churfürstlichen] capellen sein 8 crucifix, die man 
Fürstlichen leichen fürträgt, wann man solche von Dresden hiehero 
führet. Churfürsten Mauritij küris oder leibrüstung ■') stehet in 
der höhe an ainem pfeyler, an deren man in der lincken seiten 
den schuß, so Ihre Churfürstl. Gn. empfangen, vnd darbey 14 
fahnen vnd 8 Cornet, die sie erobert haben, sihet . . . 

\^Fol. 337 r.] In diser kirchen ob ainer thür ist Friderich 
Lesers, Burgermaisters, schönes epitaphium '^), welcher A°- 1609 



1) Steche p. 39—45. 

2) Es sind dies folgende : Herzog Heinrich d. Fromme, Herzogin Katharina^ 
Kurfürst August, Kurfürstin Anna, Kurfürst Christian I., Kurfürst Johann 
Georg I. Das Material ist vergoldetes^ Messing. Hergestellt sind alle außer Johann 
Georg I. (diese mittelmäßige Figur ist Von Pietro Boselli aus Venedig; auf- 
gestellt 1737) von Carlo da Cesare aus Florenz, welcher den Auftrag durch Ver- 
mittlung des Giovanni da Bologna erhielt und in den Jahren seit 1590 ausführte. 
Vgl. Steche a. a. O. 

Vgl. auch Archiv f. sächs. Gesch. II, 152. 

3) "Wohl zum Theil, weil er noch an das in Innsbruck 1028 gesehene 
Maximiliansgrab dachte^^'mit welchem das Moritzmonument allerdings aus verschie- 
denen Gründen den Vergleich herausfordert. 

^) Von hier an wieder aus W,. 

^) Er trug sie in der Schlacht bei Sievershausen, wo er am 9. Juli ITmS 
seinen Sieg über den Markgrafen Albrecht von Brandenburg-Kulmbach mit dem 
Leben bezahlte. Beschreibung der Rüstung bei Steche p. 45. Die tödliche Kugel» 
sein Kamisol, die blutige Feldbinde und zwei Stückchen Eisen von dem 
Harnisch im histor. Museum zu^Dresden, Saal G, Feld III, Nr. 38. 

^) Erwähnt als »reich mit Marmorarbeiten geziert« ist Lösers Epitaph bei 
Steche p. GL 



— 153 — 

seines alters 82 iahr, verstorben^ neunmahl burgermaister 
worden . . . 

An den 12 stainernen columnen der kirchen sein hin vnd 
wider ain hauffen runde bilder vnd epitaphia ^), sonderlich die 
5 kluge vnd 5 torechte Jungfrauen nach ainander hero. -) 

Wol zu sehen ist Ain staincrne, sehr künstliche, durch brochne 

vnd nirgent dergleichen gefondene CantzeP) VOn bildcrn Vnd thieren, 
deren außfuerliche beschreibung gleich im ersten Capitel obgedachten buchlins 

zu fünden ist. Der hauptaltar ist A°- 15G0 de coena dominj, vnd 
die communicanten von mann vnd Weibspersonen in ihrer tracht 
gemahlet, wie sie damalen geklaidet gangen sein ^). Bey der 
kirchen ist ain coemiterium oder creuzgang, welcher von der 
burgerschafft vor 5 Jahren gerenoviert vnd letzt zu Sepulchris 
vnd epitaphijs geordnet worden ist''): da dann ain iedes haus 
50 fl. gibt, so ain begräbnus alhier haben will. [Folgen einige 
Grabschriften, deren sich Haiiihofer vo?i andern, nicht ge- 
nannten Orten her erinnert^ 

[Fol. 337 v.'\ Nicht weit von der kirchen ist das Churfürst- 
liche schlos *"), in welchem wir gesehen haben Ihrer Churfrl : Durchl : 
Wohnstuben, das vorgemach, Ihre schlaffkammer, vnd sein dise 
vnd andere mehr zimmer mit poesijs aus dem Amadis gemahlet . . . 

[Fol. 338 r.\ Camer Juncker kammer. 

Der Churfürstin, der fräulein, der Hofmaisterinnen, vnd des 
frauenzimmers gemache. 

Bey des Churfürsten Zimmer ist die hofkirche. Am altar 



^) Steche a. a. O. 

■2) Nicht mehr nachweisbar. 

3) Beschreibung, Abbildungen und Literatur dieser berühmten Kanzel bei 
Steche p. 34 — 37. 

"*) Nur die Mitte ist noch vorhanden, darstellend vorn die Austheilung des 
Abendmahls, hinten dessen Einsetzung. Schule des Lucas Cranach d. Ä. Gestiftet 
vom kurfürstl. Münzmeister zu Annaberg, Matthäus Rohdte, 15G0. Vgl. 
Steche p. 58. 

5) Vgl. Steche p. 63 f. Hier schließt Hainhofers Besprechung des Frei- 
berger Domes, ohne dass er der berühmten goldenen Pforte mit einem Worte 
gedacht hätte. Vgl. die Einleitung. 

Hier in W^: »Spiegel menschlichen Lebens,« Allegorie. Anon. Kpf. in 4. 
Rechts und links gedrucktes deutsches Gedicht. Verlag von Domin. Custos in 
Augsburg. 

^) Schloss Freudenstein, dessen Erneuerung 1566 durch Lorenz v. Schön- 
berg begonnen, später durch Rochus v. Lynar fortgesetzt wurde. Steche p. 72 — 77, 



— 154 — 

das Nachtmahl ^) : oben darauf von runden bildern Gott der 
Vatter, der den Churfürsten Augustum, vnd seine Gemahhn an 
den armen haltet^): An den Flüglen ist die verhaissung des 
weibes saamens, als typus & promissio : vnd die creutzigung 
Christj als antitypus & completio abgemahlet ^). Ain kammer, 
darinnen gar vil schwarze damjastine vnd taffetine begräbnus fahnen, 
51 cornet ^) vnd 40 schilt mit wappen^), aufbehalten werden. 
Oben hats 4 Zimmer für musicanten vnd Cantzley parthey. Ain 
grosser saal, in welchem hangen lebensgrösse 27 Contrafett vom 
Haus Österreich, vnd 2 Türckischer Kaiser contrafette'''). An 
disem saal ist noch ain andere kammer oder Zimmer, mit noch etlichen 
dergleichen lebensgrösse Österreichischen Contrafetten'), als: 

Ernestus ferreus, Archidux Austriae. Leopoldus probus, 
Archidux Austriae. Ladislaus, Vngariae & Bohemiae Rex, Archi- 
dux Austriae. \Fol. 338 v.] Fridericus IV. Imperator, Archidux 
Austriae. Maximilianus .1. Imperator, Archidux Austriae. Albertus 
Dej gratia Cardinalis, Archidux Austriae. Wenceslaus, Archidux 
Austriae, Donna Isabella, Regis Hispaniae filia. Donna Catha- 
rina, Regis Hispaniae filia. 

Darnach komt man in die gaststuben, forts in ainen grossen 
saal an den wänden vollcr hirsch gewicht^), vnder iedem aine 
schrifft, wann vnd wo der hirsch gefangen worden, vnd wievil 
er gewogen, vnd wirt dise schrifft im schlos hin vnd wider fast 
bey allen hirsch: vnd rehegewichten so alle auf geschnittnen 
gemahlten köpffen stehen, observieret. Wider komt man in 4^) 



wo auch die Literatur angegeben ist. Vgl. auch Mitth. d. Freiberger Alterth.- 
Ver. YII, p. G76— 679. 

') ^: gemahlet. — Das Bild ist noch vorhanden. 

2) Die Reste dieses Schnitzwerkes im Freiberger Alterthumsverein. 
Steche p. 76. 

3) Nicht mehr nachweisbar. 

4) ^: Nr. 51. 

5) ^S: Nr. 40. 

**) Diese Portraits stammten von dem Maler Erhart Gaulrappe aus Prag. 
Sie waren 1713 noch an ihrem Platze. (Laut Inventar, abgedr. in den Mitth. des 
Freiberger Alterth.-Yer, VIL) Vgl. Steche p. 77. Daselbst auch die Literatur 
über das Schloss. 

') Es ist nicht gewiss, ob diese Gemälde dieselbe Herkunft hatten, wie 
die vorigen. 

^j Hirschgeweihe. 

3) große. A. 



— 155 - 

gast zimmer, auch mit Amadisischen ^) poesijs gemahlet : Die hof- 
stuben ist auch voller gewicht, so zu Augustusburg, vnd zu 
Sachsenburg gschlagen sein worden. 

Hernach 2 kuchinen, [darinnen ligen letzt veber 500 tonnen 
frisch eingesprengt roth wildprät, In der Dürniz ligts alles voll 
dises iahr geschlagner hirsch : vnd rechgewicht, . . . {^Fol. 339 /-.] 
Dises Freyberg ist gar ain wackere, mit grossen häusern, 
hüpschen gassen, vnd 2 grossen platzen wolerbaute Statt, 
vnd haben alhie in die 1600 Exulanten auß Böhm [Zu- 
flucht gefunden. Bericht über sie. Besuche von Freunden. 
Eine Parabel über das Glück. Weiterreise am 10. September 
zu7n reichen Silberbergzverke von Konersdorf. Besichtigu)ig des- 
selben. BescJireibu7ig. Erwähjiting der für Fremde unzugäng- 
lichen Goldbergwerke i?7 der Walachei und in Ungarn.Y) 

[Fol. 343 r.] Vor ain ^) 70 iahren hat man in Sibenbürgen 
ain gewelb gefunden, welches ain kläffteriger bäum, der darauf 
gewachsen, im vmbfallen entblöst hat, da sein stöckh voller 
geschlagner goldgüldin gewesen, auf deren ainem Griechisch 
gestanden ßa^jiAEOc: aicj'j- [Fol. 343 7'. | '^ay/jc; ; auf aim andern 3 *) 
bilder, darunder Koson ^), auf der andern selten ain Phoenix in 
seinem näste, es habe aber ainer mehr als zween Vngarische 
guldin gewogen, vnd sie entlich das tag wasser aus dem gewelb 
in grund gflösset, darvon ain Custer reich worden, welches sich 
entlich Georg Münch hat angemasset. Nun gehet noch aine sag 
in Sibenbürgen, das noch ain solcher schätz solle vermauret sein, 
da die alte Könige in Hungarn das gold im vorrath aufgeschüttet 
vnd vergraben haben. [ Weiterer Bericht über die ungarischen 
und böhmischen Goldbergzverke. Weiterreise über Muldenhiitten ^) 
Herzogswalda''), Grtc?nbach^), Kesselsdorf nach Dresde?i^). 

^) animalischen. A. 

■^) Fol. 341 ist ein Octavblatt mit lateiu. Erklärung über das Entstehen etc. 
des Silbers. Fol. 342. Kleines längliches Blatt mit Bemerkungen über den 
Bergbau. 

■') Nache. A. 

^) 2. A. 

'^) Rosor. A. 

ß) Hds. Hütten. 

^) Hds. Herzwaiden. 

**) Hds. Grürabach. 

^) Hier in Wj und W3 eingeschaltet die Bildnisse : a) des Kaisers 
Ferdinand 1\. Wolf. Kilian fecit. Kpf. in 4. Drugulin Nr. 5855; 



— 156 — 

Einkehr bei dem Freunde Friedrich Lebzelter, nahe beim kur- 
fürstlichen Schlosse. Abendessen. Am 11. September Besuch 
beim Consistorialrath Matthias Hoc von Hohenegg^), welcher 
den Augsburger Abgesandten räth, dein eben verreisteii Kur- 
fürsten ihre Ankunft schriftlich anzuzeigen und uju Audienz 
zu bitten. Abendgesellschaft bei Hoc. Am 12. September Mittags- 
gesellschaft bei Lebzelter, der auch der kurfürstliche Hofmai'- 

schall Georg Pflügt) beiwohnt.'^) \_FoI. SGO v.'] Vnd weil dise vnd andere 
meine beschribne raysen vnd relationes nit zur publicierung ; sondern ainig vnd 
allain meinen lieben khündern befraindten vnd posteris zum gedechtnuß vnd zur 
nachVolg in der Gottesforcht vnd tugenten von mir aufgesetzt worden, so habe 
Ich ietzt vernorane lehr: vnd Yolgwürdige adeliche geschlechtsordnung diser 

meiner Sachsisch relation gleich auch inseriern wollen. Folgt Absclirift dcr 

aus vielen Artikel Ji^) bestehenden Pflug' sehen Familien- 
Ordnung.'] 

[Fol. 363 v.^ Adj 16 Sept: haben wir in der schloskirchen 
den Herren Dr. Hoe predigen hören. 

[Begrüßung durch den .^gehaime^i Secretarius" Conrad 
Gehe]. Nach dem essen hat vnß Herr Theodorus Hasel, 
Kunst Cammerer, die Kunst Cammer gewisen, die ich A°- 1617 
in meiner Pomerischen relation auch ain wenig beschriben ^)^ 



b) der Kaiserin Eleonore. Gegenstück zum vorigen. Wolf. Kilian scalp.. 
Fehlt bei Drugulin; 

c) des Königs Ferdinand III. mit Pelzmütze und Reiherbusch. Gegenstück 
zu den vorigen. Wolf. Kilian. scalp. et excud. Drugulin Nr. 5884. 

'j Geb. Wien 1580, j Dresden 1645. Schon 1G15 hat ihn L. Kilian 
portraitiert. Ein zweites Bildnis, aus Anlass der Dresdener Reise entstanden, in 
kl. 4^ Halbfigur, datiert 1630, bei Drugulin, Portr.-Katal. 910<). Eingeschaltet 
in AV, und Wj- — Hainhofer hatte Hoe übrigens schon 1617 kennen gelernt, 
als er von Stettin nach Hause zurückkehrte. Baltische Studien II. (1834) p. 133. 
Allg. dtsch. Biogr. XII, 541 ff. 

2) Hausmarschall und Oberlandbaumeister, 1584 — 1642. Portrait von Luc 
Kilian, 1630 in 8. Drugulin, Port.-Katal. 15971. 

3) Zwischen die folgenden Blätter ist in Wj und Wj eingeschaltet : 

Bildnis (Halbligurj des Kurf. Joh. Georg. Lucas Kilian 1630. Kpf. in 4. 

Drugulin Nr. 10012. 

*) Mitten im 15. Artikel bricht das Augsburger Fragment ab. 

^) Wo ich im Folgenden genöthigt bin, den Bericht von 1617 zu eitleren, 

geschieht dies nicht nach dem ungenügenden Abdruck v. Medems in den Baltischen 

Studien II. (1834) (jedoch habe ich die Seitenzahl des Abdrucks beigefügt), 

sondern nach dem der Kgl. Bibliothek zu Kopenhagen gehörigen Manuscripte, 

welches mir für diesen Zweck zur Verfügung gestellt wurde. 



— 157 — 

ietzt de novo nun repetiern vnd andeuten will, was ^) Ich dis- 
mals denckwürdigs -) notiert vnd observierent habe, nämlich ^) : 

Im vorgemach allerlay gecontrafettete thier, wilde schwein, 
hirschen, Adler, fischiagten vnd Churfürsten \FoL 3()4 r.] Augusti 
zu Sachsen scharpf Turnierrennen"*). 

Im 1 Gemach : Mancherley naturalia, raritetes, statuae vnd 
andern Sachen, als : 

Vnderschiden seltzame fischzungen von denen fischen, welche 
Pristis ') genannt werden, etliche heissen es auch Schwertfisch, 

piscis gladius, pesce Spada, Vnd habe ich Sie selbs auch in meinem Cam- 
merlin mit: vnd ohne Zähen iha ganze solche tische alhie hat ame amen 

grif, wie ain schwert, mit dem Churfürstlichen Sächsischen 
Wappen darauf. Allerhand perlenmutterine Schnecken, welche sich 
thails einwärts, thails auswärts winden, auf etlichen allerlay 
thierlein vnd blumwerckh geschnitten, auf etlichen mancherley 
historiae gegraben vnd geetzet sein. Ain Paradeisvogel : Vilerlay 
seltzame meermuschlen. Xatterzunglen von Malta. Seekrebs. 
\'nderschidne Hörn von Rhinocerote, aus etlichen derer trinck- 
geschürr getröhet, gschnitten vnd durchbrochen sein. Floßfedern, 
künbacken vnd andere glider von Walfischen. Ain sehr grosser schildt 
vnd bauch von ainer schildkrotten. Schüsslen aus gajandra oder 
schildkrotten. Ain Ay, so aine schildkrotten gelegt hat. [J^ol. 364 zi.] 
Aine ^^leerspinnen. Sternfische vnd andere seltzame meerfischlein. 



^) .■^: wir. Die obige Correctur scheint anzudeuten, dass Hainhofer die 
eingehende Besichtigung der Kunstkammer allein vorgenommen habe. 

2) v^: gesehen. Das Wort „notiert« deutet an, dass die folgende Auf- 
zeichnung nur das Wichtigste berücksichtigt. 

3) Im Manuscript folgt hier die von Hainhofer nachträglich wieder aus- 
gestrichene Überschrift: »Extract Churfrl. kunst Cammer,< Worte, welche das 
in der vorigen Anmerkung Gesagte bestätigen. — Die nachfolgend genannten 
Gegenstände sind zumeist im kgl. historischen Museum, in der kgl. Gemäldegalerie 
und im kgl. grünen Gewölbe wiederzufinden. Vgl. Einleitung. Die naturgeschicht- 
lichen Objecte mögen gleichfalls in die betreffenden Abtheilungen der kgl. 
Sammlungen zu Dresden übergegangen sein. Ihr Nachweis dürfte kaum zu 
führen sein, da der Brand beim Aufstande 1849 fast alles vernichtet hat. 

Über die Kunstkammer vgl. auch Weck, pag. 34 if. 

*) »vnd obwol daß gemähl nit von der bösten maistern einen, jedoch der 
außtailung vnd dispositiou, weitte vnd längehalber es eine sehr schöne galerien 
[ist]« 1617. [Bei Modem in den balt. Stud. II, p. 130.] 29 solcher Bilder bewahrt 
die kgl. Gewehrgalerie zu Dresden. 

5) Sägefisch. 



— 158 — 

Greiffenklauen ^). Grosse zahn von meerrossen, auß welchen man 
ring für den krampf drehet. Ain grosses Biffelhorn, darauf man- 
cherlay bilder vnd figuren geschnitten, so vor zeiten zum raucher 
werckh gebraucht worden. 

Ain langes Indianisches Zigen horn^ corno di gazella genant, 
schön gewunden. 

Seltzame vnd gar vngewohnHche Rehegewey. 

Vilerley schöne Porzellana, wie trinckgeschirr, schalen vnd 
mancherlei thierlein gemacht. 

Aine schöne tafel, darauf der schach : trachter : bret : 
karten ; wolfs : mühlen : interim : vnd andere spil, alles von 
ebenholz vnd helffenbain gemacht, auch mit gold vnd silber 
geziert -). 

Ain gewey, so aine hündtin, oder stuckh wilde getragen. 

Mancherley selzame vnd in holz verwachsene hirsch- 
gwey ^). In der höhe hangt medulla aus dem ainhorn, so 2 elen 
lOJ Zoll lang, darbey auch noch ain kürtzers stuck ist. 

Ain Elephanten Zahn, welcher halb hool ist, vnd dannocht 
127 H wiget. 

Ain gros menschenbain von der hifft bis auf kniescheibe, 
gehet ainem wolgewachsnen mann vom fus bis in \Fol. 365 ;-.] 
die herzgrub, wigt 58 tl. 

Ain backen Zahn von ainem grossen menschen wigt 
9 loth. 

Allerlay Indianische Sachen, von halsschmuckh, ketten^), 
pfeilen, bögen, selten: händ: vnd oberwehren, tabac pfeiffen vnd 
andern vilen instrumenten vnd spilen. 



') Jene gothischen, auf Greifen stehenden Trinkgefäße aus BüflFelhorn (die 
angebliche Greifenklaue) sind gemeint, von denen sich eins im Silberzimmer des 
grünen Gewölbes (Nr. 48), andere im kgl. hist. Mus. befinden. Schon erwähnt im 
Inventar von 14G9. Vgl. das kcinigl. grüne Gewölbe zu Dresden. Beschrieben 
von Jul. und Alb. Erbstein (Dresden 1884) pag. 72. Die Hofsilberkammer und 
die Hofkellerei zu Dresden (Dresden 1880), pag. 5. Hefner- Alteneck, Geräth- 
schaften des Mittelalters II, T. 7. 

2) Das histor. Mus. besitzt zwei solche Tische; indes ist schon wegen der 
Verschiedenheit des Materials fCypressenholz) sehr zweifelhaft, ob einer davon 
mit dem oben genannten identisch sein kann. 

') Über ein solches, welches Hainhofer in Ambras sah, vgl. oben. 

4) Hds. betten. 



— 159 — 

Indianische Heydexen, Indianische lledermäus alle mit ainer 
zimlichen grosse '^). 

Armedillus oder Scaligel, ain Indianisches thierlein. Camaleon 
terrestris, so iedes Dings färb an sich nimmet, warauf man es 
setzet. Mus Pharaonis. Ain huffeisen, mit stain bewachsen, neben 
andern mehr seltzamen gewachsen : zeitigen vnd vnzeitigen 
Corallen thierlen, vnd blüeten. Statua Danielis & Nebucadnezaris, 
welche am kopff, brüst, bauch, armen vnd schencklen mit thürlein 
aufgemacht wirt, darinn nicht allain allerley schöne emblemata: 
sondern auch die successores der Könige vnd Ka}serthumb, mit 
ihren namen, vnd wann, auch wie lang ain ieder geregiert, gleich 
wie in einer chronologia zubefinden sein. Neptunj & Veneris, 
Adams & Evae gleicher gstalten alles von thoon, in Italia 
gemacht. \Fol. 365 z'.] Die geburt Christ], zu Byrna künstlich von 
maurstain gemacht. 

iVllerley schöne von Alabaster gehawene vnd von messing 
gegossene statuae, so des Michael Angelj -) Bonarotae arbait sein 
vnd vom GrosHerzogen in Toscana '') aus Italia geschickt worden. 

Brustbild des ersten Römischen Kaysers Julij Caesaris vnd 
des Kaysers Neronis, in thoon possiert. 

Brustbild Churfürst Mauritij zu Sachsen, in Alabaster"^}. 

Der Churfürsten Christiani primj & secundi in metall ''). 

Churfürsten Augustj in Alabaster flach-), vnd andere mehr 
auch historien in groben maurstain. 

Mancherley schöne gemälde, die thails in Italia, thails in 
Xiderlanden, in Meissen vnd anderswo mehr gemacht, vnd von 



^) ^: Ain langes Indianisches Zigenhorn, corno di gazella. Yg\. oben. 

2) Die Zuschreibung an Michelangelo hat den in der Einleitung bezeich- 
neten Wert. 

3) ^: von Florenz. 

*) Vielmehr in Marmor. Kgl. Antikensammlung in Dresden, Saal XIII., 
Nr. 603. 

5) Christians I. (1586—91) Büste, modelliert von Giov. Maria Nosseni, 
gegossen von Carlo de Cesare. Vgl. oben ; ebendaselbst Nr. 605. Büste 
Christians II. (1591—1612) von Adrian de Vrie?, Geschenk Kaiser Rudolfs II.; 
daselbst Nr. 606. 

') Dieses Relief weiß ich nicht nachzuweisen. Gemalte Portraits des 
Kurfürsten August (1526 — 86) in der Kunstkammer des histor. Mus. (von Hans 
Krell, Lucas Kranach d. J. und Cyriacus Rheder), sowie im Pretiosensaal des 
grünen Gewölbes. 



— 160 — 

wasser vnd Ölfarben verfertiget worden ^). Als : Eliae schlaf, 
Marthae sorgfeltigkait, Vom Zinsgroschen, Bachi vnd Cereris fest, 
Adams und Evae fall. Allerley biblische historien. Ain schön 
perspectiv ainer kirchen zu Prag. Ain schön pollierter, thails 
geezter, vnd thails vergulter | Fol. 367 r.] goldschmids streckh- 
ziehzeug, sampt andern deme angehörigen Instrumenten -), [iv?/. 5ö6' r.] 

Alß Ziehzangen, sampt desselben ring, vnd 4. dockhen, an welche man die 
grose runde vnd klaine Zieheysen allerlay gattung lainet. 
Mehr 1 sechßekhets 

1 achtekhets 

1 zwelfekhets 

1 drevekhets hool auß 

I 

1 drevekhets glatt hool auß j 

1 vierekhets hool auß > Zieheisen. 

1 sekhen 

1 dikhel 

1 halbrundes 

1 mit gevierten glatten löchern 

] mit ainem hohen faden 

1 schrauiblatt zu krausung der kettinen. 

1 klaines schraufblätlin zu klainen guldinen schrauflein. 

1 groses blatt zum silber. 

1 rigel wunden. 

1 kraußrad. 

1 dreyekhcte Ziechscheiben zu kettinen, mit allerlay punßen. 

1 amboß. 

etliche häramer. mehrerlay flach- vnd bieg Zangen, etliche schraufenkloben. 
vilerlay feilen, flaschen zu den formen, laden mit allerlay patronen. etliche inguß. 
dügel'j. streich: oder probierstain. streichnadlen auf silber vnd gold. geschraufte 



') Keins der nachfolgend erwähnten sechs Gemälde ist in der Dresdener 
Galerie nachweisbar. Das Bild »vom Zinsgroschen« ist nicht etwa das Tizianische 
Werk ; dieses kam erst 1746 aus Modena nach Dresden. 

'^) Trotzdem der Satz mit den "Worten »bey welchen die banckh« weiter 
geht, folgt die Fortsetzung des Textes auf Fol. 366 r. — Von den Werkzeugen 
des Churfürsten August findet sich vieles im kgl. mathematisch-physikalischen 
Salon zu Dresden. (Abtheilung D, 162 Nummern, von denen aber fast jede eine 
Mehrzahl von Gegenständen umfasst.) 

Des Kurf. August Draiitziehbank besitzt das Mus6e Cluny in Paris. 

Vgl. zu dieser Stelle auch Innsbr. Relation Fol. 256 r., wo davon die 
Rede ist, wie Kurf. August die von ihm gefertigten Werke gern verschenkt habe. 

Fol. 366 v. leer. 

') d. h. Tiegel. 



— 161 — 

vnd andere Zirkel mit doppelten gewünd. probier : vnd andere waagen. stempfei 
vnd mödel, darmit man die Capellen stampft, klufften'), 

bey welchen die banckh thails von ebenholz, thails von allerley 
figuren eingelegter tischlerarbait, welche Churfürst Augustus zu 
Sachsen selbs gebraucht, vnd auch nahe bey 100 stuck, iedes 
absonderlicher art, von silberdrat gezogen, vnd hinder sich ver- 
lassen zur ewigen gedachtnus. 

\'as antiquum, so, voller starcken weins, in aines Landgrafen 
von Leichtenbergs begräbnus ist ohn versehrt gefunden worden. 

Im 2. Gemach. 

Allerley von vilfarbigem ^larmel vnd edlen stainen zusamen- 
gesetzte Landschäfftlein. 

Etliche auß Calcedon' gemachte figuren-). 

Das Churfürstliche Sächsische wappen, von mancherley 
färbichten edlen stainen zusamengesetzt, vnd vmb vnd vmb mit 
granaten geziert. 

Aine schöne Landschafft, welche Gott vnd die natur im 
Florentinischen gebürg in aincm marmelstain, gleich wie aine Statt mit 
ainem grossen thurn, wachsen lassen ^). 

Ain Pusican ^) von allerhand edelstainen, als iaspis, topas, 
\FoL 367 V.] Calcedon, vnd andern mehr, so im Churfürstenthumb 
Sachsen gebrochen worden. 

Ain schönes trinckgeschirr von Topas, so auch im Chur- 
fürstenthumb Sachsen gebrochen worden, wie dann nahe bey 
hunderterley arten von färben, marmor, edele stain, auch perlen, 
in Sachsen gefunden werden. 

Zwey schöne, ainer acht-, der ander viereggichte tische, von 
perlenmutter vnd ebeno holz zusamengesetzt, welche vom Herzog 
von Savoya bey Churfürsten Augusti zue Sachsen Zeiten aus 
Italia geschickt vnd verehrt worden ^), darauf stehen allerley von 



'; Fortsetzung wiederum auf Fol. 367 r. 

'^) Gegenstände aus Chalcedon, freilich nicht Figuren, sondern Schalen 
u. dergl. finden sich im grünen Gewölbe in reicher Anzahl. 

3) o: vnd brücht man disen stain in Toskana. 

■*j Wahischeinlich identisch mit dem, welchen Kurf. Johann Georg I. von 
Kaiser Ferdinand II. 1620 geschenkt eihielt. Histor. Mus. Saal E, Pult IV. 
Nr. 740. 

^) Einer davon in der Kunstkammer des histor. Museums, noch jetzt 
besetzt mit Gegenständen, welche den oben angegebenen entsprechen, darunter 
Quellenschr. X. Bd. H 



— 162 — 

perlenmutter : silber: vnd gold gezierte kästlein, darinn dresürlein, 
schisselein, deller, von silber vnd blank vergulten allerley trinck- 
geschirr vnd schalen von Indianischen missen, auch löfflen, messer, 
vnd gablen von perlenmutter, vnd silber vergulten Apotecklein. 
Indianisches schachspil, bretspil, item zur schreiberey, vnd andern 
dienstlichen Sachen von oberzehlter materia gar kunstliche sachen. 

Ain gar schöner vogel, welchen Herr Hans Christoff Neu- 
stätter, genannt Sturmer, Domprobst zu Bamberg ^), vmb 
1000 Reichsthaler vor ainen phoenix gekaufft, vnd dem Chur- 
fürsten zu Sachsen verehrt hat ^). 

Ain stuckh von ainem bäum mit ästen, welches holz 
\^Fol. 368 r.\ gewesen, vnd zu stain worden, darein man petschafft 
schneiden kan. 

Ain schönes schreinlin von ebenholz, darinnen vilerley 
instrumenten, mehrerthails alles von silber, so bajydes ain 
Apotecker vnd Balbierer für Fürstliche personen auf raysen 
füglich bey sich führen mögen, vnd brauchen können ^). 

Ain schöner tisch vnd schranckh von ebenholz vnd helffen- 
bain zusamengesetzt vnd eingelegt, darinn 120 außzüg oder 
Schubladen gefunden, thails von rothem Sandel, thails von 
Cipressenholz, vnd wirt nicht allein die Mappa totius orbis 
terrarum, sondern auch schöne bilder von den 4 Monarchien, 
alles von Helffenbainen samt andern schönen geschnittnen vnd 
eingelegten sachen daran gesehen, welches ain Dischler zu 
Dresden gemacht hat, so noch im leben ist^). 

Ain schöner eingelegter vnd mit hiltzinen geschnittnen 
bildern zierter tisch, darinnen allerley Mathematische Instrumenta, 



vier Stücke, welche Hainhofers Zeit- und Stadtgenosse, der Goldschmied Matthäus 
Wallbaum, angefertigt. Vgl. Quellenschr. N. F. VL, 329. 

') Seine Bekanntschaft machte Hainhofer auf der Heimreise 1G17. Balt. 
Stud. II., 148. 

2) Zeiller pag. 390 sagt : >^12. Der Vogel Phönix von goldfarben Federn 
mit einem Häublein oder Cron auff dem Haupt, gleich einem Widhopff, -welchen 
der Bischof von Bamberg Anno 1611 auff dem Churfürstentag zu Nürnberg dem 
Churfürsten verehret hat.« 

3) Die Identität dieses Schrankes lässt sich nicht feststellen. Das histor. 
Mus. besitzt mehrere kleinere Kunstschränke ähnlicher Art. 

*) Dieser prachtvolle Schrank wurde im Jahre 1G15 von Hans Schiffersteiu 
fertig gestellt und mit 30CX) meißnischen Gulden bezahlt. Er steht in der Kunst- 
kammer des histor. Mus. Vgl. Führer pag. 28. 



— 163 — 

item brech- vnd hebzeug zu belinden, gar schön vnd künstlich 
von messing vnd eisen vergult vnd geezet. 

Ain schönes vhrwerckh nach der siben planeten lauff, darbey 
aine scheuben, darauf die dignitates & debihtates \^FoL 368 z>.\ 
Planetarum zu erforschen '). 

Ain schönes schlag- vnd weise vehrlein, dessen gehäus von 
cristall, mit granaten versetzt, vnd die zier des räderwerckhs maisten- 
thails von -) gold. 

Ain grosses vhrwerckh, in welchem die minuten, viertel, 
vnd ganze stunden, auch des monats schein zu sehen, vnd kan 
allerley lieder auf der weit (mehrerley melodey zu geben auf 
glockenwerckh zu schlagen) gesetzt werden, treibt auch ain 
pfeiffelwerck, desgleichen ain instrumentum musicale vnd ainem 
heerpaucker, samt etlichen trommeteren mit ihrem blaswerckh. 

Zway schöner vhren, deren aine ain Elephant, die andere 
ain Schwan, vnd so man ihnen ain glas w^asser fürhaltet, das- 
selbige aussauffen. 

Ain schönes weis- vnd schlag vhrwerck, darinn der guguk, 
mit seinem schnabel vnd geschrey die Viertelstunden andeutet, 
die stunden mit den flüg'en schleget, vnd beym schwaif Zucker 
aussprizet. 

Zway schöne von gantzem silber secundum longitudinem 
& latitudinem ausgethailte globj, w^elche als coelestis durch ain 
vhrwerckh von dem Hercule, terrestris aber vom Atlante auf ainem 
tisch fortgetragen, vnd an stat trinckgeschirren gebraucht können 
werden. 

\J^o/. 369 ?\] Ain schöner hirsch von silber, auf welchem 
die Diana, neben ihren hunden durch ain vhrwerck in ainem 
quadrat auf ain tisch herumb getriben wirt, vnd auch zue ainem 
trincksfcschirr gfebraucht werden kan '^). 



') Wahrscheinlich die astronomische Kuustuhr, die Kurfürst August von 
dem Uhrmacher und Astronomen Baldwein aus Marburg 1563 — (58 anfertigen 
ließ. Sie steht in der Kunstkammer des histor. Mus, 

"^) -A : guttem. 

3) Dies" noch im Inventar von 1610 erwähnte Kunstwerk existiert nicht 
mehr, doch wird angenommen, dass die Diana bei einer Renovation der wahr- 
scheinlich Jamnitzer'schen Automatenuhr (Entführung der Dejanira durch Nessus) 
bei dieser Verwendung gefunden habe. Im Silberzimmer des grünen Gewölbes. 
Vgl. Erbstein pag. 78 ff. 

11- 



— 164 — 

Drey schöne vhrwerck, welche Churfürst Augustus zue 
Sachsen zu wagen geführt, die in die viertel, halben vnd ganze 
meilen geweiset, vnd mit glocken geschlagen ^). 

Ain schönes grosses schmarall erz. 

Raptus Sabinarum vom Kellerthaler -) künstlich auf ain 
vergultes blech gestochen. 

Vier schöne Contrafett, welche die vier humores vnd com- 
plexiones der menschen andeuten : vnd wie man darfür helt, noch 
Albrecht Dürer gemacht hat ^). 

Ain schönes gemälde, wie Christus Jesus den dreien frauen 
nach seiner aufferstehung erschinen. In gleichem Lutherj Contra- 
fett, tod vnd lebendig '), alles von Luca Kronacher gemahlet •^). 

Ain schöns grosses bild, von der enthauptung Johannis, so 
der ietzige Hofmahler Kilian Fabritius'') gemacht. 

Etliche schöne contrafette Fürstlicher personen : als der 
Churfürsten zu Sachsen, Marggrafen zu Brandenburg'): etlicher 

') Die hier gemeinten Hodometer sind bestimmt gewesen, durch Zählung 
der Umdrehungen des "Wagenrades den Weg zu messen. Dergleichen, entsprechend 
obiger Beschreibung im mathem.-phys. Salon zu Dresden, Abtheilung A, Xr. 477. 
(Vom Jahre 1580.) 

■^) Dies auch von Nagler erwähnte "Werk ist, wenigstens soweit das grüne 
Gewölbe in Frage kommt, nicht nachzuweisen. Hingegen bewahrt dasselbe viele 
andere kostbare Arbeiten dieses Künstlers auf. (Silberzimmer Nr. 9. 11, 34. 35. 
57. 59. 73, u. s. w. A'gl. über ihn Nagler, K.-L, VI., 552 f.) 

Seine Bekanntschaft, sowie die des berühmten Elfenbeinschnitzers Jakob 
Zeller, von dem das grüne Gewölbe eine große Anzahl von Werken bewahrt, 
machte Hainhofer schon im Jahre 1G17. Auch den Hoftischler Hans SchifFer- 
stein lernte er damals kennen. Balt. Stud. II., 141. 

•^) Zeiller: »Die vier complexiones in Brustbildern mit seltzamen Gesichtern, 
von einem Künstler, so vor Albrecht Dürers Zeiten gelebt, gemahlet.« Es handelt 
sich also nicht etwa um Copien der berühmten vier Dürer'schen Apostel, wie 
nach Hainhofers Text fast vermuthet werden könnte. 

**) ^: hat bayde der alte. 

•^) Hainhofer ist hiermit im Irrthum. Vom älteren Kranach, den er meint, 
ist nur das Bildnis des lebenden Luther, Dresd. Gal. Nr. 1918; das des todten 
ist von Luc. Kr. dem jüngeren, Dresd. Gal, Nr. 1955. Letzteres kam 1857 aus 
dem Vorrath, frühere Erwähnungen des Bildes fehlten bisher. Vgl. Katalog 
pag. 620. 

^) Er war Hofmaler und »Malerey-Inspector«, und ist am Anfange des 
17, Jahrh. nachweisbar, Gemälde von ihm gibt es in der Dresd, Gal, nicht. 
Über ihn: Nagler, K,-L, 4, 212. 

') Vermuthlich die Portraits des Kurfürsten August und der Kurfürstiu 
Anna von Hans Krell (Dresd. Gal, Nr. 1956. 1957), das Doppelbilduis der 



— 165 — 

Grafen, Herren \'nd Obristen, auch ain contrafett zwayer schöner 
hirschen. 

\FoL 369 7k] Aine schöne schrifft, welche mit schönen zügen, 
Thomas Schweigger von Schwabischenhall (der weder arm noch händ 
gehabt) mit den füssen geschriben hat. 

Acteon in helffenbain di basso rihevo sehr künsthch ge- 
schnitten. 

Im 3. Gemach. 

Ain schöner dischlerzeug von langen höhlen, fausthoblen, 
keel- oder saulzeug auf waich vnd hart holtz, auch grund- vnd 
nuethöbel, winckelmaas, winckelhacken, streichmödel, schraufzeug, 
schraufzwingen, bressen, knecht, beyel, hämmer, klöpfel oder 
klopfkeulen, leimpfannen vnd anders, das eisenwerck alles schön 
poliert, geetzt, vergult, die hefft von buxbaum, thails von ebeno- 
holz, segen, klob- vnd laubsegen, schöner gestemm-, schneid- vnd 
stechzeug, grose vnd klaine bohrer, circul-, schniz- vnd schnitt- 
messer oder klopfkeilen, darunder auch schöne maisterstuck^). 

So hat Churfürst Augustus zu Sachsen von helffenbain auch 
allerley schöne geschirr, schachspil, vnd andere kunstliche werckh, 
so in disem gemach zu sehen sein, selbsten gedrehet vnd gemachet-). 

Ain schöner drehzeug zum Agtstain zu drehen^), alß 
[Fol. 369 V.'] 



runde 

ekhete 

scharpfe 

flache 

schlimme 



schnizer, 

raspel. 

stähH). schlicht vnd) . 

' feilen. 



rauche j 

Silber 



Vnderschidliche schabkrukhen. holtz 

Maysel vnd röhrer. bain 

2 vnd 1 . augstain^j 

> Schnitter. 



1 



segen. 



ain 



J spündel. 



Kurf. August und Johann Georg v. Brandenburg, von einem Nachfolger Luc. 
Kranachs d. j., des Kurf. August und des Kurf. Moritz von Luc. Kranach d. ä. 
(Dresd. Gal. Nr. 1954. 1949. 1950). Freilich sind die drei letzten erst im 
Inventar von 1722 aufgeführt. 

'j Über die Handwerkszeuge des Kurf. August vgl. oben. 

■2) Ein von ihm gefertigter Becher, seine letzte Arbeit, im Elfenbeinzimmer 
des grünen Ge^völbes, Nr. 65. 

^) Das Folgende bis »spündel« steht auf einem eingeklebten kleinen 
länglichen Blatte Nr. 370 r. und v. 

^) W.^: Pichel. 

5j d. i. Bernstein. 



— 1G6 — 

[Fol. 370 r.] Ain balbierzeug mit haarscheeren, scheermessern, campe], 
etlicher gattuugen haarzangen. 

[I-'o/. 371 r.] Allerhand Chirurgische instrumenten, als hirnschraufen, klaine 
sagen zu hirnschalen, grosse bainsegen. drepanierzeug von vilen stucken, grosse 
messer zu glider abnemen, grosse vnd klaine hefftnadlen. grosse vnd klaine 
Bainzangen, hämmer vnd Stemmeisen zu den bainen. schabeyselen. verborgne 
flaischscheeren klaine löcher zuerweitern, verborgne kugelzieher vnd etliche 
Zangen darzu. vilerley geschraufte instrumenta krumme glider zu strecken vnd ein 
zurichten, gefüllte bindtrühlein. gefüllete bundschaidlein mit allerley klainen 
instrumentlen, als scheerlen, kornzangen, kliplen, schnocher, spattlen, mundstuck, 
durchzug feilen, vnd dergleichen. 

Etliche sprizlen. vnderschidliche zahnzangen. pelican. gaysfues, enten- 
schnabel. Adereyselen, oder flutten, burres büchßlein. Salben spattlen vnd anderer 
in grosse anzahl schwerlich anderer orth befündtlichen instrumenten, alles schön 
poliert, geezt vnd verguldet, mit ebeninen heflften vnd griffen, vnd sein die 
bindzeuge thails aus Italia, Dennemarck, Engelland vnd von anderen orthen 
geschickt vnd Churf Augusto praesentiert worden. 

Wie dann solches alles Ihre Churfürsten ^) Gn. selbst gebraucht, vnd wie 
in ainem darbey beiindtlichen büchlein zusehen, [Fol. 371 t'.], Adeliche vnd 
vnadeliche personen an alten schaden gehaylet, welche der damalige leibbalbierer 
wol nicht hallen können, . . . Ist also diser hochlobliche Churfürst Augustus in 
Medicina et chirurgia ain Imitator gewest viler berhümten Königen, . . . 

Der ietzige Hofdrechsler, Wecker genannt -), hat von schönen 
passeten, ecketen, drey, vier, fünff orthigten, auch ablängHchten, 
durchbrochenen vnd inwendig gedröheten geschirren, bluemen, 
pfeiffen, büxen, schreibzeugen vnd anderen Sachen aine grosse 
anzahl, mit Verwunderung gemacht. 

Wie dann auf ainem Churfürstlichen Sachsischen heller 
12 spinnrädlein, vnd in der mitte ain kutschwagen mit rädern, 
\FoL 872 ;'.] deichsei vnd himmel, von helffenbain gedrehet ^), 
oben auf dem gehauß ain seltzame gewundene Schnecken oder 
wandeltrappen. 

Ain schönes truckwerck, darauf aine Fürsten person in gold vnd 
silber allerhand Chur vnd Fürsten contrafett selbs pregen kan, 
darbey vil schöne instrumenta, in stahl vnd messing geschnittene 
contrafette, vnd andere figuren zu schaupfenning zubefinden. 



'j V): Augustus. 

2; Eigentlich Georg Weckhardt, ein Künstler bairischer Abkunft, Beglau- 
bigte Werke von ihm in großer Zahl im grünen Gewölbe. Vgl. Erbstein pag. 12. 19. 

^) Über dieses im grün. Gew. nicht mehr vorhandene Kunstwerk vgl. 
Weck, p, 38. 

Zeiller p. 391: »Auff einem meintzischen Pfenning 24 Spinräder, vund 
darauff ein Wagen, mit einer Jungfrav von Helffenbain, getrehet.« 



— 167 — 

Ain schöner Schreibtisch von marmor vnd ebenholz ; der 
marmor ist, als wann er mit gemahlenem silber gedippelt, vnd 
guldine ädern durchgiengen, wirt im Churfürstlichen Sachsen- 
lande gebrochen, ist fast veber vnd veber mit silber geziert, daran 
thails von freier band getriben vnd hool gegossene ligende vnd 
stehende bilder, von 4 Monarchien, virtutibus, vitijs vnd andern 
inventionen durchbrochene schnacken, auch punctierte vnd ponzio- 
nierte arbait zu sehen. 

Ain frey stehender hirsch, in welchem allerley arzney auf 
etlich 40 stuck von des edlen hirschen glidern auf chemische 
art praepariert, vnd von hiesigen geschickten HofApotecker, 
Johann \\'echingern zu wegen gebracht worden, laut hiernach 
gesetzter beschreibung. \FoIgf AtifzäJilung von „viancherlay 
artzney, so aiiß des edlen hirscJien glidern zu nutzen gehraucht 
7verden kaji^'\ Beschreibung des Hirsches in einem langen 
deutschen Gedichte?^ ^). 

\Fol. 874 r.] Mehr ist vorhanden ain perpetuum mobile, 
welches in ainem gläserinen ring ascendiert vnd descendiert. 

Etliche magnet, deren der größte 5 lott schwer, vnd zeucht 
G6 loth eisen an sich, so er tag vnd nacht, iahr vnd tag haltet. 

Allerley schöne vhrwerck, als ain schönes vhrwerck, wie 
ain thurn, daran die Römische Kayserliche brustbilder von silber. 
Auf ainem gang stehen die hausleuthe vnd blasen durch ain 
pfeiffwerck, oben schlagen ains ieden tags planeten die minuten, 
vnd wirt sonst das vhrwerck durch ein Cristallin kugelin im lauf 
aines schneckengangs getriben, wan es vnden einfellt, steigt es in 
momento mit Verwunderung aines minuten Zaigers wider in 
die höhe-). 

Ain schöner vergulter, vnd darauf mit färben die himmlische 
S3'dera gemahlter globus coelestis von messing, darinnen nicht 
allain die stunden : sondern auch durch das darinn befindtliche 



') Hier in W.2 und "Wg eingeheftet ein Kunstdruck: Abbildung eines 
Hirsches, hergestellt aus den bunt durcheinander gesetzten "Worten des oben genannten 
Gedichtes. Überschrift: Elapho-Zoographia Chalcographica etc. von Jona Saurn. 
Buchdrucker zu Ulm, 1625. Verlag von Joh. Klockher, Augsb. 1629. 

'^) Dieser berühmte »Thurm zu Babel«, 1602 von dem Uhrmacher Hans 
Schlotheim zu Augsburg gefertigt, Avurde in demselben Jahre für 2400 Gulden 
vom Kurf. Christian II. gekauft und kam 1614 endgiltig zur Kunstkammer. 
Pretiosensaal des grünen Gewölbes Nr. 140. Erbstein pag. 112 f. 



— 168 — 

vhrwerck, motus primus & secundus ganz künstlich, sonderlich 
respectu Lunae & Solis zu sehen M. 

Ain schönes vhrwerck, welches auf glocken allerley Weyh- 
nachtlieder schlegt, etliche engel, vnd der mutter Mariae vnd deß 
kindlein Jesu äugen beweget. 

Ain ander schönes vhrwerck, in welchem allerhand bewegung 
des himmels zu sehen, insonderheit was in Theoria Planetarum 
durch schwere computation mues zuwegen \Fol. 374 v.] gebracht 
werden, kan man mechanice daran sehen -). 

Ain schönes vhrwerck, durch welches ain Astrolabium 
getriben wirt, auch ehe es die Xürnbergische, Böhmische vnd 
Teutsche stund schlegt, der haan krehet, fus- vnd roßthurnier, 
auch viler männer köpff bewegung daran zu sehen ist. 

Aine andere schöne vhr auf ainem silbernen globo. 

Zwey vhren wie Papigay, welche kaine glocken, sonder mit 
ihrem geschray die stunden andeuten. 

Zwey schöne hündlein, darinn vhrwerck mit bewegung ihrer 
äugen zu befinden. 

Ain vehrlein mit dem pelican vnd seinen iungen, wann es 
schlegt, so bewegen sie sich •^). 

Ain beer, wann es schlegt, so bewegt er die äugen, die 
tazen, rüssel, vnd baucket, darbey ain wa}"dmann das hörn ansetzt, 
als ob er blies ^). 

Ain schönes vhrwerck, wie Xessus dem Herculi sein weib 
entführet, von ganzem silber, schönen rubinen, smaragden vnd 
perlen geziert, gehet auf ainer tafel fort, schiesset auch pfeil von 
sich, bewögt samt etlichen hunden kopff vnd äugen ''). 

Ain schiff, so auf ainer tafel etliche bootsleuth darinn fort- 
treiben, wann es still stehet, aine thür sich aufthut, siben Chur- 
fürsten des Reichs heraußgehen, Reverenz [J^o/. 375 /-.] für Kay. 



M Es scheint der von Kurf. Christian I. 1593 gekaufte Himmelsglobus 
gemeint zu sein. Mathem.-physik. Salon, Abtheilung C, Xr. 184. 

■^) Wahrscheinlich das Planetarium im mathem.-phys. Salon Abth. C, Nr. 204. 

3) Im Silberzimmer des grünen Gew. Nr. 109 b. 

*) Augsburger Arbeit, Ende des XVI. Jahrh. In der Kunstkammer des 
histor. Mus. 

') Im Silberzimmer des grünen Gew. Nr. 107. Angefertigt vom Kunst- 
schlosser Caspar Werner aus Nürnberg (f 1545), die Gruppe vielleicht von 
Wenzel Jamnitzer. Im heutigen Zustande zeigt das Werk spätere Überarbeitungen. 
Vgl. Erbstein p. 79 ff. sowie oben. 



— 169 — 

May. bezeugen, Kay. May. mit dem scepter vnd haupt gleichsam 
die Lehen gibt, ethch trommeter wechselsweis blasen, ain heer- 
paucker auf den kesselbaucken schlegt, in dem mastbaum die 
schlagvhren, vnd sonsten andern bewegung vil zu sehen, vom 
Johanne Schlothamer ^) zu Augspurg gemacht ist worden. 

Ain schöner Indianischer tresor, mit schönen Indianischen 
schreibzeugen, trinckgeschirren aus perlemutterschneken vnd 
vergultem silber. 

Ain vhrwerck, darinn ain äff bauket, vnd vil haasen auf 
allerley art herumb lauffen -). 

Schöne trinckgeschirr von straussen a}ren, in vergult silber 
gefasset, welche bey Churfürst Christian] primj zeiten zu Dresden 
gelegt worden ^). 

Ain grüenes ay vom vogel Caspry gelegt. 

Schöne gemälde, als die historia von der schlacht des engeis, 
so er in des Senacheribs läger an 18500 mannen verrichtet. 

Der Götter bancket ^). 

Schöne \'enusbilder. 

Ritter St. Georg streittet mit dem lind wurm. 

Des Herren Christi brustbild. 

Schöne passional stücklein, so Albrecht Dürer gemacht^). 

Allerley Chur vnd Fürsten contrafette. [Fol. 87 o v?[ Stamm- 
bäume. Seecarten. Land mappen. 



^) Derselbe Hans Schlotheim, von dem der »Thurm zu Babel« herstammte 
Thätig für Kaiser Rudolph II, Vgl. P. v. Stetten, Kunstgesch. v. Augsb. 
pp. lcS4. 190. 

2) Mathem.-physik. Salon, Abtheil. C, Xr. 70. 

*) Solche Pokale aus Straußeneiern finden sich mehrfach im Kaminzimmer 
des grünen Gew. 

■*) Vielleicht eins der drei inhaltsverwandten Bilder des Hendrik van 
Baien d. ä. (Hochzeit des Bacchus, Hochzeit des Peleus) Olympisches Göttermahl, 
Dresd. Gal. Nr. 919, 920, 921j, die freilich alle drei erst im Inventar von 1722 
vorkommen. Aus demselben Grunde zweifelhaft erscheint auch die Identihcierung 
der nachfolgend genannten Venusbilder, von denen die Dresd. Gal. bekanntlich 
eine ziemliche Zahl besitzt. 

*) Diese Folge von sieben Bildern wird von Scheibler dem Hans Scliäufe- 
lein, von Wörmann (Kat. d. Dresd. Gal. p. 593) nur im allgemeinen der 
Dürer'schen Schule zugeschrieben. (Dresd. Gal. Xr. 1875 — 81.) Die Identihcierung 
der sonst an dieser Stelle genannten Bilder ist theils bedenklich, theils überhaupt 
nicht möglich. 



— 170 — 

Vnd sonsten vilerley gemahlte historien in groser anzahl. 

Churfrl. Drl. Herzog Johann Georgs zu Sachsen contrafette, 
samt desselben gemahl vnd wappen, von psalmen ^) vnd andern 
Sprüchen der schrifft, so subtil, als wann es gerissen were, mit 
ainer saubörsten geschriben. 

Deroselben contrafett auf riccio samet künstlich geschnitten. 

Allerley schöne figuren vnd schrifften mit gold vnd silber 
in ebenholz eingelegt vnd gestochen. 

Ain spieslin, so ain wahlfartsbrueder dreymal nach St. Jacob 
zu Compostell mit gehabt. 

Allerley marchierstäbe von meerrohr vnd schilff. 

Selzame rappir oder Degen, so aine spannen länger können 
gemacht werden, als sie erstmals sein -)• 

Vier schöne brettspil, ains von eingelegtem holz, zvvey von 
ebenholz, vnd ains von helffenbain, in ainem ist ain Regal mit 
samt den blasbälgen vnd die stain von Romischem bildnus vnd 
silber, das ander ist von am meliertem vogelwerck, das dritte 
gstickt, von gold, silber vnd edelgstain, in welchem Chur vnd 
Fürsten contrafett in wachs possiert ^), das vierte ist mit agtstain 
eingelegt. 

Im 4. Gemach 

Werden allerley schöne gros vnd klaine von wachs possier- 
\Fol. 376 rJ] te bildnussen, historien, contrafet, thierlein in grosser 
anzahl gefunden, von vilen schönen vnd lebendigen färben. 
Mancherley schöne schreibtischlein, nehekästlein, mit gold, silber, 
perlen vnd perlenmutter, edelgstainen, bilder, gemählden vnd 
andern köstlichen Sachen versezt, in welchen etliche auch vnder- 
schidliche instrumenta von dergleichen materien praepariert, 
gefunden werden. 

Ain schön trinckgeschirr, neben andern zu tisch brauchigen 
schisselen, tellern, salierlein, löfflen, messern, gablen vnd der- 
gleichen, von selzamen meermuschlen. Indianischen nusschalen. 



') Hds. spallen. 

2) Zwei solche im hist. Mus., Saal G, Pult IT., Nr. 149. 150. 

3) Dieses Brettspiel, ein Geschenk Johann Georgs von Brandenburg 1591 
an Kurf. Christian I., stellt in der Kunstkaramer des hist. Mus. Daselbst noch 
ein anderes aus derselben Zeit »aus vergoldetem und graviertem Silber mit 
Malereien unter Glas« i Führer, p. 33), dessen Identität mit einem der hier 
genannten aber zweifelhaft ist. 



— 171 — 

perlenmutter, mit silber, gold, corallen, zincken, vnd schönen erz 
gezieret ^). 

Aine tafel von perlenmutter vnd ebenholz, mit silber ein- 
gelegt, darauf etliche trinckgeschirr, als wie greiffen, löwen, 
meerpferdt, basilisken vnd andern figuren, auch aines etliche 
pfund silber wiget, vnd allesamt von ainem Leipziger kauffmann 
vmb 9000 fl. erkaufft vnd aus India gebracht worden. 

Ain schön eingelegts selbs schlagendes Instrument -), so auf 
allerley schöne muteten ^) zu richten, welches vom Churfürsten 
Augusto zu Augspurg A? 82: auf dem Reichstag vmb 7000 fl. 
gekaufft worden. 

Ain schönes schiff mit vilen seglen, alles von helffenbain 
durch ainen hofdrechsler Jacob Zöllnern^) genannt, geschnitten, 
\^Fol. 376 V.'] welches der Xeptunus trägt, vnd ist in dem schiff 
der gantze stammen Sachsen von Wittikindo an, bis auf Chur- 
fürsten Johann Georgen, ietz regierenden Herren, mit den namen 
vnd der Zeit ihrer lebtag vnd regierung, auch in den grössten 
seglen die Churfürstliche Sächsische wappen geschnitten, so mit 
grosser Verwunderung anzusehen ist, die gschütz vnd nägel von 
gold sein. 

Dises maisters mancherley schöne eckichte, passichte •^), 
ablänglichte gedrehete geschirr, in gleichem aine blume, an deren 
Stengel dreyerley art wendeldreppen, artig von helffenbain gedrehet. 

Item aine kettin mit ablänglichten glidern, vnd hat ain iedes 
glid vnderschidene ring, alles aus ainem stücklein helffenbain, 
welches er im drehwerck für sein gröstes maisterstuck geachtet'^'). 

Auf ainem selzam gedreheten Becher aine durchbrochene 
kugel, in welcher andere 24 kuglen alle beweglich zu befinden. 

Aine dichte kugel auswendig anzusehen, inwendig aber 



'j Hieher gehören vermuthlich jene Messer, Gabeln, LölTel und Salz- 
näpfchen im Kaminzimmer des gr. Gew. Nr. 45, auf welche die Beschreibung 
ungefähr passt. Sie waren schon 1586 vorhanden. Vgl. Erbstein, pag. 43. 

*) d. h. ein von selbst spielendes "Werk, welches nicht mit den Händen 
geschlagen zu Averdeu braucht. 

•^) d. h. Motetten. 

**) Er stammte aus Deutz ; — das hier beschriebene Schiff, welches im 
Elfenbeinzimmer unter Nr. 107 aufgestellt ist, arbeitete er 1620. Abbild, bei 
Grüner, das gr. Gew. zu Dresd. Erbstein, pag. 19 f. 

•'') Z. B. im Elfenbeinzimmer des grünen Gew. Nr. 154. 

•») Elfenbeinzimmer Nr. 145. 



— 172 — 

erkennt man durch ain loch aine andere mit schönen stern vnd 
schnecklen durchbrochen : veber das in selbiger ain bix mit zweyen 
liden, in welcher bix zwey contrafet, Churfürsten Christiani secundi 
samt desselben gemahl ^) geschnitten, die lider aber mit gülden 
bändern angeschlagen, alles aus ain stuck inwendig gemacht, 
vnd die kugel noch aus- yFol. 377 ;-.] wendig di basso rilievo 
geschnitten ist ^). 

Aus zweien Jägerhörnern ganz künstlich gedrehet vnd 
geschnitten, sein zwei halbe klaine kirschkern, vnd darauf die 
Churfürstliche Sächsische wappen geschnitten ^). 

In ainem selzam eckicht vnd geschwaifften gedreheten becher 
von helffenbain ist auf den deckel des Ritters St. Georgen streit 
mit dem lindwurm geschnitten, in welchem auch ain becher von aim 
pfefferkorn, vnd darin von helffenbain andere klaine 150^) becherlein 
oder kelchlein, deren ränder (oder ränfft) mit mahlergold vergult 
sein ^). 

Mancherley schöne spiegel von cristall vnd andern schönen 
gläsern, deren gehäus von silber, ebenholz vnd andern schönen 
materien, vnder welchen an ainem die statua Danielis, oder der 
träum des Nebucadnezars, samt derselben explication, als den vier 
Monarchien, vnderschidner Reich wappen, vnd andern alles köstlich 
von getribner arbeit, so vil tausent gülden kostet, mit gar schönen 
stainen aufs fleissigst gezieret, mit grosser Verwunderung zu sehen 
vnd zu Lünenburg solle sein gemacht worden^). 

Allerley auf etliche taflen, becher, geschirr, schalen, gies- 
kandten, leffel vnd messer, alles von marmor, alabaster, Serpentin, 
vnd andern stainen, so im Churfürstenthum Sachsen gebrochen 
werden, gar schön poliert. 

Ain schönes orgelwerck, an welchem das geheus, pfeiffen 
[Fol. 377 v.\ bilder, clavier, piramides, vnd alles was daran zu 
sehen, aus mancherley farbichten glas, von ainem jNIilanese 
gemacht worden. 

') Hedwig, Tochter König Friedrich II. von Dänemark, t 1<J41. 

•^) Daselbst Nr. 296 (vom Jahre 1611 \ Werk Jacob Zellers. 

3) Derartige winzige Schnitzereien im "Wappenzimmer des gr. Gew., unter 
Xr. 32. Vgl. auch unten. 

•*; Hds.: 1500. 

•') Im grün. Gew. nicht vorhanden. Weck pag. 38. 

*) Gemeint ist der prachtvolle Wandspiegel von 1587 (der Deckel von 1592). 
Silberzimmer des gr. Gew. Nr. 110. 



— 173 — 

Ain schön von lauterm holz vnd perspectiven eingelegtes 
positiv, in welchem die pfeiffen auf sechseriey art, alle auch von 
holzzügen, von ainem tischer gemacht worden. 

Ain schöner mühsamer Italianischer eingelegter Schreibtisch, 
darinn ain regal mit gold vnd perlen, auf rot sammet gestücktes 
regal, auch vilen vnd mancherley von silber vnd vebergulten 
Mathematischen Instrumenten vnd compassen, auch zur Arithmetica, 
Geometria vnd Astronomia dienliche zahlpfenning, in dem Astro- 
nomischen Cylinder zu befinden. 

Vil vnd mancherley schöne artilerey instrumenta zum schiessen 
vnd werffen auf mörser vnd wahlstucken zu gebrauchen auch 
schöne muster vnd model, neuer art mörser vnd stucken, item 
aufsetze, quadranten, triangula, wagen, gesichtlein : item ain 
muster, ohne pulver zu werffen ^). 

AUerley schöne felder-, see-, wind- vnd marckschaider-compas 
zum grund legen, höhen vnd tieffen dardurch zu erforschen. 
Andere schöne instrumenta Geometrica vnd Astronomica, gar 
viler arthen -). 

Vilerley Alphabet vnd signa auch characteres. 

Aine schöne Mathematische librej oder bibliotec zu der 
Arithmetica, Geometria, Astronomia, Architectur, perspectiv vnd 
\_FoL 378 r.] andern künsten mehr^.) 

Schöne von helffenbain gedrehte coni vnd p^Tamides, darauf 
mancherley corpora regularia & irregularia zu sehen. 

Ain schönes vhrwerck, wie die Indianer die Elephanten mit 
ainem thurm vnd kästen, samt etlichen personen führen, schlegt 
ain mohr im fortgehen auf ainer tafel auf der pauken, ain anderer 
scheust ain pfeil durch den bogen von sich^). 

Ain ander schön vhrwerck, darin das lämmlein Gottes die 
stund bleket, die engel allerley passions instrumenta zur creuzigung 
Christi herumbtragen, auch allerley Osterlieder auf glockenwerck 
spilen. 

Ain vhr in gstalt des Türckischen Soldans, bewegt den 
kopfpusikan, springt ain Hund darneben auf, vnd das roß regiert 
die äugen. 



^) Mathera.-phys. Salon, Abthcil. A. 

■2) Ebendaselbst. 

3) Ebendaselbst, Abtheil. D. 

*) Schon im Inventar von 1587 ; jetzt in der Kunstkammer des hist. Mus, 



— 174 — 

Ain vhr, darinn der Baccus sein fest celebriert, bewegt das 
maul im herumbtragen, als ob er von ainer braatwurst esse, 
trinckt auch zum offtern, darüber zween Philosophi die köpf 
schüttlen, circul vnd sphaeren herumbwenden, vnd ein Satyrus 
für dem Baccho paucket ^). 

Ain schöner grosser pfau, welcher im herumbgehen schreyet, 
den köpf wendet, die äugen glisset, entlichen den ganzen leib, 
vnd ain rad oder aine wannen mit dem schwänz drehet aufrichtet, 
auch zucker fallen lasset. 

Ain krebs, so auf ainer tafel fortkreuchet -). 

\^Fol. 378 T'.] Etliche stücklein von dem creuz Christj. 

Ain schönes contrafet vnd rechte statur des Herren Christi. 

Contrafet Churfürst Augusti, vnd seiner gemahlin Annae^). 

Danae, wie sie vermehlet worden ^). 

Adams vnd Evae bildnus, alle lebensgrösse, vnd vom alten 
Luca Kronacher gemacht ''). 

Selzame Snackenköpfe des kochs vnd deß kellers, von Ihnen 
appropriyrten gebräuchlichen instrumenten. 

Andere vier schnakenköpffe oder angsichter der vier iahr 
Zeiten ''), als des frülings von mancherley vöglen. Des sommervS 
von allerhand feurwercksmaterien vnd instrumenten. Des herbsts 
von allerley delicaten speissen, gebraten vögel, fisch, schweininen 
nierbraaten, hühner &c. Des winters von allerley belzwerckvihe. 

Aine schöne see: vnd landcarten oder mappa der gantzen 
weit, auf pergamen von freyer band vnd fleissiger austhailung 
gerissen. 

Andere schöne land : vnd seemappae, auch etliche Statt vnd 
Länder. 

Schöne blaseröhrer, von helffenbain gefüttert. 



') Zeiller fügt hinzu, das Uhrwerk sei ein silbernes und Bacchus spaziere 
mit seiner Laute im Kreise herum. 

'^) Zwei solche im mathem.-physik, Salon, Abtheil. B, Nr. 33 u. 34. 

3) Es könnte auch hier an die Werke des Hans Krell gedacht werden 
(Dresd. Gal. Nr. 1956, 1957), indes ist dies durchaus unsicher. 

■*) Ob hier das mit Unrecht dem van Dyck, von Wörmann dessen Schule 
zugewiesene Bild Dresd. Gal. Nr. 1039 gemeint ist ? 

5j Dresd. Gal. Nr, 1910. Vgl. Chr. Schuchardt, Luc. Cr. des ä. Leben u. 
Werke IL, 228 f. 

•^j Über ganz ähnliche Werke in Innsbruck, vgl. oben Innsbruck Rel. 
Fol. 269 r. 



— 175 



Item blaseröhrer von stahl gebohret. 



In zimhcher anzahl schöne vhrmacher : Schlosser : heb : vnd 
brechzeuge. 

In gleichem vilerley schöne kästlein, darinnen goldschmids : 
halbier : dischler : Schlosser : vhrmacher : vnd andere schöne zeug, 
in die enge gebracht, auf raysen handsam bey sich zu führen ^). 

\FoI. 379 r.~] Ain gar schöner beltz, gärtnerzeug von vilen 
vnd mancherley instrumenten, welchen Churfürst Augustus zu 
Sachsen auch selbs gebraucht hat-). 

Vnderschidliche selzame natürliche hasengewey. 

Im 5^^" Gemach 

Werden fürnemlich zum aufreissen allerley Mathematische 
instrumenta^) gefunden, welche Churfürst August zu Sachsen 
Christseeligster gedächtnus selbs gebraucht, als : Astronomische, 
Geometrische, Geographische, Scenographische, oderperspectivische 
vnd typographische, insonderheit von schönen sphaeris armillaribus 
vnd artificialibus, globis coelestibus & terrestribus, von metall, 
holz vnd andern materien, Astrolabia, qvadranten, qvadrata, decli- 
natoria, nocturnalia, mancherley horaria solaria, cylindros, truncos, 
varia corpora regularia & irregularia. 

Coni, feld: see: wind: vnd marckschaider compas, allerley 
proportional thail, Stangen, dreyspizige bogen, federen, vnd andere 
circulj, mancherlev maasstäb, visier, rutten, linial, winckelmaas 
vnd haken, perpendicula, ausgethailte Scheiben, quadrata, darauf 
veriüngung vnd vergrösserung, vnd was denen allen mehr 
anhängig ist. 

Schöne See: land: vnd andere mappen, gerissen und in 
\^FoL 379 v.\ kupfer gestochen : wie dann Churfürst Augustus 
hoch seel: ged: das ganze Thüringer, Meisner, Voitland, samt den 
assecurierten ämptern, stifften vnd schlossern mit aigner band, 
secundum longitudinem & latitudinem, ausgethailt, in delineation 
gebracht, vnd durch die Geographische Instrumenta, so er zu 
wagen geführt, ausgemessen hat. 



') Im mathem.-physik, Salon. Vgl. Anm. 115. 

2) Die Gärtnergeräthschaften des Kurf. Aug. befinden sich im histor. Mus. 
Saal F, Schrank XVI. 

"^) Instrumente, wie die nachfolgend benannten, finden sich in Menge im 
mathem.-physik. Salon, ohne dass aber die Identificierung möglich ist. 



— 17(3 — 

Ain silberner dolchen, darauf circul vnd maasstab stecken. 

Allerlev schöne landschafften, biblische historien, vnd andere 
gemälde, so Hans Polle gemacht ^). 

Ain Contrafet des Grafenhags in Holland. 

Schöne contrafet etlicher Römischer Kayser, so vor vnd 
nach Christi geburt regiert, sein copeien, wie sie zu Rom in 
originali zu finden. 

Andere contrafet etlicher Herzogen vom haus Österreich, 
auch Churfürsten Augusti zu Sachsen. 

Ain schönes vhrwerck, darinnen die geburt Christj samt 
der rayse der weysen aus Morenland, wie auch der engel herab- 
fahrung vom himmel, ochs : vnd esels sprüng, suchung vnd 
anbetung der hirten zu sehen, auch etlich Weihenacht gesang 
durch ain pfeiffenwerck zu hören, vom Schlotthammer-). 

yFol. 380 /-.] Ain schönes vhrwerck in ainem globo coelesti, 
darbey das primum mobile zu observieren ist. yAitsspruch des 
Dr. ScattoJ] Zehen andere schöne vhrwerck, darinnen mancherlei 
bewegungen des himmels, auch jagten vnd anders zu sehen, vnder 
welchen auch aines ist, w elches, w^ann es ainmal aufgezogen wirt, 
ain halbs iahr anainander gehet, schlägt vnd zaiget. 

Vhrwerck in ainer pulferflaschen, in Dolchen, knöpfen in ainem 
kriechenden Schnecken : item in kreichenden spinnen ^), in ohren- 
gehengen. 

Ain schönes ohrengeheng von gold : in welchem auf ainer selten 
die Statt Colin, auf der andern Antorff künstlich subtil gemahlet ist. 

Schöne gemälde vnd contrafet, auch Haydnische vnd Biblische 
historien, geschriben, in cristall vnd glas geschnitten, auf vergult 
kupferblech punctiert, von pfauenfedern zusamen gesetzt, gemahlt, 
vnd von andern materien zusamen gebracht. 



') Von den ursprünglich (nach dem Inventar von 1587) sechzehn, später 
(1741) sogar 26 Bildern des Hans Bol (1534 zu Mecheln geb^f Amsterdam 1593) 
sind jetzt nur noch neun übrig. Dresd. Gal. Nr. 822 — 830. Schon 1617 bemerkte 
H. in der Kunstkammer »gar vil gemahlte taflen vom Boll.« Balt. Stud. II, 134. 

■^) Jetzt in der Kunstkammer des histor. Mus. — Augsburger Arbeit 
von 1589. War schon 1617 von H. gesehen. (Balt. Stud. II, 135.) Interessant ist, 
<lass hier der Name des Verfertigers dieses Kunstwerkes genannt wird. 

^) Arbeit von Tobias Reichel in Dresden, 2. Hälfte des K!. Jahrh. — 
Im Eckcabinet des grün. Gew., Wand A, Kasten 7, Nr. f. H.'s obige Worte 
sind übrigens der Singularis. 



i i 



Ain kirschkern, darauf 185^) todeükopf vnd gsichter wol 
kändtlich geschnitten, in gold, als ain kleinot zum ohrgeheng 
gefasset. 

Allerley schöne Schreibzeug vnd nehekästlein von ebenholz 
mit silber vnd gold geziert, darinn auch mancherley instrumenta 
zu finden, vnd ist vnder andern ain Schreibzeug, ohngefahr bey 
^/^ elen hoch vnd lang, welcher mit ganz guldinen säulen 
[Fol. 380 7'.] vnd bildern etlicher tugenden vnd Römischen 
Kaysern gezieret, daran die arbeit 4000 cronen gecostet haben 
soll '). 

Ain Ainhorn ^) von 3 elenlang, welches in ainer ganz guldinen 
kettin hanget. 

Ain pfeil aus ainem ainhorn geschnitten. 

Ain schöner tisch von mancherley farbichten marmor, ala- 
baster, Serpentin vnd andern stainen, wie ein altar gezieret, mit 
säulen, bildern vnd figuren, in welchem auch ain positiv von 
stainen zu befinden^). 

Im 6^^" gemach der mineral Zimmer 

Werden vil vnd mancherlay schöne erzstuffen ^) gefunden, 
vnder welchen vier grosse hauptstuffen, daran als der ersten zu 
sehen : Churfürstlicher Durchleucht zu Sachsen Bergstatte, mit 
ihren namen, auch deren vornemsten Zechen, neben den hand- 
stainen, samt den proben, wievil sie in centner gehalten, vnd ist 
bey vilen zu lesen, das mehr silber als schlaken oder andere 
vnrainigkeit im centner gewesen. 

An der andern sein allerley handstain, flösse, vnd selzame 
gewächs der siben hauptmetallen, als gold, silber, kupfter, zin, 
eisenstain, bley vnd queksilber, nach den 7 planeten ausgethailt, 
so auf ainem ieglichen metall stehen, auch allerley arbait, so in 



^) ^: menschen. — Der Kirschkern ist im Wappenzimmer des gr. Gew. 
Nr. 32 i. Dem Kurf. Christian I. 1589 geschenkt. 

■^) Sollte etwa der Schmuckschrank der Kurf. Sophie (Kunstk. des hist. 
Mus. Führer pag. 35) gemeint sein? 

^) D. i. Narwal. 

*) Gemeint ist das berühmte Positiv, welches von dem Dresdener Bildhauer 
Christoph Walther 1584 fertig gestellt wurde (die Orgel ist von Johann Lang 1580). 
Jetzt in der Kunstkamraer des hist. Mus. Führer pag. 34. 

^) Von solchen Handsteinen besitzt besonders das Wiener Hofraus. eine 
vorzügliche Sammlung (Saal XXII, Vitrine VI.) 

Quellenschr. X. Bd. 12 



— 178 — 

ainem bergwerck fürlaufft, mit geschnittenen bergkleuthen sehr 
künstlich zu befinden. 

{^Fol. 381 r.] Auf der dritten ist Adam vnd Evae fall, samt 
ainem Spiegel, vnd gleichfals der bergkleuthe arbeit. 

Auf dem vierdten ist aine andere arth, die siben vnder- 
schidene rohe metall zu sehen ^). 

In dem klainen, welche in grosser anzahl von schönen 
glasärz, haarerzt, rothguldin erz, auch gedigenen gewachsenen 
silber, darinn mancherley figuren, biblische historien, vnd ganze 
bilder künstlich geschnitten vnd gegraben, ist Gottes reicher segen 
vnd wunder mit danck zu spüren. 

So ist auch vnder andern ain schönes gewächs von ge- 
digenem silber, so noch nie in kain feuer kommen, wie ain bäum 
mit seiner wurzel, vnd oben wie ain creuz, darumb sich aine 
schlänge hette gewunden, mit Verwunderung zu sehen -). In diesem 
gemach befinden sich zwey schöne selbschlagende positiv ^) von 
ebenholz, aines mit zinernen, das ander mit hilzernen pfeiffen- 
werck. 

Mancherley schöne probier, schnell : vnd andere wagen, 
gewicht vnd dergleichen darzu gehörige sachen mit schöner aus- 
thailung vorthailhafftig zu gebrauchen^). 

Schöne metalline Spiegel, welche vmbgekehrt, langlechte, 
getruckte, große vnd andere selzame gsichter, auch perspectivi- 
schen schein geben. 

Allerhand vogelhärtlein, falken vnd phasanen häuslin mit 
federn gezieret. 

[J^oL 381 ^'.] Lucas Kronachers vnderschidene lebensgrösse 
gemählde, als Adam, Eva''), Lucretia, Judith^), item etlicher Chur 
vnd Fürsten zu Sachsen, Mechelburg contrafette. 

Grosser vngeheurer hirsch, groses schwein. 

Venusbilder*), Enthauptung Johannis. 

') Ahnliche Handsteine im Eckcabinet des gr. Gew. Nr. 89 and r. 

2j Vielleicht gab dieses Stück dem Könige August d. Starken die Anregung, 
jenes ähnliche Kreuz anfertigen zu lassen, welches unter Nr. 261 im "Wappen- 
zimmer des gr. Gew. steht. 

^) Vgl. oben. 

^) Im mathem.-phys. Salon, Abtheil. B. 

*) Es könnte an Dresd. Gal. 1910 wie auch an 1911 und 1912 gedacht werden. 

«) Dresd. Gal. 1909. 

') Vgl. oben. 



— 179 — 

Contrafett duorum spectrorum, so ainsmals zue Rom ainen 
monatlang an der Tyber sich sehen lassen. 

Etliche land : vnd seecarten, Stätte. 

Contrafett ainer bärtigen vnd zottigten Jungkfrauen ^). 

Ain Rehe mit einem sehr seltzamen geweih. 

Nehekästlein, daran schöne landtschäfftlein vnd bilder mit 
seyden geneht, auch mit gold vnd perlen gesticket-). 

Ain schönes von wachs possiertes kindlein, welches, wann 
es gewieget wirt, den leib, füsse, äugen, vnd arme rhüren thut. 

Ain bergkwerck, darinnen sich im drehen mit einer kurbe, 
mehr als hundert männlein, ain ieglichs in seiner arbeit, bewögen. 

man hat es vns auch ain mühler spil mit 3 stainen gezaigt, 
fast auf des Wolfjagens art. 

In diser kunstkammer ist bey vns gewesen Herr Severinus 
Scatto, Medicinae Doctor, 70 iähr alt von Torgaw bürtig, so 
40 iahr ^ledicus zu Prag gewesen, ietzt exul zue ^Fol. 382 /-.] 
Fre^burg^) ist, vnd wunder erzehlt, was Eduardus Keller Anglus^) 
für ain trefflicher Chymicus vnd Alchimist, mit seiner tinctur 
vnd resolvierung der metallen, tempore Augustissimj Imperatoris 
Rudolphi, wäre, wievil Er auch misgönner gehabt habe .... 

Aus der Kunstkammer hat vns gegenveber in die Churfrl. 
Bibliothecam ^) von 4 conclavibus oder musaeis, voller bücher, 
Herr Johannes Nienberger '^), Oldenburgensis, poeta & notarius 
Caesareus, nee non Ser.""^ Electoris Saxoniae Secretarius & Biblio- 



') -Ä: vom Adel. 

2) Weck pag. 35. 

^) Soll wohl heißen Freiberg. 

*i Eigentlich Talbot, Alchymist bei Kaiser Rudolph IT., geb. zu "Wor- 
cester 1555, f 1595 auf der Flucht aus dem Gefängnisse. Jöcher, Gel.-Lexic. II, 2059. 

5) Die nachfolgend beschriebene Sammlung bildet den Grundstock der 
heute im kgl. japanischen Palais zu Dresden befindlichen kgl. Bibliothek. Der 
älteste Katalog der Stammbibliothek ist von 1574, betitelt; »Registratur der Bücher 
in des Churfürsten zu Sachsen liberey zur Annaburg« mit 1721 Nummern. "Weitere 
Kataloge von 1580, 1588, 1595. Vom letzteren reicht der 3. Theil bis 1628. Ein 
vierter Theil, auf den gelegentlich verwiesen wird, ist nicht vorhanden. 

^) Joh. Xienborg, kurfürstlicher Secretär aus Oldenburg, war seit 1611 im 
Amte, wurde aber, weil er die Bibliothek vernachlässigte, um 1638 entlassen. 
Vgl. Ebert, Gesch. u. Beschreib, d. kgl. öffentl. Bibl. zu Dr., Leipzig 1822. — 
1617 erwähnt H., Xienborg sei auch rcrum metallicarum secretarius gewesen. 
Balt. Stud. II, 144. 

12- 



— 180 — 

thecarius, ^eführet, Herr Dy Scatto auch mitc^angen, und Ich in 

derse 

habe 



derselben sonderHch folgendes observiert vnd in acht genommen 



Als in primo Musaeo, vnd 

Im eingang diser illustri bibliotheca ist zu sehen, in ainem 
gehäuse, des M. Varronis ganze grammatica, auf ain sonderlich 
darzu beraitets vnd liniertes grosses regal papir schön geschriben, 
vnd durch eiserne räder vnd gewicht, wie ain saiger oder braaten- 
wender, fein gemächlich gezaiget vnd vmbgewendet^). 

Ist") Julius Ligur, Papa secundus, wie derselbe A° 1511 vor 
Mirandula gelegen, mit angehabtem habit, mit öhlfarben in aim 
brustbilde, schön abgemahlet zu befinden. 

\Fol. 382 7^] Sein die drey Cardinal, Petrus Bembus ^), 
Caspar Contarinus"^), vnd Jacobus Sadoletus '') in brustbildern 
ebenermassen mit öhlfarben schön abgebildet. 

Ingleichem der weitberhümte admiral vnd kriegsobrister 
Herr Andreas d'Oria^) oder Aurea kunstlich in aim guldinen 
kettichen, daran das guldinflüs gehänget, abgemahlet zu sehen. 

Sein in disem musaeo in absonderlichen grossen schrancken 
ordine nachainander, von Juristischen, Medicinischen, perspectivi- 
schen, fortification oder festung bawungs: auch in kriegssachen, 
ringrennen vnd thurnierbüchern aine grosse anzahl zu befinden. 

1. Notandum, vnder den Juristischen büchern, sein vber 
die 100 stuckh auf regal papir antiquisch gebunden, vnd in alter 
Münch truck, so kains darvon weder in buchläden, libere^'en 



') Im Jahre 1617 schrieb H. davon, es stände dort »der donat auf ain 
rad geschrieben, wie diser Churfürst Augustus erst im alter lateinisch lehrnen 
wollen.« Diese Varronische Grammatik, mit H.'s Beschreibung völlig über- 
einstimmend und noch ziemlich wohl erhalten, wurde vor einigen Jahren durch 
Herrn Oberbibliothekar Richter wieder aufgefunden und ist in einem der oberen 
Säle der kgl. Bibl. aufgestellt. Durch Drehen an einer (jetzt fehlenden) Kurbel 
lässt sich der außerordentlich lange Papierstreifen, auf den das Werk geschrieben 
ist, von einer Walze ab- und auf eine gegenüberstehende aufwickeln. 

2) ^ : die Päpstische Hayligkait. 

3) Cardinal und Dichter, 1470—1547. 

*) Casp. Contarini, Bischof zu Belluno, 1483—1542. Zedier, Univcrsal- 
Lex. VI, 1124. 

•^) Jac. Sadolet, Cardinal und Bischof zu Carpentras, geb. Modena 1477, 
t Rom 1547. Zedier, Un.-Lex. XXXIII, 331. 

6) Doge, 146G— 1560. 



- 181 — 

oder sonsten zu bekommen, samt den Pandectis Juris, so Chur- 
fürst Augustus zu Sachsen &c : Christmiltester gedächtnus aus 
der Lateinischen in die Teutsche sprach gnädigst transferieren, 
vnd in deren officinä ElectoraH typographicä trucken vnd nicht 
evulgieren lassen. 

2. Vnder der Medicinischen facultet ist bevorab ain kräuter- 
buch von sechshunderterley speciebus auf gros regal papir nach 
dem leben gemahlet, vnd ^) geconterfettet. 

\FoL 383 /'.] 3. Sein in derselben facultet vil manuscripta 
in folio, quarto & octavo gebunden, in Latina & Germanica 
lingua beschriben, so in truck niemalen ausgangen, vnd in andern 
bibliothecen gar nicht zu finden sein. 

In secundo musaeo Historico 

Sein sonderlich in acht zu nemmen, fünff bücher in folio, 
schön gebunden, darinnen allerley emblemata & insignia auf das 
lieblichste vnd schönste mit der feder gerissen sein durch Octavium 
de Strada-). 

Sein vnder den historischen büchern vil alte geschribene 
Chronicken. Historie] vnd andere authores Latine & Germanice 
auf pergamen vnd papir in folio quarto vnd andern formaten zu 
finden. 

Ist wol zu sehen, ain schön mit Wasserfarben gemahltes 
thierbuch, von allerley grossen vnd klainen thieren auf Regal 
papir, vnd fein gebunden. 

In musaeo tertio & theologico 

1. Sein insonderheit alle Patres zierlich bunden zu befinden. 

2. Ist dise Theologische facultet auch mit den fürnemsten 
Catholischen, Calvinischen vnd andern dergleichen streittenden 
scribenten häuffig versehen, . . . [J^o/. 383 v.] 

3. Benebens den getruckten tomis Latinis & Germanicis 
D. Martini Lutheri, findet man seinen propriä manu scriptum 
commentarium, super Psalterium Regis Davidis Latine in quarto ^), 

') V): auf das schönste illuminieret, 

^) ^S^- I^r. F. Schnorr von Carolsfeld, Katal. der Handschriften d. kgl. 
(iflfeutl. Biblioth. zu Dr. (Leipzig 1882—1883!. Abtheilung F, Nr. 83. Strada 
war Antiquarius Kaiser Rudolphs II. Sein Hauptwerk heißt: Symbola ponti- 
ficum, imperatorum, regura et principum (Arnheim, 16GG). Jöcher, Gel.-Lex. IV, 8()4. 

3) Schnorr, Katal. Abtheil. A, Nr. 1.38. Vgl. Luthers erste und älteste 
Vorlesungen über die Psalmen aus den Jahren 1513 — 1516, W. Seidemann, I, 2. 



— 182 — 

vnd dann seine Teutsch geschribene band in 2 tbail, aucb in 
4^° gebunden. Im ersten thail ist aine vermahnung an die Christ- 
liche versamlung auf dem Reichstag zu Augspurg Anno 1530. 
In dem andern thail aber^ das dise wort, das ist mein leib &c. 
noch fest stehen wider die schwarmgayster A° 1525 vnd andere 
tractetlein mehr. 

4. Colloquia oder tischreden Lutheri, linguä Latina geschriben, 
vnd in folio in 2 thail gebunden. 

5. Ain sehr alte eingebundene Biblia Hebraeo- Chaldaica, 
sehr schön punctiert, vnd von ainem Rabinen auf pergamen in 
gros folio geschriben, vnd kan wol für ainen truck angesehen 
werden. 

6. Ain auf pergamen getruckte Teutsche Bibel in folio, in 
2 thail gebunden, vnd schön illuminiert, aufs herrlichst einge- 
bunden mit silbernen vnd vergulten bugglen vnd clausuren. 

\FoL 384 r.] Aine auf pergamen getruckte Biblia Latino- 
Germanica, mit illuminierten figuren in quarto, vnd zwainzig thail 
in Türckisches leder gebunden, auswendig vnd auf dem schnitt 
auf das schönste vergult, die hat Churfürst Augustus zue Sachsenß 
höchster gedächtnus, in ainer schönen truhen in 20 fachlein 
abgethailt, mit pflegen allezeit auf die raysen zu führen ^). 

8. Aine auf Regalpapir in Türingischer spraach geschribene 
Teutsche bibel, mit selzamen alten bildern gezieret, wann sie 
aber geschriben, ist nicht darinnen zu finden. 

9. Sein die fünff bücher Mosis, auf weissem seidinen atlas, 
vnd gros auf regal getruckt, vnd hieroglyphice iegliches capitel 
per numeros angedeutet, durch Nicolaum Bullacherum, I. V. D. -) 
in weis pergamen mit guldin leysten vnd stocken gezieret vnd 
eingebunden. 

10. Ist fürzuweisen aine ganze bibel, wie der klaine Cathe- 
chismus D. Lutherj, in duodecima forma, auch mit hieroglyphi- 
schen figuren, aber vil compendiosius, als die vorige gesezte bibel, 
durch ainen Münch also abgebildet, quo anno es aber geschehen, 
ist nicht darin aufgezaichnet. 

11. Sonsten hat man die bibel vorzuzaigen in mancherlcy 
sprachen, als Hebraica, Chaldaica, üraeca, Gallica, Italica, Anglica, 



') Weck pag. 41. 

2) Werke von ihm nennt Zedier, Univ.-Lexic. IV', 1903. 



— 183 — 

desgleichen in \\'indischer vnd Crabati- \_FoL 384 r.] scher spraach 
zum thail getruckt, zum thail auch auf pergamen, oder auf papir 
alt geschriben, vnd in mancherley format gebunden. 

12. Ist für andern mit Verwunderung zu observieren der Psalter 
in 22 sprachen, durch Eliam Hutterum ^) Dresdae geschriben, als 
nemlich, Graece, Latine, Italice, Gallice, Hispanice, Misnice, 
Saxonice, Danice, Anglice, Vandalice, Bohemice, Polonice, Mosco- 
witice, Croatice, Lithuanice, Vngarice, Turcice, Aethiopice, Arabice, 
Syriace, Chaldaice et Hebraice -). Diser Psalter ist auf sonderliches 
darzu praepariertes Regalpapir in die sechsthalb viertel elen lang 
vnd vierthalb viertel brait in weisleder, vnd in zway dicke thail 
eingebunden, ist ain thail darvon so schwer, das ain starcker 
mann denselben nicht weit heben oder tragen kan, vnd geschiiben 
auf Churfürsten Augusti zue Sachsen &c. genädigste Verordnung 
vnd vncosten Anno 1580. 

13. Ist hierüber vorhanden des weitberhümten Poeten Eobani 
Hessi Psalterium carmine elegiaco redditum, in seiner aigenen 
geschribenen band in quarto vnd in weis pergamen gebunden. 

In Musaeo quarto Philosophico et Poetico 
[jFoL 385 r.] 1. Sein des Rabani abbatis Fuldensis, postea 
Episcopi Moguntinensis manuscripta opera, auf gros pergamen, 
mit wunderlichen bildern vnd characteren. carminice, vnd in prosa 
oratione geschriben, darunder ars caballistica verborgen, in weis 
leder gebunden^). 

2. Ist der Poet Horatius alt auf papir geschriben, vnd in 

braun leder mit clausuren gebunden. 

3. Ist der Cato auf papir auf Teutsch expliciert vnd aus- 
gelegt, durch ainen Münch geschriben, vnd in eadem forma 
gebunden. 

4. Ist der Poet Graecus schön auf pergamen geschriben, 
vnd antiquisch eingebunden in roth leder. 

5. Zaiget man ainen auf pergamen vnd in gros folio ge- 
truckten Donat, w^elchen C hurfürst Augustus für Ihre Churfrl. 
Gn. herren Söhne trucken lassen. 



') Des Kurf. August Lehrer im Hebräischen, geb. 1553 in der Lausitz, 
t nach 1602 in Nürnberg. Jöcher, Gel.-Lexic. 11, 1789 f. Allg. deutsche Biogr. 
13, 475 f. 

2) Weck pag. 41. 

3) Schnorr, Katal., Abtheil. A. Nr. 44. 



— 184 — 

6. Opera Ciceronis auf pergamen antiquisch geschriben, in 
quarto, vnd neun thail, in weis leder gebunden mit clausuren. 

7. Priscianus Grammaticus. 

8. Virgilius. 

9. Ovidij Metamorphosis, vnd dann auch 

10. Catullus, Tibulus, Propertius. 

Dise 4 bücher sein alle auf pergamen geschriben, ain iedes 
stuck absonderlich gebunden, vnd aus Italia anhero ^Fol. 385 v.] 
gebracht worden .... 

Hierüber sein noch zu sehen : 

1. Zwey fecht vnd ringbücher in allerle}^ wehren, mit schönen 
gemahlten vnd illuminierten bildern gezieret, vnd herrlich ge- 
schriben, in schwarzen sammet, silbern vnd starck vergulten 
bugglen beschlagen, vnd ain ieder thail fast so dick, wie die bibel 
gebunden. 

2. Ain buch in gros folio, darinnen allerley Schlitten kunst- 
lich abgem.ahlet sein. 

3. Der Sachsen Spiegel gar alt auf pergamen in folio ge- 
schriben, vnd mit vilen historischen figuren gemahlet, ist sehr 
antiqvisch vnd wol zu sehen. 

4. Ist der Historicus M. Antonius Coccius Sabellicas, 
Germanice transferiert ^), fein rain auf papir in folio geschriben, 
vnd in 3 sehr dicke thail eingebunden. 

5. Der Arabische Alcoran in derselben sprach auf pergamen, 
vnd alt geschriben vnd in braun leder mit ainem veberschlag gebunden. 

(3. Liber continens tres linguas Arabicam, Syriacam &Persicam, 
auf pergamen geschriben, proponit regulas Dervischiorum Mona- 
chorum se cicatrizantium, & institutionem quandam moralem : 
quemadmodum quis erga DEUM, parentes & proximos se gerere 
debeat, in octava forma vnd braun in alt leder gebunden. 

[Fol. 386 r.] 7. Liber rituum Ecclesiasticorum Ecclesiae 
Syriacae, idiomate Syriaco aufs papir geschriben, ist gar sehr 
alt, in quarta forma gebunden. 

8. Dialectica in Graeca lingua gar leslich geschriben, ie- 
doch etwas antiqvisch, auf sonderlichs darzu beraites glenzends 
dicks papir in folio, vnd-) Türkhisch blau leder, mit ainem veber- 
schlag, mit selzamen vergulten rosen vnd örtern. 

1) Schnorr, Katal., F 1—11. 
'^) ■^' ganz frembd. 



— 185 ^- 

9. Lexicon Graecum Suidae, sehr alt geschriben, auf papir, 
in gros octav, braun leder, antiqvisch gebunden. 

10. Porta lucis, Liber Caballisticus, qui Hebraice pronun- 
ciatur Schaarei ora, in Hebräischer sprach, sehr alt einbunden. 

11. Zwey historischer bücher in Moscowitischer vnd Littua- 
nischer sprach, auf gar dinn papir, wie auf monbletter geschriben, 
vnd in solch papir auch eingehefftet. 

12. Principium sapientiae, authore Abben Esra in Chaldaica 
lingua, alt geschriben. Continet hie liber multa ad divinationem 
& praedictionem ex signis pertinentia, sehr alt gebunden. 

13. Commentarij novi in sacra biblia, auf alt pergamen 
in Chaldaica lingua, Anno 1504 geschriben, vnd sehr alt gebunden. 
Emptus est hie liber olim ä Samuele Mantin, Hierosolymis. 

\_Fol. 386 7'.] 14. Aine auf papir geschribene cosmographia, 
mit abgerissnen Stätten, örtern vnd ländern in lingua Syriaca, 
alt vnd antiqvisch in großquart gebunden. 

15. Ain buch in Indianischer sprach mit selzamen characteren, 
vnd klainen bildern gezieret, auf gar subtil papir geschriben, vnd 
in quart langlecht in schönen rothen daffet eingebunden. ^Erzählung 
von Z7uei Grab Schriften ?\ 

Von der bibliotheca sein wir hinauf gangen, in die Anatomiam 
kammer-), darinnen allerlay ausgebälgte sceleta sein, von 2 männern. 



^) Sie war 1616 durch Kurf. Johann Georg I. angelegt worden: »Ohnweit 
der Kunst-Cammer, und zwar im nächsten darüber gelegenen Tabulat.« Weck 
pag. 39, wo nähere Beschreibung folgt. 

Die »Anatomiekammer« beschreibt H, im Jahre 1617 viel genauer, 
möglicherweise weil sie als damals ganz neue Gründung sein und seiner Dresdener 
Freunde, die sie ihm zeigten, besonderes Interesse erregte: »Die Anathumj 
Cammer ist ob der Kunst Cammer, vnder dem Dach, aller wald vnd bergachtig 
gemahlt-, vnd gemacht. Vnder den finstern Jachten mit Conterfettischen thieren, 
vnder daß gewilckh werden Vögel gehenckht, darunder stehn bäum mit gemachten 
Conterfettischen Früchten behengt, siehet alles gar wild vnd großmächtig auß, 
hat innwendig ein sonder eingefastes Ziramerlen, von außen wie ein berg oder 
felsen, darein man die anatomica et chyrurgica instrumenta hangen wirt, Ist 
innwendig mit Gembsen staigerey vnd Rennerthieren gemahlet, Von hier sihet 
man in die Churf. Apotheckh, in das bräwhauß, Rauchhauß, auf die Meelhauß 
vnd haberböden, goldhauß, Bahlhauß, auf die bahn zu den jungen pferden, auf 
den Frawenhof, da man die bauren vnd arbaiter einfuriert, auf das Vorwerckh, 
Faßhanenhauß in den Clostergarten. ja man vebersiehet fast die ganze Statt, 
\'on Anathumierten stuckhen stehn gleich, wie man hinein gehet, ein Mann vnd 



— 18ß — 

2 weibern, 1 zwergen, von gros vnd klainen vierfussigen thieren : 
als lewen, beeren, rossen {^Fol. 387 r.], Cammel, Trometari, Renier, 
Eilend Hirschen, Rech, hunden^ meerkazen, äffen, biber, wiselen, 
Otter vnd andern thieren, vnder deren iedem sein contrafet von 
öhlfarben, mit der schrifft darbey, lainet vnd etliche gassen zwischen 
disen thieren hat, als wie in ainer bibliotheca oder zeughaus. 
\FoIgt Mahlzeit bei Lehzelter. Mancherlei Gespräche^ 

[Fol. 38,7 V.] Adj. den 17. Septemb. haben wir in Sanctae 
Sophiae \) oder closterkirchen von Herren -) M : Friderich Burgern 
die predig angehört. [Bestich des Consistorialassessors und 
Appellationsrathes Dr. Leonhard Keppel bei Hainhofer. Große 
Gesellschaft bei Lebzelter.'] 

[Fol. 388 z'.] x\dj den 28. September haben wir die Renn- 
bahn, so 160 schritt lang ist, gesehen, auf deren 60 messine 
nidere säulen mit kettinen eingefasset, vnd auch 2 schöne grosse 
messine [Fol. 389 r.] säulen ^) mit trophaeis, wüe pyramides, an 
welche man das ringlein zum rennen henget, stehen. 

Vnder den porticibus sein allerhand aufzüg gemahlet, welche 
man bedeckt, das sie sauber bleiben. 

An den stainern gang säulen hangen inwendig allerley hirsch : 
vnd aussen allerhand Eilend: Reinier: Dendel gewicht, grosse 
Englische ochsen : Italianische püffel : vnd Tyrolische Stainböckhömer. 



ein "Weib, der Mann ist Anno 1590 geknüpft, vnd das weib geköpft worden, 
darumb, daß Er dises weibs mann erschossen, vnd sie ihr khündt vmgebracht 
hatt, Mehr stehet in diser Kammer ein Äff, ein Low, ein Indianische Mauß, 
1 wilde katz, 1 junger Low, ein Dachs, 1 junger Fockh, 1 beer, 1 Löwin, 
1 weißer Fuchs, 1 spitzhirsch, Wildschwein, 1 weisser Hirsch, bey welchem 
Conterfett in der mauer, wie Er mit einen braunen hirsch gekämpft hat, 1 Reh- 
böckhlin, 1 Rehe, 2 Elend, daß Männlin vnd weiblin, id est Kue vnd Ochß, 
1 wolff, vnd 1 wüllin, 1 P-nglischer hund, vnnd hat der leib balbierer Melchior 
Mair, der sie also anatomirt vnd trückhnet, noch mehr thier vnderhanden, ob sie 
aber schon dörret, vnd austrückhnet werden, so schmeckhet (d. h, riecht) es 
gleich wol ein wenig in diser Cammer.« Balt. Stud. II, pag, 140 f. 

') Über diese Kirche vgl. unten bei Fol. 468 v. ff. 

2) V): Magistro. 

^1 Auf dem heute sogen. Stallhof, der alten Rennbahn, sind die beiden 
letzterwähnten korinthischen Bronzesäulen noch erhalten. Sie waren von dem 
Kunstgießer Martin Hilliger angefertigt. Beschreibung der Rennbahn bei "Weck 
pag. 53 f. 



— 187 — 

Auf diser Rennbahn ist be}"m stall aine schöne roßschwemme^), 
wie ain weyer, in welche man in aim runden schneggen 2 pferdt 
gegen ainander hinunderreitten, vnd kains das ander sehen kan. 

Auf ainer grossen saul stehet Samson mit dem Löwen, 
dessen Zungen wasser in dise schwemme speyet. Der Stall ist 
geweiht, schön mit grosen säulen gebauet, wie aine kirche,. hat 
auf drey Seiten in die vierung herumb 128 pferdtständ gegen 
ainander veber, alle voll pferd vnd den landsarten nach gestellet, 
darunder ain gar grosses pferdt, auch etliche klaine pferdtlein, 

vnd ain Zwerglein, für das Junger herrlin. 

Die säulen haben hin vnd wider gegossen metalline pferds- 
köpff, daraus wasser springt, welches in stainine muschlen laufft, 
vnd sich gleich wider in die erde verleurt. Bey iedem pferdstand 
steckt ain leichter zu den kerzen : zu ainem iedem pferdt hanget 
in der höhe sein sattel: item vil lebens grosse contrafettete schöne 
pferdt. 

\_rol. 389 t7.J An ainer an der mittlem saul hangenden tafel, ist für die 
stallbursch aUch die Stallordnung beschrieben. 

Es hat 2 kämmern zu allerley gerust, in der mitte auch 

ain Schlaffkämmerlein für die diener, darmit zu nachts iemand bey den 
rossen sey. 

20 maulesel, vnd die gutschenpferdt stehen in andern stallen 
in der statt : vnd verfrezt man iährlich 78 in 80 tausent scheffel 
haber. 

Der obriste stallmaister ist Herr Dietrich von Dauben. 

Der Vice Stallmaister Herr Reichart von Dauben. 

Darnach sein wir die stiegen hinauf gangen in die lange 
galleriam, darinn stehen 2 weisse schwein vnd 1 grosser beer 
ausgebalgt. 

Auf bayden Seiten durch die galleriam hinab ist gemahlet 
aine successio der Fürsten vom Haus Sachsen von 17 IG iahren 
hero -) vnd also 90 Jahr vor Christi geburt : vnder welchen König 
Friderich -') der erste ist, dessen symbolum wäre : 

Tantum quantum possum : . . . 



' I Ebenfalls noch vorhanden. H. beschrieb sie schon 1617 eingehend. 
Balt. Stud. TI, 129. 

'^) Noch vorhanden. 

3) Vielleicht ist Kurf. Friedrich der Streitbare (1369 — 1423), der erste 
wettinische Kurf. gemeint. 



— 188 — 

Churfürst Johannes ^) hatte pro symbolo : 

V. D. M. I. Je/.J). 

[Hier, zvie aucJi weiterhin folgen auf die Wahlsprüche 
allerlei theologische, philosophische, historische etc. Betrach- 
tungen, sowie Verse.] 

\Fol. 390 /■.] welches symbolum auch dem Churfürsten 
Johann Fridrich ^) gemain wäre : der benebens auch zu sagen pflegte : 
FIDE, SED GVL Vertraw, vnd nit zuvil . . . 

Churfürsten Mauritij dictum wäre : 
Fortes fortuna adiuvat, timidosqve repeUit. Vielleicht glückht 
mirs auch ... 

[J^ol. 390 V.] Churfürst Augustus führete Christi bildnus in 
aim schiff segel gemahlet, mit dem motto : TE GUBERNATORE . . . 

Diser löbliche Churfürst sagte auch : Tandem bona causa 
triumphat . . . 

Christianus I. Elector führete ainen wachenden löwen mit 
[J^ol. 392 r.] zugeschloßnen äugen auf dem Sächsischen wappen 
ligen, vnd darbey geschriben : FIDE ET VIDE . . . 

[Fol. 392 a] Friderich Wilhalm, Proelector Saxoniae^), sagte 
vnd bathe von Gott : Herr erhalte mich bey deinem worth . . . 

Diser Herr pflegte auch zu sagen : Pietas tutissima virtus . . . 

[Fol. 391 V.Y) Churfürst Christianus IL sagte: ADEO; Pro Imperio. 
DEVM time : Caesarem honora . . . 

[Fol. 392 V.] Des Jezigen Herren Churfürsten, Herzogen 
Johannis Georgij von Sachsen symbolum ist: Scopus vitae meae 
Christus . . . 

Etlicher anderer Herzogen von Sachsen, so nit Churfürsten 
gewesen, symbola waren : als Johannis Fridericj ^), Ducis Saxoniae : 
A. E. I. 0. V. Allain Evangelium Ist Ohne Verlust . . . 

Johannis Wilhelmj ') Ducis Saxoniae symbolum wäre : Herr 
lehre mich deinen willen thun . . . 



1) Joh. d. Beständige, 1467—1532. 

2) Verbum Domini Manet In AEternum. 1 Ep. S. Petri 1, 25. 

3) Joh. Fr. der Großmüthige, 1503—1554, abgesetzt 1547. 

4) 1562—1602; Administrator des Kurfürsteuthums 1591—1601. 

^) Fol. 391 ist ein kleines Blättchen, vorn leer, hinten wie oben vollge- 
schrieben. 

*) Es lässt sich nicht sagen, welcher der vielen sächsischen Fürsten gleiches 
Namens gemeint ist. Dasselbe Symbol hatte übrigens Kaiser Friedrich III. Vgl, 
oben Innsbrucker Relat. 

') Desgl. 



— 189 — 

{Fol. 392 V.] Jannis Friderici 3 ^) Ducis Saxoniae : Herr, wie 
du wilt . . . 

[Fol. 393 r.] Johannis -) Herzogs in Sachsen : Domine dirige 
me in verbo tuo. Herr laite mich in deinem worth . . . 

Friderich Wilhalms^) vnd Johannis*) gebrüdere, Herzogen 
zu Sachsen: Ecce quam bonum & quam jucundum, habitare 
fratres in unum. 

Mit darbey gemahlter bildnus ex psal. 84. wie frid vnd 
gerechtigkait ainander küssen. 

Johannis Casimirj ') vnd Joannis Ernestj ^) gebrüdere Her- 
zogen von Sachsen : Frid ernehrt. Vnfrid verzehrt. 

Johannis Casimirj ') Herzogen von Sachsen : Virtus post 
fata superstes. 

[Fol. 393 7'.] Johannis Ernestj, Ducis Saxoniae: \'incit sa- 
pientia robur. Weißhait gehet vor stärcke. 

Der vier Churfürstlichen Jungen Prinzen symbola sein, 
nämhch : 

Johannis Georgij *) Herzogen zu Sachsen, JüHch, Cleve 
vnd Berg : Placeat nobis, quod DEO placet. 

Augusti'^) Herzogen zu Sachsen, Jühch, Cleve vnd Berg: 
Sancta Trinitas, mea haereditas. 

Christianus ^^'), Herzog zu Sachsen, Jühch Cleve vnd Berg. 
Cum Deo & die. 

Mauritius ^^), Herzog zu Saxen, Jülich, Cleve vnd Berg. 
Pro Deo et meo. 

Vnder iedem contrafet (deren 54 lebensgrösse) sein in ^^) 
rondelen gemahlet, seine res gestae, vnd mit vndenstehender 
schrifft. 



') Nicht identiticierbar. 
2) Desgl. 

') Herzog von S. Altenburg, geb. 1603, folgte seinem Bruder Johann 
Philipp 1639, t 1669. 

■i) Vgl. vor. Anm. — Lebte 1597—1639. 

5) Herzog zu Koburg, 1564 — 1633. 

^') Herzog zu Eisenach, 1566 — 1638. 

■') Vgl. oben. 

S) Geb. 1613, später (1656) Kurfürst, f 1680. 

^1 Herzog v. S.-Weißenfels, 1614 — 1680, Coadjutor von Magdeburg, 

'^) Herzog v. S. -Merseburg, Verweser des Stifts Merseb., 1615 — 1691. 

") Herzog v. S.-Zeitz, Verweser des Stifts Naumburg, 1619 — 1681. 

'■■^) ^: ainera. 



— 190 — 

Vnder den fenstern sein Churfürsten Augusti 55 scharpfe 
rennen gemahlet, in welchen er 5mal gefallen, vnd ihrer 50 
herunder gerennet hat. 

Auf banden selten diser galeria sein 150 creuzfenster, 
allezeit 2 nebenainander, vnd 3 camin darinnen, ist dise 
\FoL 394 r.] so lang, als die rennbahn, auf welche man 
auf ainer selten aus diser galeria, auf der andern selten aber auf 
die gassen gegen der brugg ^) sehen : auch hinauf reitten, vnd mit 
Schlitten fahren kan . . . \^LateiniscJie Verse U7id Sprüche^ 

[Fol. 394 TJ.] Aus der galerien sein wir gangen in die schöne 
Schlittenkammer, von welchen, als auch von folgenden, in meiner 
Pommerischen relation de anno 1617 auch vil erzehlung geschieht ^). 
In diser vnd noch in ainer schlittenkammer, stehen 52 Schlitten, 
commeter vnd geleuth darbey, gassen weis, durch dise weite lange 
kammer hinab. An der wand herumb stehen küris vnd hämisch, 
darunder 2 ganz silberne rüstungen. 100 bandelier reutter zu 
pferdt in ihren Corazzen, auf die Reichstag zugebrauchen. 

128 wehren vnd sättel zum anlauff. 

15 Vngar zu pferd, mit Vngarischer rüstung vnd schönen 
säblen, mit der pfert silberinen vnd vergulten halsbändern. 

Churfürst Augusti scharpf rennen mit dem Erzherzog 
Ferdinando, ist an ainer grossen tafel gemahlet, wie der Churfürst 
den Erzherzogen herunder rennet, vnd ihm zu ehren auch von 
dem pfert fallet. 

Daran ist ain Eckstuben, des Fürsten gemach genannt, ob 
der stallung, in welcher ain trisor von bergkwerck, so voller 
schönen Silbergeschirrs, darunder ein hocher becher stehet, in 
dem noch andere becher verborgen sein, vnd zusamen 15 maas 
wein halten, die derienige austrincken mues, welcher ihn für 
seinen willkomm erwehlet : dann [Fol. 395 ;-.] so man ainem dem 
ausserlichen ansehen nach die wähl lasset, so helt er disen becher 
für klain gegen andern, weil er von dessen intestinis nichts 
waisst. 

In aine darneben stehende silberne Haschen gehen 12 maas. 
In ainen andern becher 4 maas. Im berg ist ain Reutter, der 
ainen hohen becher zum willkomm in der band hat, vnd so man 



') Augustusstraße und Augustusbrücke. 

*) H. beschränkt sich im Gegentheil dort auf nur wenige Zeilen, deren 
Inhalt sich im obigen wiederholt. Balt. Stud, II, 130. 



— 191 — 

ihn zeucht, aus dem berg heraus reittet, vnd dem gast wegen 
des Churfürsten den willkum praesentieret ^). 

Dises sowol, als andere zimmer, sein voller schöner geweich 
vnd gehirn. 

In der kammer daran ist aine grosse marmolstainine bettstat, 
vnd ain stainerner tisch, das pflaster mit gewürffleten marmol- 
stainen gepflastert. 

An diser kamer ist noch aine dergleichen kammer, mit 
stainernen bettstatt vnd tisch, vnd auch also gepflastert, wie die 
erste, vnd an diser andern kammer wider aine eckstuben, auf die 
art, wie die gedachte, auch mit ainem tresorberg, voll mancherley 
Silbergeschirrs zwischen den stufen vnd handstainen, noch ainen 
reitter mit willkomm im berg vnd die zimmer voller schöner 
frembder gewicht \^Fol. 395 z'.] vnd wunderlichen grossen vnd 
klainen gewachsen. 

Im vordennelin -) ist gar ain grosser hirsch abcontrafettet. 

Darnach kommt man in die ballienkammer, in welcher 
Churfürst Johann Friderichs rüstung ist, so er auf dem leib 
getragen hat, als er vor Milberg gefangen worden. In dem andern 
gaden sein rüstungen für paggi, 2 Sattelkämmern ^), vnder anderm 

darinnen : 

Pferd halsbänder, thails mit gold beschlagen vom Herzog 
von Savoya ^). 

2 Pistolen, so die Statt Leipzig dem Churfürsten Hans 
Jergen verehret hat, vnd der krieg in Lusatia, vnd die eroberung 
Bauzen ^) darauf gestochen ist. 

Aine Türckische rüstung mit türckesen versezt. 

Churkammer, hierinnen hanget das Churschwert blos, vnd 
darneben seine silberne vergulte schaiden^). 

Zwey wehren mit schlagenden vehrlein inn knöpfen. 



') Diese Felsengrotten befinden sich in der Kunstkammer des histor. Mus. 
Die Trinkgefäße sind jetzt im grünen Gew. 
'^) D. i. Vorflur (Vortennelein), 
^) Eine ausgezeichnete Sattelsammluug im histor. Mus. 

4) Victor Amadeus I., 1587—1637. 

5) Im Jahre 1620. Die beiden Pistolen sind identisch mit den Faustrohren 
im hist. Mus., Saal F, Pult I, Nr. 60. Zu dem Geschenke, welches der Kurfürst 
1623 erhielt, gehörten ferner ein Ringkragen, Reitschwert und Dolch (Saal E, 
Nr. 664 a— c) und ein Reitzeug (Saal K, Schrank II). 

«) Histor. Mus., Saal E, Pult I, Nr. 562. 



192 — 



Neun wehren mit ganz guldinen creutzen. 



Etliche wehrbeheng mit perlen gestickt, thails schwarz mit 
gold beschlagen, vnd mit diemanten versezt. 

Sechs Schwertkämmern, in deren ainen hangt Herzog Hain- 
richs in Friesland eiserne kettin, mit ainem eisernen adler daran 
so er angetragen ^) . . . S^LateiiiiscJies Disticho7i.\ 

\^FoL 396 /'.] Bey so vilen schönen klingen ist man auch 
der ienigen maister zu red worden, die in Spannia die gutte 
Spannische klingen machen : 

1. Johann de la Hourta-)- 

2. Sahagum el Veiio ^). 

3. Sebastian Hernandez^). 

4. Thomas de Aiala^). 

5. Andreas Ferara*^). 

6. El Moro de Zaragoza 3 '). 

7. Alfonso Perez "^). 

' 8. Francisco Ruiz ^), 



9. Alenzo Sahagum ^ -'), 
10. Spadero delRei,Joann 
Martinez *^). 



die 3 neuesten maister 



') Herzog Heinrich der Fromme (1473 — 1541) sollte von den Friesen an 
dieser Kette aufgehängt und an den Galgen eine Wetterfahne mit dem kaiserlichen 
Adler angebracht werden. Kette und Fahne bewahrte der Herzog nach seiner 
Befreiung auf, und beides befindet sich heute im hist. Mus., Saal G, Nr. 29. 

2j Joannez de la Horta (ein Rappier von ihm im hist. Mus., Saal E, 
Xr. 639), um 1545. Demmin, die Kriegswaffen pag. 1031. Daselbst pag. 1022" 
wird das Dresdener Rappier als italienische Arbeit erklärt. 

3) Über die Sahaguns vgl. Demmin pag. 1030, 1031, 1034. 

**) Sebastian Hernandez der jüngere (Rappiere und ein Dolch von ihm im 
hist. Mus., Saal E, Nr. 211, 683). Lebte in Toledo und Sevilla. Demmin pag. 1032. 

5) Demmin pag. 1028, 1032. Gehörte dem 16.— 17. Jahrh. au. 

^) Andrea Ferrara, Schwertfeger aus Belluno, 1530 — nach 1583. Demmin 
pag. 1025. 

') Nicht zu identificieren. Dabei ist zu bemerken, dass die beigefügte 
Marke die gefälscht-spanische eines Solinger Waffenschmiedes zu sein scheint. 

^) Alonzo Peres, Demmin pag. 1030. 

ö) Ein Rappier von ihm im hist. Mus., Saal E, Nr. 572, Toledaner Meister 
um 1617 Demmin pag. 1030, 1035. 

'") Alonzo de Sahagun, aus Toledo, Ende des 16. Jahrh., »der Raffael der 
Waffenschmiede.« Demmin pag. 1030. Der daselbst pag. 1037 besonders unter- 
schiedene Alonzo de Sahagon dürfte doch wohl mit jenem identisch sein. 

^') Juan Martinez (es scheint, da von den neuesten Meistern die Rede ist^ 



— 193 — 

Roßbuggelen, die ain Herzog von Mantua selbs gemacht hat. 

Aine kosthche Türckische riistung" aller mit Türgges vnd 
stainen ziert, so Fürst Radzivil Ihrer Churfrl. Durchl. verehret hat. 

2 Türeken zu fus vnd 3 zu pferd, so Kayser Matthias 
Christmiltester gedächtnus Ihrer Drl. also lebendig geschickt, 
deren klaider man an bildern hieher gestellt \FoL 390 t'.], ■ ihnen 
aber Christen klaider angelegt, vnd sie zu der arbait gezogen hat. 

Federkammer, darinn schön foppenfedern zu sehen. 

Aine türckische rüstung von gold vnd grüsstainen, von dem 
Kayser Matthia Ihrer Drl. gesannt ^). 

Schöne raigerbusch. 

Favores vnd feldzaichen in gutter anzahl. 

Büchsen mit vil röhren auf das enten vnd kranichschiessen 
zugebrauchen. 

Schöne gestickte pistolenfutter, für die Junge Prinzen, mit 
darneben hangenden pistolen. 

Stahl : vnd bogenkammer. 

Jägerey kammer, darinnen 4 waidmesser vnd waiddegen, 
von gold, mit schmarall vnd Türckes ziert, hangen -). 

2 grosse hundshalsbander mit gold beschlagen. 

3 pferdt mit Türckischen rüstungen von Jetzigen Kaysers 
Ferdinandj May. Ihrer Drl. verehrt •'). 

3 wehrcreuz von vergultem silber, mit rubin vnd smaragd 
versetzt. 

In ainer kammer hangen 318 büchsenrohr^). 

In ainer kammer im dritten gaden sein zwergen rüstungen -'). 

Alte kamer. 



der jüngere Mart. gemeint zu sein. Ein Reitschwert von ihm im hist, Mus., 
Saal E, Nr. 426) lebte um 1617. Demmin pag. 1031, 1035. 

1) Wahrscheinlich das schöne Reitzeug im hist. Mus., Saal K, Nr, f). 
Der Kurfürst erhielt es am 13. August 1617 geschenkt, als der Kaiser in 
Dresden war. 

'^) Es handelt sich um Stücke, welclie ehemals dem Kurf. Christian IL 
gehörten. Hist. Mus., Saal M, Nr. 263, 264. 

3) Am 14. Febr. 1620 zu Torgau. Dies prachtvolle Reitzeug ist im hist. 
Mus., Saal K, Nr. 6. [Es ist ein Irrthum H.'s, hier von drei Reitzeugen zu 
sprechen.] 

■*) Vgl. Katal. der kgl. Gewehrgalerie. 

^) H. meint wohl die Knabenharnische, von denen das hist. Mus, eine 
ganze Anzahl besitzt. 

Quellenschr. X. Bd. 13 



— 194 — 

1 Fol. 397 r.] 4 mascheraden kamern. 
Wehren vor Gotha geführt. 

2 faustling darauf das alte vnd neue testament geezt ist ^). 
Pistolen, welche Churfürst Mauritius geführt hat, vnd mit 

sonderm vernice für den rost gefirneisset sein. 

Gewehr, so man in Vngarn gebraucht hat. 

Etliche beyhel oder axten mit büchsen -). 

Indianischer aufzug. 

Der Degen, mit welchen man A'- 15S4. den 25. May, in die 
sti: Urbanj die strück an dem wagen beym Gegginger thor in 
Augspurg abgehauen, auf dem Herr D. Georg Miller hat sollen ^) 
auß der Statt geführt werden. \^Folgf Anekdote?^ 

Wie er dann hernach nach Jena kommen, vnd daselbs 
Professor Theologiae worden. 

^Fol. 397 7'.] In ainer kammer hangen trefliche schöne, thails 
mit gold : mit silber : mit schwarzer seiden gestickte glatt sammetine, 
thails auf riccio sammet mit figuren vnd ganzen historijs geschnittene 
satteldeckinen '). 

\'nd ist in disen 36 Rüstkammern so vil dings zu sehen, das 
ainer nicht äugen, nicht zeit, ^■nd nicht hirns genug hat, alles 
zu observieren vnd in acht zu nemmen. 

Der diener, so dise kammern in Verwahrung haben, sein 
9 : der aine hat etwan 3, der andere 4 kämmern in Verwahrung, 
vnd sein alle stuck numeriert, vnd im inventario aufgezaichnet^). 

Hernach sein wir durch die müntz '') gangen, welche zimlich 
weitläuff. Die zu Hall aber in Tyrol ist noch weiter vnd schöner, 



'j Hist. Mus., Saal F, Xr. .55. Doch kiiunten diese Faustrohre wegen ihrer 
Atzung auch die von H. unmittelbar vorher erwähnten sein. 

'^) Mehrere solche combinierte AVafl'en im hist, Mus., Saal E, Pult II. 

^) -v^: nach Rom, — Miller, für gewohnlich Mylius genannt, protestanti- 
scher Superintendent aus Augsburg, später Professor der Theologie zu Jena und 
Wittenberg, geb. 1548, f 1G07. Jöcher, Gelehrten-Lex. III, 791 f.. Allg. deutsche 
Biographie XXIII, 142 f. 

*) Saal K des hist. Mus. 

•^) Inventare gab es zu H.'s Zeit zwei: von 1.568 (durch Heinr, v. Schönberg 
und Valer Crayau) und von 1570 — 1,584 (von Paul Buchner). Vgl. Führer pag. 1. 
Über das Stallgebäude und alles, was dazu gehört, vgl. Weck pag, .53 ft"., wo 
auch mehrere Abbildungen von größtem Interesse. 

^) Weck pag. 71. 



__ 195 — 

wie in meiner Inspruggischen relation de A° 1 628 darvon zu 
lesen ^): diser Churfürst, wie seine löbliche Vorfahren präget gut gelt, 
vnd schöne braite grosse neue thaler auf der Chur Bayrischen 

thaler art, Vnd -werden vil tauseut in das schöne schätz gewelb deponiert, in 
welchem auch, neben den silbernen die gantz guldine, vnd die auß edlen stainen 
vnd Cristallen gemachte geschürre verwahret, vnd etliche million goldes hier 
innen verborgen werden. . . . 

Adi den 20. Septemb. sein wir durch das Willische thor 
in der Churfürstin garten gefahren, so sehr gros ist, ain wasser 
(die W'eisseriz genannt, so aus den Bergstätten kommt, nahe bey 
Dresden in die Elbe lauffet) dardurch tieusset, vnd man 5 ein- 
geriochtene runde | Fol. 398 r. \ Sommerhäuser : durch den ganzen 
garten aber schöne eingeflochtene portal mit cornici vnd piedestellj 
airitaliana bauet, die Churfürstin sich des gartens am maisten 

annmimet, Vnd mit den eingeflochtnen pergoli vnd gallerie diser garten mich 
etlicher massen an deß Sermi: palatini Fridericj garten zu Haydelberg geraahnet 
hat, welcher auch so schöne eingeflochtne gäng, portal, vnd compartimenti hatte "^). 

Am garten ist das fashaanen haus : die wilde fashaanen 
lasset man außfiiegen, so von ihnen selbs widerkommen, reebhüner 
vnd schöne gespreglete hcnnen bey ihnen vmblauffen, welche die 
fashaanen ayr ausbrüten. 

Zwischen dem Birnischen thor vnd der Elb, haben wir an 
der grossen eckpastey^j in stain gehauen gesehen, v/ie x\nno 1551 
der Churfürst Mauritius, ehe er in krieg ausgezogen, sein brudern 
Herzog Augusto das Churschwert vebergibt, bayde Fürsten im 
küris, ob ihnen sancta Trinitas, zu bayden selten Ihre gemahlinen 
stehen, vnd ob wol vil schrifft darbev gewesen, ists doch vomm 
wetter abgangen vnd noch allain zu lesen auf ainer Seiten : \'on 



') Vgl. oben die Innsbr. Relation Fol. 309 r. — v. 

■•^) Aus dem Vergleiche mit den Heidelberger Garteuanlagen geht hervor, 
dass der Garten der Kurfürstin sich in nichts von den damals modernen Anlagen 
im holländischen Geschmacke unterschied. Es sei hier auf das Kupferwerk ver- 
wiesen, welches der Schöpfer der Heidelberger Gärten, Simon de Caus, 1G20 
über diese herausgab. Vgl. Falke, der Garten pag. 111 f. mit Abbildung. — 
tlbrigens bietet die obige Stelle Material zur "Wiederherstellung der H. 'sehen 
VVildbad-Relation von 1(315. Vgl. Einleitung. An dieser Stelle ist in "W 2 und 
W 3 eingeschaltet das Bildnis des Pfalzgrafen Friedrich V. "SVolf. Kilian exe. 
Kpf. in 8. Fehlt bei Druguliu. 

•'j Aus dieser vom Kurf. Moritz 1548 errichteten Befestigung ist 1738 die 
berühmte Brühl'sche Terrasse geworden, die 181-1 mit der Freitreppe versehen 



und zur öffentlichen Benützung gestellt wurde. 



13- 



— 19() — 

Gottes gnaden, Agnes, Herzogin zu Sachsen '), Churfürstin, ge- 
borne Landgräfin zu Hessen, verlassene gemahelin Herzogen 
Morizen. 

Auf der andern selten : 

Von Gottes gnaden Anna-), geborne Königin zu Den- 
\^FoL 898 v.\ nemarckh, Herzogin vnd Churfürstin zu Sachsen, 
vnd Burggräfin zu Magdenburg. Christian Churfürst hat dis 
monumentum anno 1591 vernewern lassen •^). {^Abendessen bei 
H., wobei mehrere Freunde anwesend siiid. Gespräche politischen 
Inhalts. Am 21. September Alittagessen beim Grafen Wilhelm- 
Kinsky^). Über dessen Gemahlin, eine geb. v. Terzky. Abschrift 
von Kinskys gräßichem Privilegs verliehen von Kaiser Ferdi- 
nand- II.] 

[Fol. 403 V.] Darnach sein wir zu schiff veber die Elb nach 
alten Dresden -') in das Jägerhaus ^) gefahren, bey dessen ein- 
gang auf der altanen geschnittene vnd gemahlte Jäger mit hunden 
herumb stehen. Wann man inn das haus hinauf kommt, so hats 
ain grosses vorgemach, voller geweihe, mit zettelen bey iedem, 
wann vnd wo die hirschen gefangen worden, vnd wievil sie ge- 
wogen haben. Vnd ist an ainer grossen tafel abgemahlet im 
Anno 1614 den 29. Decembris im beysein etlicher Fürsten ge- 
haltenes iagen, in welchem man auf der wisen gefangen hat 
28 hirsch, 2 hawende schwein, 6 keuler, 16 bacher vnd 35 frischling. 

An der deckin dises vorgemachs sein allerhand vierfüssige 
thier gecontrafettet. 

Jetz kommt man in die grosse tafelst üben, an deren deckin 
erstlich gemahlt ist: wie den 24. Julij 1617 an den gränzen, der 
Kayser Matthias, der Konig Ferdinandus, vnd Erz Herzog Maxi- 



') Tochter l*hilipps T., Laudgr. von Hessen, f 4, Nov. lööf). 

2) Die am 1. October 1585 verstorbene »Mutter Anna«. 

•') H. vergisst bei seiner Beschreibung die Figur des hinter Moritz Liuerndeu 
Todes. Zwei Aquarelle nach dem 1894 beseitigten Denkmal, sowie dessen Modell 
im .Stadtmuseum zu Dresden. Vgl. Weck pag. 92. 

^) Hierzu in \V 2 eingeheftet das Bildnis des AVilhclm Kinsky. Ohne 
Schrift, nur. unten : Lucas Kilianus Augustanus scul])s. Ao. 1G30, Schöner Kpf. 
in 4. Fehlt bei Drugulin. 

•"'j Gerade umgekehrt ist Dresden-Neustadt gemeint. So ist die Bezeichnung 
auch bei Merian, Tojiogr. super. Saxon. 

^) Fs war 1()17 vollendet worden. Weck- jiag. i'A \T., woselbst auch 
A]jl)ildung. 



— 197 ~ 

milianus von Ihrer Churfri : Durchl deputierten, so da waren, 
die Herzogen von Sachsen Altenburg p angenommen worden ^) 
mit folgender vnderschrifft : 

Anno 1617 den 24. Julij Als der xAllerdurchleuchtigste, 
Gros- \Foh 404 /-.] mächtigste Fürst vnd Herr, Herr Matthias, 
erwöhlter Römischer Kayser, auch König in Hungarn vnd Böhem, 
beneben deroselben geliebten Herren Vettern vnd Brüdern Herren 
Ferdinando, designierten vnd gekrönten König in Vngarn vnd 
Böhem, so wol Ihrer Kay : May : geliebten Herren Brüdern Maxi- 
miliano, Erzherzogen zu Österreich, Administratoren des Hoch- 
maisterthumbs in Preussen, vnd Maistern des Teutschen ordens 
auf dem Elbstromb zu Schiff, Gott lob, glücklich angelanget, 
Hat der durchleuchtigste Hochgeborne Fürst vnd Herr, Herr 
Johann Georg, Herzog zu Sachsen, Gülich, Cleve vnd Bergk, 
des H. Römischen Reichs Ertzmarschalck vnd Churfürstl. Ihre 
Rom : Kay : May. beneben dero allerseits officieren auf der gräntzen 
mit freuden angenommen, vnd desselbigen tags gegen Pirna be- 
glaitet, vnder wegens auch Ihr Kay : }vlay : zue lust vnd ehren 
bey der \^estung Königstain am Cralwaldtlein bey der Verder 
ain lust: vnd Wasseriagt gehalten, darinnen gefangen, 14 hirschen, 
als 3 an 14: 3 an 12: 3 an 10: 4 an 8 Enden. 1 Spieshirsch. 
2 stuck wildt. 3 Wildkälber. 4 frischling. 1 haasen. 13 Rehe. 

2 Rehekälber, darunder 10 hirschen, so gewogen, als 1 : 5 ctr: 
98 ^: an 14 enten 1 : 5 ctr: 15 H: an 12 enten. 4: vber 4\ ., ctr: 

3 veber 4 ctr : 1 : 3 ctr : 85 H. 

[J^o/. 404 V.] Darnach wie Anno 1617 den 25. Julij, der 
Kayser, vnd S.'" M.* Königliche vnd Erzherzogliche herren ge- 
ferten bey der Münchwisen aus dem schiff abgestigen, vnd bey 
den ausgespannten gezelten vom Churfürsten empfangen, vnd 
darbey w^ider ain Jagen gehalten worden. P^orts be}'m einzug veber 
die lange bruggen, zu beyden selten die iäger mit den hunden, 
auf das schönste ausgebuzt, vnd die hund mit hüpschen hals- 
bändern beklaidet, in gar lustiger Ordnung gestanden sein. 

Drittens wie man auf dem marckt-) in der Statt Dresden 
vor dem Rathhaus '■^) ain lagen gehalten : 



') Zum Besuche des Kaisers Matthias in Dr. vgl. Khcvenhillcr, aunales 
Ferdinandei, Theil 8, pag. 114-2 ff. Hasche, Dipl. Gesch. v. Dresd. pag. 12(j f. 
■^) Dem jetzigen Altmarkt. 



•^1 Vgl. unten zu Fol. 518 r. 



A° 1617 den 7. Augusti hat in ansehlicher anwesenheit 
des Aller Durchleuchtigsten, Grosmächtigsten Fürsten vnd Herrn, 
Herren Matthiae erwöhlten Romischen Kaisern auch Königs in 
Hungarn vnd Böhem, beneben deroselben geliebten Herren Vettern 
vnd brudern, Herren Ferdinande designierten vnd gekrönten König 
in Hungarn vnd Böhem, so wol Ihrer Kay: May: geliebten Herrn 
bruedern, herren Maximiliano Erz Herzogen zu Osterreich Admi- 
nistratorn, des Hochmaisterthumbs in Prcussen, vnd Maistern 
des Teutschen Ordens, der Durchleuchtigste Hochgeborne Fürst 
vnd Herr, Herr Johann Georg, Herzog zu Sachsen p Gülich, 
Cleve vnd Bergk, des H. Römischen Reichs Ertzmarschalck vnd 
Churfürst, neben Herren Johann Philipsen ') vnd Herren Friderich- 
\^FoL 405 r.\ en, gebrüderen, Herzogen zu Sachsen, aine lust vnd 
kämpfiagt in der hauptfestung Dresden auf dem alten marck ge- 
halten, darinnen an wildprett vnd wilden thieren gefangen, 

9 Hirschen. Als 5 an 12^ 4 stuckh wild. 2 an 10, 3 Rehe. 

2 an 8 Enden, darunder G so gewogen worden als 1 5 et : 1 tl 
an 10 enden. 

8 Behren, darunder der gröste 7 et : 15 H gewogen 4 ein '^/^ 
Die höhe aufgerichts 2^/2 ein hoch auf allen vieren, 4 ein 
vebern rucken lang, vnd Sy.. elen dick. 
4 Schwein. 
2 Keiller 
2 Bachen 
17 Dachse. 

3 baummarder (53 stuckh). 

Zum vierdten, wie adi den 26. Augusti zu Ihrer Mayestat 
vnd der höchst anschlichen gast aufbruch vnd haimraysen beym 
Bürgdeuch ist ain lagen gehalten worden : 

Den 2. Augusti A^ 1617 hat in ansehlicher gegenwart Ihrer 
Kay : May : beneben Herren Ferdinando designierten vnd gekrönten 
König in Böhem, auch Herren Maximilian Erz Herzogs zu Öster- 
reichs p der Churfürst zu Sachsen vnd Burggraf zu Magdenburg, 
nebenst Herren Johann Philip : vnd Herrn Friderichen gebrüdere, 
Herzogen zu vSachsen, vnd dann Julij Hainrichen Herzogen zu 
Sachsen, auf der Lausnizer Haiden am Birckteuch aine wasser- 
iagt gehalten, darinnen gefangen, [Fol. 405 ij.] 41 hirschen, Als 



') über ihn und seinen sogleich genannten Bi'iuler vgl. oben Fol. 393 r. 



— 199 — 

2 mit 10, 4 an 14, 11 an 12, 10 an 10, 5 an ^, 4 an (; enden; 
5 spishirschen, 9 stuck wildt, 4 wildkälber, 10 Rehe, 2 Rehe- 
kälber, 1 Schwein, 2 Bachen, 1 frischhng. 

Darunder 28 hirschen gewogen, als 1 5 et : 28 R ; an 12 
enten 1 5 ct. 15 H: an 12 enten 14 ieder veber 4\.3 et, 9 veber 
4 ct., 3 veber 3^ ^ ct. 

Neben hero vnder der deckin ist in ain compartiment hüpsch 
gemahlet der ganze actus des allerdurchleuchtigsten Kaysers Mat- 
thiae krönung zu Franckfort A° 1612 vnd zwischen ieder action, wie 
Churfürst Hans Jerg vnd S^ Durchl herren brüdern von iugent 
auf in der lehrnung, tugenden, vnd Ritterspilen erzogen vnd 
exerciert worden sein. 

Vnder disem compartiment, in aim vries herumb, ist ain 
Anno 1609 gehaltner Jägerischer fasnacht aufzug gemahlt, in 
der Schlaffkammer an der deckin sein allerhand vögel contrafettet. 

Mehr hanget aine lebensgrösse gecontrafettete hawende sau 
daselbs, welche gewogen 4 centner, war 3Y2 ^^^ I^-^ö' i^ ruggen 
2 elen 3 zoll brait^ 3 elen hoch, 1 elen 5 zoll dick veber den 
leib, auf dem rucken faist wie dises maas. S^Folgt eüi 10. 7 cm 
langer Strich.\ 

Mehr ain grosser gecontrafetteter beer. 

^Fol. 406 /'.] Hernach haben wir gesehen das beerenhaus, 

in demselben aiuen gar grosen alten lebendigen beeren, Am beerenhauß ODCn- 

hero an allen pfeilern von aussen beerenköpf angenaglet sein, 
vnd sein vnden 2 halsring daran, in welche man die peccantes 
vnd muthwillige bursch schlegt .... [Lateinische Verse iDid 
Spriiche.~\ 

Hinden im iagthaus sein wider beeren stall, vnd ain grosser 
eingefasster anger mit ainer wassergruben darinnen, in deren 
srch die beeren baden, vnd fast die ganze nacht beyeinander 
darinnen ligen, erst gegen tag heraus steigen vnd schlaften : 
stehen darbey 2 hohe säulen mit räder oben darob, an deren 
die beeren hinauf klimmen, sich auf die räder legen, vnd sich 
also darob erlustigen vnd verlüfftern. 

[Fol. 40(i T'.] Auf diser wisen oder beerengarten gehen letzt 
Sechß beeren vmb. \Geschichte vo?i einem 1627 davon gelaufenen 
Bären. Deutsches Gedicht daran- f.] 

Im hof hat es auch aine hundtkuchin, vnd hundsbaad dar- 
bey vnd darneben aine wassersprizen in feuersnoth zugebrauchen. 



- 200 — 

Es hat auch vnderschidHche hundsställ, darbey kammern 
für die iungen, darmit wann sich die hund mitainander würgen, 
die iungen zu ihnen in die stall hinab vnd frid machen können 
vnd sein der iungen 40. 

Die hund sein vnderschidlicher arten, als : iaghund, bürsch- 
hund, Englische hund, leibhund, kammerhund, windhund, haasen- 
stüber, iäger laithund, Wachtelhund, vnd sein der hund ietzt bey 
500 alhier im iägerhaus. 

Die frawenzimmers hündlein bey hof, haben auch ihren 
aignen iungen. \Uber die Treiber^ 

Man iagt offt, vnd fangt nicht darnach : [.2 französische 
Verse\\ Ihre Churfürstl. Durl. recreieren sich gar vil hier aussen : 
vnd wird manches fass wein vnd thonnen hier hier außgetrunken, 
welches dann vil aufwarttens, vnd necessario vil gedult erfordert. 
^Lateinischer Sprttch. 4z fra7izösische Verse.] 

[Fol. 408 z'.] Adi den 22. Augustj ^) haben wir das thierhaus ''^) 
vnd in demselben gesehen : 

2 Momonet-'). 1 grossen schwarzen beeren. 1 schönen ganz 
weissen beeren. 1 schön gros Tigerthier. 2 röttlichte wölff, so 
weis werden, wann sie sich häären. 1 Panterthier. 1 Luchs. 
2 schwarze wölff. 2 rothe füchs. 1 schwarzer fuchs. 1 weisses 
fredt, kommt aus Spannia, vnd ist wie ain wiselin. 

Contrafettische thier, die der Churfürst lebendig gehabt hat, 
hangen gecontrafettet herumb, als : 

5 löwen. 1 Indianischer haas. 1 mumenet. [Fo/, 409 r.] 
1 Indianischer fuchs. 1 Indianischer Ratten. 1 feldmaus. 1 zibet- 
kazen. 1 tiger. ^Mittagsmahl. Gespräch über die Juristoi, mit 
vielen lateinischen Versen und Spriiclie7i'.\ 

[Fol. 409 7'.] Adi den 23. Septemb. besahen wir das schlos ^), 
vnd in demselben das vorgemach zur ghaymen Rathstuben, in 



') sie! 

2) Es war 1612 erbaut. Weck pag. 71, 

^) 1). i. Meerkatzen. 

•*) Die Räumlichkeiten des Schlosses von außen und innen, die sich später 
durch Umbauten und besonders duich den Brand von 1701 veränderten, lernt man 
vortrefflich kennen aus dem großen Kupferwerk von Tzschimmer, Von der Fürsten 
Zusammenkunft in Dresden, 1678. — Weck pag. 24 fl". 



- 201 — 

welchem hangen Königs Christian! lY . in Dennemarck '), seiner 
gemahhn, vnd des altern Prinzen-). 

Churfürst Johann Friderichs vnd Mauritij. 

König Henrici IV. in Franckreich. 

Herzogen Alexandri -'), Churfürsten x\ugusti söhn, Bischofts 
zu Mörsburg, dise alle lebensgrösse. 

Des Collonitsch ^) vnd des Roßwurmbs ^') contrafet. 

Churfürsten Hans Jergen zwischen seinen 2 gemahlinen als 
der \\'irtenbergerin, frawen S} billae Elisabethae, sc den 2( ). Januarij 
A*' 1606 in Gott verschiden ist, vnd der Brandenburgerin frawen 
Magdalenae Sybillae ietziger Churfürstin. 

Ain pyramis mit Sachsischem stammen, in linea ascendente. 

[J^o/. 410 r.] Aine Päpstische mappa. 

An ainer tafel beyainander gecontrafettet, der Herzog von 
Savoja, seine gemahlin, ain herrlin vnd 1 fräulin. 

Aine grosse tafel, auf welche die belägerung Pauzen gemahlet 
mit allerlay handwerckern darbey, die alle in der belägerung 
geholffen haben, ieglichs handwerck mit seiner werckstatt geprae- 
sentieret. 

Der Sachsische stamm mit seinen ästen gar gros. 

Auf ainer langen tafel ligt ain Englisches grosses Ochsenhorn. 

Ain Beerenkopf von gips aus freyer band. 

Ain grosses hirschgewicht von gips gössen. 

In der Churfrl. audienz stuben, darinen auch der gehayme 
Rath gehalten wirt, ist aine schöne stainerne tafel, von in Sachsen 
gewachsenen stainen rondeschen weis sauber zusamen gesezt. 

Aine roth marmolstainine grosse tafel von ganzen stucken. 

Aine weisse stainerne tafel mit vilen säulen am fus auf 
perspectiv art, das blat auch vom ganzen stuck. Das ptlaster ist 
von weissem marmor vnd grawen Serpentin stain quaderweis 



') In AV 2 und W 3 eingeschaltet: Bildnis dieses Königs mit einem 
um das r. Ohr geschluugeucu Zopfe, von Luc. Kilian. Kpf. iu 4. Diugulin 
Xi. 3481. 

2) ^: contrafette. 

3) 1554—15(35. 

■*) Über die hauptsächlichsten Mitglieder dieser Familie vgl. Zedier, Univ.- 
Lex. XVI, 1454 ff. 

5) Hermann Christoph, Freiherr v. Russwurm, der KiOo hingerichtete 
kaiserliche Feldherr. Sein Portrait stach Luc. Kilinn nach einem Gemälde des 
Hans von Aachen. L)rugulin, Portr.-Katal. Nr. 17i)20. AUg. dtsch. Biogr. 30. IG. 



— 202 — 

gepflastert, vnd soll der') serpentinstain die art vnd tilgend haben, 
\va man ihne arbaitet, das kaine spinnen hinkommet, werden allerley 
geschürr, auch krumme blätter (gewärmet contra \Fol. 410 v.\ 
cholicam auf den magen zu legen) daraus gemachet, vnd zum 
verkauften in der weit verführet. An den wänden hangen 

Kayser Rudolphi 

Churfürsten Augusti 

Churfürsten Auefusti Herrichens 



fc. 



Christiani primi | 

Christian! secundi | gemahlinen 



contrafette 
lebens- 
grösse. 



Churfürst Augusti von Sachsen, 

vnd Marggrafen Hans Jergen von Branden- 
burgs, beysamen auf ainer Tafel-), 

König Fridericj quarti aus Dennemarck, 

Churfürsten Mauritij 

Ain alter Sächsischer stammen. 

Auf dem disch stehet aine grosse vhr mit vilen diensten, 
welche Landgraf Moriz von Hessen angegeben hat. 

Ain silberin Astrolabium. 

Sibenerley thurn: vnd tafelvhren. 

Drey historiae Christi di basso rilievo, in alabaster gehauen 
stehen in der höhe veber den portalen. 

Von dannen sein wir kommen in das stainerin gemach, 
welches Churfürst Augusti drehegemach war, in disem hangen 
contrafette von hunden, aufzügen, wasseriagten, die belägerung 
Bauzen. 

Der Kirchensaal hanget voller gemahlten iagten. 

YFoL 411 a| In der tafelstuben hangen vil contrafettische 
thier. An diser stuben ist die hofkirche oder hofcapell ^), mit Ihrer 
Drl. eingefassetem Oratorio, darinnen allerley klaine täfelein von 



') ^'- graulechte. 

2j Von einem Nachfolger Lucas Kranachs d, j., wie ich mit Wörmann 
(Katal. pag, 620) entgegen der Scheiblei 'sehen Vermuthung, das Bild sei ein 
Originalwerk der spaten Zeit, annehme. Gemälde-Gal. Nr. 1954. 

•■') In ihr hatte schon Luther am 25. Juli 1517 gepredigt. Sie existierte 
bis 1757. Das herrliche Portal ist heute links neben der Fassade des Johanneums 
aufgestellt. Hier in W 2 und W 3 eingeschaltet ein Flugblatt, betitelt: »Frewd- 
vnnd Schrecken-Zeichen den vnsterblichen Seelen der sterblichen Menschen 
gegeben.« In der Mitte kleiner allegorischer Kpf., anon., umgeben von 18 deutschen 
gedruckten Versen. 1<)30. 



— 203 - - 

gaystlichen historijs vnd contrafetten hangen, darunder ains von 
Albiecht Dürers band, andere von Luca Kronich. Die fenster 
sein von geschnittenen Spiegelgläsern, der ofen vnd dessen rauch : 
vnd lufftrohr sein ganz silberin. Die deckin der kirchen ist voller 
in stain gehauenen schlangen vnd böser gayster, ex apocalypsi, 
die laster bedeutent, welche der Erzengel Michael vnd auch andere 
engel mit den passions instrumenten demmen, vnd also Christi 
des rechten Erzengels triumph veber sünd, todt, teufel vnd hölle 
dardurch, neben der laster stürzung vnd ewigen verdammnus 
angedeutet wirt, be} welchem die ewigkait zu meditieren ist. 
[Folgt lange lateinische Betrachtung über dies The}ua.\ 

\FoL 413 /'.] x-\uf dem Altar in diser kirchen ist ain hüpsches 
crucilix, oben auf der canzel die clarilicatio CHRISTI in monte 
Thabor, vmb die canzel die 4 Evangelisten, vnden darunder die 
erhöhung der schlangen in deserto ^). Hinder der Canzel in der 
sacristey (so nur mit ainer hilzernen wand vnd getter eingefasset) 
hangen in ainem verschlossenen kästen 3 schöne meßgewand, so 
zue der communion, den hohen festen nach, den priestern auf- 
gelegt werden, vnd ist auf deren ainem gar hoch erhebt von 
perlen vnd edelgstainen, die nativitas Christi -^, auf zweyen andern 
gewanden ist die crcuzigung Christi, schön gestickt vnd profiliert. 
[Langes lateinisches Gedicht i/i Distichen, auf Jesus Christusi] 

Auf den vmblauf des altars bey der communion ist gestickt 
resurrectio Christi, alles auf schwarzen sammet. 

Mehr sein in der sacristey, neben der patinae vnd calici, 
auch silberne leichter auf dem altar, so engel in den [Fol. 413 v. \ 
bänden tragen, vnd ist (neben etlichen büchern zu taglichem 
gebrauch in der kirchen") sonderlich zu sehen in der trüben ver- 
wahret aine in schwarz sammet gebundene, mit silber beschlagene, 
Anno 1588 zu Witteberg auf pergam getruckte, vnd an gstochnen 
gemählden mit färben sehr saubere illuminierte bibel, die Churfürst 
Augustus dem Ministerio in diser kirchen verehret. [Folgt der 
Wortlatit der vom Churfilrsten hineingeschriebenen Dedicationi] 

[Fol. 414 r.\ Aus der kirchen sein wir kommen in ainen 
gang, darinnen der Anno 1613 den ol. May, zue des Prinzen 
Hans Jeorgen geburt gehaltner aufzug gemahlet ist. 

') Auch hier mag es sich um ein Werk Kranachs handeln, auf dessen 
Bildern bekanntlich diese Scene häufig vorkommt. 
-^) Vgl. unten Fol. 48(> v. 



._ 204 — 

Nicht weit darvon ist ain wurzgarten, vnd ain grosses 
Vogelhaus, gantz hinunder mit gestreis vnd röhrkästlein gezieret, 
darinnen allerley gemaine vögel vnderainander fliegen. 

An disem ist das laboratorium vnd Apoteghen. 

Zwey Zimmer der apotecken, darinnen zu täghchem gebrauch, 
die composita sein. 

Im dritten Zimmer ist der vorrath vnd promptuarium von 
drogerey vnd specerey. 

In ainem kästen sein instrumenta pharmaceutica, mensurae, 
vnd dergleichen, alles von silber. 

Das röhrwasser lauffet in diser apotecken in alle Zimmer. 

In ainer eingewärmeten stuben sein allerley salia ex herbis, 
vnd das Zuckerwerck. 

In der kuchin stehen sehr grosse metalline mörser zu dem 
pistieren vnd zerstampfen. 

Hier hat es ain vergettert fenster, durch welches man den 
stattleuthen (so aussen auf der gassen auf ainer stiegen, für das 
fenster kommen) die medicamenta hinaus gibet, darmit sie nicht 
in das schloß gehen dörffen. 

Ain gewelb voller gedistillierter w^asser. 

\Fol. 414: ^'.] In ainem andern gewelb sein axungia animalium. 

Wider in ainem gewelb die aquae compositae. 

In ainem andern Zimmer materialia, olea, Zucker. Mitten 
in disem Zimmer vmb ain saul herumb hats kästen mit gläsernen 
thüren vor, darinnen stehen in silberinnen bixen allerhand köst- 
liche Sachen. 

Ain silberiner destillier ofen mit schönen cristallinen ^) kolben, 
welchen der Gran Duca Cosimo II. di Toscana Ihrer Churfrl: 
Drl. geschickt vnd verehret hat. Herzog Hainrichs Julij von 
Braunschweigg -) feldapotecklein ganz mit silber eingerüstet vnd 
2000 thaler werth. 

Ain helffenbainines schönes kästlein voller pretiosissimorum 
salium, essentiarum, balsamorum cv spirituum, vnd sein in disem 
schönen kästlein oder Fürstlichen Apotegglein folgende medica- 
menta cS: arcana chymica zu befinden : 



') »S: gläsernen, 
2) 1564-1613. 



— 205 - 

In der ersten obern Schubladen.') 

1. Stehet ain helftinbainincs kästlein mit bezoardischcn jjifttzelllein zur 
praeservation^wider giflft vnd wider die pestileuz. 

In der andern Schubladen. 

2. Ligen die schlüssel vnd ain büchlcin, darinn der usus vnd die dosis 
raedicamentorum beschriben sein. 

3. Zum dritten, wann man auffschleust, so stehen zu obrist 12 gläser, iedes 
zu 2 vnzen, darinnen ist: 

\_FoL 415 r.'] Aurum potabile Paracelsi '^) verum per se super alembicum 
destillatum, suramum in morbis cordialibus est, &c contra podagram, hydropen, 
paralysin, caducum, remedium ^ ß. 12 ducaten. 

Oleum perlarum orientalium verum, in Omnibus morbis cordialibus, poda- 
gricis, in phthisi Sc alijs, nobilissima &: probatissima medicina. 

Oleum corallorum rubicundissimum, per se super Retortam destillatum, Ist 
aine medicina catholica in morbo arthritico, hydrope, colica, icteritia, &c phthisj, 
conserviert vnd vermehrt wunderlich den natürlichen balsamum vitae vnd das 
humidum radicale. 

Oleum thoriacale. 

Tinctura corallorum rubrorum vera, singulare arcanum ad morbos catholicos 
Sc cerebrj, & memoriam ac melancholiam hypochondriacam, omniaque sensuum 
instrumenta valde confortans. 

Balsamus pretiosus, Imperiale arcanum in morbis pestiferis & cordialibus. 

Oleum pestilentiale. 

Liquor antipodagricus, nephriticus, tartarum frangens in Omnibus corporis 
partibus Sc podagricis. 

Oleum diareticum, secretum in om.nibus calculorum generibus, tarn renura, 
quam vesicae Cj ß 3 Reichsthaler. 

Speciticum contra scarbotum 

Acidum stomachale rubrum. 

[FoL 415 c'.] Oleum lapis osteo coUa. 

Balsamus ad bubones. 

Spiritus succini albi. 

Ferner stehen alhier 8 kästlein von helffenbain, darinnen ist purgans febrile. 

Gilla uitri laxans, 

Diatartarum rubrum purgans. 

4. Im vierdten auszug stehen wider 10 gläser, vn<l aine lange Schubladen 
von helffenbain, in deren ist : 

Theriaca Mumiae. 

Spccificum purgativum, seu magisterium tartari purgans in podagra »li; con- 
tracturis saepe probatum. 
Essentia castorei. 
Liquor cornu cervi. 



^) Der ganze folgende Abschnitt ist nur der Raumersparnis halber hier 
Petit gedruckt; er ist nicht erst in den späteren Handschriften zugesetzt. 

'^) Theophrastus Paracelsus Bombastus von Ilohenheim, 1493 — 1541, Pro- 
fessor in Basel. Allg. deutsche Biogr. 12, G75 s. v. Hohenheini. 



- 20G — 

Balsamus Veneris. 

Elixirium pestilentiale Ciollij'). 

Spiritus perlatus, sumraum in podagra Sc morbis arthriticis. 

Elixir proprietatis Crollij. 

Spiritus vitriolj rubens. 

Balsamus sulphuris compositus. 

Ambraezeltlen. 

Im fünfften schublädleiu stehen 11 helftenbainerne geschraufte büchslcin, 
darinnen ist: 

Angelica Landina. 

[_Fo/. 416 n] Essentia croci orientalis. 

Balsamus apoplecticus odoriferus. 

Essentia cariophyllorum. 

Balsamus macis. 

Balsamus ad nares. 

Balsamus succini albi. 

Magisterium perlarum Optimum. 

Extractum Theriacale. 

Extract für blutausspeyen. 

Edler gifft Gäger. 

Im sechsten schublädlein stehen 4 helffenbainerne schübkastlein, darinnen ist: 

Crystalü tartari rubri summum hepaticum. 

Flores summi Benzoi. 

Crystalli herbae acetosae. 

Sal vomitivum, sive sal Grammam. 

Im sibenden schublädlein stehen 12 helffenbainerne schieblcästlein, in deren 
Jedes bei ainer vnz gehet, darinn ist: 

Bezoar cornu cervi, Imperiale arcanum in morbis pestiferis, febribus petechia- 
libus, Sc morbis cordialibus, mira praestans, ut & in omni genere venenorum. 

Spiritus vitrioli crystallinus fixus. 

l_Fo/. 410 7'.] Tartarus vitriolatus correctus crystallinus. 

Bezoardicum minerale, rite praeparatum. 

Crocus Martis cachecticus (0 verum ^] ß 1 Rcichsth.) 

Hepatis instaurativum, 

Arcanum certissimum contra colicam Sc Iliacam passionem admirandum 
medicamentura, quod in continenti statim fascinj instar homines ab istis doloribus 
liVterat. 

Arcanum Epilepticum rubrum. 

Sal spleneticum. 

Hepaticum rubrum ^ij 2 Reichsth. 

Essentia florum sulphuris. 

Resina scammonej, 

Resina gummi de gutta. 

In der achten Schubladen ist : 



') Arzt und Chemiker aus der Wetterau, f 1609. Zedier, Univ. -Lex. VI. 
1693, 



__ 207 — 

Aiu helfTenbainerin schübkästlein mit wolriechendem rothem zahnpulfcr. 

Aiu silberin kästleiu mit allerhaud uugveutis, vud in der mitten ligen 
allerhand emplastra. 

In der nenudteu Schubladen sein silberne instrumenta von spatteln, clisticr- 
röhrlein, mörser vnd becher. 

Vnder den instrumenten ist ain fach mit kuchlein. 

Das ganze Apotecklein 'kästlein ist gar kunstlich von lauter schörtem 
helffenbain mit helffenbainernen geflammeten [/^o/. 417 r.] gesümslein gezieret . . . 

{Nachrichten über den Hofapotheker Johann WecJiinger. 
Gespräche?^ 

Wir wurden auch der deutschen tapaken saufer zu red, deren getrankh 
all' Inglese, uit von iedem medico approbiert würdt'). 

[Fol. 417 7'.] Aus der apotecken sein wir die stiegen hinauf 
gangen, vnd im Vorzimmer contrafettete schwein, aurochsen vnd 
beeren hangen sehen. 

Hernach zum Brandenburgischen gemach kommen, die kam- 
mer, audienz vnd retirata zimmer besehen, welche A°- 1617 Kayser 
Matthias lobwürdigster gedächtnus innen hatte. 

In diser kammer war das Churfürstlich trawbett aufgemacht, 
alles mit gold vnd perlen gestickt, so ^ Reichsthaler solle gekostet 
haben : Ihre Mayestätt aber schlieffen in Ihrem aignen bett, vnd 
stunde das traubett nur zum brangen vnd zierde da. 

Oben an diser kamerdeckin sein gemahlt 2 wassergötter vnd 
2 wassergöttinen, welche ainen veberal ansehen, vnd sich gleichsam 
nach ihm wenden, er stehe in der kammer, wo er wolle : uti 
fertur Amulium quondam Minervam pinxisse, quae spectantem 
spectabat, quacunqve aspiceretur.-) 

An diser Cammer ist die Ritterstuben. 

Darnach der stainin saal, oder Türckische saal, dessen 
tapezereyen von Türeken sein. Es ligt diser saal voller geweih, 
die Ihre Churfrl. Drl. ab disem letsten iagen herein geschickt, da 
Sie dann in wehrender Ihrer regierung veber die 8000 hirsch 
gewicht auf geschnittene köpf sezen, vnd hin vnd wider in 
schlossern aufhängen lassen. 



') Hierzu gehört ein in W 3 eingeschaltetes Flugblatt in fol., betitelt: 
»Der deutsche Tabaktrinker.« Kpf., darstellend 3 Cavaliere an einem Tische 
sitzend, die sich .mit Rauchen und Zechen unterhalten. Daneben ein Narr mit 
riesiger Thonpfeife, der sich erbricht und dabei lauter Esclsköpfe und Grillen 
von sich gibt. Darüber und darunter langes Spottgedicht auf das Tabakrauchen. 
Augsb. bei Matth. Rembold 1G30. 

•^) Plin. 35, 120. Vgl. Brunn, Gesch. d. grlech. Künstler II, 20G f. 



\FoL 418 ;-.] Die Thurnkammer ist vnder dem schlosthurn, 
auf welchem die grosse vhren vnd glocken hangen. 

Thurn oder Risenstübichen, in welcher drey schöne grosse 
taflen von den Risen vnd klainen leuthen die casa picciol' huominj 
hangen A*^- 1551 von Luca Kronacher gemahlet ^). 

Grosse tafelstuben, in deren man ordinarie, wann frembde 
Herrschafften kommen, spe3."set. 

Grosser Risensaal, -) in capo del quäle man ausgehauene 
grosse marmolstainine quaderstuck in die maur leget, den saal 
erhöcht, runds geweiht, die pfeiffer vnd trommeterbänck hie in 
die höhe kommen werden ^). 

In die deckin werden compartiments w^eis gemahlet, die astra 
borialia & australia mit den 12 häusern vnd deren vornemsten 
IG Statt in Sachsen, darneben emblemata vnd der provinzen 
Wappen : im Vries aber herumben der landschäfft Adeliche 
Wappen. 

Durchab werden 7 grosse messine leuchter hangen, vnd ist 
alhier Herr Hausmarschalck Pflug zu vns kommen, vnd vns 
vollents herumb geführt in die gemaine hofstuben, oder türniz, 
in deren man das gmain gesinde speiset, w^ann vil frembder 
Herrschafft vorhanden ist. Ausser anwesenheit viler frembder 
Herrschafft speiset man täglich in ainer klainen hofstuben 5 tisch, 
als \Fol. 418 TJ.] 2 mit kochen, 1 mit laggayen, 1 mit silber- 
dienern, 1 disch mit hackbrettierer, dises sein musicanten mit dem 
hackbrett vnd hültzinen glächter^), vnd 1 disch mit dem hausvogt, 
kuchin : keller: vnd iagtschreiber. 



') Hier, wie auch iu seinem Berichte von 1617 (Balt. Stud. II, 139) ver- 
sichert Hainhofer, dieser Bilder seien drei gewesen, während heute in der Dresd. 
Gal. nur zwei (Xr. 1943, 1944) vorhanden sind. Es wäre zu bedauern, wenn 
das dritte dieser reizenden Märchenbilder wirklich nicht mehr aufzufinden wäre. 
— Auch Merian (Topogr. super. Saxon. pag. 48) spricht von drei Bildern, doch 
ist festzustellen, dass sein Bericht fast wörtlich mit dem Hainhofer'schen (von 
1G17!) übereinstimmt. 

'^) Abbildung desselben bei Tzschimmer a. a. O, Leider ist dieser schöne 
Saal wie so vieles andere bei dem Brande 1701 zugrunde gegangen. 

^) Hainhofer bedient sich des Futurums, weil der Saal seit 1G27 völlig 
umgebaut wurde, und zur Zeit seines Besuches noch nicht fertig war. Weck 
pag. 32 f. 

•*) Hainhofer meint eine Holzharmonika; besteht aus verschieden langen 
Stäben, die mit Kh'ipfcln angeschlagen werden. Vgl. unten Fol. 40(> r. 



— 209 - 

Das Weinmarische vorgemach mit contrafettischen thieren. 

Zwey rothe Fürstliche gemach. 

Heraussen mitten im Zimmer stehen 2 marmolstainine säulen, 
so Papa Clemens MI. M Herzogen Georgen Gn : in Ihr neues gebäu 
aus Italia geschickt hat, als man in Sachsen damals noch nicht 
so geschickt wäre, die marmolstaine zu brechen vnd zue arbaiten. 

Ain gemach, so tempore Ducis Georgij -) die schöppen vnd 
consistorial Stuben, vnd daran die Zimmer für das frauenzimmer 
waren. 

Diser Herzog hatte im brauch hin vnd wider in die Zimmer 
lehrtaflen, mit guten moralischen exemplen vnd vermahnungen zue 
hängen. 

Das Elias gemach mit gemahlten historijs vom Elia; 

Salomonis stuben, darinnen sein die tapezereyen mit Salo- 
monis historia. 

Das Prophetenstüblein, mit dem gemähl an der deckin von 
den Propheten. Vnd hab ich mich hier wider meines liebsten 
gewesten Herren, Herzogen Philippi IL zu S^FoI. 419 ;-.] Stettin 

in Pommern Christseel: ged: Fürstl. Gn.^) deren fraw gemahlin nomine 

et re Sophia häisset crrinnert, das Sie mir A? 1617 sagten'), als 
Sie aus Italia haim rayseten, das Sie in disen Salomonis vnd 
Prophetenstüblein (als ain auch hochgelehrter, frommer, vnd weyser 
Herr) losiert gewesen seyen. Man möchte aber fast mainen das 
dise Eliae, Salommonis vnd Propheten Zimmer zur herberg 
weyser gelehrter vnd frommer Fürsten gewidmet seyen, dann 
wie-'') herr Pflug mir erzehlet hat, so sein erst vor wenig wochen 
des Durchleuchtigen, Hochgebornen, Hochweysen, sehr gelehrten, 
viler spraachen kundigen vnd Gottsfürchtigen Herzogen Augusti 
des Jüngern von Braunschweig vnd Lünenburg *^^), meines gsten vnd 



'j ^•. Ihren damals Churfrl. 

•2) Georg der Bärtige, 1471—1539. 

3) Herzog Philipp II. starb 1G18. Vgl. Ouellenschr. N. F. VI. Hier in AV "2 
eingeschaltet die ßiklnisse a) des Herzogs Philipp II. von Pommern. Seb. Hepp 
Pinx., Luc. Kilian, 1613. Kpf. in kl. 4 Drugulin Xr. 10 041. b) seiner Gemahlin 
Sophie. Gegenstück zum vorigen. Fehlt bei Drugulin. 

■*) ,vS: das Sie. 

^) ^: man. 

C) Hier in W 2 eingeschaltet die Bildnisse a) des Herzogs August. Luc 
Kilian 1G21. Kpf. in 4. Fehlt bei Drugulin. b) seiner Gemahlin Clara Maria. 
Gegenstück zum vorigen. Dr^,r,^]i,-i y,-, 3ßlO. 

Quelienschr. X. Bd. ^4 



- 210 — 

hochgeehrtesten Fürsten, Herrens vnd Patron i Frl.: Gn. deren erste 

fraw gemahlin aine Herzogin auß Pommern wäre, im durchraysen alhie Zue 

der Kay: May: auch in disen Zimmern einquartiert gewest, in 
welches loblichen Fürsten laudem der Gottfrid Hegenitius ^) volgendes 
wahrhaffte Carmen gemachet hat. S^Folgt dasselbe in 5 latei- 
n isch en D isticheii . \ 

[Fol, 419 7'.] An gedachten disen 3 Zimmern ist aine grosse 
kammer, mit darein gemahltem Jüngsten gericht, aus welcher man 
in die hofkirchen zue der grossen orgel gehen kan, vnd müssen 
in diser kammer die trommeter vnd kesselbaugger an hohen festen 
in die instrumental musicam musicieren, vnd echones machen, 
als wie Ichs x\nno 1613 zu München auf Herren Pfalzgrafen Wolf 
Wilhalms beyläger-), vndx-\nno 1628 zue Insprugg in vigilia & festo 
Paschatis in den kirchen auch also gehört habe ^). 

Darnach hat vns Herr Hausmarschalck in sein quartier, 
welches im dritten gaden oben auf ist, geführet, vns aine ansch- 
liche collation vnd trunck geben, thails seiner kunstsachen gezaigt, 
vnd mir ain federris von Herzogen Christiani zu Braunschweig, 
Bischoffens zue Halberstatt ^) Christseel : gedachtnus Frl : Gn : 
aigner band A°- 1617 gemacht: mehr 1 stuck zin erz, aus dem 
Altenburgischen bergkwerckh, weiter ain stücklein gedigen silber erz 
von Freyberg, noch ain crucifixlein mit S. Maria vnd S. Johanne 
darunder in ain glas erz geschnitten (welches schwarz wie bley 
aussihet, doch lauter silber ist, von Freyberg, Marienberg vnd 
Schneeberg herkommet) in meine kunstkammer verehrt. 

[Fol. 420 r.] Diser Herr Jerg Pflug ist nicht allain sehr vor- 
nemmen alten Adelichen Meisnischen geschlechts, dessen Er sich 
nicht vebernimmt : sonder sehr gelehrt, vnderschidlicher sprachen 
vnd künsten kündig, in mechanicis curios, gibt im nothfall ainen 
huffschmid, büchsenmacher, Drechsler vnd mahlei mit ab . . . 
[2 lateinische Distichen?^ 



') Beinahe unbekannter Rciseschriftsteller. Vgl. Beckmann, Liter, älterer 
]leisebeschr. 1810 IT, 483, AUg. deutsche Biogr. XI, 274. 

2) Vgl. Häutle, Ztschr. d. Vereins f. Schwab. *u. Neuburg, 1881, png. 221. 

^) Vgl. oben Innsbr. Relation Fol. 274 r — v. 

**) Regierte zum Schaden des Bisthums IGIG — 1()24. Vgl. Zschiesche, 
Halberstadt sonst und jetzt (Halb. 1895), pag. 28. — Doering, Bau- u. Kunst- 
denkm. d. Kreises Halb. p. 209. 



Er hat mir auch auf ainem silbernen pfenning seiner \or- 
altern ainem, des Herren Juhj Pflügen (so Bischoff zur Naumburg 
wäre M vnd dessen auch oben inn Pflügischer gschlechtsordnung 
vnd vergleichung gedacht worden-) bildnus, ipsius aetatis 41 
Anno 40. mit disem symbolo, gloria mea crux Christi, in meine 
miinzladen geschenckt ^). ^Folgt Gastmahl i)i H's ]Vo/niu7ig mit 
verscJiicdoioi Gästen, unter denen der Juii^elier LudTvig de 
Münster^). Allerlei Gespräche. 24. September. Scherze über das 
friihmorgenliche Rasier e7i.\ 

yFol. 423 V.'] Disen ganzen tag haben wir von dem iagen, 
zeug vnd gütterwägen mit truhen vnd tamburren; vnd gutschen 
mit ministris sehen herein fahren. 

Zu abents zwischen 5 vnd 6 vhren sein Ihre Durchl : selbs, 
(cuius Ser"'"""' Gels : '" flagranti desiderio per tot dies desideravimus) 
mit der hofstatt durch den Churfürsthchen garten in folgender 
Ordnung herein kommen. \_Ai(fzählu;/g der Reihenfolge so7vie 
der Furierzettel, welcher viele Namen von Personen des Hof- 
staates, Kamm er Junkern, Hof/u nkert/, Forstbeainten und anderer 
mehr., sonne Angaboi über die ZaJil der mitgefiihrteji Pferde 
enthält. Fol. 424 r.—429 v.y). 

YFol. 430 /'.] \^Am 25. September Aufforderung, zur Audienz 
zu kommen. Fmpfang beim Kurfürsten. Rehlinger bringt das 
AugsburgiscJie Bittgesuch vor. Der Kurfürst lässt nach BesprecJi- 
U7ig mit seinen Räthcn durch den Geh. Rathsdirector Joachim 
V. Loss erklären, er wolle sich die Sache überlegen und darauf 
weiteren Bescheid geben. Die Gesandten 7verden huldreich ent- 
lassen^ 

[Fol. 431 v.~] wie dann Ihre Drl. gar ain fraindlicher, 



') Julius Pflug, Bisch, v. Naumburg, Gesandter des Kaisers in Regens- 
burg 1541, t 1564. Zedier, Univ.-Lex. XXYII, 1G47. Allg. dtsch. Biogr. 25, 088 ff. 

2) Von mir übergangen, weil nicht in diese Publication gehörig. Vgl. oben. 

3) Fol. 422 r. u. V. sind ein längliches schmales Blatt, vorn leer, hinten 
lateinische theologische Bemerkungen. 

*) Hdschr. Dementer. — Diese Stelle beweist, dass Ludwig d. M., der 
aus den Niederlanden stammte und schon 1002 in Dresden nachweisbar ist, nicht 
schon vor 1015 starb, wie in »die Hofsilberkammer« etc. pag. 33, Aum. 2 
behauptet wird. 

'•'i Auf Fol. 420 r. das Bildnis des Georg Pflug von Peterstein. Lucas 
Kilian Nr. 1030. Kpf. in gr. 8. Drugulin Nr. 15.971. Dasselbe auch in W 2 
und W 3. —Fol. 420 v. und 427 v. sind leer. 

14* 



— 212 ^ 

demütiger vnd leutseliger ') potentat ist in dem kaine hoffart ist, 
auch die klaidung auf alt Teutsch-), disen tag grün geklaidt 
gangen, ainen hutt mit weissen federn in der band ghabt^). 
[^Mahlzeit bei Lebzelter. Am 26. Sept. Gottesdie^ist in der 
ScJilosskirche zum Dmik für des Ktirfürsten glilcklichc Heim- 
kehr vom Jagen. Gesangauffilhrung. Predigt über die Gefahren 
der Jagd. Später macht H. den kurfürstlichen Käthen seine 
Aufzvartung. Bericht ilber deren Amtspflichten. Aufzählung der 
kurfürstlichen Geheimen-, Justitien-, Hof-, Consistorial- und 
Kammerräthe nebst deji ihnen untergeordneten Schreiberei. 
Rentnerei- und Bergkanzleibeamte. Die Beamten der Silber- 
kammer ^), an der Spitze der Kammermeister Joh. Sautter, 
ferner 5 Rentkammer sehr eiber. Betrachtu7tgen über das Wesen 
eines guten Rathes. — Aui 27. Sept. leidet H. an Schwindel- 
a7if allen, die ihet ans Bett fesseln. Festessen der kurfürstlichen 
Jäger, dem die Augsburgischen Gesaeidten fern bleiben. — Am 
28. Sept. Besuch zweier Augsburger bei H. ; Gespräche, darunter 
auch über die mit Korn und Wein handelnden jüdischen Kauf 
leute •^). Der Kurfürst reist nach Moritzburg'] ^'). 



^) ^: Herr sein. 

2) ^: vnd die schuch nur mit rinckcn tragen. — Hierzu in W 2 und W 3 
eingeschaltet : a) Brustbild des Kurfürsten mit Harnisch und Schärpe. " Wolf. 

Kilian scalp. Kpf. in kl. 4. Drugulin Nr. lO.OOG. b) Bildnis (Kniestück) des- 
selben. Luc. Kilian sculpsit. Kpf. in 4. Drugulin Nr. 10()12. Vortreffliches Blatt, 
interessant im Vergleich mit dem vorigen, als Beweis für die bei weitem größeren 
Fähigkeiten Lucas Kiliaus. 

■') Fol. 432 r. u. V. Octavbl., vorn leer, hinten Bemerkungen über Kaiser 
Hadrian. — 435 vorn halb, hinten ganz leer. — 43G bis 437, Folioblätter, etwas 
kleiner als sonst, mit Verzeichnis der Kurfürstl. Räthe, von fremder Hand, 
437 aber weiterhin von der gewöhnlichen und Hainhofers Hand vollgeschrieben, 

**) Über das Amt des Kammcr.neisters vgl. »die Hof-Silberkammer« pag. 2()r 
Anm, 2. 

■■') Hierzu in W 2 und W 3 eingeheftet: a) Flugblatt in gr. 4, betitelt 
»Der Wein Jud.« Kpf. mit vielerlei Legenden zwischen den allegorischen 
Darstellungen, b) Flugblatt: »Wie der Reich den Armen frisst.« Kpf. in gr. 4 
Unten 20 deutsche Verse, auf die Platte gestochen, c) Flugblatt: »Vom unnöthigen 
Kriegen.« Ausstattung und Format wie b). d) Flugblatt: »Wie Gott vom Himell 
Inn die Welt schavt.« Wie b). e) Flugblatt: »Ein nevcs Aufischneid Messer.« 
Unten langes deutsches gedrucktes Gedicht. Etwas größer als die vorigen. Alle 
fünf Flugblätter aus dem Verlage von Joh. Klockher, Kunsthändler zu Augsburg. 

*■') Noch heute ein kgl. Jagdschloss nahe l^ei Dresden, dessen Bau 1542 
anfieng und erst unter August dem Starken durch Pf)ppclmann beendigt wurde. 



- 213 — 

yFoL 430 r.\ Adi den 29. Septemb .... kam zu vns Elias 
Rudelius '), ain Teutscher Poet, vnd auch schnizschneider-), der 
vns seine dienst anbute. Nachmittag sein wir in das Zeughaus ^) 
(gegen welchem veber das Churfürstlich wagenhaus ist) gefahren, 
in demselben vnden hero im gewelb (welches in die vierung 
herumb gehet) gesehen grosse vnd klaine stuck geschüz, aiß ganz 
vnd halbe Carthaunen ganze vnd halbe Schlangen, 

Doppelte vnd ainfache falckonetlein, deren in die 5(X) auf 
rädern ligen, vnd fast sovil auch auf den Pasteyen vnd wählen 
herumb stehen. 

\^FoL 430 t'.] Scherpen, die werden binden geladen zum 

geschwündscliiessen. 

6 von eisen gezogne röhr, so auf halben vnd runden Scheiben 
vmbgehen. 

1 stücklin welches, so man will, 04 kuglen vnder ainest 
scheust. 

2 gar grosse kuglen mit schlauch, in welche man haisses 
Wasser schüttet, die dan durch den schlauch in die weitte ainen 
wind geben, anzünden, vnd feur aufblasen. 

1 Mörser, wirfft 3 centner ^^ tt stain, vnd hat Marggraf 
Sigmund 2 solche giessen lassen, den ainen hieher, den andern 
dem König in Engelland verehrt, vnd sie Romulum vnd Remum 
genannt. 

Etliche gar grosse ^) hauwezer zu hagel vnd feurkuglen •^) : 

Ain schiff, so ain model von der bonden kue aus Flandern, 
darin der Sterzenberger '^) gefahren ist. 

Manches stuck, mit den rädern rüstung, zugehör vnd gefessen 
wigt veber 100 ccntncr. 



') Bisher unbekannt. 

'^) Das Wort bedeutet nicht etwa »Holzschneider« oder dergl., sondern 
wie der Sinn der vorhergehenden ausgelassenen Stelle zeigt, »Aufschneider,« 
d. h, lügenhaften Spassmacher. 

•^) Es war 1559 — 1563 durch Kurf. August erbaut, und beherbergt, nach- 
dem es 1884—1888 nach Semper'schem Plane ganz umgebaut ist, unter dem 
Namen Albertinum das kgl. Staatsarchiv und die Sculpturensammlung. — Weck 
pag. 62 ft-. 

■*) v'): carthaunen, die. 

5) Ä: schiessen. 

♦•) Störtebecker. 



- 214 — 

Vnd stehen alle dise stuck, runds in die vierung herumb, 
auf dem AVeinkeller, daraus zu colligieren, wie starck vnd dick 
des kellers gewelber vnd mauren sein müssen, ainen solchen 

vnsäglichen last zu tragen ohngeachtet das dise last dem gewclb iiuz vnd 
guet ist. 

2 stuck von Grimmenstain hieher gebracht : 

In der höhe hangen etliche schiffe, die man in aufzügen 
bey Churfürstlichem beylager Christian] primj gebraucht hat. 

\_FoI. 440 /',] An der wand hangen der Churfürsten Mauritij, 
Augustj, Christiani primj & secundi contrafette, lebensgröse. 

Auf ainer tafel gemahlet, wie der Türck vor 100 iahren 
Wien belagert hat\). 

Ob disem gewelb in die vierung sein 5 böden oder stantiae, 
völler rüstungen, vnd musquetten, als 2 stantiae mit luntenschloß : 
Aine mit feurschloß, alle auf 1 loth gerichtet, id est, iede kugel 
fast Slötig Ain mit trabharnischen vnd darzu gehörigen pistolen, 
Aine stantia mit ganzen kürisen : vnd ligt alles fünff, ia thails zehen- 
fach obainander auf langen taflen, nicht aufgehengt, als wie im 
Augspurgischen Zeughaus -). 

Aine grose anzahl gemaine Soldaten hämisch zu fuß zu der piquen. 

In der höhe hangen vil eroberte vnd verehrte fahnen, vnd 
cornet, auch paucken vnd trumlen. 

Auf den balcken Hgen coppien vnd lanzen. 

An den wänden hangen vnd ligen helleparten, schlacht- 
schwerter, dartschen, schilt vnd piquen, hauffenweis veberainander, 
vnd ^) soll man aus disem promptuario in die ~ mann zum streit 
ausrüsten khünden. \ScJierz mit den das Zeughaus bewaclieuden 
Soldaten.'] 

Es sein auch 2 grosse schrauffen da, mit welchen man vor 
\_Fol. 440 V.'] Gotha die mauren eintruckt hat. 

Hebzeug, auß : vnd einladung. stokhwenden. blokh : vnd brotswägen vnci 
kättinen. granaten vnd sprengkuglen. 



') Unter Sultan Suleiman im Jahre ir)29. 

2) Eine Schöpfung des berühmten Elias Holl, dessen merkwürdigerweise 
in Hainhofers Schriften niemals Erwähnung geschieht. Holls Selbstbiographie 
(ed. Chr. Meyer, Augsb. 1873) deutet indes nirgends darauf hin, dass Misshellig- 
keiten zwischen ihm und Hainhofer bestanden hätten. 
. 3) ^: kan. 



— 215 — 

Ihre Dil. haben im land 5 Zeughäuser, das fürnemmste ist 
hier zu Dresden: das andere ist zue Leipzig M, das dritte zue 
Wittenberg, das vierdte zu Zwicken, das fünffte zue Königstain, 
Jedes der vieren letsten fast zur ausstaffierung ^ mann gerichtet. 

Der Zeugwart haisset Christian Grimmel, ain alter wackerer 
mann. 

Vil schöner grosser neugegosiSner stuck ligen da, so noch 
nicht auf rädern sein, binden : vnd nicht oben angezündet, vnd 
3 meil von hinnen gegossen vnd geschlagen werden. 

Es sein auch ain hauffen modeil von sprizenwerck, gußwerck, 
schuswerck, vnd andern inventionen vnd künsten vorhanden. 

Der Keller vnder dem Zeughaus ist, als A°- 1617 Ich ihne 
gesehen, voll wein gewesen-), zu Königstain aber im keller ain 
fas wein sein, das IIA elen lang: lO.l elen hoch ist, vnd y aymer 
wein haltet. 

Aus dem Zeughaus veber den wähl sein wir gangen in das 
neue lusthause ^), so A^ 1617 Johann Maria Xassoni angefangen"*), 
ietzt Sebastian Walther, architector & sculptor^) ain geschickter, 
alter mann, continuiert, vnd mit der hilff Gottes \^Fol. 44:1 r.] 
noch in 3 iahren zu absolvieren gedencket. 

Dises lusthaus stehet auf der pastey an der Elb, vnden im 
eingang arbaiten in springen vnd halsringen 7 vngerathene 
männer denen man des tags 2 H brot, vnd wassers genueg 
iedem gibet, die müssen die marmorstain segen vnd entzwey 



') Nach Merlans Plan lag es an der jetzigen Universitätsstraße, auf der 
Stelle des alten Gewandhauses. Wahrscheinlich aber ist die sog. Pleißenburg gemeint. 

2) Vgl. Baltische Stud. II, 137. 

•') Weck pag. 72 ff. Ein Ölgemälde, dies 1617 — 1653 erbaute Lusthaus 
darstellend, gemalt von Friedrich Hagedorn, befindet sich im Dresdener Stadt- 
museum. Sonstige Abbildungen bei Tzschimmer und Merlan. 

■*) Balt. Stud. II, 136. — Xosseni wohnte dicht bei der (heute sog.) 
Augustusbrücke und den kurfürstlichen Stallungen. Sein Haus mit den reichen 
Sammlungen ging ein Jahr nach seinem Tode 1621) für den Preis von 15.000 tl 
in kurfürstl. Besitz über. Von seinem Grabdenkmal in der Sophienkirche ist 
unten (Fol. -469 v.) die Rede. 

^) Vater und Sohn gleichen Namens waren vortretYliche Künstler. Vielleicht 
ist hier jener gemeint, welcher auch an Nosscnis Grabdenkmal (Ecce homo) 
mitarbeitete. Vgl. unten Fol. 469 v. Ein Hans W. als Mitarbeiter am Grabmal 
Herzog Albrechts von Schleswig-Holstein in der ehemaligen Frauenkirche zu 
Dresden wird erwähnt bei Hasche, Diplomat. Gesch. Dresdens i^Dr. 1817j, pag. 122. 



•2h^ — 

schneiden, vnd sein etliche Zimmer nachainander, in denen man 
die stain arbaitet vnd aushauet. Dann kommet man in den vndern 
saal, dessen wänden sehr prächtig sein von quaderstucken mit 
schönen gesümsen vnd capitellen, von weißen, rothen, grauen, 
schwarzen vnd gesprengten marmolstainen, kostet iede rothe 
blatten in der wand 60 Reichsthaler, bey denen zu schliessen, 
wievil die runde vnd flache säulen kosten werden. Ob ieder säul 
stehet ietzt ain brustbild di stucco, die werden aber von brunzo 
gegossen werden, vnd 60 Herzogen vnd Churfürsten, bis auf den 
ietzigen Churfürsten, vom Haus Sachsen repraesentieren. Im ein- 
gang zur lincken seiten dises saals, mitten an der wand, hat es 
aine dreifache schöne grotten, mit ainer grossen concha vnd bild 
darinnen, das wasser gibet, alles auß gedachten gefärbten marmol- 
stainen gehauen, die cornicj vnd vries von iaspide, agata, lapis- 
lazoli, vnd Calcedon [J^o/. 441 t'.] gezieret, als wie auch alle 
thürgericht also gezieret sein. Dise grotte wirt fi.ir ainen trisor 
dienen, auf welchem herumb werden gestellt werden die köstliche 
crystalline, iaspine, topasine, agatine vnd andere frembde in gold 
gefasste stainine geschirre, darunder aine in gold gefassete nave 
von Böhmischem diamant, die 4 maß fasset, auf — cronen aesti- 
miert wirdt^ ), vnd vom ietzigen Kayser Ferdinande Ihrer chmfr. 
Drl. ist verehret worden. 

Die Ch urfürstliche tafel wird mitten in saal auf disen trisor 
zuegerichtet werden. Auf der rechten seiten beym trisor, kommet 
aine grosse orgel, deren pfeiffen aus grünem serpentinstain 
gedrehet sein. 

Diser saal sihet hüpsch perspectivisch aus, vnd ainem 
rechten antiquario gleich. 

Aus divSem saal gehet man in schiesgraben zum schiessen 
hinaus : Item auf die pastey, aus deren man sich mit 36 stucken 
geschüz wehren kan ; hier ain hüpscher prospectus auf die Elbe, 
auf die lange brugge, vnd gen Alten Dresden -) hinüber ist. 

Für alle wänden im saal (welche wie ain spiegel glänzen 



') \yahrscheinlich die Galeere im Pretiosen-Saale des grünen Gewölbes, 
Nr. 185, die nach Erbsteins Vermuthung von dem Dresdener Goldschmiede 
Gabriel Gipfel (Anf. d. XVII. Jahrh.) herrührt, womit sich freilich die Angabe, 
das Stück sei ein Geschenk Ferdinands II. gewesen, nicht recht scheint vereinigen 
zu lassen. 

2) Dresden — Neustadt. 



— 217 — 

das man sich vnd die Elbe darinnen sehen kan) werden quadri 
von öhlfarben auf leinwat gemahlet, die praeclaras res gestas der 
Sächsischen Prinzen denotierent, gehenget werden. 

Durch ainen schneggen hinauf, mit schönen geflochtenen 
eisernen getter, gehet man in ainen andern schönen saal, welcher 
auch 4 schöne portal, vnd 12 fenster hat, in dessen deckin zu 
oberst vom hofmahler Kiliano Fabritio gemahlet sein, die 4 ele- 
menta, tag vnd nacht. 

Ain wenig besser herunder die 7 planeten mit den 12 himm- 
lischen Zaichen ^) . . . {^Fol. 443 /'.] Gar herunder im Vries, 
Troianische historiae, vnd ist dise deckin sehr hoch, perspec- 
tivisch, vnd mit durchsichtigen fenstern gezieret, hat inwendig 
auf dem vries ainen gang in die vierung herumb zu den 
trommetern vnd musicanten, aussen vor den fenstern wider ainen 
gang herumb, auf welchem man die statt hüpsch vebersehen kan. 
In disem saal sein schöne grosse weis stainerne runde bilder, als 
5 Kaiser vom Haus Österreich. Carolus V. Maximilianus II. 
Rudolphus II. Matthias I. Ferdinandus II. vnd 5 Churfürsten von 
Sachsen, als Mauritius, x\ugustus, Christianus I. Christianus II. 
vnd Johannes Georgius, vnd also allezeit ain Churfürst zu aines 
gedachten Kaisers Zeiten [Fol. 443 t'.] gelebet hat. Noch lOtugenden, 
vnd also 20 bilder lebensgrösse, ob ieder statua ist ain schilt mit 
ainer darein gem.ahlten Sachsischen provinz, vnder der statua 
wider ain schilt, mit aim gemahlten emblemate vnd darzu geschri- 
benen motto, vnd also 20 provinciae vnd 20 emblemata dargestelt. 
Hinder iedem bild ist es hool, vnd dergestalt gerichtet, das man 
aine sondere music darhinder halten kan. Wann man in disem 
obern saal speiset, so stellet man die musicanten auch in vndern 
saal, schleusset zu, so gehet die resonanz durch die lufftröhrer 
lieblich hinauf. 

Oben hero vnder der deckin ist es auch zu verborgner 
music gerichtet, so, das man von 32 orthen verborgne music, 
iede absonderlich, hören kan. 

Auf dem gang ist aussen das Churfürstliche wappen in 
stain gehauen 27 elen brait, vnd mit dem bild prudentia (welches 
die Soldaten auf der schiltwacht die Jungfrau haissen) 24 elen hoch. 



^) Fol. 442 r, u. V. länglich-schmales Blatt, mit Bemerkungen über den 
Thierkreis. 



— 218 — 

Diser obere, sowol als der vndere saal ist 70 schuch inwendig 
lang, 48 brait 55 schuch hoch, vnd gehet auch auf die pastey 
hinaus. 

Das wahrzaichen dises obern saals ist an der deckin, vnder 
den 7 planeten die Venus, durch dero leinwat man ihr die posteriora 
analvtica sihet. 

\Fol. 4:4:4: /'.] Vor disem saal draussen hat es aine schöne 
lange gepflasterte galleriam auf dem wähl, auf w'elcher man fuß- 
turnier halten; auch mit gutschen hinauf fahren kan. Der ober 
vnd vnder saal werden mit marmorstain gepflastert vnd alles 
gerichtet werden, das man sie zu feindes vnd belägerungs nöthen 
geschwind aufheben, vnd aus den wänden nemmen kan, darhinder 
alles dicke mauren vnd die pflaster von harten quaderstainen 
sein, schwer geschüz darob zu führen. 

Wie man den Kayser Matthiam, Konig Ferdinandum, vnd 
Erzherzogen Maximilianum auf der Münich wisen veber die Elbe 
empfienge, da wäre die pastey vnd Lusthaus voll geschüz, vnd 
fuochi artificiatj, welche hinveber spilten . . . 

In ainer werckstatt dises lusthaus hat vns Bartel Berner ^), 
(so des Kobenhaupts -), berhümten stainschneiders zu Stutgart, 
gesell gewesen) vnderschidliche agatine, iaspine vnd crystalline 
geschirrlein gewisen, die er aus denen im land gewachsenen 
edlen stainen auswärts di basso rilievo, auch einwärts schneidet 
vnd drehet . . . \Folgt langes deutsches Neujahrsgedicht für 1629, 
verfasst von dem kurfürstlichen Secretär Seuss'^) über die sym- 
bolische Bedeutung der Ed eist eijie für das ktcrsächsische Haus. 
■ — Am 30. September Morgenpredigt. Begriißujig der Kurfiirstin 
und der vier jungest Prinzen. Joachim v. Loss räth den Ge- 
sandten, zu warten, bis der Kurfürst zurückkehrt. IL empfängt 
Besuche. Am 1. October Beginn der achttägigen Hochzeitsfeier 
eines der ktufürstlichen Kainmerdiener. Näherer Bericht dar- 
über fehlt. - Am 2. Od ob. Gastviahl beim Kammer rathsdirector 
Christoph Karl v. Brandenstein. Gelehrte Gespräche.'] 



^) Bartholomäus Börncr, geb. Freiberg 1590, f KMü. Er wurde in kurf. 
sächsischen Diensten seit 1623 beschäftigt. Vgl. Erbstein, das kgl. grüne Gewölbe 
pag. 132, Anm. 1. 

'^) Bisher unbekannt. 

3) Joh. Seuss, geb. 1566. Sein Bildnis (Halbfigur) stach Luc. Kilian in 8, 
1630. Drugulin 19.406. 



— 211) -- 

\^FoI. 440 r.] Adi den 3. octob : hab ich nach der morgen- 
predig der Durchleuchtigsten Churfürstin ^) abermals vnderthänigst 
aufgewartet, vnd weiln Ihre Drl. vermercket, das ich gerne Ihre 

kunstkamer sehe, als wie etlich durchleuchtigste vnd durchleuchtige für- 
stinen, nämlich A? 1612 die Churfürstin fraw Elisabetha Herzogin in Bayrn 
geborne Herzogin in lothringen Ihr reliquiarium Vnd SChÖnC Capellen 

an der hofkirchen-), A" 1616 die Herzogin von Würtenberg, Frau 
Barbara Sophia, geborne Margrähn von Brandenburg ^), Ihre 
rariteten vnd apotecken ^) : A^ 1617 die Herzogin fraw Sophia in 
Pommern geborne Herzogin auß Holstain ihr kunstkämerlein ■') : vnd 
A° 1628 die Erz: vnd Grosherzogin fraw Claudia zue Insprugg 
Ihre kostliche kunstkammer ^') alle selbs gnädigst zaigeten : Als 
haben Sie mich durch Ihren hofmaister, Herren [Fo/. 446 v.] 
Caspar Kürbiz, vnd Herren Jerg Pflügen, Hausmarschalcken, zur 
mittag mahlzeit beruften vnd mir befehlen lassen, das ich meiner 
collegarum ainen, nemlich Herren Hans Mrich Österreichern mit- 
bringen wolle, so solle mir nach der mahlzeit Ihrer Drl : kunst- 
kammer, allain zue contentierung meines fürwizes gewisen werden, 
ob ich gleich in derselben so schöne vnd köstliche sachen nicht 
linden, als ich bey erst höchst vnd hoch gedachten fürstinen gesehen 
haben werde. 

\'mb 1 1 vhren haben Herr Österreicher vnd ich vns zur 
mahlzeit vnderthänigst vnd gar fleissig eingestehet, Ihre Drl. vnd 
die 2 Churfr. Fräulein vns die händ geraicht vnd in des Herren 
Churfürsten vorgemach, in welchem man, loco der Ritterstuben, 
täglich aufzuwarten pfleget, an der tafel gesessen. ^Platzordnung 
an der Tafel der Kiirfiirstiii, H's. Gespräche viit seinen TiscJi- 
nachbarn. \ 

[Fol. 447 v.\ Die Churfürstin hat 2 silberine vergulte fläsch- 
lein, die fräulein vnd Hofmaisterinnen, iede 2 vergulte kännlein. 
Herr Österreicher vnd Ich, ieder 2 silberine hoftecher, die Junckern 
ieder 2 zinnine kännlein, mit Ihren darauf gestochenen wappen, 



') Ä: wider. 

2) Vgl. Häutle, Ztschr. d. Ver. f. Schwaben u. Neuburg 1881, pag. t)8, 158. 

3) Tochter des Kurf. Joachim Friedrich v. Brandenburg, j 13. Febr. ^iSoQ>. 
"*) V. Oechelhäuser in den Neuen Heidelb.Ja hrb. 1891, Heft 2, pag. 30(3 fT. 
s) Balt. Stud. U, 28. 

^) Oben Innsbrucker Relat. Fol. 259 r. iT. 



— 220 — 

das aine voll hier, das andere voll wein .... [Udcr SchoßJiiDide 
und Hofnarren?^ ^) 

Nach der mahlzeit raichte vns die Churfürstin vnd die 
2 fräulein die band. Herr Pflug mit Ihrer Drl. Cammerdienern 
vnd leibschneidern, dem Severino Nellein, führten Vns in der 
Churfürstin kunstkammer hinauf, die man am morgens vorher 
aufgedeckt vnd zugerüstet hat, welches vier Zimmer voll schöner 
Sachen, vnd vnder andern folgende zu sehen sein : 

\_FoL 448 7J.] Im ersten gemach. 

Die flagellatio Christi vnd Historia Hiobs von Christian 
Stainmüllern -). 

Infanticidium vom Luca Kronacher^). 

Des König Davids flucht vor dem Saul, von ainem alten maister. 

7 schöner französischen Fürstinen Contrafette. 

Herren Churfürsten Augusti frau gemahlin contrafette. 

Conte Bucquoy^) contrafett. 

Europa auf dem ochsen von palma^). 

Genealogia des alten. Wietekündischen, vnd daraus entsprin- 
genden Chur : vnd Fürstlichen Stammes Sachsen. 

Genealogia Friderichen des alten, Burggrafen zu Nürnberg, 
vnd daraus herkommenden Chur : vnd Fürstlichen stammens 
Brandeburg auf aine tafel zusamen gemahlet. 

Auf 2 tische stehen berge mit stafflen, wie die trisor, voller 
crystallininer mundgläslein, vnd sein dise berg mit durchsichtigen 
gläsernen thüren rundher eingefasset. 

Item 2 schöne Türckische trühlein von gaiandra oder schilt- 
ki'Otten. 

Ain lieblich lautent clavier, alles nur von papir oder cardon 
gemacht. 

') Vgl. auch über die Narren am sächsischen Hofe Flügel, Gesch. d. Hof- 
narren pag. 283 ff. 

2j Er starb ca. 16G0 in Wien. Nagler, K.-L. 17, 30J:, v. Stellen, Kunst- 
gesch. V. Augsb. pag. 288. 

•») Dresd. Gemälde-Gal. Nr. 19ol. Daselbst freilich erst im Inventar von 
1722 auftauchend. Nach Schuchardt (II, 44) ein Schulbild. 

•*) Es scheint, dass Karl Bonaventura von Longueval, Graf B., gemeint ist, 
der 15Ö1 in den Niederlanden geboren wurde; Großbailli von Hennegau, General- 
fekkeugmeister, kämpfte gegen die böhmischen Aufständischen, u. a. in der 
Schlacht am weißen Berge, f 10. Juli 1621 bei der Belagerung von Neuhäusel. 

■'') Keins der vorgenannten Bilder ist in der Dresd. Gemälde-Gal. nachweis- 
bar mit Ausnahme des unter Anm. .3 besprocheneu, 



— 221 — 

Im andern Zimmer sein neben andern zu sehen : 

Des Herren Churfürsten erster frau gemahlin, SNbillae 
Elisa- \^Fol. 449 r.~\ bethae, vom Haus Würtenberg '), contrafette, 
welche nur 1 iahr imm ehestand gelebet hat. 

Contrafettische bluemen : vnd frucht gesiebte vom Franz 
Floris -). 

Etlicher Kayser vomm Haus Österreich contrafette. 

Herzog Wilhalms von Churland vnd seiner fraw gemahlin 
contrafette ^). 

Vier kästen, mit gläser vor, voller Indianischer geschirre 
vnd vhrwercke. 

Geschnittene veberzogene thierlein^). 

Porcellanische schalen. 

Irdine geschirr, so man zu Eger machet. 

Ain schöner Spannischer, aus zartem stroo geflochtener 
Schreibtisch mit handschuch, pastiglj, seckel, leinwat vnd bisem 
zeug eingerüstet, welchen die Kayserin Anna Höchste, gnd. Ihrer 
Churfr. Drl. verehret, vnd zu ainem grues geschickt, als wie 
A^ 1611 Herzogen Wilhalms in Bayrn Christmiltester gedächtnus 
Drl. der Herzogin Sophiae in Pommern auch ainen dergleichen 
Spannischen strooinen eingerüsteten korb verehret hatte ''). 

Ain rothlechts hündlein, welches Ihrer Drl. von der schos 
gefallen, gleich tod gebliben, dessen häutlein man also zum 
gedächtnus veberzogen hat. 

Ain ausbalgtes stigelitz bastart canari vögelein, welches in 
aim draatinen vogelhäuslein Ihrer Drl. der Graf W^olf von Mans- 
feld'') verehret hat. 

\^Fol. 449 7'.] Im dritten gemach sein : 



') Tochter Herzog Friedriclis zu Würtemb., starb schon IßOG, nach noch 
nicht anderthalbjähriger Ehe. 

'^) Vgl. Aum. 5 auf voriger Seite. Außerdem muss in diesem Falle 
die Zuschreibung, wie so häufig, irrig sein. 

^) Der Herzog lebte 1574 — KMO. Seine Gemahlin war Sophia, Tochter 
Albrecht Friedrichs, Markgr. v. Brandenburg, f IßlO. 

•*) Ausgesto])fte Thiere. 

^) Öies war »ain Atlasincr Schreibtisch« von ganz gleicher Ausstattung, 
»ctlich IOC) n. wert« und war der Herzogin von l'aiern vom KTmig Philii^]) If. 
von Spanien geschenkt worden. Häutlc pag. 134. 

'■) 1575— 1G38. 



')0') 



Herzogen Georgen vnd Herzogen Johann Friderichs von 
Sachsen contrafette. 

2 alte tatien von aim Herzogen von Sachsen vnd König 

m Böhem, deren uamen man mir nit wissen zu sagen, vnd an den mahlern 
ain groser vnverstand ist, das Sie mainen wan si deß geconterfetteten namen 
wissen, seye es genug, vnd soll aus dem Conterfett ieder der es sihet, den gere- 
presentirten selbs kennen vnd denckhen nit, das diejenige, so ihne gekhennet 
haben, hinweg sterben, vnd die posterj nit mehr, ohne darbey stehenden namen, 
wissen, wer diser oder ihener gewest ist. 

Der Churfürstin frau mutter^) contrafette wie Sie tod da Hgt. 
Des Herren \^atters, des Herzogen aus Preussen, vnd der 

frau mutter"-^) contrafett, wie Sie lebendig gesehen haben. 

Der Churfürstin von Brandenburg aus Preussen, Ihrer Drl. 
frau Schwester contrafette, mit deren Ich A^ 1617 zu Colin an 
der Spreu bey hof geredet habe ■'). 

Der Fürstin Radzovillin ') contrafett. Dise Fürstin hat ietzt 
den Herzogen Julium Hainrich von Sassen Lawenburg zum 
gemahl. 

Der Churfürstin verstorbenes Herrlins, Herzogen Hainrichs '') 
contrafett. 

Churfürst Johann Sigmunds von Brandenburg contrafette. 

Des ietz regierenden Churfürsten Herren Vattern Friderich 
Sapiens contrafett, welcher das Kayserthumb dem Kaiser Carolo \\ 
gutwillig cediert hatte ''). 

Auf tischen stehen 7 Schreibtisch vnd feldtrühlein auf vnder- 
schidene art mit silber eingerüstet. 

Ain kästlein mit silberner einrüstung auf aine Fürstliche 
tafel, fast wie ain kindbettzeug für aine Prinzessin. 

[I^ol. 450 r.\ \'il gespicklete sachen aus seidinen flecklen. 



1) Maria Eleonore, älteste Tochter des Herzogs Wilhelm von Jülich, 
Cleve und Berg, f 23. Mai 1608. 

2) Also ein Doppelbildnis des Herzogs Albrecht und seiner Gemahlin 
Maria Eleonore, 

3j Balt. Stud. II, 28. 

**; Zweite Gemahlin des Herzogs Jul. Heinrich v. Sachsen-Lauenburg, 
Witwe des Fürsten Janus Radzivil, f 24. Dec. 1029 nach noch nicht zwei- 
jähriger Ehe. 

5) Geb. 27. Juni, f 15. Aug. 1G22. 

*j Friedrich der Weise ist von den Kranach'schen Schülern so oft portraitiert 
worden, dass eine nähere Bestimmung hier unmöglich ist. 



- - 22P, - 

Etliche kästen voll gläser. 

Geschmelzts vnd flach gemahltes Englisches Zin, als wann 
es silberin vnd vergult were. 

Porcellanine geschirr. 

Vil vnderschidliches Silbergeschirr im Zimmer runds herumb 
in den kästen, mit gläser vor. 

Ain helffenbaininer Schreibtisch, mit silber eingerüstet. 

\^nderschidliche tischlein vnd Schreibtisch mehrerlev Sorten, 
auch von perlenmutter, vnd Indianischem lakwerck. 

Im vierdten Zimmer, neben vilen andern Sachen, ist zu sehen : 

Auf 2 taflen, Herzog F'riderich zu Sachsen^), lebendig vnd 
tod gecontrafettet. 

Herzog Christian Albrecht von Sachsen -), Ihrer Drl. primo- 
genitus lebendig vnd tod gecontrafettet. 

Marggraf Christian von Brandenburg zu Bayrreuten^) vnd 
seiner gemahlin, der Churfürstin fraw Schwester^), vnd aines 
fräuleins contrafette. 

Doctoris Martin] Lutherj bildnus ^) vom Cronacher gemahlet. 
\^Folgt ein Wortspielräthsel?^ 

Die creuzigung Christi vom Hans von Aach gemahlet'''). 

König Carol in Engelland mit der feder gerissen, seines 
alters 16 iahr. 

Schöne blumbott oder krüge vom Blumart '). 

Vil klaine contrafettlein bey den fenstern hangend. 

Churfürst Hans Jerg in ebeno holz von silber eingelegt, vnd 
gestochen. 

Ain Credenz mit silbergschirr auf aine Fürstliche tafel. 

Auf 4 Seiten herumb sein wider verschlossene kästen, mit 



') Nicht bestimmt zu identificieren. Vielleicht jenes Kind des Kurf. August, 
welches 1576 halbjährig gestorben ist. 

■^) Lebte nur vom 4. März bis 9. A.ugust 1612. 

'j Sohn Johann Georgs, Kurf. v. Brandenburg, 1581 — 1655. 

-») Marie, f H- Febr. 1649. 

^) Identificieruug auch hier nicht möglich. Etwa Gemälde-Gal. Nr. 1918.-' 

") Bilder dieses Meisters fehlen in der Dresd. Gal., doch ist sehr möglich, 
dass Hainhofer die Kreuzigung Christi von Chr. Schwarz meint, aui' deren Rück- 
seite steht: »Churfürstlicher Sachs. Frau ]Mutter Verlassenschaft. Anno 16)23.« 
Vgl. Katalog pag. 626 zu Nr. 1969. 

'') Zuschreibung uatürlich falscl). 



224 -^ 

hellen gläsern vor, dise sein voll Silbergeschirr, gefasste schneggen, 
straussen ayren. 

Silberne bergwercklein. 

Geschmelzte, grammalierte geschirr von Limosiner arbait'). 

Confect schaalen, die Ihre Churfr. Drl. der Churfürstin seiner 
frau gemahlin A° 1627, 1628 vnd 1629 -) zum Christ verehret 
hat, iedesmals 6 Duzet gleiche schaalen, vnd iedes iahrs aine 
besondere fattion : 

I Fol. 451 r.] Als 6 eckichte, weis getribene vnd zier vergulte 
schaalen. 

Bäum vnd nästschaalen. 

Muschelschaalen. 

In disem Zimmer stehen vnderschidene schwarze nidere 
tischlen, mit vnderschidenen schön geschnittenen füslein von 
küstlers ^) arbait, vnd sein auf den tischlen schöne handbekiner : 
als aine muschel mit dem Neptuno darinn, da das wasser zu 
ainem schneggen, den er in der hand helt, herausfleusst, von des 
Kellerthalers khunstlicher hand. 

\^hrwerck von perspectiv. 

Silberne altärlein. 

Gepunzionierte taflen. 

Ain bäum mit nästen von vergultem silber, der 6 gäng 
obainander mit confect muschlen hat. 

f) schwarze büffet, auf welchen schöne grosse vhren : vnd 
vnder denselben aine ganz silberne, auch aine grosse tafelvhr 
stehen. 

4 taflen mit schreibtischlein. 

1 corallenberg mit muschlen, vnden mit Schubladen. 

Ain vergulter silberner hoher truncus von aim bäum zu 
ainem willkomm, der helt 3 maß wein, oben aber hat er ain 
einsäzlin, das auch ainer kaum ain gläslein voll trincken darf, 
dessen man schonen will. 

Mitten in disem Zimmer auf ainem mit gläser eingefasseten 
trisor, stehen die 12 Apostel von augstain, vnd andere augstainine 
vnd helffenbainine Sachen, vnd geschnittene gläslein. 

[Fol. 4!j1 v.\ An der wand hänget ain schöner Spiegel. 

') Sehr schöne derartige Stücke u. a. im Kaminzimracr des gr. Gew. 

■•^) Hier liegt ein Verschen vor, da wir liier doch erst im Sept. 1(329 sind. 

3) D. h Tischlers. 



— 225 -^ 

Etliche von Alexandro Abondio -) in wachs possierte brust- 
bildlein. 

Etliche gemaine bergwercklein. 

Ain grosses ebeno trühlein, mit silber eingelegt vnd gestochen. 

Auf ainen mit silber eingelegten tisch ain servitio von silber. 

Ain tischlin mit selbs spilenden musicalischen wercklin, oben 
auf mit ainer thuren vhr. 

Alle dise Sachen stehen in 2 gangen auf lischlen, in fünff 
nachainander hero, in der mitte immer das gröste. 

\'nd ist in disen 4 Zimmern ain grosser vorrath von aller- 
hand schönen vnd kostbaren sachen vnd kunststücklein : an 
welchen man wol ain weil zu sehen hette, wer alles recht 
betrachten wolte, darzu dann dise löbliche Churfürstin grossen 
lust vnd guten verstand hat, wacker von ainem vnd anderm zu 
reden waist, vnd des Herren Churfürsten frau mutter^), löbl : 
gnd: i^welche in dem wittibstand zu Coldiz ^) residierte) zue Ihrer 
Zeit auch Ihre kunstkammer in disen 4 Zimmern hatte. 

Als wir nun ain 3 stund in diser kunstkammer mit lust 
zubrachten, vnd wider herunder kamen, [bedank fe sicJi Haüi- 
hofer bei der Knrfitrstin, der er in eijiem Cabinct vor- 
geführt zvurde, und schenkte'] Ihrer Drl. in Ihre kunstkammer 
[^FoL 452 r.] ainen schönen passeten mit stainen versezten kunst- 
lichen bisemknopf mit 6 geschrauften balsambüxlen (von des 
sehr kunstlichen, aber ganz liederlichen gelumpeten Philipp Jacob 
Pöhners ^) band gemacht), mehr ain zu \'enedig aus helftenbain 
gar subtil gedrehetes sprizbecherlin mit rosenwasser eingefüllet, . . . 

') Der jüngere Abondio war geborener Florentiner, lebte zu "W'ien und 
(seit 1612) zu München; f daselbst 1675 (?). Meyer. Künstl.-Lex. I, 31 fl'. 
Trautraann, Kunst und Kunstgew. pag. 260, 388. Ilg in den Mitth. d. Centr.- 
Commiss. 1876, pag. 71. 

2j Mehrere solche Bossierungen auf Schiefer finden sich in der Kunst- 
kammer des histor. Mus. Führer pag. 32. 

3) Sophia, die Tochter des Churf. Johann Georg v. Brandenburg, f 1622. 

*) Kleine Stadt im Kgr. Sachsen, südöstl. von Leipzig. Das 1464 erbaute 
Schloss, welches die Kurfürstin-Mutter bewohnte, existiert noch (jetzt Irren- 
anstalt). 

^) Dieser Künstler gehörte mit zu jenen, welche an dem berühmten 
pomraer'schen Kunstschrank arbeiteten. Schon damals sagte Hainhofer von ihm, 
er gehöre zwar zu den großen Künstlern, aber auch zugleich zu den »nassen 
Brüdern«. (Vgl. Quellenschr. X. F. VI, 329, 331.) Weiteres über ihn ist nicht 
bekannt. 

Quellenschr. X. Bd. 15 



— 22r, — 

Dises cabinetlin, wie ain klaines Oratorium hat Christian Stain- 
miller Augustanus, durchgemahlt, vnd Ihre Drl. selbsten vns in 
disem gezaigt vnd aufgeschlossen : 

1.° Ainen schönen mit 2 thüren verschlossenen, aussen mit 
edlen stainen eingelegten grossen Spiegel, an die wand angemacht. 

2.° Ainen kästen voll Silbergeschirr, 

3.'' In ainem andern kästen etliche clinodia, vnd in gold 
gefassete klaine Fürstliche contrafette. Vnder andern gar klain, 
nur wie aines fingers nagel gros, Ihres Herren Gemahls, vnd der 
Princessin Mariae Elisabethae contrafette. 

4.° Ain ganz guldines geschmelztes besteck, oder leffelfutter, 
dessen leffels, messers vnd pirons stihl, so auch der pfrümen, 
haarnadel, schreibfeder, scherlin, vnd andere instrumentlein im 
futter, veber vnd veber mit diamantlein versezt vnd garnisiert 

sein \Schildeni)io- des Aussehens der Fürstin nnd iJirer 

Kinder, deren Geburtsdaten angegeben werden. Dabei zi^erden 
erwähnt f\ 

Anno 1612 Herzog Christian Albrecht') den 4. Martij, diser 
Prinz ist tod, vnd in der Churfürstin kunstkammer abgecontrafettet 
vnd A° 1G22 Herzog Hainrich -) den 27. Junij. Diser prinz ist 
auch tod, vnd in der Churfürstin kunstkammer gecontrafettet. 

Die Churfürstin hat mich vnder anderm gefragt, was Ich 
bey der Churfürstin In Bayrn, vnd der Erzherzogin zu Insprugg 
\_Fot. 453 r. \ L. L. den schönes gesehen habe, welche Sie, ohne 
zweifei, mit rariteten wol weit vebertreften werden ? deren Ich 
vnderthänigst antwortete, das bayde Drl. Drl. zu München vnd 
Insprugg mir vmb vil tausent thaler werth köstliche vnd rare 
recht Fürstliche sachen, vnd vnder andern der Churfürstin in 
Bayren Drl. mir den Ritter St. Jeorgen auf .^^ gülden werth ge- 
schäzt, vnd vil ansenliche reliquias Sanctorum, darunder ain 
ganzes vnschuldiges kindlein oben auf beim oratorio in der 
Churfürstlichen Capellen (welche Ihre Drl. vnder Ihrer custodia) 
gnädigst gewisen haben-'). Darüber Ihre Drl. subridendo repli- 
cierte, ja, das Sie mir von reliquiis nichts weisen könnte, dann 
Sie kaine habe . . . Ihre Drl. dancket mir auch, das Ihr 



'j Wurde nur wenig über fünf Monate alt. 
2) Starb am 15. August desselben Jahres. 
3j Vgl. Häutle a. a. O. pag. 68. 



-^ 227 

ich mein Stammbuch vertrauet, versprachen mir gnädigst, Ihre 
gedechtnus auch darein, vnd veberredete Ihre Drl. Ich, das Sie 
verwilHgt haben, dem Luca Kihan zu sitzen vnd Sich mit 
truckenen färben contrafetten zu lassen, vmb solches Ihrem 
Herren gemahel, wann Ihre Drl. vom iagen herein kommen, 
fürzulegen. ob Ihre Drl. dise Princessin kennen werden-. Als 
Ihre Drl. ich vom Kilian sagete, recusierten Sie es anfangs, mit 
fürwenden, Sie weren schon alt, vnd haben Sich in 20 ^Fol. 455 r.] 
iahren nie contrafetten lassen, vermainten auch nicht, das Ihr 
Kilian M, (so der hofmahler ist vnd mit dem taufnamen Kilian 
haisset) so ain ausbund von ainem contrafetter seye, weil Sie 
dergleichen nie sow ihm gesehen : als Ihre Drl. Ich aber vnder- 
thänigst verstendigte, das es nicht Ihr Kilian, sonder meiner 
geferten ainer, so Lucas Kilian haisse, vnd im verzaichnen vnd 
kupferstechen (seider .dEgidius Sadler-) tod) der berhümteste 
contrafetter diser Zeit in Teutschland seye, welcher auf mein 
promotion, ohngefähr vor 1 iahr des Erzherzogs vnd der Erz- 
herzogin zu Insprugg vnd des Grosherzogen zu Florenz Erz vnd 
Grosherzoglicher D. D. DrPf" contrafette auch sehr wol gemacht 
habe : so hat Sie Ihren willen auch gerne darein geben, vnd 
vermelt. Sie wolle schon dem Herren Ptiugen sagen, wann der 
Kilian auf\\arten solle '^). \_Abe?idt'ssen beim geh. Rcntkammer- 
meister und Kunstkämmerer Georg Reichenhrott {Reichbrod) ^). 
Dabei Musikvorträge. H. bekommt von dem Gastgeber geschenkt 
ein Porträt auf Hotz, von einem atten deutschen Meiste r\ bey 
dem dise schrift stehet : Braunskogi facies fuit haec pictura leonis 
Doctor. qui medica claruit arte patris. Anno Dnni. M.D.XXI. 



') Fabricius. 

'^1 Le Blanc, Manuel III., 395 — 403, wo von der Familie Sadeler überhaupt 
die Rede ist. 

^) Das infolge dessen entstandene Bildnis ist Kuiestück in fol , datiert 
1G30, Drugulin 12.804. Hier in W 2 und W 3 eingeschaltet: ai Brustb. der 
Kurfiirstin Wolf. Kilian scalp. Ivpf. in kl. 4. Fehlt bei Dnigulin. b) Bildnis 
(Kuiestück) derselben. Mit Uhr und Gebetbuch, neben ihr ihr Hündchen. Luc. 
Kilian 1630. Kpf. in 4, Offenbar das auf obiges Gespräch hin entstandene Por- 
trait. Schönes Costümbild. Druguliu Xr. 12.804. — Beide Fortraits sind die 
Gegenstücke zu denen des Kurfürsten, welche oben zu Fol. 431 v. erwähnt sind. 

■*j Sein Bildnis (Halbtigur in 8) stach Luc. Kilian bald danach (Drugulin 
Xr. 17.045). Er scheint die Kunstkämmererstellung nur kurze Zeit, vielleicht 
nur commissarisch bekleidet zu haben, zwischen Lucas Brunn (f 1028) und 

15- 



228 — 



obijt Lypsiae. 28. aetatis suae. [Näheres über Reichbrod, in 
desse?i Leben die 7.ahl 7 eine besondere Bedeutung Jiaf, 7üobei\ 
[Fol. 455 r.] ich erzehlet, was A^ 1628 für ErzHerzogs Leopoldj ') 
Hochfr. Drl. ich auf ainen wunderHchen grosen spiegel, so Ihre 
Drl. neben andern stathchen praesenten in Hispanniam gesannt 
haben, von den numeris Siben, alles habe künstlich mit öhlfarben 
mahlen lassen, als : 

Siben tag der erschaffung der weit, vnd wie Gott am sibenden 
tag gerhuet hat. 

Siben bitten im Vatter vnser. 

Siben wort Christi am creuz. 

Siben gaben des H. Gaistes. 

[Fol. 455 7'.] Siben planeten. 

Siben freye künsten. 

Siben haupttugenden, virtutes morales & cardinales. 

.Siben laster. 

Siben miracula mundi. 

Siben faiste vnd magere Rinder 1 Siben wolfaile vnd theure 



Siben faiste vnd masrere eheren 



iahr. 



Zehenmal 7 im Daniel von 70 iahrwochen. 
Siben gerstenbrot am 7. Sontag nach Trinitatis 
Siben körb voll brosamen. 
Siben buspsalmen. 

Gemaine in Asia 

Leichter 

Sterne 

Sigel 

Lam mit 7 äugen, 7 hörnern 

Engel mit 7 Posaunen 

Engel mit den 7 plagen 

donner 



Siben 



in apocalypsi. 



Theodosius Haescl, der bald danach die Stelle bekam. Vgl. die »Hofsilberkammer« 
pag. 36 f. 

') Hier in W 2 eingeschaltet die Bildnisse a) des Erzherzogs. Luc. Kilian, 
1G29. Kpf. in 4. Drugulin Nr. 11.8C)8. Wie das Folgende identisch mit den in 
der Innsbr. Rel. vorn eingehefteten Blättern, jedoch Papierdrucke, b) Der Erz- 
herzogin Claudia Gegenstück zum vorigen. Drugulin Nr. 8(j29. c) Ferdinands ll. 
von Medici. T.uc. Kilian 1029. Kpf. in 4. Gegenstück zu den vorigen. Drugulin 
Nr 13.663 daselbst mit falscher Jahreszahl 1028. 



— 229 — 

[Folgen Gedichte auf Reichbrod. Über dessen Töchter. Über den 
Charakter der Meißener Bevölkerung. Von der Raubgier der 
Soldaten; dabei eine Fabel von Wolf und Fuchs. Am 5. October 
vergeblicher Versuch, alte Schulden des Rat lies vofi Leipzig 
von dessen Conimissär, dem Hofkammerrath Dr. David Döring^) 
einzucassieren. 2Iahlzeit mit Freundoi, unter denen ein des 
Glaubens 7vege?i Flüchtiger aus Prag.] 

\_Fol. 457 V.] Adj den 6. octob. besähe ich die silberkammer, 
machte mich mit Herren Johann Sautern, Cammermaistern, bekannt, 
da dann alhier des Cammermaisters carico nit vil mehr ist, als 
anderer orthen aines cassiers : zu Stutgart vnd Durlach aber 
hab Ich gesehen, das des Cammermaisters officium an selbigen 
höfen so vil ist, als hie zu Dresden des Cammerdirectors. 

Darnach hat mich Herr Lebzelter in vnserer frauen Gottes 
acker^) geführt, in welchem sonderlich der Michael Ayrer'^), gold- 
schmid, ain schönes epitaphium hat, vnd mit seinen 2 weibern 
vnd 14 kindern, so natürlich auf die maur in frescho abge- 
contrafetet ist, das von ferne vnd in der nähe ainer änderst nit 
mainet, dann das sie lebendig da stunden, vnd ist die ganze 
Zinne vmbher schön vnd wol gemahlt, welches gemähl mich 
mahnet an die berhümte mahler, Apellem Coum, welcher (als 
Alexander [Fol. 458 v.\ zu Epheso) auf ainer grosen tafel seine 
von ihm gemahlte bildnus mit Verwunderung meditierte, vnd ain 
lebendiges pferd hinein geführt wurde, das beym Alexandro ain 
natürlich contrafettetes pferd stehen sähe, gegen demselben zu 
hinieren, zu reinseien oder ZU schreyen, vnd mit den füssen gegen 
ihm zu stampfen anfienge, sagete^) : [Folgt der Ausspruch. 1 Vettere 
BemerliUJigen über Apelles, L. Manlius, Parrhasius und Zeuxis, 
Protagenes. Deutsches Fpitapli der Anna Rudolffi?i.] 

[Fol. 459 r.] Die kirchen ist auch voller epitaphiorum, wirt 
alle feyrtag darinnen geprediget, ohne die leichpredigten. 



1) Sein Portrait stach 1G30 Lucas Kiliau. Drug-ulin Nr. 4780. Das Bildnis 
ist in W 2 und W 3 eingeschaltet. 

■2) Weck pag. 254. Der Kirchhof lag an der Rampischen Straße. 

■') Nagler K.-L. I, 211 nennt einen Hofseidensticker dieses Namens. 
1539 — 1582 lebte er und gehörte zu einer auch sonst künstlerisch bedeutenden 
Familie. Da der Goldschmied M. Ayrer erst 1035 starb, so liegt hier ein Versehen 
Hainhofcrs vor. 

■*} Aelian, v. h. II, 3*, h. a. IV, 50. Brunn, Gesch d. griech. Künstler II, 142. 



— 230 — 

In der sacristey gehet man auf die stainerne canzel, vnd hat 
es hierinnen auch ainen schönen staininen altar, vnd aine feine 
orgel. ^Mittagessen bei Lebzelter. — Am 7. Octob. Predigt im 
Schlosse. Gespräche mit Schlossbeamteji. Gesellige Zusammoi- 
kiinfte bei H., bei dem kurfürstlichen Kammerdiener Reinhart ; 
am 8. Octob. wieder bei IL Die Priiizen besichtigen LL's großes 
StammbucJi und lassen H. zum Essen zu sich bttte?i.^ 

[Fol. 460 V.] Vmb 5 vhren giengen mit Herren Pflügen wir 
alle vier gen hof in den dritten gaden hinauf zu den Durchleuch- 
tigen vier Jungen Princen : welcher F. F. F. Frl Ci. G. ü. Gn : 
sampt Ihrem Hofmaister, Herren von Wazdorf, den Junckern, 
vnd Cammerdienere Klediz, vns gar gnädig vnd fraindlich 
empfiengen. 

Als wir bey ainer viertel stund mit ainander conversierten 
trüge man die speisen auf. [Platzordnung an der prinzlichen 
Tafel.] 

\L^ol. 461 /'.] Der ältere Prinz, dem ich zur rechten säße, 
hatte gutte conversation mit mir von der mahlerey, von federrüssen, 
von der Musica, von kunstkämmern vnd andern anmutigen sachen. 

[Fol. 461 vi\ Bey der mahlzeit höreten wir aine liebliche 
Musicam auf ainer harpfen, vnd auf ainem gar langen neuen 
Instrument, ainer harpfen lauten'). [Rühmende Bemerkungen 
über die vier Prinzen. Spät abends Heimkehr des Ldirfürsten. — 
Am 9. October] [Fol. 462 r.] haben wir in der hofkirchen das 
festum S '}' Archangeli }\Iichaelis celebriert. 

Der Churfürst gienge dato in ganz grün seidinem Zeug 
klaidet, weisse lange feder vmb den hut, die 4 Prinzen blau : die 
Chuifürstin schwarz, die 2 fräulein in blaw telleta geklaidet. 

[Fol. 462 v.\ \Den Gesandten wird am Vormittag der 
kurfürstliche Bescheid schriftlich mitgetheilt, dahin lautend, 
man solle sich in Geduld fassen, der Kurfürst zverde sein 
Möglichstes thun. yoacJmn v. Loss lädt die Gesandten ein, 

') Ein solches Instrument, welches thatsächlich aus einer Laute und einer 
kleinen Harfe zusammengesetzt erscheint, ist abgebildet in Michael Prätorius, 
Syntagma musicum, Theil IT, Tafel XXXVI. Dies Werk (in 3 Theilen) ist immer 
noch das Beste, was in Bezug auf die Musikinstrumente jener Zeit bis heute 
existiert. (Es erschien zu Wolfenbüttel, 1()14 — 1618. Neudruck von Unger, Berlin) ; 
auch für die jetzt sogleich folgende Instrumentenaufzählung ist es von größter 
Wichtigkeit. Die meisten hier genannten Instrumente sind dort im zweiten Theile 
abgebildet, worauf ich hier im allgemeinen verweise. 



— 231 — 

sein ..dir Italiana" erbautes Landhaus nebst Garfe/i zu besich- 
tigen. Besuch des Hofpredigers Ho'e bei H. Ankunft vo?i 
brandenburgischeji tind pomnier sehen Gesandten. Über des 
Ktirfürsten Fleiß. — Am 10. Octob. Besuch der Reitschule, 
7V0 die Prinzen sich üben. Über die Raubvögel, welche dort 
gehalten zverden. Aiiekdotoi, darunter iiber den Hofnarren 
Hennike^i^ 

[Fol. 465 v.\ Von dannen sein wir in äussern schlosßhof in 
ßten gaden hinauf (veber aine stainine terrazza oder altanen mit 
ainem 8 eckichten rondel vnd staininen runden tisch darinn, vmb 
in dem sommer darob zu essen, vnd guten lufft zu empfahen, 
als wie ich zue Insprugg in Ihrer Hochfrl. Drl. schlos, oder 
Erzherzoghchen residenz auch dergleichen gesehen habe,) ') in die 
pfeiffen vnd instrumentkammer gangen -). 

In der pfeiffenkammer •') hat vns Thomas Dax, Musicus 
& custos diser musicalischen instrumenten, mit noch 2 andern 
aufwartern gezaigt : 

Ain octav posaun, die sie für rara halten. 

Ain quint- terz- tenor j 

Etliche klaine discant j Posaunen^). 

Etliche bomar"^). Dises sein lange vnd kurze hilzine pfeiffen. 
Aine schallmaven. Etliche Türckische streitkolben vnd axten mit 
pfeiffen. Etliche cornet'M. Zwayerlej bäugglein mit schellen vnd 
cimbalis. grose tiutten. Ain dreyangel mit schellen. [Fol. 466 r.\ 



') Hainhofer meint den sog. umlaufenden Tisch in einem Gartenpavillon 
zu Schloss Ambras, der auch auf Merians Abbildung mit dargestellt ist. Vgl. 
Innsbr. Relat. 

'^) Für das nun Folgende vgl. außer dem schon genannten Buche von 
Prätorius noch die Encyklopädie d. gesammten musikal. Wissensch. von G. Schilling, 
Stuttg. 1835 ff. 

■\) D. h. der Raum für Blasinstrumente. Allerdings gab es darin auch 
anderes. 

"*) Heute gibt es nur Alt-, Tenor- und Bassposaunen, deren letztere wieder 
in Quart- und Ouintpos. zerfallen. Abbild, einer Octavposauue bei Prätorius^ 
Theil 11, Tafel VI, Nr. 2. Andere Posaunen daselbst Tafel VIII, Nr. 1—4. 

''j Eigentlicher Name : Pommer (bombardo). Prätorius Taf. VI und XL 

^) Für gewöhnlich Zinken genannt, ein heute ganz veraltetes Instrument 
von gekrümmter Form. Gerade Zinken (stille Z.) s. unten Prätorius, Taf. VIII. XIII. 



— 232 — 

Fagotten. Passemblen ^). Acht stammen stimmpfeiffen, iede-) nur 
mit 3 löcheren. BäuggHn vnd ain pfeiffen zusamen, das man mit 
der ainen hand pfeiffet, vnd mit der andern baugget. Neue inven- 
tion mit stecken, an welche man oben aine aufgeblasene schwein- 
blasen bindet, vnd an die stäb (so wie die handbögen sein) 
3 saiten anmachet, veber die blater oben spannet, mit ainem 
fidel darauf geiget, oder schlegt, vnd ainen wunderbahren sonum 
oder tonum aus den blatern vnd auf den saiten geben sollen'^). 
Etliche geigen. Hilzin gelächter, welches man auf stroobauschlein 
leget, vnd mit 2 schlegelein darauf schlegt^). Ain messine vnd 
aine hilzine zitterlautten "'), auf denen Ihre Churfr. Drl. in Ihrer 
iugend gespilt haben, wie dann Ihre Drl. die music noch gerne 
hören, vnd sonderlich der ältere Prinz sich auch derselben fast 
delectieret. /\ine geigen, deren bauch von ainer Indianischen nus, 
aber mit menschenhaut bedeckt ist, 3 saiten darüber gezogen 
sein, hüpsche fidelbogen hat. Klaine läutlein. Etliche violen. 
\'ier helffenbainine cornet, mit silber beschlagen, 2 schöne geigen 
vnd 1 lautten, aller mit perlenm.utter ein- \Fol. 466 v.] gelegt, 
die dachstern*') mit stainen gezieret. 1 Schone weisse helfen- 
bainine Paduaner lauten, an dero ich,, als ich nur ain wenig 
darauf geschlagen, lieblichen resonantz gefunden. Indianische 
geigen. 1 gar grose baßgeigen. 2 Italianische lyren. 1 Teutsche 
gemaine lyren. 2 harffen. Teorben *). Tapas - ), auf dessen saiten 

') Gemeint sind die sog. Bassanelli, genannt nach Giov, Bassano aus 
Venedig; Blasinstrumente, die in der Mitte zwischen Flöte und Fagott stehen. 
Prätorius, Theil II, pag. 30 f, sowie Abbildungen der vier Arten (Bass-, Tenor-, 
Alt- und Discant-B.) auf Taf. XII, Nr. 1—3. 

2) vS: allain. — Gemeint sind hier die Stamentien-Pfeifen, die auch, wie 
die Abbild, bei Prätorius Taf. IX zeigt, mit einer Trommel verbunden Averden 
konnten. 

'j Derartige Instrumente, die noch jetzt bisweilen zum Scherz construiert 
werden, dienten natürlich nicht bei ernsthafter Musik. 

■*) Holzharmonika. Vgl. oben. Bei Prätorius Strohfidel genannt. Taf. XXII, 
Nr. 3. 

^) Sogen. Chitarra battente, welche nicht mit den Fingern, sondern mit 
einem Piektrum angeschlagen wurde. Sehr häufig auf (besonders italienischen) 
Gemälden und Kupferstichen der Zeit. Vgl. Prätorius, Taf. XVI. 

'') Die Schalllöcher, deren Rand vorzugsweise mit kostbaren Verzierungen 
bedacht wurden. 

') Große Bass-Lauten ; heute veraltet, erfunden angebl. von einem gewissen 
Bardella. Prätorius, Theil II, pag. 52. Abbild, auf Taf. XVI. 

^) Verschrieben aus Tapon. Indische Trommel, 



— 233 — 

man mit ainem sammetinen kleppel schlegt, vnd ain Indianisch 
instrument ist. Krumm hörner pfeiften. Flug flatten. Stille cornet'). 
grosse querpfeiften. klaine querpfeiffen. Raketpfeiften, so gar kurz, 
aber dick, runds vmb \oller löcher sein, vnd so tieft klingen, als der 
grosse pommer-). 2 schöne helffenbainine beschlagene cornet, 
aus ganzen stucken, in Italien gemacht. Flott oder satyr pfeiffen, 
wie die orglen -^j. Aine andere art von sat^'r pfeiffen, welches ain 
Türckische art ist, wie ain bretlin voller löchlen. Auf 2 gesümsen 
stehen 14 berhiimter capellmaister vnd componisten contrafette, 
als des \Fol. 407 r.\ Andreae Gabrielj ^), Filippo del Monte •^), 
Gioanni Gabrieli*^), Cyprian de Rore '), Claudio Montevertu ^), 
Orlando de Lasso''), Alessandro Stuchio ^"\ Adrian Willart ^^), 
Gioannj Croce ^-), Claudio Merulo ^^), Alessandro Orologgio '*), 



') Sogen. Corneto muto, sanfte Zinken. 

'^) Sie haben einen Umfang bis zum Contra-F. Prätorius Theil II, pag, 39 f. 
Abbild, auf Taf. X. 

3) Papageno- oder Pansflöten. 

■*) Geb. 1510, t 1586 zu Venedig. 

^) Geb. 1521 zu Mons im Hennegau oder zu Mechelu, f \\'ien 1603. 
War Kapellmeister Maximilians II. und Rudolfs IL 

^j Geb. Venedig 1557, Organist an der Kirche S. Marco, j 1613. Neffe 
des Andrea Gabrieli. Vgl. Winterfeld, Joh. Gabr. und sein Zeitalter, Berlin 1834. 

") Geb. Antwerpen 1516, Kapellmeister an S. Marco in Venedig, j Parma 
1516. Winterfeld pag. 114 ff. Maillinger, Bilder-Chronik v. München I, 11. 

") Cl. Monteverde, geb. Cremona 1567, besonders verdient um den Musikstil 
und die Kunst der Instrumentation, Kapellmeister an S. Marco, j 1649. 

^) Eigentlich Roland de Lattre geb. zu Mons im Hennegau 1520, der 
größte Schüler der niederländischen Musikschule, deren letzter Vertreter er zugleich 
war. Wirkte in Rom und München, t 14. Juni 1594. Vgl. Delmote, Xotice 
biographique sur Rol. de Lattre, Valeuciennes 1836. Taschenbuch f. d. Vaterland. 
Gesch. 1854, 1855 von Hormayr pag. 163 ff. 

'^j Aless. Striggio, geb. Manlua, ca. 1535, wirkte in Florenz und Mantua. 

") A. Willaert, geb. ca. 1480 in Brügge, seit 1527 Kapellmeister au 
S. Marco in Venedig, Lehrer des A. Gabrieli und Cyprian de Rore, f Venedig 1562. 

'^) Gen. Chiozzotto, gebürtig aus Chioggia, war seit 1603 Kapellmeister 
an S. Marco. Winterfeld pag. 52. 

'•*) Geb.- in Correggio, ausgezeichneter Componist, war in der 2. Hälfte 
des 16. Jahrh. beim Herzoge von Parma, ca. 1585 beim Landgrafen Moriz von 
Hessen, endlich in Wien thätig, f ca. 1630. 

'■*) Fünf- und sechsstimmige sog. Intiade von ihm erschienen 1597 in 
Hclmstädt. Zedier, Univ. -Lex. XXV, 1974. 



— 234 — 

Gioan Peters '), Asmus deKlain-). Diser letste war kain compo- 
nist, aber sonsten ain gutter musicus. 

Des Churfürsten Capellmaister Hainrich Schüz^) ist ietzt 
in Lombardia, noch mehr musicaHsche instrumenta einzukauffen. 
EtHche vnder disen Capellmaistern haben sich avanziert vnd was 
erobert; ctHche aber bey allen ihren künsten sein arm bliben. 
[4 ifalii'7iische Verse.] Etliche auch vnder ihnen mortui sunt 
morte Catoniana. 

In der schlagenden instrumentkammer^) sein auf vnder- 
schid- I Fol. 467 v. \ liehen tischen vnd langen tatien sehr vil 
instrumenta, als vnder andern : 

Ain Instrument, auf welchem ihre 3 zumal schlagen können, 
auf dreyerlej clavier, iedes auf ainer besondern selten. 

Ain instrument, vnd blaspfeiffen darbey mit ainem auf- 
gesteckten Stern, den der wind von ainer absonderlichen pfeiffen 
im schlagen vmblauffen machet, wie bey den 3m:igis im Evangelio^). 

Ain clavier instrument mit 42 glögglen, sehr lieblich. 

Ain instrument mit 2 lidernen riemen am hals zu tragen, 
vnd im gehen auf dem clavier (so oben offen ist) zu spilen. 

Ain langer tisch oder tafelkasten, darinnen ain bestecktes 
selbs spilendes wellenwerck ist. 

Ain instrument, dessen besaitetes corpus^ wie aine harpfen, 
in die höhe aufgerichtet ist, vnd das clavier vnden hat^). 

Ain instrument wie aine baßgeigen, deren krummen kragen 
ainer an die lincke achsel hänget, vnden ain vmbschlag bretlin 
aufrichtet, so das instrument ain wenig vom leib hinaus stehen 
machet, vnd man dann auf dem clavier spilen kan. 



') Johannes Petrejus, Musikaliendrucker zu Nürnberg, f 1550. 

2) Bisher unbekannt. 

3) Genannt Sagittarius, geb. Köstritz im Vogtlande 5. Octob. 1585; schrieb 
die erste deutsche Oper Daphne (aufgeführt in Torgau 1627); organisierte die 
Kapelle des Kurf. von Sachsen nach Art der italienischen, f Dresden 6. Nov. 1672. 
(Vgl. Winterfeld, Gabrieli und sein Zeitalter.) Zur Zeit von Hainhofers Anwesen- 
heit weilte er durch die Kriegsunruhen vertrieben in Venedig, von wo er 1631 
für kurze Zeit zurückkehrte. 

■*) Zimmer mit Instrumenten, die geschlagen werden, Ciavieren u. dergl. 

•^) Es ist ein Orgelwerk gemeint. 

^) Ahnliche Ciavierharfen werden auch heutzutage wieder gebaut, z. B. 
von Dietz in Brüssel. Zu Hainhofers Zeit hieß ein solches Instrument Clavier- 
cytherium. Abbild, bei Prätorius, Taf. XV, Nr, 1. 



- 23b - 

Ain Instrument,, das man mit den bänden creuzweis schlagen 
mues, weil der discant zur lincken, der bassus aber zur rechten 
band stehet, vnd also gepsch mit saiten bezogen ist. 

Ain instrument mit 2 clavier, auf das ihrer 2 zugleich spilen 
künden, vnd sein dise so mancherlay inventiones [/v?/. 408 r.] 
von musicalischen pfeiften vnd instrumenten treflich wol zu sehen. 
I Gastmahl bei H.^ Ankunft von Gesandtoi atis Leipzig. 
Gespräche mit diesen nnd den pommer sehen Gesandten?\^ 

[Fol. 468 7'.J Disen vormittag haben wir noch in S:^^^ Sophiae 
kirchen \) hin vnd wider in der höhe gesehen, etlicher Ritter vnd 
Kriegsleuthe \FoL 469 r.\ aufgehengte wappen, schilt, helmlin, 
hämisch, handschuch, Schwerter, dolchen \nd fahnen, als \'nder 
andern Herren : Caspars von Schönberg. Obristen Hainrich von 
Günthers^), Centurij Pflugs, bey dises schilt auch sein Regiment- 
stab, Christian Brandstains, Hauptman Barthel Brands, Hans Jeorgen 
von Osterhausen, Rudolphen von Carlewiz, Georgen von Bindauf 
Chursächsischen Stallmaisters. Diser ist darbey lebengrösse gecon- 
trafettet, Hainrich Schencken Hofleutenampts. [Sprich^vort zur 
Kritik ihres JJ'^esens.] 

Noch haben schöne epitaphia"^) an den säulen Herren: 
Doctor Derre, Richter, Michael Richter, Kriegscommissarius, 
Stellanus von Holzendorf^\ 

Bey dem eingang der kirchen ligen Herr Bernhart von 
Pölniz ige wesener Chur Sächsischer Canzler vnd Hofrichter 
[Fol. 469 7'.] beym Scheppenstul zu Leipzig) vnd seine frau 
neben ainander, rund in weissen stain gehauen auf dem tumulo 
als wie in ainer bettstat, zu haupten Justitia, vnd zu fussen fides 
stehent. Bey diser begräbnus ist zwar zu taflen vnd schilten 
spatium gelassen, aber noch kaine schrifft darbey. Mein gewester 
alter fraind Nasonius (^der laut meiner Pommerischen relation 1<>17 
mir vil ehr erwisen) •*) hat auch in der kirchen an ainer saul, in 

') Über die Sophienkirche vgl. Weck pag. 255 ff". 

'^) Hieß eigentlich Günterodt, y 1614. Über viele der hier genannten 
Personen, welche sämmtlich in der Sophienkirche beigesetzt waren, spricht AVeck 
pag. 261 ff". 

•*) Über die Grabmäler daselbst vgl, Oettrich, Richtiges Verzeichnis derer 
Verstorbenen nebst Ihren Monummenten und Epitaphien in hiesigen Kirchen 
zu St. Sophien. Dr. 1711. 

■*) Weck pag. 259 f., wo die gesammte Inschrift dieses Epitaphs. 

•^) Vgl. Balt. Stud. II, 136. 



— 236 — 

stain gehauen, ain gar schönes epitaphium, vornen hero ganz 
rund ain sehr künstlichs Ecce homo, zur rechten selten dises 
Christi knuet (di basso rihevo ghauen), Er mit der vnderschrifft : 
Joannes Maria Nasonius Lugonensis, Italus natus^), 
Sereniss : August : Christiani -) & Johannis Georgij Electorum 
Saxoniae architectus, fragilitatis humanae memor, in 
spem beatae resurrectionis vivens, sibi & tribus uxoribus ^). 
Auf der andern seiten sein seine 3 weiber auch di basso 
rilievo in stain gehauen ^). 

Vor der kirchen heraussen sein auch schöne eingefasste 
epitaphia (als wie die sacellen mit altären sonsten gebauet sein) 
haben schöne geflochtene eysine gätter vor, vnd ist vnder andern 
des Christian Feichenhauers Cammerraths epitaphium wol zu sehen. 
\Lateinische V^erse.\ 

[Fol. 470 r. I Dise S. Sophiae kirchen wäre zur Zeit des 
Papstumbs ain Barfüsser closter-''), genannt zu den^) brüdern, 
welche tempore Elect: Mauritij, gutwillig vnd aus aigner bewegnus, 
als wie A"? 1524 zu Augspurg die Carmeliter vnd Franciscaner 
Münche, zue der Augspurgischen confession sollen getretten sein 
vnd dise kirch von des ietzigen Herren Churfürsten frau mutter, 



' ) Hainhofer lässt Verschiedenes fort. Hier zunächst : Anno C. M. D. ^I. XLV. 
Mali. Übrigens ist die ganze Inschrift in Majuskeln ausgeführt. 

2) Fehlt: primi, Christiani II. 

^) Soweit der Inhalt der Tafel unterhalb der Figur Xossenis. Unterhalb 
der Gruppe der drei Frauen geht der Text so weiter: Elisabethae na: XVII. 
Jul: Ao. C. M. D. LVII. Defunctae XIIII. Febru: Ao. C. M. D. XCI. Christianae 
na: XXV. Decem : Ao. C M. D. LXXV. Denatae XXX. Nov: Ao, C. M. DC. VI. 
Annae Mariae superstitinae III. Febru: Ao. C. M. D, LXXXIX. Hoc monumen: 
poni curavit. M. Sept: Ao. C. M. DC. XVI. Der Text beweist, dass die zweite 
Tafel (und somit auch die erste) erst nach Nossenis Tode angebracht wurde. 

•*; Beim Umbau der Sophienkirche (1864 — 1875) wurden die leider be- 
schädigten Reste dieses schönen Epitaphs in der Taufkapelle untergebracht. 
Daselbst auch der Ecce homo, ein AVerk von Nossenis Schülern Hans Walther 
und Hegewald. Ein Vergleich mit den Gruppen des unten erwähnten Altars 
zeigt, dass Nosseni, der bereits vier Jahre vor seinem Tode (er starb 1()20) an 
die Errichtung seines Grabmals dachte, die Figuren seiner selbst und seiner drei 
Frauen selber gearbeitet hat. Sie sind im ganzen gut erhalten, nur die Finger 
haben stark gelitten. Über Nossenis Grabmal vgl. aucli Oettrich pag. 117 ff. 

5) Die ältesten Theile stammen von 1230 und 13.51 — 1357. 

'•j Grauen. 



— 237 — 

frau Sophia M, aus Churfürstlichem Brandenburgischem stamen, 
nach Ihrem taufnamen Sophiam genennet, vnd den schönen 
staininen altar, so ?■ fl gecostet, hinein verehret haben-). 

\'on Kirchen in diser Churfürsthchen residens Statt sein die 
Hofcapell. ... 

\FoL 470 r.] In der kirchen zum H. Creuz, mit dem 
grossen thurn, so die Stattkirch ist, prediget der Superintendens, 
Herr Doctor iEgidius Strauch ^), vnd 4 Caplan. . . . 

In vnserer Heben frauen kirchen h ist Stattprediger M. Chri- 
stianus Zimmerman . . . sein also in der Statt drey Hauptkirchen: 

1. Zum H. Creuz mit dem grossen thurn: 

2. vnser Heben frauen : vnd 

3. S^^-^ Sophiae kirchen ; zu samt der Hof Capellen '"'). 

Vor dem Birnischen thor ist die begräbnuskirchen zu 
St. Johannes''), darinnen man nur leichpredigen haltet. 

Vor dem ^^'ilsdorfer thor an der Riz '), ist St. Annae 
kirchen "), welche Churfürsten Augusti des alten, gemahlin, frau 
Anna (alias mutter Anna genannt) aus Dennemärck- [F'ol. 471 r.] 
ischem stammen, bawen lassen. . . . 

Die Spitalkirchen zu St. Bartholome '•^) ist an der Entenpfüzen, 
also genannt, weil vil gäns vnd enten sich da baden. . . . 



') Die Kirche Avurde von der Kurfürstin 1602 erneuert. IßlO wurde sie 
zur Stadtkirche gemacht. 

'-*) Von diesem Altar befinden sich zwei sehr schöne figurenreiche Hoch- 
reliefs, in einen späteren Altar eingefügt, jetzt in der Sacristei. Sie sind von 
Nosseni angefertigt (wunderlich, dass Hainhofer dies vergisst!) und stellen dar: 
das obere (Marmor) die Kreuztragung, das untere (Alabaster) die Kreuzabnahme, 
Die Figuren sind sehr kräftig und ausdrucksvoll. 

3) Starb 1657, AVeck pag. 228. Vgl. M, Chr. Schlegel, *Kurtze und rich- 
tige Lebensbeschreibungen der ehemals ... in Dresd. gewesenen Herren Super- 
intendenten« (Dresd. 1697) ; auch J. P. v. Schönthal, »derer gesammten Evan- 
gelisch-lutherischen Herren Superintendenten zu Dr. Leben und Todt« (Dr. 1736) 
gibt über ihn und mehrere andere hier genannte Geistliche Auskunft. 

•*) AVeck pag, 245 ff. — Die alte Frauenkirclie, an deren Stelle 1725—1745 
der Bähr'sche Neubau trat, war 1080 gegründet. 

5} Weck pag. 255, 

6) Weck pag. 273. 

*) D. i. Weisseritz. 

^) Als Stiftung der »Mutier Anna«, 1578 erbaut, beim Bombardement 
1760 verbrannt, Neubau 1766 — 176i) durch Schmidt. Weck pag, 266 ff. 

•') Weck pag. 271 f. Sie war 1519 erneuert wortlen. Au iliren Namen 
erinnert noch heute die unbedeutende Bartholomäistraße, 



— 238 — 

An der alten Statt Dresden ist aine kirchen, zue den hay- 
ligen 3 Königen • • • {Ankunft von Gesandfoi ans Nür7therg. 
AbschicdsniaJil bei Reichhrod.\ \'nd die Churfürstin mir ainen 
schönen grosen Brettstain auß Ainhorn, darein ain erbebter cen- 
taurus gescbniten, zu bauß gescbicket vnd gst verebret, welcber 
aus Augustissimi Imperatoris Rudolpbi kunstcammer kommen 
solle. \^Uber eine Muinmerei im Schlosse, März 1629. Erinnerung 
an eine äJuiliche zu Stettin 1617. Abschied von Kinsky. Über 
das Treiben der IValtenstei/iischen Armee in Pommern. Die 
Gesandten wünschen abzureisen, werden aber durch das Hoch- 
wasser der Elbe daran verhindert. Einladung zum Gastmahle 
beim Kurfürsten. Über die Posttage zu, Dresden. Am 12. October] 
[Fol. 477 r.] nacb 11 vbren bat Herr Lebzelter den Herren 
Österreicbern vnd micb gen bof gefübret, in der anticamera auf- 
gewartet, vnd als wir ain weil am fenster mit etlichen Cammer 
Junckern conversierten, vnd ganze wägen voll bolz zur kuchin 
[Fol. 477 v.^ führen sahen, da dann sonderlichen gegen dem 
winter bey bof täglich 85 feur gebrennet, vnd sehr vil bolzer 
verzehrt werden, Ist der Herr Churfürst nur in liosen vnd 
wammes mit ainem schwarzen stäblin in der band vnd sein but 
mit weissen federn ob dem baupt, mit etlichen seiner berren 
heraus kommen auf die pastey vnd vöstung gangen, vnd Selbs 
gesehen, wie hoch die Elb gewachsen, vnd das sie nun von 
8 vbren morgens, wie Herr Pflug geobservieret, bis letzt 1 1 vbren 
mittags 2 elen hoch gestigen, veber die schieslöcber an den 
mauren binausgangen, in Ihrer Drl. vndere stallung vnd in die 
keller gelauffen, im fashaanen garten das geflügel alles ersäufft, 
den Cburfürstlichen gartten gantz veberschwembt. [ Weiteres über 
das Hochwasser. Über eine bei ei^ier Überschwemmunor zu Weimar 
daselbst gehaltene Predigt^ ^). 

[Fol. 47 i) r.\ Wie Ihre Drl. von der vöstung wider in Ihr 
Zimmer gangen, hat man vns in die tafelstuben geführt, in 
welcber auch die Brandenburgische vnd Pommerische gesanten 



'j AVeck pag. 274 ff. — Die heulij^e Dreikönit^skirche iu der Neustadt 
stammt von 1732. — Am Sclilusse dieses die Kirchen behandelnden Abschnittes 
sei darauf hingewiesen, dass Hainhofer die St. Jakobskirche, welche vor dem 
"VVilsdruffer Thore lag (Weck pag. 271) und zum gleichnamigen Hospital gehörte, 
auslässt. 

2) Untere Hälfte von Fol. 478 r. leer. 



2P>9 — 

stunden^). Darnach kam der Churfürst in Hecht grau geklaidt, 
den mantel mit silbernen passamenten hcch verbremt, raichte 
den gesannten die band, stellete sich hernach allain oben bey der 
tafel, bey dessen füssen das Bologneser hündlein tieissig auf- 
gewartet. Bald -) ist die Churfürstin mit den 2 Churfürstlichen 
fräulein kommen, die haben sich auch zur tafel gestellt, hierauf 
hat man den Chur: \FoL 479 v.] vnd Fürsten personen vnd den 
gesannten das handwasser gegeben, ain edler knab das benedicite 
gesprochen, der Ober Marschalck zur tafel gesetzt, vnd vom Chur- 
fürsten den mantel vnd hut genommen worden. \^Plafzordiin)ig 
an der kurfü?'s fliehen Tafel, 7üo uierna7id- redet als der Chur- 
fürst, und iven er direct ansprieht.\ 

[Fol. 481 r.\ Vnder wehrender mahlzeit haben wir aine 
liebliche tafelmusic gehört, erstlich im eingefasseten erckerstüblein, 
musicam vocalem, darnach vor heraussen, vocalem & instrumen- 
talem : aiif ain clavier vornen mit 1 register auf der rechten Seiten 
mit 4 vnd auf der lincken mit 5 Registern. Item auf aim langen 
cypressinen instrument, so man ainfach wie ain instrument, doppelt 
aber wie geigen vnd harffen kan iehen machen, auch ain octav 
darbey hat. Darnach auf der grossen baßgeigen allain, auf der 
harffen lauten allain. Ainen der mit ainer band geiget, mit der 
andern pfeiffet, vnd also etliche gläslein sein hinein gepfiffen, vnd 
anderer Hochen Potentaten gebrauch nach, hospitum animj fidibus 
sein mulciert worden. 

Ihrer Drl. vornemste musicanten haissen : Wilhalm Günther, 
Augustus Tax, dise baydn excellieren auf allen instrumenten. 
Johannes Preus, Anglus, diser spilet auf der viola di gamba, vnd 
pfeiffet wie gemelt zugleich mit der rechten band auf ainem 

Englischen pfeifflin, habe ihne Ao 1615 zu Stutgart auch also spilen hören •■^). 

Elias Püncker '), harpfenist. Ernst Trost, diser colloriert auf der 



'} Hier in AV 2 und AV 3 eingeschaltet : a) Bildnis Wallensteins. AVolf. 
Kilian excud. Kpf. in 8. Drugulin Nr. 23.332. b) Brustb. des Joh. Chr. Ölhafen 
V. Schöllenbach. L. Kilian 1630. Kpf. in 4 Drugulin Nr. 15.243. c) Eine ge- 
tuschte schlechte Federzeichnung, darstellend allerlei speer- und morgensternartige 
Gebilde, die 1G29 vom Himmel gefallen sein sollen, d) Nur in W2: Bildnis des 
Phil. Nicolai, D. theol, zu Hamburg. Anon. Kpf. in kl. 8. Drugulin Nr. 15.024. 

'^) -1,9): darauf. 

^) Vg^- iß Jcr Einleitung den Inhalt der \Vildbad-Relatiou. 

•*) W 2 : Päucker. - Statt der hier und im Folgenden genannten Musiker 



— 240 — 

klainen Posaunen \FoL 481 f.], was ihme mit Zincken vnd geigen 
wirt furgespilt. Johann Kottwiz, Greger Hoyen, Instrumentisten. 
Johann Miller, hoforganist. Vnd sollen Ihre Drl. wol in die 
40 Musicanten in bestallung haben . . . \Schluss des Gastviahls. 
Nach Forfga/ig des Kiirfürsten beginnt ein Zechgelagen^ Herr 
Österreicher vnd Ich aber . . . S^FoL 482 r.] \sind\ zu der gsten 
Churfürstin in Ihr cabinet gangen, Ihrer Drl. ainen schönen 
grossen in gold gefasseten lapidem lazoli mit grosen perlen geziert, 
vom Anthonio Mozart ^), mit 4, als 2 aus dem alten vnd 2 aus 
dem neuen testament gemahlten gaystlichen historijs, gemahlet 
vnderthänigst verehrt, vnd Ihre Drl. gehorsamst gebetten, [Filr- 
sprecherin bei ihrem Gemahl zu sein, damit dieser beim Kaiser 
zu Gunsten der Protestanten tjiterveniere. Abschied von der 
Kurfilrstin, Abendmahlzeit mit den brandenburgischen u?id 
pommer sehen Gesandten bei Lebzelter. Reich mit lateinischen 
Versen durchsetzte Gespräche. — Am 13. October Hinrichtung 
einer Giftmischerin. Abschied von dem dichtkundigen Secretär 
Seuss. Diesem, 7velcher\ darnach mein Stammbuch zu sehen be- 
gehrte, vnd seine gedächtnus mir auch darein verehrete, die Hand 
gekusset. 

ypol. 484 V.] [Gespräch über die Gegenreformation zu 
Augsburg. I 

[Fol. 48d v?\ Adj 14. octob : giengen wir vmb \ sechs vhren 
in die hofkirchen . . . Vnden in der kirchen^ in zway eckwincklen 
zu bayden seiten des altars, wurden gestern abends in forma 
aines wünckelmas 2 oratoria oder cabinet mit grünen angestri- 
chenen gättern vnd in die gränz gesezte Churfürstliche wappen, 
iedes cabinet mit 2 thüren, aufgemachet^ innen mit teppichen 
bedecket. 



erwähnt Hasche (Dipl. Gesch. v. Dresd. pag. 143) einen Harfenisten Christian 
Ranisch, der 1031 au den schwedischen Hof übersiedelte. 

') Vgl. über ihn Stetten, Kunst-, Gewerbs- u. Handw.-Gesch. v. Augsb. 
pag. 283, Nagler K.-L. IX, 53G. Ilg. u. Böheim, das k. k. Schloss Ambrass 
pag. 12G. Quellenschr. H. F. A'I, an vielen Stellen. 

'^) Bischof war damals Heinrich V. von Knörringen (l,ö98 — 1646). Er resi- 
dierte gewöhnlich in Dillingen. Vgl. auch Häutle pag. 155. 

3) Der Kurfürst sendete wirklich eine Bittschrift an den Kaiser ab, die 
aber einen Erfolg hatte, welcher dem gewünschten entgegengesetzt war. Theatr. 
Europ. Band II. 

4) 1580—16.32. 



— 241 — 

[Fol. 486 r.\ In der kirchen be}' den thüren, oratorijs, altare 
stiegen, vnd auf den entboorkirchen warteten die trabanten auf 
mit helleparten, in schwarz vnd gelben weis ausgezogenen Schweizer 
hosen, vornen mit kumpffeten braiten läzen, gelb atlasinen wamm- 
sern schwarz cordowonischen gollern, schwarz hochen sametinen 
baretern mit gelben binden, vnd weissen federn. [Auf zähhing 
der Theilnehmer . . .M] 

Auf dise kamen die 3 altern Churfürstliche Prinzen, in 
schwarz silberner telletta, vnd schwarz sametinen hochgeborteten 
mäntelen geklaidet, diemantschnürlein vmb die hüte, darnach der 
Churfürst auch schwarz geklaidt, mit hüpscher diemant schnür 
vnd kleinoth auf dem hut-) ... 

Die Churfürstin auch schwarz geklaidt, in zöblinem gesticktem 
mäntelin, schönem halsband vnd auch ainer Diamantkettin. Auf 
Ihre Drl. giengen die 2 Churfrl, Princessinen, wie Ihre [Fol, 486 v.] 
brüder, in schwarz silbernen teletta geklaidt, schwarz sammetine 
mit silber gestickte mäntelen, vnd schönen halsbändern . . . 

Auf dem Altar brannten 2 wachsliechter auf silbernen 
leuchtern, welche 2 silberne engel in händen tragen. Der altar 
wäre behengt mit auf schwarz sammet hochgestückten vnd 
mit stainen zierten resurrectione Christi. Patina & calix sein 
silberin vergült. Vor dem altar stehet der Caplan in hoch- 
gestücktem ]\Iei3gewand, deren oben gedacht worden 3). . . . [Folgen 

die beiden gesungeneii Lieder. Predigt des Dr. Ho'e, Freier des 
h. Abendmahls unter Theilnahme des ganzen Hofstaates. Ein 
drittes Kirchejilied. Theologische BetracJitiingen. Auslegung 



') Hier in AV 2 eingeschaltet a) das Brustbild des Barons v. Raknitz und 
Pernek, kaiserl. Kammerherrn. Luc. Kilian, 1629. Kpf. in 8. Drugulin Xr. 16.751. 
— b) Etwas weiterhin bei Schilderung des Gottesdienstes, Flugblatt in Fol. mit dem 
Brustbild des Generalsuperintendenten Joh. Arndt, f 1621 zu Zelle. Anon. Kpf, 
in 8. Unten gedruckte deutsche Verse. Drugulin Nr, 587, 

■^) Eine ganze Anzahl von seinen Costüms werden noch im Kleiderzimmer 
des historischen Museums aufbewahrt, 

3) Vgl. oben Fol, 413 r, — Fol. 487, eingeklebtes Octavblatt, vorn leer, 
hinten 4 Liederstrophen; eine fünfte auf 488 r. oben; 488 v. 8 Strophen; 481) leer; 
490 r. u, V, 10 Strophen; 491, 492 leer; 493 r. Vaterunser mit Erläuterungen, un- 
vollständig; 493 V. italienischer Brief ; 494 längliches Octavblatt, vorn leer, hinten 
6 Strophen, Avie vorher von einem Kirchenliede. 

Quellensclir. X. Bd. Jß 



242 — 

des Vaterunsers. Ein viertes Lied. Schluss des Gottes- 
dienstes.'\ 

\Fol. 495 r.] [Der CJiurfiirst^ imitiert Herren Marggrafen 
\Fot. 495 v.] Albrecht Friderichen von Brandenburg, welcher zue 
seinem symbolo führete : 

Prol ^) lege & grege. 
Für raine lehr vnd vnderthan, 
Will Ich mein leib vnd leben lahn. 
Wie dann Anno 1()27 Ihre Drl. 12 Cammerjunckern fan 
geschmelzten kettelen mit geschlossenen handtreuen) durchbrochene 
gnadenpfening pro strena verehrt haben, in welchen ain geschmelzter 
aufgereckter geharnischter arm mit blossem schwert in der band, 
vnd im kränz vmbero auf der ainen seiten geschriben stehet : 
Für Gott, sein wort, vnd vatterland, 
Ich führ das schwert in meiner band. 
Auf der andern seiten aber: 

Für Gott, sein wort, mein land vnd leuth, 
Wag ich mein leben allezeit. A° 1627 . . . 

[^FaL 496 v. 37S7\ Ihrer Drl, möchte man dises vebel deuten, das ohner- 
achtet der landschafft starkhen contributionen, der grosen jährlichen Cammer 
gefell, deß reichen segens Gottes auß den bergwerkhen (in dem allain aus Frey- 
berg wöchentlich 500 markh silber, welche jährlich 125 r. silber, ohne das 
kupfer vnd bley betragen, in das gruene schaz gewelb"^) gelifert werden) vnd so 
viler ansehenlicher einkhommen, die sich bey der trankh : vnd landsteur, vnd 
bey der Cammer auf etliche millionen jährlich erströkhen, Sie dannoch im spea- 
dieren so klug vnd karg, eben ain gueter oeconomus vnd haußhalter sein, vnd 
Ihrer jungen herrschafft wol ainen grosen schaz hinderlassen werden 41118, 
Tonnen goldes sollen die bergwerkhe in Sachsen an zehenden vnd schlege schaz 
dem Churfr. hauß Sachsen in 79 Jahren von Ao. 1471 biß 1550 getragen haben, 
khombt iedes Jahr 520 Tonnen goldes, vnd 48101 fl. 5 gr. 7 v), das sein 52 million.^) 

[Fol. 496 v.Y) \Uber den Krieg in der Lausitz 1630.] 
[Fol. 498 r.\ Nach essens^) sein wir in das mit dem Stahl 
Schieshaus^) gangen, so Ihre Drl. Churfürst Hans Jerg A° 1621 

') sie! 

2) Die bisher bekannte erste Erwähnung dieses Namens ist von 1038 (vgl, 
Erbstein pag. VII. ), also neun Jahre später. 

^) Diese bemerkenswerte Auslassung befindet sich auf einem nachträglich 
eingeschalteten Blatte. Die Handschrift ist von Hainhofer eigenhändig. 

**] Text beginnt auf der Rückseite und geht vorn weiter. 

^) ^: bin ich. 

^) Dasselbe war 1620 erbaut, wurde aber 1672 wieder abgetragen und ein 
Neubau 1673 vollendet. AVeck pag. 71 mit Abbildung des späteren Baus. 



— 243 - 

stracks am reitthaus erbauen lassen, vnd 2 gemahlte vnd 2 geschribne 
taflen mit gemähl vnd namen der schüzen, was ieder getroffen, 
darinnen hangen hat. 

Die stül oder die siz voinen hero für den Churfürsten, 
Churfürstin, 4 Princen, vnd 2 Princessinen sein mit sammet 
veberzogen. 

Hinder disen etwas höher, sein die siz für die Junckern vnd 
für andere schüzen. . . . 

\Fol. 498 7>.] Oben auf hat es die tafelstuben, die dienet 
auch auf die reittbahn : zum judicierhaus be^" dem ringel rennen: 
vnd zum fuchsiagen. 

In diser stuben ligen etliche armbrost, buffbölz auf die 
beeren vnd ochsen vmb sie ainander zu hezen. 

Aine schöne ebeno bolzladen, so der Magistratus von Zwickau 
dem ältesten Prinzen verehrt hat. 

Aine interum tafel mit kuglen zu schiessen, an andern 
orten haisset mans in Narren schiessen. 

Fahnen zum Zweck zu schiessen. 

Ain fahnen mit darauf gemahlten bierkannten ^), fruchten 
schaalen, das gibt man, sampt dem fahnen, ainem zum besten, wer 
am \\eitesten scheust. 

Ragetenbüchsen zu den thieren. 

In dem eingang oder vorhöliin, zaiget man den Sprung 
5] schuch hoch, so im kämpffen ain beer vor ^ iahr gethan, \'nd 
man noch seine klawengriff in der mauren sihet. 

Im graben sein 2 weisse vnd 2 schwarze wölffe . . . 

[Fol. 499 r.] Der Bürststand mit der büchsen hat aine saul, 
das man die büchsen hoch oder nider richten, vnd auflegen kan. 

In ainem kämmerlien hangen circul zum bletterschiessen -). 

Lewen vnd Jungfrauen zum zweck schiessen. 

Ain narre, aine baurenmagd zum weitten schiessen. 

Aine Scheiben zum kranzschus. 

Aine andere Scheiben zum Ritterschus. 

3 Scheiben, nach welchen die Junge Herrschaft^ hat schiessen 
lernen. 



') ^S: schaalcn. 

'*) d. h. Schießscheiben mit Kreisen bemalt. 



16' 



— 244 — 

Aine Scheiben, wie man dem Kayser Matthiae ain schiessen 
hielte, für dessen May : der Churfürst geschossen, vnd ainen 
perHnen kränz gewonnen hat. 

Nicht weit darvon beym breuhaus an der Churfürstin garten 
ist Ihr vichstall, mitten im garten in ainem weiherlein ist aine 
leffel- oder meergans mit ainem grossen langen vnd braiten 
Schnabel, welche täglich mit 3 tt karpffen abgespeiset würdt. 

Das breuhaus vnd der Churfürstin garten ist vor disem der 
closter garten genennet worden, vnd waren das breuhaus vnd 
rauchhaus zum wildpret, in illo tempore der Franciscaner Münche 
Zellen, darbey letzt auch ain feigenhaus ist ^). 

Von hinnen sein wir gangen in die hofcapell zur vesper 
\Fol. 499 7'.], bey welcher wir auf 3 choren aine gar herrliche 
musicam gehöret. \Fo/. 500 r. — 503 r.] [Vier kurfürstliche Ver- 
filgungeii, die flüchtigen Profestanten betreffend. Ahschieds- 
essen bei H. Ankunft des französischen Gesandten Grafen 
de Marcheville.'] -) 

Adj 15. octob. morgens vmb 9 vhren hat man den Kü : 
Französischen abgesanten (in des Churfürsten schwarz sammetinen 
mit gold bordurten leibwagen, von ß braunen gezogen, die 2 gutscher 
vnd der Wagenheber in schwarz sammetinen rocken, sammetinen 
hütten mit weissen {Fol. 504 r) federn) für vnser haus gen hof 
geführet, vor dem wagen giengen trabanten, etliche Junckern, vnd 
Seine des ambassators Herren. [Dessen Auffahrt?^ 

Der gsante hatte die Propheten Stuben mit der grossen 
tafelstuben daran (in welcher das Jüngste gericht gemahlet ist) innen 
in ieder Stuben stehen 3 tisch, mit schwarz vnd gelb sammetinen 
deppichen bedeckt, schwarz sammetine gelb bordurte sessel. 
[Audienz des Gesandten?^ 

[Fol. 504 z'.] [Des Kiirfürsten schriftliche Antzvort auf 
Äfarchevilles Anrede^ 



1) Jene Feigenbäume existieren noch jetzt. 

2j Fol. 500 V. und 503 v. leer. — Hier in W 2 und W 3 eingeschaltet: 
a) Bildnis Richelieus. Georg Köler Sculps. et Excud. : Norimbergae. Kpf. in 8. 
Drugulin Nr. 17.200. — hj Brustbild Ludwig XIII. von Frankreich. Wolf. Kilian 
fecit. Kpf. in 8. Drugulin Nr. 12.470. — c) Brustbild des Herzogs Carlo Gon- 
zaga (f 1G37). Unten Plan von Mantua und Umgegend. Wolfg. Kilian sculps. 
et exe. Kpf. in 4. Drugulin Nr. 7t)52. — d) Nur in W 2 : kleine Karte von 
Bremen und Umgegend. 



— 245 — 

{^FoL 607 a] \'nder wehrender audiens hab Ich im Vor- 
zimmer, mit den aufwarteten Herren Käthen vnd Herren Haus 
Alarschalcken geconversieret, vnd weil Sie vermerckten. das Ich disen 
Conte de Marcheville ^) kenne (seitemal Er von seinem Serenissimo 
Rege A; 1627 zwaymal zu Chur Bayren nach München geschickt 
worden, da Er Sich allezeit be} mir angemeldet, mich mit der visita in 
meim cabinet gewürdiget, vnd mich gebetten, für seines gnädigsten 
Herren, des Duca d'Orleans Durchleucht, diejenige Antiquische 
Pfenninge trachten zu bekommen, die auf mir geraichtem memoria! 
verzaichnet stunden : da dann Ihre Drl. sonderlich dieienige 
Pfenning, so Sie in duplo haben, an die auf der lista verzaichnete 
vertauschen, vnd deswegen Ihren antiqvarium m^ Carterone hinaus 
schicken wolten, vmb zu recognosciern, obs originalia seyen) so 
haben Sie es Ihrer Drl. vorgebracht, w^elche gnädigst befohlen, 
das in Ihrem namen man mich begrüssen solle, weil der Herr 
gesante mir: bey hof aber noch niemanden bekannt seye. [Über 
die französische Politik und andere politische Gespräche.^ -) 

\_FoI. 510 r.] Nach diser conversation fragte er mich, ob Ich nichts dar- 
seider von denen auf Ao. 27 mir hinderlaßnem memoria! verzaichneten münzen 
bekhommen habe, darmit Ich mich dan beim monseigneur le frere du Roy sehr 
angenehm machen wurde, vnd ist auf dem memorial volgende catalogus antiqui- 
scher Pfenninge. 3) 

Als wir nun bey aine guete starkhe stund sizend mit ainander 
in conversatione waren, zaigt man vns an, die speisen seyen 
aufgetragen. [Gastmahl beim Grafen Marcheville. Personal- 
beschreibu?ig desselben. Platzordnung bei der Tafel. GespräcJi 
über Jagd und einen damals gezeigten gelehrten Elephanten. 
Politisches?^ ^) 

[Fol. 513 r^\ [Philosophisches über das Wesen der Gottheit.] 

[Pol. 513 zj.] Nach der mahlzeit, auf begehren, intratenierte 

Ich den Herrn Marcheville noch ain stündlein, mit beschawung 

meines stambuchs, das Ich hohen Hesse, Er erwehnte nochmahlß der 

in volgender lista begerten antiquischen pfening für den Duc d'Orleans, dar- 
nach valedicierte Ihme Ich, vnd sezte Er Sich nider, seine mündtlich 



') Parlamentspräsident, 1536 — 1616. 

'^) Hier in W 2 und VV 3 eingeschaltete Brustbild Christian Wilhelms, 
Administrators von Magdeburg. Wolf. Kilian sculp. et exe. Kpf. in 4. Drugulin 
Nr. 3454. 

^) fehlt. 

■*) 512 Octavblatt mit deutscher geistlicher Legende. 



— 246 — 

gethane proposition auf das papir zu bringen. Als Ich haim 
gienge, zogen die trabanten der leibguardj mit ihrem spil im 
schloßhof auf^), stellten sich aine weil gegen ainander veber, 
darnach wurden Sie abgeführt, vnd dieienige abgelöset, so disen 
tag gewachet haben, da sie dann in 2 hauffen gethailt sein, vnd 
allezeit am dritten tag die wach an ainen kommet . . .-) 

Als Ich im herabgehen den hof furier anträfe, vnd Ihne 
vmb aine listam der ienigen gesannten, so dises iahr am Chur 
Sächsischem hof einkommen, bathe, gäbe er mir folgende ver- 
zeichnus. [Verzeichnis der in diesem Jahre angekonimeneji Ge- 
sandten. Fabel vom Kohl U7id Weinrebe als Beweis, dass un- 
gleichartige Völker (hier Deutsche U7id Franzosen) Icein 
Bündnis miteinander haben fcön^ten.Y) 

[Fol. 518 r.] Am haimgehen besähe Ich ain wenig inwendig 
das Rathhaus ^), welches dem Augspurgischen ^) vnd Nürnbergischen 
(ausser das dises ainen schönen weitten plaz vor ihm hat) ganz 
nicht zu vergleichen ist . . . [Fol. 510 r.^) Dise vöste Statt Dreßden 

ist, wie bißhero summarisch erzehlet, vmb mehrer considerationen willen eben 

sehr woi zu sehen .... [Folgen Z7vei lateinische Distichen. Mahlzeit 
bei Lebzelter. Abschied.^] 

[Fol. 518 7;.] Herr Lebzelter verehrete vns vieren abgeord- 
neten iedem ain guldines ringlin, mit Böhmischen granaten 
garnisiert, darein die mysteria passionis geschmelzt, zur errinnerung 
vnsers passions vnd f der Verfolgung, vnd, da es sein müste, wir 
dancken sollen. 



') In Ihren schwarzen vnd gelben außgezo<jenen hosen mit kumpfenten 
braiten läzen, gelb atlasinen wammesern, schAvarz cordovenischen gollern, schwarzen 
sammetinen hochen baretern mit gelben bünden vnd weissen federn. W 2. 

'^) Hier in W 2 eingeschaltet ein Flugblatt mit Ansicht von Dresilen, be- 
titelt : Electoralis Civitas Dresda. Aufnahme von der heutigen Neustadt her, in 
welcher zwei unverhältnismäßige große Personen (Mann und Frau) eine Erklä- 
rungstafel haltend dastehen. Wolfgang Kilian fecit. Kpf. in kl. Fol. Unten wei- 
tere gedruckte Beschreibung. 

^) .517 länglich schmales Blatt. Text (Fabel vom Kohl und der Weinrebe) 
beginnt v. und geht r. weiter. 

^) Ein Modell des alten, 17 07 abgebrochenen Rathhauses — eiucs hüb- 
schen Renaissancebaues — nach Bodenehrs Stichen von E. Kohlfeld 1888 ange- 
fertigt, steht im Dresdner Stadtmuseum. Weck pag. 76 ff. 

^) Dem berühmten Werke des Elias Holl, dessen Name aucli hier wieder 
mit Stillschweigen übergangen ist. 

'•j 519 schmales Blatt, Querformat. 510 v, leer. 



— 247 — 

\Fol. 620 V.'] Vnd kehrten wir also vmb 8 vhren im namen 
Gottes, wider ad lares penates, id est nach haus, kamen gegen 
abend zeitlich gen Fre^berg, daselbs ich von Hans Gipffei ^) 
zweyerlay schöne grosse erz stuefen (die aine auf passete diemant 
art, die andere wie die gebachene krapffen mit vil häutten gewachsen) 
gekauffet . . . \^Arn 17. October über Chemnitz, am 18. nach 
Zwickau. Gastmahl daselbst 7nit Freunde?t. Über Z^vickaus 
Verfassung und die 163 kursächsiscJien Städte'] [Fol. 521 v.\ 
auf [Fol. 522 r.] den abend gen Elseniz kommen, darbey ain 
altes schlos, Fortsberg-) genannt ligt, so vor Christj geburt 
erbauet soll sein . . . [Am 20. Octob. nach Fger.] [Fol. 522 r.] 
Adi 21. octob: nochmalen zu mittag im holz graasmahl gehalten, 
zu nachts zum Neustättlein auf dem wald (dem Herren von Lobkowiz 
gehörig) gewest [Gespräche\ hier hat man vns zinine teller auf- 
gelegt, mit vil aufgetruckten Bischoffsköpffen, da wir vnder ain- 
ander vmb aine discretion oder kramet gewettet haben, welcher 
errathe, wivil köpffe darob se}en, da dann im abzehlen 304 Bischoffs- 
kopfe sich befunden haben. [Am 22. Octob. diircJi Wälder, ivoselbst 
schöne Hirsche angetroffen werden. Langes Gedicht von Rudelius 
.^Lob der Hirse Iijagd". Weiter über Schwarzenfels, wo das Schloss 
des Hans Konrad Teufel ist. Pfraind. ScJicrz libcr den Nutzen 
zerbrochener Gläser. Am 23. nach Regenstat f, Regensburg, Stadt 
am Hof, am 24. nach Saal und Neustadt^ welches wol erbawet, 
feine Häuser vnd o kirchen hat, alß : St. Lorenz, mit 5 altärn, 
St. Anna mit 3 altärn, vnd auf dem freythof St. Michel, w^elches 
ain schönes kirchlein ist. [Am 25. Octob. durch Wälder. Bei der 
im Freien gehaltenen Mahlzeit fromme Bei rächt ungen?\ [Fol. 523 v?^ 
Das nachtmal zu Schrobenhausen ghalten, vnd in der Hauptkirchen 
zu St. Jacob 10 altär gesehen, Vnser frauen kirche ist nun wie 
ain Capellin. [Über den Gastzvirt daselbst. Regeln über das Hof 
lebe7L (Alphabettim aulicum). Am 2(). nach Aichach] vnd sahen 
vorhero [vor dem Rssen\ vnser frawen kirchen mit 10 grosen 
vnd klainen altärn. Die Spittal kirch zum H. Gaist mit 3 altärn. 
[Abends treffen die Reise^iden in ^lugsburg ein. Frzählung H.^s 
V071 seiner Anku/ift zu Hausse, wo ihn der Icurf. sächs. Kapcll- 



') über diesen Künstler vgl. oben, 
■•*) Voigtsberg. Vgl. oben. 



— 248 — 

meister Hemrtch Schätz, der Laufenist und TJieorbist Kaspar 
Kittel, 7velcher auf Kosten des Kurfürsten ausgebildet war, und 
die beiden Franc. Castelli, Violinisten, erwarten, um ihm für 
die Hilfe zu danken, welche er ihnen bei ihrer eben beefideten 
italienischen Reise geleistet hat. Zum Schluss Dank gegen Gott. 
Drei lateinische Dankgedichte, von Freunden H's verfasst.'\ 



ANHANG. 



I. 

Philipp Ilainliofers Sammlungen. 

Nachdem Philipp Hainhofer so vieler Fürsten und Herren 
Kunstkammern beschrieben und der Nachwelt so manche wichtige 
Nachricht davon überliefert hat, sollen im Folgenden auch seine 
eigenen Sammlungen, so weit solches möglich, besprochen und 
katalogisiert werden. Quellen für alles, was darüber zu sagen ist, 
sind seine Reisetagebücher und die Bände seiner Correspondenzen, 
durchweg (von Doppelexemplaren abgesehen, die an mancherlei 
Orten zu linden sind) im Gewahrsam der herzoglichen Bibliothek 
zu Wolfenbüttel. Von anderen Seiten sind nur ein paar kritische 
Äußerungen nicht über Einzelnes, sondern allgemeiner Natur 
überliefert, worauf gelegentlich verwiesen werden wird. 

Hainhofer war wahrscheinlich schon durch die Traditionen 
seiner Familie darauf hingeführt, Kunstsammler zu werden ; sein 
Oheim, der vierzig Jahre lang Agent des französischen Hofes 
gewesen war und dann dem Neffen das Geschäft übertrug, hatte 
vermuthlich vielerlei Werthvolles zusammengetragen. Hain- 
hofers Eifer, die Sammlung beständig zu vermehren, machte sich 
seit 1604 besonders geltend: er stammte von seinem äußerst 
lebhaften Kunstinteresse, welches ihn die Gegenstände um ihrer 
selbst willen lieben ließ, so gut er sie auch andererseits als 
Handelsobjecte zu schätzen wusste: der Eifer wurde bestärkt 
durch das Beispiel anderer reicher Patricier, überwiegend Bekannter 
oder Verwandter, deren Sammlungen in Augsburg, Nürnberg u. s. w. 
den Glanz dieser Familien erhöhten, ihre geschäftlichen Unter- 
nehmungen förderten \). So schnell entwickelte sich Hainhofers 
Sammlung, dass schon U)05 sein *kunststublin« als Sehens- 



') Vgl. V. Stetten, Kunst-, Gewerbe- und Handwerksgeschichte von Augs- 
burg, p. 363. 



— 252 — 

Würdigkeit galt. Er verstand es in hervorragender Weise, die 
Gelegenheiten, welche sich ihm durch seine weit verzweigten 
Beziehungen so häutig boten, reichlich nutzbar zu machen. 
Einestheils nahm er Sammlungsgegenstände gern in Zahlung an. 
»Wen mir ainer etwas solches frembdeß, es sey jetzt von rebus 
naturalibus oder artificialibus in mein kunstkämmerlein schencket, 
so geschüht mir mehrers wolgefallen daran, alß wan er mir baar- 
gelt gebe,« schreibt er am 15. Januar 1606. Geschenke erhielt er 
in den Zeiten seines regen politischen und commerziellen Verkehrs 
oft und viel, am meisten weitaus vom Herzoge Philipp IL von 
Pommern-Stettin, dessen Beziehungen zu Hainhofer aus der Ver- 
öffentlichung im 6. Bande der Neuen Folge der Quellenschriften 
hervorgehen ^). Sehr lebhaft betrieben wurde zwischen beiden 
Männern auch der Tauschverkehr; was Hainhofer als den Wün- 
schen des Herzogs entsprechend von seinen Sachen erkannte, 
wurde fleißig für Doubletten, welche Philipp II. besaß, ausge- 
wechselt. So war der Bestand .der Hainhofer'schen Samm- 
lungen ein fortwährend schwankender, und nur ein gewisser 
Stamm von Gegenständen, an denen ihm besonders gelegen 
war, zum Theil aber auch solcher, die er unfreiwillig behalten 
musste, weil sich andauernd kein Abnehmer dafür fand^), 
blieb ihm aus den Zeiten seines Glanzes bis in die seiner Dürftig- 
keit. Diese Verwertung der angelegten Kunstsammlung als Quelle 
gelegentlich bedeutenden Gewinnes war übrigens den Eigenthümern 
der meisten Augsburger Cabinete eigenthümlich ; nach Hainhofers 
Versicherung unterließ nur Philipp Fugger dergleichen. Es ist 
daher nicht möglich, einen wirklichen Katalog der Hainhofer'schen 
Kunstkammer anzulegen ; es lässt sich nur angeben, was gelegentlich 
sich darin befunden hat. Aber auch dessen Aufzählung bleibt sehr 
lückenhaft, weil Hainhofer, wiewohl er gern von seinen Kostbar- 
keiten spricht, sie doch beiweitem nicht alle erwähnt, sondern 
insbesondere nur die, welche er von fürstlichen Personen erhalten 
hatte. Der Umfang der Sammlungen ist viel größer gewesen, als 



') Wo unten kurzweg von Philipp II. die Rede ist, ist immer dieser 
Herzog gemeint. 

2) Hierher gehört u. a. der für Philipp IL gearbeitete Schreibtisch, der 
bei H. verblieb, weil statt dessen der kostbare pommer'sche Kunstschrank her- 
gestellt wurde. Erst in seinen letzten Lebenstagen gelang es H., ihn nach Braun- 
schweig zu verkaufen. Der weitere Verbleib des Stückes ist nicht nachweisbar. 



~ 253 — 

es nach dem unten versuchten Zusammenstellung ^) scheinen könnte. 
Sonst hätte es auch keine Erklärung, dass diese Sammlung, trotz- 
dem, dass sie im Vergleiche mit andern geringeren Umfang hatte, 
ein Anziehungspunkt für die vornehmen Fremden wurde, die nach 
Augsburg kamen, und dass ihr Lob wiederholt in die Literatur 
gedrungen ist. Außer dem oben erwähnten Paul v. Stetten spricht 
auch Zeiller (in seinem Reyssbuch durch Teutschland, p. 275), 
der zweimal, 1624 und 1629, in Augsburg war, von der Sammlung: 
»Herr Philipp Hainhoffer, Fürstlicher Lüneburgischer vnd Pome- 
rischer Rath hat ein schöne Kunstkammer, vnd ein vberauß künst- 
liches Stammbuch, dergleichen wol nirgents solle gesehen werden.« 
In einem der Stammbücher Hainhofers (dem großen Augsburgischen 
Buche, vgl. unten) befindet sich ein Gedicht von Christophorus 
Höllichius, Poet laur., Rath zu Nürnberg, worin die Kunstkammer 
als Bibliotheca angesprochen und Folgendes darüber gesagt wird : 

Dum mihi visa fuit tua Bibliotheca, referta 

Omnimoda plenis cognitione libris: 

Picta et ficta simul, sculpta et fabrefacta, stupendae 

Artis opus varium, plurima visa mihi : 

Nee non et visae, quas attulit Indus Arabsque 

Merces, in summo quae pretio esse solent: 

Et, quae non possum curto comprendere versu 

Caetera (DI, quis enim cuncta referre queat :) 

Obstupui totus, tremulis vox faucibus haesit etc. 

In diesem Tone geht es noch ein ganzes Stück weiter. Der 
begeisterte Dichter gehörte zu den vielen, welchen Hainhofer 
bereitwillig seine Schätze zeigte und die er gastfrei in seinem Hause 
aufnahm, in seinem Range der Bescheidensten einer. Hainhofer 
hatte viel vornehmere Besucher, da selten ein weltlicher oder 
geistlicher Fürst, ein fremder Gesandter Augsburg verließ, ohne 
bei ihm gewesen zu sein. Die allgemeine Bewunderung (soweit 
sie nicht aus andern Gründen veranlasst war) wurde durch die 
Fülle des Vorhandenen gerechtfertigt. Wenn auch Hainhofers 



') Ich- bin in der Ausdrucksweise, besonders auch, was die lobenden 
Beiworte betrifft, nach Möglichkeit Hainhofers eigenen Worten gefolgt. Die Daten 
(immer nach Gregorianischem Kalender) sind die der schriftlichen Erwähnung, 
die sich mit dem nicht immer feststellbaren Datum der Kr\\erbun<j keineswegs 
überall deckt. 



^^ 254 - 

künstlerisches \'erständnis sich nicht über das der Zeitgenossen 
erhob, so gehörte er doch zu den besten Kennern und vermochte 
weitgehenden Ansprüchen zu genügen. Den Umfang seiner Samm- 
lungen kennzeichnet trotz der Kürze vollständig das oben ange- 
führte Gedicht. Danach fand man bei Hainhofer : Bücher, Malereien, 
Sculpturen, kunstgewerbliche Gegenstände, fremde Kunsterzeug- 
nisse und Naturalien. Betrachten wir diese Abtheilungen, so ist 
über die Bücher das meiste zu sagen, wiewohl ihrer nicht eben 
viele genannt werden können : von ihnen soll zuletzt gesprochen 
werden. Die übrigen Theile betreffend, so ergibt sich aus Hain- 
hofers Nachrichten, dass die Münzen und Medaillen, welche 
Höflichius jedenfalls unter den fabrefacta mit versteht, sowie die 
Naturalien den beiweitem größten Raum einnahmen. Wenigstens 
war dies noch 1612 der Fall, wo es Hainhofer am 7. März aus- 
drücklich versichert. 

a) \\'as zunächst die Münzen und Medaillen betrifft, 
so war Hainhofers großes, weniger künstlerisches als historisches 
Interesse an denselben schon früh entwickelt und seinen Freunden 
bekannt, die darauf besondere Rücksicht nahmen. Herzog Philipp II. 
schenkte ihm daher auch vorzugsweise dergleichen. Doch sammelte 
Hainhofer nur moderne Stücke. »Von antichischen Münzen hab ich 
keinen verstand, mich auch aus mangel Zeit nit drauf begeben,« 
sagt er am 5. August 1610. Was er besaß, war in seinen »müntz- 
laden« (1617) wohl geordnet und wurde viel bewundert. Er erwähnt 
davon Folgendes (die mancherlei s. Gnadenpfennige«, deren Beschrei- 
bung zu einer gesicherten Unterbringung in dieser Abtheilung nicht 
ausreichte, werden bei den kunstgewerblichen Gegenständen mit 
besprochen) : 



1. Allerlei schöne Schaupfennige 
aus Nürnberg unlängst ge- 
schenkterhalten. l.Dec. 1610. 

2. Schwedische Gold- und Sil- 
bermünzen. Geschenk Phi- 
lipps II. 6. Apr. 161 1. 

3. 2 goldene und 6 silberne 
Pfennige, darunter ein schö- 
ner schwedischer. Gesch. des- 
selben. 1.5. Mai 1611. viel- 



leicht identisch mit denen 
unter Nr. 4. 

4. Schöne goldene Pfennige mit 
Sprüchen : Crescit geminatis 
gloria curis; Gothischer Tha- 
ler mit Tandem bona causa 
triumphat. Vgl. Nr. 3. 

5. Drei schöne Thaler ver- 
schiedenartigen Gepräges des 
Bisthums Eichstädt. Gesch. 



255 



17. 
18. 



19. 



des Bischofs selbst. 19. Mai 15. 
1611. 

6. Etliche Goldstücke, 10 und 
IC) Ducaten schwer, vom 
Anfange der Regierung des 
Bischofs Joh. Konrad von 
Eichstädt. Dessen Gesch. lü. 
20. Mai 1611. 

7. — -10. Bildnis des Königs von 
Polen auf 

1. einem Danziger Duc. 

2. » silbernen Duc. 

3. » 50- fachen Duc. 
(mit Barett). 

4. einem 1 -fachen Duc. (mit 
Krone). 

Die Bildnisse schienen nicht 
gut getroffen, weil zu ernst- 
haft. 10. Aug. 1611. 

11. Eine schöne Goldmünze und 
zweiThaler. Gesch. Philipps II. 
10. Aug. 1611. 

12. Ein Thaler aus Freyburg 
(Schweiz) mit vielen Wappen 
um ein Castell. darüber ein 
fliegender Adler. Esto nobis 
Domine turris fortitudinis 
a facie inimicorum. 10. Aug. 
1611. 

13. Schwedisch. Thaler von 1548. 
SI DEVS pro nobis quis 
contra nos. 10. Aug. 1611. 

14. »Sigismundischer Rottenbur- 22. 
gischer« zehnfacher Ducaten. 
Umschrift: Soli DEO gloria 
Anno 1607. Inmitten der 
Spruch : Non est currentis 23, 
neque volentis sed miserentis 
Dei. 10. Aug. 1611. 



20. 



21 



»PolnischerSigismundischer« 
Ducaten. Der König mit 
Barett. Außer seinen übrigen 
Titeln der Zusatz : proximus 
haeres Reg. Suetiae et futurus 
Rex. 10. Aug. 1611. 
Ein neuer schöner sächsischer 
Thaler cum monaria funebris 
Christ' n. Elect. Sax. - - Ge- 
schenkPhilipps IL5.Oct.1611. 
Goldene Pfennige. Herkunft 
und Datum wie Nr. 16. 

Eine Anzahl (besonders pom- 
merischer) Münzen. Gesch. 
desselben. 22. Febr. 1612. 

Ein dreifacher Portugaleser 
mit einem großen goldenen 
Ringe. Gesch. des pommer'- 
schen Herzogspaares für das 
bei H. zu erwartende Kind. 

Zwei schöne sächs. Vicariat- 
pfennige. Gesch. Philipps II. 
21. März 1612. 

Ein Goldgulden vom Erz- 
bischof Uriel von Mainz 
(1508 — 1514), auf beiden 
Seiten das Gemmingen'sche 
Wappen. Gesch. Adams von 
W^artenstein, Kämmerers des 
Bischofs von Eichstädt. 
26. April 1612. 

Ein Goldgulden vom Bischof 
Gabriel v. Eyb zu Eichstädt 
(1496—1535). Herkunft und 
Datum wie Nr. 21. 

Silberner Abguss v. Pfennige 
Sisfismunds I. von Polen. 
Gesch.PhilippsII. 6.Junil6l2. 



256 



24. ^) Doppelter Goldgulden zur 
Feier der Genesung der Her- 
zogin, 1615. Ein Hirsch, vor 
einem Felsen schreiend : aus 
dem Felsen springt eine 
Quelle. Umschrift: In te sitit 
anima mea. 

25. Ein >Thaler« (lO-facher Du- 
caten). Schrift: A Deo omnia 
ornamenta Reipublicae, Et 
fundamentum eius est, non 
gaudere vanis. 

26. Einige alte Schillinge (ähn- 
lich den preußischen). 

27. Ein Todtenpfennig (Portu- 
galeser) mit der Schrift : 
Philippus IL Dux Stettin. 
Pomer. Georgj III. Fratr. 
desiderat. memoriae cum 
lacrym. FF. XXVI. May 
M.D.C.X.VII. Auf dem Re- 
vers : ein wilder Mann hält 
das Wappen mit dem Greifen, 
zeigt mit der anderen Hand 
auf eine Grabschrift, ge- 
schmückt mit Uhr, Blumen 
und Todtenkopf; Schrift 
darauf: Natus XXX. Jan. 
MDLXXXII. ob>t XXVII. 
Martij M.DCXVII. 

28. EinPortugaleser, auf den Flü- 
geln des Greifs die pommer'- 
schen Wappen. 

29. Kleiner goldener Todten- 
pfennig. Wind weht die 
Blumen ab. Av. Floris rapit 



aura decorem. Rs. luctus 
publici memoria XXVI. May 
Ao. M.DCXVII. 

30. Kleiner goldener Todten- 
pfennig. Rosenstock, von 
der Sonne beschienen. As. 
Rediens ^) sol suscitat herbas. 
Rs. Memoriae Georgj D. 
Pomer. ä frat. Philip. IL sa- 
cratum XXVI. May. A? 1617. 

31. Ein Portugaleser mit 5 W^ap- 
pen umb das Portrait und 
5 umb das Emblema. 

32. Goldener Todtenpfennig, zum 
Gedächtnis der HerzoginAnna 
von Pommern. Rs. Memoriae 
Funebri dn. /\nnae. Du. Pom. 
mat. caris. 1616. As. Todten- 
kopf mit Scepter u. Dresch- 
flegel optima Philosophia. 

33. Ein Portugaleser oder 10- 
facher Ducaten »mit dem 
Pommerischen schiltlen vmb 
den Greifen her umb«. 

34. Doppelter Goldgulden, 1616 
geprägt auf die Beilegung 
eines Auflaufs bei des Her- 
zogs Heimkunft. Schrift : Soli. 
DEO. gloria. 

35. Doppelter Goldgulden zum 
Gedächtnis des Erweiterungs- 
baues am Stettiner Schlosse. 
Schrift : Memor. amplific. arcis 
Stetinen. 1617. 

36. Doppelter Goldgulden V. 1617 
mit Beziehung auf die gegen- 



') Die Nummern 24 — 43 sind Ge- 
schenke, die H. zu SteUin 1G17 cmpficng. 



') Nicht rectius, wie Medem p. G2 
schreibt. 



257 



wältigen Verhältnisse. Avers : 
Eine Schnecke kriecht über 
eine Brücke. Schrift : lente 
sed attente. 

37. Ein Portugaleser oder großer 
Todtenpfennig. As. Bildnis 
des Herzogs Karl v. Münster- 
berg. Umschrift : Mem. Fun. 
Car. II. S. Imp. pr. Duc. tit. 
Muns, 01s. Co. Gla. Op. Mer. 
Nat. M.D.XL\\ Apr. XV. 
Mor. XXMII. Jan. D.CXVII. 
Rs. Fidus DEO Et Regj. 
patriae grat. suis, desider. 
vixit. spe immort. Glor. non 
terr. sed coel. cogit. 

38. Schwedisch. goldener Pfennig. 
Bild des Königs Johann III. 
Rings herum 23 Wappen. 
Schrift : benefaciendo ne- 
minem timemus. DE\'S pro- 
tector noster. 

39. ^'icariatpfennig 
sten Friedrich 
1507. 

40. Doppelter pommer'sch. Gold- 
sfulden von 1614. Av. Bild 



Herzog Philipps II. Rv. David, 
Harfe spielend. Eine Hand, 
aus den W^olken kommend, 
setzt ihm eine Krone auf. 
Schrift : Ego tuli te de grege. 
41 . Großer goldener Pfennig, von 
Danzig dem König von Polen 
zu Ehren geprägt. Av. Bild 
des Königs. Rv. Neptun und 
Terra. Schrift : Crescit gemi- 



natis gloria curis. 



42. Pfennig vom 



Könige 



von 



des Kurfür- 
V. Sachsen 



England. Motto : Faciam eos 
in gentem \'nam. 

43. Doppelte, vier- und fünffache 
Thaler mit schönen Reversen, 
darunter ein fünffacher Braun- 
schweigiischer Thaler mit sehr 
schönem Gepräge. (Vielleicht 
Arbeit von Rappus?) 

44. Silberner Pfennig mit Bildnis 
des Julius Ptiug, Bischofs zu 
Naumburg, im Alter von 
41 Jahren. Inschrift : Gloria 
mea crux Christi. Gesch. 
des Hausmarschalls Pflug 
zu Dresden 1629. 

b) Von den. Naturalien ist oft die Rede, Einzelerwäh- 
nungen aber selten. \'on besonderer Bedeutung waren die vielen 
interessanten Muscheln. In x\ugsburg besaß deren niemand so 
wertvolle, wie er. Er machte die Sammlung nutzbar, indem er 
bereitwillig die Abzeichnung wichtiger und schöner Stücke gestattete, 
sie auch leihweise zu diesem Zwecke hergab, so an die Maler 
Rottenhamer und Bernhard (1611), die sie in ihren Gemälden 
verwendeten. Auch für Philipps II. Thierbuch wurden seine besten 
Muscheln abgezeichnet (^1611). Im einzelnen genannt werden folgende 



wenige Stücke 



Schwager 



I.Schöne Koralle, v 

David Wolff. 12. Juni 1(;05. 

Quellenschr. X. 15d 



2. Schöne Muscheln aller Arten. 
14. Juli 1<)10; ferner: 

17 



— 258 — 

3. Elenhorn, vom Kurfürsten von erz, 7 Loth schwer, aus dem 
Brandenburg eigenhändig ohne Bergwerke zu» Marienkirch «(?) 
Feuer präpariert. Geschenke im Elsass. Gesch. des Erzher- 
Phihpps IL, an den Pfalzgrafen zogs Leopold. Innsbruck 1»)28. 
bei Rhein, Wilhelm, weiter ver- 7. Schwerter von Sägefischen, mit 
schenkt. 1611. und ohne Zähne, auch ganze 

4. 2 indianische Käfer. Von Peter (ausgestopfte) Sägefische. Dres- 
Ludwig aus Amsterdam ge- den 1629. 

kauft. 16. Mai 1612. 8. 1 Stück Zinnerz aus den Alten- 

5. 2 Bärenfelle, Fuchs- und Wild- burgisch. Bergwerken. 1 Stück 
katzenfelle. Gesch. v. Stettiner gediegenes Silbererz aus Frei- 
Freunden. 1617 in Stettin. berg. Gesch. des Hausmar- 

6. Ein Stück gediegenes Silber- schalls Pfiug zu Dresd. 1629. 

c) Kunstgewerbliche Gegenstände, Pretiosen, 
Waffen und dergleichen beherbergte die Hainhofer'sche 
Kunstkammer in ziemlicher Menge, wie denn auch die nach- 
folgende Aufzählung ziemlich reichlich ausgefallen ist. In letzterer 
nehmen die sogenannten »Gnadenpfennige« eine erhebliche Anzahl 
von Nummern ein. Hainhofers Sammlung davon war sehr bedeutend, 
und er sorgte dafür, dass sie nicht unbenutzt blieb, indem er, 
wie die oben besprochenen Muscheln, auch diese Anhenker zum 
Abzeichnen verlieh. In dem Atrium Heroicum : Caesarum, Regum etc. 
imagines 72 von Dominicas Custos (erschienen 1600, 1601, 1602) 
sind viele Bildnisse von Fürsten und Herren nach goldenen 
Gnadenpfennigen und Münzen aus Hainhofers Besitz nachgebildet. 
Man erkennt sie daran, dass die Gesichter, wie es die Reliefs mit 
sich brachten, alle ins scharfe Profil gestellt sind. Nach diesem 
Kennzeichen scheinen in jenem Werke folgende Porträts auf 
Hainhofer'schen Besitz zurückzugehen : 

1. Christian I\\ von Dänemark; 2. Kaiser Matthias: 3. Herzog 
\'incenz von Mantua ; 4. Ferdinand Gonzaga ; 5. Ludwig von 
Leuchtenberg; 6. der königlich polnische Kanzler Zamosci ; 

7. Gustav Adolf von Schweden; -'>. Eduard \'l. von England; 
9. Sigismund Malatesta; 10. Francesco Sforza; 11. Consalvus 
Ferdinandus Corduba: 12. Ferdinandus Franciscus Davalus; 
13. Hercules II. von Este: 14. Don Juan d'Austria; 15. Joh. Bapt. 
Castaldus; K). Andreas Doria ; 17. Joh. \^aletta; 18. Pfalzgraf 
Johann Kasimir; 19. Hercules 1. von Este; 20. der Dauphin 
Franz, Sohn Franz' des I.; 21. Markgraf Ernst Friedrich von 



— 259 — 



Baden : 22. Markgraf Jakob von Baden und Hochberg : 23. Karl 
Doria. In dem unten folgenden \'erzeichnisse ist keines dieser 
Bilder erwähnt, was aber keinerlei Beweiskraft für oder wider 
ihre Zugehörigkeit zur Hainhofer'schen Sammlung besitzt. 

Nennen lassen sich nach Hainhofer'schen Notizen fol- 
gende Dingfe : 



o 



1. Künstliche Spinnen und hüb- 
scher augsteinener Löffel. 
Geschenk von \^etter Tobias 
Hörmann in Kaufbeurn. 
16. Juli 1605. 

2. Kunstreicher Kirschkern. \'on 
Hieron. Bechler am 14. Jan. 
1606. 

Kirschenstein,worin 1 2Löffel. 
Von Wolf Leonhard \\'elser. 
Vor 15. Jan. 1606. 

4. Schönes beschlagenes Fäss- 
lein aus Zimmtrinde. Zu er- 
warten von Franz Werteman, 
Hamburg. 30. Sept. 1606. 

5. 2 künstliche Tauben von 
wirklichen Federn, die Schnä- 
bel aus Elfenbein (vonSch weg- 
ler?), Geschenk vom bairi- 
schen Hof, verschenkt an 
Franz Werteman, Hamburg. 
30. Sept. 1606. 

6. H. schickt aus Dankbarkeit 
aus seinem »schlechten kun- 
stüblin bey gebundne 2 täub- 
len« an Ulrich Ehinger in 
Ulm. 25. Octob. 1606. 

7. Taubenschlag (kleines Kunst- 
werk, von Schwegler?), H.'s 
Frau gehörig, kostete 48 Gul- 
den. S. Juni 1607. 

8. 1 breiter indianischer Frauen- 
hut aus Federn, 1 Ruthe oder 



Stäblein aus Federn, beides 
aus Nürnberg. 24. Mai 1608. 
9. Adam undEva; Holzschnitze- 
reien, welche weniger wegen 
der Ausführung der Gesichter, 
als wegen der der Leiber ge- 
schätzt wurden. Man schrieb 
sie dem Albr. Dürer zu, wie 
auch die zu Nr. 11 genannten 
Figuren. Vielleicht plastische 
Copien nach Dürer. Aus Nürn- 
berg mitgebracht, ehedem aus 
der Sammlung des Cardinais 
Granvella stammend. Datie- 
rung wie Nr, 8. 
10. Augstainener (bernsteinener) 
schöner Ring, »in welchem 
oben statt des Petschafts ein 
hübsches ganzes Thierlein, 
wie ein kleines Baumfalterlein 
oder Goldvögelein sich befin- 
det, und wann man den Ring 
umwendet, ein rechtes An- 
gesichtrepräsentiert.« 13. Mai 
1609. Er ist abgebildet bei 
Konrad Gesner,' de P'ossilium 
etc. figuris. Zürich, 1565. Der 
Holzschnitt zeigt den ziemlich 
dicken Ring (den Gesner von 
einem Freunde, Ant. Schnee- 
berger aus Polen, geschenkt 
bekommen hatte); seine Ober- 
Hache hat sieben um den Rin 



er 



17- 



— 200 



laufende, gleich breite Kanten ; 
oben in der Mitte, wo der Ring 
am stärksten, ist eine länglich 
achteckige Platte erhöht aus- 
geschnitten, unter welcher das 
Insect (eine Art Bohrkäfer, 
ähnlich denen der Gattung 
Ptinus) eingeschlossen war. 

1 1 . Zwei Büstchen aus Buchs- 
baumholz, Karl den Kühnen 
und dessen Gemahlin dar- 
stellend. Die von den mit H. 
befreundeten Künstlern hoch 
und mit Recht bewunderten 
Figuren stammten aus dem 
Kunstcabinete des Cardinais 
Granvella, kamen von danach 
Danzig, dann an H., der sie 
vergeblich dem Kaiser zum 
Kaufe anbot. Im laufenden 
Jahrhundert gehörten sie bis 
18G5 dem Sammler D. Böhm, 
und giengen darauf in Roth- 
schild'schen Besitz über. Jetzt 
im Britischen Museum, Von 
H. erwähnt 13. Mai 1609 und 
darauf öfter. 

12. Jugendbild Albrecht Dürers, 
Flachrelief in Holz. Herkunft 
und Erwähnung wie Nr. 11. 

13. Becher ohne Boden von 
Tamarisken und Wachholder, 
an den Herzog geschenkt. 
25. Aug. IGIO. 

14. KünstlicheBerge (Kleinkunst- 
werke mit zierlichen Nachbil- 
dungen von Pflanzen, Thieren 
u. s. w.), darunter einer von 
Franz Aspruck. 17. Nov. lOlO. 



15. Skelett, holzgeschnitzt, statt 
einer Schuld von 200 Ü. vom 
alten Rotten Balbierer an- 
genommen. Dazu hatte H. 
»einen schönen schrägen auß 
pflaumen holtz« anfertigen 
lassen, »darob eine todten- 
bahr mit einem schwartz 
ebeno boden mit helftenbain 
eingelegt Morte Aequamus, 
an Ihr selbs mit Cypreß ge- 
füetert, außen durch vnd 
durch mit rotten sandel, auf 
dem Teckhel mit feyhnlen 
(Veilchen) holtz eingelegt 
Memento mori. Innen im 
Teckhel mit rosen holtz ein- 
gelegt Mors lucrum, außen 
mit weißer lainwath vnd 
schwarzem thuech gedeckht, 
als wan ein recht Cadauer 
darinnen lege.« Das Skelett 
war aus einem Stücke ge- 
schnitten. 5. Januar IG 11. 

IG. Ein kleines Crucifix und 
andere Kunstsachen. Gesch. 
Philipps II. Weiter geschenkt 
an den Herzog von Baiern (?) 
9. April IGll. 

17. Portrait Philipps II. in Gold 
und Bernstein. Gesch. von 
ihm selbst. IGll. 

18. Schönes kleines Crucifix mit 
Limousiner Email. Gesch. 
Philipps II. ; weiter verschenkt 
an den Pfalzgrafen Friedrich. 
KUl. 

1 9. Portrait des Bischofs Johann 
Konrad von Eichstadt, in 



261 — 



Gold : Werk des Joh. de Vos, 26 
Kammergoldschmiedes Ru- 
dolfs II. (Schüler des Atten- 
petter. v. Stetten, K.-, G.-, 
Hdw. -Gesch. v. A., p. 466.) 27, 
Versprochen vom Bi- 
schöfe selbst. 18. Mai 1611. 

20. Der vom Herzog Philipp II. 
bestellte Schreibtisch, aus 
dem später der pommer'sche 
Kunstschrank wurde. 1611. 28. 
Vgl. Lessing, Jahrb. d. kgl. 29. 
preuß. Kunstsamml. 1883, 
1884. ■ ^ Quellenschr.N. F. VI. 

21. Doppelter silbervergoldeter 
Credenzbecher. Gesch. Her- 
zog Wilhelms. 1611, Pfingst. 

22. Ein schönes geschmelztes 
Glas mit" den"^ (philosophi- 30. 
sehen oder christlichen ?) 
Cardinaltugenden in Relief 
darauf. Auf dem Deckel H. 's 31. 
Wappen. Gesch. Philipps II. 
Erwähnt 1611, Pfingsten. 

23. Augsteinene (bernsteinerne) 
Gegenstände, besonders ein 
Becher. Gesch. Philipps II. 
Erwähnt 17. October 1611. 
Ankunftszeit ungewiss. 

24. Mosaikbild aus Federn, von 
Jesuiten aus Mexiko mit- 
gebracht. Gesch. Philipps IL, 
an den Herzog von Baiern 
weiter verschenkt. 16. No- 
vember 1611. 

25. Portrait Herzog Ulrichs, Bru- 
ders Philipps IL, in Gold. 
Gesch. Philipps IL 8. Februar 
1612. 36. 






OO, 



o-t. 



35. 



Des Erzbischofs von Köln 
Portrait in Gold. Gesch. des 
Herzogs von Baiern. 8. Febr. 
1612. 
, Gläserne Blumen ; venetian. 
Gesch. Philipps IL H. Heß 
sie, soweit er sie nicht ver- 
schenkte, in einen dazu gear- 
beiteten Blumenkrug setzen. 
22. Febr. 1612. 
, Gläserne Vögel. S. vorige Xr. 
, Schöne, mit Edelsteinen be- 
setzte Kette, mit Bildnis 
Philipps IL und seiner Ge- 
mahlin. Gesch. beider an 
H.'s Frau, die damals in 
gesegneten Umständen war. 
29. Febr. 1612. 
Bildnis des Kurfürsten von 
Köln in Gold, mit 4 Dia- 
manten. 13. Juli 1612. 
Gnadenpfennig mit Bilde 
Philipps IL, mit Diamanten 
und Rubinen besetzt. Gesch. 
von ihm selbst. 30. Sept. 1612. 
(jnadenpfennig, hübsch ge- 
fasst, mit 4 Diamanten be- 
setzt. Gesch. des Kurfürsten 
von Baiern. 30. Sept. 1612, 
München. 

Gefalteter Hut von ^>fatzelen«. 
Gesch. des Großherzogs von 
Florenz. 7. Dec. 1612. 
Gnadenpfennig. Vom Bischof 
von Eichstädt. 2. Sept. 1613. 
Desgl. vom Erzbischof von 
Salzburg. 
Regensburg. 



9. 



Sept. 1613, 
Kännlein, mit Silber beschla- 



— 262 



gen, aus schlesischer terra 
sigillata. Gesch. des Herzogs 
Heinrich \\'enceslaus von 
Münsterberg, überreicht durch 
dessen Bruder Herzog Karl 
Friedrich. 29. Sept. 1613, 
Regensburg. 

37. Gnadenpfennig vom Herzog 
Karl II. von Münsterberg 
(t 1617). Gesch. von ihm 
selbst, überreicht wie Nr. 34. 
29. Sept. 1613, Regensburg. 

38. Schön gefasster Rubin. Gesch. 
einer Prinzessin vonWürttem- 
berg. 1616. 

39. Eisernes Schneidezeug, wel- 
ches auch eine Drehbank mit 
abgab. Modell davon durch 
den ^^leister Kretzmair zu 
Stuttgart (es gibt 3 damals 
dieses Namens; dieser ist 
nicht zu identificieren) ver- 
sprochen. 1616. 

40. Kette mit dem Bildnis des 
Herzogs von Württemberg. 
Geschenk desselben. 1616. 

41.^) Ein gewifeltes (gesticktes) (?) 
Tuch. Eigenhändige Arbeit 
der Herzogin. 

42. Gro(3er Römer aus Krystall, 
mit Deckel, darein geschnitten 
das Pommer'sche Wappen, 
Blumenwerk und Thiere. 
Arbeit eines am Stettiner 



') Die unter Xr. 41 — G6 genannten 
Stücke erhielt Hainhofer 1G17 am Hofe 
zu Stettin geschenkt, fast durchweg von 
Philipp II, oder dessen Gemahlin. 



Hofe lebenden mailändischen 
Künstlers. 

43. Kleiner Römer aus Krystall, 
Hainhofers und seiner Frau 
Wappen darein geschnitten. 
Vgl. Nr. 40. 

44. Bildnis Philipps IL und der 
Herzogin auf einer in Silber 
getriebenen Tafel, Rahmen 
von Ebenholz, mit Silber 
geziert. — Die Beschreibung 
passt ziemlich genau auf das 
jetzt im herzoglichen Museum 
zu Braunschweig (2. Stock, 39, 
Nr. 238) befindliche Relief, 
nur ist dessen Vergoldung 
nicht mit erwähnt. Das 
Silberrelief ist auf dem höl- 
zernen Grund aufgeschraubt. 
Sehr schöne x\rbeit; freilich 
lässt sich die Identität mit 
dem Kunstw^erke, welches H. 
erhielt, nicht nachweisen, da 
es wegen der zwischen Pom- 
mern und Braunschweig — 
Lüneburg bestehenden Ver- 
wandtschafts - Beziehungen 
auch direct von Stettin dort- 
hin gelangt sein kann. Die 
Benennungen der Portraits 
lauten : V. G. G. Philips. 
H. Z. S. P. Sophia. G. Z. S. 
H. H. Z. S. Pom. Um den 
Hals des Herzogs hängt eine 
Kette, daran eine Medaille, 
w^elche zwei verschlungene 
Hände und zwei Füllhörner 
nebst folgender Umschrift 



— 263 - 



zeigt : Una salus patriae 
fratrum concordia constans. 

45. Ein Korb voll geschnittenen, 
gestochenen und gemalten 
großen und kleinen pommer'- 
schen Gläsern und Schalen. 

46. Ein Büchlein (Büchslein ?) von 
Gold; Wappen und Namen 
der Herzogin daran ge- 
schmelzt, mit achterlei Bal- 
sam gefüllt; mittelst Kette 
und Haken am Gürtel zu 
tragen. 

47. S p i n n r a d. Daran ein 
s>Glöglenwerckh^<, das wäh- 
rend des Spinnens Psalmen 
nach des Lobwassers Melodie 
spielte. Die Melodien konnten 
gewechselt werden, indem 
man eine andere Welle ein- 
legte. 

48. Ein roth und weißes Ge- 
schirrlein aus terra sigillata, 
mit Silber beschlagen. Spiel- 
gewinn, der Herzogin ab- 
gewonnen. 

49. Bildnis d.- fürstlichen Wittwe« 
Sophie Hedwig, geborenen 
Herzogin von Braunschweig- 
Lüneburg, Mutter des Her- 
zogs Philipp Julius: Gold, 
mit vier Diamanten besetzt. 
Gesch. von ihr selbst. 

50. Ein :^>irdisches Paradies« in 
einem großen, runden, oben 
zugespitzten Glase. Arbeit 
des Mailänders, s. Nr. 42. 

51 . Bildnis des Königs von Däne- 
mark, in Gold. \\)n ihm selbst 



52. 



53. 



54. 

55. 

56. 
57. 



58. 



59, 



60. 
61. 
62, 



63. 



nach Stettin übersandt als 
Geschenk für H. 
Gnadenpfennige mit den Bild- 
nissen Barnims des Alteren, 
Philipps I. und Georg, 
Herzögen von Pommern. 
Dubletten der herzoglich. 
Sammlung. 

Genähtes Kunststücklein mit 
dem Handzeichen d. Herzogs. 
Hölzerne, gemalte und mit 
Inschrift versehene Kanne. 
Herzog Barnims X. Bildnis 
in Gold. 

Ein » hüpsch gewiflet fatzolin « . 
Bildnisse des Herzogs und 
der Herzogin, in breite 
Fenstergläser geschnitten. 
Bildnis des Herzogs, im 
Kürass stehend, von gelbem 
und weißem Bernstein, rund 
geschnitten. 

Bildnis des Herzogs und der 
Herzogin »von ohlfarben 
vnder Christallinen blattlen 
subtil auf miniatur art ge- 
mahlt«, mit 8 Diamanten, 
10 Rubinen und ^^ain hang 
perl in« geschmückt, zum 
Anhängen. 

, Zobelmütze, mit Sammt über- 
zogen. 

. Schiff, silbervergoldet, mit 
offenem Segel. 
Eine 12-fache goldene Kette, 

»so 30(^ ^^ an Gold wigt^t. 

Hutschnur mit ^ Cardinal- 
tuijenden in h2mail, 32 Dia- 



- 264 



manten, 44 Rubinen und 
vielen Perlen. Dazu ein 
Reiherbusch, die Hülse unten 
mit 4 Diamanten und einem 
großen Rubin geziert. Die 
Schnur war in einer gemalten 
Schachtel in rothen Taffet 
gewickelt. 

64. »Ain Stetinische Hagelbüchß 
vnd ain gezogen bürstrohr in 
hulfftern.« 

65. Kreuzring mit Diamanten, 
Ring in Form eines S, mit 
5 Diamanten und 2 Rubinen. 

66. Becher »ohne einen Boden«. 
Gesch. des Herzogs Ulrich. 

67. Bildnis des Herzogs Philipp 
Julius von Pommern, in Gold, 
30 Gulden wert. H. bekam 
den Auftrag, es mit Steinen 
zieren zu lassen und an einer 
Kette zu tragen. 28. Juni 1618. 

68. Kette mit schön »joyliertem« 
Bildnis Herzog Augusts von 
Braunschweig-Lüneburg. Er- 
wähnt 23. April 1628. 



69. Goldene Kette mit daran 
hangendem Bildnisse des 
Großherzogs von Toscana. 
Gesch. desselb. 26. Apr. 1628. 

70. Schöner, großer Brettstein aus 
Narval, darauf erhaben ge- 
schnitzt ein Centaur. An- 
geblich aus der Kunstkammer 
Kaiser Rudolfs II. Gesch. der 
Kurfürstin v. Sachsen. 1629. 

71. Goldener Ring mit böhmi- 
schen Granaten, Die Zeichen 
der Passion darauf emailliert. 
Gesch. V Lebzelter. Dresden, 
16. Oct. 1629. 

72. Ein Crucifix mit Maria und 
Johannes aus schwarzem 
sächsischem Silbererz. Gesch. 
des Hausmarschalls Pflug, 
Dresden 1629. 

73. Nicht identificierbar ist ein 
»Stücklein« — Gemälde oder 
anderes Kunstwerk — wel- 
ches die Herzogin von Pom- 



mern am 
schenkte. 



12. Nov. 1614 



d) Malereien gab es bis zum Jahre 1610 in Hainhofers 
Kunstkammer nicht viele, mit ^Ausnahme jener, welche er in seine 
Stammbücher aufgenommen hatte, und die für ihn unveräußerlich 
waren. x\hnlich stand es mit seiner großen Kupferstichsammlung. 
Sie war in den Reinschriften seiner Reiserelationen, in seinen 
Stammbüchern, Lautenbüchern u. s. w. vertheilt. Von ihnen 
allen wird unten die Rede sein. Eine Katalogisierung dieser 
Blätter, die nach Hunderten zählen, würde diese Studie unver- 
hältnismäßig überlasten, weshalb davon abgesehen werden muss. 
Die in den Manuscripten der Innsbrucker und Dresdener Reise- 
relationen untergebrachten Blätter sind in den Anmerkungen des 
obigen Abdruckes allenthalben vermerkt, also dort zu vergleichen. 
Es ergibt sich daraus, dass Hainhofer mit gleicher Intensität 



265 — 



Portraits wie andere Darstellungen, besonders solche natur- 
geschichtlicher Merkwürdigkeiten sammelte, welche letzteren ihn, wie 
wir oben sahen, insbesondere interessierten. Da von den in den 
Büchern enthaltenen Bildern im Zusammenhange mit jenen zu 
reden ist, so zähle ich hier nur die von Hainhofer gelegentlich 
erwähnten selbständi^ren Malereien u, s. w. auf: 



1. Kaiser Karl W »in ainer 
perspectiff zu sehen«, Gesch. 
von Hieronvmus Bechlin, 
markgrätiichem Untervogt zu 
Pforzheim, 22. Juli 1605. 

2. Ein Eisvogel von Daniel 
Fröschlin ; Geschenk von 
Karl V. Fernberg : 2. Januar 
1605; 1610 an den Herzog 
von Pommern verschenkt. 

3. Kupferstich : das Magengift 
(d. h. der \\'ein) ; Gesch. von 
H.'s Wirt in München. 

4. Kupferstich: eine Kreuz- 
partikel aus dem Kloster 
Sche^^ern ; Gesch. aus der 
Jesuitenkirche zu München 
l^Literatur : Beschreibung des 
hl. Creutz zu Schevern, 
Tegernsee 1736, mit Ab- 
bildungen). Wie Xr. 3. 
Pfingsten 1611. 

5. Einige kleine Malereien, dar- 
unter das Portrait des Bischofs 
Johann Konrad von Eich- 
städt ; Gesch. des Bischofs ; 
18. Mai 1611. 

6. Kupferstich : das jüngste Ge- 
richt des Michel Angelo ; 
Gesch. Philipps IL von 
Pommern; 5. October 1(")11. 

7. Icones novem musarum : 
Gesch. des Lucas Kilian ; 



22. Februar 1612: nach 
Pommern weiter verschenkt. 

8. Paradies, gemalt von Rotten- 
hamer: 25. April 16)12; nach 
Pommern verschenkt. 

9. Portraits Philipps II. und 
seiner Gemahlin, groß, Öl- 
gemälde : Gesch. des Her- 
zogs; 11. März 1613. 

10. Portraite des Erzherzogs 
Maximilian ; Gesch. von ihm 
selbst; 28. September 1613 
zu Regensburg. 

11. Portrait des Kurfürsten von 
Trier in Sedez, mit Ölfarben 
auf einem Carton gemalt : 
Gesch. von ihm selbst : 
22. Oct. 1613, Regensburg. 

12. Brustbilder Philipps IL, seiner 
Gemahlin und des Herzogs 
Ulrich: Öl; Gesch. von diesen 
selbst: KU 7. 

13. Bildnis, gemalt von einem 
alten deutschen Meister. Auf- 
schrift : s^Braunscogi facies 
fuit haec pictura leonis 
Doctor, qui medica claruit 
arte patris. Anno Dni. 
M.D.XXI. obijt lypsiae. 
28. aetatis suae;« — Gesch. d. 
Rentkammermeisters Reich- 
brodt, Dresden 1629. 

14 Zwei Bildnisse des Herzogs 



— 266 - - 

August d. J. von Braun- hiesigen Jünglingen, einem 

schweig- Wolfenbüttel. Um Pfister, welcher das Regal 

1620 — 1630 geschenkt von schlug, einem Weiblinger, 

ihm selbst. der die Flöte blies, einem 

15. Federzeichnung, Werk des Herwart, welcher die Viol 
Herzogs Christian v. Braun- de Gambe spielte, und einem 
schweig, Bischofs von Halber- Mannlich, der den Blasbalg 
Stadt, KU 7; Gesch. des Haus- zog, vorstellte.« Das Bild 
marschalls Pflug ; Dresden wurde dem Kurfürsten Fried- 
1629. rieh von der Pfalz (dem 

16. Ohne Jahreszahl erwähnt von Winterkönig) geschenkt. 
Stetten (K-, G.- u. Hdw.- 17. Bildnisse des Herzogs August 
Geschichte von Augsburg, und seiner Gemahlin Sophie 
p. 363) ein Gemälde von Elisabeth. 23. Januar 1645. 
Paul Veronese (??), »welches 18. Bildnisse von drei Kaisern, 
ein Familienkonzert von vier Erwähnt 16. Februar 1645. 

e) Hainhofers Bibliothek umfasste nach dem Gedichte 
des Höflichius Werke jeglicher Wissenschaft. Wenn dieser Aus- 
spruch auch wohl als übertrieben anzusehen ist, so lassen sich 
doch wenigstens einige Classen als sicher vorhanden vermuthen, 
andere sich direct nachweisen. Vermuthen lassen sich : juri- 
stische und classische Werke, deren er für seine poli- 
tischen und humanistischen Studien, welche er nachweislich 
betrieb, unter allen Umständen bedurfte. — Er besaß ferner 
infolge seiner politischen Beschäftigungen eine beträchtliche 
Sammlung von geschichtlichen Flugschriften und 
Zeitungen. - - Geographische Werke benutzte er neben 
den historischen zur Präparation für seine Reisen und die darüber 
verfassten Berichte. Man vergleiche die Einleitung. ■ — Nach- 
zuweisen ist ferner Hainhofers Interesse für theologische 
S c h r i i t e n : War er doch auf diesem Gebiete so wohl bewan- 
dert, dass er gelegentlich (so in Innsbruck) sich in Discussionen 
mit Geistlichen einlassen konnte. Von seinen hieher gehörigen 
Büchern erwähnt er: 1. Ein schönes Passionalbuch, Gesch. 
Philipps IL, 16. November 1611; 2. eine auf Reisen leicht mit- 
nehmbare Bibel, 1617; 3. ein Exemplar einer von M. Renzius 
verfassten Auslegung Paulinischer Briefe, Ciesch. des Verfassers, 
1617; 4. eine Bibel, Hauspostille und andere Bücher in pomme- 
rischem Dialect, zu Barth gedruckt, Gesch. Philipps II. mit eigen- 



- - 2i)7 — 

händiger Widmung, 1(317; 5. Herzog Georgs, Bruders Philipps IL, 
Leichpredigten, orationes vnd epicedia, in Sammet gebunden. 
Gesch. PhiHpps mit der Widmung: Floris rapit aura decorem, 
rediens sol suscitat herbas. Phihppus IL Dux Pomeranorum 
PhiHppo Hainhofero p. A. cariss^ suo hospiti dono dedit, et haec 
pauca, ut uterque Philippus se hominem esse recordetus,' huic 
libro inscripsit 20. Sept. 1(317. in veteri stetino m. p. ; (3. drei 
Bücher von Dr. Cramer, Gesch. des \'erfassers, Stettin 1()17 
(Cr. war Archidiaconus daselbst, fruchtbarer theologischer Schrift- 
steller, + 1(337); 7. ein Büchlein vom wunderthätigen Crucifixe in 
Forstenried, verfasst vom Pfarrer Georgius Resch, München 1(330. 
Erwähnt 17. Juni 163(3. — An dem Theuerdank, dessen Fehlen 
in seiner Bibliothek Hainhofer 1628 bedauerte, lässt sich ermessen, 
dass er wohl andere illustrierte Werke in einiger Anzahl 
besessen haben wird, denn ohne Zweifel interessierte ihn daran 
der bildnerische Schmuck und nicht der Text. — Natur- 
wissenschaftliche Werke zu besitzen, ergab sich bei seiner 
Neigung, Naturalien zu sammeln, von selbst. Er legte sich ein 
Thierbuch an, in welchem er Abbildungen merkwürdiger Geschöpfe 
sammelte; 14. September 1(311 bat er Philipp IL, seine Thierbilder 
zur Nachbildung nach Augsburg zu senden, wie er auch die 
seinigen dem Herzoge zu demselben Zwecke lieh. In Rücksicht 
auf dieselbe Neigung verehrte ihm Philipp 1617 »des Agricolae 
Hirschbuch«, worin er folgende Widmung einschrieb: »Psalm NC. 
Magna opera domini : exquisita in omnes voluntates eins. Groß 
sein die werkh deß Herrn, wer ihrer achtet, hat eitel lust daran. 
Psalm Ol. Philippus IL Dux pomeraniae dono dedit hunc libellum 
in clementis animi signum carissimo suo hospiti Philippo Hain- 
hofero patricio Augustano in venatione Insulae Gristoae prope 
mare Balticum in extremis tinibus Romano-Germanici Imperii 
6. Sept. 1(U7.« — Dass sich Hainhofer nicht nur an Werken 
bildender Kunst, sondern auch an der Musik erfreute, zeigen 
manche Nachrichten von ihm, besonders aber seine in der 
Bibliothek zu Wolfenbüttel (18. 7. und 18. 8. Aug. fol.^ enthaltenen 
L a u t e n b ü c h e r, zwei rothe Lederbände mit Goldpressung, ehe- 
mals mit seidenen Bindebändern versehen. Auf dem \'orderdeckel 
steht P. H. A. 1(>(.)4. Der erste Band enthält l) Theile, der zweite 
neun. Genaue Beschreibung vgl. im Handschriftenkataloge der 
Wolfenbüttler Bibliothek, herausgegeben von v. Heinemann, 



— 268 — 

IL, 2, p. 226 ff. Äußerst reich war ehemals die Ausschmückung 
dieser Bände mit Kupferstichen und Holzschnitten. Es waren derer 203 
im ganzen, die bis auf sehr w^enige sämmtlich herausgelöst sind. 
Theils waren sie nach Gemälden, theils Originalblätter, unter 
letzteren solche von Aldegrever, Dürer, Burckmair, Luc. v. 
Leyden. Pentz, Schongauer, Wierx, Virgil Solls u. s. w. Am 
Anfange befindet sich (von Daniel Keppeler ?) eine violett 
getuschte Federzeichnung, eine Allegorie auf die Musik dar- 
stellend: viele Engel singen in den \\^olken Gloria in excelsis Deo; 
oben die hl. Dreieinigkeit. Diese etwas einseitig geistliche Auf- 
fassung entspricht dem Inhalte der ' Bücher nur zum geringen 
Theile. Hainhofer bewahrte ferner mit großem Stolze die 

Sammelbände, welche seine Reiserelationen und damit Zusammen- 
hängendes enthielten, und die er zum Vorbilde für seine Nach- 
kommen bestimmt hatte. Sie sind bei der Aufzählung in der 
Einleitung erwähnt. Soweit sie der Wolfenbüttler Bibliothek 
gehören, vgl. ihre Beschreibung im v. Heinemann'schen Hand- 
schriftenkataloge, IL, 2, 276 ff., 48 ff., 274 ff., 207 ff. Wahr- 
scheinlich stammen auch ihres allgemeinen Habitus halber aus 
H.'schem Besitze die Wolfenbüttler Codices 32. 3., 4. 15. Aug. fol. 
(v. Heinemann, pag. 338 ff., 345 ff., 349 ff.) Dagegen nicht der 
Codex 31. 4. Aug. fol. (v. Heinem., pag. 325), da er Stücke aus 
den Jahren 1649 und 1650 enthält, wo Hainhofer bereits todt w^ar. 

Den kostbarsten Besitz der Hainhofer'schen Bibliothek, den- 
jenigen, auf den er am stolzesten war und bei welchem er nie an 
Austausch oder Verkauf einzelner Theile dachte, waren seine 
Stammbücher. Für gewöhnlich ist nur von einem die Rede, 
es ist aber von vornherein festzustellen, dass Hainhofer, wenigstens 
in späteren Jahren, deren fünf besaß. Es waren dies folgende: 

1. Das kleine Augsburgische Familienstamm- 
buch von 1625^); Besitz der Stadtbibliothek zu Augsburg ; 
32 cm hoher, 20 cm breiter Band in schwarzem Leder, mit Gold- 
schnitt und spärlicher Goldpressung ; die ehemals an dem Buche 
befindlichen gelbgrünen seidenen Bindebänder sind abgerissen. 
Titel: Stammen Etlicher Adelicher \nd Fürnehmer Familien, mit 



'j Über dieses und das folgende Stammbuch spricht Paul v. Stetten a. a. O., 
pag. 24, 285, 294 f. Von dem zweiten, größeren, liefert er eine genauere Beschrei- 
bung, wobei er als Kalligraphen einen Georg Brunner, als vermuthlichen Maler 
der Wappen unl anderer Ornamente einen gewissen Frommer nennt. 



— 209 -^- 

welchen sich das Hainhoferische Geschlecht Befreüundet hat. 
Anno 1625. Enthält 22 leere und 39 mit farbig sehr hübsch 
ausgeführten W^appen und Geschlechtstafeln bedeckte Papier- 
blätter. \'ertreten sind im ersten Theile die Familien : Mörtz, 
Freer, Herman, Remboldt, Langenmantel, Waiblinger, Haintzler, 
Ehinger, Rehm. Die zweite Abtheilung führt den Titel:' Pro- 
genitores Vnterschiedlicher Hainhoferischer Herren vnd Frawen 
Personen, sampt derselben Ehegenossen. Zusamen getragen Im 
Jahr 1()25. Zwanzig' mit bürgerlichen \\'appen bedeckte Seiten. 

2. Das große Augsburgische Familienstamm- 
buch von 1626; Besitz der Augsburgischen Stadtbibliothek, 
Codex 14: ein 38,5 ^w hoher, 26 cm breiter Band in schwarzem 
Leder, mit Goldpressung, Goldschnitt und grünseidenen Binde- 
bändern. Die Folien sind nicht numeriert. Die Schrift ist Kanzlei- 
schrift ; die Nachträge sind zum Theil auch in dieser, zum Theil 
in gewöhnlicher deutscher Schrift des 17. Jahrhunderts ausgeführt. 
In verworrener Art hat bereits v. Medem iBaltische Studien, 1834, 
IL, 2, pag. W) von diesem Buche gesprochen, als dessen Auf- 
enthaltsort er Wolfenbüttel annahm. Der Inhalt ist folgender : 

Fol. 1. Haupttitel. Innerhalb einer Cartouche die 20-zeilige 
Inschrift : Stammens Beschreibung / des / Hainhoferischen Ge- 
schlechts. / Darinen aller desselben Stammens vnd Xahmens 
verwanter vnd auss di sem Geschlecht entsprungener vnd 
geborner Manns ^ vnd Frawen Personen Geburts Zeiten, \'er- 
ehelichungen / sampt jhrer vnd dero Ehegenossen Wappens 
Schild / Dessgleichen allersamptlich absterben, wahrhafftig vnd 
or / denlich beschriben. Alles auss Brieffüchen Vhrkunden, glaub . 
hafften Schrifften, vnd fleissig verfassten verzaichnussen, zu 
samen gezogen vnd beschriben worden. Durch ^ Philippum 
Hainhofern / Fürstlichen Pommerischen vnd Lünen , burgischen 
Rath etc. vnd Fundatorn dises Hain / hoferischen Stammen- 
buchs. / Anno. / 1626. Die Cartouche, deren oberster Theil fehlt, 
zeigt zwischen Renaissance-Ornamenten 6 (ursprünglich 8) in gelb 
gemalte, mit Gold gehöhte Symbole des Krieges, des Hauswesens, 
Ackerbaues, Feuers, der Weinkelterei, des Fischfanges. Dazwischen 
vielfarbig ^^T^die durch weibliche Figuren dargestellten Haupt- 
tugenden : 1. Justitia et Prudentia rechts in der Mitte : 2. Tempe- 
rantia et Continentia rechts unten : 3. Concordia et Face links 
unten : 4. Fortitudine et Patientia links in der Mitte. Rechts 



— 270 — 

über, bezw. unter der Mittelgruppe rechts ein Kameel und ein 
Prache, links ebenso ein Pferd und ein Elephant als Repräsen- 
tanten der vier Welttheile (alle in blau und nur 1 — 1^^ cm hoch). 
Unten in der Mitte eine Sanduhr, darauf ein Todtenkopf, aus 
dessen Augen je vier Ähren wachsen, darauf ein Leuchter mit 
brennendem Licht. Umschrift : ]\Iors Vitae Initium. Keine Künstler- 
inschrift, Art des Lucas Kilian. 

Fol. 2 leer. Fol. 3. Anrede an die Nachkommen. x\uf der 
Rückseite innerhalb einer Cartouche eine sehr fein ausgeführte 
schwarze Federzeichnung von Lucas Kilian, mit vollem Künstler- 
namen und der Zahl K)2G, darstellend den Tod mit der Sense 
und vSanduhr. rechts von ihm Jonas, vom Walfische ausgespien, 
links eine ländliche Familie beim ^lahle. Fol. 4. Gedicht: Elogium 
Genealogicum. Auf der Rückseite eine lavierte Federzeichnung : 
Adam und Eva nach dem Sündenfall, rechts neben und hinter 
dieser Darstellung die Macht des Todes und das Begräbnis eines 
Greises. Künstler und Jahreszahl wie vorher. Fol. 5. Nochmaliger 
Titel. Fol. C) und 7. Ein in sehr lebhaften Farben auf Pergament 
ausgeführter Pfau, 47 cm breit, 35 cm hoch. Auf seiner Brust 
die von einem goldenen Kranze umgebenen Wappen Philipp 
Hainhofers und seiner Frau Regina Waiblingerin. Oben im 
Gefieder über dem Kranze, den Wappen entsprechend, die beiden 
Namen r. Philippus, 1. Regina. Auf dem prachtvollen ausgebrei- 
teten Schweife befinden sich in vier concentrischen Kreisbögen 
GO Wappen von Angehörigen der Hainhofer'schen Familie, die 
Namen stets darüber bemerkt. Zwei Wappen sind leer und ohne 
Namen, für nicht mehr festzustellende Familienmitglieder ältester 
Zeit. Die Datierungen in der später folgenden Genealogie gehen 
bis 1370 zurück. Der Pfau steht, nach 1. blickend, auf einer 
grünen W'iese. Im Hintergrunde unten hinter einem Wasserlaufe 
(Lech ?) die über die ganze Breite des Bildes sich erstreckende 
Ansicht der Stadt Augsburg ^). Künstlernamen und Datierung 
fehlen. T^ol. 8. Das älteste Wappen der Familie Hainhofer : eine 
goldene Lilie im schwarzen Felde. Fol. 1) — 12. Urkunden mit 
Bestätigung dieses Wappens durch Karl V. 1544 und Rudolf II. 
1578; letzterer fügte den wilden Mann hinzu. Fol. 13^ — -21 leer, 



') Ein ähnlicher Pfau, mit 81 Wappen, 1550 von dem Augsburger Clemens 
Jäger angefertigt, findet sich im Wiener Hofmuseum, Saal XXIII, Nr. 29. 



- 271 - - 

vorbehalten für ähnliche künftige Urkunden. Fol. 22 — 23. Kupfer- 
stich von Wolfgang Kilian ; zweimal derselbe, farbig, bezw. 
schwarz. Aus den Wappenbildern Hainhofers und seiner Frau 
ist eine Allegorie zusammengestellt : der wilde Mann drückt, zur 
Erde gebückt, einen Anker in die Erde, auf dem der Löwe steht, 
und hält mit der linken Hand einen Baumstamm, in dessen' Ästen 
die beiden Wappen mit der Umschrift schweben : Auxilii Feritas 
Aemula. Fol. 23 verso — 32. Einundzwanzig Huldigungsgedichte 
auf die beiden Wappen, eins auf die Kunstkammer (von Höflichius ; 
s. obenV Fol. 33 — 35 leer. Fol. 3(j. Der Hainhofer'sche wilde Mann 
als Wappenhalter, farbig, 17,5 cm hoch. Fol. 37 leer. Fol. 38 — 89. 
Wappen, Namen und kurze Lebensnotizen der seit 1370 fest- 
zustellenden 132 Familienmitglieder Hainhofers und seiner Frau. 
Sehr ausführlich. Fol. 60 — 64 und 85 — 89 H.'s eigenes Leben, 
bis 1625 vom Kalligraphen, von da an von ihm selbst geschrieben 
— 22. Juli 1645. Mehrere spätere Hände haben mancherlei Zusätze 
gemacht, die bis ins Jahr 1661 reichen. Besonders sorgte H.'s 
Schwiegersohn. Job. Georg Ankel, hierfür. Fol. 90 — 188 leer: 
bis 160 sind die Folien mit rothen Linien eingerahmt. 

3. Das kleine Reisestammbuch, ein Band in Sedez- 
format, mit vorgedruckten Sprüchen und Devisen auf jeder Seite. 
Hainhofer führte das Büchlein auf Reisen mit sich, und es unter- 
zeichneten die von ihm um ihren Xamenszug Gebetenen entweder 
einen der Sprüche mit ihrem Xamen oder schrieben auch selbst 
dergleichen hinein. Nachgewiesen ist die Existenz des Buches, 
welches jetzt der W^olfenbüttler Bibliothek gehört, seit 1612. 
Besonders reichlich sind die Eintragungen, welche 16)17 in Stettin 
und den anderen auf dieser Reise berührten Städten gemacht 
wurden. Unterschied zwischen fürstlichen und anderen Personen 
wurde in diesem Buche nicht gemacht. 

4. und 5. Das W" o 1 f e n b ü 1 1 1 e r Stammbuch und das 
große Stammbuch. Beide müssen zusammen besprochen 
werden, weil sie vom Anfang her zusammengehören. \'on sämmt- 
lichen Stammbüchern Hainhofers haben sie schon seit langer Zeit 
die Aufmerksamkeit der Kunstforschung auf sich gelenkt, ohne 
dass ihr gegenseitiges \'erhältnis bisher aufgeklärt worden wäre. 

Schon in seinem 15. Jahre hatte Hainhofer begonnen, 
Stammbuchblätter zu sammeln. Dies anfänglich \ ielleicht ohne 
besonderen Plan begonnene Unternehmen gewann bald System. 



__ 272 

Philipp Hainhofer vereinigte sich mit seinen beiden Brüdern 
Christoph und Hieron3'mus und seinem \'etter ^lelchior, um ein 
großes Stammbuch anzulegen, in welchem Autographen und 
bildliche Spenden von Fürsten, Adeligen und Gelehrten vereinigt 
werden sollten. Es sollte sein »ein Denkmal der gegönnten Gunst, 
ein Pfand der unsterblichen Freundschaft/ eine Erquickung nach 
den Sorgen und Mühen des Lebens.« Diese Aufgabe hat die 
Sammlung ihm thatsächlich bis an seinen Tod erfüllt, und umso- 
mehr, als Philipp Hainhofer die Genugthuung hatte, sehr bald 
der einzige von den vier Stiftern zu sein, welcher für die Samm- 
lung weiter sorgte und sie zu einer Sehenswürdigkeit Augsburgs 
gestaltete. Auf dem Titelblatt, welches 1590 gezeichnet wurde, 
und dessen Copie im Stettiner königlichen Staatsarchive auf- 
bewahrt wird (Abbildung in Quellenschriften, N. F., VL, p. XIV 
und XV) sind freilich noch alle vier genannt, später aber spricht 
Philipp Hainhofer von der Sammlung immer nur als von der 
seinigen. Schon 16CH) war sie derart angewachsen, dass er 
ernstlich erwog, sie bald einbinden zu lassen, er erwartete nur 
noch einige Bilder, gemalt von einem Niederländer, die aus Ulm 
eintreffen sollten. Doch mag sich dies länger, als vermuthet, 
hingezogen haben ; inzwischen kamen auch weitere Beiträge, und 
so verzögerte sich das Einbinden von Jahr zu Jahr. KUl bedachte 
Hainhofer, dass es wohl das beste sei, die Blätter nicht einleimen, 
sondern nur locker zwischen den Deckeln einschrauben zu lassen, 
damit sie jederzeit bequem herausgenommen und neue dazwischen 
eingefügt werden könnten. Der Deckel sollte mit braunem Sammet 
überzogen und mit zwei silbernen Cartouchen verziert werden. 
Beide arbeitete Kager. In die eine sollten Hain hofers und seiner 
Frau Wappen, in die andere sein »Symbol um« in Email gemalt 
werden. Schon damals war also die Sammlung, welche er sein 
»Stammbuch« nannte, in seinem alleinigen Besitze. Schon ein 
Jahr zuvor (15. September KHO) umfasste es 103 Blätter, von 
denen er eine kleine Auswahl dem Herzoge Philipp II. damals 
namhaft machte. Anderes war zur selben Zeit bestellt, darunter 
eine Hochzeit 'zu Kana, vermuthlich nach Paul Veronese. Hain- 
hofers Beziehungen zu den Vornehmsten seiner Zeitgenossen 
vermehrten sich damals unablässig. So war ein ferneres Wachs- 
thum des > Stammbuches« in außerordentlichstem Maße gesichert, 
und dies veranlasste Hainhofer, seinen anfänglichen Plan zu 



— 273 — 

erweitern und aus dem beabsichtigten einen Buche zwei zu 
machen. Dieser 1612 gefasste Gedanke war 1613 ausgeführt. 
Fortan bHeb das eine, größere, Buch für fürstliche Personen 
vorbehalten, das kleinere bestimmte er »für Nobiles, patricios 
vnd andere gute Freunde«. Nun gehört unter der Signatur 
Extr. 210 zu den Kostbarkeiten der herzoglichen Bibliothek zu 
Wolfenbüttel ein Buch aus Hainhofer'schem Besitze. Es ist 20 cm 
hoch und 1() cm breit, umfasst 544 Seiten, von denen die letzten 43 
nicht numeriert und leer sind. Außerdem sind, ungleich durch das 
Buch vertheilt, 199 Seiten leer geblieben, vor allem regelmäßig 
die Rückseite der vereinzelt vorkommenden Pergamentblätter (die 
meisten sind von Papier). Es ist ein Sammelband, in dem die 
Blätter, ohne Rücksicht auf das Datum, bunt durcheinander 
geworfen sind. Die Beschneidungen der Blattränder zeigen deutlich, 
dass sie nicht ursprünglich zusammengehörten. Der Deckel ist 
von Holz, überzogen mit violettem, jetzt ziemlich stark abge- 
schabtem Sammet. Der Rücken ist durch übergeklebtes Pergament 
ergänzt. Die ehemals vorhandenen gelben und grünen seidenen 
Bindebänder sind abgerissen. Das Buch, welches in den Hain- 
hofer'schen Schriften auch oft als »Wappenbuch« aufgeführt wird, 
rechtfertigt letzteren Namen dadurch, dass es überwiegend mit 
letzteren, nicht weniger als 184 an der Zahl, nebst den zuge- 
hörigen Autographen geschmückt ist. Außerdem enthält es 
56 Sprüche fast oder gänzlich ohne Verzierung, 14 Blätter mit 
vorgezeichneten Rändern zur künftigen Aufnahme von Beiträgen, 
und vor allem als wichtigsten Bestandtheil 57 bildliche Dar- 
stellungen, deren Aufzählung sogleich folgt. Die Beiträge sind 
datiert vom Jahre 1593 bis 1620; ein kleines Blättchen (Wappen 
des Rochus v. Botzheim, eingeklebt hinter pag. 110) zeigt die 
Jahreszahl 1546; auf dem Titel des Buches wird dessen zeitlicher 
Umfang auf 1593 — 1630 erweitert. Die wichtigsten Orte, von wo 
Beiträge stammen, sind : Amsterdam, Augsburg, Cöln, Haag, 
Innsbruck, Padua, Regensburg, Rom, Siena, Ulm, Wildbad. Von 
den vielen Stiftern seien nur als besonders wichtig genannt : 
Richard Spencer, Wolfgang Ratichius, Marcus Welser, Adolf Occo. 
Andere werden bei Aufzählung der Bilder zu nennen sein. Letztere 
sind folgende (M. bedeutet Miniatur, K. Kupferstich) : 
1. Fol. 23. Wappen des Joachim einer Landschaft, in der ein 

Denhart d. J. oben rechts in junger Mann an einem Baume 

Quellenschr. X. Bd. 18 



274 



sitzt und einen auf einer 
Stange sitzenden Uhu be- 
trachtet, den kleine Vögel 
umtiattern. Daran die Schrift : 
O wieuil hassen mich die 
ärger sein als Ich. M. auf- 
geklebt. 1594. 

2. Fol. 24. Minerva vor den 
9 Musen. M. Aufgekl. Ge- 
schenk V. Wolfgang Welser. 
159G. 

o. Fol. 36. Die Tugend, über 
Insignien des Krieges, der 
Wissenschaft und Musik thro- 
nend. Schrift: Sola Virtus 
Nobilitat. Phoenici similis. 
Vivit post funera Virtus. M. 
Aufgekl. Gesch. von Melchior 
Hainhofer. 1594. 

4. Fol. 40. Daniel in der Löwen- 
grube. Unten eine Strophe. 
M. Aufgekl. Gesch. des David 
Rem, wie dessen beigefügtes 
Wappen zeigt. 1599. 

5. Fol. 44. Judicium Paridis. M. 
Aufgekl. Gesch. v. Christoph 
Hainhofer. 1594. 

6. Fol. 48. Portrait des Samuel 
Neuheuser aus Eßlingen. 
Illuminierter K. Monogr. J. B. 
Gesch. von ihm selbst. 1593. 

7. Fol. 72. Nacktes Paar, auf 
einem Bette sitzend ; eine 
Alte schaut durchs Fenster 
herein. Schrift : Abraham vnd 
Ager. Illum. K. Monogr. des 
Georg Pencz. Gesch. des 
AI. Sig. von Zedlitz. 16Hj. 

S.Fol. 79. Justitia. M. auf 



Papier ; ausgeschnitten und 
aufgekl. 1594. Gesch. von 
J. G. Hörmann (Vorfahr des 
Augsburger Malers J. J. Hör- 
mann, der 181 7 dort lebte. 
Nagler, K.-L. T), 219). 
9. Ein nachl. sprengender Ritter. 
M. Gesch. des Ph. Knebel von 
Katzenellenbogen. 1602. 

10. Fol. 108. Ein paar Orna- 
mente aus Papier, sehr dünn 
ausgeschnitten undauf dickes, 
schwarz überzogenes Perga- 
ment geklebt. Gesch. von 
Hieronym. Bezelius (Bechler). 
1596. 

11. Fol. 109. Eine überaus zier- 
liche und daher mehrfach be- 
schädigte Kreuzigung Christi. 
M., ebenso hergerichtet wie 
Nr. 10. Gesch. des Hieron. 
Bechler. 

12. Fol. 111. Sapientia. M. Auf- 
gekl. 1596. 

13. Fol. 112. Die Überfallene 
Lucretia. Illum. K. Monogr. 
des x\ldegrever. Gesch. des 
Melchiorvon Dortmund. 1598. 

14. Fol. 115. Pomona mit dem 
W^appen und Helm des Otto 
Heinrich Zinner in einer 
Landschaft. M. 11)05. 

15. Fol. 117. Sapientia u. Tempe- 
rantia in einer Landschaft. 
Dabei das Wappen des Andr. 
Hueber. Schrift : Per saxa 
per ignes. M. 1605. 

16. Fol. 123. Ein Maulthiertrei- 
ber, sein Thier am Zügel 



2TÖ 



führend. Oben ein Tragekorb 
mit Baldachin, darin ein Herr 
und eine Dame. M. Auf- 
gekl. Gesch. d. Dodo Gucke (?) 
in Berg. 159(). 

17. Fol. 127. Zwei Gaukler, musi- 
cierend. Schlechter illumin. 
italienischer K. ohne Be- 
zeichnung. 

18. Fol. 130. Ein Greis, einen 
sterbenden Jüngling aufrecht 
haltend. Weiß gehöhte Feder- 
zeichnung auf grauem Papier, 
die Figuren scharf aus dem 
Grunde herausgeschnitten. 
Gute Zeichnung von Gius. 
Salviati(Gius. Porta, + 1585(?), 
Nagler, K.-L. 11, 523). Stifter 
ungenannt. 1627. 

19. FoL 138. Ein närrisch ver- 
liebt sich anstellender, ele- 
ganter junger Mann vor einer 
sehr großen, sich entschleiern- 
den Dame. Darunter einige 
Verse. M. Die Figuren nach 
oben ausgeschnitten und das 
Ganze aufgekl. Gesch. des 
Daniel Eberz. 1596. Nach 
dem Kataloge von 1610 
Werk des I. G. Fischer. 

20. Fol. 141. Ein eleganter Mann 
mit einem flammenden Her- 
zen in der Hand vor dem 
Wappen des Hieron. Scherer 
aus Augsburg. M. aufgekl. 
Monogr. C G in Goldbuch- 
staben. Ohne Jahr. 

21. FoL 143. Orpheus mit den 



Thieren. M. aufgekl. Gesch. 
des Paul Haintzel. 1594. 

22. Fol. 148. Eine Dame im 
langen Kleide; die Vorder- 
seite unten aufzuklappen, 
worauf zwei zu kurze Beine 
sichtbar werden, die auf 
Stelzen stehen. M. aufgekl. 
Gesch. des Georg Scholl zu 
Köln. 1597. 

23. Fol. 152. Allegorie auf Vene- 
dig. Oben Ansicht des Marcus- 
platzes. Schlechter illum. ita- 
lienischer K. ohne Bezeich- 
nung. Gesch. des Anton Saiz 
zu Augsburg. 1596. 

24. Fol. 155. Portrait des Elias 
Niethaimer. Ganze Figur, 
nach 1. schreitend. M. aus- 
geschnitten u. aufgekl. 1595. 

25. Fol. 160. Pacientia. Illum. K. 
von H. S. Beham 1540. 
Gesch. des David Engler 
von Gemmingen. 1598. 

26. Fol. 174. Pyramus u. Thisbe. 
M. aufgekl. Gesch. d. Jeremias 
Buroner. 1599. 

27. Fol. 185. Kriegsschiff: im 
Hintergrunde zwei sich 
beschielBende Seefestungen. 
Schrift : Bucentauro. M. auf- 
gekl. Gesch. David Koch des 
Jung. Augsburg. Ohne Jahr. 

28. Fol. 189. Halbfigur des David 
mit dem Haupte des Goliath. 
Weiß gehöhte Federzeich- 
nung von Giov. Batt. Poggi ^), 



1) Maler, Bildhauer, Architekt und 

18* 



— 276 



mäßige Arbeit. Gesch. des 
Oswald Schwan, Hauptmann 
zu Wolgast. IGlo. 

29. Fol. 202. Nächtliches Ständ- 
chen in einer Straße (ein 
Cavalier, 6 Musikanten, ein 
Diener mit Fackel, oben am 
Fenster eine Dame). Mit 12 
kurzen deutschen Versen. M. 
aufgekl. Gesch. des Stephan 
Greiner. 1599. 

30. Fol. 207. Venus und Adonis. 
Sepiazeichnung, mit der 
Rohrfeder gemacht. Gillis 
Mostaert F}). Ohne Stifter 
und Jahr. 

31. Fol. 208. Nackte stehende 
Frau. Die Figur ausge- 
schnitten u. aufgekl. Feder- 
zeichnung. Monogr. des Vir- 
gil Solls. 

32. Fol. 213. Lagernde nackte 
Frau. Federzeichnung auf 
Papier, aufgekl. Die Betten 
sind nachträglich auf das 
zugrunde gelegte Pergament- 
blatt gezeichnet. Monogr. wie 
bei Nr. 31. 

33. Fol. 220. Ein Mann siebt 
Menschenköpfe, aus dem 
Siebe fallen Thierköpfe her- 
aus. Illum. schlechter italie- 
nischer K. Gesch. des Daniel 
Steffen zu Frankfurt a. M. 
1609. Dabei dessen pracht- 

Schriftsteller, geb. zu Genua 1554, 
t 1627. 

V) Egidius M. starb zu Antwerpen 
1601 oder 1598. 



volles Wappen auf schwar- 
zem Grunde. 

34. FcL 225. Allegorie, ^'ier 
nackte Gestalten, darunter 
zu unterscheiden die Tempe- 
rantia, F'ortitudo, Justitia. 
Getuschte schwarze Feder- 
zeichnung venetianischen (?) 
Ursprungs, auf Papier; auf- 
gekl. Gesch. des Albert Schlei- 
cher. Padua. 1595. 

35. Fol. 234. Ein Herr und eine 
Dame, sich die Hand reichend. 
Figuren ausgeschnitten und 
aufgekl. M. ohne Stifter und 
Jahr. 

36. Fol. 237. Schlittschuhlaufen. 
Niederländ. Miniatur, von be- 
deutender Zierlichkeit. Auf- 
gekl. Gesch. von Heinrich 
Hofmann. 1597. 

37. Fol. 238. T. Manlius lässt 
seinen Sohn enthaupten. 
Illum. K. von Aldegrever: 
unten, fast ganz übertuscht, 
eine Tafel mit d. Monogramm. 

38. Fol. 306. Das Wappen des 
Sebastian Besserer in reicher 
Cartouche. M. auf Pergament. 
Eingeheftet. 

39. Fol. 307. Judith mit dem 
Haupte des Holofernes. M. 
auf Pergament. Eingeheftet. 

40. Fol. 313. Junge Dame. M. 
ausgeschnitten und aufgekl. 
Gesch. des Edocus Duinck 
aus Alten-Hagen in West- 
phalen. 1597. 

41. Fol. 315. Zwei Männer, eine 



— 277 



junge Dame in einer Sänfte 
tragend. M. Aufgekl. Gesch. 
des Peter Hainzel von Dager- 
stein. 1595. 

42. Fol. 318. Drei Hasen, in einem 
Kranze laufend. M. Gesch. 
des Matthias Glening von 
Augsburg (?). 

43. Fol. 353. Allegorie : Ein 
treppenförmiges Gebäude in 
einer Landschaft. Kreisför- 
mige M. Gesch. des Petra- 
fontanus aus Dänemark. 
1620. 

44. Fol. 427. Mars und Minerva 
zu beiden Seiten des ^^'elser'- 
schen Wappens. M. auf Per- 
gament. Gesch. des Marcus 
Welser. 1608. 

45. und 46. Fol. 432 und 433. 
Zwei dem Inhalte nach zu- 
sammengehörige Miniaturen, 
je eine Schlachtordnung dar- 
stellend. Auf Fol. 434 und 
435 findet sich zu diesen 
Battaglie di Giulio Cesare 
die genaue Erklärung. 

47. Fol. 441. \'enus, dem Meere 
entsteigend. Sie steht auf 
einer Schildkröte, auf wel- 
cher in Gold die (Künstler ?-) 
Inschrift J. E. M. W. Im 
Hintergrunde Schiffe und ins 
Meer hinausragende Gebäude. 
Sehr fein gemalte Miniatur 
auf Pergament. Gesch. des 
Hans Ulrich Kraft. 1()08. 

t8. Fol. 451. Minerva, einen 
Wappenhelm hochhaltend. 



M. Gesch. des baierischen 
Rathes Jakob Mair. 1619. 

49. Fol. 457. Bildnis eines arm- 
losen Mannes, der mit dem 
Fuße schreibt. DarüberSchrift- 
proben, darunter seine eigene 
Unterschrift. M. Gesch. von 
ihm selbst. I(jl9. [Er hieß 
Job. Barth. Bartelssen aus 
Riga. Eine Probe seiner 
Fußschrift vom 5. März 1619 
in dem, ehemals Hainhofer 
gehörigen, Codex, 31. 4. 
August fol. zu Wolfenbüttel , 
Fol. 485.] 

50. Fol. 460. Sehr reich orna- 
mentiertes Wappen d. Rudolf 
Ritter. M. Pergament. I(i06. 

51. Fol. 461. Allegorie: Ein Mann, 
im Begriff, in eine Fischreuse 
zu kriechen, in der sich ein 
nacktes Mädchen (»Frau 
\Vollust«) befindet, welches 
ihm winkt : daneben meh- 
rere Personen, darunter zwei 
Narren. M. auf Pergament. 

52. Fol. 463. Dahin sprengender 
Ritter mit Wappen. M. Auf- 
gekl. Gesch. des Joh. Friedr. 
Welser des Jung. 1594. 

53. Fol. 472. Verkündigung ^lariä 
innerhalb einer gothischen 
Kirche. Frühniederländische 
Federzeichnung auf geglätte- 
tem und gestärktem Papier. 
Gutes Blatt. Auf der Rück- 
seite der in Federzeichnung 
gearbeitete unvollendete Ent- 



__ 278 — 

wurf zum Giebel eines ein junger Mann sucht sie 

Renaissancehauses. an einem Faden herab zu 

54. Fol. 480. Susanna im Bade. sich zu ziehen. Darunter vier 
Schrift : Rarum donum Casti- Verse. M. Aufgekl. IGOl. 
tas Vera. M. Aufgekl. Gesch. 56. Fol. 488. Der Gang nach 
des Karl Krafter. 1600. Emaus. Illum. kleiner K. 

55. Fol. 482. Junges Mädchen 57. Fol. 489. Die hl. Veronica. 
(Venus) auf einer Kugel ; ein Sehr kleiner illum. K. Gesch. 
Greis mit Geldbeutel sucht des Hieron. Ortelius von 
sie an einem Stricke, und Augsburg. 1598. 

Erinnern wir uns nun, dass Hainhofer dem Herzoge 
Philipp II. von Pommern unter dem 5. September 1610 »eine 
kurtze verzaichnus« seines Stammbuches schickte (Quellenschr., 
N. F., VI., 33 — 39). Einige der im obigen Kataloge aufgezählten 
Blätter sind darin nachweisbar, viele andere nicht, was sich 
daraus erklärt, dass jene »verzaichnus« eben nur kurz, also nicht 
erschöpfend sein, und dem Herzoge von dem Zustande des 
Stammbuches nur einen ungefähren Begriff geben sollte. So sind 
die Nummern 1, 8, 12, 14, 15, 16, 21, 22, 24, 38, 40, 41, 44, 
50, 52, 55 des Wolfenbüttler Buches 1610 schon in seinem 
Besitze gewesen, ohne dass er sie in der s> verzaichnus« mit 
erwähnte. Sicher ist die Identificierung von Blättern im Wolfen- 
büttler Buche und der »verzaichnus« nur bei Nrn. 34, 45, 46, 53. 
Im ganzen kann man wagen, zehn der von Hainhofer genannten 
Blätter in dem Buche zu bezeichnen. Die Kreuzigung Christi (im 
Kataloge oben Nr. 11) ist, auch falls sie mit der in der »ver- 
zaichnus« genannten identisch sein sollte, doch sicher nicht die 
einzige gewesen, die Hainhofer besaß, da er ebendaselbst von 
einer vollständigen Geschichte Christi in 28 Blättern spricht, und 
das im Wolfenbüttler Buche befindliche vStück sicherlich nicht aus 
dem Zusammenhange gerissen ist. Die außer den schon genannten, 
noch allenfalls identificierbaren Nummern des Kataloges sind 4, 5, 
8, 19, 30, 52 und 56. Es verbleiben demnach von den 103 Nummern 
der »verzaichnus« 92 sicher nicht in das Wolfenbüttler Buch über- 
gegangene Blätter. Dass dieses Buch nun mit jenem identisch sei, 
welches Hainhofer, nachdem er seine Sammlung getheilt, für 
»Nobiles, Patricios vnd sonst guete freund« bestimmt hatte (Brief 
an den Herzog von Württemberg, 11. März 1613, Quellenschr., 
N. F., VI., 247) könnte man annehmen, doch ist dabei ein großes 



^ 279 — 

Bedenken zu überwinden. In demselben eben angeführten Briefe 
sagt Hainhofer nämlich von diesem Buche, es sei darin xfür- 
nemblich in vita Christi vil schöner miniatur st(ücke) zu sehen«, was 
mit dem jetzigen Zustande des Buches durchaus im Widerspruch 
steht. Selbst wenn Nr. 57 (die hl. Veronica) noch dazu gerechnet 
wird, so finden sich unter den 57 Nummern nicht mehr als 4, 
welche das Leben Christi betreffen. Die nächste Annahme wäre, 
dass das Wolfenbüttler Buch weder mit dem Fürsten- noch mit 
dem Nobilitätsbuche identisch, sondern ein Stück für sich sei : 
dass Hainhofer also nicht bloß zwei, sondern drei solcher Stamm- 
bücher (die oben unter Nr. 1 — 3 beschriebenen Bücher scheiden 
hier natürlich aus) besessen habe. Da aber Hainhofer niemals 
von mehr als zwei Büchern spricht, eine \'erschweigung des 
dritten aber keinerlei Sinn gehabt hätte, nach Hainhofers ganzer 
Art auch nicht als möglich anzunehmen ist, auch weder von Stetten 
oder sonst jemand davon redet, so muss man sich die Sache anders 
erklären. Nämlich so, dass die Anlage eines zweiten Buches für 
nichtfürstliche Personen zwar Hainhofers x\bsicht gewesen, dass 
er sie aber nicht, seinem ersten Plane gemäß, durchgeführt hat. 
In den 19 Jahren, die vergiengen, bis er das kleine (Wolfen- 
büttler) Buch binden ließ, besann er sich über die meisten Blätter 
anders und nahm sie doch in das große Buch auf, welches ohne 
Zweifel von vornherein (wie auch das kleine) auf bedeutenden 
Zuwachs angelegt war. Nur worauf er wenig W^ert legte, blieb 
in dem andern. x\ußerdem diente ihm dies neben dem oben 
unter Nr. 3 genannten kleinen Büchlein für Eintragungen seiner 
Freunde und Gönner an fremden Orten, also recht eigentlich als 
wirkliches Stammbuch. 

Somit enthielt das große Stammbuch, dessen Verbleib nicht 
nachw^eisbar ist, erstens jene 92 Bilder, welche die s-verzaichnus« 
von 1610 bereits erwähnt. Zu diesen kommen aber noch die- 
jenigen, welche er schon bei früheren Gelegenheiten erwähnt, in der 
»verzaichnus« aber übergangen hat, so die sämmtlichen Beiträge, 
welche nur etwa ein Wappen, eine Devise oder dergl. aufwiesen. 
Deren Zahl war freilich bis KUO nicht groß '), es überwogen die 
Bilderdarstellungen, deren Stiftung hauptsächlich geistlichen Für- 
sten zu verdanken war. Oft e^eschah es auch, dass Stifter zunächst 



') Iiin meim staiidtbuch liab Ich wcui},' emblemata vnd Impresc. vas 
(.luichgcliendts lauter Historias ... (9. Juni 1(J09. (Ju.-Schr., N. I*., VI., 1.) 



— 280 — 

ihr Wappen oder dergl. nebst ihrer Handschrift schenkten, und 
sich die Lieferung bildhcher Beiträge für später vorbehielten. So 
besaß Hainhofer die »Emblemata« des Kaisers, zweier Päpste und 
der Mamella (?) (15. Sept. 1(310), ferner eine Eintragung Herzog 
Phihpps IL, mit Spruch, auf die Art der rechten Freundschaft 
bezügHch. Dazu kommen ferner folgende Darstellungen : 1. Friedrich 
Barbarossa auf dem Kreuzzuge, viele geistliche und weltliche 
Reichsfürsten, darunter Markgraf Hermann von Baden, in seinem 
Gefolge : gemalt von Rottenhamer im Auftrage des Markgrafen 
Georg Friedrich von Baden-Durlach. Dazu gehörte dessen Wappen 
mit dem Worte virtute, weshalb das W^appen von den Gestalten 
der sieben Cardinaltugenden umgeben war, durch Attribute und 
Farben gekennzeichnet. Die letztere Zeichnung hatte Hainhofer 
mit ß Ducaten bezahlt; der Markgraf hatte alles behalten und 
Hainhofer nur eine Nachzeichnung geben lassen, die Tobias 
Bernhart angefertigt und mit Thieren, Früchten, Landschaften, 
sowie des Markgrafen Bildnis geziert hatte (Preis 7G Thaler). 
Erwähnt 5. August 1610. 2. Ein »Weiblein mit pictura vnd 
sculptura.« Von Rottenhamer für Philipp IL copiert. Erwähnt 
15. Sept. 1610. So lassen sich bis Ende IG 10 im ganzen 99 Blätter 
des Stammbuches zählen, sehr viele andere vermuthen. Als Stifter 
werden, außer denen in der >verzaichnus«, mit Beiträgen, die sich 
nicht identificieren lassen, noch erwähnt : 

1. Hainhofers Schwager, David Wolff, mit Wappen und 
Figur ; — hübsche, wohlgebrauchte Farben, ^) gute Stellung ; von 
Hans Fischer. 12. Juni 1605. 

2. Hans Wilhelm von Riethaim. Freiherr zu Angelberg, und 
seine Gemahlin, mit einem schönen Kunststücklein und Wappen. 
26. März 1606. 

3. und 4. Die beiden iVugsburgischen Stadtpfleger Fugger, 
welche um Beiträge ersucht werden sollten. 26. März 1606. 

5. Bernhard Nöttel in Nürnberg; hatte einen Beitrag ver- 
sprochen. Herbst 1606. 

6. Philipp Scheirl und T. Hans Sidelmann ; sollten Wappen 
schenken, die Fr. Falckenburg malen sollte, der »mit wäppelen 
vnd klainer Arbait gar artig« war. 16. Nov. 1606. 

8. Georg Zobel in Pforzheim ; sollte einen Beitrag liefern. 
18. März 1 608. 

') Wegen der üclimückeiiden Epitlu;ta vgl. oben Anni 1 zu Seite 253. 



— 281 — 

9. Nikolaus von Langenprugg : seine Miniatur sollte in 
14 Tagen eintreffen. 13. Mai 1609. 

10. Konrad von Berlichingen d. Jung, zu Jagsthausen: sein 
Wappen und Kunststück arbeitete Hans Fischer für 50 Gulden. 

4. Nov. 1609. 

11. Hauptmann Großman : Zeichnung nach Rottenhamer, 
von Kilian mit der Feder copiert. 5. Aug. JfJlO. 

12. Mr. Rame. Miniatur von Rottenhamer^). o. Aug. 1610. 

13. Ein Markgraf von Kulmbach mit einem von Josef Hainz 
in schwarzer und rother Kreide gezeichneten schönen Stücklein. 

5. August 1610. 

14.-) Ein Markgraf von Ansbach: Werk von A. Mozart. 

15. Giovanni de' Medici : W^erk von Ligozzi. 

16. Khevenhüller ; von einem Wiener Künstler. 

17. Marcus Fugger: von Kager. 

18. Graf v. Öttingen : von einem italienischen Künstler. 

19. Contarini : von einem Venetianer. 

20. Graf v. Schlicks; von Franz Aspruck. 

Künstler, von denen bis Ende 1610 Beiträge in das Buch ge- 
kommen waren, waren folgende : Hans von Aachen, Antonio Aliense 
(Vassilacchi), H. S. Beham, Tobias Bernhart, Paul Bril, Jan 
Brueghel d. Ä., Martin und Friedrich Falckhenburg, Job. Georg 
Fischer, Job. Freyberger, Daniel Fröschlein, Jeremias Günther, 
Göttich, Goltzius, Josef Hainz, Daniel Herzog, »Isaak in Engelland ^^ 
(j. G. Reicher), Job. Karg, J. M. Kager, L. Kilian, H. König, 
Hans Lamim. Anton Mozart, Job. Rottenhamer (allerdings nur 
copiert), Barthel Schachtman, Chr. Schwarz, Roelant Savery, 
Fr. Sustris. Die angeblichen Schongauer- und Dürer-Werke sind 
falsch zugeschrieben. Zu diesen Künstlern gesellten sich bis zum 
Frühjahre 1611 noch: Brendel, Israel de Bry, Castello, Hufnagel, 
Philipp von Offenbach, Panzer, Ägidius Sadeler, Raphael Sadeler, 
Schemel, Schwegler, Spiegier und andere mehr. Keineswegs 
alle Bilder trugen Künstlerbezeichnungen. Man sieht, mit welcher 
Schnelligkeit der Umfang des Buches zunahm, dank der Uner- 



') Da sich R. 1(')12 (8. Febr.i zu einer Zeichnung erbietet, damit auch 
etwas von seiner Hand in das Buch käme, so hat Rame, wie auch andere 
Hesteller so oft, das Original behahcn und an Hainhofer nur eine Copic geliefert, 
die in diesem Falle von Tob. Bernhart ausgeführt wurde. 

'^) Von hier bis Tsr. 20 säramtlich am 15. Sept. KJIO genannt. 



__ 2>^2 — 

müdlichkeit, mit welcher Hainhofer dessen Vergrößerung betrieb. Er 
begann mit einer von ihm selbst oder durch Mittelspersonen gestellten 
Anfrage. Wurde diese zustimmend beantwortet, so liebte er am 
meisten, nach seinem eigenen Geschmacke ein Blatt malen zu 
lassen: dies sandte er dem Stifter, der nichts zu thun hatte, als 
seine Unterschrift dazuzufügen und die Kosten zu begleichen. Bis- 
weilen kaufte wohl Hainhofer auch ein ihm besonders erwünschtes 
Blatt selber und wartete dann, bis sich ein Gönner fand, der es 
ihm nachträglich schenkte. Das war namentlich dann erforderlich, 
wenn ihm daran lag, bestimmte Reihen von Darstellungen zu 
sammeln (Geschichte Daniels, Leben Christi u. dgl.): freilich ließen 
sich Fürsten auf derlei Gaben nicht ein. Diese spendeten am 
liebsten selbständige Scenen aus der biblischen oder Profan- 
geschichte, naturgemäß gern aus derjenigen ihres Geschlechtes. 
Die Originalzeichnungen aber behielten viele von ihnen für sich, 
und Hainhofer erhielt nur Copien. Gelegentlich schenkte auch 
jemand ein Werk eines älteren Künstlers, wiewohl Hainhofer 
dergleichen Stücke nicht zu beurtheilen verstand. Beiweitem aber 
nicht alle schenkten Bilder ; sehr viele vielmehr nur W^appen oder 
lediglich Sprüche mit oder ohne ornamentale Verzierungen. Wer 
einen Beitrag selbständig liefern wollte, erhielt von Hainhofer die 
Größenangabe des Stammbuches. Bis 1606 waren nur Quart- 
formatblätter da, später kamen auch größere. Auch das Perga- 
ment, welches Hainhofer aus Italien bezog (nur ausnahmsweise 
nahm er deutsches oder holländisches), lieferte er seinen Spendern. 
Theils des besseren Aussehens halber, theils mit Rücksicht auf 
das Einbinden, musste um jedes Bild ein genügender Rand 
gelassen werden. Der Technik nach gab es in dem Buche : 
Gouachemalereien, Kreidezeichnungen, Federzeichnungen, Silber- 
stiftzeichnungen, Kupferstiche, Stickereien auf Atlas. Ölmalereien 
waren gleichfalls da, doch liebte sie Hainhofer am wenigsten, da 
sie sich seiner Meinung nach, in das Buch eingeschlossen, schlecht 
hielten. Großes Verlangen äußerte er (16. März 1611) nach einem 
aus Federn gearbeiteten Stücke, und da ihm der Herzog von 
Baiern ein solches versprach, KUl auch ein Werk von Schwegler, 
der sich auf derlei Arbeit verstand, als im Buche befindlich erwähnt 
wird, so scheint er wirklich zu einer solchen Federnmosaik gelangt 
zu sein. Das Titelblatt des großen Stammbuches ist von mir in 
Quellenschr., X. F., VI., pag. XIV und X\' veröffentlicht worden. 



— — t:::^ÖD - 

Es ist 33,7 on hoch, 27,8 c7/i breit. Die innere Fläche misst 
15,5 c?/i in der Höhe, 14,4 cm in der Breite. Danach geschätzt, 
dürfte das Buch etwa 35 cm hoch, 29 cm breit gewesen sein, 
sich also im Formate von den Hainhofer'schen, oben beschrie- 
benen Familienstammbüchern nicht wesentlich unterschieden haben. 
Das zweite Blatt (beschrieben von Hainhofer, Qu. -Sehr., X. F., 
VI., 33) wies eine Cartouche auf, die mit Renaissance-Ornamenten, 
Thieren, Blumen, Früchten, den vier Elementen und 4 Jahreszeiten 
geziert war. Darin stand ein Gedicht an das Buch selbst, in 
10 lateinischen Distichen. Auf der Rückseite befand sich ein 
10 \'erse langes lateinisches Gedicht an den Leser. 

So sah das Buch aus, dessen Wert schon IGll die Zeit- 
genossen in Erstaunen setzte. Die einzelnen Blätter waren zum 
Theile sehr theuer; viele Stücke kosteten 30, 40, 50 ungarische 
Ducaten ; Hans Fischer erhielt 1608 für ein Bild nebst Wappen 
das für hoch angesehene Honorar von 8 Gulden : der Beitrag, den 
der Bischof von Eichstädt bewilligte, durfte e Ji paar hundert Thaler 
kosten. Andere kosteten 10<3, auch 200 Gulden, und so berechnet 
Hainhofer bereits 1610 den Wert des Buches auf über 2000 Gulden. 

Diesem bedeutenden Geldwerte entsprach der bedeutende 
Umfang. Schon 1611 hatte man mehrere Tage zu thun, »ein 
stuckh nach dem andern wegen seiner kunst vnd Invention recht 
zu meditirn vnd zu contemplirn«, und wer es sah, verfehlte nicht, 
zu versichern, dass dies ein stattliches und fürstliches Buch wäre, des- 
gleichen schwerlich sonst zu finden sei. Der Herzog von Vaudemont 
gab seiner Bewunderung dadurch Ausdruck, dass er das Buch 
gewaltsam behalten wollte, ein Unglück, welches von Hainhofer 
nur durch \'ermittlung des Kurfürsten von Köln abgewandt wurde. 
Für uns heutzutage würde der Wert des Buches mehr in kunst- 
geschichtlichen und geschichtlichen als in künstlerischen Rück- 
sichten begründet sein, weil wir über die meisten jener von 
Hainhofer und seinen Zeitgenossen hochgeschätzten Künstler doch 
wesentlich kühler urtheilen müssen. 

Der eben geschilderte Umfang und damit der W^rt des 
Buches, wie sich beides um 1611 darstellte, vergrößerten sich in 
der Folgezeit sehr erheblich. Keine Reise trat Hainhofer an, ohne 
das Buch mitzunehmen, vorzuzeigen und neue Spenden Zugewinnen. 
Es kann hier nicht auseinandergesetzt werden, wer alles das Stamm- 
buch bewundert und ^vas man darüber gesagt hat : Hainhofer 



— 284 — 

berichtet unendlich oft davon. Aus den Worten des Lobes lässt 
sich noch nicht abnehmen, wer von den Bewunderern dann auch 
einen Beitrag gestiftet hat. Desgleichen kann, wenn im Folgenden 
die noch weiteren Stifter von Beiträgen aufgezählt werden, bei 
denjenigen, die nur etwas versprachen oder in deren Namen sogar 
nur etwas versprochen wurde, nicht versichert werden, dass ihre 
Beiträge auch wirklich gekommen sind. Sicher sind solche von 
folgenden Personen geliefert, bezw. versprochen worden : Ein [?] 
bedeutet, dass es sich nur um letzteres handelt. 

1. Herzog Philipp II. von Pommern-Stettin. Verhandelte mit 
Hainhofer schon seit 1010 über ein geeignetes Bild und wünschte 
es von einem Augsburger Künstler gemalt zu haben. Hainhofer 
empfahl Bernhard, Freiberger und Kager, oder statt des letzteren, 
der langsam arbeitete, König, der damals (October 1611) in Rom 
war. Nachdem der Herzog von dem anfänglich gemachten andern 
Vorschlage, betreffend ein Gesammtportrait dreier »Indianischer 
oder Persianischer Gesandten«, Abstand genommen hatte, wurde 
beschlossen, dass er ein Bild: »Christus im Schiffe« und außerdem 
sein reich verziertes Wappen schenken würde. Ersteres wurde 
Rottenhamer übertragen, der auch den Entwurf lieferte; die 
Ausführung wurde, da er zu beschäftigt war, von Tob. Bernhart 
übernommen (December 1611). Dieser nahm noch kleine Ände- 
rungen vor' (namentlich fügte er Volk hinzu, welches am Seeufer 
ängstlich den Vorgang beobachtete), und förderte die Arbeit so, 
dass er am 12. April 1612 fertig war. Er beanspruchte einen 
Lohn von 100 Thalern, was dem Herzog freilich theuer vorkam, 
und auf dessen Auszahlung er daher auch lange warten ließ. Die 
Bedeutung der Darstellung war nach des Herzogs Auffassung : 
Christus ist dennoch mit im Schiffe, ob er gleich schläft. — Die 
Zeichnung zum Wappen hat der mit dergleichen besser vertraute 
Kager gemacht. Es war verziert mit der Figur Davids, der Löwen 
und Bären tödtete, dabei die Schrift : Ego tuli te de grege - eins 
von des Herzogs Lieblingsworten, ferner mit den Figuren (oder 
vSymbolen ?) der Pietas und Justitia; außerdem mit vier »Schildern«, 
enthaltend a) Greif mit Buch und Schwert : Schrift : Christo et 
Reipublicae; h) eine Harfe; Schrift: Concentus ex concordia: 
c) eine Uhr; Schrift: Memento ut homo es; d) leer (März 1612): 
Hainhofer schlug hierfür ein »Tag- und Nachtblümlein« vor mit 
der Schrift: Philosophia. Die »Schilde^ waren in Metallfarbe, die 



— 285 — 

Gegenstände aber naturalistisch gefärbt. Nach Fertigstellung wies 
das Wappen eine Menge von heraldischen Fehlern auf, die corrigiert 
werden mussten. 

2. Der Bischof von Eichstädt, Johann Konrad, bestimmte 
als Gabe : Hiob, auf dem Strohhaufen sitzend, von den Seinigen 
verachtet, von den Hunden geleckt ; dabei des Bischofs Wappen 
und Bildnis. Es sollte erst eine Zeichnung angefertigt werden. 
Preis »ein bar hundert Thaler«. 18. Mai 1611. Gemalt von Bern- 
hart nach Rottenhamers Erfindung. Es war sehr stattlich und 
mühsam. Fertig am 28. December 1()11. 

3. Kurfürst von Brandenburg. 

4. Markgraf von Baden-Durlach (Malerei von Bernhart). 

5. Großherzog von Florenz, alle drei am 24. Mai Ißll schon 
im Buche. 

(). Herzog Maximilian von Baiern, Herzog Wilhelms Sohn, 
will von Kager etwas malen lassen. 24. Mai 1611. x\uf den Rath 
eines Welser wünschte sich Hainhofer etwas aus der älteren 
baierischen Geschichte. Fertig im September 1(313. 

7. Derselbe schenkte interim ein Marienbild mit seinem 
Wappen. 16. Nov. 1611. 

8. Herzog Wilhelm. V. von Baiern versprach am 24. Mai 1611 
etwas Künstlicheres, als die anderen geliefert hätten, nämlich eine 
Malerei auf Hörn. Dass sie so ausgeführt worden sei, ist zu 
bezweifeln. Sie war fertig am 11. März 1612 und stellte dar: 
auf einer Seite das Paradies, auf der anderen das baierische 
Wappen, ringsumher sämmtliche W^appen des Kurfürstenthumes, 
eingefasst (d. h. im Umkreise verziert), mit den 4 Welttheilen. 
Unterschrift des verstorbenen Kurfürsten, darüber das Wort OMNIA. 

9. Derselbe schenkte, da seine unter Nr. 7 genannte Gabe 
noch nicht zur Stelle war, ein Doppelblatt : auf einem Blatte 
Maria mit dem Jesuskinde »bey ein tisch mit fruchten, auf der 
ainen seitten bey Ihren füessen ist ihr nehewerck, auf der andern 
St. Johannes, kurtzweilet mit eim lemlein, hinder Ihr der Joseph, 
sihet zu wie die Kinder kurtzweilen, vnd sein Perspektus (d. h. es 
sind Ausblicke in die Landschaft) dahinder. Auf dem andern blat 
ist Ihr dht wappen, das halten 2 Engel, oben der Herzogs hut, 
vmbher das guldin liuss (d. h. Vlies), vnden Ihr dht handtschrifft 
lateinisch vnd das Symbolum darbey, Agnosce dole emenda.« 
16. Nov. 1611. 



- 2><(\ 

10. Antonio de" Medici, April 1611. Seinen Beitrag ver- 
mittelte Hainhofers Bruder, Christoph, gleich den beiden folgenden. 
Alle drei waren von Ligozzi gearbeitet, kamen 1012 an und 
wurden von Hainhofer für nicht so gut erklärt, wie die übrigen 
Stücke in seinem Buche. 

11. Der Großherzog von Florenz schenkte a) sein Wappen 
mit zwei allegorischen Figuren, deren eine (Justitia) ein Schwert, 
die andere (Fax) ein Scepter und eine Säule hielt; l?) ein Blatt, 
worauf innerhalb von Rondeskenw^erk (Renaissance-Ornamenten) 
ein Lorbeerkranz auf gelbem Grunde; Schrift: non iuvat ex facili. 

12. Die Großherzogin schenkte a) ihr Wappen mit 2 Figuren, 
Prudentia und Temperantia, ringsumher fliegende Engel, die den 
Herzogshut hielten, nebst Spruchband mit Schrift : in Gott hoffe 
ich, darunter ihr Name ; d) ein Blatt mit schöner Landschaft, in 
der Luft ein Paradiesvogel, über ihm das Wort AEthera. 

13. Ein Herr Hans von Ulm und 

14. dessen Bruder, der Abt zu Kempten, haben Beiträge 
versprochen. [?] K). Nov. 1611. 

15. Ohne dass schon ein Stifter vorhanden war, erbot sich 
Rottenhamer, die Geschichte von der Kallisto in Wasserfarben 
auf Pergament zu malen, w^orüber sich Hainhofer freute, weil er 
so von diesem Künstler eine eigene Arbeit erlangte. Allerdings 
war er besorgt, was Rottenhamer in der ihm ungewohnten 
Technik (er brauchte sonst nur Ölfarben) würde leisten können. 
8. Febr. 1612. 

16. Erzherzog Ferdinand in Graz bewilligte ein Stück nach 
Hainhofers Belieben, doch mussten beim Wappen zwei Engel, 
die miteinander eine Kaiserkrone hielten, angebracht werden : über 
einem sollte stehen legitime, über dem andern certantibus. l.Jun. 1<)12. 
Vermittelt war diese Gabe, wie die Nr. 17 und 18, durch den 
alten Herzog von Baiern. 

17. Erzherzog Leopold von Tirol ließ von Jeremias Günter 
ein Bild malen : Die Störche klappern um Regen, Gott sieht vom 
Himmel herab und erhört sie. Das Wappen hielt ein Bischof in 
ausgebreiteten Armen, darüber Schrift : Pietas ad omnia vtilis. 
11. März 1612. 

18. Der Coadjutor von Köln bestimmte eine Darstellung des 
Paradieses : die Wahl des Künstlers blieb Hainhofer überlassen. 
Auf einem leeren Blatte sein Namenszug, darüber Schrift : dominus 



— 2S7 — 

virtutum nobiscum. 11. März 1612. Hainhofer wählte den Ant. 
Mozart. 

19. Der Erzbischof von Köln. Auch sein Beitrag war von 
Mozart. 14. März 1()12. 

20. Der Bischof von Mantua, Francesco Gonzaga : Auf einer 
Seite der hl. Franciscus. Schrift : Sancte Francisce ora pro riobis. 
Auf der andern Seite das bischöfliche Wappen, darüber ein alt- 
testamentliches Opfer (Opferung Isaaks ?). Schrift : Soli Deo 
Gloria. 14. März 1612. 

21. Die Herzogin von Pommern-Stettin bewilligte das »Sym- 
bolum Apostolicum« 14. März 1()12. König unternahm die Aus- 
führung, weil er sich für so kleine Sachen besonders eignete. 
Die Zeichnung war nach dem Urtheile der Augsburger Künstler 
nicht klar genug componiert, wenn auch die Erfindung gelobt wurde. 

22. Herzog Ulrich, Philipp II. Bruder. Beitrag mit eigener 
Unterschrift. 21. März 1612. 

23. Erzherzog Maximilian zu Innsbruck : St. Georg, auf der 
andern Seite das Wappen, von Löwen gehalten, oben drei Helme. 
Schrift: Militemus. 2:]. Mai 1612. 

24. Die Herzogin von Baiern verspricht Beitrag. [?] 28. Sept. 1()12. 

25. Der Kurfürst sagt seine Vermittlung beim Herzoge von 
Vaudemont zu. [?] 30. Sept. 1612. 

26. Herzog Maximilian von Baiern und 

27. Herzog Albrecht von Baiern schenkten Scenen aus der 
baierischen Geschichte. Des Letzteren Beitrag war von Freiberger. 
Am 11. März 1613 noch nicht fertig. 

28. Der Herzog von Württemberg und 

29. sein Bruder Friedrich erhielten von Hainhofer Pergament- 
blätter, um Beiträge darauf malen lassen zu können. 11. März 
1613. [?] 

30. Pfalzgraf Philipp Ludwig : Jeder nimmt sein Kreuz auf 
sich und folgt Christo nach. Schon vor 1613. 

31. Marcus Sittich, Erzbischof von Salzburg, schenkte ein 
»stückHn von miniatur auf 200 Duccaten werth«. 9. Sept. 1613. 

32. Kaiser Matthias versprach, jedenfalls schon 16)12 in 
Nürnberg, einen Beitrag. Die Herstellung wurde dem Jeremias 
Günter übertragen, der am 11. März 1613 angeblich an der 
Arbeit war. Doch wartete Hainhofer noch im November KU 7 
auf die Ablieferung. [?j 



— 288 — 

33. Die Kaiserin Anna schenkte eine Malerei von Daniel 
Fröschlein, nebst Unterschrift und Wahlspruch. 29. Sept. 1613. 

34. Der Kurfürst von Trier verehrte einen Beitrag. 22. Oct. 1613. 

35. Herzog Friedrich Julius von Württemberg wurde von 
Hainhofer um einen Beitrag gebeten. 18. März 1614. [?] 

36. Der König von Dänemark desgleichen. 21. Jan. 16)16. [?| 

37. Sophie Hedwig, Herzogin von Braunschweig-Lüneburg, 
schenkte eine Federzeichnung: Auferstehung Christi. 1617. 

38. Die Kurfürstin von Brandenburg versprach mündlich 
einen Beitrag von sich und ihrem Gemahle. 8. Octob. 1617. [?| 

39. Der Kurprinz von Brandenburg gab eine Zusage. 
10. Octob. 1617. [?] 

40. Pfalzgraf W^olfgang Wilhelm hatte 16)17 bereits einen 
Beitrag im Buche. 

41. Der Kurfürst von Sachsen wurde von Hainhofer um 
einen Beitrag ersucht und versprach diesen für sich und seine 
Gemahlin. 18. Octob. 1617. Der Kammermaler Fasold wurde mit 
der Ausführung beauftragt. [?] 

42. Pfalzgraf Gustav zu Lautern gab eine Zusage. 1617. [?] 

43. Dessen Schwester, die »fürstliche Witwe zu Nürtingen«, 
hatte damals schon einen Beitrag im Buche. 

44. Herzog Franz und 

45. Herzog Boguslav, Brüder Herzog Philipps II., versprachen 
für sich und ihre Gemahlinnen Beiträge. 1617. [?] 

46. Herzog Philipp August von Pommern : Geschichte von 
der Taufe des Kämmerers durch den hl. Philippus. Beim Wappen 
stand der geistliche Ritter (hl. Georg ?). Miniatur. Preis 10 Thaler. 
28. Juni 1618. 

47. Die Erzherzogin, Gemahlin Leopolds von Österreich, 
hatte einen Beitrag bei einem Urbinatischen Künstler bestellt. 
April 1628 bald fertig. 

48. Der verstorbene Erzherzog Maximilian : St. Georg und 
St. Elisabeth. Erwähnt 1628. 

49. Der Großherzog von Florenz wollte von einem Florentiner 
Mönche eine Malerei anfertigen lassen. 1628. [?] 

50. Prinz Johann Karl wollte selbst etwas in das Buch 
zeichnen. 1628. [?] 

51. Die Kurfürstin von Sachsen, Magdalene Sibylla, ver- 
sprach einen Beitrag. 1629. [?] 



— 289 — 

52. Graf Philipp Ernst von Mansfeld verehrte einen Bei- 
trag. 1629. 

Wenn bei dieser Aufzählung auch eine Anzahl solcher Gaben 
sind, von denen sich nicht nachweisen lässt, ob sie wirklich 
geliefert wurden, so ist dagegen zu bedenken, dass sehr viele 
Stücke von Hainhofer nicht erwähnt sind, ferner dass seine Eigenart 
ihn gehindert hat, der von nichtfürstlichen Personen gelieferten 
Beiträge anders als höchstens zufällig einmal zu gedenken. Somit 
ist die Zahl der schließlich im Stammbuche wirklich vorhandenen 
Bilderbeiträge nicht genau festzustellen, doch wird sie minde- 
stens 150 betragen haben, während die Zahl der bloßen Wappen 
oder Sprüche sich auf mehrere Hundert belaufen haben dürfte. 

Eine interessante Folge hat Hainhofers Sammelleidenschaft 
insofern gehabt, als er damit Herzog Philipp II. beeinflusste, der 1<)12 
anfieng, nach dem Muster des Hainhofer'schen Stammbuches ein 
eigenes zu begründen. Man vergleiche darüber meine Anmerkung 
zu Qu. -Sehr., N. F., VI., pag. 219. 



Der Inhalt der Hainhofer'schen Kunstsammlungen zerstob 
schon vor, der Rest nach seinem Tode in alle Winde, Die 
Schulden waren zu groß geworden, oft drohte Pfändung ; Plün- 
derung suchte ihn heim ; häufig wusste Hainhofer nicht, wo er 
das Nothwendigste hernehmen sollte. Wo das große Stamm- 
buch geblieben ist, lässt sich nicht sagen. Schon zu Zeiten Pauls 
V. Stetten war es in Augsburg nicht mehr vorhanden. Seine 
vSpur endet in Wolfenbüttel, doch ist es dort unbekannt. Sollte 
es, wie Hainhofer beabsichtigte, nicht fest eingebunden, sondern 
so eingerichtet worden sein, dass die Blätter nach Belieben heraus- 
genommen w^erden konnten, so ist es so gut wie sicher, dass man 
es aufgelöst hat und die Blätter sich in alle möglichen Samm- 
lungen verloren haben. Vielleicht gibt, wie auch Mörner dies 
bezüglich seiner Untersuchung über das Stammbuch Philipps II. 
wünschte, meine Arbeit die Möglichkeit, das Buch oder wenigstens 
Theile desselben wieder zu entdecken. 



Ouelleiischr. X. Bd. IM 



IL 

iFoi. 578 r.] Besclireibuiig 

aines zierlichen vnnd gar artig eingerüsteten trüchleins ^). 
Dises trüchlein ist von lindenem holtz sauber zusamen 
gesetzet, von aussen alle gesüms vnnd geflambte keelstöß mit 
planiertem guettem blettlen gold, vnnd in den iillungen mit 
messinen gestampften vnnd im fewr vergulten blechen, auch mit 8 
in P'rankhreich zu Limoye-) auf kupfer geschmelzten figuren, 
gemahlten Vriesen, gezieret, auf die blech sein in circa 200 auß 



1) Diese BeschreibuBg stammt aus dem Codex Aug. 11. 22, Fol. der 
Wolfenbütteler Bibliothek. Der mit dem bescheidenen Titel »trüchlein« bezeich- 
nete kostbare Kunstschrank wurde von Herzog August dem Jüngeren von Braun- 
schweig auf Hainhofers Anerbieten 1636 bestellt als ein Geschenk für des Herzogs 
3. Gemahlin Sophie Elisabeth von Mecklenburg (vgl. Anm. 2 auf S. 295), welche da- 
mals ihre erste Niederkunft erwartete. Die wegen der Sache geführte Correspondenz 
befindet sich in derselben Bibliothek im Codex 96. Novor. Sie beginnt am 
10. April 1636, wo der Kunstschrank bereits in Arbeit war. Seine Vollendung 
zog sich in die Länge, weil es Hainhofer an Geld fehlte, die Handwerker zu 
befriedigen. Auch hatte unter denjenigen, welche einst am pommerschen Kunst- 
schranke mitgearbeitet hatten, der Tod bereits stark aufgeräumt. Von denen, 
welche noch lebten, waren die katholischen mit Arbeit überhäuft und hatten 
daher wenig Zeit, die evangelischen aber suchten ihren in der Bedrängnis 
der Zeit entstandenen Ausfall an Verdienst durch Hochschrauben der Preise ein- 
zubringen, 80 dass man auf ihre Mitwirkung größtentheils verzichten musste. — 
Dass das »trüchlein« ursprünglich nicht für die Herzogin, als Gemahlin Augusts, 
bestimmt war, geht daraus hervor, dass sein Wappen erst damals zu dem ihrigen 
hinzugefügt wurde. Diese Änderung verursachte weiteren Aufenthalt und erst am 
3. Juli 1636 kam der Schrank zur Versendung; acht Tage später folgte die oben 
abgedruckte Beschreibung, welche von Hainhofer selbst verfasst ist. Der Preis 
des Stückes, der mehrere tausend Gulden betragen haben muss, lässt sich nicht 
feststellen. Der Herzog erledigte seine durch vielerlei Ankaufe bei Hainhofer 
entstandenen Geldverpflichtungen ratenweise; eine Berechnung Hainhofer's über 
diesen einzelnen Schrank ist nicht erhalten. 

'^) Limoges, altberühmte Herstellungsstättc cmaillieilcr Kunstwerke, vgl. 
Bucher, Geschichte der technischen Künste, I, 27 ff. 



— 291 ~ 

perlenmueternen muschlen geschnittne vnnd in vergulte kästlen 
versetzte grose vnnd klaine perlen genaglet vnnd gelötet : das 
trüchlin inwendig mit wolruchendem Cypres gefueteret, die deckhel 
mit gemahlen ornieret : alleß beschläg, so in das gesicht khommet, 
verguldet; vnnd alle drey Daten mit einsetzen zu den rüstungen 
vnnd ingredientijs versehen, auf das man das trüchlin auch 
absonderlich, ohne die einsatz, warzu man will, brauchen khünde, 
welches trüchlin dan vast gentil vnnd manierlich außsichet. 

Schubladen im fueß. 

Wann man die laden im fueß mit vergultem khlainerem 
schlissel auffschleusset, \Fol. 578 v.] herauß zeucht, vnnd das 
obenligend abgesteppete meergrüenne maadräzlin herab nimmet, 
so ist darinnen ain einsatz, den man auch khan außheben, welcher 
von aussen mit gefärbtem eingelegtem holtz, vnd mit 54 geschnittnen 
blawen : rothen : vnnd gruenen gläsernen wekhlen ^) gezieret, vnnd 
mit rothem sammet vnnd guldinen borten außgefuetert vnnd bor- 
duret ist. 

Man hebe disen einsatz nun herauß. oder lasse ihne in der 
Schubladen stehn, so ligen in demselben, wie volgt: 

Erstlich zur rechten Raupten der laden ain vergulter pittschier 
hammer, vnd er dessen weißbaininem hefft oder stihl liget ain gruen 
Jaspines pettschafft blattlin. 

Vnnder dem hämmerlin ligt ain geschnittenes gemahltes 
hundlein, welches, bey den fordern füessen aufgethon, ainen 
sonnen Compas in sich hat. 

Bey dem hämmerlin stekhet ain rott vnnd weiß gesprengtes 
Jaspines petschir stökhlin, noch ohngegraben -). 

^lehr ain gedrehetes bainines büchßlin, durch dessen klaines 
löchlin im dekhelin man 2 \Fo/. 579 r.] am boden ligende flöhe 
vergröseret gar perfect sehen kan. 

Wan man das einsetzlin bey den guldinen börtlen oder 
handhebelen heraußhebet, so sein 3 vergulte gestochne blech : die 
man bey den segglen ^) heraußer zeucht, da dann Im ersten fach 
seydine schnuerlen vnnd weissen briefspagen : im andern aine 
streebüchß : vnd im 3.^*^'^ das dintenfaß zu fünden ist. 

Am boden deß einsatzes vnnder den schreibzeugen ligt 



') D. 1). uach Arl der Wecken geformt, also ruud »jcschliiTen. 
'^) D. h. noch ohne das vertiefte Negativ des Siegels. 
•') Wahrscheinlich kleine Handhaben an den Seiten, 

19^ 



— 292 — 

beschnittes vergultes papir. Darneben harteß rothes spannisches 
büsemwachß. 

Wan man dises grose einsatz brettlin oder kästlin wider 
hinein senkhet, so hgt darauf ain vergultes messerhefft mit ver- 
gulter kappen veber die klingen, das papir damit zu faltzen : wan 
man die kappen herabzeucht, so khan man das messer zum 
schneiden brauchen : wan man das hefft binden aufschraufet, so 
ist darinen aine doppelte geschraufte feder zue 2 ertz bleyen, 
welche bley vmbs gewendet vnnd wider hinein geschraufet, man 
zum fassen in der band vnnd zum gebrauch richten khan. 

\^Fol. 579 z',] An disem messer ligt ain vergulter pfruemen, 
ain schoneß rundes vergultes nocturnal darbey, vnd ain ver- 
gultes circulin, ain vergultes scherlin. Mehr vnder demselben 
ain geschnittnes eingefassetes perspicil gläßlin, welches alles, warauf 
man es mit dem gedreheten stihlin nahe hinzu hebet, vergrößert. 
An der scheren liget ain vergultes röhrlin mit doppelten 
ertz bley, welches man beim drukhfederlin auf: vnnd abschieben 
khan. 

Am federrohrlin liget ain vergultes messerlin, an disem ain 
vergult gefassetes demant stefft. An demselben aine silberne 
schreibfeder. 

So man dises mitlere einsatz bretlin bey dem guldinen 
börtlin herauß hebet, so ist vnden ain löhrer fach, in welchen 
man brief oder scripturas legen khan. 

Am haupt dises bretlins ist ain in ebano holtz gefassetes 
sand vhrlin mit silbernem sand. 

Neben dem vhrlin ain schreibtäfelin, so herr Margraf 
Friderich von Baden ^) selber gemachet hat. 

Darneben liget ain pfeiflin auß katzen äugen. [Fol. 580 ;-.] 
wan man dises klainste einsatz bretlin mit dem schreibtäfelin 
herauß nimmet, so ligt darunder in gedrehetem büchßlin ein vom 
Alessandro Abondio in wachß possiertes schöns weibs brust- 
bildlin. 

Beim pfeiflin liget ain bainin gedrehtes perspectiv röhrlin. 

Ain eysines vergultes trüchlin mit 2 Rigelen, seiner Zeit 

das guldine pettschafftlin, wan eß fertig, darein zu schlissen ein 

vergultes rundeß zeigendeß vhrlin, an ainem vergulten pantzer 



'; Friedrich V. von Baden Durlach, lö'J4— l<J5i). 



-^ 293 — 

kettelin hangend. Darneben ain wekherlin, auf das vhrlin zu 
setzen vnnd zu richten. 

Im andern halben thail diser Laden oder dises haupt 
einsatzes, hget : Ain dreyangHg glaß, die /\ugen darinen zu 
erfrischen, weit : vnd veber sich : vnd regenbogen darinnen zu 
sehen : Item M brief, vnnd Schriften auf dem tisch darmit zu 
beschweren. 

Neben disem glaß vornen hero ligt ain mit seydinen flekhlen 
auf silberner teletta gespikhletes Cammfueter mit Vögel, bluemlen, 
vnnd der fürstin -) wappen, ^Fol. 580 7'.] weil Ihren Frl. Gn. dises 
trüchlin vermaint ist. In dessen ersten Daten ist vornen ain 
schöner rechter spigel, der effigiem inspectoris repraesentieret, 
binden sein 3 andere Spiegel gläßlen, alß aines so veriungert, 
das andere welches vergrösert, vnnd das 3^^ viel gesiebter gibet^ 
beim silbernen kräplin ^) vnden khan man dises Spiegel gefäß von 
ainander spannen, vmb auf ainen tisch zu stellen. 

In den 2 anderen, deß fueters Daten sein 3^^>' Campel, alß 
ain französischer rorismarin hültziner, ain helfenbaininer, vnd ein 
schwarzer auß hörn von büffel. 

\^nder disem kammfueter ist ain khunstlich mit allerlay 
schönen gefärbten bluemen von mancherley stieben ein geseetes 
vnnd fleissig genehetes Spiegel tuch ^), mit guldinen spitzen, von 
groser mühe vnd Arbeit. 

Darneben liget aine in silbernen außgeschnittnen schwaif 
gefassete bürsten, vnder derselben liget Ain vergultner, gestochner 
20 passeter singwirfel oder cymbalum, vnd ain gelb augstai- 
niner^) 6 passeter drehewürfel. 

[Fol. 581 r.] Deß Auenarij '') bettbuchlin in roth sammat 
eingebunden, vnnd mit gold vnd perlen gestikhet, vnder disem 
ain gebundner schreib Calender. 



^) Es ist ein irgendwie künstlerisch gestalteter Briefbeschwerer geraeint. 
Im Manuscripte steht an dieser Stelle ein durchstrichenes Wort. 

2; Vgl, Anm. 1 zu Seite 290. 

^) D. h. Rahmen. 

■*) Vielleicht ist von einem zum Schutze der vorerwähnten Spiegel be- 
stimmten Tuch die Rede; wahrscheinlicher ist mir die Erklärung als »Spickel- 
tuch«. Da »spickein« im Hainhofer'schen Sprachgebrauchc sticken bedeutet, so ist 
ein zu beliebigen Zwecken verwendbares gesticktes Tuch gemeint. 

^} D, h, bernsteinener, 

*») Johannes Av., eigentUicli Habermanu geheißen, beriilimtcr Theologe, ge- 



— 294 — 

Auf der seilen herum dises linkhen hauptens ligen 2 Carten 
spil ob ein ander, alß deutsche reimen : vnnd welsche drappelier ') 
karten, darneben stekhet ain vil passete vergult gefassete vexier 
brillen, welche dem dardurch sehenden alles multiplicieret. 

In dem fach an dem spil Carten stekhen 12 eingelegte 
Bertelßgader -) schächtelen in ain ander. 

Im doppelten fueterlin ob ain ander 2^^' Carten spilen, das 
grösere für den alteren Prinzen, das klainere für das Junge prin- 
cipino ^). 

In aim gespickhleten schächtelin ist ein zartes gläserins 
kugelin, welches vol wasser, vnd ain schwänlin drinnen schwimmet. 

In ainem mit gold vnnd Scharlach seydin gewürkhtem schönem 
seckhel sein 50 grose emblematische pfenning ^) zum rechnen, vnd 
zun Carten spill zue gebrauchen. Wan Zeit were verbanden gewesen, 
bette man das abgestäppete mataräzlin oder dekhelin, zu aim brett 
vnd schachspilin accommodiern khünden. 

\J^oL 581 7'.] Einrüstung des Corporis. 

Wan man das Corpus oder trüchlin mit vergultem gröserem 
schlissel auffschleusset, so ist in dessen dekhel ain schönes tisch- 
blättlein, mit gemahltem grosem schönem in Toschanischem gebürg 
gewachßnem naturstain ■'), in rothen sandal eingelegt, welcher 
treffliche stain vnden die Statt vnnd gebäw, darhinder das wasser, 
vnnd oben den Lufft vnnd gewülkh alles von selbs gibet, wie am 
polierten glantz zu sehen, vnnd auf den lustro allain der natur 
mit der khunst in etwaß geholfen, vnnd Historia regis Salomonis, 
wie die Kinigin auß Arabia mit herrlichen praesenten khommet, 
deß Künigs weißhait zue hören '"'), artig gemahlet ist, dise Historia 
auf Serenissimi et Sapientissimi ducis Augusti Brunsuic : et Lunen- 
burgensis') doctrinam et celsitudinem alludierend, das die durch- 



boren zu Eger 1510, gestorben in Zeitz 15U0 ; schrieb außer dem oben erwähn- 
ten Gebetbuche ein hebräisches Lexikon nebst Grammatik, und dergleichen mehr. 

'j Diese Karten sind sehr alten italienischen Ursprungs. Das in Italien 
trappola, d. h. die Falle genannte Spiel hat sich in Österreich und Schlesien bis 
in die Gegenwart erhalten. Hauptherstellungsort für dergleichen Karten war Wien. 

2)" D. h. Berchtesgadener. 

•') Vgl. Anm. 1 zu Seite 290. 

**) Gemeint sind Münzen und allegorische Darstelkingen. 

^) Sogenannter Ruinenmarmor. 

<i) Fehlt. 

"*; Herzog August der Jüngere von Kraunschweig-Lüneburg, Stifter der 



— 295 - - 

leuchtige Herzogin Sophia EHsabetha ') auch mit ohnaestimier- 
Hchem praesent auß Mechelburg khommen, dises augustissimi 
principis Augusti weißheit zu admiriren, vnd Ihme aufzuwarten, 
vnd sein oben an den kessel baukhen mit färblen, \FoL 582 r.] 
auch oberhalber deß vnder der thür stehenden Philosophi zwischen 
Palladi vnd Apollini, von Brunzo -) die 2 fürstliche wappelen ^) 
angedütten vnd in disem tischtafelin vil zu speculieren. So man 
dises tischlin auß dem dekhel will herauß nemmen, muß man 
daß vergulte fürgehende rigelin zur linkhen haupten deß dekhelß 
gegen sich ziehen mit der rechten band, mit der linckhen band 
aber das tischlin, so zimlich schwer ist, herauß auß dem deckhel 
lupfen, vnd so man spiret, das das sperr rigelin (welches doppelt 
einsperret) nit mehr eingriffet vnnd fasset, das tischlin (das zur 
rechten haupten im dekhel an 2 zapfen stekhet) allgemach vnnd 
mit fürsichtigkhait gar herauß heben, vnd guete achtung geben, 
das es am herauß heben nit in daß Corpus falle vnd deßelben 
einrüstung zerschmettere. An wider hinein thon muß man das 
tischlin auch wider erstlich in die 2 zapfen steckhen, vnnd dan 
in das rigelin versperren. 

[/W. 582 V.] Wan nun dises tischlin heraussen, so hat 
dasselbe am boden 2 außgeschwaifte fueßlen mit flach geetzten 
vnd blaw angelaufenen gäbelen vnd spreißstänglen, welche man 
in 2 lochlen speret, vnnd das tischlin der khindbetterin "^) auf- 
stellet, wan man die fueßlen wider will zusamen legen, muß man 
die rigel aychelen oder schieberlen wider zurugg ziehen, die spreiß- 
gäbelen auß den löcheren nemmen, so khan man das tischlin 
geschmeidig wider in ainander fuegen. 

Wan dißes gemelte tischlin herausßen ist, so sihet man am 



Wolfenbütteler Bibliothek, 1579 — 1666. Hainhofer stand mit ihm in sehr leb- 
haftem Verkehr, wovon die zahlreichen in der genannten Bibliothek aufbewahr- 
ten Hainhofer'schen Manuscripte, welche u. a. die Concepte fast der gesammten 
Correspondenz mit dem Herzog enthalten, Zeugnis ablegen. 

') Tochter Johann Albrechts, Herzogs von Mecklenburg, geboren 20. Au- 
gust 1613, seit 13. Juli 1635 dritte Gemahlin Augusts des Jüngeren von Braun- 
schweig- Wolfenbiittel. Sie gebar 1636 den späteren Ferdinand Albrecht I. von 
Beyern, schenkte 1638 und 1639 dem Herzoge noch eine Tochter und einen 
Sohn und starb am 17. September 1666. 

2) D. h. Bronce. 

^) Vgl. Anm. 1 zu Seite 290. 

"*) Desgleichen. 



— 296 — 

boden deß dekhelß aine von öhlfarben vom Anthonio Mozart 
gemahlte schöne landschafft der Historia, wie Maria vnd Elisabetha, 
bayde schwanger, ainander auf dem gebürg begegnen, Zacharias 
Sie einholen will, am hauß auch die 2 wappen schiltlen ange- 
dütten sein. Wan man auf disem Corpore vil vmb gehet, so ist 
wol gethon, wan man das tischlin, welches schweer ist, auß dem 
dekhel nimmet, darmit es die band deß dekhelß nit veberwöge. 
\FoI. 583 r.] Einrustung des Corporis. 

Oben hero im Corpore ligt auf dem haupt einsatz ain blaw 
tafettin abgesteppetes küsselin oder madräzlin, den darunder 
ligenden Seruitio di tauola sauber zu halten vnnd ist der einsatz 
aussen mit gesottnem geferbten holz eingelegt, vnnd mit 30 gramma- 
liertten runden blättlen von Figuren gezieret, Inwendig auch mit 
rothem samet vnnd guldinen borten gefuetert vnnd verbremet, 
vnd so man dißen einsatz bey den griffen auch herauß hebet, 
man das corpus absonderlich worzue brauchen khan. 

Gegen der rechten haupten auf disem gefueterten einsatz 
brettlin liget Ain sehr schönes gemahltes vnd glaßiertes flaches 
schaälin mit aim lieblichen khindlin vnd frölichen mußicalischen 
vnnd spilenden trophaeis vmbhero. 

Ein gelbes tiefes schäalin mit aim khindlin, zue beiden 
Seiten 2 klainere tiefe schäalen mit gemahlten Äpfel. 

Mehr ain silberin ziervergulter mit stainen versetzter leffel, 
dessen männlin auf vnd abgezogen, bretter seeget vnd alle glider 
rueret. 

[Fol. 583 7l\ Weiter Leffel, messer, piron ^), Zahnstirer vnd 
salzväßlin, von Roth Jaspide vnnd agata in vergult silber gefasset. 

Wan man dises einsatz brettlin mit allem, so darob liget, 
herauß hebet, so ist vnder ainem leber färben abgesteppten 
taffetinen kisselin 1 grösere ettwas tiefe gemahlte schalen mit 
der \'enere. 

Vnder ainem incarnatin oder saphlor gefärbt gesteppeten 
küsselin aine auch tiefe schäalen, mit darein gemahlten musi- 
calischen trophaeis, 

Vnder ainem stroogelben gesteppeten küsselin aine sehr 
hüpsche gemahlte flache schäalen mit Jove, wie Er in ainen 
ochsen verwandlet Europam hinweg fueret. 



ij D. h. Gabel. 



— 297 — 

Vnder ainem gesteppeten weißtafetinen oder ormesininen 
küsselin ist in ainer tiefen schaalen gemahlet, wie der Engel der 
Hagar vnd ihrem söhn Ißmael in der wuestin ainen wasserbronen 
zaiget. Vnnd müßen diße schaalen alle also, wie sie beschriben, 
nach einander herauß genommen, vnnd wider also mit ihren von 
bestrichner baumwoll ain wenig \Fol. ■')84 ?-.] eingefülleten 
maträzlen hinem gethon werden, weili sich erdine geschür vnd 
gläser nit boldern ^) lassen, wan aber ietzt erzelte stukh alle 
heraussen sein, so ist vnden wider ain sammetin außgeschnittnes 
dekhelin, das hebt man bey den 3 flachen saulen, zwischen welchen 
die 4 schaalen stehen, auch herauß, vnd ligen darunder 3 mit 
bilderen gewückhte damast leinwantine fazelen zum tischtüchlein 
vnd Servietten zue gebrauchen. Von herkhonfft der gelb gemahlten 
schaalen ist zu merckhen, das alß dem Alexandro Farnesio -), duci 
Parmensi et Placentino (qui filius erat ducis octavy, nepos Petrj, 
et pronepos Papae Paulj IIL) welcher in den Xiderlanden für das 
hauß Hispanien dapfere kriegs : vnd heldenthaten verrichtet, zur 
recompens das schloß zu Piacenza, so biß dahin von Spannischer 
guardia besetzt wäre, geraumet vnd Ihme eingraumbtt : worden, 
vnd Er regi Phil : II. Hispan : hinwider danckhbar sein wollen, 
vnd aber nit gewaist, (weil der Künig auß den Indys vnd auß 
ander orthen vorhin von perlen, edlen stainen, von gold vnd 
Silber die menge hat) was \FoL 584 v,] Er Ihrer May" hinwider 
für ain rares present thon möchte. Ihme endlich zu gefallen seye, 
daß er in seim land auß der geschlachten zarten P'aenszer-erdten 
ainen küniglichen Seruitio dj tauola zu richten, vnd die zur selben 
Zeit beruemteste vnnd khunstreicheste maister, alß da waren 
Titianus, Tinturettus, Paulus Veronensis, Raphael Urbinus, Bor- 
dononus, vnnd andere auf vnd in die grose vnd kläine schaalen 
gajst- vnnd weltliche historias, poesias, rondesquen, vnd allerhand 
schnakhische Capriccj dissigniern vnnd mahlen lassen wölle^ massen 
es dann mit mehr, alß ^ krönen vncosten ervols^t, der Künio^ 
auch solche donation inaestimable gehalten, Ihne duca den Toson? 
mit ^ y Jährlichen einkhommens, geschükht : vnnd von dannen 
auch die vbrige schaalen, die die maister per una costa d'agiuto 
für sich selber gemachet, sparsim et di tempo in tempo drinnen 



') Nicht poltern ^= hart behandeln. 

'^) Herzog zu Parma und Florenz, 1044 — 1592. 



— 298 — 

in Italia, vmb der khunst vnd raritet willen von liebhabern sein 
auffkhaufft, in das Deutschland bracht, vnd von den khindern 
treerbet worden, mit lanjjer band da vnd dort etwan ain oder 
mehr stukh vmbs gelt noch bekhomen werden. 

\FoL 585 /'.] Zuer linkhen haupten dises grosen einsatzes 
hebt man anfangs gemach die in vergult silber gefassete agatine 
l^ahe credenzschaalen herauß. 

Hernach das weiß gestraifte zusamengetrukhte trinkhgläßlin. 

Forts das mit aim khindlin gemahlte tiefe Suppenschisselin 
Alßdan fasset man den vergulten hirschkopf (welcher sein maul 
in das eckh oder winkhel deß einsatzes stekhet) lupfet ihne vnder- 
halb seiner Cron zwischen den obren gemach veber sich auß den 
2 gablen, in welchen die obren steckhen, guete achtung gebent 
das die mit 3 khindlen schön gemahlte spitzige Zukherbüchß (so 
zwischen den Corallen zinkhen herauf gehet) nit zerstossen oder 
zerbrochen werde. 

Wan diser hirschkopf vnd die Zukherbüchß auß Ihren ein- 
geschnittnen stellen herauß sein, so khan man auch das am boden 
ligende flache schäalin mit dem khündlin, vnnd noch ein anderß 
dergleichen, so vnder der suppenschissel vnnd credenz schaalen 
an der wand lainet, auch außheben, vnd alles wider zurugg hinein 
legen wie es der Ordnung nach, beschribnermaßen, ist [Fol. 585 v.\ 
außgenommen worden, da dan sonderlich das flache schäalin, 
die Zuckherbüchß vnnd der hirschkopf am ersten müßen in ihre 
stellen gelegt vnnd gestekht werden, observierend das man daß 
röhrlin an der Zuckherbix nit verstoße. 

Wan der hirschkopf heraussen, khan man Ihne auf die 
hirnschallen setzen, den halß vnnd den mit ba^de Fürstlichen 
vom Kiliano ^) sauber gestochnen wappen, namen, vnnd Sprüchen, 
gezierten dekhel veber sich richten, an statt ainer wasser oder 
trinckh kanten brauchen . . Vnnd wan diser grose einsatz ganz 
wider eingefillet, daß madräzlin wider darauf geleget, khan man 
den dekhel mit dem tischlin darinnen gemach wider zuschliessen. 

[Fol. 580 r.\ Außzug des trüchlins mit dem Apoteclin. 

Wan man das obere kastlin im haupt oder auf küstlerisch ^) 



') Es ist anzunehmen, dass der bekannte Lucas K. gemeint ist, wiewohl 
dies aus obiger Stelle nicht hervorgeht. 

'^) D. h. in der bei den Tischlern üblichen Ausdrucksweise. 



- - 299 — 

im außzug mit dem klaineren schlisselin, welches oben vnnd vnden 
gerecht ist, aufschleust, so stehn in fronte die 2 fürstliche wappen 
mit Ihren färben, darhinder in prospettiva, leise angedütten, gleich- 
samb nur in stain gehawen, aine khindbetterin, vnd Ein Junges 
khind daß man badet, gemahlet. 

Wan man das einsätzlin auß dem kästlin herauß nrmmet 
(wie man es dan alle Zeit herauß nemmen solle, wan man veber 
daß Corpus gehen will, darmit im Vmbwenden deß mitlern 
dekhelß nit alles vnder ainander falle) so ist solches einsätzlin 
auch mit eingelegtem baistem M holtz, vnnd mit 6 runden, 
ammalierten blättlen zieret, in wendig mit rothem sammet vnnd 
guldinen passament borduret, vnnd sein in disem gröseren einsatz 
zu finden : 

3 grose ) 

3 mittelmesio-e i ö^äßlen, mit gestochnen silberin zierver- 

4 klaine "" J ^^^^^^ schräuflen. 

4 silberne ziervergulte mit bayden fürstlichen wappen 
gestochne runde conserven büchßlen. 

\Fol. 586 7k\ 1 silberne schön gestochne bind: oder salben 
büchß, an welchen vnder dem dekhel auch beide wappen zu sehen. 
Auff dem obern klainern einsätzlin ist ain vergult gloggenspeisin 
schäalin etwas darinnen an zu treiben vnnd frisch zu halten. 

1 Augstainer leffel messer, vnd piron. 

1 Italianisch vergultes scherlin : vnd 

2 dergleichen messerlin. 

1 silberner fingerhuet, zum heften der bunde zugebrauchen. 

2 geschmeltzte silberne schächtelen, in deren ainen ain 
Civet -) ; im andern ain schlag baisam ist. 

Ain silberne ziervergulte baisam büchß mit 2 schraufen, 
in deren ainem ain zimmet : in der anderen ain rosen baisam : 
im geschrauften Knopf aber aine pomambra di muschio vnnd 
ambra griggia ist. 

1 silberne ziergulte salben spattel. 

4 andere silberne, ziervergulte Chyrurgische instrumentten, 
iedeß mit doppelten diensten. 

2^^> kraamring. 



') gebeiztem. 
■^; Zibethkatzeu. 



— 300 -^ 

Wan man dises obere einsatz bretlin herauß hebet, so ist 
\nder demselben wider \Fol. 587 r.\ ain anders einsatz kästlin, 
in welchem in 4^^> Daten zu fünden : 

Ein gefassetes stückhlin vnicornu, welches der Cau^ di 
S^°- Steffano Matheus Virich Schwartz auf seinen raysen nach 
zu Jerusalem vnd sonsten alle Zeit vnder seim schlafküssin zum 
nothfall, bey Sich verwahrete, vnd 2 g 15 wüget. 

In ainem gespikhelten schächtelin 2 schone grose orientische 
bezoar. 

In ainem anderen gespikhelten schächtelin 1 stukh schma- 
rall, etliche stükhlen Florent : Silesische : Maltesische : vnd Tür- 
khische terra sigillata sein. 

1 stückhlin von poliertem meer Roßzahn. 

1 biber Zahn, den iungen kinderen zum zahnen die bih- 
lerlen ^) mit zu streichen. 

1 kettelin von Indianischen rothen saamen. 

1 beschlagnes arm bändlin de ungula Alcis. -) 

puluis bezoar. 

puluis aureus contra pestem. 

Ain schön kunstlich gearbaiteter ring auß Cristall contra 
vertiginem am blosen leib zu tragen welcher auch gerichtet, ain 
Conterfett darein zu fassen. 

[Fol. 587 v.\ So man dises einsatz kästlin auch herauß 
hebet, so findet sich vnder dem glaßlin kästlin ain schublädlin, 
welches man beim silbernen knöpflin herfürzeucht, vnnd darinen 
zu suchen ist : 

1 Armeniasischer groser Ring Contra epylepsiam. 

1 Conciertes bisem papir, welches auf ainen warmen ofen 
glutpfannen oder warmen glut 'köpf gelegt, großen geruch von 
sich gibet. 

2iay gefärbte Jaspis zun blut stellen. 

1 Stern stain, säugenden Frawen vornen angehengt die milch 
herzue : im rukhen aber angehengt die milch zurugg ziehet. 

1 schöner Crottenstain ^), in khindßblatteren die äugen 
dormit zu streichen, vnnd wider gifft anzuhengen. 

') D. h. die Gaumen. 

2) Elchklaue. 

3) Sogenannter Krötenstein, welchem allerlei Zauberkräfte zugeschrieben 
wurden. 



— 301 — 

St. Jacob auf aine muschel zu Compostel in schwartz Aug- 
stain geschnitten ^) . 

2 Achtekhete Carniolblatten, das blut darmit zu stillen. 

2 stükhlen schönen gelben x\gtstains. 

1 katzenaug. 

\FoL 588 r.] In klainen absonderlichen gläßlein, vmb die 
Jenige, so im Apoteglen sein, darmit einzufillen^ sein : 

1 kostlicher haupt baisam auß Agypto. 

1 Occidentischer schwarzer Indianischer, wolrichender baisam, 
auch in leib Contra colicam et ulcera einzunemen. 

essentia ambrae. 

essentia musci. 

essentia tartarj. 

Guldin wasser. 

weisser bereiteter baisam. 

Theriaca Andron. di vena. 

liquidum ambrae. 

Aurum potabile. 

Vnnd ist dises gantze trüchlin, alß das Continens mit seinen 
Contentis, zu taglichem nöthigstem gebrauch Compendioß vnnd 
geschmeidig gerichtet, Gott lasse dises Fürstliche khindelbett 
geschenkh die Fürstliche Fraw khindbetterin mit freuden vnd 
Nutzen genüessen. 



') Gemeint ist schwarzes Bergpech. Kleine Pilgrimfigürchen aus diesem 
Material, von Wallfahrern aus S. Jago di Compostella mitgebracht, bewahrt das 
Wiener Hofmuseum. 



Verzeichnis der Künstler. 



Aachen, Hans von 1, 201, 223, 281. 

Abel, Gregor 102. 

Abel, Peter 102. 

Abondio, Alessandro 138, 225, 292. 

Ajala, Thoraas de, Waffenschmied 192. 

Aldegrever 268, 274, 276. 

Aliense, Antonio 281. 

Allori, Alessandro 44 

Apelles 229. 

A. S. 31. 

Aspruck, Franz, Kleinkünslter 260, 281.) 

Attenstetter 261. 

Ayrer, Michael, Sticker 229. 

Ayrer, Michael, Goldschmied 229. 

Baldwein, Uhrmacher 163. 
Baien, Hendrick van, d. A. 169. 
Bardella, Mus. 232. 
Bassano d. Ä. 28, 42, 138. 
Bassano, Giovanni, Mus. 232. 
Baumgartner, Ulrich, Tischler 2, 34, 37. 

40, 41. 
Beham, H. S. 281. 

Bernhard, Tobias, Maler 257, 280 f., 284 f. 
Blomaert, Maler 223. 
Bocksperger, Melchior, Maler 123. 
Börner, Bartholomäus, Steinschneider 218. 
Bol, Hans 176. 

Bologna, Giovanni da 92, 95, 154. 
Boselli, Pietro, Gießer 154. 
Brendel 281. 
Brill, Paul 17, 281. 
Bronzino, Angelo 44. 
Brueghel, Jan d. Ä. 28, 42, 281. 
Brunner, Georg, Kalligraph 268. 
Bry, Israel de 281. 
Buontalenti 44. 
Burckmaier 268. 



C, siehe auch K. 

Cesare, Carlo de, Gießer 154. 

C. G., Maler 275. 

Chiozzotto, s. Croce. 

Cigoli, s. Cardi. 

Dachs, Thomas, Mus. 231. 

Duca, L. del, Bildh. 106. 

Dürer, Albrecht 14, 28, 144, 164, 169, 

203, 259 f., 268, 281. 
Dyck, A. van 174. 
Elsheimer, Adam 183. 
Erpach, Christian, Mus. 131. 
Fabritius, Kilian, Maler 164, 217, 227. 
Falckenburg, Friedrich 280 f. 
Fasold, Maler 288. 
Ferrara, Andrea, Schwertfeger 192. 
Fischer, Johann Georg, Maler 275, 280 f., 

283. 
Floris, Franz 221. 
Freyberger, Johann 281, 284, 287. 
Fröschlin, Daniel 144, 265, 281, 288. 
Frommer, Maler 268. 
Fuchs, Christoph, Waffenschmied 99. 
Furck, Sebastian, Kupferst. 143. 

Gabrieli, Andreas. Mus. 233. 
Gabrieli, Giovanni, Mus. 233. 
Gaulrappc, Erhard, Maler 156. 
Gesualdo, Don Carlo, Mus. 52, 55 f., 59. 
Gipfel, Gabriel, Goldschmied 216. 
Goltzius, Hubert 93, 281. 
Göttich 281. 

Grass, Caspar. Bildhauer 47, 60, 62. 
Günther, Jeremias, Maler 281, 286 f. 
Günther, Wilhelm, Mus. 239. 
fiumpp, Christian, Architekt 60. 
Hagedorn, Friedrich, Maler 215. 
Hainz, Joseph 281. 



— 303 ^ 



Hegenetius, Gottfried, Dichter 209. 
Hegewald, Bildhauer 236. 
Hepp, Sebastian, Maler 209. 
Hernandez, Sebastian d. J., Waft'enschmied 

192. 
Herzog, Daniel 281. 
Hesse, Eobanus 183. 
Heyden, Johann von, Kupferst. 85. 
Hilliger, Martin, Rothgießer 186. 
Höflichius, Christophorus, Dichter 253 f., 

266, 271. 
Hoermann, J. J., Maler 274. 
Holl, Elias, Architekt 214, 246. 
Horta, Joannez de la, Waffenschm. 192. 
Hoyen, Gregor, Mus. 240. 
Hufnagel 281. 

Isaak in Engelland, s. Reicher. 
Isselburg, Peter, Kupferst. 47, 85. 
Jaeger, Clemens, Maler 270. 
Jamnitzer, Wenzel 16, 163, 168. 
J. B. 274. 

J. E. M. W., Maler 277. 
Jode, Pieter de ,50. 
Kager, Maler 272, 281, 284 f. 
Cardi, Ludovico 44. 
Karg, Johann 281. 
Castello, Francesco, Mus. 248. 
Castello, Francesco, Mus. Bruder des 

Vorigen 248. 
Castello, Maler 281. 
Caus, Salomon de, Ingenieur 10, 195. 
Kellerthaler, Goldschm. 164, 224. 
Keppeler, Daniel, Maler 268. 
Kilian, Lucas 4, 12, 31, 41, 50, 54, 91, 

102, 143, 146, 158, 196, 201, 209, 211 f., 

218, 227 flf., 239, 241, 265, 270, 281, 

298. 
Kilian, Wolfgaug 31, 37, 63, 158, 195, 

212, 227, 239, 244 f., 271. 
Kittel, Caspar, Mus. 248. 
Klain, Asmus de, Mus. 234. 
Kobenhaupt, Steinschneider 21S. 
Köler, Georg, Kupferst. 244. 
K.inig, Hans, Maler 138, 281, 284, 287. 
Colins, Alexander 101 f., 106. 
Colins, Sohn des Vorigen, Bildh. 106. 
Kottwitz, Johann, Mus. 240. 



Cranach, Lucas, d. Ä., 155, 164 f.. 174 

Cranach, Lucas d., J., ij'2, 150 f., 164 f.. 
178, 202 f., 208, 220, 222 f. 

Krell, Hans 164, 174. 
' Kretzmair, Kunstschlosser 262. 

Croce, Giovanni, Mus. 233. 
I Krumber, Hans, Architekt 34. • 

Kulmpach, Hans von 150. 
' Custos, Dominicus .56, 66, 155, 258. 

Custos, Raphael, Kupferstecher 143. 

Lamm, Hans 281. 

Lang, Johann, Orgelbauer 177. 

Langenbucher, Achilles 139. 

Lasso, Orlando de, Mus. 233. 

Lattre. Roland de, s. Lasso. 

Leyden, Lucas von 268. 

Liggozzi, Giacomo 44, 281, 286. 

Lionardo, da Vinci 14. 

Manlius, Lucius 229. 

Martinez Juan, Waffenschmied 192. 

Merian, M., Kupferstecher 146. 

Merulo, Claudio, Mus. 233. 

Michel, Angelo 14, 265. 

Miller, Johann, Mus. 240. 

Monte, Philippo del, Mus. 233, 

Monteverde, Claudio, Mus. 233. 

Mostaert, Aegidius, Maler 276. 

Mozart, Anton, Maler 240, 281, 287. 296. 

M., R., Maler 149. 

Münderer, Gottfried, Gießer 139. 

Münster, Ludwig von, Goldschmied 211. 

Naricius, Elias, Maler 41 f. 

Navarra, Mus. 63. 

Xienborg, Johann, Dichter und Biblio- 
thekar 179. 

Nosseni, Johann Maria, Architekt und 
Bildhauer 154, 215, 235 ff. 

Offenbach, Philipp von 281. 

Opitz, Martin, Dichter 16. 

Orolüggo, Alessandro, Mus. 233. 

Palma, Vecchio 28, 42, 220. 
Panzer 281. 

Parrhasius, Maler 229. 

Passe, Crispin de 50. 

Pencz, Georg 268, 274. 

Peres, Allonzo, Waffenschmied 192. 
Petrejus, Johannes, Mus. 234. 



- 304 — 



Piccinino, Lucio, Waffenschmied 71. 

Pöhner, Philipp Jakob, Drechsler 225. 

Pöppelmann, Architekt 212. 

Poggi, Giambattista 275. 

Pomis, Joan, Petrus de 102. 

Pordenone 297. 

Porta, Giusepe, s. Salviati. 

Preus, Johannes, Mus. 239. 

Protagenes, Maler 229. 

Püncker, Elias, Mus. 239. 

Rafael 28, 297. 

Ranisch, Christian, Mus. 240. 

Rappus, Medailleur 257. 

Reichel, Tobias, Kleinkünstler 176. 

Reicher, J. G. 281. 

Reinhart, Friedrich, Rothgießer 61. 

Reinhart, Heinrich, Rothgießer 60 f. 

Rembold, Matthäus 208. 

Rore, Cyprian de, Mus. 233. 

Rosa, Pietro 69. 

Rottenhamer, Maler 257, 265, 280 f., 

284 iT. 
Rudelius, Elias, Poet 213, 247. 
Ruiz, Francisco, Waffenschmied 192. 

Sadeler, Aegidius 91, 227, 281. 

Sadeler, Rafael 281. 

Sagittarius, s. Schütz. 

Sahagun, Allonzo de, Waffenschm. 192. 

Sahagun, Waffenschmied 192. 

Salviati, Giuseppe 275. 

Santi di Tito 44. 

Säur, Jonas, Buchdrucker 167. 

Savory, Roland 42, 281. 

Schachtmann, Barthel 281. 

Schäufelein, Hans 169. 

Schemel 281. 

Schifferstein, Hans, Kunsttischler 162, 

164. 
Schissler, Mechaniker 137. 
Schlotheim, Hans, Uhrmacher 167, 169, 

176. 



Schönigk. J. U., Verleger 143. 
Schongauer, Martin 62, 268, 281. 
Schütz, Heinrich, Mus. 234, 248. 
Schwartz, Christoph, Maler 123, 281. 
Schwegler, Johann 138, 259, 281 f. 
Schweiger, Thomas, Kalligr. 86, 165. 
Seusenhofer, Georg, Waffenschmied 72 
Solis, Virgil 268, 276. 
Spiegier 281. 

Steinmüller, Christian, Maler 220, 226. 
Stoss, Veit 149. 
Strada, Ottavio de 181. 
Striggio, Alessandro, Mus. 233. 
Strohmayr, Metallbildner 140. 
Sustris, Franz 281. 

Tax, August, Mus. 239. 

Theophilo, Martino, Maler 91. 

Tintoretto 297. 

Tizian 69, 297. 

Treviso, Lodovico di, Maler 91. 

Trost, Ernst, Mus. 239. 

Vassilacchi, s. Aliense. 

Venosa, Principe di, s. Gesualdo. 

Veronese, Paul 266, 272, 297. 

Vischer, Peter 100. 

Vitl, Glasmacher 90, 

Vogel, Christoph, Kupferstecher 153. 

Vos, Jan de 128, 261. 

Walbaum, Matthäus, Goldschmied 162. 
Walther, Christoph, Bildhauer 177. 
Walther, Hans, Bildhauer 215, 236. 
Walther, Sebastian d. Ä. u. d. J, Bild- 
hauer und Architekt 215. 
Weckhard, Georg, Drechsler 165. 
Werner, Caspar, Schlosser 168. 
Wierx 268. 

Willaert, Adrian, Mus. 233. 
Wohlgemuth, Michael 148, 151. 

Zeller, Jakob, Elfenbeinschn. 164, 171 f. 
Zeuxis, Maler 229. 



Verzeichnis der Ortschaften. 



Adorf 147. 

Aichach 143, 247. 

Algesheim 131. 

Amsterdam 176, 258, 273. 

Angelberg 280. 

Annaberg 155. 

Antwerpen 176, 233. 

Arnheim ^81. 

Augsburg 2 ff., 9, 11 ff., 18 f., 26, 32 ff., 
38, 58 f., 61. G4 f., 90 ff 106, 110 f., 
131, 137, 143, 155, 158, 167 ff, 171, 
176, 182, 194, 212, 214, 226. 236, 240, 
246 f., 257, 266 ff., 272 f., 275. 277 
f., 289. 

Augustusburg 1.57 

Bamberg 7. 162. 

Barth 266. 

Bautzen 191, 201 f. 

Bayersoyn 110. 

Belluno 180, 192. 

Berchtesgaden 294. 

Berlin 11. 

Berndorf 150. 

Bologna 35. 

Bozen 22. 

Braunschweig 39, 75, 252, 262, 266. 

Bremen 244 

Brescia 69. 

Brixlegg 70. 

Brügge 233. 

Burgau 7, 9, 55. 

Budapest 150. 

C, siehe auch K. 
Chemnitz 28. 151, 247. 
Chioggia 233. 
Daberkow 11. 
Danzig 144, 257, 2r,(). 



Dasing 143. 

Deutz 171. 

Dillingen 240. 

Dresden 12 f., 15 f., 19 f., 24 ff, 28^ 

41, 51, 90, 138, 143, 154, 158 ff., 16 

257 f., 265 f. 

— Altmarkt 197 f. 

— Anatomiekammer 185 f. 

— Annenkirche 237. 

— Barfüßerkloster, s. Sophienkirche. 

— Bartholomäuskirche 237. 

— Bastei (jetzt Brühl'sche Terrasse) 19 
215 ff., 238. 

— Bibliothek 179 ff. 

— Brauhaus 244. 

— Dreikönigskirche 238. 

— Frauenkirche 215, 229 f., 237. 

— Kurfürstlicher Garten 195, 211, 22 

— Grünes Gewölbe 16, 25, 135, 1<: 
195, 216. 

— Hofkirche 210, 212, 230, 240. 

— Jägerhaus 196 ff". 

— Jakobikirche 238. 

— Johanniskirche 237. 

— Kreuzkirche 237. 

— Kunstkammer 158 ff. 

— Kunstkamraer der Kurfürstin 219 

— Liebfrauenkirchhof 229. 
~ Lusthaus 215 ff. 

— Marstall 215. 

— Musikinstrumentensammlung 231. 

— Rathhaus 197, 246. 

— Rennbahn 186, 231, 242. 

— Schießhaus 242. 

— Schlittenkammer liK). 

— Schlossapotheke 204 ff. 

— Schlosskapelle %)2, 237, 244. 

19 



— 306 



Dresden, Silberkammer 229. 

— Sophienkirche 186, 215, 235 ff. 

— Thierhaus 200. 

— Waffensammlung 191 ff. 

— Wagenhaus 213. 

— Zeughaus 213 ff. 

Dierhaimb 144. 
Dortmund 274. 
Durlach 10, 229. 

Ebenhausen G. 

Eger 28, 146 f., 221, 247, 294. 

Eichstädt 1, 254 f., 260 f., 265, 283, 285. 

Eisenburg, .Schloss 60. 

Elberfeld 6. 

Eschenlohe 34. 

Esslingen 274. 

Ettal 110. 

Fahrchant 34, 110. 

Falkenberg 146. 

Fleissen 147. 

Florenz 44 f., 57, 138, 225, 233, 261, 297. 

Forstenried 267. 

Frankfurt a. M. 6, 199, 276. 

Freiberg 152 ff., 156 f., 179, 210, 218, 

242, 247. 
Freidenstein, Schloss 155. 
Freyburg, Schweiz 16, 255. 
Friedberg 143. 
Fürtdorf 144. 

Geisenfeld 145. 
Geislingen 9, 84. 
Gemmingen 275. 
Germersheim 42. 
Geroldseck 42. 
Gotha 194. 
's Grafen Haag 176. 
Graz 286. 
Grimmenstein 214. 
Gristow, Insel 267. 
Grurabach 158. 
Güntzburg 9, 69. 
Guggingen 145. 

Haag 273. 
Hagen 276. 
Hagenau 94. 
Halberstadt 210, 266. 



Hall 16, 65, 89, 91, 98, 108, 194. 

Hamburg 6, 239, 259. 

Haustetten 111. 

Hechendorf 34. 

Helmstädt 233. 

Heidelberg 6, 8 ff., 152, 195. 

Heideidorf 146. 

Herzogswalda 158. 

Holtzeland 145. 

Hörn 111. 

Huglfing 34. 

Ingolstadt 123. 

Innsbruck 2 ff., 226, 273, 287. 

— Schloss Ambras 15, 20, 38, 62, 65 ff., 
106, 108, 160, 231. 

— Barfüßerkirche 36. 

— Das böhmische Haus 53. 

— Denkmal des Erzherzlßgs Leopold 60 ff. 

— Einsiedelei 109. 

— Frauenkloster 46, 53, 55, 63. 

— Goldene Dachl 109. 

— Gymnasium 59. 

— Hofburg 20, 25, 35 ff., 92, 109. 

— Hofkirche 16, 35 f., 54 f., 62, 100' 
109, 154, 210. 

-^ JesuitencoUegium 55. 59, 109. 

— Kapuzinerkirche 47. 

— Kunstkammer der Erzherzogin 219. 

— Maximiliansgrab 100 ff. 

— Privathäuser 35. 

— Rathhaus 109. 

— Rüstkammer 98 ff. 

— Ruhelust 35 f.. 89, 105. 

— Schatzkammer 92 ff. 

— Schlossbibliothck 97. 

— Schlossgarten 65. 

— Schlosskapelle 101, KHi f. 

— S. Sebastian 54. 

— Servitenkirche 51. 

— Spitalkirche 39, .54 

— Thiergarten 63, 108, 109. 

— Vorstädte 35. 

— Abtei Wilten 54, 81. 

— Zeughaus lOl, 107 f. 
Issing 34. 
Jagsthausen 281. 
Jena 194. 



— 307 — 



Jerusalem 300. 
Jülich 41, 55. 

Kaltenbrunn 34. 

Calw 11. 

Carpentras 180. 

Kaufbeurn 259. 

Katzenellenbog-eu 274. 

Kempten 286. 

Kesselsdorf 158. 

Klais 34. 

Klosterneuburg 128. 

Köln 6 ff., 102, 176, 261, 273, 275, 

Königstein 197, 215. 

Köstritz 234. 

Kolditz 225. 

Konersdorf 158. 

Kopenhagen 12, 28, 159. 

Correggio 233. 

Coxenbach 144. 

Kozdorf 146. 

Kanewitten 35. 

Cremona 233. 

Kühebach 144. 

Landsberg a. Lech 34, 111, 

Landwüst 147. 

Langenbruck 144. 

Langenlumpen 150. 

Lechfeld 34. 

Legenheira 42. 

Leipzig 6, 191, 215, 225, 229, 235. 

Leuchtenberg 146, 161. 

Lichtenstein 150. 

Liraoges 224, 260, 290. 

Lindau 6. 

Lübeck 88. 

Lüneburg 57, 172. 

Lugano 154. 

Luhn 146. 

Lutter am Barenberge 59. 

Madrid 73. 

Magdeburg 6, 245. 

Mainz 255. 

Mantua 63, 233, 244, 287. 

Marburg 163. 

Marienberg 210. 

Marienkirch, s. Marienthal, 



Marienthal 94, 258. 

Martinswand 34, 64. 

Mecheln 101, 176, 233. 

Meissen 229. 

Mergentheim 62. 

Mittelbach 150. 
Mitten wald 34. 110 
Mitterteich 146. 
Modena 180. 
Mons 233. 
Montpensier 76. 
9gy Moritzburg 212. 

Mühlberg a. E. 191. 
München 2, 6 ff., 12 f., 1,5, 34, 59 f., 
62, 123, 138, 148, 210, 225 f., 233, 244, 
265, 2(37. 
Muldenhütten 158. 
Murnau 34. 



Nabburg 146. 

Naumburg 211, 257. 

Neapel 6. 

Neuburg 7 f., 88. 

Neuenburg 11. 

Neuhäusel 220. 

Neustadt 144, 247. 

Nördlingen 34. 

Nürnberg 6 f., 25, 162, 168, 183, 234, 

244, 246, 251, 254, 259, 280, 287. 
Nürtingen 288 

Obbach 145. 
Oberammergau 1 10. 
Oberau 34, 110. 
Obernberg 70. 
Oberndorf 12. 
Oederau 28, 152. 
Oelsnitz 28, 147 f., 247. 
Oldenburg 179. 
Osterstein, Schloss !.")(». 



Padua 6, 35, 111, 273, 276. 
Parma 233, 297. 
Paris 72, 74 ü. 
Partenkirchen 2, 34, 110. 
Pavia 72. 
Peiting llü. 
j Peuteuhausen 144- 



— 308 — 



Pfreind 146, 247. 

Pforzheim 265, 280. 

Piacenza 297. 

Pirna 197. 

Plate 11. 

Plauen 149. 

Pörnbach 144. 

Prag 41, 91, 140, 156, 179. 229. 

Raichenbach 148. 

Ramsingen 11. 

Rappoltstein 10. 

Regensburg 6,13, 145 f., 211, 247, 261 f., 

265, 273. 
Regenstauf 146, 247. 
Reicheubrand 150. 
Reith 109. 
Rensbach 144. 
Rom 95, 180, 233, 273 
Rosenheim 83. 
Rottenbuch 110. 

Saal 145, 247. 

Saazkirch 11. 

Sachsenburg 157. 

vSalmajisAveiler 4(>. 

Salzburg 74, 261, 287. 

Sandharlanden 145. 

San Jago di Corapostella 135, 170, 300. 

Scharnitz 34. 110. 

Scheyern, Kloster 265. 

Schindenhütten 146. 

Schiada 147. 

Schlossberg 34. 

Schneeberg 210. 

Schönberg 150. 

Schönfels 148. 

Schongau 110. 

Schrobenhausen 144, 247. 

Schwaaz 53. 

Schwäbisch-Hall 86, 165. • 

Schwaig 145. 

Schvvandorf 146. 

Schwarzenfels 146, 247. 

Schweinbruck 1 1 . 

Seefeld 34, 64, 109, 110. 

Sevilla 192. 

Siena 273, 



Sievershausen 154. 

Sonnenberg, Schloss 109. 

Spatzenhausen 34. 

Speier 10. 

Stade 6. 

Stadel 111. 

Stadt am Hof 247. 

Starnberg 17. 

Stettin 2, 11 f., 14, 17, 19, 209, 238, 

252, 256, 258, 262 f., 267, 271 f. 
Sterzing 70. 
Steyer 98. 
Stoffen 34. 
Straßburg 44. 

Stuttgart 6, 11 f., 218, 229, 239, 262. 
Suhl 107. 

Taublitz 146. 

Tegernsee 265. 

Thaldorf 145. 

Theuma 148. 
j Thossfall 148. 
i Toledo 192. 
j Torgau 179, 193, 234. 

I Udenhausen 34. 

j Ulm 6, 9, 167, 259, 272 f., 286. 
' Unterammergau 110. 
Unterkienberg 110. 

, Venedig 68, 111, 123, 146, IM, 225, 232 ff. 
j Voigtsberg 148, 247. 

' Waldsassen 14(). 
Wehringen 12. 
Weiden 14<;. 
Weilheim 34. 
Weimar 238. 
Wels 106. 
Wernigerode 28. 
Wessobrunn 34. 
Wien 2, 13, 20, 2(;, 28, 41, 44, (iC, (59, 

72 ff, 93, 99, 135, 137 f., 214, 220. 

225, 233, 294, 300. 
Wiener-Neustadt 106. 
Wildbad 8 ff., 69, 195, 273 
Wildstein 147. 
Witteisbach 1 1 1. 
Wittenberg 134, 194, 203, 215. 



— 309 — 



Wolfenbüttel 5 ff., 11 ff'., 19 f., 23 ff., 
58, 110, 230, 251, 267 f., 271, 273, 
278 f., 289 f. 295. 

Wolgast 276. 

Worcester 179, 

Worms 10, 81. 

Wüstenbrand, s. Reichenbrand. 



\Vunsiedel 147. 

Yssnen 6. 

Zeitz 294. 

Zirl 34, 64, 109. 

Zürich 259. 

Zwickau 28, 148 ff., 215, 243, 247. 



CORRIGENDA': 
Auf Pag 246 soll Absatz 3 und 4 richtig lauten : 

\^Fol. 518 r.\ Am haimgehen besähe Ich ain wenig inwendig 
das Rathhaus^), welches dem Augspurgischen ') vnd Ni.irnbergischen 
(ausser das dises ainen schönen weitten plaz vor ihm hat) ganz 
nicht zu vergleichen ist . . . [ Fol. 518 v.] Herr Lebzelter verehrete 
vns vieren abgeordneten iedem ain guldines ringlin, mit Böhmischen 
granaten garnisiert, darein die mysteria passionis geschmelzt, zur 
errinnerung vnsers passions vnd f der Verfolgung, vnd, da es 
sein müste, wir dancken sollen. [Fol. 5iP z-.]*^) Disevöste Statt Dreßden 

ist, wie bißhero summarisch erzählet, vmb mehrer considerationen willen eben 

sehr woi zu sehen . . . \Folge7i ZTvei lateinische Distichen. Mahlzeit 
bei Lehzelter. Abschied.'] 

Auf Pag. 260 Nr. 15, 10. Zeile von oben statt Aequaraus lies Aequa- 
mur; Nr. 19, 2. Zeile statt Eichstadt lies Eichstädt; pag. 261 Nr, 19, 4. Zeile 
von oben statt Attenpetter lies Attenstetter; pag. 267, 6. Zeile von oben 
statt recordetus lies recordetur; pag. 291, 21. Zeile von oben statt vnd er lies 
vnd er; pag. 302 bei Aspruck statt Kleinkünslter lies Klein kü nst 1er ; 
pag. 303 statt Kulmpach lies Kulmbach; statt Michel, Angelo lies Michel- 
angelo; statt Orologgo lies Orologgio. 



DATE DUE 


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GAYLORD 






PRINTED IN U.S.A. 



NK951.H3 



ARTTT 



3 5002 00413 0972 

Hainhofer, Phihpp 

Des Augsburger Patriciers Philipp Hainho 



m 

951 

H3 



AUTHOR 

Hainhofer. 



TITLE Des Augsburger Patriciers 
Philipp Hainhofer Reisen. 



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DATE DUE 



BORROWER S NAME 



'ART LIBRARY 

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